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24.November
2014

Francis Durbridge – Paul Temple und der Fall Gregory

Benjamin Jendro

Durbridge - Paul Temple und der Fall GregoryWas Francis Durbridge für das Genre Krimi geleistet hat, kann man nicht mal so eben in einem winzigen Blogbeitrag zusammenfassen. Der Mann aus Yorkshire hat das 20. Jahrhundert in jedem Fall sehr vielfach bereichert und so muss festgehalten werden, dass 1998 ein Virtuose von uns gegangen ist, dem wir viele unterhaltsame Stunden verdanken. Durbridges Leistungen konnte man im Fernsehen bewundern. Noch viel eindrucksvoller aber sind sie dann, wenn man ihnen in der Hörspielform lauscht. Um die Kultfigur Paul Temple gab es einige interessante Fälle. Mit „Paul Temple und der Fall Gregory“ wird dem ein weiteres Kapitel, genau genommen der Erstling in Hörbuchversion hinzugefügt. Eine Inszenierung mit einem Ensemble rund um Komiker Bastian Pastewka macht das nicht weniger interessant.

Paul Temple zurück im Rampenlicht

Man mag über den Humor von Bastian Pastewka denken, wie man will. Schlussendlich aber ist der Entertainer sehr erfolgreich und das mittlerweile nicht ausschließlich als Comedian. In „Paul Temple und der Fall Gregory“ beweist er gemeinsam mit den anderen Sprechern, Janina Sachau und Kai Magnus Sting, dass seine Stimme da ein tragendes Element ist. Im Verbund lassen die drei den Zauber der Paul Temple Reihe neu aufleben und holen so ein großes Stück Krimigeschichte zurück ins Rampenlicht.

Der erste spannende Fall für Paul Temple

In den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war Paul Temple fester Bestandteil in der Krimiszene und auch nachhaltig blieben die einzelnen Episoden in den Köpfen präsent. Sein erstes Abenteuer aber, „Paul Temple und der Fall Gregory“, verschwand nach der Ursendung im Jahr 1949 für lange Zeit. Pastewka und Co. ist es zu verdanken, dass Mister Temple nun zurückkehrt. Fast zwei Stunden lang bekommt man hier einen tollen Einblick in eine Zeit, in der sich mittels vergifteten Martinis ungeliebten Personen entledigt wurde und man als Bösewicht mit falschen Visitenkarten für Irrglauben sorgte. Gespickt mit Witz, aber auch großer Detailtreue gibt es hier die Neuauflage wirklich einzigartiger Krimiliteratur.

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18.November
2014

William Shakespeare

Benjamin Jendro

William ShakespeareLiteratur ist Geschmackssache. Jeder Leser oder in diesem Fall auch jeder Zuhörer präferiert andere Autoren und Autorinnen, differente Genres und niemand kann sich anmaßen, dass das Buch, was er gelesen hat, das beste aller Zeiten ist. Nein, das geht nicht, denn literarischer Geschmack ist stets subjektiv. Dennoch gibt es aber einige Werke, denen man einen allgemeingültigen Unterhaltungswert zuspricht. Werke, die prägend für ihre Zeit sind und womöglich auch über diese hinaus einen gewissen Sonderstatus verinnerlichen. Zu diesen Werken gehören einige aus der Feder eines Herren Shakespeare. Der Brite ist ohne Frage und ganz objektiv gesehen einer der Größten, die es in der Literaturgeschichte jemals gab. Insofern ist eine Sammlung seiner größten Stücke gar nicht hoch genug einzuschätzen. „William Shakespeare“ sorgt definitiv für ein paar Tage absoluten Hörgenuss.

William Shakespeare – 46 Stunden grandiose Literatur

Einem Literaturfan würde es nicht wirklich schwer fallen, eine Liste mit den größten Klassikern aller Zeiten aufzustellen und bei der Top-5 nur auf Schriften von William Shakespeare zurückzugreifen. Ohne Frage hat der britische Dramaturg aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert, wenngleich seine Vita bis heute nicht vollständig rekonstruiert werden konnte, einiges bewegt und die Welt nachhaltig beeinflusst. Gesammelt sind seine Leistungen in dieser einzigartigen Anthologie, die alle zehn Tragödien, die fünf Königsdramen, zwei Komödien und ein Fragment beinhaltet.

Schauspielgrößen erweisen dem Meister Shakespeare die große Ehre

Einen Teil zum großen Unterhaltungswert dieser Hörbuchsammlung trägt auch die sehr vielstimmige Erzählweise bei. Keinesfalls werden die Werke von „Hamlet“ bis „Der Kaufmann von Venedig“ hier einfach nur heruntergesagt. Nein, „William Shakespeare“ ist eine Hommage großer deutscher Schauspieler aus den vergangenen Jahrzehnten, die den Literaturklassikern viel Leben und Emotion einhauchen. Gesammelt aus den deutschen Hörspielarchiven lauscht man so beispielsweise einem Klaus Kinski, wie er seine Interpretation von „Romeo und Julia“ vorlegt, oder Peter Lohmeyer, wie er den „Sommernachtstraum“ verstanden hat. Summa Summarum macht das ein echtes Meisterstück klassischer Dicht- und Erzählkunst.

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11.November
2014

Eckart von Hirschhausen – Wunderheiler

Benjamin Jendro

Hirschhausen - WunderheilerWenn man als Comedian Erfolg haben möchte, muss man entweder besonders lustig aussehen oder aber ein Programm haben, das zeitlich relevante Themen behandelt und den Menschen lustige Aspekte aus ihrem alltäglichen Leben präsentiert. Über diese lachen wir nämlich am meisten. Aus diesem Grund ordnen erfolgreiche Komiker ihrem jeweiligen Programm, mit dem sie unterhalten wollen, einen Schwerpunkt zu. Marion Barth geht auf die Unterschiede zwischen Mann und Frau ein, Kaya Yanar auf die Facetten des interkulturellen Austauschs. Eckart von Hirschhausen, seinerseits promovierter Doktor, hat die Medizin für sich auserkoren und bringt diese mittels viel Humor seinem Publikum näher. Er erklärt die Eigenarten unseres Körpers und sorgt dabei für viele Lachen erregende Momente. Das gelingt ihm brandaktuell auch mit „Wunderheiler“.

Wunderheiler von China bis Mecklenburg-Vorpommern

Ob auf literarische Art und Weise wie in „Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?“ oder in Form der medial präsenten Unterhaltung bei „Hirschhausens Quiz des Menschen“, der Hobbyzauberer von Hirschhausen versteht es phänomenal, Interessantes aus der Medizin in hübsche Anekdoten zu verpacken. „Wunderheiler“ lautet der Titel seines aktuellen Bühnenprogramms. Das dazugehörige Hörbuch ist ein Livemitschnitt, der den Zuhörer über 70 Minuten hinweg entertainen wird. Mit einer gesunden Mixtur aus wissenschaftlichem Fachjargon und allgemeinverständlicher Darstellung widmet sich Eckart von Hirschhausen den Zauberkünstlern der Wundheilung, stellt Magier aus dem entfernten asiatischen Raum und auch jene aus den einzelnen deutschen Bundesländern vor.

Wer an etwas glaubt, wird gesund

Interessanterweise wird dabei einiges als Placebo-Effekt klassifiziert. Wer von Hirschhausen kennt, weiß, dass er generell die Meinung vertritt, der Körper könne die meisten Krankheiten von alleine heilen. Insofern ist vieles, das als sonderbar verkauft wird, reiner Hokuspokus, an den wohlgemerkt viele glauben. Eine Heilung resultiert dann weniger durch den „Wunderheiler“ als mehr durch den individuellen Glauben an dessen Fähigkeiten. Es ist immer wieder amüsant zu beobachten, wie von Hirschhausen das seinen Zuhörern vor Augen führt.

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4.November
2014

Jo Nesbø – Der Sohn

Benjamin Jendro

Nesbo - Der SohnInnerhalb der Literaturszene gibt es einige Konstanten, die eine bestimmte Epoche bestimmen und die sinnbildlich für sie stehen. Heute ist das Spektrum sehr vielseitig, es gibt Werke zu allen Thematiken und als Resultat unterschiedlicher Herangehensweisen. Jeder findet heute etwas für seinen Geschmack, Grenzen gibt es keine mehr. Müsste man die heutige Szenerie aber beschreiben, würde es dennoch eine gute Bezeichnung geben. Wir leben in der Epoche, in welcher keiner an skandinavischen Kriminalromanen vorbeikommt. In der Tat ist die Flut, die da mit stetigen Neuerscheinungen auf uns einprasselt, enorm. Jo Nesbø ist einer dieser Vertreter, die heute die Literatur bestimmen. Der Norweger hat in den letzten Jahren mit seinen Romanen um Ermittler Harry Hole Leser aller Altersklassen und Berufsschichten für sich gewonnen. In „Das Kind“ nun zeigt er, dass er auch außerhalb seiner Reihe vielversprechende Plots erzählen kann.

Das Kind ist ein Heroinsüchtiger

Das Interessante an Jo Nesbøs neuem Roman „Das Kind“ ist, dass hier zwei Gegenspieler gegenüberstehen und der Ermittler nicht zwangsläufig der Gute ist. Ob er am Ende das Gesetz verkörpert, sei an dieser Stelle offen gelassen. Zunächst sieht es danach aus, im Verlauf aber dreht sich das vermehrt. Sprecher Sascha Rotermund jedenfalls lässt das Abschließende dank der wechselnden Intonation und aufgrund der Vorlage lange offen. In den zehn Stunden Hörbuch lernen wir zum einen Sonny Lofthus, „Das Kind“, kennen. Bei ihm handelt es sich um einen Heroin-Abhängigen, der zu Unrecht im Gefängnis sitzt und den anderen Insassen als Gegenleistung für die benötigte Drogenration ihre Sünden vergibt. Zum anderen geht es um Simon Kefas, einen Cop der alten Schule, der einst mit Sonnys Vater nicht nur einen guten Partner, sondern auch einen Freund hatte. Besagter Ab Lofthus ist das Bindeglied zwischen beiden, sein Schicksal der Aufhänger für diesen Kriminalroman.

Das Kind hat nichts zu verlieren

Sonny hat sich zu Beginn des Werkes mit seinem Dasein abgefunden. Doch nachdem es neue Erkenntnisse hinsichtlich des vermeintlichen väterlichen Suizids gibt, wandelt sich seine Haltung. Ab Lofthus galt als korrupter Ex-Cop, der sich letztlich selbst aus dem Leben riss. Mit den neuen Informationen scheint die Geschichte aber ganz anders abgelaufen zu sein. Ab war unschuldig und wurde umgebracht. Sonny will das nicht auf sich beruhen lassen und plant seinen Ausbruch sowie die alte Rechnung zu begleichen. Simon Kefas soll ihn davon abhalten und hat aufgrund der eigenen Historie auch allen Grund dazu. Spannend, sehr turbulent und mit einigen brisanten Wendungen avanciert „Das Kind“ zum sehr unterhaltsamen Kriminalroman mit Thrillerwürze.

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29.Oktober
2014

Sebastian Fitzek – Passagier 23

Benjamin Jendro

Fitzek - Passagier 23Sind Sie schon einmal auf einem Schiff gefahren? Bei Nacht, wenn es dunkel ist und die Wellen mit all ihrer Kraft gegen den Metallklotz peitschen? Nein? Dann stellen Sie sich das doch bitte einmal vor! Sie hören, wie der Wind fegt und spüren des turbulenten Seegang. Sie sehen ihn nicht, weil sie an Deck sind, aber nicht an der Reling, sondern in einem Schiffsdeck, das sonst nicht für Sie geöffnet ist, dem Maschinenraum. Jetzt stellen Sie sich bitte vor, dass Sie dort nicht allein sind, sondern jemand da ist, der sie töten möchte! Wenn Sie jetzt an diesem Punkt angelangt sind, wissen Sie in etwa, was Sie bei Sebastian Fitzeks neuem Thriller „Passagier 23“ erwartet.

Sebastian Fitzek lässt uns wieder zittern

Wem das nicht bildlich genug war, dem sei ein Blick auf den dazugehörigen Trailer auf Fitzeks Homepage empfohlen. Deutschlands Thrillerautor Nummer Eins hat das Schifffahren für sein neues Stück „Passagier 23“ auserkoren und damit einmal mehr sein Gespür für schaurige Szenarien bewiesen. In der Tat wird jeder, der schon in einem Maschinenraum im Bauch eines großes Schiffes stand, dem zustimmen müssen. Das fünfstündige Hörbuch, das von Simon Jäger spannend gesprochen wird, erzählt von einem Familienvater, der Frau und Kind bei einer Schiffsreise verloren hat. Sie sind spurlos verschwunden, niemand weiß, was geschehen ist. Niemand, bis auf das kleine Mädchen, das auftaucht und den Kuschelteddy seines Sohnemanns im Arm hält.

Sie ist Passagier 23

Früher arbeitet Martin Schwartz als angesehener Polizeipsychologe. Nach diesem Schicksalsschlag aber ist er selbst in tiefe Depressionen verfallen. Als verdeckter Ermittler widmet er sich oberflächlich einigen speziellen Fällen, eigentlich aber bestimmt eine tiefe Psychose seinen Alltag. Was genau mit Nadja und Tim geschehen ist, lässt sich nicht rekonstruieren, beschäftigen tut ihn das aber trotzdem. Da keimt zumindest etwas Hoffnung auf, als ihn eine Thrillerautorin mit der Aussicht auf neue Erkenntnisse kontaktiert. Martin soll sich auf den Unglücksdampfer Sultan of the Sea begeben. In diesem Zusammenhang erscheint der „Passagier 23“, ein kleines Mädchen, das Tims geliebten Teddy mitbringt.

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21.Oktober
2014

Patrick Modiano – Im Café der verlorenen Jugend

Benjamin Jendro

Modiano - Im Cafe der verlorenen JugendPünktlich zum Todestag von Alfred Nobel werden am 10. Dezember in Stockholm wieder die Nobelpreise vergeben. Bis auf jenen, den es für das Engagement für den Frieden gibt. Dieser wird traditionell in Oslo überreicht. Etwa zwei Monate vorab werden die jeweiligen Preisträger bekanntgegeben. In die namhafte Rangliste der Nobelpreisträger für Literatur, zu der Leute wie ein Canetti, ein Pirandello, ein Hemingway oder eine Herta Müller gehören, gesellt sich in diesem Jahr der Franzose Patrick Modiano, der zwar etwas überraschend, aber keinesfalls unverdient die Nachfolge von Alice Munro antreten darf. Einer der Gründe dafür ist sein Werk „Im Café der verlorenen Jugend“, das beispielhaft für den Stil des Romanciers steht.

Im Café der verlorenen Jugend – Eine Geschichte über Menschen

Wer von Patrick Modiano bisher nichts gehört hat, muss keineswegs ein Kunstbanause sein. In der Tat ist der 69-Jährige in Deutschland eher unbekannt, weil seine Romane hier noch nicht so ganz durchstarten konnten, obwohl ihnen zumeist eine Thematik zu Grunde liegt, die sich auf unsere Geschichte bezieht. Modiano widmet sich in vielen Schriften der Deutschen Besetzung in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs und erzählt von den dadurch resultierenden Eindrücken der Franzosen. Das machte ihn in Frankreich zu einem der erfolgreichsten und einflussreichsten Autoren der heutigen Zeit. Ebenfalls sehr präsent sind die 1960ern, die einen anderen Bereich seines literarischen Schaffens ausmachen. In ihnen geht es zumeist um das Thema Liebe und die individuelle Existenz jedes Einzelnen. Im Grunde genommen handeln seine Erzählungen von Menschenschicksalen. Da nimmt sich auch „Im Café der verlorenen Jugend“ nicht aus.

Louki sucht nach einem Halt im Leben

In sehr einfühlsamen Zeilen erzählt Modiano in „Im Café der verlorenen Jugend“ von Louki, die bereits als Kind immer aus den heimischen vier Wänden geflüchtet ist. Diese nicht vorhandene Bereitschaft, sich an etwas zu binden, zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. So ist sie vor einem Jahr auch ihrem Mann Neuilly, einem Immobilienmakler, davon gelaufen. Ihr Geliebter Roland könnte eine Konstante darstellen. Er könnte, denn beruhigend ist die Situation auch jetzt nicht. Das liegt daran, dass sie „Im Café der verlorenen Jugend“ vom Detektiv ihres Mannes auf Schritt und Tritt beobachtet wird. Eingebunden in die Atmosphäre der Stadt der Liebe in den sechziger Jahren erlebt man so eine emotional bewegende Geschichte mit Höhen und Tiefen.

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15.Oktober
2014

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt – Das Mädchen, das verstummte

Benjamin Jendro

Hjorth&Rosenfeldt - Das Mädchen, das verstummteSebastian Bergman ist ein echt eigenartiger Kauz. Da erwecken ihn die beiden schwedischen Autoren Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt dank ihren Romanen zum Leben und dem raubeinigen Kriminalpsychologen fällt nichts Besseres ein, als mit seiner überheblichen, selbstverliebten Art zwar einen Fall nach dem anderen zu lösen, dabei aber selten mit Sympathie zu punkten. Okay, Sebastian Bergman ist ein wirklich guter Ermittler, aber ein wenig mehr Freundlichkeit schadet nicht, oder? Die beiden Schriftsteller haben sich in „Das Mädchen, das verstummte“ ein wenig von ihrer gewohnten Linie entfernt. Denn erstmals in der Karriere des Sebastian Bergman erleben wir Emotionen, was den sehr schwierigen Charakter endlich einmal mit einem Hauch Menschlichkeit versieht.

Das Mädchen, das verstummte, hat einen Vierfachmord erlebt

Sebastian Bergman wird stets dann in einem Mordfall hinzugezogen, wenn der Laie am Ende der Ermittlungsarbeit angelangt ist, sich alles noch immer als ein unüberschaubares Rätsel erweist und man die Hilfe eines alleswissenden Experten benötigt. In Torsby kommt man ohne diesen nicht weiter. Die Familie Carlsten, ein Ehepaar und ihre beiden Söhne, wurden aus nächster Nähe in die ewigen Jagdgründe befördert. Der ziemlich kaltblütige Mord wirft Fragen auf, vor allem das Motiv und der Tathergang sind weitgehend ungeklärt. Ein entscheidendes Puzzleteil könnte „Das Mädchen, das verstummte“ liefern. Ihre Fußspuren führen nämlich vom Tatort in den dunklen Wald hinaus.

Das Mädchen, das verstummte, lässt Erinnerungen aufkommen

Wer Sebastian Bergman bisher auf seinem Lebensweg begleitet hat, weiß um den harten Schicksalsschlag, der er hinnehmen musste und der ihn sicherlich zu diesem kalten Mann werden lassen hat. „Das Mädchen, das verstummte“ ist die zehnjährige Nichte des erschossenen Familienvaters und sie erinnert Bergman an seine eigene Tochter, die er einst nicht retten konnte. Aus Angst verschanzt sich die Kleine im Wald und legt bewusst falsche Spuren. Das macht es auch den Ermittlern zunehmend schwer, sie zu finden und so ihre Überlebenschancen wieder zu erhöhen. Wer den siebeneinhalb Stunden Hörbuch lauscht, wird es selbst sehnlichst herbeiwünschen, dass „Das Mädchen, das verstummte“ gefunden wird.

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7.Oktober
2014

Hape Kerkeling – Der Junge muss an die frische Luft

Benjamin Jendro

Kerkeling - Der Junge muss an die frische LuftKaum eine Stunde vergeht, in der es nichts Brisantes aus der Promiwelt unseres Landes zu berichten gibt. Weitet man das Ganze über die Grenzen hinaus aus, bleibt der Liveticker keine fünf Minuten still. Das ist manchmal ganz unterhaltsam, ein Freund vom Breittreten dieser Informationen bin ich aber nicht. Wenn man es einmal gehört hat, reicht es dann auch, oder etwa nicht? Anscheinend nicht – so schauen momentan alle mit Argusaugen auf die Berichterstattung zu Hape Kerkelings nun offenbartem Kindheitstrauma. Dieses ist ohne Frage keine schöne Erfahrung und Kerkeling nutzt sein neues Werk „Der Junge muss an die frische Luft“ sicherlich auch, um darüber hinwegzukommen. Schreiben als Seelenreinigung wäre keine neue Sache. Man sollte ihm aber auch zugestehen, dass er mit dieser autobiographischen Schrift einen Strich unter die Sache zieht und vielleicht nicht vergessen, aber doch abschließen kann.

Der Junge muss an die frische Luft

Neben dem Suizid seiner Mutter gibt es nämlich auch andere Sachen, die in der Autobiographie, die Hape Kerkeling gemäß seines Naturells für dieses Hörbuch selbst eingesprochen hat, Eindruck machen. An vielen Passagen wird deutlich, dass es sich beim fast Fünfzigjährigen um einen Vollblut-Entertainer handelt, dem dies bereits in Kindheitsjahren anzusehen war. So schwer die Zeit war, in der seine Mutter sich für den Freitod entschieden hat, so groß war auch der familiäre Zusammenhalt, der Hape eine gewöhnliche Kindheit ermöglichte. Zumindest so gut, wie es ging. So entdeckt man beim Zuhören einen ganz gewöhnlichen Jungen aus Recklinghausen, der nach Ansicht der Tante auch mal an die frische Luft gehörte und es einst der Großmama versprach, irgendwann einmal im Rampenlicht zu stehen.

Hape Kerkeling liebt das Leben

Insofern lautet das Fazit, das Hape Kerkeling zwar nicht explizit ausspricht, es dafür aber zwischen allen Zeilen zu spüren ist, dass er das Leben liebt und als lebenswert einstuft. Schicksalsschläge gehören dazu, sie formen einen Menschen. Man wächst daran, wie man etwas verarbeitet. Hape Kerkeling macht das mit Humor und das gelingt ihm zu unserem Glück bemerkenswert gut. „Der Junge muss an die frische Luft“ ist nun der zweite Beweis dafür, dass er auch literarisch etwas zu bieten hat. Schon die Pilgerbeschreibung „Ich bin dann mal weg“ kam gut an, das neue Stück muss sich dahinter nicht verstecken.

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30.September
2014

Volker Klüpfel und Michael Kobr – Grimmbart

Benjamin Jendro

Klüpfel und Kobr - GrimmbartAutorengespanne sind ohne jegliche Abstriche ein recht sonderbares wie auch faszinierendes Element der heutigen Literaturwelt. Bei den vielen Duos, die heute die Szene bestimmen, möchte man sich nicht ausmalen, was geschehen wäre, wenn die Herren von Goethe und Schiller gemeinsame Sache gemacht hätten. Eine ebenso interessante Vorstellung wäre doch eine Zusammenarbeit von Agatha Cristie und Sir Arthur Conan Doyle gewesen. Irgendwie schade, dass dies der Menschenwelt vorenthalten blieb. Dafür aber bekommt man beim Gespann Klüpfel und Kobr ein kleines, aber nicht weniger unterhaltsames Trostpflaster. Ihr Kommissar Kluftinger darf sich in „Grimmbart“ bereits in sein achtes Abenteuer stürzen.

Grimmbart ist fabelhaft

Als „fabelhaft“ wurde Kluftingers neuer Fall vorher auf der Homepage der beiden Autoren angepriesen. Nach den 15 Stunden ungekürzte Krimi-Hörbuchfassung von „Grimmbart“ kommt man zur selben Einschätzung. Ja, die beiden haben sich mal wieder selbst übertroffen. Das, über was beim veröffentlichten Buchtrailer bereits zu spekulieren war, zieht sich durch das gesamte Werk. „Grimmbart“ strotzt nur so vor spannenden Ereignissen und wird durch einen Ermittler bereichert, den man einfach gern haben muss. Mit dem Schloss Bad Grönenbach, zu dessen Besuch ihn Intimfeind Langhammer überredet, bekommt das Ganze auch noch eine schaurige Szenerie.

Grimmbart – Ganz schön was los bei den Blaublütigen

Kaum dort angekommen, um nach dem Rechten zu sehen, entdeckt Klufti die Frau des Barons, die ziemlich verrenkt keinen Atemzug mehr von sich gibt. Dass direkt dahinter Selbiges in Gemäldeform abgebildet ist, verwundert nicht nur den Protagonisten. Zudem verzieht sich der Baron immer wieder in den schlosseigenen Märchenwald. Was für eine grausige Familiengeschichte geht hier von Statten? Die Situation wird von beiden Autoren mal wieder perfekt auf Kluftingers eigene Familie übertragen. Tot ist hier zwar keiner, aber der Sohnemann möchte seine Yukimo heiraten. Da haben sich doch glatt ihre Eltern aus Japan angekündigt. Langhammer nutzt die Chance und unterstützt den Besorgten bei dieser kulturellen Herausforderung.

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24.September
2014

Paulo Coelho – Untreue

Benjamin Jendro

Coelho - UntreueGanz persönlich vertrete ich ja die Ansicht, dass südamerikanischen Autoren bei uns in Europa viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Einzig auf der iberischen Halbinsel finden die Geschichten Eingang in unseren Kontinent. Bei Recherchen zur Fußball-Weltmeisterschaft ist mir einmal mehr aufgefallen, welch großartige Erzählungen uns dabei verschlossen bleiben. Paulo Coelho ist einer der wenigen, wenn nicht sogar der einzige Schriftsteller, der es auch in Deutschland zu großem Ansehen gebracht hat, obwohl er aus Südamerika stammt. Seit Jahren schon erscheinen seine einfühlsamen Stücke beim Diogenes-Verlag. „Untreue“ reiht sich da nahtlos ein und lässt den Zuhörer wieder mal dahinschmelzen.

Untreue ist nicht pauschal verwerflich

Die „Untreue“ eines Menschen ist generell zu verurteilen. Es gibt wenige Gründe, die ein derartiges Vorgehen rechtfertigen und dennoch gibt es sie. So unsympathisch uns Coelho seine Figur, die Journalistin Linda, auch einführt, so mehr versteht man sie nach und nach. Besagte junge Frau hat sich von ihrem Leben scheinbar nie mehr erträumen können als das, was sie jetzt um sich hat. Im Job ist sie auf die Erfolgsspur geraten, privat  sieht es ebenfalls nicht allzu schlecht aus. Daheim warten ein liebender und fürsorglicher Ehemann und selbst Bambini haben die beiden bereits auf die Welt gebracht. Dennoch ist Linda nicht zufrieden mit der Situation und begeht ein Wagnis, das alles verändern wird.

Was bedeutet es, wirklich zu lieben?

Die zentrale Frage, die Paulo Coelhos „Untreue“ als der rote Faden durchzieht, besteht darin, was wahre Liebe wirklich ist. Linda ist dreißig, als sie an diesen Scheideweg gerät. Sie begibt sich Hals über Kopf in eine Affäre mit einem früheren Bekannten und schlittert damit voll in den Gefühlsrausch. Ist es das, was sie glücklich macht und ist es wirklich verwerflich, im Leben auch einmal an sich zu denken? Das mag niemand beantworten. Erst recht nicht, wenn mal Coelhos Werk, das von Luise Helm recht emotional gefärbt eingesprochen wurde, hinter sich hat.

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