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27.August
2015

Stephen King – Finderlohn

Benjamin Jendro

King - FinderlohnAuch in bin ein Fan verschiedener Schriftsteller und stets enttäuscht, wenn es lange nichts von einem dieser Virtuosen zu hören gibt. So weit wie Morris Bellamy, einem der neuen Protagonisten, in Stephen Kings Figurenrepertoire würde ich aber nie gehen. Bellamy ist von seinem Idol John Rothstein, einem Schriftsteller, so besessen, dass er ihn umbringt, weil er nicht mehr schreibt. Dieses psychopathische Vorgehen kann genau genommen von niemand anderem so ausgesponnen werden. Denn Stephen King ist ein absolutes Unikat, der immer mal wieder mit sonderbaren Charakteren beeindruckt. Bellamy ist der zentrale Gegenspieler für Ermittler Bill Hodges, der im Mittelteil der Mr. Mercedes Trilogie um den „Finderlohn“ feilschen muss.

Wieder Arbeit für Bill Hodges

In „Mr. Mercedes“ hat er sich erstmals gezeigt und definitiv Eindruck hinterlassen. „Finderlohn“ ist nun der zweite Roman der Serie, die im kommenden Jahr ihr Finale erlebt („End of Watch“, dt. Titel bisher unbekannt). An sich ist es für ein Mittelstück nicht immer einfach, ernsthaft unterhaltsam zu sein. Schließlich profitiert es weder von der frischen Unbekanntheit eines ersten Bandes noch von der langsam deutlicher werdenden Botschaft eines Finales. Dennoch aber kann sich auch „Finderlohn“ sehen lassen. Detektiv Bill Hodges kann sich in den rund 18 Stunden Thriller-Abenteuer von seiner besten Seite zeigen. David Nathan führt wie schon bei „Mr. Mercedes“ hervorragend durch Kings Werk und stellt die Ambivalenz des Psychopathen in aller Ausprägung in den Raum. Hodges muss sich mit Morris Bellamy herumschlagen. Dieser hat Rothstein, einen Bestsellerautor der Sechziger, ermordet und dessen Hab und Gut vergraben. Für ein anderes Vergehen landet er im Knast. Als er wieder auf freiem Fuß ist, will er seinen Schatz bergen, doch den „Finderlohn“ hat bereits ein anderer eingeheimst.

Ein gefährlicher Finderlohn

Hier kommt Peter Saubers, die dritte wesentliche Figur, ins Spiel. Der Junge trifft auf den von Bellamy vergrabenen Schatz – unveröffentlichte Manuskripte, Notizbücher und Bargeld. Doch so wirklich glücklich kann man das nicht nennen, denn damit landet Saubers direkt auf der Abschussliste des Psychopathen. Zumal Saubers sich anmaßt, das Geld für seine Familie, die jeden Cent benötigt aufzuwenden. Er kann sich glücklich schätzen, weil Hodges ihn im Auge hat und so vor Bellamy beschützt. 35 Jahre nach dem einstigen Mord will er einen weiteren begehen und den rechtmäßigen Finder um seinen „Finderlohn“ bringen.

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19.August
2015

Don Winslow – Das Kartell

Benjamin Jendro

Winslow - Das KartellJede Freundschaft durchläuft eine Entwicklung. Aus einer losen Bekanntschaft kann eine zementfeste Bruderschaft entstehen und manchmal auch genau das Gegenteil. Es gibt wahnsinnig viele Romane, in denen zwei Kinder sich kennenlernen und ihre Bindung über viele Jahre hinweg aufrechterhalten. Manchmal auch gibt es eine Story darüber, wie sich zwei enge Freunde auseinanderleben und erst Jahre später wieder zueinander finden. Eher selten hingegen ist die dritte Variante, nämlich, dass sich zwei enge Freunde nicht aus den Augen verlieren und zu erbitterten Feinden wachsen. Bei Don Winslow, einem wirklich erfolgreichen Schriftsteller dieser Tage, ist genau das der Fall. Sein neuer Roman „Das Kartell“ zeigt den Drogenhandel in Mexiko und das erbitterte Duell zwischen Ermittler Art Keller und Drogenboss Adan Barrera.

Zwischen den beiden liegen viele Tote

Art und Adan waren mal zwei gute Freunde. Die Zeit hat ihre Beziehung verändert, die vielen Toten ebenso. Ersterer ist mittlerweile Drogenfahnder. Objekt seiner Begierde ist der Niedergang von Adan Barrera, seinem einstigen Kumpel und jetzigen Drogenbaron. Bei seiner atemlosen Jagd auf den Widersacher scheint jedes Mittel recht. Das Ziel ist der Weg und wenn Art dafür Grenzen übertreten muss, um die Gesetzlosen zur Strecke zu bringen, dann ist es ebenso. Winslow zeigt ein tolles und vor allem sehr reales Bild des mexikanischen Drogensumpfs. Deutlich ist, dass Macht und Korruption eng miteinander verschränkt sind, Gerechtigkeit auslotbar ist und Rache das tägliche Geschehen auf allen Seiten bestimmt.

Das Kartell zeigt die Drogengeschichte Mexikos

Don Winslows „Das Kartell“ beginnt mit einer äußerst langen Todesliste und das nicht zu Unrecht. Der Autor widmet sein Werk all jenen Journalisten, die in den letzten 15 Jahren über den Drogensumpf Mexikos berichteten und dafür mit ihrem Leben bezahlten. Ob sie sich Drogenbossen, korrupten Polizisten, Straßenbanden oder Söldnern widmeten, spielt dabei keine Rolle. Sie alle sind Opfer eines vollkommen aus den Rudern geratenen Systems. Die Printausgabe ist mehr als 800 Seiten stark, beim Hörbuch sind es fast 30 Stunden. Dietmar Wunder führt durch einen Roman, der die kriminelle Geschichte Mexikos zeigt und so eine sehr gelungene Fortsetzung des erfolgreichen Vorgängers „Tage der Toten“ ist.

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12.August
2015

Anna Todd – After Forever

Benjamin Jendro

Anna Todd - After ForeverWieder einmal müssen sich die treuen Zuhörer romantischer Hörbücher damit abfinden, dass eine grandiose Serie zu Ende geht. Anna Todd hat sich in den vergangenen Monaten zu einer der beliebtesten Autorinnen aufgeschwungen. Alle zwei Monate hat sie einen neuen Band ihrer „After-Reihe“ veröffentlicht und so jenen Fans Nachschub beschert, die sich die einzelnen Kapitel schon vorher aus dem Internet, wo sie die herausgab, runterzogen. Ihre Story ist eine von Erfolg verwöhnte. Doch mit der vierten Episode „After Forever“ endet die Liebesgeschichte von Tessa und Hardin. Auf satten 21 Stunden, die von Nicole Engeln und Martin Bross gesprochen werden, erleben wir ein sehr gelungenes Finale.

Sind Tessa und Hardin stark genug?

In diesem wird final geklärt, wie stark die Verbindung zwischen den beiden Protagonisten Tessa und Hardin wirklich ist. Er ist der Macho, der von Beginn an eine enorme Anziehungskraft auf sie, das junge naive Rehkitz, abgestrahlt hat und sich später als sehr tiefschichtiger Charakter entpuppte. Sie wiederum wirkte zu Beginn recht orientierungslos und ließ sich treiben. Hardin war dadurch der starke Part in der Beziehung. In „After Forever“ hat sich die Situation längst verändert. Mittlerweile ist sie es, die ihm Halt gibt. Das führt sogar so weit, dass Tessa alles zu opfern bereit ist und sich selbst großes Leid zuführen würde, um Hardin mit aller Macht zu schützen.

Es wird nicht das letzte Werk von Anna Todd sein

Die Texanerin Anna Todd hat früh geheiratet, lebt im texanischen Austin. In den „After-Romanen“ verarbeitet sie ihre eigenen Interessen, Träume und Wünsche. Todd hat ein Faible für Boygoups und Teeniefilme. Eine richtige Teenie-Romanze sind auch die einzelnen Bände. Hardin ist nicht zufällig ein Typ wie Harry Styles von One Direction. Zwar scheint diese Geschichte auserzählt, doch eines ist wohl gewiss. Die Ideen für romantische Stoffe werden Anna Todd mit Mitte zwanzig nicht ausgegangen sein und wir werden wohl schon bald in den Genuss einer weiteren Reihe kommen, die den Zuhörer dahinschmelzen lässt

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6.August
2015

Paul Maar – Ein Sams zu viel

Benjamin Jendro

Ein Sams zu vielMeine Kindheit wurde von einigen lustigen Gestalten begleitet. Eine war ein lustiges Kerlchen mit dem sonderbaren Namen „Das Sams“. Dieses hat sich mit seiner frechen Art und den immer wieder spaßigen Erlebnissen richtig eingebrannt in mein Gedächtnis. Umso erfreuter bin ich nun, selbst aus den Kindesschuhen heraus, dass solche Helden meiner Kindheit noch nicht von der Bildfläche verschwunden sind und immer noch große Präsenz ausstrahlen. Dass die Geschichte noch längst nicht ausgeschöpft ist und immer weiter erzählt werden kann, beweist Paul Maar mit der aberwitzigen Story „Ein Sams zu viel“.

Plötzlich sind es zwei Samse

Abrakadabra, simsalabim und plötzlich sind es zwei Samse. Verantwortlich dafür ist ein unbedachter Moment von Herrn Taschenbier. Der Chef mit dem toll klingenden Namen hat einen Wunsch frei, denn das Sams möchte ihm zum Geburtstag seinen letzten Wunschpunkt schenken, der hinter dem Ohrläppchen schlummert. Herr Taschenbier aber wünscht sich etwas, dass der Schenkende so eher nicht vorhergesehen hat. Damit die ewig schimpfende Frau Rotkohl endlich Ruhe gibt, wünscht er ihr ein eigenes Sams herbei. Ehe er sich versieht, hat der Titelheld einen Doppelgänger. Leider entspricht der so gar nicht seiner Vorstellung und wirkt irgendwie wie ein äußerst schlechter Klon des Originals – des legendären Taschenbier-Sams.

Das neue Sams ist eines zu viel

Das neue Sams ist merkwürdig geraten. Es ist das perfekte Wunschkind, genau so, wie es Eltern sich immer wünschen. Es hält sich an Regeln und passt sich an, ist zugleich aber extrem naiv und ziemlich dümmlich. Das passt dem Original natürlich gar nicht, zumal ein zweiter seiner Art ohnehin vollkommen neuartig und fehl am Platz ist. Das Sams reagiert wütend und eifersüchtig, das erste Aufeinandertreffen ist schon eine recht giftige Begegnung. Dass Herr Taschenbier Sympathien für den Charakter des Neulings entwickelt, ist nicht gerade förderlich für das ohnehin sehr angeknackste Selbstvertrauen des Sams. „Ein Sams zu viel“ ist so ein Titel, der clever gewählt scheint und den Inhalt der 108 Hörbuchminuten recht gut zusammenfasst.

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30.Juli
2015

Harper Lee – Gehe hin, stelle einen Wächter

Benjamin Jendro

Lee - Gehe hin, stelle einen WächterVierzig Millionen verkaufte Exemplare Harper Lee von ihrem einzigen bisher veröffentlichen Roman. „Wer die Nachtigall stört“ prägte eine ganze Generation und gilt als eines der einflussreichsten Bücher, das jemals geschrieben wurde. Besonders ist, dass dieser Erfolg sie zu einer der bekanntesten Autorinnen gemacht hat, ihr sogar den Pulitzer-Preis bescherte. Schließlich blieb ihr erster bis jetzt auch ihr letzter Roman. Mit der Veröffentlichung von „Gehe hin, stelle einen Wächter“ erscheint nun endlich ein zweites Werk aus ihrer Feder, erst 55 Jahre nach ihrem Erstling und das, obwohl das Manuskript bereits vorher fertig war.

Harper Lees Sicht der 1950er

Gehe hin, stelle einen Wächter“ spielt mitten in den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Ort und Charaktere sind die gleichen wie bei „Wer die Nachtigall stört“, doch die Handlung spielt eben zwei Jahrzehnte später. Jean Louise Finch ist mittlerweile erwachsen und dementsprechend in einem Zustand, in dem sie sich selbst ein Bild vom Geschehen in der Welt machen kann. Mit einer nunmehr eigenständigen Persönlichkeit ist sie in der Lage, auch Vater Atticus entgegenzutreten und die eigene Meinung mit Argumenten zu vertreten. Dazu gehört es eben auch, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse, so wie sie im Moment sind, sich wandeln müssen. Harper Lee thematisiert das wie schon im vorherigen Stück mit ganz eigenen Worten und einer grandiosen Sprache.

„Gehe hin, stelle einen Wächter“ war lange versteckt

Siebeneinhalb Stunden geht die Hörbuchfassung von „Gehe hin, stelle einen Wächter“. Nina Hoss spricht die Geschichte und verleiht der Erzählung einen ganz eigenen Charme. Dass es überhaupt zu einer Veröffentlichung kam, liegt an einer Bekannten, die das verschollene Manuskript wiederfand und Harper Lee im Alter von 89 noch mal in den literarischen Fokus rückte. Nun kam raus, dass der Text bereits vor „Wer die Nachtigall stört“ geschrieben wurde und sogar ursprünglich als eben dieses veröffentlicht werden sollte. Warum sich Harper Lee letztlich so entschied, bleibt ihr Geheimnis. Am Inhalt von „Gehe hin, stelle einen Wächter“ liegt es definitiv nicht.

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23.Juli
2015

Minions

Benjamin Jendro

MinionsIm Kino kommt man des Öfteren zum lachen. So doll wie bei den kleinen „Minions“ aber selten. Die gelben Zwerge mit Latzhose überzeugen mit ihrer unvergleichlich verpeilten Art und begeistern Groß und Klein. Nachdem sie die ersten beiden Episoden von „Ich – Einfach unverbesserlich“ rockten und letztlich dafür sorgten, dass das Animationsabenteuer so ein Erfolg wird, haben sie in diesem Jahr endlich ihren ganz eigenen Kinofilm bekommen. Gerade aufgrund ihrer sonderbaren Laute, die irgendwie niemand so recht versteht, sorgte das für pausenloses Gelächter. Natürlich gab es dabei auch ein wenig Story, die man sich in der Hörbuchversion ebenso mal zu Gemüte führen kann.

Die Minions, wie wir sie kennen und lieben

Noch immer befinden sich die kleinen Gelblinge auf der Suche nach einem echten Superschurken. Bisher sind alle Versuche, einem Bösewicht zur Weltherrschaft zu verhelfen, komplett gescheitert. Die „Minions“ haben zum Beispiel Napoleons Russland-Feldzug in den Sand gefahren. Jetzt aber könnte sich das Blatt endlich wenden, denn Kevin, Bob und Stuart haben eine tolle Idee und machen sich auf den Weg nach New York City, wo sie auf einer Tagung der Kriminellen nach einem neuen Partner suchen. Dort treffen sie Schurkin Scarlet Overkill, die der Queen Elizabeth II. die Krone entwenden möchte

Fast zwei Stunden Comedy pur

Dass die „Minions“ ultimativ lustig sind, daran mag niemand zweifeln. Interessanterweise, das hat der Film bewiesen, funktionieren sie auch recht gut alleine. Das Hörbuch dauert fast zwei Stunden und sorgt für viele Lacher. Gesprochen wird die Geschichte von Oliver von Rohrbeck und eben dieser zeigt sich verdammt variabel, sogar was die Intonation der einzelnen „Minions“ angeht. 899 sind es an der Zahl und da entsteht zwischendurch schon ein wenig der Eindruck, dass man die Übersicht verlieren könnte. Diese Planlosigkeit passt aber irgendwie zu den kleinen Helden und macht das Hörbuch für Fans umso unverzichtbarer.

 

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16.Juli
2015

Die drei Fragezeichen – Der gestohlene Sieg

Benjamin Jendro

Der gestohlene SiegIn der Bundesliga bereiten sich die einzelnen Vereine derzeit auf die kommende Saison vor. In den Trainingslagern dieser Welt machen sie sich fit. In den anderen europäischen Spitzenligen sieht es nicht anders aus. Für den Fußball-Fan ist diese Zeit hart. Wenn keine Europa- oder Weltmeisterschaft auf dem Plan steht, sind das ein paar leere Wochen. Da trifft es sich gut, dass Deutschlands bekanntestes Ermittler-Trio sich dem Thema Fußball widmet und die Sommerpause für eine Episode rund um das runde Leder nutzt. „Die drei Fragezeichen – Der gestohlene Sieg“ ist Band Nummer 176 der grandiosen Hörspiel-Reihe.

Die drei Fragezeichen untersuchen ein manipuliertes Spiel

Die L. A. Strikers liegen zehn Minuten vor dem finalen Pfiff mit zwei Toren im Hintertreffen. Die Situation scheint ausweglos. Selbst, wenn der eingefleischte Fußballfan da einige historische Daten und Spiele im Repertoire hat, die großartige Aufholjagden bezeugen. Der Gegner, die Rochester Ravens, sind derart überlegen, dass wirklich nichts auf eine Wende hinweist. Plötzlich aber ist ein Bruch im Spiel und die Strikers sichern sich den Pokal. Eine Entwicklung, die mit rechten Dingen ablief? Mitnichten, sonst wäre „Der gestohlene Sieg“ ja kein neuer Fall für Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. Die Geschichte lehnt sich sehr am Ärgernis um Schiedsrichter Robert Hoyzer und den vielen verschobenen Spielen im europäischen Fußball an. Hier hat allerdings ein skrupelloser Erpresser seinen Anteil.

Die drei Fragezeichen ermitteln mit Bravour

Nein, die Komponente Wettmafia wird nicht in „Der gestohlene Sieg“ eingebettet. Spannend ist der Fall aber dennoch, weil auch Nummer 176 die gewohnten Elemente von „Die drei Fragezeichen“ dazu nutzt, den Zuhörer für sich zu gewinnen. Die charismatischen Jung-Detektive, die mittlerweile auf reichlich Erfahrung zurückblicken können, bekommen einen neuen Fußballfall. Der erste in ihrer Geschichte ist es zwar nicht. Eine neue Herangehensweise aber durchaus. Es geht nämlich um Frauenfußball, womit man im 21. Jahrhundert angekommen scheint. Zwar wird das Rätsel schon vor dem Finale relativ gut aufgeschlüsselt, Unterhaltung ist aber trotzdem bis zum Schluss geboten. Ein richtiger Fall für „Die drei Fragezeichen“ halt.

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9.Juli
2015

Stefan Ahnhem – Herzsammler

Benjamin Jendro

Ahnhem - HerzsammlerMan kennt die Kriminalromane um den kultigen Ermittler Kurt Wallander von Henning Mankell zu genüge. Immer wieder plätschert ein neuer Fall des schwedischen Vorzeigeschriftstellers über die Flimmerkiste. Für diese umgesetzt wurden viele Stücke von Stefan Ahnhem, der sich neuerdings auch selbst an schaurigen Geschichten versucht und diese zu Papier bzw. zum Hörbuch bringt. „Herzsammler“ ist der zweite Fall für seinen Protagonisten Fabian Risk und einer, der dem Leser in jeder Minute der satten fünfzehn Stunden Hörbuch den Atem raubt – ein echter skandinavischer Kriminalroman halt.

Zwei Leiche und ein Ermittler mit privaten Problemen

Fabian Risk ist der typische Romanermittler. Seinen Job macht er gut, ständig brennt es irgendwo. Vor allem aber scheint er das eigene Privatleben nicht so ganz in den Griff zu bekommen. Risks Ehefrau klagt ständig über ihre Sorgen, am meisten leidet die gemeinsame Tochter unter der Situation. Für ihn selbst wäre es mal an der Zeit, ein wenig die Wogen zu glätten. Zeit dafür hat er aber nicht, denn der Tod des Justizministers verlangt seine ganze Aufmerksamkeit. Brutal ermordet wird kurz darauf auch die Gattin eines sehr erfolgreichen TV-Moderators. Wie dem Minister wurde auch ihr ein lebenswichtiges Organ entnommen – es ist das Werk vom „Herzsammler“.

Ein Handlungsstrang erinnert an „Saw“

Erinnern Sie sich noch an Jigsaw, den rechthaberischen Killer aus einer bekannten Horrorfilmreihe? Irgendwie erinnert eine Szenerie in „Herzsammler“ genau an diese Reihe. Sofie Leander möchte sich einen ewigen Wunsch erfüllen und endlich Mutter werden. Sie scheint auf der Zielgerade, doch nachdem sie aus der Narkose aufwacht, findet sie sich gefesselt in einer Zelle wieder. Was sie mit den beiden Leichen zutun hat, erklärt Ahnhem nach und nach. Risk jedenfalls versucht gemeinsam mit Niva, einer hochtalentierten Technikexpertin, ein wenig Licht in den Fall zu bringen. Nachdem sich ein Tatverdächtiger das Leben nimmt, scheint das Rätsel fast gelöst. Risk jedoch glaubt nicht an die Lösung und beweist damit großes Ermittlergespür.

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2.Juli
2015

Martin Walker – Provokateure

Benjamin Jendro

Walker - ProvokateureWer in Oxford studiert hat, der kann schon mal auf eine durchaus erfolgreiche Station in seinem Lebenslauf zurückgreifen. Wer von da dann nach Harvard geht, wird auch nicht gerade weniger Lorbeeren im Rucksack haben. Mal abgesehen davon, dass Martin Walker hinsichtlich der Studienrichtung nicht ganz so entschlossen war und von Geschichte hin zur Wirtschaft wechselte, kann sich seine Vita also sehen lassen. Nach dem Studium ging es für den Schotten zum The Guardian und von da direkt in die Bestsellerlisten der Welt. Besonders seine Romane um Ermittler Bruno Courrèges  kommen bei den Lesern gut an. In „Provokateure“ schickt er seinen Protagonisten in Fall Nummer Sieben.

Der Polizist von Saint-Denis hat Sorgen

Die Weinernte im Périgord könnte in diesem Jahr wesentlich schlechter ausfallen. Grund dafür ist ein nicht aufhörender Dauerregen, der die Bestände in große Gefahr bringt. Während die Anwohner um ihre wirtschaftliche Situation bangen, hat der einzige Polizist des Städtchen Saint-Denis wieder mal ganz andere Sorgen. Bruno Courrèges muss sich mit der Leiche eines muslimischen Undercover-Agenten beschäftigen. Erst kurz zuvor standen die beiden noch in Kontakt. Der Agent wandte sich an Courrèges  und bat um Hilfe. Diese würde nun definitiv zu spät kommen.

„Provokateure“ ist ein vielseitiger Kriminalroman

Provokateure“ hat aber noch mehr als diesen plötzlichen Tod zu bieten. Im Büro erwartet den Chefermittler eine merkwürdige Nachricht. Ein autistischer Junge aus Saint-Denis taucht in einer französischen Armeebasis in Afghanistan auf und will zurück in die Heimat. Es ist weder klar, wer der junge Mann ist, noch worin seine genauen Absichten bestehen. Auf den 640 Minuten, die das Hörbuch zu bieten hat, werden diese zwei Rahmenelemente gekonnt ausstrukturiert. Martin Walker lässt wie gewohnt den Zuhörer erst einmal ein wenig zappeln, ehe er ihm das ganze Übel präsentiert. Entgegen seiner journalistischen Laufbahn hebt er sich die Schmankerl für das Finale auf und so gelingt es ihm vermehrt, die wesentlichen Spannungsheber geschickt zu verteilen. Damit ist zu Beginn von „Provokateure“ längst nicht klar, wohin die Reise geht.

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25.Juni
2015

Agatha Christie – Geburtstags-Edition

Benjamin Jendro

Agatha ChristieHeute kennt man in fast jedem Genre bestimmte Vertreter, die man als Aushängeschilder bezeichnen würde. Thriller assoziiert man mit Dan Brown, Horror mit Stephen King oder erotische Lektüre mit E. L. James. In Sachen Kriminalromane gibt es heute auch so einige Vorreiter. Vor allem die Skandinavier scheinen da besonders unterhaltsam. Henning Mankell schon seit Längerem, Jussi Adler-Olsen seit ein paar Jahren. Früher war das eine rein britische Sparte. Neben Sir Arthur Conan Doyle ist hier vor allem Agatha Christie zu nennen. Unzählige ihrer Kriminalgeschichten wurden verfilmt und vertont. Sehr erfolgreich waren auch ihre Romane. Im September würde sich ihr Geburtstag zum 125. Mal jähren. Dafür gibt „der Hörverlag“ eine 10 CDs umfassende Geburtstags-Edition heraus.

Agatha Christie – Eine Frau der großen Fälle

Miss Marple, die alte Jungfer. Hercule Poirot, der belgische Spitzendetektiv und sein Kompagnon Hastings. Tommy und Tuppence Beresford, das Geheimagentenduo. Der charismatische Sir Clithering. Mrs. Oliver, die gerne mal einen interessanten Krimi zu Papier brachte. Oder auch der unverkennbar Inspektor Battle. Na, kommt Ihnen eine dieser Personen bekannt vor? Das ist schon gut möglich, denn sie sind in vielen Werken von Agatha Christie zu bewundern und so ein fest in Beton gemeißeltes Kapitel in der Krimigeschichte. Das gilt auch für die Autorin selbst, ohne die das Genre Krimi heute nicht das wäre, was es ist. Schätzungsweise vier Milliarden Werke hat Agatha Mary Clarissa Christie, geborene Miller, heute verkauft. Ihre Stücke werden der Voraussicht nach auch im 22. Jahrhundert noch gelesen, gehört und geschaut.

Drei große Stücke von Agatha Christie

Satte zwölf Stunden Unterhaltung bietet die Agatha Christie Geburtstags-Edition, für die Regina Lemnitz, David Nathan und Friedhelm Ptok drei der größten Stücke eingesprochen haben. Los geht es mit „Karibische Affäre“, einem Fall für Miss Marple. Diese hat eigentlich Urlaub, doch ein toter Hotelgast zieht ihre Aufmerksamkeit auf sich. Zumal sich die Miss am Tag zuvor noch mit dem Toten unterhalten hat. In „Das unvollendete Bildnis“ wird Hercule Poirot damit beauftragt, die Unschuld einer Frau zu beweisen. Hat die Mutter von Carla Lemarchant ihren Mann umgebracht oder nicht? Poirot muss die Angelegenheit klären und einen neuen Verdächtigen finden. Davon handelt auch „Die Kleptomanin“, wenngleich es zunächst nur um Diebstahl geht. Als die Diebin gefunden ist, wird sie am nächsten Tag entdeckt, allerdings mausetot. Enden kann der Fall da aber nicht, den Poirot hat gerade erst angefangen, seine Nase in die Angelegenheit hineinzustecken.

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