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23.Mai
2013

Die Geissens – Von nix kommt nix

Benjamin Jendro

Geissens - Von nix kommt nixSie wurden belächelt wie kaum ein anderes Paar in Deutschland. Man machte sich über dieses Pärchen lustig und belächelte ihre zugegeben nicht immer ganz logisch konstruierten Dialoge. Nichtsdestotrotz aber fixierte sich eine äußerst hohe Resonanz an den Namen Geiss. Nicht zuletzt lag das an der Fernsehserie, die das Leben der Geissens nun schon seit ein paar Jahren an die Gesellschaft trägt. An Carmen und Robert scheiden sich die Geister, manche lästern, andere sind begeistert von ihrem Erfolg. Wieder andere schauen sich ihre Urlaubsreisen an, weil diese einfach eine richtig gute Unterhaltung darstellen. Das gilt im Übrigen auch für ihr 240-Seiten-Werk „Von nix kommt nix“, das die Autoren auch gleich noch persönlich eingesprochen haben.

Eine echte Erfolgsstory

Das Problem bei Büchern von Prominenten liegt immer darin, dass viele von ihnen aus rein kommerziellem Gedanken schreiben. Sie profitieren vom Hype um ihren Namen, der eben bekannt ist. In Sachen Inhalt bekommt der Leser oder auch der Zuhörer dann aber nur selten etwas Gutes geboten. Bei den Geissens sieht die Sache zur Überraschung ganz anders aus und das, obwohl man es in ihrem Fall am wenigstens gedacht hätte. Anders als man es erwarten konnte, ist das kein hohles Herumgedudel oder bloßes Sprücheklopfen von Robert. Nein ganz dem Titel nach erzählen die Beiden, wie sie dahin gekommen sind, wo sie heute stehen, nämlich durch harte Arbeit.

Man erfährt auch etwas über die Geissens als Menschen

Natürlich hat der Medienrummel den Geissens in Sachen Bekanntheitsgrad ordentlich unter die Arme gegriffen. Man sollte aber nicht vergessen, dass Robert einst als wahrer Workaholic eine heute nicht ganz unbekannte Modelinie zu dem gemacht hat, was sie ist. Der Mann hat ernsthaft einmal für den Luxus, den er heute besitzt, ackern müssen. An den eigenen Erfahrungen lässt er den Zuhörer teilhaben. So bekommen wir einzelne Tipps, wie wir es selbst weit bringen, Geld verdienen und es mehren können. Dass man obendrauf auch noch erfährt, wie Carmen und er zueinander gefunden haben und warum ihre Ehe trotz einzelner Differenzen so beständig ist, macht das Paket noch einen Tick sympathischer.

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14.Mai
2013

Dan Brown – Inferno

Benjamin Jendro

Dan Brown - InfernoDreieinhalb Jahre mussten sich die Fans von Dan Brown gedulden, ehe er im Mai 2013 nun endlich auf die literarische Bühne zurückkehrt. In „Inferno“ schickt er seinen Hauptprotagonisten Robert Langdon in die Renaissance-Metropole Florenz. In dieser war einst auch Dante Alighieri heimisch, dessen „La Divina Commedia“ Brown als Grundlage für die nunmehr vierte Episode des Harvard-Professors für Symbologie nutzt. Allein der Titel gibt eine Auskunft darüber, benannte Dante den ersten Abschnitt seines Meisterwerkes doch auch als Inferno bzw. als Hölle, die sein unbenannter Protagonist durchlaufen musste, ehe er seine Reise auf dem Läuterungsberg und schließlich im Paradies fortsetzen konnte.

Ein Verwirrter wird gejagt und auch Langdon wird verfolgt

Schon Monate vorher durften Fans sich einmal genau ansehen, was sie in „Inferno“ erwartet, so gab es den Prolog und das erste Kapitel gleich einmal als kostenlose eBook-Leseprobe nach Hause geliefert. In dieser folgen wir einem Unbekannten auf seiner Flucht durch Florenz. Unter anderem ist die Rede von Satan, abtrünnigen Seelen und großen Gelehrten früherer Tage. Auch Langdon selbst befindet sich in Gefahr. Ahnungslos erwacht er in einem Krankenbett rund 6000 Kilometer von seinem Campus entfernt. Wie er dahin gekommen ist, weiß er nicht. Auch die Ärzte wirken etwas mysteriös. Von der Frau, die zu seinem Fenster hinaufblickt und mal eben ihre Waffe entsichert, möchte man noch gar nicht reden.

Spannung ohne Ende garantiert Bestsellerstatus

Schon jetzt hat sich Dan Browns neuer Thriller wieder an die Spitze der Bestsellerlisten geschoben. Man spekuliert über Rekordverkaufszahlen, womöglich werden auch die 81 Millionen Hardcover-Ausgaben von „Sakrileg“ übertroffen. Dieses wiederum bescherte dem Meister des Mysterythrillers den großen internationalen Durchbruch. Auch das vorher veröffentlichte „Illuminati“ und das letzte Werk, „Das verlorene Symbol“ wurden millionenfach gelesen. Dass die Spannung des Werkes besonders in Hörbuchform in die Nervenbahnen dringt, ist auch kein Geheimnis. Dementsprechend lädt auch die von Wolfgang Pampel gelesene Sieben-Stunden-Hörbuchfassung zum spannenden Thrillerabenteuer auf der Couch ein.

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7.Mai
2013

Dora Heldt – Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!

Benjamin Jendro

Heldt - Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnnen!Dora Heldt ist ohne Frage eine der erfolgreichsten Autorinnen, die sich in den letzten Jahren an die Spitze der Bestsellerlisten geschoben haben. Ihre Werke um Menschen, die sich auch im Bekanntenkreis oder gar in der eigenen Familie jedes einzelnen Lesers wiederfinden könnten, treffen den Tonus der Leserschaft. Auch mit ihrem neuen Werk ist sie wieder einmal in der oberen Liga der meistverkauften Stücke angekommen. Dabei hat sie es dieses Mal mit ein bisschen weniger Herzschmerz und innerer Befindlichkeit versucht und stattdessen eine Geschichte geschaffen, die durchaus einen gewissen gesellschaftlichen Gehalt mit sich bringt. „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!“ ist eine erfrischende Mixtur aus Unterhaltung und Sozialkritik, die 220-minütige Hörbuchfassung geht herunter wie Butter.

Zwei Rentner auf einem Abzocktrip

Von Charlotte, Inge und Christine, die sonst fest zum Repertoire in der Familienbüchern der Dora Heldt gehören, erfährt der Zuhörer dieses Mal eher weniger. Zentraler sind die beiden, ebenfalls aus den Papa-Büchern bereits bekannten, Rentner Heinz und Walter. Letzterer hat in einem Gewinnspiel eine luxuriöse Reise ergattert und dank eines Tricks gelingt es ihm, den neidischen Heinz gleich mit in den Reisebus zu bringen. In diesem sollten eigentlich nur exklusive Gäste sitzen. Von Beginn an ist klar, dass die versprochene Gesellschaft sich als alles andere als exklusiv charakterisiert. Nur Finchen, in etwa im Alter der zwei, und ihre Nichte Johanna scheinen ein Lichtblick.

Heikle Immobilienversprechungen

Während Finchen die Reise mit dem Plan angetreten ist, ihre Begleiterin wieder mit dem Ehemann zu versöhnen, will Radiojournalistin Johanna hinter die betrügerische Abzocke der Kaffeefahrt gelangen. In der Tat geben auch die Unterkunft, die ein heruntergekommenes Landgut anstatt eines Luxusdomizils für die Gäste bereithält und die Versorgung während der Fahrt bereits erste Aufschlüsse. Wiener auf Papptellern anstatt Kaviar und Co. Selbst für die Getränke sollen die Reisenden plötzlich bezahlen. Auf einmal ist dann auch von einer Ferienanlage die Rede, die bei hohen Investitionen lukrative Renditen verspricht. Als wäre das nicht schon des Guten zu viel, macht die Reisegruppe auch noch einen mysteriösen Leichenfund.

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30.April
2013

Philip Roth – Jedermann

Benjamin Jendro

Roth - JedermannSelten ist es leichte Lektüre, die man sich vor die Sinne führt, wenn es darum geht, das Werk eines wirklich großen Autors zu erleben. In der heutigen Zeit werden wir beinahe täglich mit neuer Unterhaltungsliteratur überschwemmt, die oftmals allein darauf ausgelegt ist, kommerziellen Erfolg zu garantieren. Bei denjenigen Autoren, die mit Tiefe arbeiten, ist das eher selten der Fall. Es sind jene Autoren, die in der engen Auswahl für die jährliche Vergabe des Literaturnobelpreises genannt werden. Autoren wie Murakami, DeLillo oder auch Philip Roth. Dieser hat mit „Jedermann“ eine Geschichte hinterlassen, die uns das ganze Elend eines gewöhnlichen Menschenlebens zeigt.

Affären und eine Ehe nach der anderen

Erzählt wird die Geschichte eines Unbenannten. Nur seine Kinder – Lonny, Randy und Nancy – sowie Angehörige und Freunde werden benannt. Ihn selbst erleben wir zwar als Erzähler, er bleibt aber namenlos. Somit wäre der Titel bereits bestätigt, schließlich spielt Autor Roth darauf an, dass es auch das beschriebene Leben eines jeden anderen sein könnte. Beginnend mit der Beerdigung der Hauptperson schließt das Werk mit der sein Leben beendenden Vollnarkose. Dazwischen hört man von einzelnen Stationen seines Lebens, den drei Ehefrauen und drei Kindern, dem Beruf als Creative Director einer renommierter Werbeagentur und der späteren Arbeit als Hobbymaler. Noch zentraler wirken seine jüdische Herkunft, die nicht schließen wollende Krankheitsakte und manch kribbelnde Affäre.

Eine Geschichte von Elend und Einsamkeit

Roth nimmt kein Blatt vor den Mund, Peter Fitz als Sprecher der sechsstündigen Hörbuchfassung macht es ihm nach. Sexuelle Erfahrungen werden durchaus auch detailliert beschrieben. Nichtsdestotrotz aber ist es der dunkle Grundtonus, der überwiegt. Dieser beginnt bei der Leisten-OP im Kindeslater, und setzt sich beim Blinddarmdurchbruch, Koronararterienverstopfung und einem Hinterwandinfarkt fort. Während der Bruder sein Leben lang kerngesund ist, plagt sich der Protagonist mit unzähligen Krankenhausaufenthalten. Dass er zu Werkende eher wehmütig wirkt und der zweiten Ehefrau hinterher trauert, die er mit einem jungen dänischen Model, seiner dritten Gattin, mehrfach betrogen hat, passt ins Gesamtbild. Dieses wird auch im Sterben einzelner Gefährten des Lebens deutlich, die auf den letzten Seiten aus dem Leben scheiden. Da er seine Tochter mit einer erneuten Operation nicht belasten möchte, stirbt er letztlich einsam und für die Verwandten überraschend. Der Zuhörer aber ist nach der fortlaufenden Leidensgeschichte irgendwie auch ein wenig erleichtert – leichte Kost ist das bei weitem nicht.

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24.April
2013

Andrea Camilleri – Die Sekte der Engel

Benjamin Jendro

Camilleri - Die Sekte der EngelIn der letzten Woche nahm ich mir auch mal eine Art Auszeit, eine vom Alltag, nicht aber von hochwertiger Literatur, die auch im Urlaub einen wichtigen Lebensinhalt darstellt. Meine Wahl fiel auf Sizilien, eine Insel vieler Facetten. Vor allem in Sachen literarischen Naturells kommt man da auf seine Kosten. In der Nähe von Agrigento, wohlgemerkt der Geburtsstadt von Nobelpreisträger Luigi Pirandello, befindet sich das überschaubare Küstenstädtchen Porto Empedocle, das über einen Hafen, ein paar enge Gassen und eine recht schöne Fußgängerzone verfügt. Am Rande dieser befindet sich ein kleines Restaurant namens Vigáta. Bei den Literaturinteressenten könnten jetzt schon die Glocken läuten, spätestens mit dem Verweis auf Andrea Camilleri, der im besagten Ort das Licht der Welt erblickte, sollte es zu donnern beginnen. Sofort wurden in mir Erinnerungen an Werke wie „Die Sekte der Engel“ hervorgerufen.

Hörbuchgenuss in gemütlicher Atmosphäre

Es gehört zur Normalität eines sizilianischen Restaurants, dass eine breite Palette an Fisch angeboten wird. Auch die Selektion eines erlesenen Weißweins scheint Gewohnheit. Umso beeindruckender empfindet es der Reisende, wenn aus dem Hintergrund die Klänge eines deutschsprachigen Hörbuchs ertönen. Das Restaurant, welches in Verbundenheit zum berühmtesten Sohn des Örtchens seinen häufig auftretenden, fiktiven Ort als Namen trägt, verfügt über ein breites Repertoire an Literatur von und über Camilleri. Aufgrund der recht regen deutschen Anwesenheit wählte man wohl eine derartige Version. Natürlich kannte ich das Werk bereits, in Hörbuchform aber dringt das beschriebene Geschehen, was im Ort Palizzolo vorgeht, aber ebenso gut in die neuronale Zentrale.

Blindes Vertrauen

Es ist kein Geheimnis und genau genommen historisch begründet, dass die Italiener eine enge Verbundenheit zum christlichen Glauben. In den ländlichen Regionen ist dies umso stärker spürbar. Als der Polizeipräfekt von einer wahren Epidemie in der Region hört, geht er zunächst von einer Art Cholera aus. Schon bald jedoch stellt sich heraus, dass die ausbrechende Krankheit auf die örtlichen Kleriker zurückgeht und sich in der überhohen Geburtenrate widerspiegelt. Der Jurist Teresi will dem Übel ein Ende setzen, stößt aber vermehrt auf taube Ohren und blinde Augen. So arbeitet Camilleri nicht allein auf Unterhaltungsebene, sondern wagt auch einen kritischen Ansatz auf das bewusste Wegsehen der Menschen und ihren sturen Gehorsam. Ein Roman, der das Lesen auf jeden Fall wert war und bei dem es sich auch lohnt, einmal acht Stunden zu lauschen.

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16.April
2013

Eckart von Hirschhausen & Hellmuth Karasek – Ist das ein Witz?

Benjamin Jendro

Ist das ein Witz?Comedian Eckart von Hirschhausen zählt ja nicht umsonst zu den besten seiner Zunft. Er ist auch einer der wenigen deutschen Komiker, die sich nicht dem Obszönen hingeben müssen, um lustig zu sein. Nein, das gelingt dem Doktor auch mit dem bloßen Erzählen über Aspekte des menschlichen Lebens. Dieses betrachtet von Berufszwecken auch Literaturkritiker Hellmuth Karasek, der es auch schon mal schafft, eine eigentlich politisch orientierte Abendveranstaltung in eine Plattform zum Anpreisen neuer literarischer Errungenschaften umzugestalten. Was kann einen da erwarten, wenn die Beiden auch noch aufeinander treffen? Lustiges lautet die Antwort, wenngleich es beim Titel „Ist das ein Witz“ noch nicht ganz so offensichtlich wird.

Eine gute Stunde, in der man ständig lacht

Dass von Hirschhausen lustig ist, sollte aufgrund seiner sehr erfolgreichen Berufskarriere klar sein. Interessanterweise ist aber auch der sonst so analytische Kommentar von Karasek gelegentlich komischer als man es erwarten könnte. In diesem Experiment nun treffen die zwei Autoren in Berlin zusammen und erzählen sich wie zwei Freunde einen Witz nach dem anderen. Dabei werden Literatur, aber auch andere Bereiche unseres Lebens angesprochen. Niemand, so die zwei Protagonisten, wusste vorab, wo das Ganze hinführt. Die Antwort steht fest, man bekommt über eine Stunde was zum Lachen.

Zwei, die perfekt improvisieren

Klar könnte man davon ausgehen, dass es sich um vorher Abgesprochenes handelt und so auch die gegenseitigen Reaktionen aufeinander abgestimmt waren. Wer jedoch das Aufeinandertreffen gesehen hat, weiß, dass hier nichts vereinbart war, sondern sowohl Karasek als auch von Hirschhausen einfach mal los gewitzelt haben. Das Hörbuch ist ein Livemitschnitt des Meetings. Auch auf diesem wird deutlich, dass hier zwei Veteranen der Improvisationskunst ins gemeinsame Gespräch kamen. Dass sie dabei ordentlich Spaß gehabt haben dürften, sollte angesichts des Resultats eigentlich niemand bezweifeln. Die Stimmung ist einfach durchweg amüsant.

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9.April
2013

Ferdinand von Schirach – Verbrechen

Benjamin Jendro

von Schirach - VerbrechenAm vergangenen Sonntag erregte eine neue Reihe im Abendprogramm des ZDF mein Augenmerk. Zwei kurze Episoden mit einer Länge von einer knappen Dreiviertelstunde versüßten da das Herz aller Krimibegeisterten. Dabei handelte es sich nur im erweiterten Sinne um fiktive Szenarien, ihnen liegt nämlich ein realer Kern zugrunde. Zurück gehen diese Geschichten, die nun auch in den kommenden zwei Wochen zu sehen sein werden, auf den Strafverteidiger Ferdinand von Schirach, der sich längst auch als angesehener Bestsellerautor einen guten Ruf verdienen konnte. Die kurzen Dramen um die Abgründe der Menschheit, die nun für eine sechsteilige Reihe verfilmt wurden, entstammen seinem Sammelwerk „Verbrechen“.

Eine mysteriöse Schale und ein Mörder, den man gut versteht

Im zweiten der gezeigten Fälle sahen die Fernsehzuschauer einen Raubzug von drei Ganoven, die von Beginn an tollpatschig wirkten. Einen ganz ähnlichen Eindruck hinterließ auch die Hörbuchfassung, die von Burkhart Klaußner gelesen wird. Auch den folgenden, recht blutig dargestellten Rachefeldzug der Asiaten, die weniger an dem geraubten Geld als vielmehr an „Tanatas Teeschale“ interessiert sind, lädt zum Mithören ein. Noch unterhaltsamer wirkte auf mich die Geschichte „Fähner“, die auch im Werk des Autors die erste Kurzgeschichte darstellt. Ein Mann, der nach Jahrzehnten Ehe seiner Frau einfach so den Schädel einschlägt, scheint skrupellos. Dennoch teilt wohl jeder das Mitgefühl mit dem Täter, wenn man die Jahre seiner Pein auf sich wirken lässt.

Weitere tolle Geschichten

Allein diese zwei Erzählungen bieten schon reichlich Krimistoff, einige andere jedoch sind die Verfilmung ebenso wert. Zu ihnen gehört beispielsweise „Der Igel“, wo ein Migrant entgegen der eigenen Familienhistorie in den Genuss von hochwertiger Bildung gelangt. Er ist klug, doch niemand ahnt es, so dass er entgegen der Wirklichkeit sogar innerhalb der Familie als Schwachkopf dargestellt wird. Der Clou besteht letztlich darin, dass von Schirach dafür sorgt, dass dieser scheinbare Nichtsnutz am Ende einen ganzen Gerichtssaal narrt. Auch „Notwehr“ erzählt eine scheinbar unglaubliche Geschichte. Nationalsozialisten attackieren einen Mann, der sich nur verteidigt und dadurch sein Leben rettet. Erst später soll sich herausstellen, dass es sich beim vermeintlichen Opfer um einen eisenharten Killer handelt.

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2.April
2013

James Joyce – Ulysses

Benjamin Jendro

Joyce - UlyssesLiteraturklassiker tragen eine ganz besondere Bedeutung für uns Menschen. Gerade deshalb klassifizieren wir sie ja auch als Klassiker. Es sind jene literarischen Werke, die aufgrund ihres Inhaltes Elemente in sich binden, die für den Leser bzw. Zuhörer Werte vermitteln und ihn für sein Leben prägen. Erkennen kann man einen Klassiker ganz gut an der Tatsache, dass er es nicht nur in eine aktuelle Bestsellerliste schaffen konnte, sondern auch noch Jahre, Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte später eine gewisse Bedeutsamkeit zugeschrieben bekommt. Der dazugehörige Autor wird dann ebenfalls mit einer gewissen Wertschätzung verbunden. Auf den Iren James Joyce trifft diese Einschätzung ganz sicher zu, die Anerkennung erfolgt nicht nur auf der grünen Insel. Nein Joyce hat die globale Menschheit geprägt, sein Werk „Ulysses“ ist auch heute noch die berühmteste Beschreibung eines erlebten Tages, die jemals in Literatur verpackt wurde.

Ein Tag mit Leopold Bloom

Diesen besagten Tag verbringen wir als Leser oder Zuhörer an der Seite von Leopold Bloom, seinerseits Anzeigenakquisiteur einer Zeitung inmitten von Dublin. Die Erlebnisse, die er am erzählten Tag durchlebt, hören wir unter anderem von Corinna Harfouch, Manfred Zapatka und Dietmar Bär. Diese erzählen das Geschehen, bei dem der Protagonist an den verschiedensten Orten Dublins auf die facettenreichsten Gesichter trifft, die von der Stadt bereitgehalten werden. Das ist letztlich derart interessant, dass auch die Vergabe des Deutschen Hörbuchpreises 2013 für das Beste Hörbuch nicht wirklich überraschend kam. Auch das ist nur ein weiteres Zeichen für die große Klasse, die das Werk von Joyce in sich trägt.

Parallelen zur Odyssee

Wenn man mal bedenkt, dass der Tag, an dem wir Mister Bloom begleiten, der 16. Juli 1904 ist, scheint der Bezug zu einem gewissen Homer durchaus verwegen. Nicht umsonst aber wählte Joyce für sein wohl größtes Stück die englische Übersetzung von Odysseus, jenen bekannten Helden, der einst im antiken Griechenland auf Reisen ging. Auch dabei handelt es sich um einen großen Klassiker der Literaturgeschichte. Wohlgemerkt bestand dieser aus drei Teilen, die „Ulysses“ setzt sich aus der gleichen Anzahl zusammen. Die insgesamt 18 Episoden, die den Tag des Herrn Bloom bestimmen, ähneln denjenigen des früheren Epos ebenso. Anders als der große Odysseus aber plagt sich Leopold Bloom eher mit seinen inneren Gedanken als mit üblen Seemonstern und anderen scheinbar unbesiegbaren Wesen. Während der eine durch die Irren der Welt fährt, geht der andere durch die Irren seiner Stadt und der eigenen Befindlichkeit.

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27.März
2013

John Grisham – Home Run

Benjamin Jendro

Grisham - Home RunOhne Frage ist Baseball hierzulande kein allzu beliebter Sport. Natürlich schwingen sich auch in Deutschland einzelne Fans dazu auf, es den Idolen gleichzumachen und spielen das Spiel, welches in seiner Anlage zumindest ansatzweise an das gute alte Brennball aus der Schule erinnert. Dabei ist Baseball eine Sportart, die in anderen Ländern wesentlich mehr Zuspruch genießt, sogar im mächtigsten Land der Welt. Dort nämlich, in den Vereinigten Staaten von Amerika, verfügt es neben Football und Basketball über die Stellung, zu den Nationalsportarten zu gehören. Mit diesen wachsen die US-Amerikaner auf, sie werden durch das Spiel geprägt. So erging es auch dem durchaus erfolgreichen Autor John Grisham, der sich mit „Home Run“ nun seinen ganz individuellen Sportraum erfüllt.

Strafverteidiger auf Abwegen?

So ganz kann man das nicht sagen. Natürlich kennen wir den Autor John Grisham eher für seine filigran verfassten Justizthriller wie „Die Jury“. Da berichtete der studierte Jurist aus einem Bereich, der ihm bei der täglichen Arbeit des Öfteren begegnet ist. Er verstand also ganz genau, worum es dabei geht. Wer Grishams Biografie ein wenig durchleuchtet, erkennt aber auch, dass es beim Baseball im Grunde nicht anders um ihn steht. Er ist in seiner Familie mit Baseball aufgewachsen, hat, was die wenigsten wissen, für den Baseballfilm „Mickey“ das Drehbuch verfasst. Insofern scheint diese bewegende Geschichte um das junge Baseballtalent Joe Castle in einem ganz gewöhnlichen Licht.

Eine Karriere, die ihr jähes Ende findet

Bei besagtem Castle handelt es sich um ein junges, aber durchaus vielversprechendes Talent der Chicago Cubs. Nach einer Oberschenkelzerrung eines Teamkameraden bekommt er erstmals die Chance, die Bank zu verlassen und stattdessen auf dem Spielfeld seinen Mann zu stehen. Das gelingt ihm auf Anhieb blendend, in kürzester Zeit entwickelt sich Castle zum besten Spieler der Liga und bricht sämtliche Rekorde. Millionen Fans jubeln ihm nun zu, unter ihnen ist auch der elfjährige Paul. Das Werk bekommt seine Wendung als Pauls Vater Warren Tracey, selbst Profi, mit seinen New York Mets auf die Chicago Cubs trifft und seinem Kontrahenten die Karriere beendet. Dreißig Jahre später ist Tracey todkrank und sein Sohn versucht, nach drei Dekaden den Geschädigten um Verzeihung zu bitten.

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19.März
2013

Michael Tsokos – Die Klaviatur des Todes

Benjamin Jendro

Tsokos - Die Klaviatur des TodesWenn Gerichtsmediziner Michael Tsokos seine alltäglichen Gebrauchsgegenstände auf den Seziertisch packt, kann das durchaus auch einmal so aussehen wie es die Filme um den Kannibalen Hannibal Lecter vermitteln wollen. So wirklich viel gemeinsam hat das Werkeln eines Gerichtsmediziners mit demjenigen, das Hollywood sonst präsentieren möchte, aber nicht. Schon in seinem ersten Werk „Dem Tod auf der Spur“ hat Tsokos daran keine Zweifel aufkommen lassen. Die Ermittlungen des CSI sind durchaus unterhaltsam, der Realität entsprechen sie nicht. Häufig ist diese weder schwarz noch weiß, sondern eher grau. Ebenso trist ist der gewöhnliche Arbeitstag des Charité-Mediziners. Manche aber bringen dann doch ein wenig Spannung mit sich. Von den brisantesten erzählt uns der Autor durch die Stimme David Nathans in „Die Klaviatur des Todes“.

Authentisch, weil real passiert

Tsokos großes Plus war schon in den ersten beiden Sammelbänden ein besonders hoher Faktor an Authentizität. Beim letzten Projekt „Abgeschnitten“ tat er sich mit Thrillerautor Sebastian Fitzek zusammen und schuf einen durchaus lesenswerten Roman. Das lag auch daran, weil der Hauptakteur Paul Herzfeld ohne Frage den einen oder anderen Wesenszug des Autors übermittelt bekam. Im neuen Band nun kehrt der Autor zu seinen Wurzeln zurück und berichtet von neuen interessanten Fällen. Gepaart mit der Aufdeckung medizinischer Mysterien und einem guten Einblick in das Handwerk eines Rechtsmediziners sind es gerade die realen Verbrechen unserer Gesellschaft, die interessanten Literaturstoff in sich tragen.

Ein Teil des Ganzen

Während Jurist Ferdinand von Schirach, der in einer ähnlichen Art über seine Arbeit schreibt, eher ausschmückend und insofern literarisch hochwertiger agiert, versucht der Wahlberliner einzelne Fälle keinesfalls zu umschreiben. Seine größte Qualität ist die klare Analyse, wenngleich sich dabei während der Ermittlungen manch verborgenes Rätsel ergibt. Interessant ist das vor allem, weil wir von einigen seiner Fälle gehört, manche sogar in den Nachrichten verfolgt haben. Vor knapp zwei Jahren beispielsweise wurde in der Berliner Spree eine zerstückelte und mit Tätowierungen übersäte Leiche gefunden. Wochenlang suchte die Polizei nach einem Täter, Tsokos und seine Kollegen trugen ihren Teil zum Ermittlungserfolg bei. Auch darum macht er keinen Hehl. Des Rätsels Lösung wird nie allein von Rechtsmedizinern gefunden, kein Fall nur durch sie gelöst. Vielmehr liefern sie das eine oder andere Puzzlestück, das seinen Anteil am Gesamten trägt.

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