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30.Juli
2015

Harper Lee – Gehe hin, stelle einen Wächter

Benjamin Jendro

Lee - Gehe hin, stelle einen WächterVierzig Millionen verkaufte Exemplare Harper Lee von ihrem einzigen bisher veröffentlichen Roman. „Wer die Nachtigall stört“ prägte eine ganze Generation und gilt als eines der einflussreichsten Bücher, das jemals geschrieben wurde. Besonders ist, dass dieser Erfolg sie zu einer der bekanntesten Autorinnen gemacht hat, ihr sogar den Pulitzer-Preis bescherte. Schließlich blieb ihr erster bis jetzt auch ihr letzter Roman. Mit der Veröffentlichung von „Gehe hin, stelle einen Wächter“ erscheint nun endlich ein zweites Werk aus ihrer Feder, erst 55 Jahre nach ihrem Erstling und das, obwohl das Manuskript bereits vorher fertig war.

Harper Lees Sicht der 1950er

Gehe hin, stelle einen Wächter“ spielt mitten in den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Ort und Charaktere sind die gleichen wie bei „Wer die Nachtigall stört“, doch die Handlung spielt eben zwei Jahrzehnte später. Jean Louise Finch ist mittlerweile erwachsen und dementsprechend in einem Zustand, in dem sie sich selbst ein Bild vom Geschehen in der Welt machen kann. Mit einer nunmehr eigenständigen Persönlichkeit ist sie in der Lage, auch Vater Atticus entgegenzutreten und die eigene Meinung mit Argumenten zu vertreten. Dazu gehört es eben auch, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse, so wie sie im Moment sind, sich wandeln müssen. Harper Lee thematisiert das wie schon im vorherigen Stück mit ganz eigenen Worten und einer grandiosen Sprache.

„Gehe hin, stelle einen Wächter“ war lange versteckt

Siebeneinhalb Stunden geht die Hörbuchfassung von „Gehe hin, stelle einen Wächter“. Nina Hoss spricht die Geschichte und verleiht der Erzählung einen ganz eigenen Charme. Dass es überhaupt zu einer Veröffentlichung kam, liegt an einer Bekannten, die das verschollene Manuskript wiederfand und Harper Lee im Alter von 89 noch mal in den literarischen Fokus rückte. Nun kam raus, dass der Text bereits vor „Wer die Nachtigall stört“ geschrieben wurde und sogar ursprünglich als eben dieses veröffentlicht werden sollte. Warum sich Harper Lee letztlich so entschied, bleibt ihr Geheimnis. Am Inhalt von „Gehe hin, stelle einen Wächter“ liegt es definitiv nicht.

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23.Juli
2015

Minions

Benjamin Jendro

MinionsIm Kino kommt man des Öfteren zum lachen. So doll wie bei den kleinen „Minions“ aber selten. Die gelben Zwerge mit Latzhose überzeugen mit ihrer unvergleichlich verpeilten Art und begeistern Groß und Klein. Nachdem sie die ersten beiden Episoden von „Ich – Einfach unverbesserlich“ rockten und letztlich dafür sorgten, dass das Animationsabenteuer so ein Erfolg wird, haben sie in diesem Jahr endlich ihren ganz eigenen Kinofilm bekommen. Gerade aufgrund ihrer sonderbaren Laute, die irgendwie niemand so recht versteht, sorgte das für pausenloses Gelächter. Natürlich gab es dabei auch ein wenig Story, die man sich in der Hörbuchversion ebenso mal zu Gemüte führen kann.

Die Minions, wie wir sie kennen und lieben

Noch immer befinden sich die kleinen Gelblinge auf der Suche nach einem echten Superschurken. Bisher sind alle Versuche, einem Bösewicht zur Weltherrschaft zu verhelfen, komplett gescheitert. Die „Minions“ haben zum Beispiel Napoleons Russland-Feldzug in den Sand gefahren. Jetzt aber könnte sich das Blatt endlich wenden, denn Kevin, Bob und Stuart haben eine tolle Idee und machen sich auf den Weg nach New York City, wo sie auf einer Tagung der Kriminellen nach einem neuen Partner suchen. Dort treffen sie Schurkin Scarlet Overkill, die der Queen Elizabeth II. die Krone entwenden möchte

Fast zwei Stunden Comedy pur

Dass die „Minions“ ultimativ lustig sind, daran mag niemand zweifeln. Interessanterweise, das hat der Film bewiesen, funktionieren sie auch recht gut alleine. Das Hörbuch dauert fast zwei Stunden und sorgt für viele Lacher. Gesprochen wird die Geschichte von Oliver von Rohrbeck und eben dieser zeigt sich verdammt variabel, sogar was die Intonation der einzelnen „Minions“ angeht. 899 sind es an der Zahl und da entsteht zwischendurch schon ein wenig der Eindruck, dass man die Übersicht verlieren könnte. Diese Planlosigkeit passt aber irgendwie zu den kleinen Helden und macht das Hörbuch für Fans umso unverzichtbarer.

 

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16.Juli
2015

Die drei Fragezeichen – Der gestohlene Sieg

Benjamin Jendro

Der gestohlene SiegIn der Bundesliga bereiten sich die einzelnen Vereine derzeit auf die kommende Saison vor. In den Trainingslagern dieser Welt machen sie sich fit. In den anderen europäischen Spitzenligen sieht es nicht anders aus. Für den Fußball-Fan ist diese Zeit hart. Wenn keine Europa- oder Weltmeisterschaft auf dem Plan steht, sind das ein paar leere Wochen. Da trifft es sich gut, dass Deutschlands bekanntestes Ermittler-Trio sich dem Thema Fußball widmet und die Sommerpause für eine Episode rund um das runde Leder nutzt. „Die drei Fragezeichen – Der gestohlene Sieg“ ist Band Nummer 176 der grandiosen Hörspiel-Reihe.

Die drei Fragezeichen untersuchen ein manipuliertes Spiel

Die L. A. Strikers liegen zehn Minuten vor dem finalen Pfiff mit zwei Toren im Hintertreffen. Die Situation scheint ausweglos. Selbst, wenn der eingefleischte Fußballfan da einige historische Daten und Spiele im Repertoire hat, die großartige Aufholjagden bezeugen. Der Gegner, die Rochester Ravens, sind derart überlegen, dass wirklich nichts auf eine Wende hinweist. Plötzlich aber ist ein Bruch im Spiel und die Strikers sichern sich den Pokal. Eine Entwicklung, die mit rechten Dingen ablief? Mitnichten, sonst wäre „Der gestohlene Sieg“ ja kein neuer Fall für Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. Die Geschichte lehnt sich sehr am Ärgernis um Schiedsrichter Robert Hoyzer und den vielen verschobenen Spielen im europäischen Fußball an. Hier hat allerdings ein skrupelloser Erpresser seinen Anteil.

Die drei Fragezeichen ermitteln mit Bravour

Nein, die Komponente Wettmafia wird nicht in „Der gestohlene Sieg“ eingebettet. Spannend ist der Fall aber dennoch, weil auch Nummer 176 die gewohnten Elemente von „Die drei Fragezeichen“ dazu nutzt, den Zuhörer für sich zu gewinnen. Die charismatischen Jung-Detektive, die mittlerweile auf reichlich Erfahrung zurückblicken können, bekommen einen neuen Fußballfall. Der erste in ihrer Geschichte ist es zwar nicht. Eine neue Herangehensweise aber durchaus. Es geht nämlich um Frauenfußball, womit man im 21. Jahrhundert angekommen scheint. Zwar wird das Rätsel schon vor dem Finale relativ gut aufgeschlüsselt, Unterhaltung ist aber trotzdem bis zum Schluss geboten. Ein richtiger Fall für „Die drei Fragezeichen“ halt.

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9.Juli
2015

Stefan Ahnhem – Herzsammler

Benjamin Jendro

Ahnhem - HerzsammlerMan kennt die Kriminalromane um den kultigen Ermittler Kurt Wallander von Henning Mankell zu genüge. Immer wieder plätschert ein neuer Fall des schwedischen Vorzeigeschriftstellers über die Flimmerkiste. Für diese umgesetzt wurden viele Stücke von Stefan Ahnhem, der sich neuerdings auch selbst an schaurigen Geschichten versucht und diese zu Papier bzw. zum Hörbuch bringt. „Herzsammler“ ist der zweite Fall für seinen Protagonisten Fabian Risk und einer, der dem Leser in jeder Minute der satten fünfzehn Stunden Hörbuch den Atem raubt – ein echter skandinavischer Kriminalroman halt.

Zwei Leiche und ein Ermittler mit privaten Problemen

Fabian Risk ist der typische Romanermittler. Seinen Job macht er gut, ständig brennt es irgendwo. Vor allem aber scheint er das eigene Privatleben nicht so ganz in den Griff zu bekommen. Risks Ehefrau klagt ständig über ihre Sorgen, am meisten leidet die gemeinsame Tochter unter der Situation. Für ihn selbst wäre es mal an der Zeit, ein wenig die Wogen zu glätten. Zeit dafür hat er aber nicht, denn der Tod des Justizministers verlangt seine ganze Aufmerksamkeit. Brutal ermordet wird kurz darauf auch die Gattin eines sehr erfolgreichen TV-Moderators. Wie dem Minister wurde auch ihr ein lebenswichtiges Organ entnommen – es ist das Werk vom „Herzsammler“.

Ein Handlungsstrang erinnert an „Saw“

Erinnern Sie sich noch an Jigsaw, den rechthaberischen Killer aus einer bekannten Horrorfilmreihe? Irgendwie erinnert eine Szenerie in „Herzsammler“ genau an diese Reihe. Sofie Leander möchte sich einen ewigen Wunsch erfüllen und endlich Mutter werden. Sie scheint auf der Zielgerade, doch nachdem sie aus der Narkose aufwacht, findet sie sich gefesselt in einer Zelle wieder. Was sie mit den beiden Leichen zutun hat, erklärt Ahnhem nach und nach. Risk jedenfalls versucht gemeinsam mit Niva, einer hochtalentierten Technikexpertin, ein wenig Licht in den Fall zu bringen. Nachdem sich ein Tatverdächtiger das Leben nimmt, scheint das Rätsel fast gelöst. Risk jedoch glaubt nicht an die Lösung und beweist damit großes Ermittlergespür.

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2.Juli
2015

Martin Walker – Provokateure

Benjamin Jendro

Walker - ProvokateureWer in Oxford studiert hat, der kann schon mal auf eine durchaus erfolgreiche Station in seinem Lebenslauf zurückgreifen. Wer von da dann nach Harvard geht, wird auch nicht gerade weniger Lorbeeren im Rucksack haben. Mal abgesehen davon, dass Martin Walker hinsichtlich der Studienrichtung nicht ganz so entschlossen war und von Geschichte hin zur Wirtschaft wechselte, kann sich seine Vita also sehen lassen. Nach dem Studium ging es für den Schotten zum The Guardian und von da direkt in die Bestsellerlisten der Welt. Besonders seine Romane um Ermittler Bruno Courrèges  kommen bei den Lesern gut an. In „Provokateure“ schickt er seinen Protagonisten in Fall Nummer Sieben.

Der Polizist von Saint-Denis hat Sorgen

Die Weinernte im Périgord könnte in diesem Jahr wesentlich schlechter ausfallen. Grund dafür ist ein nicht aufhörender Dauerregen, der die Bestände in große Gefahr bringt. Während die Anwohner um ihre wirtschaftliche Situation bangen, hat der einzige Polizist des Städtchen Saint-Denis wieder mal ganz andere Sorgen. Bruno Courrèges muss sich mit der Leiche eines muslimischen Undercover-Agenten beschäftigen. Erst kurz zuvor standen die beiden noch in Kontakt. Der Agent wandte sich an Courrèges  und bat um Hilfe. Diese würde nun definitiv zu spät kommen.

„Provokateure“ ist ein vielseitiger Kriminalroman

Provokateure“ hat aber noch mehr als diesen plötzlichen Tod zu bieten. Im Büro erwartet den Chefermittler eine merkwürdige Nachricht. Ein autistischer Junge aus Saint-Denis taucht in einer französischen Armeebasis in Afghanistan auf und will zurück in die Heimat. Es ist weder klar, wer der junge Mann ist, noch worin seine genauen Absichten bestehen. Auf den 640 Minuten, die das Hörbuch zu bieten hat, werden diese zwei Rahmenelemente gekonnt ausstrukturiert. Martin Walker lässt wie gewohnt den Zuhörer erst einmal ein wenig zappeln, ehe er ihm das ganze Übel präsentiert. Entgegen seiner journalistischen Laufbahn hebt er sich die Schmankerl für das Finale auf und so gelingt es ihm vermehrt, die wesentlichen Spannungsheber geschickt zu verteilen. Damit ist zu Beginn von „Provokateure“ längst nicht klar, wohin die Reise geht.

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25.Juni
2015

Agatha Christie – Geburtstags-Edition

Benjamin Jendro

Agatha ChristieHeute kennt man in fast jedem Genre bestimmte Vertreter, die man als Aushängeschilder bezeichnen würde. Thriller assoziiert man mit Dan Brown, Horror mit Stephen King oder erotische Lektüre mit E. L. James. In Sachen Kriminalromane gibt es heute auch so einige Vorreiter. Vor allem die Skandinavier scheinen da besonders unterhaltsam. Henning Mankell schon seit Längerem, Jussi Adler-Olsen seit ein paar Jahren. Früher war das eine rein britische Sparte. Neben Sir Arthur Conan Doyle ist hier vor allem Agatha Christie zu nennen. Unzählige ihrer Kriminalgeschichten wurden verfilmt und vertont. Sehr erfolgreich waren auch ihre Romane. Im September würde sich ihr Geburtstag zum 125. Mal jähren. Dafür gibt „der Hörverlag“ eine 10 CDs umfassende Geburtstags-Edition heraus.

Agatha Christie – Eine Frau der großen Fälle

Miss Marple, die alte Jungfer. Hercule Poirot, der belgische Spitzendetektiv und sein Kompagnon Hastings. Tommy und Tuppence Beresford, das Geheimagentenduo. Der charismatische Sir Clithering. Mrs. Oliver, die gerne mal einen interessanten Krimi zu Papier brachte. Oder auch der unverkennbar Inspektor Battle. Na, kommt Ihnen eine dieser Personen bekannt vor? Das ist schon gut möglich, denn sie sind in vielen Werken von Agatha Christie zu bewundern und so ein fest in Beton gemeißeltes Kapitel in der Krimigeschichte. Das gilt auch für die Autorin selbst, ohne die das Genre Krimi heute nicht das wäre, was es ist. Schätzungsweise vier Milliarden Werke hat Agatha Mary Clarissa Christie, geborene Miller, heute verkauft. Ihre Stücke werden der Voraussicht nach auch im 22. Jahrhundert noch gelesen, gehört und geschaut.

Drei große Stücke von Agatha Christie

Satte zwölf Stunden Unterhaltung bietet die Agatha Christie Geburtstags-Edition, für die Regina Lemnitz, David Nathan und Friedhelm Ptok drei der größten Stücke eingesprochen haben. Los geht es mit „Karibische Affäre“, einem Fall für Miss Marple. Diese hat eigentlich Urlaub, doch ein toter Hotelgast zieht ihre Aufmerksamkeit auf sich. Zumal sich die Miss am Tag zuvor noch mit dem Toten unterhalten hat. In „Das unvollendete Bildnis“ wird Hercule Poirot damit beauftragt, die Unschuld einer Frau zu beweisen. Hat die Mutter von Carla Lemarchant ihren Mann umgebracht oder nicht? Poirot muss die Angelegenheit klären und einen neuen Verdächtigen finden. Davon handelt auch „Die Kleptomanin“, wenngleich es zunächst nur um Diebstahl geht. Als die Diebin gefunden ist, wird sie am nächsten Tag entdeckt, allerdings mausetot. Enden kann der Fall da aber nicht, den Poirot hat gerade erst angefangen, seine Nase in die Angelegenheit hineinzustecken.

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18.Juni
2015

Dan Smith – Big Game

Benjamin Jendro

Big GameEs ist ein eher seltenes Phänomen, dass Actionfilme aus dem Kino als Grundlage Romane nutzen. Im Fall von Dan Smith ist es aber so. Sein „Big Game“ erzählt eine interessante und recht ungewöhnliche Geschichte. Ein kleiner Knirps trifft dort mitten in der Wildnis den mächtigsten Mann der Welt. Fortan muss er sich um ihn kümmern und tut dies mit Bravour. Es ist die recht besondere Konstellation, von der die Geschichte lebt und dank der „Big Game“ zum Kinohighlight des Sommers aufsteigen könnte. Das Hörbuch eignet sich für jene, die anstatt der Kinofassung lieber zuhause Spannung haben wollen. Die siebeneinhalb Stunden sind auf jeden Fall hörenswert.

Big Game – Ein außergewöhnliches Jagderlebnis

13 Lenzen ist der kleine Oskari und gemäß der Tradition muss er in den Wald und ein großes Tier erlegen. So wie sein Vater und dessen Vater, Oskari ist nämlich der Spross einer Jägerfamilie. Um der Historie seines finnischen Dorfs gerecht zu werden, ist der Übergang vom Jungen zu Mann das Erlegen einer großen Beute. Je nachdem, worum es sich handelt, erhält der Jäger dann auch Aufschluss darüber, was er für ein Mann geworden ist. Im Fall von „Big Game“ ist die Beute des kleinen Mannes ein wirklich großes Tier. Es handelt sich um den Präsidenten der Vereinigten Staaten, der Oskari da vor den Bogen läuft.

Ein kleiner und schwacher Junge beschützt den mächtigsten Mann der Welt

Oskari hat ein wenig Angst, als er sich in den Wald begibt. Er ist nicht gerade das Ideal eines großen Kriegers. Selbstzweifel sind dennoch unangebracht, denn Oskari erweist sich in „Big Game“ als Fels in der Brandung. Nachdem der Präsident notlanden muss, weil ein Terrorist seine Air Force One vom Himmel pustet, wirkt er mitten in der Wildnis recht orientierungslos. Oskari hält ihn für einen Außerirdischen. Genau diese Konstellation ist so bemerkenswert und Autor Dan Smith zeigt viel Herz in der Geschichte. Oskari beschützt den Präsidenten, der fernab der Staaten hoffnungslos verloren ist und Zielscheibe für jede Menge Bösewichte abgibt.

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10.Juni
2015

Lori Nelson Spielman – Nur einen Horizont entfernt

Benjamin Jendro

Spielman - Nur einen Horizont entferntGute Romane, die einfühlsam sind und Wert auf große Emotionalität legen, zeigen ihren Inhalt zumeist bereits im Titel. Erinnern Sie sich an Jonassons großartigem Schriftstück „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“? Es gibt immer mal wieder solche Werke, denen man den internationalen Bestseller schon bei der Veröffentlichung ansieht. Das traf auf „Morgen kommt ein neuer Himmel“ von Lori Nelson Spielman zu, das insgesamt gute 600.000 Mal über die deutschen Ladentheken ging und so der erfolgreichste Bestseller des abgelaufenen Kalenderjahres war. Ob sie mit „Nur einen Horizont entfernt“ in ähnliche Sphären aufsteigt, lässt sich noch nicht absehen. Eingeschlagen hat die Geschichte aber auf jeden Fall.

Wenn ein Brief ein Leben umkrempelt

Wir leben in einem Zeitalter, in welchem immer weniger Menschen zum Medium Brief greifen und stattdessen lieber eine SMS, Mails oder sonstige Kurznachrichten verschicken. Hannah Farr ist TV-Moderatorin und kennt dieses gesellschaftliche Phänomen zu genüge. Dementsprechend verwundert ist sie, als ein handgeschriebener Brief bei ihr eintrifft. Er stammt von einer früheren Schulkameradin, die um Vergebung bittet, weil sie Hannah früher immer gemobbt hat. Im Kuvert enthalten sind auch zwei Steine. Mit einem soll ihre Vergebung eingeholt werden, mit dem anderen kann sie selbst einen anderen um Verzeihung bitten. Hannah weiß sofort, für wen ihr Stein in „Nur einen Horizont entfernt“ bestimmt ist. Sie weiß nur nicht, ob sie die dunkle Vergangenheit zurück in ihr helles, erfolgreiches Leben dringen lassen soll.

Das komplette Glück ist „Nur einen Horizont entfernt“

Zwei Fragen stellen sich Hannah. Kann sie der früheren Weggefährtin vergeben? Ja das kann sie. Viel wichtiger aber scheint die ganz persönliche Enttäuschung, die sie ihrer Mutter antat und die sich kurz nach dem Lesen des Briefes vollkommen in ihr manifestiert. Hannah hat ihr wehgetan und ein Übel vollbracht, das man nur schwer wieder gerade biegen kann. Ist ein Stein die Lösung, Mutter und Tochter wieder zu vereinen? Mit der jugendlichen Stimme, fängt Sprecherin Eva Gosciejewicz in den 453 Hörbuchminuten sowohl das zittrige Hin und Her in Hannah als auch die einfühlsam aufgebaute Szenerie der Autorin perfekt auf. Das macht ein äußerst hörenswertes Hörbuch für die Sommertage aus.

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3.Juni
2015

Carlos Ruiz Zafon – Das Spiel des Engels

Benjamin Jendro

Zafon - Das Spiel des EngelsEin Name, der klangvoll auf den Lippen zergeht und der für Geschichten steht, die ebenso wundervoll genüsslich schmecken – das ist Carlos Ruiz Zafon. Seine Romane verzaubern den Zuhörer und besonders mit der Tetralogie „Der Friedhof der vergessenen Bücher“ hat er mich für seine Arbeiten gewinnen können. Drei dieser Stücke wurden bisher herausgegeben, der vierte ist in Arbeit. Um sich ordentlich auf dieses einzustimmen, lohnt ein Rückblick. Viel Spannung findet sich im zweiten Roman „Das Spiel des Engels“. In diesem werkelt ein junger Schriftsteller, der mitten im Herzen Barcelonas schaurige Geschichten verfasst, an einer Mammutarbeit, die Einfluss auf sein eigenes Leben nimmt.

David Martin – Ein junger Autor in Barcelonas Dunkelheit

Früh im Leben interessiert sich David Martin für Bücher und dank der Buchhandlung Sempere kommt er auch stetig zu neuem Material. Den Buchhändler und sein Sohn kennt man bereits aus dem ersten Band „Die Schatten des Windes“. In „Das Spiel des Engels“ rückt besagter Martin den Fokus. Nach dem Tod seines Vaters kommt er durch die Hilfe eines guten Freundes zu einer Zeitung, bei der er zunächst Praktikantenjobs übernimmt. Eines Tages aber erhält er dort die Chance, endlich seine eigenen schriftstellerischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Aus einer ersten schaurigen Geschichte wird eine ganze Serie, die in Barcelona Erfolg hat. Dem folgen erste Bücher, in denen Martin gruselige und sehr dunkle Szenarien unter einem Pseudonym schreibt und so unentdeckt einer der erfolgreichsten Autoren der Stadt wird.

Das Spiel des Engels ist ein unmoralisches Angebot

Als David Martin sich aus seinem Knebelvertrag lösen möchte, kommt ihm ein mysteriöser Fremder, der schon zuvor um seine Gunst geworben hat, zur Hilfe. Die beiden Verleger sterben bei einem Brand, ihr Autor ist nicht mehr gebunden. Frei für Neues lässt er sich auf ein Angebot des Fremden ein, für den er in Fabelmanier eine neue Religion verfassen soll. Zwar findet er das Thema skurril, doch der Preis stimmt und der Herr Corelli verspricht ihm noch einen ganz anderen Lohn. Dass sich rund um „Das Spiel des Engels“ immer mehr dunkle Elemente auftürmen, trägt der Spannungssteigerung bei. Den Rest schafft der Rahmen des dunklen Barcelonas aus einer Zeit vor dem Bürgerkrieg. Gefüllt mit vielen Geheimnissen entsteht dabei eine tolle Atmosphäre, der jeder Zuhörer verfallen wird.

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27.Mai
2015

Haruki Murakami – Wenn der Wind singt

Benjamin Jendro

Murakami - Wenn der Wind singtDie Zahl derjenigen, die aus meiner Sicht noch immer zu Unrecht auf den Nobelpreis für Literatur wartet, steigert sich Jahr für Jahr. Immer wieder wird man überrascht und bekommt einen Autor vor die Nase gesetzt, der es durchaus verdient hat, der einem aber nicht als erster Name in den Sinn gekommen ist. Haruki Murakami ist für mich derjenige, dessen Name seit Jahren fallen müsste, wenn die Akademie einen Sieger verkündet. Seine Romane versprühen großen Unterhaltungswert und zehren von einer ganz eigenen Sprache. Der 1949 geborene Japaner hat sicher noch ein Paar Jahre Zeit, dennoch sind seine Werke nobelpreiswürdig. Sein Debüt „Wenn der Wind singt“ war es schon.

„Wenn der Wind singt“ ist der Beginn einer Trilogie

Gerade ist der Wunsch vieler Literaturfans in der realen Welt erfüllt worden. Haruki Murakamis Debütroman „Wenn der Wind singt“ wurde endlich auch außerhalb Japans veröffentlicht. Somit hat der Bestsellerautor sich nach langem Hin und Her nun doch entschlossen, seinen Fans, von denen es in Deutschland wahrlich viele gibt, das gute Stück vorzulegen. Es erscheint in der Buchvariante zusammen mit „Pinball 1973“, dem Folgeband. Zusammen mit dem bereits 1991 in Deutschland erschienen Werk „Wilde Schafsjagd“ ergibt das die so genannte „Trilogie der Ratte“ – Murakamis Einstieg in die literarische Welt.

Die Geschichte in „Wenn der Wind singt“

Haruki Murakamis Romane erkennt man oft an wiederkehrenden Elementen. Eines besteht darin, die Erzählung an einer Figur entlang zu führen und das Werk so auch immer ein wenig autobiographisch zu gestalten. In „Wenn der Wind singt“ ist ein 21-jähriger Student dieser Eckpfeiler. Murakami, der seinen Schriften gerne mal etwas Mystisch-Märchenhaftes verleiht, gibt ihm keine Namen. Er ist eine Person, die sinnbildlich zu sehen ist und deshalb auch keinen Namen tragen muss. Besagter Student verbringt die Sommersemesterferien des Jahres 1970 in seinem kleinen Heimatdörfchen. So wirklich viel macht er dort nicht. Trotzdem enthalten die fünf Stunden Hörbuch, die David Nathan spricht, viel Interessantes. Es geht um die Gespräche von dem Protagonisten mit seinen drei engsten Vertrauten, seinem besten Freund Ratte, einem Mädchen, dem ein Finger fehlt und einem Barkeeper.

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