...entführen dich in eine andere Welt

Impressum Kontakt

Wer Wind sät – Nele Neuhaus

Benjamin Jendro

27.Mai
2011

Das Hörbuch “Wer Wind sät” ist ein weiterer Ableger der erfolgreichen Kirchhoff/Bodenstein-Reihe. Das Ermittlerduo hat es in diesem Band in den Taunus verschlagen, um gleich mehrere Morde aufzuklären. Doch alles der Reihe nach.

Die Firma WindPro möchte einen Windpark bauen. Dummerweise gehört das Grundstück, das in die Planung mit einbezogen wurde, Ludwig Hirtreiter und der hat feste Grundsätze. Auch drei Millionen Euro können ihn nicht zum Verkauf bewegen. Stattdessen gründet er eine Bürgerinitiative, um das Vorhaben zu stoppen. Seine drei Kinder, zu denen er kaum Kontakt hat, halten die drei Millionen allerdings für ein sehr gutes Angebot und möchten ihn zum Verkauf überreden, wenn nicht gar drängen. Sie wittern ein gutes Geschäft.

Doch nach zähen Verhandlungen wird ein Nachtwächter der Firma tot aufgefunden und der Verdacht liegt schnell bei Hirtreiter, zumal der Täter aus dem Umkreis der Bürgerinitiative zu kommen scheint. Allerdings hat Hirtreiter ein todsicheres Alibi, er wird nämlich selbst geradezu hingerichtet aufgefunden.

Nele Neuhaus hat es erneut geschafft, einen spannenden Krimi zu schreiben, der bis zum Schluss offen lässt, wer der Mörder ist. Das Hörbuch ist nicht zum Nebenbei-Hören gedacht, da die Erzählstränge sehr komplex sind und viele Figuren vorgestellt werden. Die Verwendung einer sehr aktuellen Thematik lässt den Roman frisch und authentisch erscheinen und sorgt schon alleine deswegen für Neugier.

0

Carlos Ruiz Zafón – Marina

Benjamin Jendro

25.Mai
2011

Eines vorweg: Carlos Ruiz Zafóns Marina ist nicht unbedingt das, was Sie als alter Zafón-Leser gewöhnt sind. Der Autor hat hier ganz bewusst einen Genremix kreiert, der irgendwo zwischen Liebesroman, Jugendbuch und Gruselwerk liegt. Eine präzise Einordnung fällt schwer, da zum Teil auch märchenhafte bis fantastische Komponenten mitwirken. Wer einen solchen Genremix jedoch mag, wird an diesem Hörbuch seine helle Freude haben.

Carlos Ruiz Zafón erzählt die Geschichte von Óscar, einem 15-jährigen Jungen, der durch die Straßen von Barcelona kreuzt. Eines Tages trifft er auf Marina, ein gleichaltriges Mädchen, und verliebt sich sofort in sie. Sie nimmt ihn mit auf die einsame Villa zu ihrem schwerfälligen, aber liebevollen Vater, Germán. Schnell wird Óscar der beste Freund von Marina und fühlt sich auch bei ihrem Vater sehr wohl. Eines Tages jedoch erfahren sie vom ehemals reichsten Mann in Barcelona. Noch lange nach seinem Tod kursieren viele Gerüchte über ihn und die beiden kommen seinem Geheimnis auf die Spur, ohne zu ahnen, was sich dahinter verbirgt.

Das Hörbuch ist in typischer Zafón-Manier sehr lebendig und farbenfroh geschrieben. Man kann nach den ersten Minuten Barcelona aus den Augen des Autors sehen und erkennt den Zauber dieser Stadt. Die Geschichte selbst ist sowohl fantastisch als auch spannend. Auch der Sprecher, Andreas Pietschmann, schafft es mit seiner gelungenen Stimme dem Roman Leben einzuhauchen.

0

Agatha Christie – Vier Hörspiele

Gisela Blank

20.Mai
2011

Agatha Christie ist bis heute unbestritten die „Queen of Crime“, die Kriminalgeschichten der 1976 verstorbenen Schriftstellerin erfreuen sich weltweit immer noch anhaltender Beliebtheit. Der Hörverlag bringt seit Jahren Hörspiele und Lesungen der kniffligen „Whodunnit“-Fälle heraus, und die neueste Box enthält vier bisher unveröffentlichte Hörspiele, die einen schönen Querschnitt durch das Werk Agatha Christies bieten.

Der erste Fall, der Poirot-Krimi „Der Mord an Roger Ackroyd“ (auch unter dem Titel „Alibi“ bekannt), wird ganz untypisch von einem Ich-Erzähler wiedergegeben. Sowohl dieser Erzähler als auch die Sprecher, welche die Dialogszenen nachspielen, sind in dieser NDR-Produktion aus dem Jahr 1956 sehr gut ausgewählt, der spannende Fall hält die Hörer bis zur überraschenden Auflösung in Atem.

Das kriminalistische Stück „Die Fuchsjagd“ ist ein ganz besonderes Werk von Agatha Christie: Unter dem Titel „Mousetrap“ wird es seit 1952 im Londoner West End gespielt und ist damit das am längsten ununterbrochen aufgeführte Theaterstück der Welt. Die Umsetzung des Bayerischen Rundfunks (1958) fängt sehr gut den Kammerspielcharakter des Krimis ein: Acht Personen sind in einer kleinen Pension von der Außenwelt abgeschnitten, und unter ihnen weilt ein Mörder…

Das dritte Hörspiel, „Mord im Pfarrhaus“, ist ein Krimi mit Miss Marple. Tatsächlich ist das Rätsel um den Tod des unbeliebten Colonel Protheroe der erste Fall mit der berühmten Hobbydetektivin, die hier erstmals mit ihrem scharfen Verstand und ihrer guten Beobachtungsgabe einen Täter überführt. Die Produktion des Bayerischen Rundfunks (1970) ist grundsätzlich sehr gut gelungen, nur das durchgehende „Fräulein Marple“ statt „Miss Marple“ ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Der letzte Fall „Die spanische Truhe“, ein ORF-Hörspiel aus dem Jahr 1994, ist ein Kurzkrimi mit Hercule Poirot. Nach einer privaten Dinnerparty wird ein Toter in besagter Truhe entdeckt und der vermeintliche Mörder schnell gefasst, doch Poirot kommt mit Hilfe seiner kleinen grauen Zellen dem wahren Täter auf die Spur. Der Fall ist mit spanischer Gitarrenmusik und guten Sprechern schön umgesetzt, aber der Poirot-Sprecher hat eine bayerische Sprachfärbung – klingt etwas seltsam, denn von anderen Poirot-Krimis ist man einen (wenn auch imitierten) belgischen Akzent gewohnt.

Trotz einiger Schwächen der einzelnen Produktionen ist diese Box für Fans klassischer Krimis auf jeden Fall zu empfehlen: Vier spannende Hörspiele mit überraschenden Wendungen, die eine schöne Mischung aus Agatha Christies Werk ergeben und den Hörer auch auf eine kleine „Zeitreise“ durch die Hörspielproduktion von den 50er Jahren (reduzierte Stilmittel, Fokus auf den Dialogen) bis in die 90er Jahre (Erzeugen einer Grundstimmung durch Musik und Geräuschkulisse) mitnehmen.

0

Nein! Ich geh nicht zum Seniorentreff!

Benjamin Jendro

20.Mai
2011

Ob die Übersetzung Nein! Ich geh nicht zum Seniorentreff! gut gewählt ist, können Sie selbst entscheiden. Ich für meinen Teil bevorzuge den englischen Original-Titel: „The Virginia Monologues: Why Growing Old is Great“. Virginia Ironside hat nach ihrem Bestseller Nein! Ich will keinen Seniorenteller! erneut über die Vorteile des Älterwerdens sinniert. Ist sie dabei objektiv? Nicht wirklich. Aber da unsere Gesellschaft schon genug Angst vor dem Älterwerden hat und alles unternimmt, um ewig jung zu bleiben, ist das eine erfreuliche Abwechslung.

Es sind die autobiographischen Gedanken der Autorin, die hier zum Tragen kommen. Anhand von Stichpunkten erklärt sie das Leben aus ihrer Sicht, der Sicht einer Frau im „Herbst ihres Lebens“. Ob Zipperlein, Augen, Krebs, Arthritis – vieles wird genauer unter die Lupe genommen. Doch obwohl das Leben im Alter seine Nachteile hat, bekräftigt sie die Vorteile und zeigt alles durch eine rosarote Brille. Tenor: Im Alter ist alles besser. Ist das nun schlecht? Nein! Wir denken immer, jung sein sei gut und vergessen, dass man auch in jungen Jahren mit Problemen zu kämpfen hatte. Doch die Jugend wich und machte Platz für eine gewisse Reife, eine Lebenserfahrung, die es einem ermöglicht, Dinge mit dem nötigen Abstand zu sehen. Ein solches Buch ist gut und wird heute mehr denn je gebraucht!

0

Zugegeben, der Name des Hörbuchs geht nicht unbedingt leicht über die Lippen, bleibt aber hängen: Winterkartoffelknödel. Man könnte es einen Provinzkrimi nennen, Regionalliteratur, oder was es sonst noch für Wörter für dieses Genre gibt. Auf jeden Fall ist Winterkartoffelknödel ein lustiges Buch, sofern man trockenem Humor aus Bayern etwas abgewinnen kann.

Der Roman spielt im oberbayrischen Dorf Niederkaltenkirchen. Einem Ort, den es so nicht gibt, den aber viele wiedererkennen werden. Franz Eberhofer wurde hierhin strafversetzt und bekommt die Krise. Eine fast taube Oma und ein invalider Vater. Herrlich! Und in all der Idylle gibt es auch nichts wirklich zu ermitteln. Bis ihm das tragische Unglück einer Familie komisch vorkommt. Ein Unfall? Nein! Eberhofer ermittelt und kommt einigem auf die Spur.

Doch im Grunde geht es nicht hauptsächlich um die Aufklärung des Unfalls. Die regionale Mundart und die Charaktere des Dörfchens sind das Salz in der Suppe. Wo Skandinavier ein dunkles Bild der menschlichen Psyche in ihren Kriminalromanen zeichnen, kann gelacht werden. Es wird ein uriges Bild der Umgebung dargestellt, das für viele nicht fremd sein dürfte. So stellt man es sich vor, bzw. hat es selbst schon auf dem Lande erlebt. Sicher, hier und da wird etwas überspitzt, aber im Grunde bleibt es realistisch und könnte sich tatsächlich genau so abgespielt haben.

0

Horst Evers wird so manchem Leser ein Begriff sein. Der krude Humor ist gewöhnungsbedürftig. Wobei, vielleicht stimmt das so nicht. Man mag den Humor, oder eben nicht. So einfach ist das. Manchmal kann das Leben auch ganz simpel sein. Die Audio-CD  Großer Bahnhof ist ein Live-Mitschnitt seines neuen Programms. 15 Titel werden hier zum Besten gegeben und wieder einmal schafft es Horst Evers, das Banale, Alltägliche meisterhaft komisch darzustellen.

Man erfährt, dass Herr Riechmann twittert, oder wie sich Evers in den hiesigen Pampas zurechtfindet. Auch eine eigene, nach ihm benannte Obstschale darf er nun sein Eigen nennen. Warum? Das erfahrt ihr, wenn ihr euch die CD anhört.

Ich persönlich habe ein wenig gebraucht, bis ich mich in Horst Evers hineinversetzen konnte, habe aber anschließend umso mehr gelacht. Er ist die Art von Charakter, die, ohne dass wir es wissen, unser Nachbar sein könnte. Eine Figur, die man nicht immer liebt, aber eben doch sympathisch findet. Zeitgeschehen wird hier eben einmal anders beleuchtet, dafür umso lustiger.

Passend zur Audio-CD ist auch sein neustes Buch herausgekommen: Für Eile fehlt mir die Zeit. Horst Evers-Fans haben die nächsten Tage auf jeden Fall wieder reichlich Stoff zum Amüsieren.

0

Todeswunsch: Psychothriller als Hörbuch

Benjamin Jendro

11.Mai
2011

Sienna, die beste Freundin seiner Tochter, steht plötzlich vor der Tür. Traumatisiert, blutüberströmt und alles deutet darauf hin, dass sie ihren Vater ermordet hat. Joe O’Loughlin weiß nicht so recht, was er mit der Situation anfangen soll. Doch etwas beschleicht ihn und so fängt er an zu graben. Was er dabei entdeckt, ist nicht schön, dafür aber umso spannender. Michael Robotham hat mit Todeswunsch erneut einen packenden Psychothriller geschrieben, der sich als wahrer Pageturner entpuppt.

Der Professor für Psychologie macht sich zusammen mit dem Polizisten Ruiz, einem Bär von Mann, auf die Suche nach den Tätern und stößt dabei auf jede Menge Verdächtige. Das Buch dreht sich zum Teil um Pädophilie und in welche Kreise sie zieht. Viel interessanter ist jedoch die psychologische Herangehensweise. Dem Autor ist es vordergründig nicht so wichtig, den Täter bis zum Schluss vor dem Zuhörer zu verbergen. Vielmehr geht es um das Aufklären der Motive und Hintergründe. Der verborgenen Gedanken.

Um das Hörbuch zu verstehen, muss man den Vorgänger Dein Wille geschehe nicht zwangsläufig auch gelesen, bzw. gehört, haben. Es bietet sich jedoch an, da man so die Familienverhältnisse besser einordnen kann und den Krankheitsverlauf und die Trennungsgeschichte von O’Loughlin besser nachvollzieht. Nicht zuletzt aber, weil auch der Vorgänger sehr spannend geschrieben ist und es ein großes Versäumnis wäre, ihn nicht zu kennen.

0

Wer Nicholas Sparks kennt, weiß, wie seine Liebesromane normalerweise ablaufen. Es ist die Art von Liebe, die zum Teil Klischee ist, zum Teil aber auch genau das, was sich jeder insgeheim wünscht. Eine vollkommene Liebe. Nicht weil es keine Probleme gibt, sondern weil die involvierten Personen aufrichtig lieben. Bei „Wie ein Licht in der Nacht“ geht es um Katie. Sie zieht in den Küstenort Southport und schafft es trotz einer Anstellung als Kellnerin sehr zurückgezogen zu leben und jeglichen intimen Kontakt zu vermeiden. Niemand weiß genau, wer sie ist und wo sie herkommt. Vor allem weiß niemand um ihr dunkles Geheimnis..

Doch wie es kommen muss, lernt sie unter anderem Alex kennen. Einen alleinerziehenden Vater, der den Beschreibungen zufolge ein gut gebauter Mann ist mit jeder Menge Einfühlungsvermögen. Also eine fiktive Figur ;). Langsam gelingt es ihm ein wenig zu Katie durchzudringen und sie entwickelt für ihn mehr als nur Sympathie, ist aber fest entschlossen, niemanden an sich rankommen zu lassen.

Sparks neustes Hörbuch ist anders aufgebaut als die 16 Vorgänger. Es ist zum Teil thrillerartig geschrieben und unterscheidet sich durch seine rasante Erzählweise. Zum Schluss kommt allerdings wieder altbekanntes Sparks-Feeling auf und jede Menge Taschentücher werden benötigt. Schenken Sie Ihrer Frau das Hörbuch also nur in Kombination mit einer Vorratspackung Taschentücher!

0

Das Lied der Träumerin ist ein wundervolles Hörbuch, das nicht zuletzt durch die Stimme von Yvonne Catterfeld noch an Poesie gewinnt. Die Autorin Tanya Stewner hat mit ihrer Protagonistin Angelia eine aufgeweckte, lebensbejahende Figur geschaffen, die ihren Träumen folgt.

Schon immer stand Angelia ihrem Vater nahe und deswegen möchte sie nun auch ihren Traum von der Musikkarriere in die Tat umsetzen. Immerhin hat er sie zur Musik gebracht. Also verschlägt es sie nach London, wo sie mit den Brüdern Josh und Jeremy zusammenzieht. Mit Josh versteht sie sich auf Anhieb blendend, nur der mysteriöse Jeremy macht ihr zu schaffen. Denn obwohl er so zurückgezogen lebt, geht eine Anziehungskraft von ihm aus, der sie sich nicht entziehen kann. Sie erlebt viele Höhen und Tiefen mit den Brüdern.

Letztlich ist das Buch eine Hommage an all die Träumer da draußen. Ich möchte an dieser Stelle jedoch nicht verraten, ob ihr sehnlichster Wunsch auch tatsächlich in Erfüllung geht. Das Buch selbst hat einen ganz außergewöhnlichen Schreibstil. Obwohl die Autorin einfachste Wörter nutzt, steckt eine Tiefe in ihnen, die bewundernswert ist. Man möchte manche Sätze immer und immer wieder hören. Wahrscheinlich steckt genau hierin die Kunst. Mit einfachen Wörtern Wichtiges sagen.

Insbesondere die Frauenwelt wird dieses Hörbuch lieben und vor allem Angelia ins Herz schließen.

0