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Sabine Thiesler – Hexenkind

Benjamin Jendro

29.Juli
2011

Mit “Der Kindersammler” hat sich Sabine Thiesler einen Namen in der Krimi-Szene gemacht. Das Buch stand Wochen und Monate in den Bestsellerlisten auf den oberen Rängen. Hexenkind schickt sich nun an, es dem Vorgänger gleichzutun, wenn die Autorin auch einen gänzlich neuen Weg einschlägt.

Es geht um Sarah, die mit ihrer Tochter vor dem brutalen Mann in die Toscana flüchtet und dort mit ihrem neuen Freund ein neues Kapitel in ihrem Leben schreiben möchte. Das Buch setzt umgehend am Mord von Sarah an und baut nach und nach die Spannung auf. Rückblenden erzählen von ihrem Leben und was sie zu den vielen Taten führte, die in dem Buch beschrieben werden. Zum einen sind es wohl die Taten einer verzweifelten Frau, zum anderen…darauf gehe ich an dieser Stelle wohl lieber nicht ein.

Es gelingt der Autorin, einen packenden Roman zu schreiben, der jedoch weniger auf Action als mehr auf die Emotionen, die Schicksale eingeht. Vielleicht ist das manchen nicht actionlastig genug. Andere mögen wohl die neue Ausrichtung und die Art, wie sich das Hörbuch so von anderen Genre-Mitbewerbern distanziert.

Es ist auch definitiv keine Fortsetzung des Kindersammlers. Vielmehr zeigt Thiesler hier ihre Bandbreite und dass sie auch anders schreiben kann.

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Andreas Winkelmann – Hänschen Klein

Benjamin Jendro

27.Juli
2011

Es ist Tag X. Sebastian Schneider bekommt einen mysteriösen Brief mit der ersten Strophe aus dem Lied Hänschen Klein, samt eines Liebesschwurs. Zunächst hält er das für eine Verwechslung, doch schon bald wird klar, dass sein Leben sich fortan gewaltig ändern wird.

Als Zuhörer bekommt man von nun an im Grunde all das mit, was auch Sebastian mitbekommt. Sie sind sein ständiger Begleiter, seine innere Stimme. Denn was sich zunächst als Verwechslung auftut, entpuppt sich als der Brief einer kranken Frau, die ihren verschollenen Sohn wiederfinden möchte, koste es was es wolle.

Mit Rückblenden wird man über die Vergangenheit von Sebastian aufgeklärt und bekommt recht bald ein Gespür für die Story. Auch die Nebenhandlungen geben eindeutige Hinweise, so dass der Fokus nicht unbedingt darauf liegt, wie das Buch ausgeht, sondern vielmehr wie es zu all den Verwicklungen kommen konnte. Da man sozusagen die 1-Person-Perspektive einnimmt, bleibt es dennoch bis zum Schluss spannend und man fiebert mit.

Als Kritik kann evtl. der sehr durchschaubare Verlauf bemängelt werden, was nicht heißt, dass es keine überraschenden Wendungen gibt. Jedoch kommt man recht schnell „dahinter“.

Simon Jäger macht als Sprecher einen ganz hervorragenden Job und schafft es mal wieder, die Charaktere unglaublich gut plastisch wirken zu lassen. Überhaupt ist die Hörqualität sehr gut.

Hier wurde das Rad nicht neu erfunden, aber sicherlich ordentlich umgesetzt.

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James Patterson – Die 2. Chance

Benjamin Jendro

22.Juli
2011

Schon der erste Band um Lindsay Boxer war sehr spannend und hat eine neue Krimi-Reihe ins Leben gerufen. Doch „Die 2. Chance“ setzt sogar noch einen drauf. Meist sind Fortsetzungen eher ein Abklatsch. Hier allerdings fiebert man noch mehr mit als beim Vorgänger “Der 1. Mord“.

Wieder einmal kommt es zu einem Mord. Ein schwarzes Mädchen wird in einem Chor niedergeschossen. Man geht zunächst von einem rassistischen Hintergrund aus. Doch schnell wird klar, dass wir es hier erneut mit einer Mordserie zu tun haben. Der Täter sucht sich jedoch sehr unterschiedliche Opfer aus, die jedoch eine Gemeinsamkeit haben: Verbindungen zur Polizei.

Lindsay, neu ernannter und einziger weiblicher Detective in San Francisco, macht sich mit ihrem Team an die Untersuchung der Mordfälle und gerät dabei selbst ins Visier des Mörders.

Was den 2. Roman neben der sofort aufgebauten Spannung so besonders macht, ist die Weitererzählung der Charaktere. So erfährt man mehr von der Beziehung zwischen Lindsay und ihrem Vater. Und auch die anderen Figuren werden weiter beleuchtet, so dass man eine tiefergehende Beziehung zu ihnen aufbauen kann.

Würde man das Buch nicht hören, könnte man sagen, es ist ein Page-Turner. In diesem speziellen Fall ist es wohl ein CD-Changer :).

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James Patterson – Der 1. Mord

Benjamin Jendro

20.Juli
2011

Spätestens seitdem er die Alex Cross–Reihe schrieb, gehört James Patterson zu den ganz Großen im Krimi-Geschäft. Doch der gute Mann hält nicht nur an Altbekanntem fest. Mit Der 1. Mord eröffnet er eine gänzlich neue Krimireihe, mit einer neuen Protagonistin – Lindsay Boxer.

Lindsay Boxer ist Mordkommissarin und hat es mit einem Serienmörder zu tun. Der „Honeymoon-Mörder“ sucht sich frisch vermählte Brautpaare aus und bringt sie um. Dabei hinterlässt er mal mehr, mal weniger auffällige Spuren, die die Kommissarin zunächst jedoch nicht weiterbringen. Nach dem dritten Mord scheint endlich ein Verdächtiger gefunden, aber ist die Sachlage so einfach, wie sie scheint? Oder haben wir es hier mit einem abgekarteten Spiel zu tun? Lindsay kommen Zweifel. Glücklicherweise stehen ihr die Pathologin Claire, die Reporterin Cindy und die Staatsanwältin Jill zur Seite. Der Krimi fährt also geballte Frauenpower auf, ein kleines Novum, in dem sonst überwiegend von Männern beherrschten Buchmetier.

Das Hörbuch ist sehr spannend und bis zum Schluss bleibt offen, wie die Sache ausgeht. Irrungen und Wirrungen inklusive. Bei Patterson nichts neues, aber doch immer wieder gut zu wissen, dass man es mit einem sehr guten Krimi zu tun bekommt. Lindsay Boxer hat das Zeug zur neuen Alex Cross, auch wenn man die beiden Figuren nicht vergleichen sollte.

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Der Prinzessinnenmörder von Andreas Föhr ist ein überaus gelungenes Erstlingswerk. Seine Brötchen verdient der gute Mann eigentlich als Drehbuchautor und ist daher schon mit dem Schreiben vertraut. Das merkt man dem Hörbuch (eine gekürzte Fassung) auch gleich an. Gekonnt kann er die Spannung bis zum Grande Finale aufrechthalten.

Im oberbayerischen Miesbach wird die Leiche eines 15-jährigen Mädchens in einem See entdeckt. Kommissar Wallner und Kreuthner haben sofort eine dunkle Vorahnung, als man im Mund des Opfers eine Plakette mit einer eingravierten 1 findet. Diese Leiche ist nur der Auftakt einer ganzen Mordserie.

Obwohl die Dialoge zum Teil in einer bayerischen Mundart geschrieben sind, versteht man auch als Nichtbayer, worum es geht. Das Hörbuch lässt sich, dank der guten Recherche und Beschreibung der idyllischen Umgebung, als Regionalroman kategorisieren.

Geschickt gelingt es dem Autor verschiedene Handlungsstränge, die vermeintlich nichts miteinander zu tun haben, zu verweben und erst am Ende die Katze aus dem Sack zu lassen. Als Zuhörer bekommt man hier und da Hinweise, wird auf die Fährte geführt, aber bisweilen auch in die Irre. Dennoch kann man erahnen, wer der Mörder ist und das Ende lässt keine Fragen offen.

Auch die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und der ewig frierende Wallner als auch sein Kollege Kreuthner und nicht zu vergessen der Großvater Manfred haben Kultpotential.

Ein ausgezeichneter, deutscher Roman, der Lust auf mehr macht.

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Jussi Adler-Olsen: Erlösung

Benjamin Jendro

13.Juli
2011

Erlösung ist der dritte Jussi Adler-Olsen-Krimi und wieder einmal ist dem Autor ein sehr spannendes Hörbuch gelungen. Es geht um eine wiederentdeckte Flaschenpost, in der ein Brief steckt, der einem Hilferuf gleicht. Leider kommt die Hilfe für das Opfer, welches diesen Brief geschrieben hat, zu spät. Denn es sind schon Jahre vergangen. Doch der Mörder scheint noch frei herumzulaufen.

Carl Mork, sein Assistent Assad und natürlich die merkwürdige Sekretärin Rose machen sich daran, den Fall neu aufzurollen und geraten so in einen sehr spannenden Fall. Denn was sie erwartet, ist ein ganz „alltäglicher“ Psychopath. Schnell wird klar, wer der Täter ist, doch das ist für die Spannung vielleicht sogar von Vorteil. Denn man erlebt die Evolution des Charakters und wie es dazu kommen kann, dass ein normaler Mensch zum Psychopathen wird.

Auch die anderen Protagonisten werden sehr ausgiebig vorgestellt und so lernt man Carl Mork von seiner sensiblen Seite kennen und erfährt, dass Assad gar nicht dort wohnt, wo er vorgibt zu leben. Auch Rose wird angeblich wegen einer Krankheit von ihrer Zwillingsschwester ersetzt, die sogar noch einen Tick verrückter zu sein scheint.

Mit einer interessanten Mischung aus Humor, Brutalität und Spannung entfacht “Erlösung” ein Unterhaltungsfeuerwerk. Anders als bei den sehr düsteren skandinavischen Romanen, kann man hier auch mal lachen.

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Nicci French – Seit er tot ist

Benjamin Jendro

8.Juli
2011

Seit er tot ist erzählt die Geschichte von Ellie und Greg. Ellie ist am Boden zerstört, als sie vom Tod ihres Mannes Greg bei einem schweren Verkehrsunfall hören muss. Nachdem diese Nachricht wie ein Blitz in ihr Leben einschlägt, erfährt sie zudem, dass eine unbekannte Frau mit im Auto saß. Schnell wird diese von Freunden und Bekannten als seine Geliebte ausgewiesen. Doch Ellie möchte das nicht glauben und sich, als auch dem Rest der Welt, das Gegenteil beweisen. Dabei stößt sie jedoch auf Dinge, die besser im Verborgenen geblieben wären.

Das Hörbuch bietet eine subtile Spannung, die bis zum Schluss aufrechtgehalten wird. Es ist ein Psychothriller der Extraklasse. Die Sprecherin Susanne von Medvey versteht es gekonnt Ellie darzustellen und ist eine hervorragende Besetzung für die noch junge verletzliche Ellie, die jedoch durch diesen Vorfall über sich hinauswächst.

Es ist die Geschichte einer Witwe, die ihren geliebten Mann auf so tragische Weise verliert und sein Andenken in Ehren halten möchte. Ohne viel Brutalität oder Voyeurismus kommt dieses Drama aus und zeigt eine kunstvolle Form des Krimis, die das Autorenpaar Nicci Gerrard und Sean French alias Nicci French hier kultiviert hat.

Kurz gesagt: Spannung bis zum Ende!

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Mia Morgowski – Die Nächste, bitte!

Benjamin Jendro

6.Juli
2011

Ärzteserien sind seit Jahren der letzte Schrei. Warum also nicht einen Arztroman lesen, bzw. in diesem Fall hören?! Mia Morgowskis „Die Nächste, bitte!“ ist genau das – ein Arztroman, allerdings von der sehr komischen Seite.

Es geht um Dr. Rosen, der sich nichts sehnlicher wünscht, als DER Arzt der Reichen und Schönen zu werden. Dr. Schümli, ein Schönheitschirurg, könnte ihm mit einer Partnerschaft genau dazu verhelfen. Allerdings muss in Schümlis Augen sein zukünftiger Partner eine Ehefrau vorweisen können. Dumm nur, dass Rosen das genau nicht kann.

Szenenwechsel. Nella leidet unter schlimmer Flugangst und schafft es, sich trotz einiger Hindernisse, wie bspw. der grummligen Arzthelferin Birte, in Dr. Rosens Sprechzimmer zu schleichen. Hier bekommt sie von ihm auch sogleich etwas gegen ihre Flugangst, nämlich Placebos. Einige Tage später treffen sich beide wieder im Flugzeug auf dem Weg in die Schweiz. Zufall, Schicksal…man wird es sehen. Jedenfalls muss Rosen Nella Beistand leisten, denn die Placebos helfen komischerweise so gar nicht gegen das Hyperventilieren. Als sie in der Schweiz ankommen, denkt Schümli auch sogleich, dass Nella Rosens Frau ist und der sieht sich angesichts der Situation dazu gezwungen, ihn in dem Glauben zu lassen, zumal sich Nella ob all der Aufregung nicht zu wehren weiß.

Solveig Duda und Florian Fischer verstehen es meisterhaft, den beiden Protagonisten und sämtlichen anderen Figuren Leben einzuhauchen. Allein die Doppelbesetzung sorgt für Spannung. Kein typischer Frauenroman, aber ein lustiger!

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Göttlich verdammt ist der sehr gute Auftakt einer Trilogie. Josephine Angelini erzählt die Geschichte der 16-jährigen Helen und ihrem Dad, die auf der kleinen Insel Nantucket leben. Als die Familie Delo jedoch zu ihnen auf die Insel zieht, ändert sich plötzlich alles. Aus irgendeinem Grund verspürt Helen einen tiefsitzenden Hass gegen diese Familie, den sie sich selbst nicht erklären kann. Das Geheimnis liegt in einer uralten Fehde, die zwischen diesen beiden Familien herrscht und bis zu den Griechischen Göttern zurückreicht.

Nachdem es zu Beginn dem einen oder anderen Zuhörer etwas schwerfallen mag, sich an den Erzähl- bzw. Schreibstil zu gewöhnen, schafft es Angelini den Spannungsbogen plötzlich dermaßen in die Höhe zu treiben und bis zum Ende hochzuhalten, dass man kaum mehr vom Hörbuch loskommt.

Geschickt verknüpft sie das jetzige Geschehen mit den alten, griechischen Mythen und Göttergeschichten, so dass eine homogene Geschichte daraus wird. Im Mittelpunkt stehen Helen und Lucas, die beiden „Kinder“ der verfeindeten Clans. Sie spüren eine nachhaltige Anziehung, die sich in eine Liebesgeschichte wandelt. Doch ihnen ist es untersagt sich zu lieben, da sonst ein folgenschwerer Krieg ausbrechen würde. Zudem sind sie mit göttlichen Kräften gesegnet, die fast unvorstellbar sind.

Die Autorin kommt, Gott sei Dank, trotz der Liebesgeschichte ohne jeglichen Kitsch aus, schafft es aber, das Hörbuch zum Knistern zu bringen. Für alle „Biss-Fans“ könnte diese Romanreihe der Beginn einer neuen Lieblingsbuchserie werden.

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