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Walter Isaacson: Steve Jobs

Benjamin Jendro

25.November
2011

Manche verehrten ihn, andere wollten ihm keinesfalls über den Weg laufen, geschweige denn mit ihm Fahrstuhl fahren. Denn es konnte sein, dass er sie umgehend feuerte. Die Rede ist von Steve Jobs. Jenem Genie, das uns den Apple, den iPod, das iPhone und das iPad bescherte, obwohl er selbst wohl keines dieser Geräte je hätte selbst bauen noch programmieren können. Er war ein Künstler, ein Visionär, jemand, der den roten Faden sieht und alles zusammenfügt.

Die Biographie von Walter Isaacson: Steve Jobs erzählt die Geschichte eines Mannes, der wohl nach heutigem Kenntnisstand das Borderline-Syndrom hatte. Jemand, der zugleich tiefromantisch und mitfühlend sein kann, nur um im nächsten Moment vollkommen ignorant und kontrollsüchtig zu sein. Jemand, der Kunst liebte und die Einfachheit seiner Produkte preiste. Der Menschen etwas vollkommen Intuitives bieten wollte und andererseits als Millionär nicht die Alimente für seine Tochter zahlen mochte. Er suchte Spiritualität und fand zur Technik. Wurde von seiner Mutter verstoßen und fand nach Jahrzehnten seine Halbschwester, zu der er eine sehr innige Beziehung aufbaute.

Der Autor versteht es dem Leser selbst die Wahl zu lassen. Er bekommt keine Meinung vorgesetzt, sondern gut recherchierte Fakten. Viele Menschen kommen zu Wort und zeichnen ein gegensätzliches Profil. Sie selbst müssen am Ende entscheiden, ob Sie diesen Mann mögen oder nicht.

PS: Wer die zum Teil etwas saloppe deutsche Übersetzung nicht hören möchte und des Englischen mächtig ist, sollte zum Original greifen.

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Der Dunkle Thron – Band 4

Benjamin Jendro

24.November
2011

Rebecca Gablé konnte mit ihrer Warhingham-Saga viele Fans gewinnen und das England des Mittelalters anschaulich illustrieren. Obwohl viele dachten mit dem dritten Teil wäre das Ende erreicht, hat Gablé noch einen draufgelegt und nun den vierten Band veröffentlicht, Der dunkle Thron.

Darin geht es um die Geschichte von Nicholas „Nick“ Warhingham, der als 14-Jähriger den tragischen Verlust seines Vaters miterleben muss. Als sei dies nicht genug, muss er sich um die heruntergewirtschaftete Baronie kümmern und überdies sein Versprechen halten und Mary vor den Wirrungen des Königs beschützen.

Henry Tudor VIII, Vater von Mary, gilt wohl zu Recht als einer der einflussreichsten Könige Englands. Sein Bestreben sich von der katholischen Kirche abzukehren, führt ein ganzes Volk vom Glauben ab und bringt enorme gesellschaftliche Umwälzungen mit sich. Das Hörbuch ist insofern anders als seine Vorgänger, als dass es sich zur Zeit der Reformation abspielt und nicht mehr das „dunkle Mittelalter“ wiedergibt. Man könnte es eine aufschlussreiche Geschichtsstunde nennen, die zwar nicht in jedem Detail historisch belegt ist, aber einen sehr guten Einblick in die damalige Zeit liefert.

Wer bisher noch nicht das Vergnügen hatte die Warhingham-Saga von Beginn an zu verfolgen, sollte die Gelegenheit nutzen und mit dem ersten Band beginnen, Das Lächeln der Fortuna.

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„Liebst Du Bücher,
reise nach Buchheim,
koste vom Buchwein,
damit du ein Buch seiest -
in Buchheim …“

Endlich ist Hildegunst von Mythenmetz zurück: Walter Moers schickt den dichtenden Lindwurm in seinem neuesten Zamonien-Roman Das Labyrinth der Träumenden Bücher wieder nach Buchhaim. Man sollte den Vorgänger Die Stadt der Träumenden Bücher schon kennen, bevor man sich an diese Geschichte wagt, denn Hildegunst von Mythenmetz bezieht sich oft auf sein erstes Buchhaim-Abenteuer und trifft bei seiner Rückkehr auf alte Bekannte wie den Eydeeten Hachmed Ben Kibitzer und die Schreckse Inazea Anazazi. Aber Das Labyrinth der Träumenden Bücher ist keineswegs ein Aufguss alter Ideen, denn in der Stadt Buchhaim hat sich viel verändert, und Mythenmetz’ erneute Entdeckung der Geheimnisse dieses kulturellen Zentrums ist spannend, voller irrwitziger Ideen und satirischer Verzerrungen der realen Kunstgeschichte. Vor allem der “Puppetismus“, die Kultur des Puppentheaters in allen möglichen Formen, hat es dem Lindwurm angetan. Nach einer ausführlichen Beschreibung dieser Kunstform, die etwas langatmig gerät, trifft Mythenmetz auf den Mastermind hinter dem Puppaecircus Maximus, erhält eine Einladung ins “Unsichtbare Theater“, landet an einem Ort, den er nie wieder betreten wollte – und genau an der spannendsten Stelle endet das Hörbuch mit dem Satz: “Hier fängt die Geschichte an.“ Ein gewagter Kunstgriff oder einfach eine Frechheit?

Ich habe noch nicht ganz ausgelotet, ob bei mir die Enttäuschung wegen des offenen Endes oder die Vorfreude auf einen garantierten nächsten Band überwiegt. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann: Diese ungekürzte Lesung von Andreas Fröhlich ist wirklich hervorragend. Fröhlich erweist sich ein weiteres Mal als kongenialer Sprecher für Walter Moers’ eigensinnige Fantasiewelt und schafft es, mit unterschiedlichen Stimmlagen und Finesse den vor Sprachwitz überbordenden Text perfekt zu vertonen.

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Richard Montanari – Septagon

Benjamin Jendro

18.November
2011

Heute möchte ich Sie mit einer neuen Krimi-Hörbuch-Serie bekannt machen. Es geht um das Ermittlerduo Kevin Byrne / Jessica Balzano. Die beiden sind in Philadelphia so etwas wie Sonderermittler und werden hinzugezogen, wenn es in einer Mordermittlung nicht mehr vorwärts geht. Auch der vierte und neuste Band von Richard Montanari – Septagon ist geradezu typisch.

Es geht um ein Mädchen, das tot aufgefunden wird. Die Ermittlungen weisen schnell auf eine ältere Dame, die jedoch kurze Zeit später selbst tot aufgefunden wird. Sie hinterlässt lediglich eine kryptische Botschaft für die Nachwelt: Ludo. Da die Mordkommission auf der Stelle tritt, werden Byrne und Balzano zu Rate gezogen und bald haben wir es mit mehr als nur einem Mordopfer zu tun. Es ist die Handschrift eines Serienkillers.

Der Autor nutzt auch in diesem Band zwei Erzählstränge aus verschiedenen Perspektiven. Zum einen kommen die Ermittler zum Einsatz, zum anderen erfährt man alles aus der Sicht des Mörders. Damit ist natürlich schon früh klar, wer es ist. Nichtsdestotrotz bleibt die Spannung jederzeit erhalten. Nicht zuletzt das sehr ausführliche Psychogramm des Mörders fasziniert. Es ist wie ein Blick in seine dunkle Seele. Als sähe man ihm bei seinen Taten über die Schulter und höre dabei seine Gedanken.

Das Hörbuch ist sowohl für Neueinsteiger als auch für Fans der Serie geeignet.

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Jo Nesbø – Die Larve

Benjamin Jendro

11.November
2011

Jo Nesbo- bzw. Harry Hole-Fans haben wieder einen Grund zum Feiern. Mit Die Larve hat der Autor den neunten und damit neusten Band der Reihe um den norwegischen Kommissar herausgebracht. Polizist ist Harry Hole nicht mehr. Stattdessen Geldeintreiber in Hong Kong und das seit nunmehr drei Jahren. Das selbst gewählte Exil verlässt er auch nur aus einem Grund. Der Sohn seiner großen Liebe Rakel wird des Mordes verdächtigt. Also macht sich Harry zurück auf den Weg ins ungeliebte Oslo.

Auch wenn er nicht mehr zur Polizei gehört, hat er nach wie vor die Verbindungen und einige offene Gefallen, die er einlösen kann, um an den Ermittlungen teilzuhaben, bzw. diese fortzuführen. So gerät er allmählich in einen tiefen und weitreichenden Strudel, der seine Kreise durch das Drogenmilieu und bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft zieht. Es gibt einige Kräfte, die diese Ermittlungen gerne im Keim ersticken möchten und Hole begibt sich mal wieder in Lebensgefahr.

Besonders an diesem Band ist die zweigeteilte Erzählweise. Zum einen gibt es den allwissenden Erzähler, so dass man als Zuhörer sogar Hole voraus ist. Dann gibt es noch die Sichtweise von Gusto, dem Mordopfer. Erst sie fügt die fehlenden Puzzleteile zu einem großen Ganzen zusammen. Das Hörbuch zieht sich zu Beginn etwas in die Länge, wird im Laufe der Geschichte aber immer spannender und zum Ende ein wahrer „Pageturner“.

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Craig Russell – Carneval (Hörbuch)

Benjamin Jendro

9.November
2011

Craig Russell ist für seinen Faible für deutsche Schauplätze in seinen Kriminalromanen bekannt. Sein Protagonist Hauptkommissar Jan Fabel hat im Hamburger Milieu schon so manchen Fall zu Ende gebracht. Russells Engagement wurde sogar vom Hamburger Polizeipräsidenten und Innensenator ausgezeichnet. In seinem neusten Roman, Carneval, hat er sich jedoch Köln als Handlungsort vorgenommen und die Karnevalszeit bietet ihm reichlich Stoff für einen Serienkiller.

Der als Clown verkleidete Mörder sucht sich seine Opfer direkt auf der Straße und schneidet ihnen nach dem Tötungsakt einen Teil des Gesäßes ab. Die Kölner Beamten kommen in dem Fall nicht weiter und suchen deshalb Rat beim erfahrenen Fabel. Dieser möchte sich eigentlich aus dem Job zurückziehen. Zu viel ist passiert. Vor allem das Trauma einer nahestehenden Kollegin macht ihm zu schaffen. Nichtsdestotrotz lässt er sich zu dem Fall überreden und ermittelt in der Sache.

Neben diesem Handlungsstrang gibt es noch einen weiteren mit der Kollegin und ukrainischen Menschenhändlern. In typischer Russell-Manier werden diese zu einem späteren Zeitpunkt meisterhaft miteinander verwoben und schaffen ein fulminantes Finale.

Wieder einmal hat der Autor einen erstklassigen Spannungsbogen zu Papier bzw. ins Hörbuch gebracht, der fesseln wird. Die Charaktere sind sehr authentisch gezeichnet und überzeugen mit ihren allzu menschlichen Schwächen.

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Craig Russell – Walküre (Hörbuch)

Benjamin Jendro

4.November
2011

Sogenannte Regionalromane sind ja momentan schwer im Kommen. Das jedoch Craig Russell als Nichtdeutscher sich ausgerechnet Hamburg und die ehemalige DDR zum Thema nimmt, ist nicht so alltäglich. Ein Grund mehr sich das Hörbuch Walküre näher anzuschauen, bzw. anzuhören.

Ein englischer Popstar wird tot in Hamburgs Rotlichtviertel aufgefunden. Schnell ist die Rede vom Engel von St. Pauli. Einem Serienkiller, der hier schon Jahre zuvor sein Unwesen trieb und nie gefasst werden konnte. Allerdings sind die Parallelen zum jetzigen Mord nicht kongruent und so hegt Hauptkommissar Jan Fabel den Verdacht, dass wir es mit einem Nachahmungstäter zu tun haben, der nur seine Motive verschleiern möchte.

Hier kommt der zweite Handlungsstrang zum Tragen, in dem es um sogenannte Walküren geht. Eine Gruppe bestehend aus drei Frauen, die zu Zeiten der DDR und der Stasi Auftragsmorde begingen. Hat eine von ihnen überlebt und sich selbstständig gemacht? Ist sie in den Mord von St. Pauli verwickelt?

Das Hörbuch ist bis zum Schluss spannend und schnell. Viele Verwicklungen verlangen vom Zuhörer Konzentration, ohne ihn allerdings zu überfordern. Auch die heimische Kulisse lädt zum Weiterhören ein.

David Nathan hat als Sprecher wieder ganze Arbeit geleistet und seinen Facettenreichtum unter Beweis gestellt und rundet den Krimi hervorragend ab.

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David Baldacci – Die Sammler (Hörbuch)

Benjamin Jendro

2.November
2011

David Baldacci gehört sicherlich zu den erfolgreichsten Autoren im Genre des Politthrillers. Seine ausgefeilten Plots haben ihn schnell an die Spitze katapultiert. Dass der Autor jedoch auch einen Faible für unterhaltsame, nicht bierernste Romane hat, beweist er mit seiner Serie über eine Gruppe, die sich selbst die Wächter nennt, bzw. den Camel Club. Nach seinem ersten Roman, “Die Wächter”, über diese kleine Bruderschaft, hat er mit “Die Sammler” nun eine Fortsetzung geschrieben.

Der Sprecher des Repräsentantenhauses und der Leiter der Kongressbibliothek werden unmittelbar nacheinander tot aufgefunden. Kann das nur ein Zufall sein? Sein Stellvertreter informiert den Camel Club, welcher sich zugleich an die Ermittlungen macht. Neben diesem Plot gibt es noch eine weitere Geschichte. Die bezaubernde Annabelle, eine professionelle Betrügerin, hat soeben einen kriminellen Casinoboss um mehrere Millionen gebracht. Was zunächst zusammenhangslos erscheint, wird im Laufe des Hörbuchs verknüpft.

Bei “Die Sammler” haben wir es zwar durchaus mit einem Politthriller zu tun, allerdings von der komischen Seite. Mit viel Witz und Humor geraten die Wächter selber zur Zielscheibe und lösen dennoch die Rätsel. Man fühlt sich ein wenig an “Die drei ???” erinnert. Beim Kauf des Hörbuchs sollte man sich dessen gewiss sein, dann kann man die kurzweilige Unterhaltung auch vollends genießen!

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