...entführen dich in eine andere Welt

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Anna Katharina Hahn: „Am schwarzen Berg”

Benjamin Jendro

29.Februar
2012

Unter dem Deckmantel der Ordnung und des guten Benehmens bevorzugt das allgemeine Bildungsbürgertum eher den Ruf der Langweiligkeit als in einer negativen Art aufzufallen. Dass vor der eigenen Haustür pedantisch gekehrt wird, es dahinter aber zumeist sehr schmutzig ist, hat das Leben oft bewiesen. Anna Katharina Hahn ist eine genaue Beobachterin der vermeintlich kleinen Banalitäten, die in ihrer Summe jedoch alles verändernd sind. Ebenso beschreibt sie sachlich absurde Momente und traumatisierende Schicksalsschläge und zeigt doch Richtungen der moralischen Interpretation auf. In ihrem Hörbuch, „Am schwarzen Berg“, taucht sie tief ein in die Dramen zweier Familien, deren Geheimnisse, durch die weißen Spitzen des nachbarschaftlichen Gartenzauns, lange ausgedünnt wurden.

Hahn erzählt die Geschichte eines kinderlosen Paares, das sich des vernachlässigten Nachbarsjungen in einer obsessiven Weise statt der leiblichen Eltern annimmt und, mithilfe der Dichtung Eduard Mörikes, sinngebend prägt. Die übersteigerte Illusioniertheit, Sensibilität und Romantik, als Resultat dieser Belesenheit, bringt ihn als jungen Erwachsenen nach einer gescheiterten Beziehung, alkoholkrank und verwahrlost, zurück in sein Elternhaus. Trotz seiner offensichtlichen Selbstaufgabe fördert sein schwärmirischer Idealismus die kritische Auseinandersetzung mit dem Bauprojekt „Stuttgart 21“, für das er sich brennend engagiert. Diese alternative Lebensweise steht beinahe im anarchistischen Gegensatz zur erzwungenen Normalität des Elternhauses, das Probleme in fremden Betten relativiert und den Willen auszubrechen, kultiviert in Wein ertränkt. Das Gespinst aus nicht erfüllbaren Erwartungshaltungen, bequemen Lebenslügen und absichtlichem Spießbürgertum verknotet sich und endet als vermeidbare Katastrophe.

Stephan Schad liest Hahns Romanvorlage voll und ganz im Sinne der Autorin. In 5 CDs trifft er durchweg den richtigen, auktorialen Ton, den es braucht, um als gespannter Zuhörer in diese gnadenlose Milieustudie einsteigen zu können. Auszüge aus Mörikes dichterischer Arbeit, Rückblenden und ein ausgeschmückter Schreibstil gleichen die absichtlich nüchterne Darstellung der Geschehnisse aus und runden den Inhalt ab. „Am schwarzen Berg“ erstellt authentische Psychogramme, die in all ihrer extremen Abnorm erschreckend gewöhnlich sind. Anna Katharina Hahn beleuchtet komplementäre Lebensmotive, wie sie generationsübergreifend gerne entstehen, und bringt sie in kritische Positionen zueinander. Sucht, Untreue, gesellschaftliche Eitelkeit und die Frage nach einem sinnlosen Leben ohne Kinder in einer aufgeklärten Welt der Gebildeten sind klassische, auch antike, Motive für Dramen, aber so modern und aktuell erzählt, erlebt man sie selten. Ein neugieriges Blinzeln durch das Fenster eines Nachbarn, dessen Anblick schockiert.

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Sprecherin Anne Moll müht sich redlich. Sie bangt und schimpft und zeigt sich insgesamt sehr reuig. Den Ärger der Wanderhure kaufen wir ihr trotzdem nicht ab, denn auch der 6. Teil der Reihe von Iny Lorentz macht viel zu viel Spaß. Endlich erfahren wir wie es im Leben von Marie weitergeht und sich erleichtert, dass auch scheinbar perfekte Idylle ihre Probleme haben. Auch wenn Marie mit ihrem Mann Michael glücklich auf Burg Hohenstein lebt, gibt es die Schatten der Vergangenheit, die Marie dort wieder einholen. Ihr ärgster Widersacher ist nämlich wieder zur Stelle und macht das Leben der Wanderhure so schlimm wie es ihm nur möglich ist. Doch Marie wäre nicht Marie hätte sie nicht auch dafür eine Lösung: “Die Rache der Wanderhure” von Iny Lorentz fesselt seinen Zuhörer von der ersten Minute an. Auf 6 Audio-CDs erleben wir nach, was wir mit Alexander Neldel in der Hauptrolle schon im Fernsehen erleben durften. Marie kämpft um ihr Glück und lässt es sich nicht nehmen. Das beeindruckt und kann so manche trübe Stunde aufheitern. Deshalb empfehlen wir das neue Hörbuch von Iny Lorentz und wünschen gute Unterhaltung mit Anne Moll und “Die Rache der Wanderhure”.

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Moira Young – Dustlands Bd.1 Die Entführung

Benjamin Jendro

17.Februar
2012

Bei Fantasyromanen kann man so richtig ins Schwärmen kommen. Wenn man einmal Zeit hat, ein Buch zu lesen oder in diesem Fall einem Hörbuch zu lauschen, kann man sich perfekt in die Welt, die einem geboten wird, hineinversetzen. Alles umgibt einen, bildliche Vorstellungen ermöglichen eine Identifikation und so wird man irgendwie zum Teil des Ganzen. Voraussetzung dafür ist eine Geschichte, die trotz aller phantastischen Elemente immer noch realistisch wirkt, wenngleich sie natürlich auch dafür da sein sollte, den Zuhörer oder Leser in eine Welt zu entführen, in welcher er fernab vom Alltagsstress zu träumen beginnen kann, in eine Welt wie die „Dustlands“ von Moira Young.

Ihr Debütroman, zugleich der erste Teil einer neuen Saga, beweist sie von Beginn an großes schriftstellerisches Talent und ein breites Angebot an phantastischen Elementen. In „Dustlands Bd.1 Die Entführung“ schickt sie ihre junge Hauptprotagonistin Saba von der Heimat Silverlake, in der es ihr stets gut ging, heraus in eine große, eine unbekannte Welt, in der Dunkelheit die Seele betrübt. Grund dafür ist die Entführung ihres Zwillingsbruder Lugh durch vier bewaffnete Reiter. Saba begibt sich auf die Suche nach ihm und begegnet dabei mysteriösen Wesen, von denen einige zu Gefährten werden, andere ihr jedoch das Leben schwer machen wollen. Wer genau auf welcher Seite steht, klärt sich erst in der finalen Szenerie in der Arena zu Hopetown, wo sich Sabas und das Schicksal aller anderen entscheiden wird.

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Geburtstagsfeiern sollten ja eigentlich eine schöne Sache sein. Man steht im Fokus des Geschehens, jeder kümmert sich um einen und man bekommt die schönsten Geschenke und Glückwünsche. Alle Liebsten sind versammelt und gemeinsam erlebt man einen tollen Tag. Dies steht auch Allan Karlsson bei seiner einhundertsten Jahresfeier bevor, was ihn jedoch viel weniger erfreut. Ob es daran liegt, dass Karlsson schon 99 dieser Tage erlebt hat oder aber daran, dass neben seinen Liebsten auch die komplette Heimat ihren Helden feiern möchte, kann ich nicht sagen. Es ist auch nicht weiter wichtig, denn Herr Karlsson ist „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ – seine Fete ist somit hinfällig.

Die Presse und sogar der Bürgermeister haben sich für den großen Ehrentag im Altersheim angemeldet. Was andere freuen würde, erscheint Karlsson als Belastung und so steigt er aus dem Fenster und verschwindet einfach. Seine Reise führt ihn und alle, die ihn fortan suchen, auf einen Trip durch ganz Schweden. Mit dabei sind neben den angekündigten Geburtstagsgästen auch Kriminelle, deren Geld Herr Karlsson aus Unwissenheit einfach mal mit auf den Weg nimmt. Wo genau dieser hinführt, erfährt der Zuhörer, der die Geschichte von Otto Sander vorgelesen bekommt, nicht so schnell, im Verlauf wird er aber auch erkennen, dass er dies gar nicht so früh wissen möchte.

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Da haben wir uns durch die 659 Seiten genagt und sind tief in die grausame Welt von “Der Beobachter” von Charlotte Link getaucht, da kommt der Verlag Random House Audio mit der Hörbuchversion raus. Jetzt haben wir 9 Audio-CDs vor uns, in denen Schauspielerin Gudrun Landgrebe die Geschichte um Gillian Ward und ihren Beobachter vorliest. Ward wird von einem Stalker beobachtet, für den sie sein Idealbild einer Frau ist. Er verehrt sie aus der Ferne und stilisiert sie zum Inbegriff der Frau, so wie sie sein sollte. Doch wie in jedem Leben, so ist es auch bei Gillian nicht immer so wie es scheint. Und so zieht sie – ohne es zu wissen – ihren Beobachter tief in das Grauen ihres Lebens. Geschockt und tief enttäuscht, setzt der sich zur Wehr und so mündet Gillians Geschichte in ein Geflecht aus Verdächtigungen. Der schlimmste Verdacht führt den Leser direkt auf eine Mordserie, in der ein Frauenhasser alleinstehende Frauen umbringt. Handelt es sich dabei um den Beobachter? Mit dem neuen Hörbuch von Charlotte Link können wir das nun nacherleben und Gudrun Landgrebe schafft es erneut professionell Fingernägel-kauende Spannung zu erzeugen. Nur dass wir jetzt tatsächliche beide Hände frei haben und uns nach einer neuen Maniküre umgucken sollten….
Große Spannung, großer Thriller! Gekonnt abgeliefert von Charlotte Link, die perfekt gelesen wird von Gudrun Landgrebe – unser Hörbuch-Tipp!

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Robert Harris – Angst

Benjamin Jendro

8.Februar
2012

Finanzmarkttransaktionen, Hedgefonds, Algorithmen, künstliche Intelligenzen – die meisten Leser werden mit diesen Begriffen zunächst nur wenig anfangen können. Dass man aus diesen Zutaten allerdings einen extrem spannenden und außergewöhnlichen Thriller erschaffen kann, beweist Robert Harris in seinem neuen Buch „Angst“. Hier wird die Geschichte von Alex Hoffmann erzählt, einem begnadeten Wissenschaftler und Informatiker. Er bekommt die die Gelegenheit seine seit vielen Jahren andauernde Forschung auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz auf dem Bereich der Finanzmärkte einzubringen. Schließlich erschafft er einen intelligenten Algorithmus, der in der Lage ist, Abermillionen Dollar Gewinn auf dem Börsenparkett zu erwirtschaften, indem er selbstständig Aktiengeschäfte vornimmt, das Verhalten von Anlegern und der Konkurrenz mit Hilfe von komplexen Analysen vorhersagt und schließlich sogar bei einem Terroranschlag schwarze Zahlen erwirtschaften kann. Doch Alex Hoffmann bereut seine Erfindung schon bald, wird doch bei ihm eingebrochen und sämtliche Unterlagen entwendet. Zu allem Überfluss wird er auch noch niedergeschlagen und gerät immer mehr in die dunklen Machenschaften des geldgierigen und erbarmungslosen Börsenapparates. Schließlich erkennt er die Zusammenhänge und muss feststellen, dass der technische Fortschritt bei Weitem nicht nur die Vorteile mit sich bringt, an die er immer geglaubt hat.

Robert Harris hat in seinem packenden Finanzmarkt-Thriller ein perfektes Szenario unserer gegenwärtigen Börsenwelt konstruiert und versteht es meisterlich, komplizierte Fachtermini in einen verständlichen Zusammenhang zu bringen und dem Leser neben einer fesselnden Story auch noch etwas Nachhilfe in Finanzwirtschaft zu geben.

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Rudi Assauer – Wie ausgewechselt

Benjamin Jendro

3.Februar
2012

Schwere Krankheiten sind immer ein Schicksalsschlag – sowohl für die Betroffenen, als auch für ihre Familien und Freunde. Wenn es sich dann noch um eine unheilbare Krankheit handelt, bleibt vielen nur der Weg in die Depression oder durch endlose Therapieversuche. Wenn so ein Betroffener dann zusätzlich im Fokus der Öffentlichkeit steht, ist eine Diagnose wie Alzheimer ganz besonders verheerend. Rudi Assauer, ehemaliger Manager des FC Schalke 04 und kontroverse Lichtgestalt des deutschen Fußballs, hat dieses Schicksal ereilt. Doch statt zu resignieren, hat Assauer ein Buch geschrieben und beschreibt darin seine Gedanken und den Umgang mit der Krankheit, die ihn zunehmend einschränken wird.

Das fertige Werk trägt den Namen „Wie ausgewechselt“ und entstand in Zusammenarbeit mit Patrick Strasser, der Rudi Assauer während seiner Krankheit begleitet und diverse Interviews mit ihm geführt hat. Hier nimmt der Mann mit der Zigarre kein Blatt vor den Mund und berichtet vom schleichenden Verlauf der Krankheit, dem Gefühl, seinen eigenen Gedanken nicht mehr trauen zu können und dem Umgang mit seinen Mitmenschen, die ihn während der vergangenen Monate und Jahre begleitet haben. Heraus gekommen ist ein anrührendes Buch von einem Mann, der noch vor wenigen Jahren im Fußball und in der Werbung mitgemischt hat und sich nun gefasst und bodenständig auf das unvermeidliche Verblassen vorbereitet.

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Tana French – Die Krimikönigin aus Dublin

Benjamin Jendro

1.Februar
2012

Menschen mit Worten berühren zu können, ist nur eine der Fähigkeiten, die die US-amerikanische Krimiautorin Tana French zu einer der gefragtesten Verfasserinnen von Bestsellern in diesem Genre gemacht hat. Nachdem sie zunächst in Malawi und Italien gelebt hat, verschlug es sie für knapp 20 Jahre nach Dublin, wo sie heute ihre faszinierenden Romane schreibt. Bereit ihr Debüt „Grabesgrün“ erklomm die Spitze der Verkaufslisten und brachte der ausgebildeten Schauspielerin einen Edgar Allan Poe Award ein. Die Geschichte handelt vom Ermittlerduo Rob Ryan und Cassie Maddox, welches einen Ritualmord aufklären will und dabei nicht nur in die tiefsten Tiefen des Verbrechenssumpfs, sondern auch in die Abgründe der menschlichen Seele hinabsteigen muss.

Fans und Kritiker waren begeistert und so war es nur eine Frage der Zeit, bis der schaurige Folgeroman „Sterbenskalt“ erschien. Hier muss sich Undercover-Agent Frank Mackey einem Fall in seiner perspektivlosen Heimat stellen, die er vor Jahren hinter sich zu lassen versucht hat. Kurz darauf erschien Tana Frenchs dritter Roman „Totengleich“, in welchem wieder Cassie Maddox die Hauptrolle spielt. Die erfahrene Ermittlerin trifft in ihrem neuesten Fall auf eine Leiche, die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht und kommt dabei einem schaurigen Geheimnis auf die Spur.

In Tana Frenchs aktuellstem Roman „Schattenstill“ übernimmt Mike Kennedy die Rolle des Protagonisten. Wie bereits in den drei vorangegangenen Büchern, spielt die Geschichte in der Nähe von Dublin. Im düsteren Ort Broken Harbour, einer wortwörtlichen Geisterstadt, wird eine Familie in einem Haus mit seltsamen Löchern in der Wand tot aufgefunden. Doch erst nach und nach ergeben sich die Zusammenhänge zwischen den Löchern, dem Verschwinden von Menschen und dem seltsamen Verhalten der Dorfbewohner.

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