...entführen dich in eine andere Welt

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Edgar Wallace – Der Joker

Benjamin Jendro

27.April
2012

Manche Menschen bekommen es einfach in die Wiege gelegt, diese Fähigkeit, andere mit den eigenen Worten zu berühren. Im Fall von Edgar Wallace ist es seit Urzeiten das Auslösen von Gefühlen wie Angst, Furcht und Spannung, was seine Kriminalgeschichten auszeichnet. Es ist schon verblüffend, wie die Ideen eines Mannes, der seit nunmehr über 80 Jahren nicht mehr auf einer Welt verweilt, die zunehmend grausamere Verbrechen kennenlernt, es noch immer schafft den dort lebenden Individuen einen Schauder in die Seele zu platzieren. Im Hörspiel von „Der Joker“ gelingt ihm dies einmal mehr, auch dank eines Protagonisten, der seine Brötchen auf clevere Weise ohne großes Dazutun verdienen möchte.

Er raubt weder einfachen Menschen noch großen Banken das Geld, dealt nicht mit Drogen oder hat seine Finger in anderen krummen Geschäften wie Prostitution und Glücksspiel. Seine große Einnahmequelle ist die eigene Autorität. Ganz nach großem Mafiavorbild will der Joker von jedem gedrehten Ding seinen Anteil haben. Jeder Ganove, der ihm das verweigert, bezahlt mit dem Leben. Alles, was die Ermittler Higgins und Lane dann bei den Leichen finden, ist eine Karte von Jolly Joker. Womöglich ist diese der einzige Weg, um dem Mörder das Handwerk zu legen, vielleicht aber auch dessen Vorliebe für schnelle schwarze Autos.

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Marc-Uwe Kling – Das Känguru-Manifest

Benjamin Jendro

25.April
2012

Mein erster Blick in dieses politische Stück Kulturgeschichte zauberte mir ein klitzekleines Lächeln auf die Lippen. Mit Karl Marx hat jeder von uns in der Schulzeit zu tun gehabt, der ein oder andere hat sich auch später noch mit seinem Kommunistischen Manifest auseinandergesetzt. So schien mir die gewählte Parallele im Namen von Marc-Uwe Klings Beitrag zur Politik, neben einer Hommage an einen großen Mann vergangener Tage, vor allem eines zu sein – ein lustiges Schriftstück, das man sich gerne mal als Lektüre unter die Augen oder aber auch wie in diesem Fall als Hörbuch an die Ohren führt.

Vermutlich würde sich Herr Marx im Grabe umdrehen, wenn er die lustigen Geschichten, die der Autor mit seinem kommunistischen Känguru erlebt, hören würde. Alles in allem steckt in „Das Känguru-Manifest“ aber auch eine gewisse politische Botschaft, nämlich jene, dass wir sie nicht ganz so ernst nehmen sollten. Anhand kurzer Episoden, die durchzogen sind von Affären, Intrigen, Weltbeherrschungstheorien und bedeutenden Enthüllungen schafft es Kling, wirklich gut zu unterhalten und seinen Zuhörer davon zu überzeugen, dass es besser ist, diesem Werk zu lauschen als den zwielichtigen Aussagen vieler Politiker. So bleibt am Ende des Tages letztlich mehr Wahres stehen, wenn wir über manche Dinge ein wenig lockerer denken.

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Wolfgang Herrndorf – Sand

Benjamin Jendro

20.April
2012

Im zweiten Versuch hat es dann doch geklappt. Während Wolfgang Herrndorf bereits im vergangenen Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war, konnte sein diesjähriges Werk „Sand“ den Preis in der Kategorie Belletristik abräumen. Belletristik ist das Werk auf jeden Fall, obwohl mir anfangs nicht komplett einleuchtete, was genau „Sand“ eigentlich ist. Handelt es sich um einen Roman in der Wüste, um einen mit Agenten oder einfach nur eine literarische Abenteuerdarstellung? Genau genommen treffen alle drei Sachen zu, ebenfalls die Zuordnung, dass der Autor einen echt großen Unterhaltungswert zu haben scheint.

In München überfallen die Palästinenser gerade das Olympische Dorf – ein Ereignis, das als der „Schwarze September“ des Jahres 1972 historischen Wert besitzt. Gleichzeitig passieren auch in der Sahara eigenartige Geschehnisse. Mitten in einer Hippie-Kommune werden vier Personen umgebracht. Außerdem plagt sich ein skurriler Kommissar mit dem Diebstahl eines Geldkoffers. Wenn ich jetzt noch erzähle, dass eine blonde Amerikanerin und ein völlig durch den Wind geratener Atomspion mit von der Partie sind, scheint die Verwirrung komplett. Zugegeben, man muss Sprecher Stefan Kaminski ganz genau zuhören, wenn man die Einzelheiten zu einem Gesamtwerk zusammenpuzzeln will. Hat man dies dann aber geschafft, hinterlässt es mehr als nur bleibenden Eindruck.

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Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini

Benjamin Jendro

18.April
2012

Strafverteidiger Ferdinand von Schirach hat in seinem bisherigen Leben vermutlich mehr Übel in der Welt gesehen als es zehn andere Personen in zwei  oder drei Menschenleben schaffen würden. Zu seinem alltäglichen Klientel gehören Mörder, Erpresser und Drogenhändler, Psychopathen und, wohl noch schlimmer, vollkommen normale Menschen aus unserer Nachbarschaft. Hatte uns der Autor Ferdinand von Schirach anfangs mit der Darstellung von kürzeren Episoden seiner Arbeit begeistert, stellte er dies mit „Der Fall Collini“ zuletzt ein wenig auf den Kopf, was aber keinerlei Einfluss auf seinen Unterhaltungswert als Schriftsteller für bewegende Verbrechen ausüben konnte. Ganz im Gegenteil, denn anhand der längeren Geschichte kommt sogar noch ein wenig mehr Spannung auf.

In der Tat wird man bei der Betrachtung des jungen Anwalts Caspar Leinen und seinem Versuch, den Fall aufzuklären, irgendwie selbst zum Teil der Szenerie. Ein scheinbar friedlicher Mann, Werkzeugmacher Collini, bringt aus heiterem Himmel einen Großindustriellen auf heimtückische und brutale Art und Weise um. Leinen kennt den Toten und führte zumindest in seiner Kindheit eine recht enge Beziehung zu diesem. Der anfängliche Gewissenskonflikt, ob es richtig sei, weiter an dem Fall zu arbeiten, stellt im Vergleich zum Rest des Werkes, das von Burghart Klaußner gelesen wird, aber noch ein eher geringes Spannungsmoment da. Viel größer sind die nachfolgenden, die eine Wendung nach der anderen mit sich bringen.

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Was wir nicht haben, brauchen Sie nichtDieter Moor ist Schweizer. Er ist bekannt und erfolgreich. Sein Kultformat „Titel, Thesen, Temperamente“ war der Sympathie der Zuschauer unheimlich zuträglich. Er ist glücklich verheiratet und lebt mit seiner Frau in einer idyllischen Berglandschaft nahe Zürich – ganz so wie in der Hustenbonbon-Werbung. Viele würden sich jetzt zurücklehnen und das Erreichte genießen. Herr Moor hingegen will mehr und etwas total Anderes. Etwas gelangweilt von der Züricher „Mehr-Schein-als-Sein-Welt“ überlegt er sich dorthin zu ziehen, wo die Menschen echt sind und Berühmtheit kein Freifahrtsschein ist. Gesucht wird eine Gegend, die alle Möglichkeiten hergibt, die es für einen Öko-Bauernhof braucht. Seine Wahl fällt auf Amerika. Amerika ist ein kleines Dorf im tiefsten Brandenburg, nördlich von Berlin, mit wenigen Häusern, aber ganz viel Umgebung. Nicht nur seine Freunde stellen seine Entscheidung in Frage, ausgerechnet in diese Ecke „Dunkeldeutschlands“ zu ziehen. Auch die Amerikaner sind nicht „very amused“ über die Pläne des Fremden. Diese Menschen sind härter zu knacken als jede Haselnuss, denn hier zählt nicht, was du hast, sondern nur, was du kannst. Dort, zwischen Gummistiefeln, Technoklängen und Nazimärschen, versucht er sein Glück zu finden und lädt uns ein, daran teilzuhaben.

Moor bricht in “Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht” eine Lanze für diesen verkannten Landstrich seine Bewohner. Mit viel Herz und Motivation, Vorurteile abzubauen, stellt er sich einem neuen Lebensabschnitt und der Aufgabe, die Brandenburger Einöde als heimliches Kleinod zu verkaufen, das es zweifelsohne ist. Niemand könnte seine Erlebnisse besser vortragen als er selbst. Der ausgebildete Schauspieler artikuliert glasklar, auf den Punkt und immer zur Freude des Zuhörers. Ein wirklich gelungener Hörgenuss – nicht nur für Einheimische, Urlaubsplanende und Menschen mit Vorbehalt.

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Ohren gespitzt! Volker Klüpfel und Michael Kobr, das erfolgreichste Autoren-Duo Deutschlands, präsentieren mit „Schutzpatron“ den sechsten Teil ihrer überaus erfolgreichen Comedy-Krimi-Serie rund um ihren Lieblings-Hauptkommissar Kluftinger, der abermals dümmer ist, als die Polizei erlaubt. Seine Arbeitsweise beschreibt man besser mit unbedarft als ausgereift, doch darin liegt der Reiz dieses paradoxerweise spießigen Chaoten. Schauplatz ist wieder Kempten, der Geburtsort beider Autoren, den sie natürlich kennen wir ihre Westentasche. Vor dieser Kulisse inszenieren sie eine spannende wie aberwitzige Geschichte, die doppelt gut unterhält.

Kluftinger hat nicht nur ein Problem, sondern mehrere: Zuerst stellt sich der vorab vermutete natürliche Tod der 82-jährigen Maria Zahn als Mord heraus und parallel wird er außerdem dazu abberufen, die heimgekehrte Wanderausstellung des Burgschatzes zu beaufsichtigen. Teil dieser Ausstellung sind die sterblichen Überreste des heiligen Magnus, dem Schutzpatron des Allgäus, mit unschätzbarem Wert. Er und Maier, ein ähnlich plumper Kollege, staunen nicht schlecht, als sich Zusammenhänge zwischen dem Tod der alten Frau und der baldigen Museumsausstellung ergeben. Neben diesem verzwickten Fall steht er außerdem vor dem Problem, dass sein Auto gestohlen wurde. Vor Scham verschweigt er den Diebstahl vor seinen Kollegen und seiner Frau, was selbstverständlich stressige Momente und dämliche Erklärungen zur Folge hat.

Mit lockerer Zunge verlesen Klüpfel und Kobr auf 6 CDs keine klassische Variante eines Krimi-Hörbuchs, sondern Klamauk, Possen und sketchartige Situationen verpackt in eine spannende Rahmenhandlung. Unkonventionell und bodenständig, clever, aber auch irgendwie wahnsinnig löst der sympathische Pseudo-Held Kluftinger jedes noch so schwierige Rätsel und unterhält uns dabei auf ganz prächtige Weise mit seinen Marotten. Ein erstklassiger Hörgenuss!

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Eine Mafia-Geschichte. Aha. Diese Thematik scheint im ersten Moment vollkommen ausgeschlachtet. „Die Sopranos“ oder „Der Pate“ vermittelten bereits einen allumfassenden Einblick in das Leben der italienischen Verbrecher in Amerika und lassen kaum Platz für größere Erfolge. Doch Josh Bazell begeistert in „Schneller als der Tod“ mit einer anderen Sichtweise und zeigt das scheinbar beruhigte Leben eines Mafiosis nach seinem Ausstieg. Doch seine Tarnung fliegt auf und ein Alptraum beginnt.

Pietro Brnwa wagt den gefährlichen Absprung und beendet seine Karriere als krimineller Mafiosi. Innerhalb des Zeugenschutzprogramms wird sein Name in Dr. Peter Bown geändert und er erhält eine Anstellung in einem New Yorker Krankenhaus. Seine verdeckte Identität bietet ihm lange den ersehnten Alltag und eine neue Sicherheit, die er bis dato nicht mehr kannte. Dummerweise ist einer seiner Patienten ein ehemaliger Bekannter aus seiner Vergangenheit, der ihn erkennt und verrät. Rettet Brown das Leben dieses bereits zum Tode verurteilten Krebspatienten, darf er sein eigenes behalten. Ein aussichtsloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

Bazell gelang mit seiner ersten Veröffentlichung auf Anhieb ein weltweiter Riesenerfolg. Meisterhaft kombiniert er seine ausgefeilte Sprache mit einem gelungenen Spannungsbogen, trockenes Medizinwissen mit beißendem Sarkasmus und beschreitet überaus anschaulich den Weg eines gebeutelten Protagonisten, der früher moralisch zweifelhaft handelte und sich heute reumütig reflektiert. Gerade das Hörbuch weiß aufzutrumpfen, denn keiner könnte dieses zynische Treiben besser in Szene setzen als Christoph Maria Herbst, unser heißgeliebter Stromberg-Darsteller, dessen Stimme perfekt zur Intention des Autors passt. Niemand geringeres als Leonardo Di Caprio sicherte sich augenblicklich nach der Herausgabe des Buches die Filmrechte und setzte damit seinen Namen auf die ellenlange Liste von Fans des Thrillers. Für das klassische Urteil „Das Buch war aber besser als der Film!“, sollten sich alle Interessierten demnach also sehr beeilen. Ein Hörbuch-Hit!

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Anna Herz and friends

Dieser Hörbuchtitel, der sich liest, wie eine wenig informative, doch umso hoffnungslosere Annonce einer Regionalzeitung, ist die große Überschrift für 20 freche Kurzgeschichten rund um das Thema Liebe. Spitzzüngige Thesen verpackt in mehr oder weniger lebensnahen Geschichten erläutern das Dilemma der Liebe, im Speziellen auf Reisen, und verweisen doch an anderer Stelle wieder auf eine Sehnsucht nach ihr.

„Anne Herz“ – das sind zwei Wahlhamburgerinnen, die uns schon seit ein paar Jahren mit ihren teilweise provokanten Erzählungen bei guter Laune halten. Die „… and friends“ sind fabelhafte Unterhaltungsautorinnen wie Jana Voosen, Miriam Kaefert, Janine Binder, Michaela Möller, Tanja Heitmann, Anna Koschka und einige mehr. Ein ungewohntes Metier betraten Volker Klüpfel sowie Michael Kobr mit ihren Beiträgen zu dieser Anthologie und präsentieren uns ein ultimatives Lachtraining im Frühling für einen schönen Bauch im Sommer.

Wer wissen will, was Maki-Sex ist, warum Dackel Beziehungstipps geben oder die Südsee in Dänemark liegt, ist dringend angehalten, sich das Hörbuch “Junger Mann zum Mitreisen gesucht” zuzulegen. Außerdem erfährt der gespannte Zuhörer, wie es sein kann, dass sich ausgerechnet die gewaltige Herta aus dem trauten Allgäu den schönsten Mann der Welt angelt. Einige der charmanten Autorinnen und Mirja Boes lesen sich treffsicher durch die 340 Schabernack-Minuten, beweisen zwischendurch auch Ernst und Tiefgründigkeit, um die Liebe nicht gänzlich ad absurdum zu führen und machen zusammengefasst einfach richtig viel Spaß! Heitere und gefühlvolle Unterhaltung!

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