...entführen dich in eine andere Welt

Impressum Kontakt

Petra Busch – Schweig still, mein Kind

Benjamin Jendro

30.Mai
2012

Petra Buschs "Schweige still, mein Kind"Petra Buschs Debütroman „Schweig still, mein Kind“ war ein sofortiger Erfolg, der mit dem renommierten Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet wurde. Augenblicklich ist sogar eine Übersetzung für den asiatischen Markt in Planung. Die Geschichte spielt im Nordschwarzwald, wo die Autorin zur Zeit auch lebt und schreibt.

Hanna Brock, eigentlich Modejournalistin, hat zur Zeit einen schweren Stand. Ihr ehemaliger Arbeitgeber vereitelt ihre frisch gestartete Selbstständigkeit. Dadurch ist sie gezwungen einen Auftrag anzunehmen, der relativ wenig mit ihren vorigen Themen zu tun hat. Sie soll einen Schwarzwald-Wanderführer schreiben und macht sich darum auf den Weg, die Gegend selbst zu erkunden. Dabei findet sie erschreckender Weise die Leiche der Elisabeth Kühn und alarmiert sofort die Polizei. Die Auswahl an hochkarätigen Kommissaren scheint allerdings in dieser eher abgelegenen Region Deutschlands begrenzt. Moritz Ehrlinspiel wird dieser Fall zugewiesen, der sich kurz darauf mit seinen Befragungen im Dorf beginnt. Hier stößt er allerdings zur Verwunderung aller Ermittler auf konsequentes Schweigen. Irgendetwas scheint in der Vergangenheit vorgefallen zu sein, denn eigentlich war die junge Frau anlässlich des Geburtstags ihres 60jährigen Vaters im Ort. Dazu kommt, dass sie schwanger war und das Ungeborene während des Mords aus ihrem Leib entfernt wurde. Selbst ihr Vater liefert keine hilfreichen Informationen. Als aber eine zweite Leiche auftaucht, neigt sich die Geduld und Ehrlinspiel wird offensiver. Im Sumpf aus alten Mythen und Aberglauben versucht er die logischen Zusammenhänge zu erkennen, die ihn dann im besten Fall zum Mörder führen.

Petra Busch und der Sprecher Lutz Riedel liefern ein spannendes Psychogramm der erschaffenen Charaktere und führen den Zuhörer nur sehr langsam in Richtung des Täters. Ein Debüt, das nur Lob verdient und die Freude auf den nächsten Roman schürt.

0

Andreas Franz – Der Jäger

Benjamin Jendro

25.Mai
2012

Andreas Franz ist bekannt für seine Hauptfigur die Kriminalkommissarin Julia Duront und ihre verstrickten Fälle. Seine Karriere begann sehr schleppend. Circa zehn Jahre kämpfte er um die Abnahme seines Manuskripts zu „Jung, blond, tot“. „Der Jäger“ war der vierte von insgesamt elf Bänden der Frankfurter Polizeibeamtin. Am 13.03.2011 verschied Andreas Franz für seine Familie, Freunde und Fans völlig unerwartet. Die Geschichten der Julia Duront aber leben weiter.

In „Der Jäger“ ist der Grund für eine Reihe von bestialischen Morden vorerst nicht ersichtlich. Kriminalkommissarin Julia Duront tappt im Dunkeln. Die Leichen zeigen keinerlei Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch. Einzig ihre extreme Verstümmlung wirft Rätsel auf bzw. legte der Täter eine goldene Nadel zum Opfer. Durch einen Zufall wird eine Astrologin in die Ermittlungen mit einbezogen, die schon nach kurzer Zeit analysiert, dass alle Toten im Zeichen Skorpion geboren wurden. Handelt es sich hierbei nur um einen Zufall oder um einen Plan eines zu allem bereiten Wahnsinnigen. Duront nimmt eine erste Spur auf…

Obwohl der Zuhörer es hier mit einer guten Geschichte zu tun bekommt, bleibt die unheimliche Länge aufgrund langgestreckter Passagen und Wiederholungen auffällig. Daran kann nicht einmal das angenehme Timbre von Julia Fischer etwas ändern, wenn sie sich durch die fast acht Stunden liest. Leider ist es Franz nicht in Gänze gelungen, die Geschichte des Täters von Anfang an in den Plot zu spinnen, sodass die schlussendliche Auflösung ein wenig aufstößt. Das Geschick eines guten Krimis besteht doch im Setzen nicht erkennbarer kleiner Zeichen, die am Ende einen Aha-Effekt zur Folge haben, der in diesem Fall leider ausbleibt.

 

0

Cody McFadyen – Der Todeskünstler

Benjamin Jendro

23.Mai
2012

Cody McFadyen ist nicht gerade dafür bekannt, romantische Geschichten über küssende Pärchen in Schmetterlingswolken zu schreiben. Seine Themenwahl ist morbider, grausamer und auch perverser Natur. Die psychisch kranken Serienmörder haben es ihm angetan und auch seine Geschichte „Der Todeskünstler“ hat sich einem besonders brutalen Vertreter dieser Gattung Mensch angenommen.

Smoky Barrett, ihres Zeichens FBI-Agentin, hat ihre vielen Traumatas in unzähligen Alpträumen verarbeitet. Kein Schicksal, das ihr nicht widerfahren wäre: Von der Vergewaltigung bis zum Tod ihres Kindes und Mannes ist ihr alles passiert, was andere Menschen in den Abgrund reißen würde. Sie ermittelt wieder und wird gleich beim ihrem ersten Fall an ihr eigenes Drama erinnert. Ein 16jähriges Mädchen verlangt nach dem Tod ihrer Eltern ausschließlich nach ihr. Am Einsatzort angekommen findet sie den verängstigten Teenager direkt neben den Leichen. Schnell erfährt Barrett, dass der Mörder bereits andere aus dem Umfeld des Mädchens bestialisch ermordet hatte. Der höhere Sinn dahinter sei die Erschaffung eines neuen Kunstwerks – Die gebrochene, in den Wahnsinn getrieben Seele eines Kindes. Der letzte Pinselstrich ist der Tod es Mädchens, den Smoky Barrett mit aller Macht verhindern will.

Man findet keine Worte für das Ausmaß der blutrünstigen Beschreibungen McFadyens. Ähnlich einem handlungsarmen Splatterfilm werden auch hier eher Schockmomente produziert, als authentische Charaktere beschrieben. Um dieses Buch als „gut“ zu befinden, muss man wirklich Genre-Fan sein – darüber tröstet nicht mal Franziska Pigulla hinweg, die sich durch fast sieben Stunden Mord und Totschlag quält. Wer´s mag…!?

0

Nele Neuhaus – Unter Haien

Benjamin Jendro

16.Mai
2012

Nele NeuhausNele Neuhaus war vor ihrer Veröffentlichungen „Unter Haien“ ein gänzlich unbeschriebenes Blatt in der Literaturszene. Die erste Auflage ihres Bestsellers verlegte sie noch im privaten Rahmen, da dieser Megaerfolg in keinem Moment absehbar war. Schnell verglich man sie mit dem Großen der Kriminalkunst – John Grisham.

Sie erzählt die Geschichte von Alex Sontheim, einer jungen ehrgeizigen Deutschen in New York. Dank ihrer schnellen Auffassungsgabe und ihrem Feingefühl steigt Alex in kürzester Zeit zur Abteilungsleiterin der Investmentfirma LMI auf. Immer die nächste Stufe der Karriereleiter im Auge hofft sie, durch ihre neue Bekanntschaft Sergio Vitali noch mehr Einfluss zu gewinnen. Dieser findet Gefallen an Alex und nimmt sie mit in seine korrupte Welt. Parallel findet sie heraus, dass ein naher Kollege ihr unschätzbares Insiderwissen für eigene Zwecke nutzt. Ihn zu überführen, birgt die Gefahr, selbst auch einer Schuld bezichtigt zu werden, denn der Kontakt zu Sergio ist verhängnisvoll.

Oliver Siebeck liest sich durch 672 Seiten und hält die Spannung. Das ist einerseits dem unfassbar ausgereiften Schreibstill der Frau Neuhaus geschuldet, andererseits aber auch seinem versierten Umgang mit der Stimme. Auf sechs CDs kann der geneigte Zuhörer in die detailgetreue Nachbildung einer reinen Macht und Geld orientierten Gesellschaft eintauchen, während er gemütlich in seinem sicheren Wohnzimmer entspannt.

 

0

Marc Levy – Wer Schatten küsst

Benjamin Jendro

11.Mai
2012

Wer Schatten küsstDer studierte Informatik- und Betriebswirt kam über gut gemeinte Umwege zum Schreiben: Im Alter von ca. 37 Jahren wollte er seinem Sohn eine Geschichte erzählen, die echt Bedeutung hat. Daraus entstanden viele Weitere mit weltweitem Erfolg. Mittlerweile wurden seine feinsinnigen Romane in 42 Sprachen übersetzt und erfreuen Menschen aller Altersgruppen und Nationalität. Er lebt mit seiner Familie glücklich in New York und lebt mittlerweile von seiner Tätigkeit als Schriftsteller.

Marc Levys philosophische Geschichte „Wer Schatten küsst“ erklärt den Zwiespalt zwischen Kindheit und Erwachsensein. Es beschreibt den Verlust der Kleinigkeiten, die das Kinderauge bewundernd wahrnimmt. Außerdem erfragt es die Verantwortlichkeit für Chancen, seine Träume und die eigene Zukunft und ist damit eine wunderbare Erinnerung an sich selbst.

Ein Kind nimmt an sich die Fähigkeit wahr, aus den Schatten der Menschen ihr Träume und Wünsche lesen zu können. Gleichermaßen erhält es eine Aussicht auf die Zukunft. Sein eigener Schatten bittet ihn, den Menschen zu helfen, die nicht in der Lage sind, von selbst den Weg zum Glück zu finden. Bis er erwachsen ist, hat er seine Gabe vergessen und wird in einem besonderen Moment wieder daran erinnert.

Das unverkennbare tiefe Timbre der Sprecherstimme gehört dem bereits einschlägig erfahrenen Christoph Jablonka, der die Geschichte stimmungsvoll in Szene setzt. Einfühlsam, nachdenklich und herzerwärmend!

 

0

Kerstin GierKerstin Gier schläft oder schreibt. Sie unterscheidet sich in Gänze von ihrer Titelheldin Constanze, denn im Gegensatz zu ihr ist sie klein und dick. Schaut man sich ihre Homepage an, kommt man nicht umhin sich zu denken: „Mensch, die Frau hat echt eine Klatsche! Die würde ich wirklich gerne kennen lernen!“

Lauscht man ihren Hörbüchern erhält man einen ersten, verschrobenen Eindruck von ihrer Denkweise, die in Wahrheit aber gar nicht so weit hergeholt ist. In ihrer Trilogie rund um die „Mütter-Mafia“ veranstaltet sie eine literarische Hetzjagd auf Frauen, deren aalglattes Handeln beinahe an Perfektion erinnert und neben denen man zwangsläufig immer etwas schlechter und ja, auch dicker wirkt. Constanze wird „Die Patin“ der Mütter-Mafia und ihre Freundinnen ihre treuen Mitstreiterinnen im Kampf gegen Themen wie Klavierstunden, Kochrezepte und Handarbeit. Inmitten von Kleinstadtlästereien, Cappuccino und Stiletto-Tipps bleibt dann noch der ganz normale Wahnsinn: Ehemänner hauen ab, Teenies drehen durch und dann möchte frau auch irgendwann zwischendurch geliebt werden. Auch diese Konstellationen sind nicht frei von Zündstoff, denn „Gegensätze ziehen sich aus“!

Das perfekte Sprachrohr, um die Leidenschaft und das Desinteresse dieser liebenswerten Frauengruppe perfekt auf den Punkt zu bringen, ist keine Andere als Mirja Boes, die mit ihrem liebenswerten Schandmaul mal dramatisch, mal resignierend ihre Stimme erhebt. Drei fröhliche Hörbücher einer Serie, die kaum ein Auge trocken lassen und an denen auch Männer ihren Spaß haben werden!

 

0

Charles BukowskiCharles Bukowski gilt bis heute als Unikum der Literaturszene: Er lässt sich weder in eine Epoche noch einem bestimmten Stil zuordnen. Am ehesten nennt man ihn einen „modernen und ironischen Naturalisten“, der sich der „absoluten, literarisch unverstellten Wahrhaftigkeit von Empfinden und Darstellung“ voll und ganz verschrieb. Seine verwendete Sprache ist schroff, hart, zuweilen obszön. Er lebte ein überaus hedonistisches Leben und nutzte seinen leidenden Blick auf die Welt für seine überwiegend autobiografischen Veröffentlichungen. In ihnen berichtete er von Prostituierten, Trinkern, Obdachlosen und vielen weiteren Existenzen abseits des Amerikanischen Traums.

Der Mann mit der Ledertasche“ ist sein Erstlingswerk nach langen Jahren ohne Zuspruch von Verlegern. Sein Alter Ego Henry Chinasky ist ein pessimistischer Säufer, der sich nach einer Anstellung ohne Verantwortung und Anstrengung sehnt. Die Stelle des Aushilfsbriefträgers vereinigt anfangs alle gewünschten Ansprüche und darüber hinaus sogar die Aussicht, mit vereinsamten Hausfrauen ins Bett gehen zu können. Eine schnell folgende Versetzung durchbricht diesen bequemen Müßiggang durch wachsende Anforderungen. Er kündigt schließlich und überbrückt die Zeit ohne Einkünfte durch sporadische Wettgewinne auf der Pferde-und Hunderennbahnen. Zu dieser Zeit scheitert auch seine Beziehung zu Betty, die Liebe seines Lebens. Später wird er erfahren, dass sie an den Folgen des Alkoholkonsums gestorben ist. Er findet zwar immer wieder neue Jobs und Frauen, jedoch erstickt jede Verpflichtung im täglichen Rausch und der Angst vor Alltag. Nach weiteren elf Jahren in der Poststelle kündigt er, widmet sich dem Schreiben und verstärkt seine Abhängigkeit von Genussmitteln. Einziger Lichtblick seines Lebens und Grund genug, sich nicht umzubringen, wird seine Tochter.

Weite Teile des Romans lassen sich direkt auf das Leben Bukowskis übertragen. Ungeniert legt er die Schattenseiten seines Lebens offen, die andere gerne verstecken. Nach 40 Jahren erscheint erstmals ein Hörbuch des rauen Klassikers, dessen Stimmung punktgenau von seinem Sprecher Matthias Brandt erfasst wurde. Gerade in Deutschland feierte Bukowski mit seinem derben und direkten Stil große Erfolge und verkaufte mehr als 4 Millionen Bücher. Ein Hörbuch, das nicht auf Gefälligkeit abzielt, sondern brutal ein scheiterndes Leben dokumentiert.

 

 

0

Vier Frauen und ein MordDie Krimis von Agatha Christie wurden oft, gern und gut verfilmt. Dass Drehbuch und Romanvorlage zumeist aber entscheidend voneinander abweichen, ist den Wenigsten bekannt. Ein vortreffliches Beispiel hierfür ist das von Oliver Kalkofe gelesene Original von „Vier Frauen und ein Mord“, in der Agatha Christie ihren kauzigen Kommissar, Hercule Poirot, in einem Fall auf die Suche nach Beweisen schickt, der im Grunde längst schon geschlossen wurde.

Als die betagte Dame Mrs McGinty in ihrer Wohnung beraubt und ermordet gefunden wird, scheint die Lage klar: Zweifelsohne handelt es sich bei ihrem Mörder um ihren Untermieter James Bentley, auf den alle Indizien zeigen und der seine Schuld auch nicht widerlegt. Das Urteil lautet „Galgen“. Inspektor Spence vermutet einen größeren Zusammenhang und rekrutiert seinen Freund Hercule Poirot zur Aufklärung. Auch er tappt lange im Dunkeln, bis ihm ein Brief der Toten in die Hände fällt, der das Zeitungsbild von vier Verbrecherinnen beinhaltet. Zufall oder Zusammenhang?

Agatha Christie sät Zufälle so spärlich wie in der Wüste Blumen wachsen. Auch in „Vier Frauen und ein Mord“ durchwandert der Protagonist viele Sackgassen, Kreisverkehre und kommt schlussendlich doch ans Ziel. Oliver Kalkofe, eher bekannt als sympathisches Schandmaul der TV-Landschaft, navigiert seriös und unterhaltsam durch drei CDs. Der Facettenreichtum seiner Stimme passt perfekt zu den skurrilen Persönlichkeiten der Handlung, deren Ton er durchweg grandios trifft. Christie und Kalkofe – eine gelungene Kollaboration!

 

 

0