...entführen dich in eine andere Welt

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Tommy Jaud – Überman

Benjamin Jendro

27.November
2012

Jaud - ÜbermanManche Autoren schaffen es einfach mit Anhieb und ihrem ersten schriftstellerischen Versuch sofort beim Leser einzuschlagen. Während man in früheren Jahrhunderten die Werke eines Goethe erst einige Jahre später so wirklich zu schätzen wusste, ist das Geschäft heute wesentlich schnelllebiger. Man bringt ein Werk heraus, das nicht selten auf einer scheinbar banalen Idee basiert und schon kann man binnen weniger Wochen zum absoluten Massenautor wachsen, wobei man eher von einem Autor für die Masse sprechen sollte. Tommy Jaud ist so ein Fall. Als Gagschreiber fungierte er bereits für viele hochtragende Comedians, ehe er sich 2004 erstmals als Romanautor versuchte. Wie damals „Vollidiot“ schlugen alle seine Werke im Handumdrehen auf dem Markt ein. Anders ist das beim neuesten Schriftstück „Überman“ auch nicht. Wieder einmal hinterlässt Jaud ein lustiges Werk, das den allgemeinen Tonus von Unterhaltung mitten ins Schwarze trifft.

Simon Peters in Bestform

Zum dritten Mal schon treffen wir in einem Jaud-Roman auf einen verplanten, Anekdoten speienden Hauptakteur namens Simon Peters. Dieser wurde einst mit dem Romandebüt des Autors eingeführt und 2007 in „Millionär“ ganz nach dem Titel mit Reichtum behäuft. Davon jedoch ist im Jahr 2012 leider nicht mehr viel übrig. Einen großen Anteil daran trägt Finanzberater Sarantakos, der Peters irgendwie zu nicht ganz so lukrativen Investitionen geraten hat. Rumänische Mischwälder sind sicher eine schöne Sache, nur werfen sie eben nichts Bares ab. Gleiches gilt für Magerschweine, in deren Haltung ebenfalls eine Menge Geld geflossen ist. Von den Flugzeugturbinen, die irgendwo im Nirgendwo produziert werden sollten, mag man gar nicht sprechen.

Das Finanzamt und Annabelle im Rücken

Summa Summarum steht ein stattlicher Verlust von über 200 Prozent im Raum, denn auch das Finanzamt möchte seinen Anteil. Hinzu kommt auch noch Freundin Annabelle, deren Studium ja irgendwie finanziert werden muss und die langsam aber sicher merkt, dass irgendetwas nicht im Reinen ist. So schickt Autor Jaud, der erstmals auch als Sprecher sein Werk an den Leser bringt, den Protagonisten auf eine eigenartige Suche nach Geldbeschaffungsmöglichkeiten. Diese sind mehr kurios als ernst gemeint. Weder der Versuch Promikoch Jamie Oliver zu verklagen noch jener in das Ende der Welt zu investieren, scheinen zu fruchten. Einzig die Wandlung in einen „Überman“ kann Peters noch zurück in die richtige Bahn bringen.

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Stephenie Meyer – Bis(s) zum Ende der Nacht

Benjamin Jendro

20.November
2012

Biss zum Ende der NachtImmer dann, wenn wir uns von einer Saga verabschieden müssen, hegen wir große Erwartungen an das Finale. In dieser Woche dürfte es vielen Vampirfreunden so ergehen, die sich in ab Donnerstag das große Finale der Twilight-Reihe auf der Kinoleinwand ansehen dürfen. Zwar konnte die Romanvorlage von Autorin Stephenie Meyer nicht genauso viele Millionen einspielen, absolute Bestseller waren aber auch die Ausführungen der vierteiligen Werkreihe. Wie genau es mit Bella und Edward ausgeht und welche Rolle der nicht weniger beeindruckende Jacob in der Dramatik spielt, kann man durchaus auch als Hörbuchvariante in Erfahrung bringen. Als Vorbereitung auf das Kinospektakel langt die 20-stündige Version von „Bis(s) zum Ende der Nacht“ auf jeden Fall.

Geschichte aus zwei Perspektiven

Während der letzte Teil im Kino aufgrund der Dramaturgie in zwei Ausgaben gesplittet wurde, erzählt Meyer die Story in einem Band. Dieser jedoch unterscheidet sich ein wenig von den vorhergehenden. Die Rolle des Erzählers ist nicht allein auf Bella beschränkt, auch Jacob vermittelt uns das Geschehen aus seinem Blickwinkel. Dies wiederum erklärt die zwei Sprecher Max Felder und Annina Braunmiller, die sehr viel Herz in die Geschichte legen. Hatte Werwolf Jacob in den ersten drei Teilen noch eine Rolle eingenommen, die absolut kontrovers zu der von Edward stand, wandelt sich diese im finalen Konstrukt.

Bella ein Vampir, doch die Überraschungen bleiben

Schon zu Beginn des vierten Teils wird keinerlei Zweifel daran gelassen, wohin die Reise führt. Bella und Edward werden heiraten. Als Jacob von der bevorstehenden Hochzeitsreise erfährt, versucht er seiner großen Liebe diese auszureden. Wohl ahnend, was passiert, hegt er große Angst, sie endgültig zu verlieren. Insbesondere die folgenden Geschehnisse verleihen der Reihe die besondere Note. Bella wird schwanger und eh die Protagonisten so wirklich wissen, was sich dort in ihr zusammenbraut, überschlagen sich die Ereignisse. Die Geburt erleben die drei Hauptakteure zusammen. Bella muss, um nicht zu sterben, zur Untoten verwandelt werden. Jacob will sich am Kind, das den Namen Renesmée erhält, rächen, doch wird auf es geprägt. Sein Wolfsrudel begibt sich auf die Jagd nach den Cullens und auch die Volturi greifen aktiv ins Geschehen ein. Die entscheidende Schlacht steht bevor. Bei der Betrachtung des gesamten Werkes erscheint es nicht verwunderlich, dass Bella mit ihren besonderen Fähigkeiten das Schicksal aller in ihren Händen hält.

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von Hirschhausen - Wohin geht die LiebeManche Comedians sind einfach lustig. Mit Bezug auf ihren Unterhaltungswert kann es keine Zweifel geben, Fans werden diese eh nicht zulassen. Für mich persönlich ist Eckart von Hirschhausen so ein Fall. Der Doktor unter den Komikern hatte mich genau genommen schon mit seinem ersten Buch und dem ersten Auftritt, den ich von ihm gesehen habe, für sich gewonnen. Woran das liegt, ist auch an seinem neuen Titel  „Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?“ erkennbar. von Hirschhausen schreibt über Menschen, um Menschen zum Lachen zu bringen. Er zeigt uns die Tücken unseres Lebens und spielt mit seinen Kenntnissen darüber. Das zusammen ergibt eine unterhaltsame Mischung.

Sympathischer Kerl mit gehobenem Humor

Eigentlich ist von Hirschhausens Hauptbetätigungsfeld ja die Medizin. Er hat seine Fähigkeiten aber dazu genutzt, mit ihnen Leute zu unterhalten und als Comedian wesentlich mehr Aufsehen zu erregen. Der gebürtige Hesse, der schon seit frühen Tagen zum Berliner geworden ist, benutzt die Medizin für sein Bühnenprogramm und bringt dem Laien so die Grundsätze seines Fachs näher. Seine hohe Fachkompetenz beweisen Fachtermini, die er aber für den Otto-Normalverbraucher ins Verständliche übersetzt. Zentral bleibt dabei immer das gesellschaftliche Zusammenleben, welches manch komische Situation parat hält und sich unter anderem neurologisch erklären lässt. Dass von Hirschhausen dabei zumindest metaphysisch nicht unter die Gürtellinie geht, macht ihn ebenso sympathisch wie das freundliche Lächeln, welches all seine Auftritte kennzeichnet.

Das Leben schreibt die besten Geschichte

Auf der knapp 80-minütigen Hörbuchfassung, die der Autor höchstpersönlich eingesprochen hat, zeigt sich wieder einmal, wo sich die lustigsten Geschichten abspielen. Es ist das Leben, was uns alltäglich zum Lachen bringt und das die besten Momente offenbart. Botox beispielsweise ist vielleicht beliebt in Hollywood, weil es die Stirnfalten platt macht. Das Gefühlsleben leidet aber bei genauer Betrachtung auch unter dem Wundermittel. Liegt die männliche Zuneigung zu Nippeln vielleicht in der Kindheit begründet? Warum sollte man beim ersten Date dorthin fahren, wo ein Stau wartet? Eckart von Hirschhausen besitzt die Antworten auf all jene Fragen, die sich Menschen stellen. Lustig verpackt helfen sie dabei, dass wir auch über uns selbst zu schmunzeln beginnen.

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Feuchtwanger - Die Geschwister OppermannGerade in der deutschen Geschichte kann man auf der Suche in der Historie so manch dunkle Kapitel finden. Wir sind uns durchaus über unsere Vergangenheit im Klaren, spüren sie selbst heute noch tagtäglich. Obwohl wir mittlerweile innerhalb der Europäischen Union auf rechtmäßigem Weg zu einer unersetzlichen Führungsfigur gereift sind, bringt man die Deutschen auch immer mit der nationalsozialistischen Phase zwischen 1933 und 1945 in Verbindung. Viele der heutigen Menschen jedoch wissen bis auf das, was ihnen der Lehrunterricht über Hitler, seine Machtergreifung und den Zweiten Weltkrieg vermittelt, kaum etwas über die Phase. Wie gestaltete sich das Leben in ihr, besonders als Jude. „Die Geschwister Oppermann“ von Lion Feuchtwanger erzählen es und zeigen dafür das Schicksal einer Familie in den frühen 1930ern.

Ein Familienimperium in Berlin

Der zweite Teil von Feuchtwangers Wartesaal-Trilogie beginnt mit der Darstellung von Möbelhausbesitzer Gustav Oppermann, der seinen 50. Geburtstag feiern soll. Neben seinen Lebensumständen erfahren wir auch jede Menge über seinen Bruder Martin, den Geschäftsführer des Möbelhauses, der mit der Tochter eines hohen preußischen Beamten verheiratet ist. Auch von den anderen beiden Geschwistern, dem Arzt Edgar und der Schwester Klara, erfahren wir einiges. Es sind insbesondere die alltäglichen Begebenheiten, von denen wir in diesem Familienroman zu hören bekommen. Diese vermitteln durchaus ein Bild der frühen Phase nach der Machtergreifung, die es dem Leben der jüdischen Familie alles andere als leicht macht.

Verschiedene Perspektiven

Obwohl sich das Werk auf beinahe 8 Stunden streckt und von Michael Degen aufgrund der Thematik auch in bedrückender Art und Weise vorgetragen wird, erscheint es zu keiner Zeit langatmig. Vielmehr ist man dank der Figurenbreite gefesselt, von den einzelnen Charakteren und auch von dem, was von ihnen erzählt wird. Aus mehreren Sichten erleben wir den Blick auf das nationalsozialistische Deutschland. Die Gefahr, die für die Oppermanns von diesem ausgeht, wird wie von vielen anderen der Zeit anfangs noch unterschätzt. Später aber verstehen nicht nur sie, warum ein Emigrieren zwanghaft notwendig ist. Dass es dann für einige Mitglieder bereits zu spät ist, gehört ebenso zum Geschehen wie der dunkle Beigeschmack, den das Gesamtwerk für uns bereithält.

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