...entführen dich in eine andere Welt

Impressum Kontakt

Thomas Gifford – Assassini

Benjamin Jendro

30.Januar
2013

Gifford - AssassiniIn den letzten Jahren wurde die Literaturwelt wahrlich mit so genannten Mysterythrillern überhäuft. Die Bewunderung für diese Schriften scheint in ihrer Spannung begründet. Falls sie gut recherchiert sind, erscheinen sie authentisch, was sie in vielen Fällen die Bestsellerlisten stürmen lässt. Bevor Dan Brown auf die Idee kam, ein Genre patentfähig zu machen, brachte der US-Amerikaner Thomas Gifford bereits ein Werk auf den Markt, was selbst den Vergleich mit den heutigen Erzeugnissen nicht scheuen muss. „Assassini“ ist bis heute eine der eindrucksvollsten schriftstellerischen Arbeiten, die sich mit der Geschichte der Kirche und ihren Mysterien beschäftigt. Auf fiktionaler Ebene bietet sie für den Autor eine Plattform, auf der er eine schaurige Verschwörung positioniert.

Komplex, authentisch und interessant

Gut zwei Jahrzehnte nachdem ich das Werk gelesen habe, nahm ich mir die von Ulrich Pleitgen gelesen Hörbuchversion zur Hand und füllte mit ihr zwei unterhaltsame Abende. Ausgangsituation ist der Mord an einer Ordensschwester. Val  sammelte über Jahre hinweg Material in den Archiven des Vatikans, um ein Buch über die Historie des Katholizismus herauszubringen. Unter dem thematischen Schwerpunkt des Verhaltens während des Zweiten Weltkriegs stößt sie auf ein Geheimnis, wird aber noch vor der Entschlüsselung umgebracht. Ihr Bruder Ben, seinerseits Jurist, der dem Glauben abgeschworen hat, begibt sich auf die Suche nach den Hintergründen und gelangt dabei schnell in einen gefährlichen Sumpf aus Intrigen, Gewalt und Bestechung.

Die Suche nach einem neuen Oberhaupt

Derweil gestaltet sich im Vatikan die Suche nach einem neuen Platzhirsch für den Stuhl Petris als kompliziertes Unterfangen mit entgegengesetzten Interessen. Es ist die Rückbesinnung auf eine Institution früherer Tage, die beide Handlungsstränge miteinander verbindet. Im Vatikan überlegt man sich Möglichkeiten, den eigenen Kandidaten bestmöglich darzustellen, Ben hingegen stößt auf ein Foto aus dem Jahr 1943. Hinter diesem steckt ein weitreichendes Geheimnis, bei dem vor allem die legendären Assassini als Mythos neu aufleben. Auf seiner Suche nach der Wahrheit stürzt sich Ben mehr oder minder freiwillig in ein gefährliches Spiel, in dem auch Kardinäle fungieren, die vor Mord nicht zurückschrecken.

0

John Grisham –Touchdown

Benjamin Jendro

23.Januar
2013

John Grisham - TouchdownWenn sich in eineinhalb Wochen die San Francisco 49ers und die Baltimore Ravens zur Austragung der Superbowl treffen, duellieren sich zwei Teams, die vor der Saison garantiert die wenigsten auf dem Zettel hatten. Als eingefleischter Football-Fan muss ich selbst eingestehen, dass mir diese beiden Mannschaften zu keiner Zeit in den Sinn gekommen wären. Nun aber stehen die beiden Truppen, die das größte Sportereignis der Welt austragen, fest. Dass Football hierzulande nicht so in den Fokus gerückt wird, mag an unserer deutschen Mentalität liegen. In den USA aber zählt es neben Baseball und Basketball zu den großen drei Varianten. Kein Wunder also, dass auch Kultautor John Grisham in „Touchdown“ das fliegende Ei thematisiert hat.

Der Jurist kann auch anders

Eigentlich sollte vielen Lesern und Zuhörern John Grisham eher als Autor großartiger Justizdramen in Erinnerung sein. Seine Werke wurden stets zu Bestsellern und zeigten, dass der Mann weiß, wovon er schreibt. Verwunderlich sollte das bei der Betrachtung seiner Biografie, die ihn selbst als Juristen entlarvt, nicht sein. Trotzdem konnte sich bisher kein Anwalt oder Richter finden, der etwas ähnlich Unterhaltsames zu Papier gebracht hat. Dass Grisham auch Romane ohne Rechtsinteressen schreiben kann, hat er ebenfalls bereits vermehrt beweisen können. „Touchdown“ reiht sich da nahtlos ein.

Ein US-Star in Italien

Erstmals jedoch schafft er es auch mit Witz und vielen Anekdoten zu bestechen. Im Werk, dessen siebenstündige Hörfassung von Charles Brauer gelesen wird, geht es um das Schicksal von Rick Dockery. Dieser ist dritter Quarterback der Cleveland Browns, muss nach dem Aufwachen im Krankenhaus aber feststellen, dass er binnen weniger Minuten gleich drei Interceptions (Ballverluste) zu verantworten hat. Was im Fußball normal ist, wird im Football als Desaster angesehen, so dass Rick der Depp einer Nation wird. Ohne Vertrag und als ständiges Spottopfer flüchtet er nach Italien, wo er sich den Parma Panthers anschließt. Mit NFL hat das wenig zu tun, mit Hobbyfreizeitliga hingegen viel. So entführt Grisham den Leser auf eine andere Schiene. Das Leben vor Ort, die Menschen, das Essen, die Eigenarten Italiens sind fortan viel wichtiger als ein Quarterback, der gegen hoffnungslos überforderte Gegner einen Touchdown nach dem anderen vorbereitet.

0


Die Fernsehjournalistin Anne Gesthuysen ist eher aus dem „ARD-Morgenmagazin“ denn als Autorin bekannt. Doch mit ihrem Romanerstling „Wir sind doch Schwestern“ schaffte sie es auf Anhieb in die Bestsellerlisten. In dem Buch, das hier mit der Sprecherin Doris Wolters hervorragend vertont wurde, arbeitet Gesthuysen das Leben ihrer drei patenten und schicksalserprobten Großtanten auf.

Katharina, Paula und Gertrud stammen vom Niederrhein und sind zusammen 298 Jahre alt. Um Gertruds 100. Geburtstag zu feiern, treffen sie sich auf dem Tellemannshof, der allerdings für alle Schwestern Erinnerungen an die Vergangenheit hervorruft – gute und schlechte. In vielen Rückblicken auf ihre allesamt nicht geradlinigen Lebensläufe erzählt Gesthuysen vom Schicksal der Großtanten. Vor allem die Liebesgeschichten der faszinierenden Frauen bewegen beim Zuhören: Gertruds und Kattys große Lieben scheitern am Standesunterschied, Paulas Ehemann entpuppt sich als homosexuell und wird sogar wegen seiner Neigung verhaftet, ein jüdischer Verehrer wird von Gertrud wegen seiner Religion abgelehnt. Die kleinen Anekdoten aus dem Familienleben, die im schönsten Plauderton vorgetragen werden, spiegeln so immer wieder das Weltgeschehen des 20. Jahrhunderts wider, das Porträt der Großtanten wird auch zum Porträt einer Epoche.

Eine mitreißende Geschichte – mal komisch, mal berührend, liebevoll erzählt und von Doris Wolters gekonnt gelesen – „Wir sind doch Schwestern“ ist einfach gute Unterhaltung.

0

Kate Mosse – Das verlorene Labyrinth

Benjamin Jendro

15.Januar
2013

Mosse - Das verlorene LabyrinthDas Fernsehen hat in Bezug auf die Unterhaltung der Menschen einen bestimmten Vorteil – es genießt ein großes Interesse, weil man beim Fernsehen selbst nicht wirklich aktiv werden muss. So vermittelt es uns Werke und Geschichten, die bereits in anderen Medien Erfolge feiern konnten, aber eben nicht diejenige Aufmerksamkeit erreichten, die sie durch die Filmszenen einheimsen. Am gestrigen Abend zeigte Sat1 zur Prime Time eine Mittelaltererzählung, die heute ihr großes Finale feiern soll. In Tradition des historischen Mehrteilers schließt Macher Ridley Scott mit „Das verlorene Labyrinth“ direkt an die großen Ken Follett Produktionen an. Die literarische Vorlage aber ist ein weitaus interessanteres Thema.

In Verbindung zur einer früheren Zeit

Während die üblichen Mittelalterszenarien häufig auch nur im thematisierten Jahrhundert spielen, entführt uns die Autorin auf eine Zeitreise der ganz besonderen Art. Zu Beginn der 23-stündigen Hörbuchversion, die von Julia Fischer gesprochen wird, stoßen wir auf Alice Tanner. Von einer befreundeten Archäologin animiert, schließt sich die Britin einem Ausgrabungsprojekt  auf dem Boden Frankreichs an. Die Landschaft des Languedoc ist rein optisch gesehen ein absoluter Hingucker, leider nur bringen die bisherigen Grabungen wenig Ertragbares mit sich. Dies ändert sich durch einen Zufall, der Alice in eine Höhle führt. Dort entdeckt sie eine Wandmalerei, zwei Skelette und einen Altar, auf dem ein Ring ihre Aufmerksamkeit erlangt. Als sie diesen überstreift, verspürt sie ein merkwürdiges Gefühl und eine innige Verbindung zur 17-jährigen Alais, die knapp 800 Jahre vor ihr an gleicher Stelle weilte.

Geheimnisvolle Bücher, ein Geheimbund und ein Geheimnis

Natürlich geht es im Werk um das ewige Mysterium der Suche nach dem heiligen Gral. Was er wirklich ist und wo er verborgen liegt, können wir auch im Jahr 2013 noch nicht sagen. Gerade das aber sorgt für unsere anhaltende Faszination. Im Jahr 1209 übernimmt Alais die Verantwortung für drei heilige Bücher, da ihr Vater in den Krieg ziehen muss. Oberste Priorität hat dabei die Wahrung des Inhalts. So muss sich Alais gegen all jene wehren, die das Verborgene in ihren Besitz bringen wollen. Es scheint ihr zu gelingen, schließlich macht Alice im Werk das Gleiche durch, wohlgemerkt acht Jahrhunderte später. Allerdings wird diese Aufgabe nicht so leicht wie erhofft, denn auch sie muss sich fortan mit den Machenschaften eines skrupellosen Geheimbundes herumplagen.

 

0

Irene Dische – Großmama packt aus

Benjamin Jendro

8.Januar
2013

Dische - Großmama packt ausSelbstverständlich finden sich in jedem Werk auch immer Charakteristika wieder, die der Autor oder die Autorin selbst aufweist. An niemandem zieht das Leben so einfach vorbei, ohne dass man durch die gemachten Eindrücke geprägt wird. Für Schriftsteller gilt das wohl umso mehr. Sie sind es nämlich letztlich, die ihren Eindrücken auf einem Stück Papier volle Entfaltung zukommen lassen können. Schriftstücke jeder Art dienen auch immer dazu, eigene Fragen an das Leben zu beantworten. Für Irene Dische war das in „Großmama packt aus“ die eigene Zugehörigkeit. Christin oder Jüdin, Deutsche oder Amerikanerin?

Jude ist man von Geburt an

Ohne Frage lässt sich in der Erzählung aus Sicht ihrer Großmutter Elisabeth Rother eine Menge aus dem Leben der Autorin selbst herauslesen. Irene selbst wird in den nostalgischen Erinnerungen der Erzählerin als missratenes Mädchen dargestellt, das schon aufgrund der Gene ihre Vaters für den folgenden Weg gekennzeichnet wurde. Noch aussagekräftiger aber sind die Ereignisse, die sie über die früheren Generationen vermittelt. Elisabeth ist eine gute Katholikin, die sich lange vor Kriegsausbruch in den jüdischen Arzt Carl Rother verliebt. Dieser konvertiert zum Christentum, hat kaum etwas für das Judentum übrig und selbst bei genauer Betrachtung erinnern nur seine große Nase und die dunkeln Augen an die Herkunft. Das ändert jedoch nichts am Hass der Nazis, die ab 1933 die Geschicke des Landes leiten.

Auf der Suche nach der jüdischen Identität

Es scheint ihr entscheidender Fehler gewesen zu sein, einst einen Juden geheiratet zu haben. Mit Lug und Trug gelingt es ihr, die Familie in Sicherheit zu bringen, noch ehe das große Morden losgeht. Elisabeth hat eigentlich nichts für Juden übrig, sie liebt einfach nur ihre Familie, zu der auch Tochter Renate gehört. Auch für sie ist das Leben schwer, obwohl sie selbst kein Bezug zum Judentum hat. Die Sinnlosigkeit dessen zeigt sich beispielsweise in der Haltung von Hausdame Liesel, die zwar Urdeutsche ist, aber vehement für die Familie eintritt. Deren Schicksal bringt sie in die USA, wo Renate sich weiterentwickelt und später einen Juden nach dem anderen heiratet. Sie ist in den Augen ihrer Mutter ebenso verkommen wie auch die spätere Irene. Nüchtern betrachtet Elisabeth Rother das Geschehen ohne der Autorin, ihrer Enkelin, eine abschließende Erklärung darüber zu geben, wo sie eigentlich hingehört.

0

Colin Cotterill – Der Tote im Eisfach

Benjamin Jendro

1.Januar
2013

Cotterill - Der Tote im EisfachEs gibt wirklich eine ganze Reihe guter Thriller, die uns in die entlegensten Regionen des Globus´ führen. Dort bekommt man als Freund des guten literarischen Stückes ein Szenario vorgesetzt, das einem durchaus mal das Blut in den Adern gefrieren lassen kann. Autor Cotterill hat sich für seine Geschichte das entfernte Laos ausgesucht, wo nicht nur die politische Situation mehr als unübersichtlich scheint. Bereits zum fünften Mal schon erfahren wir von der Arbeit Dr. Siri Paibouns, der seinerseits der einzige Pathologe im ganzen Land ist. Schauspieler Jan Josef Liefers liest uns Cotterills Werk „Der Tote im Eisfach“ mit Bravour, der Stoff gibt aber auch wirklich eine Menge her.

Eine Konferenz und Trubel in der Heimat

Besagter Dr. Siri Paiboun ist ein absoluter Experte in seinem Fach, er genießt selbst internationales Ansehen. Zu Beginn des Werkes muss der 73-Jährige an einer Konferenz im Norden des Landes teilnehmen. Diese ist so spannend, dass einer der Teilnehmer aus reiner Langeweile tot vom Stuhl fällt. Doch damit nicht genug, sein Vorgesetzter zwingt ihn zu einer weiteren Reise durch eine abgelegene Region. Es gehört zum Plan des Autors, dass er dort entführt wird. Währenddessen geht es in seinem Labor noch turbulenter zu. In der Leiche eines toten Soldaten findet seine Assistentin Dtui eine Handgranate.

Viele Fragen, kaum Antworten

Gemeinsam mit ihrem Mann Phosi und Siris Lebensgefährtin Daeng versucht sie dem Vorfall nachzugehen und nach Antworten zu suchen, die sich ihnen lange Zeit versperren. Selbiges gilt auch für die Entführung des Doktors. Niemand weiß so richtig, um wen es sich beim Entführer handelt, Lösegeldforderungen bleiben aus. Der Zuhörer natürlich weiß längst, wo er sich befindet. Ein Bergvolk namens Hmong hält ihn für einen Schamanen, gar den größten auf der Welt. Dieser soll ihnen bei einem mysteriösen Vorfall helfen, sofern er das denn überhaupt kann. Diese zwei miteinander verwobenen Geschichten sorgen für eine große Spannung, die auch aufgrund ihrer politischen Brisanz Eindruck schinden dürfte.

0