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Otfried Preußler – Die kleine Hexe

Benjamin Jendro

26.Februar
2013

Otfried Preußler - Die kleine HexeEs mag den Leser verwundern, warum sich an dieser Stelle erneut einem Kinderhörbuch gewidmet wird. Doch manchmal passieren Dinge, die eben nicht vorhersehbar sind und die ein Umdenken in uns erfordern. Für ein ähnliches Umdenken ist auch der Autor des heutigen Hörbuchtipps eingetreten. Natürlich seien Geschichten über Hexen und Räuber aus dem Wald, über kleine Gespenster, die einsam in einem Schloss leben und einen Wassermann, der neben Fischen residiert, nicht unbedingt das, was die Realität für Kinder bereithält. Trotzdem aber plädierte Deutschlands begnadetster Geschichtenerzähler des 20. Jahrhunderts, Otfried Preußler, für die Fantasie, deren Vielfalt jedem Kind ermöglicht werden sollte.

Ein Autor mit großen Glanzlichtern

Selbstverständlich erscheint ein Tod im Alter von 89 Jahren nicht gerade sonderbar, trotzdem aber kam die Todesnachricht am vergangenen Montag äußerst plötzlich. Otfried Preußler hatte sich bereits mit zehn Jahren dazu entschlossen, Geschichten zu erzählen. Mit Bravour hat er das dann über Jahrzehnte hinweg gemeistert. Seine Erzählungen „Das kleine Gespenst“, „Der Räuber Hotzenplotz“ und auch das vor einigen Jahren sehr erfolgreich verfilmte Abenteuer von „Krabat“ haben viele Menschen während ihrer Kindheit begleitet. Das Fantastische war dabei stets Bestandteil seines Werkes und genau darin liegt der Schlüssel zum Heranwachsen, auch in Zeiten einer hochtechnologischen Welt. Den Stoff dazu fand Preußler in den vielen Sagen seiner Böhmischen Heimat.

Mit 127 beginnt das Leben

So auch jenen, aus dem er die Geschichte „Die kleine Hexe“ kreierte. Für diese beginnt das Leben genau genommen erst mit 127. Bis dahin wagte es sie es nicht, ihren langersehnten Wunsch auch in die Tat umzusetzen. Nun aber scheint die Zeit reif, mit den älteren Hexen auf dem Blocksberg die Walpurgisnacht zu feiern. Dumm nur, dass die anderen sie nicht für voll nehmen und ihr erst einmal ein Jahr die Chance geben wollen, sich als gute Hexe einen Ruf zu verdienen. Sie bestraft fortan die Bösen und beschützt die Schwachen, erweist sich mithilfe des Raben Abraxas als gute Hexe. Dass diese letztlich Böses vollbringen muss, ahnt sie nicht. Für den Irrtum aber muss sie nur anfangs bezahlen, schnell nämlich wenden sich das Blatt und die Seite, aus der die Trümpfe ausgespielt werden.

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Ingo Siegner – Der kleine Drache Kokosnuss

Benjamin Jendro

19.Februar
2013

Siegner - Der kleine Drache KokosnussZu meiner Zeit gab es andere Helden, andere Idole und andere Fabelwesen, die abendliche Lese- und Hörabenteuer unterhielten. Ob diese weniger unterhaltsam waren als die heutigen, möchte ich nicht einschätzen müssen. Die eine Generation hatte einen Fable für die Figuren aus den Märchen der Grimms, die andere für Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg. Bei der heutigen sind die Namen wieder andere, ihr Status, die Kids zu unterhalten aber bleibt nach wie vor bestehen. Ein Paradebeispiel der heutigen Zeit bildet „Der kleine Drache Kokosnuss“, mit dem Autor Ingo Siegner eine wahre Kultfigur ins Leben gerufen hat.

Spannende Abenteuer eines Drachen, der nicht fliegen kann

Drachen bestimmen seit den Jahren früher Menschheitsgeschichte unsere Erzählungen. Siegner hat diese mystischen Wesen kindsgerecht adaptiert. Sein kleiner Drache, der auf den lustigen Namen einer Südfrucht getauft wurde, erfreut sich mittlerweile an einer großen Fanbase. Es gibt selbstverständlich Plüschtiere und Trinkbecher, Malhefte und Schultaschen. Zudem ist der Bestand mit vielen tollen Abenteuergeschichten gefüllt, die in Form von Büchern, eBooks und Hörbüchern den Kindern Spaß bereiten. Zehn Jahre dauert die Erfolgsgeschichte des kleinen Feuerspuckers bereits. Die inszenierte Hörbuchfassung, die von Philipp Schepmann gesprochen und mit Musik unterlegt wird, erzählt das allererste Abenteuer. In diesem versucht Kokosnuss mit mehr oder weniger reger Beteiligung das Fliegen zu erlernen.

Spaß für jedes Kinderohr

Eigentlich ist das nämlich die Grundlage für die bevorstehende Reise auf die Sommerinsel in der Südsee. Wie die Zuhörer auch lebt der kleine Drache bei seinen Eltern. Auf der bisher unentdeckten Dracheninsel plagen ihn die gleichen Sorgen wie alle Menschenkinder. Kokosnuss muss die Schule besuchen und dort endlich lernen, wie man fliegt. Wenn er dem Unterricht nicht richtig folgt und sich richtig anstrengt, fällt für ihn der Flug ins Paradies flach, den die Erwachsenen jeden Winter auf sich nehmen. Das zumindest wird zu Beginn vermittelt. Kokosnuss wäre jedoch nicht Kokosnuss, wenn seinem schlauen Köpfchen nicht etwas einfallen würde, um sich vor der Anstrengung zu retten. Mithilfe seiner Freunde werkelt er bereits an einem funktionstüchtigen Plan.

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Sibylle Berg – Vielen Dank für das Leben

Benjamin Jendro

12.Februar
2013

Berg - Vielen Dank für das LebenBeinahe jeden Tag erleben wir, welche grausamen Elemente in unserer Gesellschaft vorhanden sind. Wir erfahren von den Gräueltaten einzelner Mörder, von Terroranschlägen und Geisterfahrern. Dabei sind dies bei weitem nicht die einzigen Fälle, die eine gewisse Be- bzw. Verachtung verdienen. Jeden Tag aufs Neue grenzen wir einzelne Menschen aus, weil sie nicht unserer humanen Vorstellung entsprechen, vielleicht anders aussehen. Hermaphroditen, also Menschen ohne eindeutiges Geschlecht, gehören auch zu jener Gruppe, die viele meiden. Sibylle Berg schenkt ihnen ein wenig mehr Aufmerksamkeit und schickt Protagonist Toto in „Vielen Dank für das Leben“ stellvertretend für viele in die Bestsellerlisten.

Was gut ist, muss ausgezeichnet werden

Gerade erst erhielt das Werk, welches in der knapp 400 Minuten langen Hörbuchfassung von Gustav Peter Wöhler gelesen wird, den Hörbuchpreis 2013 für den besten Interpreten. In der Tat erscheint diese Auszeichnung gerechtfertigt. Schließlich hat die Autorin, welche bereits mit „Sex II“ oder „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ Erfolg feiern konnte, eine sehr eindrucksvolle Geschichte aufgeschrieben. Zentrale Figur ist Toto, ein Hermaphrodit, der 1966 in der DDR zur Welt kommt. Sein Vater ist schon vor der Geburt weg, die Mutter vollkommen überfordert und auch im Waisenheim grenzt man den Neuling kategorisch aus. Während der Arzt ihn als männlich deklariert, hält die Hebamme ihn für dasjenige Baby, was in ihrer langen Karriere die bisher größten Schwierigkeiten verursacht hat. Auch im Kinderheim setzt sich der Sonderstatus fort, ist er doch für die Kinder hassende Chefin der größte Dorn im Auge.

Lebensmut trotz täglicher Qual

Man muss schon arg zwischen den Zeilen lesen bzw. hören, wenn man eine Person finden möchte, der Toto am Herzen liegt. Seine Mutter wird als Alkoholikerin ohne Interesse für ihr Kind dargestellt, die Heimleiterin schikaniert ihn, wo es nur geht. Auch das bäuerliche Paar, an das er vermittelt wird, hält keine Zuneigung bereit. Toto wird für sie zur billigen Arbeitskraft. Nach seiner Flucht in den Westen, von der er sich anfangs viel verspricht, wird das kaum besser. Einem Aufenthalt in einer Hippiekommune folgt die Bewerbung bei einer Musikhochschule. Das Singen sieht er als sein großes Talent, der Lehrer aber ekelt sich vor Toto und verweigert ihm die Aufnahme. Selbst im schäbigen Nachtclub, der ihm ein paar Mäuse und ein Bett beschert, darf er nicht lange bleiben. Eine Frau, die er bis zu ihrem Sterben pflegt, schickt ihn mit den Worten „Geh weg, du ekliger Freak“ fort. So scheint auch sein Tod irgendwie als einzig logischer Ausweg aus einer Welt, die für liebenswerte Geschöpfe wie Toto rein gar nichts zur Verfügung stellt.

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Das Nibelungenlied

Benjamin Jendro

5.Februar
2013

Das NibelungenliedEs ist eine der ältesten Erzählungen unseres Landes und gleichzeitig eine, die jede Menge Geheimnisse bewahrt. Noch heute, mehr als 700 Jahre nachdem „Das Nibelungenlied“ erstmals zu Papier gebracht wurde, begeben sich zahlreiche Menschen auf die Suche nach dem legendären Schatz der Nibelungen. Einst hatte Drachentöter Siegfried nach einer mörderischen Verschwörung durch die Hand Hagens dem Tod ins Auge blicken müssen. Aus Angst vor dem Fluch, der auf dem von ihm gefundenen Schatz lag, schüttete der Mörder das Gold in den Rhein. Wo genau, das weiß niemand, so dass der Mythos des so genannten Rheingoldes noch immer zu den größten Rätseln unseres Landes zählt.

Ein Held, der an seinem Ruhm stirbt

Siegfried ist zu Beginn der größten aller deutschen Volkserzählung die zentrale Gestalt. Er besiegt einen schrecklichen Drachen und sichert sich einen gigantischen Schatz. Nach dem Todesstoß badet er im Drachenblut, das seinen ganzen Körper unverwundbar macht. Ein herabfallendes Lindenblatt jedoch verdeckt eine Stelle an seiner Schulter, so dass es für den neidischen Hagen eine Möglichkeit gibt, den Held dem Erdboden gleich zu machen. Siegfried aus Xanthen stellt sich in den Dienst König Gunthers und ehelicht dessen Schwester Kriemhild. Er hilft ihm beim Brauterwerb der Walküre Brünnhilde und ist ihm auch ansonsten sehr ergeben. Doch Gunther ist schwach und offen für neidische Stimmen, die ihn zum Tod des Helden ermuntern. Hagen nutzt die Gunst der Stunde und erhält von der Gattin, die den perfiden Plan nicht durchschaut, den entscheidenden Hinweis auf Siegfrieds Schwachstelle.

Eine Rache, die keine Grenzen kennt

Es ist Kriemhild, welcher der komplette zweite Teil gewidmet ist. Getrieben vom Hass und einer immensen Rachelust vertreibt sie Hagen zunächst aus dem Königreich und verfolgt ihn in der Folge bis an das Ende der vorhandenen Landkarte. Unterwegs sichert sie sich unterschiedliche Hilfe. Da auch der Mörder genügend Kampfbereite für sich begeistern kann, fallen scheinbar Unbeteiligte zu Haufe dem Tode zum Opfer. Sprecher Rolf Boysen, der auch der „Ilias“ seine Stimme lieh, versinnbildlicht die Szenerie in Perfektion. So werden wir als Zuhörer direkt in das Geschehen eingebunden und können die Gefühle und Emotionen der einzelnen Protagonisten in jeder Zeile mitfühlen. Über allem jedoch schwebt das ewige Mysterium des größten heute noch verborgenen Schatzes.

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