...entführen dich in eine andere Welt

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Koethi Zan – Danach

Benjamin Jendro

25.Juni
2013

Zan - Danach Gerade läuft bei buecher.de das Krimifestival 2013. In dieser Woche werden an jedem Tag neue Krimis und ihre Autoren vorgestellt. Den gestrigen Anfang machte die US-Amerikanerin Koethi Zan, die nicht nur über einen außergewöhnlichen Namen, sondern auch ein riesiges Talent als Schriftstellerin verfügt. Bereits zu ihrer Schulzeit widmete sie sich lieber ihren Büchern als den Footballspielen ihrer Schulmannschaft. Später kam sie zwar ein wenig aus sich heraus, das Schreiben aber blieb auch während der Zeit als Juristin stets eine Herzensangelegenheit. Jeden Tag schreibt die Mutter und Ehefrau in der Früh eine Stunde, mindestens 500 Wörter lautet das Tagespensum. Mit „Danach“ bekommen wir nun die ersten Früchte der disziplinierten Arbeit zu hören.

Ein angesehener Psychologe, dem niemand in die Karten schaut

Jack Derber ist ein angesehener Psychologieprofessor, wesentlich charmanter als Herr Freud, aber dennoch hochdekoriert. Was man ihm nicht ansieht, sind seine dunklen Vorlieben, bei denen ihm selbst die BDSM-Szene nicht genügend Pfeffer besitzt. So erlaubt es sich Derber, ein ganz eigenes Spiel zu eröffnen und entführt vier Frauen, die er jahrelang in seinem Keller malträtiert. Die körperlichen Misshandlungen verheilen, die seelischen bleiben für immer. Zehn Jahre nach diesem Martyrium wird Sarah, eine der vier Entführten, noch immer von Angstattacken heimgesucht. Sie konnte flüchten, ermöglichte später die Befreiung von zwei anderen. Ihre Freundin Jennifer aber wurde nie gefunden, weshalb Derber auch die Entlassung aus dem Gefängnis in Aussicht gestellt wird.

Auf der Suche nach der Wahrheit

Für Sarah wäre das gleichbedeutend mit dem Tod und so distanziert die anderen beiden Damen an die Sache herangehen, sie empfinden das Gleiche. Sie sind sich sicher, dass Derber Jennifer ermordet hat. Was fehlt, ist die Leiche. Genau an diesem Problem arbeiten die drei und kontaktieren die Psychologin Adele, eine frühere Kollegin Derbers. Sie führt Sarah in die BDSM-Welt ein und bringt sie so verdammt nahe an das heran, was sie eigentlich nie wiedersehen wollte. Es ist und bleibt aber ihre letzte Chance, um das Monster Derber endgültig aus ihrem Leben zu entfernen. Brillant von Maria Koschny (u.a. Synchronstimme von Jessica Biel und Mischa Barton) gelesen, versteht es das Krimidebüt von Zan mehr als ordentlich, den Zuhörer zu fesseln.

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Lucinda Riley – Der Lavendelgarten

Benjamin Jendro

18.Juni
2013

riley - der lavendelgartenBei einigen Autoren und Autorinnen erkennt man ganz gut, dass sie den Ort, über den sie schreiben, ganz gut kennen, sich also vermutlich direkt vor Ort Inspirationen geholt zu haben. Bei Lucinda Riley konnte man das bisher bei all ihren Bestsellern erleben. „Das Orchideenhaus“ beförderte den Leser von Seite zu Seite immer näher in Richtung asiatischem Lebensgenuss. Auch bei ihrem letzten Werk „Das Mädchen von den Klippen“ fühlte man sich, als wäre man direkt an die irische Küste versetzt. Hinzu kommt neben der regionalen Authentizität auch eine gewisse Glaubwürdigkeit der Themen, die sie anspricht. Alle von ihnen zeigen irgendwie immer eigene biografische Züge. So darf auch davon ausgegangen werden, dass sich diese in „Der Lavendelgarten“ widerspiegeln.

Ein Erbe, das sie nicht antreten will

Hauptprotagonistin Emilie hat sich bereits in frühen Jahren von ihrer Familie abgekoppelt. Entfernt von der aristokratischen Herkunft und dem hohen Stand, den die Familie de la Martinières genießt, hat sie sich ein komplett neues Leben aufgebaut. Die junge Tierärztin hatte bereits seit dem Tod ihres Vaters kein gutes Verhältnis mehr zu ihrer Mutter. Trotzdem aber liegt es nun an ihr, das Familienerbe anzutreten und an jenen Ort in der Provence zurückzukehren, der ihr in der Vergangenheit manchen Kummer bereitet hat.

Geheimnisvolle Heimat

Was sie anfangs nur für ein kurzes Intermezzo hielt, das zwanghaft erledigt werden muss, wandelt sich zu jenem Zeitpunkt, als Emilie auf eine alte Gedichtsammlung trifft. Schon vorher erfährt der Zuhörer, den Sprecherin Simon Kabst brillant durch die siebenstündige Hörfassung führt, einiges über die Beziehung Emilies zu einzelnen Familienangehörigen. Richtig tiefgründig wird das Personengeflecht aber erst mit jenen Briefen, in denen Tante Sophia von einer Liebesgeschichte berichtet, die die langreichende Familienhistorie in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Dies verändert nicht nur das, was einmal war, sondern kann auch Türen aufsperren, die in der Zukunft einen anderen Weg ermöglichen.

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Miguel de Cervantes – Don Quijote

Benjamin Jendro

11.Juni
2013

Cervantes - Don QuijoteBei der Vertonung von Literaturklassikern bin ich vorab immer ein wenig kritisch. Man sieht ja ein Werk und seine Inhalte in einer späteren Phase immer ein wenig anders, setzt andere Schwerpunkte und interpretiert aus einem anderen sozial-gesellschaftlichen Kontext heraus. Auf der Gegenseite muss man aber dokumentieren, dass gerade diese Faktoren häufig der Grund dafür sind, überhaupt noch von derartigen Klassikern zu hören. Neue Versionen vermitteln den Inhalt vielleicht ein wenig verformt und abgeändert, sie sorgen aber immerhin für eine anhaltende Vermittlung. Der legendäre Roman „Don Quijote von der Manchades großen Cervantes ist ein solches Werk, das wir uns auf jeden Fall erhalten sollten.

Über 1000 Seiten in fünfeinhalb Stunden

Es sind jene Ritterabenteuer, von denen der Titelheld einst selbst gelesen hatte und wegen denen er folglich in die weite Welt auszieht, die den Leser bzw. Zuhörer schmunzeln lassen. Der Roman selbst umfasst in einer Printausgabe je nach Seitengröße im Regelfall über 1000 Seiten. Das ist auch für wahre Leseratten ein Werk, das dann schon mal ein paar Wochen Zeit verlangt. Insofern ist diese gut 330 Minuten lange Hörbuchfassung eine durchaus bemerkenswerte Alternative. Auf imponierende Art und Weise reichen drei Sprecher (Rufus Beck, Thomas Thieme und Anna Thalbach) aus, um das Figurenensemble, das im Original bei mehr als 500 verschiedenen Personen liegt, abzudecken. An Inhalt geht dabei nichts verloren, erzählen Don Quijote und sein Begleiter Sancho Pansa doch abwechselnd, was Cervantes einst zu Papier gebracht hat.

Perfekte Umsetzung

Natürlich sollte nicht verschwiegen werden, dass sich Regisseur Klaus Buhlert auf die Umsetzung des ersten Buches konzentriert hat. Die 74 Kapitel des zweiten Buches fehlen also genau genommen. Dies tut der großartigen Gesamtleistung aber keinerlei Abbruch, schließlich ist es gerade der erste Teil, jene 52 Kapitel von Buch 1, in dem sich alle Facetten des Werkes vereinen. Nichtsdestotrotz ist auch die Vertonung vom zweiten Teil geplant. So oder so aber eignet sich das Stück perfekt für alle, die keinen 1000-seitigen Mammutroman durchblättern möchten und trotzdem nicht auf die nicht immer ganz ernst zu nehmenden Abenteuer des Don Quijote von der Mancha verzichten wollen.

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Sebastian Fitzek – Der Nachtwandler

Benjamin Jendro

4.Juni
2013

Fitzek - Der NachtwandlerSebastian Fitzek ist den Kennern der Thrillerwelt durchaus ein geläufiger Name. Selbst, wenn man den Autor nicht seit seinem Debüt „Die Therapie“ treu begleitet hat, erliegt man sofort der hohen Anziehungskraft, die jedes seiner Werke auf den Leser oder in diesem Fall auch Zuhörer ausstrahlt. Immer wieder konstruiert der Berliner neue kranke Charaktere, um sie nicht nur besonders skrupellos morden zu lassen, sondern sie auch irgendwie als besonderes Artefakt der menschlichen Abgründe darzustellen. Neben seinen eigenen Romanen hat er es zuletzt gemeinsam mit Rechtsmediziner Tsokos versucht. Auch dabei konnte Fitzek überzeugen. Klar, dass das dann auch beim aktuellen Werk „Der Nachtwandler“ so sein musste

Bemitleidenswerter Übeltäter?

Bei bisher keinem Stück von Fitzek hatte man den Ansatz eines Mitgefühls mit dem psychopathisch Veranlagten, der irgendwie stets mit dem Titel in Verbindung gebracht werden musste. Bei Leon Nader ist das anders. Insofern erleben wir auch eine ganz neue Seite an Fitzek. Mit Nader fühlt man mit, wenngleich man schnell merkt, dass er etwas zu verbergen hat. Früh im Leben wird er von Schlafstörungen geplagt. Dagegen hat man ihm zahlreiche Medikamente verschrieben. Da er auf diese selten ansprang und einige Nächte in wahren Gewaltanfällen endeten, kam er in psychische Behandlung. Diese konnte ihn heilen. Zumindest denkt Nader das.

Mysteriöse Nächte

Jahrelang schien die alte Krankheit wirklich besiegt. Nun jedoch geht nachts etwas Mysteriöses vor sich. Nader weist eigenartige Kratzspuren am Körper auf, ohne sich an die Art der Herkunft zu erinnern. Zudem wird seine Frau seit einigen Tagen vermisst, was das Ganze nicht gerade unkomplizierter macht. Zur Beruhigung der eigenen Nerven schnallt er sich eine Kamera um den Kopf, die das nächtliche Treiben dokumentieren soll. Sowohl das, was wir in der Folge zu hören bekommen als auch die Stimme des Hörbuchinterpreten Simon Jäger tragen dazu bei, dass die ganze Geschichte nur noch einen ganzen Tick schauriger wird.

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