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Grange - Die Wahrheit des BlutesFranzösische Thriller- bzw. Krimiautoren gibt es nicht gerade wie Sand am Meer. Man möchte den Bewohnern westlich des Rheins ja nicht zu nah treten, aber das Thema Spannung scheint nun wirklich nicht ihr Spezialgebiet. Vielleicht kann man sich im Land, das Sartre, Hugo und Dumas hervorgebracht hat, ja keine gruseligen Szenarien vorstellen. Jean-Christophe Grangé beweist das Gegenteil und deckt damit eine Sparte ab, in welcher er vergeblich nach Landsleuten sucht. „Die Wahrheit des Blutes“ ist der nächste absolute Topthriller, der aus seiner Feder stammt. Besonders kribbeln kann der, wenn man zur Hörbuchvariante greift.

Männlicher Kommissar trifft auf unmännlichen Serientäter

So wie Oliver Passan beschrieben wird, stellt man sich zwar nicht den Idealtypus eines Ermittlers vor. Aber egal, denn bei Thrillern von Grangé geht es um die Sache an sich und nicht den Polizisten. Von dieser Grundhaltung profitierten bereits „Die purpurnen Flüsse“ ordentlich. Passan jedenfalls wirkt wie ein Mitglied einer Sondereinheit, besitzt viel Muskelkraft und agiert sehr raubeinig. Sein Gegner im siebeneinhalbstündigen Hörbuchthriller ist Patrick Guillard, ein Hermaphrodit, für den Passan der Inbegriff des Männlichen darstellt. Er ist Hauptverdächtiger in einer Mordserie, bei der es ein Killer stets auf Hochschwangere abgesehen hat. Passan ist ihm dicht auf den Fersen, überführen kann er ihn lange Zeit nicht.

Probleme gibt es auch in anderen Bereichen

Wie der Täter weilte der Ermittler während seiner Kindheit lange im Waisenheim. Er konnte sich später im Beruf etablieren, hat Karriere gemacht. Auch das trifft auf beide zu, womit die Gemeinsamkeiten dann auch schon aufgezählt wären. Welche Verbindung noch zwischen ihnen besteht, erfährt man erst im späteren Verlauf. Neben der Mordserie hat Passan auch noch private Probleme. Mit seiner Ehefrau, der Japanerin Naoko, lebt er in Trennung. Lediglich das gemeinsame Haus verbindet das Paar noch, wobei sich Passan mittlerweile im Kellergeschoss eingenistet hat. Das Neben- bzw. Untereinander läuft mehr schlecht gen recht. Als dann noch irgendjemand im Haus sein Unwesen treibt, scheint auch das private Chaos endgültig ausgebrochen.

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Hemingway - Der alte Mann und das MeerOhne Frage gibt es einige Schriftsteller, bei denen man auf irgendeine unerklärliche Art und Weise hängenbleibt, ihre Werke reihenweise verschlingt. Nicht widerlegbar scheint mir auch die Tatsache, dass dies bei Ernest Hemingway nicht allein auf mich zutrifft. Hemingway, der Inbegriff eines Autors, der trotz fragwürdigem Lebenswandel beachtliche Lektüre für die Nachwelt bereitgestellt hat, ist nicht umsonst Literaturnobelpreisträger. Er ist eines der Aushängeschilder der Kurzerzählung-Welt und trieb das Genre mit seiner Überspitzung, dem Six-Word-Flash, quasi in den Wahnsinn. Der alte Mann und das Meer ist da im Vergleich schon ein wahres Mammutwerk. Gelesen bzw. gehört haben sollte man es in jedem Fall.

Eine Novelle, die viel über das menschliche Leben aussagt

Ernest Hemingway war bei seinem Tod 1961 gerade einmal so alt wie sein Jahrhundert, am vergangenen Sonntag wäre er 114 geworden. Insbesondere an derartigen Jahrestagen gedenkt man zurück an die Leistungen von großen Personen und in keine geringere Kategorie fällt der Whiskyliebhaber. Hauptgrund für den Nobel- und auch den Pulitzer-Preis war die Erzählung um das Schicksal des kubanischen Fischers Santiago. Dieser ist vom Alter gezeichnet, aber längst noch nicht gebrochen. Auf der Suche nach dem großen Fang begibt er sich allein auf seinem winzigen Ruderboot hinaus aufs Meer. Anfangs scheint der Ausflug nicht wirklich vielversprechend. Doch als er ein wahres Monstrum an den Angelhaken bekommt, scheint sich das Blatt zu wenden. Welch Glück das Leben einem einfachen Mann bereiten kann.

Eine Novelle, die schwer verdaulich ist

Es ist der Fang seines Lebens, doch Santiago scheitert genau daran. Nachdem er sich dem Tier mit all seiner Kraft entgegenstellte und es endlich besiegen konnte, beginnen die wahren Probleme. Wie soll er diesen gigantischen Fang nach Hause bringen? 84 Tage lang dauert seine Reise. Es gibt kaum einen, an dem er nicht etwas Neues versucht, um den Fang sicher wieder an die Küste zu fahren. Doch Haie und andere Tücken des Meeres verhindern einen positiven Ausgang, den jeder, der den drei Stunden Hörbuchfassung folgt, herbeisehnt. Santiago beendet seinen Ausflug ohne das, was zwischenzeitlich sein Besitz war und kehrt mit nichts als dem zurück, was ihm beim Reiseantritt gehörte.

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Nelson Mandela – Bekenntnisse

Benjamin Jendro

16.Juli
2013

Mandela - BekenntnisseÜber Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, wird vieles erzählt. Den Meisten von ihnen kann man entweder positiv gegenüberstehen oder aber ihnen und ihren Taten mit Abstand entgegentreten. Einige wenige dieser so genannten VIPs lassen diese sich in Polen aufspaltende Gesamteinschätzung gar nicht zu, weil den Menschen letztlich keine Möglichkeit gelassen wird, über sie negativ zu urteilen. In Bezug auf Nelson Mandela, denke ich, kann es nur ein Meinungsbild geben. Es impliziert eine hohe Wertschätzung für die Person Mandela und alle Taten, die wir mit ihr verbinden. Mandela ist Vorbild für alle Menschen. Vollkommen zu Recht würdigt die Menschheit ihn am Donnerstag im internationalen Nelson Mandela Day und ich bereits heute sein Hörbuch „Bekenntnisse“.

Ein Werk, das Mandelas persönliche Schicksalsschläge zu Tage bringt

Was mag den Zuhörer erwarten, wenn er auf das Werk eines Friedensnobelpreisträgers trifft und dieses ihm unter bereits erwähntem Titel entgegenspringt? Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass es weniger um politische Bekenntnisse geht, weniger um den Kampf für die Freiheit. Es sind vielmehr die persönlichen Betrachtungen und Erlebnisse, an denen uns der ehemalige Präsident Südafrikas teilhaben lässt. Am Donnerstag wird er beim nunmehr vierten Nelson Mandela Day auch seinen 95. Geburtstag feiern. Hinter ihm liegen Jahrzehnte, in denen es nicht immer leicht war, in denen sich ihm zahlreiche Hürden in den Weg stellten. Auch das, die persönlichen Rückschläge gehören zum Leben eines Mannes, den wir in erster Linie aufgrund seines unzerbrechlichen Kampfwillens für die Rechte der Menschen kennen.

Bemerkenswerte Worte eines bemerkenswerten Mannes

Natürlich stellt sich die Frage, warum man nach „Der lange Weg der Freiheit“, das durchaus schon Persönliches erhielt, auch dieses Zeugnis von Mandelas Leben nicht verpassen sollte. Die Antwort liegt vor allem in den Thematiken, die wie zu hören bekommen. Es geht nicht um seine Herkunft aus dem kleinen Dorf Mvezo, in dem man beschnitten und zwangsverheiratet wurde oder um den späteren politischen Kampf. Nein, es geht um Mandela als Menschen und die mit ihm verbundenen Personen. Wer genau zuhört, erhält das Bild eines Mannes, der letztlich ganz normal scheint. Vorgetragen werden uns Briefe, die Mandela an seine Frau Winnie schrieb, als er im Gefängnis saß und Tagebucheinträge, die von der inneren Zerrissenheit nach dem Tod seines Sohnes Thembi berichten. Betrachtungen und Eindrücke eines Mannes, der viel bewegt hat, obwohl er stets vor allem eines geblieben ist – wahnsinnig menschlich.

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Carola von Wimmer – Ostwind

Benjamin Jendro

9.Juli
2013

OstwindDer männlichen Spezies ist häufig nicht ganz klar, warum Frauen gerade zu Pferden eine derart besondere Beziehung hegen können. Man sagt ja, dass man eine Frau niemals für sich allein hat, wenn sie ein Pferd besitzt und in der Tat scheint zwischen ihnen und den Vierbeinern eine ganz enge Bindung zu bestehen. Filme und Werke zum Thema Pferd gab es in den vergangenen Jahrzehnten einige. „Der Pferdeflüsterer“ und „Black Beauty“ sind dabei nur Beispiele aus einer großen Liste dieser Thematik. Im März dieses Jahres ist mit „Ostwind“ ein weiterer Film auf der Leinwand erschienen. In keinem vergleichbaren Abenteuer ging es jemals so authentisch um die Beziehung zwischen Pferd und Mensch.

Die Strafe wird zur Belohnung

Mika zählt nicht gerade zu den großen Ästheten im Klassenraum. Dementsprechend grausig fällt auch das Zeugnis aus. Dass dieses durch Zufall brennend im Wagen der Lehrkraft landet, wirkte im Film recht amüsant. Die 80-minütige Hörbuchfassung, in der die Darsteller Hanna Binke und Jürgen Vogel selbst sprechen, vermittelt ein ähnliches Bild. Zur Strafe muss Mika zu ihrer Großmutter, die nicht gerade als freundliches Wesen gilt. Ohne Handynetz in einem Ort fernab der Zivilisation soll der Teenager die Ferien durchbüffeln. Tolle Aussichten. Lediglich die Tatsache, dass es sich beim Anwesen um ein Gestüt handelt, scheint hier positiv.

Sie bändigt das Ungetüm, weil sie zuhört

Bereits in der ersten Nacht erfährt der Zuhörer, wo die Reise hingeht, schläft Mika doch in der Box von Ostwind – dem gefährlichsten Pferd im ganzen Stall. Dieses wird dann am nächsten Tag gleich einmal betäubt, um Mika zu retten. Das Vorgehen jedoch ist völlig unbegründet, denn Mika scheint ein Verbindung zum Ungetüm, das einst die Lebensträume der Großmutter zerstörte, zu besitzen. Heimlich stiehlt sie sich in der Folge regelmäßig aus dem Zimmer, um Ostwind zu trainieren. Da sie dabei selbst kaum Erfahrungen mitbringt, benötigt sie die Hilfe von Stallbursche Sam und dessen Großvater. Nach und nach entwickelt sich das neue Dreamteam, um letztlich allen zu beweisen, wie eng das Band zwischen Mensch und Tier sein kann und dass der Glaube an etwas Berge versetzen kann.

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Franz Kafka – Der Verschollene

Benjamin Jendro

3.Juli
2013

Der Verschollene130 Jahre ist es nun her, seit mit Franz Kafka einer der größten Literaten aller Zeiten das Licht der Erde erblickte. Wenngleich sein Werk vor Lücken strotzt, nur selten abgeschlossen vorliegt, zählen wir ihn doch zur Pflichtlektüre während der schulischen Ausbildung. Schüler der unterschiedlichsten Klassenstufen stoßen auf Probleme, wenn es darum geht, die einzelnen literarischen Zeugnisse zu interpretieren. Lektoren zeigen sich dabei nicht weniger machtlos. Es ist aber gerade dieses Unvollendete, was Kafkas Werk ein gewisse Komplexität und Einzigartigkeit verleiht. „Der Verschollene“ ist so ein abgebrochenes Fragment, das vor Fülle nur so strotz und das, obwohl der Autor es selbst nie beendet hat, doch so viel Eindruck auf den Rezipienten ausstrahlt.

Die Geschichte eines Ausgestoßenen

Kafkas guter Freund Max Brod sorgte mit der Veröffentlichung von „Der Verschollene“ überhaupt erst dafür, dass die Nachwelt das Werk zu Gesicht bekam. Wenngleich er es zunächst als „Amerika“ verlegen ließ und sich erst im Nachhinein in einem Brief Kafkas der wahre Titel emporhob, hat er den Menschen des 20. Und 21. Jahrhundert damit ein literarisches Glanzlicht ermöglicht. Erzählt wird die Geschichte vom Teenager Karl Rossmann, der nach einer Affäre mit einem Dienstmädchen von seinen Eltern nach Amerika verbannt wird. Dort findet der Protagonist nichts mehr von dem wieder, was er in seinem bisherigen Leben in Prag erlebt hat. Auch, wenn die neue Heimat ihm zunächst alle Türen öffnet, wirkt Karl von Beginn an überfordert. Der stufenweise soziale Abstieg scheint deutlich vorprogrammiert.

Die typischen Elemente Kafkas

Was uns Kafka bzw. die Hörbucherzähler Rainer Bock, Bibiana Beglau und Jörg Pohl in den zwei Stunden vorstellen, ist mit Blick auf den Gesamtkorpus keinesfalls außergewöhnlich. Karl trifft in Amerika auf Protagonisten aller sozialen Schichten, die nach und nach seinen Abstieg begleiten. Sowohl das Ausgeschlossensein als auch die vielen Gerichtsszenen, die einem im Verlauf der Erzählung begegnen, stehen systematisch für den inneren Zusammenhalt aller Schriften Kafkas. Dass er bei „Der Verschollene“ mehr als bei allen anderen ausführlich recherchiert hat, zeigt sich bei der szenischen Korrektheit, die trotz einer nie stattfindenden Reise nach Amerika, sehr detailliert eingebettet ist.

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