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Gillian Flynn – Gone Girl

Benjamin Jendro

27.August
2013

Gone GirlWahrlich harter Tobak, der da aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten letzte Woche zu uns herübergeweht kam. Im vergangenen Jahr konnte man bereits vorab gut beobachten , welche Wellen ein Schriftstück schlagen kann. „Gone Girl“ von Gillian Flynn wurde nicht nur in den Staaten heiß diskutiert. Eigentlich debattierte man in jedem Land, wo das Werk bis dato veröffentlicht wurde, über das Konzept und die enthaltenen Charaktere. So viel sei gesagt, „Das perfekte Opfer“ (so lautet der Untertitel) ist in jedem Fall nur etwas für Hartgesonnene, die sich auch nicht vom kulturellen Erlebnis abhalten lassen, wenn es mal etwas derber zugeht.

Ein Ehemann ohne Ehefrau

Die Ehe ist ein Bund fürs Leben. Auch wenn dieser Grundsatz in großen Teilen der Erdbevölkerung scheinbar keinerlei Bedeutung mehr genießt, ist das Ideal jedem geläufig. Nick Dunne und seine Frau Amy würden eigentlich ihren fünften Hochzeitstag feiern und auch, wenn die Ehe ganz schön beschädigt ist, hätte Nick seine Gattin gerne an seiner Seite. Amy aber ist spurlos verschwunden. Niemand weiß, wo sie ist und wie es ihr geht. Ein Gewaltverbrechen lässt sich pauschal nicht ausschließen und erster Angriffspunkt für die Ermittler ist Nick selbst. Freunde des Paares berichten, dass die Verschwundene Angst vor ihrem Mann hatte, eigenartige Mails schüren den Verdacht. Was aber ist genau mit Amy passiert?

Eine Wendung, die überrascht

Bei Krimis sollte man immer vorsichtig sein, einzelne Details zu ausführlich darzulegen. Das nimmt die Spannung. So viel aber sei gesagt. „Gone Girl“ zeigt uns, unter welchen Umständen eine Ehe scheitern kann. Das beginnt schon bei der Ausgangssituation, die beide Protagonisten als vollkommen verschieden (Wesen und Herkunft) ins Rennen wirft. Sie leben sich auseinander, obwohl sie eigentlich nie so recht zusammen waren. Wer meint, dass die Lösung banal ist und Nick seine Gattin so einfach aus dem Leben gerissen und anschließend irgendwo verscharrt hat, läuft total in die Irre. Die gelernte Journalistin Flynn überrascht nämlich bis zum Ende immer wieder neu, um abschließend dem Ganzen die Krone aufzusetzen. Wem im Übrigen die vielen Schimpfwörter und Beleidigungen aufs Gemüt schlagen, der sollte dankbar sein, dass die englischsprachige Originalfassung in der deutschen Übertragung ordentlich gemildert wurde.

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Charlotte Roche – Feuchtgebiete

Benjamin Jendro

20.August
2013

FeuchtgebieteMan kann Literatur definitiv subjektiv bewerten. Bei Sachen, die der Unterhaltung dienen, ist es ohnehin nicht möglich, sie objektiv zu bewerten. Hinsichtlich Charlotte Roches SkandalromanFeuchtgebiete“ ist die Positionierung des Für und Wider aber schon eine recht polarisierte. Das Werk, in dem es in beinahe jedem Moment um das Ausscheiden von Körperflüssigkeiten bzw. Füllen einzelner Hohlräume geht, ist definitiv nichts für zarte Seelen. Auch die Hartgesonnenen sollten da all ihre Nerven beisammen haben. Sonst erschaudert nämlich auch das Gemüt des härtesten Lesers. So stark der Tobak ist, den man vorgesetzt bekommt, so stark ist auch die gesellschaftliche Spaltung hinsichtlich der Einschätzung ihres Debütromans. Viele haben das Werk kritisiert, es als unnützes Schriftstück deklariert. Allein die Tatsache, dass es zum internationalen Bestseller des Jahres 2008 reifte, zeigt aber auch, wie viele einen Blick hineinwarfen.

Eine junge Dame, die gerne etwas ausprobiert

Zu beneiden ist die 18-jährige Helen Memel nicht. Ihre Eltern sind geschieden und von Beginn an wirkt die Protagonistin ein wenig orientierungslos. Genau jene fehlende Einordnung der eigenen Person aber ist auch der Grund für das Unterhaltsame, was folglich erzählt wird. Helen interessiert sich sehr für ihren Körper und wagt reihenweise sexuelle Experimente. Dass dies für den Otto-Normal-Verbraucher phasenweise pervers und obszön ist, war der Autorin, die im Hörbuch auch als Sprecherin fungiert, von Beginn an klar. Bewusst war ihr aber auch, dass sie mit ihren Gedanken keinesfalls unbeflecktes Terrain betreten hat. Helen probiert gerne und experimentiert mit Gemüse und anderen Gegenständen. Ihre eigene Körperhygiene bleibt da manchmal auf der Strecke.

Nicht alles auf die Waagschale legen

Ob Roche sich vorab klar war, welche Diskussionen um ihr Werk entstehen? Ich denke nicht. Natürlich sollte ihr klar gewesen sein, dass man Derartiges noch nicht in literarischer Form präsentiert bekommen hat. Sie vertritt aber eben auch die Überzeugung, dass einzelne Wagnisse Helens nicht untypisch für heranwachsende Frauen sind. Warum sollte man also nicht darüber sprechen? Dass der Erfolg ihr Recht gibt, scheint angesichts der gigantischen Verkaufszahlen nicht widerlegbar. Ab dieser Woche gibt es den Inhalt ja nun auch auf der Kinoleinwand zu sehen. Auch das ist nicht gerade ein Indiz dafür, dass Roche mit ihrem Werk etwas vollkommen Absurdes produziert hat.

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Hjorth & RosenfeldtDass die einzelnen Autoren in Schweden durchaus dazu in der Lage sind, relativ interessante Thriller und Kriminalromane zu schreiben, wurde in der Vergangenheit des Öfteren eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Im Land der Elche und einer nicht ganz unbekannten Möbelhauskette kommt der erfreute Leser zuerst in den Genuss von Schriftstellern wie Henning Mankell oder Stieg Larsson. Neuerdings gibt es mit Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt noch zwei weitere Autoren, die eine besondere Wertschätzung verdienen. Ihr dritter Roman „Die Toten, die niemand vermisst“ konnte ebenso wie die vorhergegangenen ordentlich einschlagen. Die Brisanz ihrer Fälle bietet aber auch ohne Frage gute Unterhaltung.

Grausiger Fund in den schwedischen Bergen

Wer schon einmal in Skandinavien Urlaub gemacht und diesen nicht unbedingt in einer Großstadt verbracht hat, weiß um die vielen ruhigen Landschaftszüge, die vor allem zum Abschalten einladen. Radtouren und Wanderungen lassen sich im Norden Europas perfekt absolvieren. Da kann es auch mal passieren, dass einem über Stunden hinweg kein Hinweis auf Zivilisation entgegenströmt. Genau danach suchen zwei Wanderinnen zu Beginn des Werkes. In den nordschwedischen Jämtland-Bergen haben sie genau das gefunden, wonach sie sich sehnten. Nachdem eine von ihnen aber versehentlich stürzt, überschlagen sich die Ereignisse. Zwar geht es ihr gut, an ihr lassen sich kaum körperliche Wunden ausmachen. Dafür aber ragen Handknochen aus der Erde. Die Beiden sind auf ein Massengrab gestoßen.

Arbeit für Höglund, Bergman und Co.

Das bewährte Team um Kommissar Höglund und Kriminalpsychologe Sebastian Bergman wird zum Fundort beordert. Nachdem das Grab ausgehoben ist, weiß man auch genau, womit man es zu tun hat. Unter der Erde liegen insgesamt sechs Leichen oder besser gesagt das, was noch von ihnen übrig ist. Die Suche nach dem, was mit den vier Erwachsenen und zwei Kindern passiert ist, beschäftigt das Team und den Zuhörer, der das Geschehen von Douglas Welbat vorgetragen bekommt. Parallel dazu wird die Geschichte einer aus Afghanistan stammenden Asylantenfamilie erzählt. Zwei Männer aus der Familie sind vor einigen Jahren spurlos verschwunden. Selbstverständlich denkt der geschulte Krimifan schnell an einen Zusammenhang. Es kommt allerdings noch sonderbarer als man es sich eingangs ausmalen kann.

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Suzanne Collins – Die Tribute von Panem

Benjamin Jendro

6.August
2013

Collins - Die Tribute von PanemWenn man sich derzeit in ein Lichtspielhaus begibt, trifft man in den häufigsten Fällen auf den Trailer zum zweiten Teil von „Die Tribute von Panem“. Dieser kommt ganz schön groß daher und scheint nahtlos an den Erfolg der ersten Verfilmung anzuschließen. Das Fantasy-Horror-Szenario von Suzanne Collins zeigt eine erschreckende aber zugleich auch unterhaltsame Welt, die trotz ihrer perfiden Grundidee so real wirkt. Neben dem Gang ins Kino empfiehlt sich auch das Lesen der literarischen Werke. Wenngleich die darstellende Produktion nahe angelehnt ist, besitzen die Werke von Collins doch eine eigenständige Aussagekraft. Diese kommt auch in der Hörbuchversion, die nun in der Gesamtausgabe vorliegt, zur Geltung.

Mögen die Spiele beginnen

Oberflächlich gesehen mögen die Vorgänge in Panem an den Gedanken der Olympischen Spiele erinnern. Das genaue Hinsehen aber verwirft diese Grundannahme sofort. Zentrale Protagonistin der einzelnen drei Bände ist Katniss, eine junge Kämpferin mit großem Herz. Im ersten Teil meldet sie sich mehr oder weniger freiwillig für die moderne Version des antiken Gladiatorenkampfes. Das Spiel um Leben und Tod präsentiert sich als ein Kampf mit vielen Intrigen, reichlich Betrug, aber auch Freundschaften. Wer den ersten Teil hinter sich hat, der kann sich von den Begebenheiten des zweiten eigentlich kaum noch schocken lassen.

Liebe und große Gefahr

Nachdem Katniss und Kontrahent Peeta im ersten Band große Zuneigung zueinander entwickelten, werden sie in Panem noch immer euphorisch gefeiert. Das Problem ist der Erfolg, wird Katniss doch zum Symbol des Widerstands erklärt. Der Verwaltung, dem Kapitol, passt das natürlich gar nicht. Katniss muss Gale und ihre Familie vor neuen Gefahren schützen und auch die Liebe zu Peeta wird auf eine harte Probe gestellt. Im großen Finale kommt es zum endgültigen und alles entscheidenden Kampf von Katniss gegen das Kapitol. Vieles erscheint zum Ende in einem ganz anderen Licht. Der Zuhörer wird im Verlauf der Trilogie ebenso wie die Protagonisten selbst einen Wandel erleben, der alles Vorhergegangene in Frage stellt.

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