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Asterix – Der Gallier

Benjamin Jendro

29.Oktober
2013

Asterix - Der GallierIn der vergangenen Woche kamen die Comicfans des Landes nach langen Wartejahren endlich wieder in den Genuss eines ihrer Lieblingshelden. Ein kleiner Mann mit blondem Haar und teilweise übernatürlichen Kräften begeistert seine Leser, Zuschauer und Zuhörer bereits seit dem Jahr 1959. Nun im Jahr 2013 folgt der 34 Nachkömmling des primären Werkes und zugleich der erste Comic, bei dem Künstler Albert Uderzo nicht seine großen Fähigkeiten mit im Spiel hatte. Gemeinsam mit Schreiber René Goscinny hat er jahrelang den Grundstein dafür gelegt, dass auch „Asterix bei den Pikten“ enorm schnell seine Verbreitung fand. Grund genug, doch noch einmal auf den ersten Band „Asterix – Der Gallier“ zurückzublicken.

Ein Dorf, dessen Widerstand gebrochen werden muss

50 Jahre vor unserer christlichen Zeitrechnung haben sich die Römer im Werk bereits ordentlich ausbreiten können. Damit halten sich die Macher schon recht nah an die realen historischen Verhältnisse. Ein Dorf jedoch scheint noch immer enormen Widerstand zu leisten. Grund dafür ist ein Druide, der mit einem magischen Zaubertrank gewöhnliche Gallier zu unüberwindbaren Kampfmaschinen werden lässt. Irgendwann sind die Römer hinter dieses Geheimnis gekommen und da ihnen eben jener Miraculix im Wald in die Falle geht, scheinen sie dem großen Ziel näher zu kommen. Unter Folter verlangen sie von ihm, ihnen das mächtige Gebräu aufzutischen. Doch der Druide ist derart gewitzt, dass er ihnen ein ganz anderes Süppchen kocht.

Asterix eilt zur Hilfe

Eine der weiteren Hauptfiguren, Obelix, der bekanntermaßen als kleines Kind in den Kessel gefallen ist und deshalb ohnehin über gigantische Kräfte verfügt, spielt im ersten Band keine allzu große Rolle. Dafür aber Asterix, der bei der Suche nach Miraculix selbst in römische Hände gelangt. Gemeinsam mit dem Druiden mischt er den Römern einen Zaubertrank, der ihre Haare ungebremst wachsen lässt. Statt dem großen Cäsar dann die gefangenen Gallier zu präsentieren, trifft der legendäre Kaiser auf eine Kolonie bärtiger Soldaten und schenkt uns so einen lustigen Auftakt einer Comic-, Film- und Hörbuchreihe, die einfach jeder mal erlebt haben sollte.

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Ferdinand von Schirach – Tabu

Benjamin Jendro

22.Oktober
2013

von Schirach - TabuDie Ethik ist ein Bereich der Philosophie, in der die Frage diskutiert wird, was der Mensch tun soll und was besser nicht. Sie ist eng mit der Moralphilosophie verknüpft und beschäftigte bereits die klugen Köpfe der Antike. So gut wir uns in den bisherigen Jahrtausenden Menschheitsgeschichte doch entwickelt haben, noch immer sind viele Fragen dieser Kategorie unbeantwortet. Rein rechtlich gesehen haben wir in unserem Land gewisse Vorgaben, was wir dürfen und was nicht. Gesellschaftlich-sozial aber verschiebt sich dieser allgemein gültige Tonus. „Tabu“ des brillanten Juristen und begnadeten Schriftstellers Ferdinand von Schirach beschäftigt sich damit und schafft so eine äußerst unterhaltsame Lektüre.

Ein farbenfrohes Werk

Das fast 4 Stunden lange Hörbuch, das von Matthias Brandt gelesen wird, behandelt das Schicksal des Fotografen Sebastian von Eschburg. Diesen lernt man am Anfang als einen recht sonderbaren Jungen kennen, der grundsätzlich in Farben denkt und wahrlich ungewöhnlich daherkommt. Seine Einführung erlebt mit dem Suizid des Vaters einen tragischen Höhepunkt. Danach geht es eigentlich nur noch darum, wie er das Geschehene verarbeitet und fortan in der Welt klarkommt. Das gelingt ihm bisweilen recht ordentlich. Er avanciert zu angesehenen Fotografen, wenngleich er dabei einige Eigenarten mit sich bringt und gerade in Sachen Sexualität schwer einzuordnen ist. Wie aus dem Nichts wird von Eschburg zum Angeklagten in einem Mordprozess, in dem mit Strafverteidiger Biegler auch ein für von Schirach typische Advokat ins Werk eingebunden wird.

Ein Geständnis und die Suche nach der Leiche

Ungefähr zu Mitte der Geschichte gesteht der Tatverdächtige den Mord an einer Frau, die vorher aus seinem Kofferraum die Polizei anrief und auf ihn als Täter hinwies. Wie die Tat abgelaufen ist, wird nicht erklärt. Zusätzlich fehlt auch eine Leiche. Nichtsdestotrotz aber wird Anklage erhoben, auch weil man aus dem schweigsamen von Eschburg auf mehr oder weniger legale Art und Weise ein Geständnis herausbekam. Mit Biegler, den der Angeklagte anforderte, möchte von Eschburg auch nicht wirklich reden. Stückchenweise wirft er ihm neue Hinweise vor die Füße, mit denen sich der Fall lösen lässt. Dass dabei die eine oder andere Überraschung auf ihn und den Zuhörer wartet, gehört zum festen Programm. Eine Frage bleibt dabei zu jedem Zeitpunkt zentral. Was ist Wahrheit und wann ist der Punkt erreicht, an dem wir etwas als wahr bezeichnen, was gar nicht da ist? Neben diesem Aspekt schwingt spätestens am Werkende auch das Problem der Folter mit. Was ist erlaubt und was nicht, unter welchen Umständen würde selbst der Rechtsschaffende das Gesetz übertreten?

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Alice Munro – Zu viel Glück

Benjamin Jendro

15.Oktober
2013

Munro - Zu viel GlückExakt zwanzig Jahre mussten vergehen, um den Literaturnobelpreis mal wieder nach Nordamerika zu holen. In den letzten Jahren wurde der Unmut vieler Nordamerikaner über eine scheinbar strukturelle Nichtbeachtung immer lauter. Seit Toni Morrison die bedeutendste literarische Auszeichnung 1993 überreicht bekam, war es das vorübergehend mit nordamerikanischen Literaturnobelpreisträgern. Das scheint durchaus sonderbar, wenn man an Namen wie Don DeLillo oder Philip Roth denkt. Diese gingen auch in diesem Jahr leer aus, dafür aber entschied sich die Schwedische Akademie für die 82-jährige Alice Munro, die als dreizehnte Frau und erste Kanadierin in die Geschichtsannalen des Nobelpreis für Literatur eingeht. „Zu viel Glück“ ist eines der herausragenden Zeugnisse ihres literarischen Wertes.

Eine Meisterin der Short Stories

Literaturfans würden Alice Munro vermutlich in einer Linie mit Ernest Hemingway betrachten. Auch der Gewinner des Jahres 1954 schrieb sehr bedeutende Kurzgeschichten und benötigte nicht wirklich viele Seiten, um den Leser nachhaltig zu berühren. Munro schrieb in ihrer Karriere, die erst im Alter von fast 40 losging, nur einen einzigen Roman. Dementgegen stehen 13 Bände mit wundervollen Kurzerzählungen, die das Leben und die Menschen in ihrer Heimat, der kanadischen Provinz, problematisieren. Dafür benötigt sie im Regelfall nicht mehr als dreißig Seiten. Trotzdem aber findet sich in diesen eine derartige Fülle verborgen, die es oftmals in keinem 800-Seiten-Roman zu entdecken gibt. Munro bewundert all jene Schriftsteller, die dazu in der Lage sind, einen dicken Roman zu publizieren. Eigentlich jeder Schriftsteller Alice Munro für ihre kurzen, aber so ins Schwarze treffenden Geschichten.

So Banales, so Alltägliches

Es ist in der Tat gar nicht so leicht, das Besondere in ihren Stories zu bestimmen. Oftmals handelt es sich um banale Erzählungen, die Alltägliches thematisieren und Charaktere beinhalten, die so normal sind wie die Leser. Zugegeben, insbesondere ihre letzten Werken, zu denen auch das von Christian Brückner gelesene Hörbuch gehört, wirken etwas drastischer als frühere. Sexualität drängt sich ebenso in den Vordergrund wie der Hang zur Gewalt. Nichtsdestotrotz aber bleibt Munro ihrem bewährten Stil treu und erfindet immer wieder neue Charaktere, die wir bewundern, beneiden und bemitleiden können. Was denkt man über eine Frau, die aus gutem Willen ihren Mann in der Psychiatrie besucht, nachdem dieser die eigenen Kinder ermordet hat? Es sind genau diese Schicksale, die Munros Werk so beeindruckend machen und ihr verdientermaßen den Literaturnobelpreis einbrachten.

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Jojo Moyes – Eine Handvoll Worte

Benjamin Jendro

8.Oktober
2013

Moyes - Eine Handvoll WorteSeien wir doch mal ehrlich, an Jojo Moyes kommt derzeit einfach kein Literaturfan vorbei! Ihre herzzerreißende Liebesgeschichte um das Schicksal von Lou und Will avancierte nicht umsonst zum internationalen Bestseller. Selbst jene, für die Liebesromane auf der Lese- bzw. Hörliste nicht ganz oben anzusiedeln sind, mussten anerkennen, dass die Britin es durchaus versteht, zu berühren. Das gelingt ihr im neuen Roman „Eine Handvoll Worte“ genau genommen sogar noch besser. Zu begründen ist das zum einen damit, dass die Geschichte eigenständig ist und nicht an ähnliche Werke wie „Ziemlich beste Freunde“ erinnert. Zum anderen aber ist der hohe Unterhaltungseffekt vor allem damit zu begründen, dass Moyes Zeiten miteinander verschwimmen lässt.

Eine Frau der Moderne findet eine Liebesgeschichte in der Vergangenheit

Journalistin Ellie ist auf der Suche nach einer neuen Story und trifft bei ihrer Recherche in einem Zeitungsarchiv mitten ins Schwarze. Bei ihrer Entdeckung handelt es sich um einen Liebesbrief aus den Sechzigern. In diesem bittet ein Unbekannter eine Frau, ihren Mann zu verlassen. In einer Zeit weit vor sexuellen Befreiung und den Studentenbewegungen wäre das ein wahrhaftig mutiger Schritt, schließlich hatten die Frauen da noch größtenteils das zu respektieren, was ihre Männer sagten und taten. Die angesprochene Jennifer Stirling aber scheint gar nicht einmal abgeneigt.

Die Suche nach dem Sinn des Lebens

In der Tat will sie ihren Ehemann Laurence verlassen und mit dem Mann, den sie wirklich liebt, durchbrennen. Doch, ehe es dazu kommt, passiert ein Unfall, der die Ausgangsituation verändert. Jennifer muss sich neu finden und wird mit brisanten Fragen, die auch heute noch aktuell sind, konfrontiert. Da Moyes die zwei Zeiten miteinander verbindet, wird das siebenstündige von Luise Helm gelesene Abenteuer für uns teilweise direkt in unsere Zeit transferiert. Dabei geht es um verpasste Chancen und falsche Entscheidungen, die in den seltensten Fällen irgendwann einmal rückgängig gemacht werden können.

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Jussi Adler-Olsen – Erwartung

Benjamin Jendro

1.Oktober
2013

Adler-Olsen - ErwartungAuthentisch sind Werke immer, wenn sie Inhalte besitzen, die dem Autor bzw. der Autorin während des Lebens schon einmal begegnet sind. Es wäre sicherlich eine Farce anzunehmen, dass der dänische Bestsellerschriftsteller Jussi Adler-Olsen ein Krimiabenteuer der Klasse seiner Romane bereits einmal durchlebt hat. Nichtsdestotrotz aber weiß er ganz genau, worüber er schreibt. Der Sohn eines Psychiaters hat die menschlichen Abgründe quasi am Essenstisch serviert bekommen. Dass sein bewährter Ermittler Carl Mørck vom Sonderdezernat Q auch im neuen Fall „Erwartung“ einen Fall im Herzen von Adler-Olsens Heimatstadt Kopenhagen aufzuklären hat, versetzt dem Werk eine weitere Note auf dem Weg zum Echtheitszertifikat.

Kleinkriminalität im Untergrund der Hauptstadt

Wie auch schon bei den vorangegangenen Kriminalromanen um den Protagonisten Mørck beschreibt uns Adler-Olsen die Szenerie auch in diesem Hörbuch in verblüffender Authentizität. Wer dem mehr als zehnstündigen Abenteuer, das von Wolfram von Koch gesprochen werden, folgt, wird die beschriebenen Gassen aus dem eigenen Dänemarkurlaub wiederkennen. In diesen lebt der Kleinkriminelle Marco, der sich mit seinen 15 Lenzen durch Diebstahl und Betrug so gerade über Wasser hält. Er gehört einem Clan an, in dem Boss Zola seine Handlanger wie Sklaven hält und folgerichtig ausbeutet. Marco hat irgendwann keine Lust mehr darauf und plant, sich fortan auf eigene Faust durchs Leben zu schlagen. Zola passt das überhaupt nicht in den Kram.

Eine Leiche, ein Umdenken und Arbeit für das Team

Bei der Flucht in einen Wald stößt Marco auf eine Leiche. Hier tritt auch das Sonderdezernat Q mit dem bereits bekannten Ermittlerteam sowie Gordon, einem neuen Mitarbeiter, auf den Plan. Bei der Spurensuche treffen sie auf einen Sumpf mit politsicher Brisanz. Spendengelder, die eigentlich für Bedürftige in Afrika gedacht sind, wurden veruntreut. Musste dafür nun jemand ins Gras beißen? Eine Frage, an der Mørck und Co. zu knabbern haben. Interessanterweise scheint der Fall auch bei Marco ein Umdenken auszulösen, setzt er doch ebenfalls alles daran, Licht in den Fall zu bringen. Zola hingegen ist ihm eng auf den Fersen, stellt den Abtrünnigen und die Ermittlungen immer wieder vor neue Probleme.

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