...entführen dich in eine andere Welt

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Raymond Khoury – Dogma

Benjamin Jendro

28.Januar
2014

Khoury - DogmaIch bin der Meinung, man sollte nicht den Fehler begehen und ein Werk im Bücherregal verstauen, wenn man es einmal komplett durchgeblättert hat, und es dort dann für immer in Vergessenheit geraten zu lassen. Nein, an die wirklich guten literarischen Erzeugnisse sollte man sich in Stunden der freien Zeit schon noch einmal zurückerinnern. Mir wiederfuhr das erst kürzlich, als ich bei der Auswahl eines neuen Hörbuchs auf Dogma“ von Raymond Khoury stieß. In Papierform konnte mich dies überzeugen und da Sprecher Simon Jäger zu den Aushängeschildern seines Fachs zählt, war auch der Kauf der Hörbuchvariante keine allzu lang überlegte Entscheidung.

Reilly und Chaykin Part Two

Etwa acht Stunden dauert das Geschehen, ungefähr so lang dürfte ich auch für die rund 600 Seiten gebraucht haben. Es handelt sich um das zweite Abenteuer von FBI-Agent Sean Reilly und Archäologin Tess Chaykin. Die Beiden hat man im ersten Band der Tempelritter-Reihe bereits kennengelernt. In „Dogma“ muss Sean ein altes Dokument aus dem Vatikan entwenden, um Tess aus den Fängen von Terroristen zu befreien. Wie auch im ersten Band entwickelt Khoury ein optimales Wechselspiel aus brisanter Action und historischer Hochwertigkeit, da er den Zuhörer immer mal wieder ins 13. bzw. 14. Jahrhundert entführt.

Khoury überzeugt einmal mehr

Ganz ehrlich muss ich zugeben, dass ich Khoury bei „Scriptum“ noch nicht ganz so viel Wertschätzung entgegenbringen konnte. Historische Romane wirken heutzutage auf mich immer ein wenig befremdend. Gerade diese Zeitensprünge aber machen seine Geschichten insgesamt so hochwertig. Während bei anderen Thrillern dieser Art häufig auf historische Gegebenheiten via Erzählungen verwiesen wird, kann man sie hier direkt nacherleben. Darin besteht der große Vorteil, denn sie machen das ganze Szenario, das sich in der Moderne abspielt, interessanter. Hinzu kommt, dass man beim Zuhören selbst zu rätseln beginnt und so vorab darüber spekulieren kann, auf was die Protagonisten in den nächsten Minuten treffen werden. Tess und Sean führt die Reise ins heutige Istanbul, wo ein Archiv mit begehrten Schriften der Templer erwartet wird. Wie es so ist, hat der Trip aber nichts mit Urlaub zu tun, schließlich sind auch andere Suchende dabei, die geheimen Schriftstücke aufzuspüren.

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Graeme Simsion – Das Rosie-Projekt

Benjamin Jendro

21.Januar
2014

Simsion - Das Rosie ProjektEigentlich ist es heute doch wesentlich einfacher, die große Liebe zu finden als früher. Oder etwa nicht? Na ja, aufgrund der heutigen technischen Möglichkeiten ist es einem zumindest gestattet, Leute aus den verschiedensten Erdteilen kennenzulernen und via Facebook, Skype und Co. mit diesen zu kommunizieren. Ganz nach dem Motto „Wer die Wahl hat, hat die Qual“ scheint das die Suche nach dem perfekten Partner aber nicht gerade zu vereinfachen. Auch im Jahr 2014 suchen viele Töpfe noch nach dem passenden Deckel. Don Tillman macht dies in „Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion auf amüsante Art und Weise.

Das Rosie-Projekt – Ehefrau gesucht

Don Tillman ist in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes Exemplar der Spezies Mann. Zumindest die Suche nach der richtigen Frau aber charakterisiert ihn als ganz gewöhnlichen Typen, der mit seinem Problem wahrlich kein Sonderfall ist. Interessant ist die Methode, wie er das verändern will. Don Tillman möchte in „Das Rosie-Projekt“ gerne eine Gattin finden, die weder trinkt noch raucht. Eine, die pünktlich ist und sich nicht nur von Salat ernährt. Durch einen Fragebogen, der mal eben 16 Blätter umfasst, sucht er auf wissenschaftlicher Basis seine Traumfrau, die dann logischerweise optimal zu ihm passen sollte. Plötzlich taucht Rosie in das Geschehen – eine Frau, die so gar nicht ins Idealbild passt.

Lässt Rosie das Projekt scheitern?

Die Barkeeperin Rosie ist ernsthaft nicht das, was Don Tillman gesucht hat. Sie hat mit Alkohol zu tun, raucht gerne und ist öfter mal ein bisschen zu spät. Dennoch geht von ihr eine Anziehungskraft aus, welcher sich der Suchende nicht zu entwinden vermag. Alles lässt sich eben nicht mit Wissenschaft beweisen, die Liebe ist einer dieser Bereiche. Don Tillman, dem Robert Stadlober im 7-stündigen Hörbuch die Stimme leiht, erkennt das zunehmend. So wird er Teil einer sehr warmherzig inszenierten Geschichte, die wortgewandt und mit einer bahnbrechenden Wandlung daherkommt.

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Stolze -  Sehr geehrtes FacebookAls Vertreter der Generation Technik oute ich mich als absoluter Fan meiner Zeit. Mal ganz im Ernst, wir haben heute Errungenschaften, dank denen wir ohne große Hinzutun vollkommen unbeschwert durch den Tag kommen. Jeden Tag aufs Neues muss ich darüber schmunzeln, wie sich Menschen darüber aufregen, dass man erst fünf Minuten später am abgemachten Treffpunkt erscheint, ohne vorher mal per Whatsapp Bescheid gesagt zu haben. Wie war das denn vor fünf Jahrzehnten oder gar ein paar Jahrhunderten? Haben sich die Menschen da etwa in die Haare bekommen, wenn sie mal fünf Minuten später angekommen sind, Bescheid geben konnte man ja schwer. Es ist so ein Phänomen unserer Zeit, dass wir die Technik heutzutage als vollkommen selbstverständlich ansehen. Dabei vergessen wir die Generation, die nicht mit Macbook, Smart-Watches und Facebook aufgewachsen ist. Hans-Hermann Stolze widmet ihr und den Problemen im 21. Jahrhundert in „Sehr geehrtes Facebook!“ 150 Minuten Hörbuchgenuss.

Sehr geehrtes Facebook! – Er möchte Mitglied werden

Mark Zuckerberg ist heute jedem Teenager, Mitzwanziger und selbst den Mitdreißigern ein Name. Er hat eine Plattform ins Leben gerufen, über die heute mehr Kommunikation abläuft als beim Face-to-Face-Kontakt. Menschen in Kriegsgebieten haben keine Schulen oder saubere Kleidung, einen Fcebook-Account schon. Das will nun auch Hans-Hermann Stolze, obwohl er sich nicht sicher sein, ob er dafür Internet benötigt. Es gibt auch noch andere Sachen, die ihn beschäftigen. Seine Enkel wünschen sich ein Ding namens Smart-Fön. Dafür muss man wohl auch ins Internet, aber lässt sich seine alte Olympia Typ 50e überhaupt mit einer @-Taste nachrüsten?

Viele Fragen, auf die er mehr oder weniger Antworten erhält

Es sind viele Fragen, die einen 87-Jährigen Rentner heute beschäftigen können. Die Zeit scheint sich immer schneller zu drehen. Auf der Strecke bleiben dabei zumeist die Älteren, die eben in einer anderen Zeit aufgewachsen sind und an denen die Technik bisher weitgehend vorbeigegangen ist. Um auf die vielen Fragen Antworten zu bekommen, tippt Stolze auf seiner Schreibmaschine ein Schreiben nach dem anderen und schickt sie an die verschiedensten Kundenservicestellen. Interessanterweise bekommt er von nahezu allen ehrlich gemeinte Antworten, obwohl er auch diese nur schwer verstehen kann. „Sehr geehrtes Facebook!“ ist eine 150-minütige Hommage, die herzzerreißend und bewegend Eindruck hinterlässt.

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Sebastian Fitzek – Noah

Benjamin Jendro

7.Januar
2014

Fitzek - NoahInnerhalb dieses Blogs war Sebastian Fitzek schon des Öfteren thematischer Gegenstand unserer Betrachtung. So soll es auch heute sein. Mit Noah wählt der Berliner Thrillerautor eine biblische Figur zu seinem Werktitel. Im Plot hingegen wird es aber so gar nicht biblisch. Vielmehr sucht ein Mann nach seiner eigenen Identität. Obwohl die Geschichte rein oberflächlich betrachtet nicht so ganz ins bisherige Repertoire von Fitzek zu passen scheint, muss doch auch der literarische Laie erkennen, welches Psychospiel uns da vorgelegt wird. Es ist zwar keine psychopathischer Killer unterwegs, dafür aber wird die Psyche des Hauptprotagonisten und aller Zuhörer mehr als nur auf die Probe gestellt.

Noah sucht nach sich selbst

432 Minuten lang ist das von Simon Jäger brillant gesprochene Hörbuch. Es ist mehr eine Art Verschwörungsthriller als die typische Szenerie, die Fitzek sonst aufbietet. Bevor wir aber das ganze Ausmaß des Erzählten durchblicken, begleiten wir erst einmal einen Obdachlosen, der nichts über seine Vergangenheit weiß. Man nennt ihn „Noah“, weil eine Tätowierung an seiner Handfläche eben jenen Schriftzug trägt. Auf der Suche nach seiner eigenen Historie durchstreift „Noah“ die Straßen der Hauptstadt, von denen der Autor standesgemäß jede Gasse aus dem Effeff beschreiben kann. Puzzleartig setzt sich dabei eine Story zusammen, deren Folgen nicht nur für „Noah“ selbst immense Auswirkungen tragen.

Noah – Ein weiterer Bestseller

Natürlich ist Fitzeks neuer Thriller in Windeseile vielfach verkauft worden. Der Mann weiß einfach, wie er Leute begeistern und unterhalten kann. In den kommenden Monaten wird er mit dem neuen Stück auch durch das Land touren, zig Tausende werden seinen Vorlesungen beiwohnen. Sicherlich bedient sich der Schriftsteller an bekannten Elementen – ein Mann, der sein Gedächtnis verloren hat, ist wahrlich nicht zum ersten Mal Ausgangspunkt eines spannenden Werkes. Fitzek aber schafft es mit „Noah“ einmal mehr zum Marionettenspieler, der ganz bewusst und äußerst beliebig mit den Nerven all seiner Leser und Zuhörer spielt.

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