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Thilo Sarrazin – Der neue Tugendterror

Benjamin Jendro

25.Februar
2014

SarSarrazin - Der neue TugendterrorEhrlich gesagt ist es in doch ein wenig langweilig zugegangen in den letzten Jahren. Zwar meint jeder Bürger unseres Rechtsstaates, innerhalb des Freundeskreises oder auch der eigenen vier Wände über unsere politische Führung fluchen zu müssen. Irgendwie sind die meisten Menschen aber doch genau damit zufrieden wie es ist. Mal ganz nebenbei, die führenden Politiker scheinen trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit oftmals einer Meinung zu sein. Kuschelkurs auf oberster Ebene und Kuschelkurs auch an anderen Stellen. Von Konkurrenzkampf ist beinahe keine Spur mehr. Ja, wir leben in einer Zeit, in der selbst die Aussagen eines Fußballkickers wie vorher einstudiert wirken. Da ist es doch erfreulich, wenn ein Mann wie Thilo Sarrazin mal wieder diese scheinheilige Einstimmigkeit in Frage stellt und mit seinem neuen Werk „Der neue Tugendterror“ einige Probleme beim Schopfe packt.

Sarrazin benennt Dinge, die keinesfalls aus der Luft gegriffen sind

Man kann seine Thesen zu den aktuellen gesellschaftlichen Brisanzthemen sehen wie man möchte. Wichtig ist es nur, auf subjektive Art und Weise Stellung zu beziehen. Zwar wirken seine Statistiken objektiv und stichhaltig. Sarrazin geht es aber in „Der neue Tugendterror“ in erster Linie darum, dass die Menschen mal wieder einen subjektiven Standpunkt einnehmen. Beispielsweise dafür systematisiert er das Problem der Gleichberechtigung der Geschlechter, politisch oftmals im Bereich Frauenquote problematisiert. Das mag ja ein Fortschritt sein, laut Sarrazins Erkenntnissen aber ist es in unseren Genen gar nicht so angedacht. Wesentlich mehr Männer als Frauen haben einen IQ über 130. Ganz ähnlich wie mit der Körperkraft und dem Hang zur Gewalt ist das nun einmal beim Mann präsenter. Natürlich sei an dieser Stelle auch nicht verschwiegen, dass es zusätzlich wesentlich mehr Männer als Frauen gibt, deren IQ unter 70 liegt. Die Streuspanne ist beim Mann viel weiter, wir sind demnach eben nicht gleich.

Der neue Tugendterror besitzt Parallelen zu 1984

Das mag jetzt jeder bewerten wie er möchte, von der Hand weisen lassen sich statistische Werte selten. „Der neue Tugendterror“ hat noch andere Bestandteile, an denen man sich reiben kann. Vor dem Problem Einwanderung macht Sarrazin diesmal ebenso wenig halt wie vor der Hypersensibilisierung im Umgang mit gleichgeschlechtlichen Liebesbeziehungen. Letztere sind normal, man sollte sie nicht in ihrer Lebensführung einschränken. Begünstigen müsse man sie aber auch nicht, schließlich gäbe es in einer normalen Familie Mutter und Vater. Na ja, belassen wir es mal dabei. Fundierter scheint die Analyse der Einwanderung, die durch Bulgaren und Rumänen keinesfalls schlimmer ist als durch Polen oder Tschechen. Die Sinti und Roma aber sieht er schon als gefährlich, wobei Wirtschaftsflüchtling noch die freundlichste Bezeichnung bleibt. Bemerkenswertes Erzeugnis für einen Literaturkritiker ist das aufgeworfene Diskussionsthema Sprache, in welchem Sarrazin enge Bezüge zu Orwells „1984“ herstellt. Dekadenz der Sprache? Da war doch mal was. Definitiv unterhaltsam, diese 800 Minuten Hörbuch, die von Michael Schwarzmaier gesprochen werden, selbst wenn man nicht alle Meinungen teilen muss.

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Lucinda Riley – Die Mitternachtsrose

Benjamin Jendro

19.Februar
2014

Riley - Die MitternachtsroseEinigen Frauen scheint es in die Wiege gelegt, dass sie Leser ihrer Bücher bzw. Zuhörer der dazugehörigen Hörversion besonders einfühlsam berühren können. Einige von ihnen heben sich noch einmal von diesen außergewöhnlichen Schriftstellerinnen ab. Zu ihnen, den Aushängeschildern bewegender Romane, zählt Lucinda Riley. Schon in den früheren Werken wie „Der Lavendelgarten“ hat sie bewiesen, dass sie nicht nur begnadet über Gefühle und das Thema Liebe schreiben kann, sondern auch bei der Auswahl ihrer Schauplätze großes Talent beweist. All die Orte, in denen ihre Geschichten spielen, sind in malerischer Authentizität dargestellt. Das zeigt sich auch beim aktuellen Werk „Die Mitternachtsrose.

Die Mitternachtsrose – Eine Chance in der Idylle

Rebecca Bradley ist eine junge angesehene Schauspielerin, dennoch bekümmert sie die momentane Lebenssituation. Da kommt ihr das Angebot, einen Film im entfernten Großbritannien zu drehen, nicht gerade ungelegen. Schnell verfällt Rileys Protagonistin dem Charme des alten britischen Herrenhauses Astbury Hall. Doch nicht nur die wunderschöne Szenerie, in der man sich vollkommen fallen lassen kann, beeindruckt die US-Amerikanerin. Wie ein Zwilling gleicht sie dem früheren Antlitz der Großmutter des jetzigen Besitzers. Zur Zeit ihrer Blüte war Lady Violet der Inbegriff weiblicher Schönheit, mit Rebecca kehrt in „Die Mitternachtsrose“ nun die Schönheit zurück nach Astbury Hall.

Die Mitternachtsrose verbindet zwei Geschichten

Doch nicht nur Rebeccas Geschichte wird in „Die Mitternachtsrose“ erzählt. Auch den Inder Ari lernt man in der fast zehnstündigen Hörbuchversion, die Simone Kabst spricht, kennen. Dieser begibt sich ebenfalls auf eine Suche in die Vergangenheit, seine Ur-Großmutter Anahita führt ihn nach Astbury Hall. Letztlich sind beide Erzählungen optimal miteinander verwoben, was Riley mal wieder als begnadete Erzählerin präsentiert. Eine Prise Fiktion wird mit Realem verbunden und erscheint so keinesfalls als Fremdkörper. Leidenschaftlich und mit der gewohnten Liebe fürs Detail schenkt uns Lucinda Riley wieder einen äußerst unterhaltsamen Roman für kalte Nachmittagsstunden.

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Roberto Saviano – Zero Zero Zero

Benjamin Jendro

12.Februar
2014

Saviano - Zero Zero ZeroIn Italien wird Mehl mit der höchsten Reinheitsstufe mit der Bezeichnung 00 (Zero Zero) versehen. Noch ein Stück weiter geht der erfolgreiche Autor Roberto Saviano bei der Klassifizierung für Kokain. „Zero Zero Zero“ thematisiert die Droge und das weltweite Geschäft mit ihr. Saviano bezeichnet sie als Motor für die Globalisierung und stützt diese Aussage mit Einbindung verschiedenster Personen aus unterschiedlichen Ländern und Gesellschaftsschichten. Zu Wort kommen Medienagenten ebenso wie Models und auch Börsenmakler. Sie verdeutlichen, welches Ausmaß das Geschäft mit dem weißen Pulver im 21. Jahrhundert angenommen hat und auch, wie rentabel es ist, damit zu handeln.

Saviano – Keine Geschichte scheint zu gefährlich

Dass Roberto Saviano sich auch bei seinem neuem Werk großer Gefahr aussetzt, dürfte ihm bewusst sein. Viel wird über das Ende diskutiert, am welchem der Autor sogar den Vorschlag macht, Kokain zu legalisieren, um das skrupellose Geschäft, das täglich neue Opfer hervorbringt, ein für alle Mal zu beenden. Man darf dabei aber auch nicht vergessen, dass diese Meinung durch die jahrelange Beschäftigung mit der Thematik entstanden ist. Saviano, der vor allem dank des Erfolges von „Gomorrha“ täglich um sein Leben bangen muss, wechselt regelmäßig seinen Aufenthaltsort und wird rund um die Uhr von Sicherheitskräften bewacht. Mit „Zero Zero Zero“ wirbelt er ebenso viel Dreck auf, wie er es bei der Reportage über das Wüten der Camorra gemacht hat.

Zero Zero Zero – Eine Reportage über den internationalen Kokainhandel

Keine Karte, kein Literaturverzeichnis und keine Quellenangabe finden sich in Savianos fundierter Reportage. Er strebt auch keinesfalls an, einen wissenschaftlichen Bericht abzulegen. Vielmehr agieren die sieben Kapitel wie eine Art Puzzle, das alle Facetten des Kokainhandels abdeckt. Auch in der von Frank Röth gesprochenen Hörbuchversion wird man als Zuhörer mit integriert, den Fakten entwinden kann man sich nicht. Gleiches gilt übrigens auch für Saviano selbst. Beim Schreiben seines Buches hat er eine vergleichbare Sucht entwickelt wie die Einnahme der Droge es bewirkt. Schreiben über Kokain sei so wie es selbst zu nehmen. Man kommt einfach nicht mehr davon los, sagt Saviano.

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Simon Beckett – Der Hof

Benjamin Jendro

4.Februar
2014

Beckett - Der HofEin wenig ruhig ist es in den letzten Jahren um Simon Beckett geworden. Der Namensvetter des früheren Literaturnobelpreisträgers, mit welchem er bis auf das schriftstellerische Talent nur wenig gemeinsam hat, ist vor einigen Jahren vom Nobody zum absoluten Weltautor gewachsen. Viel Zeit bedurfte es dafür nicht, nur ein paar beeindruckende Thriller wie „Die Chemie des Todes“, „Kalte Asche“ oder „Voyeur“. Nach seinem letzten David-Hunter-Band „Verwesung“ aus dem Jahr 2011 hat er sich eine kleine Schaffenspause gegönnt. Nun ist er mit Der Hof zurück auf der ganz großen Bühne. Verlernt hat der Brite beileibe nichts, das Werk besticht mit dem für Beckett typischen Grauen, dessen Ausmaß dem Zuhörer erst im Verlauf deutlich wird.

Der Hof beginnt etwas verstörend

Zunächst erleben wir einen gehetzten Mann, der wie von der Tarantel gestochen durch die Landschaft jagt. Sein Gefährt ist blutbefleckt, seine Kleidung ebenfalls nicht im besten Zustand. Auf der Flucht vor den Behörden ist er unachtsam und tappt in eine rostige Eisenfalle. Mit höllischen Schmerzen, einer offenen Wunde und hilflos in der brütend heißen südfranzösischen Einöde verliert Sean langsam das Bewusstsein. Kurz bevor sein Ende bevorsteht, sieht er zwei junge Frauen, die keine Probleme damit haben, die alte Falle zu öffnen und Sean zumindest vorrübergehend vor dem Tod zu bewahren.

Es ist „Der Hof“, auf dem Eigenartiges vorgeht

Was Johannes Steck im Folgenden eindrucksvoll vorträgt, zeigt uns einen Beckett, den wir bereits sehr gut kennen. Sean wird auf einen Hof gebracht. Besitzer Arnaud, Vater der beiden Retterinnen, mag eigentlich keine Gäste, bietet Sean aber Asyl, wenn er dabei hilft, den maroden Wänden wieder Leben einzuhauchen. Natürlich willigt er in das Angebot ein. Zum einen hat man sich in Person von Mathilde hier bestens um seinen Fuß gekümmert, zum anderen wartet in der Heimat nicht wirklich eine Alternative. Irgendwas jedoch geht auf dem Hof vor. Nicht nur die von Arnaud aufgestellte Eisenfalle ist ein Indiz dafür, dass die Familie etwas mit rabiaten Mittel unter den Teppich kehren möchte.

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