...entführen dich in eine andere Welt

Impressum Kontakt

Marquez - Chronik eines angekündigten TodesGabriel Garcia Marquez war einer der ganzen großen Autoren. Vor allem war er einer der wenigen lateinamerikanischen Schriftsteller, die dem Rest der Welt die Szenerie jenes Fleckchens auf dem Erdball, der von uns weit entfernt liegt, näher brachte. Dafür nutzte Marquez sein großartiges Talent, einfühlsam, teilweise emotionslos und letztlich verdammt unterhaltsam zu schreiben. „Chronik eines angekündigten Todes“ ist eines der Zeugnisse seiner Wirkungskraft. Es ist eine Geschichte, die von Unsicherheit und einer rückständigen Dorfgemeinschaft berichtet und eine, die aufgrund ihres Titels nach dem Versterben des Künstlers eine eigenartige Note verliehen bekommt.

Eine Chronik von einem Tag

Beim Blick auf den Titel des dreistündigen Hörbuchs, das von Hanns Zischler gesprochen wird, erscheint es merkwürdig, dass Marquez lediglich das Geschehen eines einzigen Tages berichtet. Genau genommen geht es nur um eine Nacht und einen Morgen. Aus der Sicht eines 27-jährigen Erzählers erfährt man von einer bevorstehenden Hinrichtung. Die Brüder Vicario wollen den jungen Santiago Nasar dafür büßen lassen, dass er die Ehre ihrer Schwester Angela beschmutzt hat. Diese wurde von ihrem designierten Bräutigam Bayardo zurückgewiesen, da er sich der Jungfräulichkeit der Gattin nicht mehr gewiss war. Santiago soll dafür verantwortlich sein. Bis zum Ende von „Chronik eines angekündigten Todes“ lässt Marquez offen, ob er wirklich der Verursacher ist.

Keiner durchkreuzt die „Chronik eines angekündigten Todes“

Das hinterfragt auch kein einziger Dorfbewohner, der Erzähler mal ausgenommen, so richtig. Die Bevölkerung scheint wie in Trance, jeder weiß um die bevorstehende Tat, doch niemand möchte sie verhindern, jedenfalls nicht persönlich. Stattdessen aber scheinen alle zu hoffen, dass das bevorstehende Töten noch irgendwie gestoppt werden kann. Selbst die Brüder Vicario sind sich nicht sicher, ob sie Santiago wirklich töten sollen. Einzig ihr Pflichtbewusstsein ist Triebfeder für den Mord. Marquez lässt den Leser in das Dorf und die Köpfe seiner Bewohner schauen, legt ihm aber auch irgendwie eine Starre auf, die verhindert, dass wir eingreifen wollen. So plätschert die Zeit zwischen Ankündigung und abschließendem Vollzug so vor sich hin.

 

1

Palma - Die Landkarte des HimmelsNur wenige Schriftsteller haben es in den letzten Jahren derart geschafft mich zu faszinieren wie Mister Felix J. Palma. Nicht nur, dass er mit „Die Landkarte der Zeit“ einen Traum der Menschheit real werden lassen hat und die Bürger des späten 19. Jahrhunderts in die Zukunft reisen ließ. Nein, mit dem folgenden Band aus der Mapa-Trilogie, „Die Landkarte des Himmels“, hat er dies noch einmal getoppt. So wird im Mittelband ein weiterer großer Wunsch von uns Menschen real – Die Suche nach Leben in anderen Bereichen des Universums. Zentraler Protagonist ist wie schon in Band Numero Uno Herbert G. Wells, dessen Romane Palma so begeistert haben, dass er sie prompt als Aufhänger seiner eigenen Geschichten auserwählt hat.

Die Landkarte des Himmels – Wieder geht es um Herbert G. Wells

Wie schon im ersten Roman der Viktorianischen Trilogie spielt ein Schriftstück von Herbert G. Wells eine entscheidende Rolle bei Palma, der sich so als Fan des legendären Autors von „Die Zeitmaschine“ und „Krieg der Welten“ offenbart. Letzteres thematisierte die Invasion von Marsmenschen, die London binnen eines Tages in ihre Gewalt bringen. Aus diesem Plot macht Felix J. Palma in „Die Landkarte des Himmels“ eine dreiteilige Story, in der sich der Erzähler (im Hörbuch Stefan Kaminski) auch gerne einmal selbst präsentiert.

Wenn der Himmel nicht genug ist

Los geht es mit einer Expedition im Eismeer. Berichtet wird von einer Schiffscrew, die dazu aufbrach, den Eingang zum Mittelpunkt der Erde zu finden. Der plan geht zwar nicht auf, dafür aber werden sie Zeugen eines Ufo-Absturzes und erste Beobachter eines Lebewesens, das nicht vom Planeten Erde kommt. Weiter geht es mit Wells, der als Wirt für jenen Bruchpiloten fungiert und einem alten Bekannten die Bitte abschlägt, für die Liebe eine Invasion gemäß seines großen Werkes „Krieg der Welten“ zu inszenieren. Dass diese dann dennoch in einer vergleichbaren Dimension erfolgt, ist der Brückenschlag zum dritten Teil, in welchem Palma den Leser und Zuhörer von „Die Landkarte des Himmels“ mal wieder zum Staunen bringt.

0

Jenke von Wilmsdorff – Wer wagt, gewinnt

Benjamin Jendro

15.April
2014

von Wilmsdorff - Wer wagt, gewinntJenke von Wilmsdorff ist für mich eine der prägendsten Personalien, die uns die Fernsehwelt momentan präsentiert. Mit seinen Reportagen hat sich der Journalist in der Vergangenheit in so manch brenzlige Situation gebracht. Seit ein paar Jahren nun hat er alltägliche Phänomene unserer Gesellschaft untersucht und an sich einige Selbstversuche unternommen. Dabei ging es ihm zumeist um Probleme, die Menschen betreffen. Dafür hat Jenke sich als Alkoholiker und Rentner im fortgeschrittenen Alter versucht, tagelang auf sein Augenlicht und das eigene Hörvermögen verzichtet. Was all seine unterhaltsamen Reportagen eint, ist die Tatsache, dass die Themen in all ihrem Umfang für uns Menschen, obwohl omnipräsent, häufig sehr unbekannt sind. Das lässt sich auch in seinem Werk „Wer wagt, gewinnt“ erkennen.

Wer wagt, gewinnt – Heraus aus dem Alltäglichen

Eines ist für alle Jenke-Reportagen klar – was er macht, ist wahrlich nicht alltäglich. Es wird zu viel Routine im Job des Journalisten gewesen sein, die ihn dazu animierte, stetige Abwechslung in seine Arbeit zu integrieren. Jenke von Wilmsdorff widersetzt sich jeglicher Routine. Ein Leben, das nur so dahinplätschert? Das ist nichts für ihn. Stattdessen möchte er Sachen ausprobieren, neue Facetten des Lebens kennenlernen und so den eigenen Horizont erweitern. Dazu rät er auch jedem mit „Wer wagt, gewinnt“ – einer Hommage an den Versuch, Abwechslung ins Leben zu bringen. Ob Jobwechsel, Angstüberwindung oder eine Diät. Wer wirklich etwas will, kann alles in seinem Leben erreichen.

Der erste Schritt ist entscheidend

In den 284 Minuten, die Jenke von Wilmsdorff gemäß seines Naturells gleich selbst eingesprochen hat, verschweigt der Autor auch nicht, wo das Problem liegt, wenn man etwas ändern möchte. Das Entscheidende bei allen Entscheidungen ist der erste Schritt. Wer diesen tätigt, öffnet sich alle Türen. Aus eigener Erfahrung und dank der vielen Experimente hat Jenke festgestellt, dass sich Hürden in den Weg stellen, die es zu überwinden gilt. Die größte ist zumeist die erste. Es obliegt uns, diese zu überspringen. Die Möglichkeit dazu steckt in jedem von uns. Wir müssen uns nur trauen, sie zur Entfaltung kommen zu lassen.

0

Roth - Die BestimmungIn dieser Woche wird ein Film in den Kinos erscheinen, der gerade die jugendliche Zielgruppe ansprechen sollte und der irgendwie schon deutlich an Collins „Die Tribute von Panem“ erinnert. Es scheint beinahe so, als haben Verfilmungen von Jugendbuchreihen derzeit eine wahre Renaissance und in der Tat ist der Stoff, der in den einzelnen Werken das Geschehen bestimmt, einer, von dem Hollywood profitiert. Immer häufiger werden junge Charaktere in Situationen gebracht, in denen sie einiges leisten müssen. Lebenswichtige Handlungen in Kombination mit altersbedingten Zweifeln an der individuellen Charakterentwicklung sind eine brisante Mischung. Das ist auch bei der Bestimmungs-Trilogie von Veronica Roth zu erkennen. Ihr erster Band „Die Bestimmung – Divergent“ hat einen sofort für die Reihe gewonnen.

Die Bestimmung – Eine Ordnung der Zukunft

Selbst, wenn die gerade einmal 25-jährige Autorin darauf besteht, keine Einflüsse aus Suzanne Collins Meistertrilogie bezogen zu haben und die Idee bereits während ihrer Studienzeit entstand, sind die Parallelen unverkennbar. Das macht „Die Bestimmung“ aber nicht weniger unterhaltsam. Während die Welt in Panem in Distrikte eingeteilt ist und aus diesen in jedem Jahr jeweils zwei Tribute an einer perfiden Variante der Olympischen Spiele teilnehmen müssen, erzählt Roth von einem Chicago der Zukunft, in welchem die Gesellschaft in fünf Fraktionen eingeteilt ist. Diesen wird jeweils eine Tugend der Menschheit zugeordnet. Altruan (die Selbstlosen), Candor (die Freimütigen), Amite (die Friedfertigen), Ken (die Gelehrten) und die Ferox (die Furchtlosen) leben in Einklang miteinander. Sobald man selbst 16 ist, muss man sich entscheiden, welcher Fraktion man zukünftig angehören möchte, welche Tugend man in sich trägt.

Die Bestimmung – sich selbst verleugnen?

Eine dieser 16-Jährigen ist Beatrice Prior, kurz Tris. Um eine Entscheidungshilfe zu erhalten, werden die Teenager einem Eignungstest unterzogen. Bei Tris jedoch ist das Ergebnis bemerkenswert. Nicht nur scheint sich keine Tugend bei ihr besonders hervorzuheben. Nein, sie trägt mehrere gemeinsam in sich. Ihre Prüferin Tori rät ihr, das nicht preiszugeben, schließlich winkt ihr dadurch der Status einer Fraktionslosen, die vom System wiedererwartend nicht gerne gesehen werden. Tris´ Bruder Caleb entschließt sich, den Ken beizutreten. Tris selbst wählt die Ferox. Schnell gewinnt sie in der neuen Familie einige Freunde. Um vollständig anerkannt zu werden, muss sie ein Initiationsritus durchlaufen, der darüber entscheidet, ob Tris und die anderen neuen Mitglieder bei den Ferox bleiben dürfen. Es sind die einzelnen Phasen dieser Prüfung, die ihr erstmals zeigen, wie brenzlig und weit vernetzt die Problematik ihrer Eigenschaft als Unbestimmte ist. Im Hintergrund, auch das wird im von Laura Maire gesprochenen Hörbuch deutlich, rumort es im Übrigen zwischen den einzelnen Fraktionen.

0

Herrmann - Das Dorf der MörderMordgeschichten aus Dörfern kennt man zahlreiche. Ob in der realen Welt, in der man von grausigen Verbrechen in Dörfern zu hören bekommt oder aber der modernen Krimiszenerie, die sich in der neuen Kategorie Heimatthriller seit Jahren Geschichten ausdenkt, die in den entlegensten kleinen Orten spielen. Bei „Das Dorf der Mörder“ von Autorin Elisabeth Herrmann, die bereits mit ihrem NS-Krimi „Das Kindermädchen“ oder der DDR-Historie „Zeugin der Toten“ auf sich aufmerksam machen konnte, erweckt es anfangs nicht den Anschein, dass der Plot einen aufs Land führt. Zunächst bestimmt ein grausiger Fund im Berliner Tierpark das Geschehen. Dank einer jungen Ermittlerin aber werden wir dahin geführt, wo niemand etwas Action erwartet hat.

Eine Mörderin, die keine ist

Schaurig beginnt die Erzählung von Hörbuchsprecherin Eva Mattes, die uns durch die guten neun Stunden führt. Eine Kindergartengruppe steht gerade vor dem Gehege wilder Pekaris, als die Kleinen etwas sehen, was nicht so alltäglich ist. Die mittelamerikanischen Nabelschweine gelten als gefräßig. Menschenfleisch steht aber sonst nicht auf ihrem Speiseplan. Nachdem die männliche Person fast komplett verzehrt ist, trifft die junge Beamtin Sanela Beara am Tatort ein. Die Ermittlerin, die selbst mit einem Trauma durch die Gegend rennt, wirkt zunächst ein wenig verwirrt. Schnell aber kann mit der Tierfutterzüchterin Charlotte Rubin eine Tatverdächtige selektiert werden, die anschließend dem Ermittlungsrichter vorgesetzt wird. Vieles spricht gegen Rubin, nur Sanelas Intuition sowie die des Psychologiestudenten Jeremy Saaler könnten die Tatverdächtige davor bewahren, zu Unrecht überführt zu werden.

Ermittlung auf eigene Faust im „Dorf der Mörder“

Entgegen der Anweisung ihres Vorgesetzten Gehring ermittelt Sanela auf eigene Faust und bringt immer mehr Indizien hervor, die gegen Rubin als Mörderin sprechen. Die Spuren führen ins brandenburgische Dorf Wendisch Bruch, das dem Namen gemäß fast nur noch aus Bruchbuden besteht. Ein paar Alteingesessene wohnen noch im Dorf, ansonsten ist es aber weitgehend ausgestorben. Die Dorfbevölkerung, ausschließlich Frauen, verbirgt ein gruseliges Geheimnis, das den Fall in ein ganz anderes Licht stellt und für Sanela eine harte Prüfung darstellt. Dieser muss sich auch der Zuhörer unterziehen, wenn er erfahren will, welch grausiges Mysterium „Das Dorf der Mörder“ nicht preisgeben möchte.

0