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Sebastian Fitzek – Passagier 23

Benjamin Jendro

29.Oktober
2014

Fitzek - Passagier 23Sind Sie schon einmal auf einem Schiff gefahren? Bei Nacht, wenn es dunkel ist und die Wellen mit all ihrer Kraft gegen den Metallklotz peitschen? Nein? Dann stellen Sie sich das doch bitte einmal vor! Sie hören, wie der Wind fegt und spüren des turbulenten Seegang. Sie sehen ihn nicht, weil sie an Deck sind, aber nicht an der Reling, sondern in einem Schiffsdeck, das sonst nicht für Sie geöffnet ist, dem Maschinenraum. Jetzt stellen Sie sich bitte vor, dass Sie dort nicht allein sind, sondern jemand da ist, der sie töten möchte! Wenn Sie jetzt an diesem Punkt angelangt sind, wissen Sie in etwa, was Sie bei Sebastian Fitzeks neuem Thriller „Passagier 23“ erwartet.

Sebastian Fitzek lässt uns wieder zittern

Wem das nicht bildlich genug war, dem sei ein Blick auf den dazugehörigen Trailer auf Fitzeks Homepage empfohlen. Deutschlands Thrillerautor Nummer Eins hat das Schifffahren für sein neues Stück „Passagier 23“ auserkoren und damit einmal mehr sein Gespür für schaurige Szenarien bewiesen. In der Tat wird jeder, der schon in einem Maschinenraum im Bauch eines großes Schiffes stand, dem zustimmen müssen. Das fünfstündige Hörbuch, das von Simon Jäger spannend gesprochen wird, erzählt von einem Familienvater, der Frau und Kind bei einer Schiffsreise verloren hat. Sie sind spurlos verschwunden, niemand weiß, was geschehen ist. Niemand, bis auf das kleine Mädchen, das auftaucht und den Kuschelteddy seines Sohnemanns im Arm hält.

Sie ist Passagier 23

Früher arbeitet Martin Schwartz als angesehener Polizeipsychologe. Nach diesem Schicksalsschlag aber ist er selbst in tiefe Depressionen verfallen. Als verdeckter Ermittler widmet er sich oberflächlich einigen speziellen Fällen, eigentlich aber bestimmt eine tiefe Psychose seinen Alltag. Was genau mit Nadja und Tim geschehen ist, lässt sich nicht rekonstruieren, beschäftigen tut ihn das aber trotzdem. Da keimt zumindest etwas Hoffnung auf, als ihn eine Thrillerautorin mit der Aussicht auf neue Erkenntnisse kontaktiert. Martin soll sich auf den Unglücksdampfer Sultan of the Sea begeben. In diesem Zusammenhang erscheint der „Passagier 23“, ein kleines Mädchen, das Tims geliebten Teddy mitbringt.

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Modiano - Im Cafe der verlorenen JugendPünktlich zum Todestag von Alfred Nobel werden am 10. Dezember in Stockholm wieder die Nobelpreise vergeben. Bis auf jenen, den es für das Engagement für den Frieden gibt. Dieser wird traditionell in Oslo überreicht. Etwa zwei Monate vorab werden die jeweiligen Preisträger bekanntgegeben. In die namhafte Rangliste der Nobelpreisträger für Literatur, zu der Leute wie ein Canetti, ein Pirandello, ein Hemingway oder eine Herta Müller gehören, gesellt sich in diesem Jahr der Franzose Patrick Modiano, der zwar etwas überraschend, aber keinesfalls unverdient die Nachfolge von Alice Munro antreten darf. Einer der Gründe dafür ist sein Werk „Im Café der verlorenen Jugend“, das beispielhaft für den Stil des Romanciers steht.

Im Café der verlorenen Jugend – Eine Geschichte über Menschen

Wer von Patrick Modiano bisher nichts gehört hat, muss keineswegs ein Kunstbanause sein. In der Tat ist der 69-Jährige in Deutschland eher unbekannt, weil seine Romane hier noch nicht so ganz durchstarten konnten, obwohl ihnen zumeist eine Thematik zu Grunde liegt, die sich auf unsere Geschichte bezieht. Modiano widmet sich in vielen Schriften der Deutschen Besetzung in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs und erzählt von den dadurch resultierenden Eindrücken der Franzosen. Das machte ihn in Frankreich zu einem der erfolgreichsten und einflussreichsten Autoren der heutigen Zeit. Ebenfalls sehr präsent sind die 1960ern, die einen anderen Bereich seines literarischen Schaffens ausmachen. In ihnen geht es zumeist um das Thema Liebe und die individuelle Existenz jedes Einzelnen. Im Grunde genommen handeln seine Erzählungen von Menschenschicksalen. Da nimmt sich auch „Im Café der verlorenen Jugend“ nicht aus.

Louki sucht nach einem Halt im Leben

In sehr einfühlsamen Zeilen erzählt Modiano in „Im Café der verlorenen Jugend“ von Louki, die bereits als Kind immer aus den heimischen vier Wänden geflüchtet ist. Diese nicht vorhandene Bereitschaft, sich an etwas zu binden, zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. So ist sie vor einem Jahr auch ihrem Mann Neuilly, einem Immobilienmakler, davon gelaufen. Ihr Geliebter Roland könnte eine Konstante darstellen. Er könnte, denn beruhigend ist die Situation auch jetzt nicht. Das liegt daran, dass sie „Im Café der verlorenen Jugend“ vom Detektiv ihres Mannes auf Schritt und Tritt beobachtet wird. Eingebunden in die Atmosphäre der Stadt der Liebe in den sechziger Jahren erlebt man so eine emotional bewegende Geschichte mit Höhen und Tiefen.

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Hjorth&Rosenfeldt - Das Mädchen, das verstummteSebastian Bergman ist ein echt eigenartiger Kauz. Da erwecken ihn die beiden schwedischen Autoren Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt dank ihren Romanen zum Leben und dem raubeinigen Kriminalpsychologen fällt nichts Besseres ein, als mit seiner überheblichen, selbstverliebten Art zwar einen Fall nach dem anderen zu lösen, dabei aber selten mit Sympathie zu punkten. Okay, Sebastian Bergman ist ein wirklich guter Ermittler, aber ein wenig mehr Freundlichkeit schadet nicht, oder? Die beiden Schriftsteller haben sich in „Das Mädchen, das verstummte“ ein wenig von ihrer gewohnten Linie entfernt. Denn erstmals in der Karriere des Sebastian Bergman erleben wir Emotionen, was den sehr schwierigen Charakter endlich einmal mit einem Hauch Menschlichkeit versieht.

Das Mädchen, das verstummte, hat einen Vierfachmord erlebt

Sebastian Bergman wird stets dann in einem Mordfall hinzugezogen, wenn der Laie am Ende der Ermittlungsarbeit angelangt ist, sich alles noch immer als ein unüberschaubares Rätsel erweist und man die Hilfe eines alleswissenden Experten benötigt. In Torsby kommt man ohne diesen nicht weiter. Die Familie Carlsten, ein Ehepaar und ihre beiden Söhne, wurden aus nächster Nähe in die ewigen Jagdgründe befördert. Der ziemlich kaltblütige Mord wirft Fragen auf, vor allem das Motiv und der Tathergang sind weitgehend ungeklärt. Ein entscheidendes Puzzleteil könnte „Das Mädchen, das verstummte“ liefern. Ihre Fußspuren führen nämlich vom Tatort in den dunklen Wald hinaus.

Das Mädchen, das verstummte, lässt Erinnerungen aufkommen

Wer Sebastian Bergman bisher auf seinem Lebensweg begleitet hat, weiß um den harten Schicksalsschlag, der er hinnehmen musste und der ihn sicherlich zu diesem kalten Mann werden lassen hat. „Das Mädchen, das verstummte“ ist die zehnjährige Nichte des erschossenen Familienvaters und sie erinnert Bergman an seine eigene Tochter, die er einst nicht retten konnte. Aus Angst verschanzt sich die Kleine im Wald und legt bewusst falsche Spuren. Das macht es auch den Ermittlern zunehmend schwer, sie zu finden und so ihre Überlebenschancen wieder zu erhöhen. Wer den siebeneinhalb Stunden Hörbuch lauscht, wird es selbst sehnlichst herbeiwünschen, dass „Das Mädchen, das verstummte“ gefunden wird.

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Kerkeling - Der Junge muss an die frische LuftKaum eine Stunde vergeht, in der es nichts Brisantes aus der Promiwelt unseres Landes zu berichten gibt. Weitet man das Ganze über die Grenzen hinaus aus, bleibt der Liveticker keine fünf Minuten still. Das ist manchmal ganz unterhaltsam, ein Freund vom Breittreten dieser Informationen bin ich aber nicht. Wenn man es einmal gehört hat, reicht es dann auch, oder etwa nicht? Anscheinend nicht – so schauen momentan alle mit Argusaugen auf die Berichterstattung zu Hape Kerkelings nun offenbartem Kindheitstrauma. Dieses ist ohne Frage keine schöne Erfahrung und Kerkeling nutzt sein neues Werk „Der Junge muss an die frische Luft“ sicherlich auch, um darüber hinwegzukommen. Schreiben als Seelenreinigung wäre keine neue Sache. Man sollte ihm aber auch zugestehen, dass er mit dieser autobiographischen Schrift einen Strich unter die Sache zieht und vielleicht nicht vergessen, aber doch abschließen kann.

Der Junge muss an die frische Luft

Neben dem Suizid seiner Mutter gibt es nämlich auch andere Sachen, die in der Autobiographie, die Hape Kerkeling gemäß seines Naturells für dieses Hörbuch selbst eingesprochen hat, Eindruck machen. An vielen Passagen wird deutlich, dass es sich beim fast Fünfzigjährigen um einen Vollblut-Entertainer handelt, dem dies bereits in Kindheitsjahren anzusehen war. So schwer die Zeit war, in der seine Mutter sich für den Freitod entschieden hat, so groß war auch der familiäre Zusammenhalt, der Hape eine gewöhnliche Kindheit ermöglichte. Zumindest so gut, wie es ging. So entdeckt man beim Zuhören einen ganz gewöhnlichen Jungen aus Recklinghausen, der nach Ansicht der Tante auch mal an die frische Luft gehörte und es einst der Großmama versprach, irgendwann einmal im Rampenlicht zu stehen.

Hape Kerkeling liebt das Leben

Insofern lautet das Fazit, das Hape Kerkeling zwar nicht explizit ausspricht, es dafür aber zwischen allen Zeilen zu spüren ist, dass er das Leben liebt und als lebenswert einstuft. Schicksalsschläge gehören dazu, sie formen einen Menschen. Man wächst daran, wie man etwas verarbeitet. Hape Kerkeling macht das mit Humor und das gelingt ihm zu unserem Glück bemerkenswert gut. „Der Junge muss an die frische Luft“ ist nun der zweite Beweis dafür, dass er auch literarisch etwas zu bieten hat. Schon die Pilgerbeschreibung „Ich bin dann mal weg“ kam gut an, das neue Stück muss sich dahinter nicht verstecken.

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