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Lutz Seiler – Kruso

Benjamin Jendro

30.Dezember
2014

Seiler - Kruso HörbuchMeistens ist es so, dass spätestens bei Bekanntgabe der Shortlist für den Deutschen Buchpreis – einen der größten, wenn nicht sogar der größte Buchpreis unseres Landes – ein Favorit auszumachen ist. Das gestaltete sich im letzten Jahr etwas anders, denn Terezia Mora hatten wahrlich nicht alle sofort auf der Rechnung. In diesem Jahr konnte die Regel aber wieder bestätigt werden. Schließlich war in der finalen Auslese ein Werk, das sich von allen anderen abhob und das in einem Jahr, in welchem sich der Mauerfall zum 25. Mal jähren sollte, letztlich nur als Sieger hervorgehen konnte. Insofern ist Lutz SeilersKruso“ ein erwarteter Sieger und dennoch auch einer, dessen Werk man nicht nur für die Thematik, sondern auch den Schreibstil und die beim Zuhörer entstehenden Emotionen loben muss.

Kruso ist ein autobiografischer Roman mit Aussteiger-Ambitionen

Lutz Seiler hat in den Interviews, die er in den letzten Monaten gegeben hat, immer wieder darauf verwiesen, wie hochachtungsvoll er auf die Insel Hiddensee, die schönste der Welt, blickt. Es konnte für seinen Roman um Protagonist Edgar Bendler, der nicht umsonst Züge des Autor in sich trägt, keinen anderen Ort geben, um derart viele Leute mit einer identischen Gesinnung zusammenzuführen. Seiler schreibt in „Kruso“ über Saisonarbeiter, die auf Hiddensee zusammentreffen und über das Gebilde der DDR philosophieren. Interessanterweise hat der heute in Wilhelmshorst bei Potsdam lebende Seiler eben jene Urlaubsbeschäftigung vollzogen. Er weiß also ganz genau, über was und welche Stimmung er schreibt.

Die magische Sprache auf der Insel

Was seinen Roman vor allem abzugewinnen ist, bleibt eine hervorragende Sprachgebung, mit der Ed vom mysteriösen „Kruso“ und der Leser bzw. Zuhörer von Seiler gefangen wird. Wer diesem Hörbuch, eine auf etwa elf Stunden zusammengekürzte Lesung des Romans, die Franz Dinda spricht, folgt, der wird ein tolles Gefühl für die Aufbruchsstimmung, aber auch die allseits zu spürende Orientierungslosigkeit der Menschen im Jahr 1989 erhalten.

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Jogis Eleven

Benjamin Jendro

23.Dezember
2014

Jogis ElevenIn dem nun bald abgelaufenen Jahr gab es viele bewegende Ereignisse. Einige bis dahin vollkommen unbekannte Personen wuchsen zu bedeutenden Persönlichkeiten, politisch und kulturell tat sich einiges. Das größte Ereignis dürfte dennoch der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft sein, den sich die Männer von Bundestrainer Jogi Löw verdientermaßen sicherten. Neben der hohen fußballerischen Qualität, die dieses Generation Deutscher Ballstreichler auszeichnet, wurde immer wieder auch über den internen Zusammenhalt und den gemeinsamen Spaß am Fußballspielen gesprochen. Es gibt keinen besseren Beweis dafür als „Jogis Eleven“ – ein Hörbuch, das zwar nicht immer ernst gemeint ist, dafür aber die Erinnerung ans Maracana erneut aufleben lässt.

Jogis Eleven vom Radio zum Hörbuch

Jogis Eleven“ kann man derzeit auf zahlreichen Radiosendern des Landes genießen. Immer wieder werden neue Ideen entwickelt, die uns vollkommen unerwartete Seiten des schwäbischen Bundestrainers und seiner Spieler präsentieren. Gelegentlich kommt da auch mal einer der historischen Kicker zu Wort. Lustig ist es immer, weil Christian Schiffer, der dieses 75-minütige Hörbuch eingesprochen hat, vielseitig variiert und von Löw über Poldi bis hin zu Neuer sämtliche Stars im Repertoire hat. Gerade im Zusammenspiel von Löw und Podolski kommt da großer Unterhaltungswert auf. Klar, die beiden arbeiten ja nun auch schon mehr als zehn Jahre gemeinsam beim DFB.

Daheim beim Weltmeischder

So kontrolliert Bundestrainer Löw immer rüberkommt, so viel Humor besitzt der Mann aus dem Schwabenländle. Schiffer treibt dies natürlich auf die Palme und spielt vor allem mit Jogis Akzent. Bei den einzelnen Spielern zeigt sich eine große Liebe fürs Detail, so erkennen wir bei jedem besondere Eigenarten. Der Kölner Prinz Lukas sagt, was er denkt und geht im Werk in Brasilien auf Pyramidensuche. Der Noch-Rekordnationalkicker Loddar sucht in den Favelas – wie soll es anders sein? – eine neue Ehegattin. Es sind diese Einblicke in die Welt der Weltmeischder, die auch unser Weihnachtsfest bereichern können.

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Tana French – Geheimer Ort

Benjamin Jendro

17.Dezember
2014

French - Geheimer OrtSchaut man sich das Genre Krimi einmal genau an, ist doch ein deutliches Übergewicht der männlichen Autoren zu spüren. Dafür könnte es verschiedene Erklärungen geben. Eine wäre es, zu behaupten, dass es Frauen schwerer haben als Männer, in dem Bereich erfolgreich Fuß zu fassen. Eine andere könnte in die Richtung gehen, dass Männer einfach mehr kriminelle Ideen in sich tragen. Beides mag als Grund herhalten. Weder das eine noch das andere verhindert aber, dass es Ausnahmen gibt, die diese Regeln bestätigen. Tana French ist ein deutlicher Beweis dafür. Ihr neuester Krimi heißt „Geheimer Ort“, er spielt in den Mauern eines Mädcheninternats.

Geheimer Ort ist Frenchs bisher beste Arbeit

Schon vier Krimis hat die gebürtige US-Amerikanerin, die seit mehr als zwei Dekaden in Dublin lebt, veröffentlicht. „Geheimer Ort“ ist somit der fünfte und bis hierhin auch ihr bester. Es scheint beinahe so, als würde Tana French in ihrem Schreiben immer besser werden. Dass ihre Kriminalromane prickelnde Unterhaltung bieten, konnte man auch schon im Debüt „Grabesgrün“ oder auch bei „Sterbenskalt“ beobachten. Nun aber hievt sie die Qualität ihres Plot noch einmal einen ganzen Level höher. French, deren schauspielerische Vergangenheit ihr im Faktor bewegend-dramatischer Inhalt gut in die Karten zu spielen scheint, verortet das Geschehen von „Geheimer Ort“ in das Mädcheninternat St. Kilda, in welchem ein Junge erschlagen wurde. Ein Jahr ist vergangen, ohne dass die Ermittler einen Täter ausmachen konnten. Nun aber erscheint sein Bild mit dem Schriftzug „Ich weiß, wer ihn getötet hat“ am Schwarzen Brett. Nur eines von acht Mädchen kann die Nachricht hinterlassen haben.

Geheimer Ort – Wenn ein Detective in den Sog gerät

Detective Stephen Moran, dessen Part von DiCaprio-Synchronstimme Gerrit Schmitt-Voss gesprochen wird, ermittelt in St. Kilda und kommt nicht ohne Vorgeschichte an den Ermittlungsort. Er kennt eines der betreffenden acht Mädchen sehr gut und gerät ohne eigenes Verschulden zwischen die Fronten. Zwischen den Mädchen, denen die Stimme Inka Löwendorfs geliehen wird, entbrennt nämlich eine herbe Kluft, an der sich zwei Cliquen gruppieren. So ermittelt Moran in einem Geflecht aus freundschaftlichem Schweigen und feindschaftlichen Beschuldigungen, die das Auffinden der Wahrheit für ihn und den Zuhörer zusätzlich erschweren.

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Robert Galbraith – Der Seidenspinner

Benjamin Jendro

9.Dezember
2014

Galbraith - Der SeidenspinnerRobert Galbraith heißt der mittlerweile nicht mehr ganz so neue, dafür aber umso heller scheinende Stern am britischen Krimihimmel. Interessanterweise behält Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling ihr Pseudonym auch beim zweiten Band um den Detektiv Cormoran Strike und seine junge Assistentin Robin Ellacott bei. Im United Kingdom wurde das Gespann und somit auch der Autor bzw. die Autorin für den Erstling „Der Ruf des Kuckucks“ hochgelobt und selbst im mit Krimis überladenen Deutschland ist das Stück gut angekommen. Dass man da getrost zum zweiten Band greifen kann, muss kaum noch erwähnt werden, denn Galbraith bzw. Rowling brilliert mit einem äußerst unterhaltsamen Schreibstil und einem spannenden Plot.

Der Seidenspinner spinnt ein Manuskript, das mit allen abrechnet

Zu Beginn von „Der Seidenspinner“ verspürt der frühere Afghanistan-Veteran und jetzige Detektiv nicht wirklich Lust, der Bitte einer Klientin nachzukommen, die ihren Gatten als vermisst meldet und ihn suchen lassen möchte. Es soll nämlich keinesfalls das erste Mal gewesen sein, dass der liebe Herr Owen Quine mal ein wenig Abstand nimmt und sich viel lieber der Schreibkunst als seiner anstrengenden Ehefrau widmet. Als er dann gar tot aufgefunden wird, erhält der Fall für Strike einen weit größeren Interessenfaktor, zumal die potentielle Täterliste unglaublich prall gefüllt daherkommt. Gemeinsam mit Robin Ellacott, die erneut mit brillanten Ideen das Team bereichert, macht sich Strike auf die Suche nach demjenigen, dessen Hass auf Quine am größten war. Ein Blick in das Manuskript seines neuesten Werkes zeigt nämlich deutlich, dass eigentlich jeder aus seinem Umfeld einen Grund hätte, den Autor zu töten.

Der Seidenspinner ist ein äußerst persönlicher Krimi

Während der guten 16 Stunden Hörbuchkrimi, im Übrigen von Dietmar Wunder gelesen, bekommt man als Zuhörer ausführliche Täterprofile, wobei Quine mit wirklich jedem abrechnet. Sowohl die eingebildete Gattin als auch der geldgierige Verleger und selbst die ständig kritisierenden Lektoren bekommen ihr Fett weg. Da liegt es auf der Hand, dass Galbraith ein paar Elemente in „Der Seidenspinner“ einfließen lässt, die auch Miss Rowling während ihres Schaffens kennengelernt hat, mal abgesehen von besagter Ehefrau. Besonders heiß wird die Spur für Strike und Ellacott, als sie auf ein Haus stoßen, das einst Quine und einem damals befreundeten anderen Autor zum Schreiben zur Verfügung gestellt wurde.

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J. R. R. Tolkien – Der Hobbit

Benjamin Jendro

2.Dezember
2014

Tolkien - Der HobbitWie ergeht es Ihnen, wenn Sie ins Kino gehen und einen Teil einer als Trilogie oder gar mehrteiligen Filmsaga gehen und dann mit dem Abspann die Erkenntnis wächst, dass sie einige Zeit warten müssen, um zu erfahren, wie es weitergeht? Ja, das ist ohne Frage ein Übel, das dem kommerziellen Denken Hollywoods geschuldet ist und uns immer wieder vor Aufregung zappeln lässt. Ich habe mir zuletzt „Mockingjay Teil 1“ angesehen. In „Die Tribute von Panem“ hat man der großen Farce wie auch bei „Twilight“ oder „Harry Potter“ noch ein Element oben rauf gesetzt und den letzten Film noch einmal halbiert. Da ist es ein echter Segen, dass im Dezember „Der Hobbit“ final auf der Leinwand erscheint. Durch diese Erkenntnis kann man mittlerweile sogar darüber hinwegsehen, dass Peter Jackson Tolkiens Vorgeschichte zu „Der Herr der Ringe“ in drei Filme aufgeteilt hat. Kurz, bevor „Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere“ im Lichtspielhaus erscheint, ist es auch nicht schlecht, noch einmal ein Ohr ins Hörbuch von „Der Hobbit“ zu werfen.

Der Hobbit – Bilbo geht auf die Reise

Bilbo Beutlin ist „Der Hobbit“ und gemäß seines Naturell eigentlich kein große Abenteurer. Durch Freund Gandalf, einen Zauberer, verlässt er das Auenland und schließt sich einem Zwergentrupp an, der die alte Heimat zurückgewinnen möchte. Bilbo tut dies, weil er weiß, wie wichtig Heimat ist, wie wichtig ihm seine grünen Wiesen und die legendären Hobbit-Feste sind. Zwergenanführer Thorin Eichenschild hält nicht viel vom Halbling und betrachtet jede seiner Handlungen kritisch. Erst als Bilbo ihm das Leben rettet, erkennt er ihn als einen der seinen und somit als vollwertiges Mitglied der Reisegruppe an.

Der Zauber von Mittelerde ist schon in „Der Hobbit“ spürbar

J. R. R. Tolkiens Werk ist eigentlich erst durch die Verfilmung von „Der Herr der Ringe“ in den Fokus gerückt worden. Dass er mit Mittelerde eine Welt aus der eigenen Fantasie geschaffen hat, ist den meisten so erst nach seinem Ableben deutlich geworden. Eine eigene Welt mit eigenen Wesen und eigenen Sprache – Das ist die große Leistung Tolkiens. Dass er auf dieser Ausgangsfläche ein spannendes Epos geschaffen hat, ist ebenfalls aller Ehren wert. „Der Hobbit“ ist die Vorgeschichte zu der Ring-Saga und präsentiert bereits ein breites Arsenal an Figuren und Wesen, die Mittelerde bereichern. Bilbo tritt ein in eine Welt voller Orks und Trolle, kämpft Seite an Seite mit Zwergen sowie Elben und entwendet mit List dem in der Höhle lebenden Gollum einen kostbaren Schatz, der später Frodo zum entscheidenden Ringträger macht.

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