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Jojo Moyes – Ein Bild von dir

Benjamin Jendro

27.Januar
2015

Moyes - Ein Bild von Dir hbPorträtmalerei ist eine sehr hohe Kunst. Während es Landschaftszeichner oftmals etwas einfacher haben und das jeweilige Panorama so abpinseln können, wie es vor ihnen liegt, ist das Malen von Menschen eine ganz andere Aufgabe. Selbstverständlich nimmt auch jeder seine Umgebung anders war. Die Spielräume hinsichtlich des Zeichnens eines Menschen aber sind noch größer, denn es obliegt einem Maler, vollkommen eigene Akzente zu setzen und Emotionen in ein Porträt einzubinden, die ein anderer womöglich gar nicht wahrnimmt. Insofern kann man beim Betrachten eines Porträts viel über die abgebildete Person ablesen, zugleich aber auch einiges über seinen jeweiligen Künstler. Für Liv – eine der zentralen Protagonisten in Jojo Moyes neuem Werk „Ein Bild von dir“ – steht es außer Frage, dass der Maler des thematisierten Porträts sein Motiv sehr geliebt haben muss.

Jojo Moyes verbindet in „Ein Bild von dir“ zwei Liebesgeschichten

Liv ist wirklich verzweifelt. Noch immer hängt sie an ihrem David, der vor vier Jahren viel zu früh aus dem Leben geschieden ist. Es sind die gemeinsamen Erlebnisse, derer sie sich erinnert und die ihn nach wie vor für sie präsent halten und es ist ein Gemälde, das er ihr einst schenkte, welches eine vergleichbare Wirkung erzielt. Jenes Kunstwerk soll ihr nun entwendet werden, was Liv mit aller Macht verhindern möchte. Selbst, wenn das bedeutet, dass sie alles opfern muss. Abgebildet auf dem Bild ist Sophie, eine Französin, die während des ersten Weltkriegs deutschen Besatzern Essen servieren musste, während ihr Mann Edouard – der Maler – gegen eben jene ins Gefecht zieht. Es sind diese beiden Liebesgeschichten, die ein knappes Jahrhundert auseinanderliegen, aber von Jojo Moyes in „Ein Bild von dir“ durch ein einziges Porträt miteinander verbunden werden.

Ein Bild von dir zeugt nur so vor einfühlsamen Zeilen

Wer sich die rund neun Stunden Hörbuch anhört, der wird von Moyes einmal mehr das erhalten, wofür wir sie seit einigen Jahren zu schätzen gelernt haben. Ihr kometenhafter Aufstieg basiert auf einer sehr einfühlsamen Sprache, die auch in „Ein Bild von dir“ nicht fehlt. Intensiviert wird das durch die Stammsprecherin der Werke von Moyes, Luise Helm, die man unter anderem als Synchronstimme von Scarlett Johansson kennt. Rundum eine sehr bewegende Erzählung, die der Zuhörer da vorgesetzt bekommt. Wem das noch nicht reicht, der kann mit „Die Tage in Paris“ gleich noch der Vorgeschichte lauschen. Auch diese geizt nicht mit großer emotionaler Tiefe.

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Die drei ??? – Dämon der Rache

Benjamin Jendro

20.Januar
2015

Die drei  - Dämon der RacheIm Hörbuchbereich gibt es viel spannende Geschichten, einige sind sogar in diesem Format erfolgreicher als bei den Printausgaben. Ein gutes Beispiel sind dahingehend „Die drei ???“, die vor allem im Akustischen anzusiedeln sind. Früher dröhnten die Abenteuer um Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews aus dem Kassettenrekorder. Mittlerweile hat sich das Medium geändert, was aber zum Glück keinerlei Auswirkung auf den großen Unterhaltungswert ausüben konnte. Neuestes Beispiel ist Folge Nummer 173, die auf den stolzen Namen „Die drei ??? – Dämon der Rache“ getauft wurde und schon im Cover erkennen lässt, dass es etwas Grausiges zu hören gibt.

Die drei ??? – Dämon der Rache

Als „Die drei ???“ eigentlich den Gewinn einer Ballonfahrt genießen sollten und sich in großer Höhe über die kalifornische Küste begeben, macht Peter eine schwindelerregende Beobachtung. Die drei fliegen über ein Anwesen, in dessen Garten eine eigenartig ausschauende Gestalt mit einer Harpune bewaffnet hinter einer Frau hinterherrennt. Natürlich möchte er die anderen darauf aufmerksam machen. Doch ehe sie sich dem Geschehen auf dem Erdboden annehmen können, sind die Protagonisten längst nicht mehr im Blickfeld. Dennoch aber kommen sie Peters Wunsch nach und machen eine seltsame Entdeckung.

Dämon der Rache erinnert an Gruselfilme ähnlicher Kategorie

Irgendwie scheint der Plot von „Die drei ??? – Dämon der Rache“ recht sonderbar. Denn erzählt wird von einem mysteriösen Wesen, dass die Menschen speziell mit seinem gigantischen Maul ordentlich in Schach hält und die Bewohner der Villa Pembroke in Angst und Schrecken versetzt. Dass besagtes Anwesen nicht gerade im hellen Glanz erstrahlt, macht die Szenerie ohnehin nicht besonders einladend. So ein bisschen erinnert die Geschichte, die Justus, Peter und Bob da nach und nach entschlüsseln, an einen Familienfluch, den man auch im einen oder anderen Gruselstreifen bereits vorgesetzt bekam. Das Geschehen in „Die drei ??? – Dämon der Rache“ geht aber noch etwas weiter und ist so auf jeden Fall ein Hörempfehlung wert.

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Zafon - Der Schatten des Windes HörbuchInnerhalb der spanischen Literatur ist in den letzten Jahren ein kleiner Trend abzusehen, der Elemente verdeutlicht, die sie von anderen unterscheidet. Selbstverständlich schreiben auch die Iberer facettenreiche Romane mit den unterschiedlichsten Themen. Irgendwie ist aber eine derzeitige Vorliebe für einen ganz speziellen Bereich zu erkennen. Man nimmt sich Bücher aus vergangenen Tagen vor, baut um sie herum einen spannenden Plot und integriert interessante Charaktere, deren Suche nach derart besonderen Artefakten ihr Leben verändert. Carlos Ruiz Zafon hat mit dem „Friedhof der vergessenen Bücher“ eine spezielle Plattform erschaffen, die ihm genau das ermöglicht. Seine bisher drei Bände der sogenannten Barcelona-Reihe sind zu internationalen Bestsellern gereift. Mit „Der Schatten des Windes“ begann sie.

Der Schatten des Windes – Alles beginnt mit der richtigen Auswahl

Daniel Sempere ist noch ein Bub, als ihn sein Vater, ein Buchladenbesitzer, auf den Friedhof der vergessenen Bücher mitnimmt. Gemäß des Ritus darf der Besucher beim ersten Mal ein Werk auswählen, das er mitnehmen kann und sein Leben lang beschützen muss. Daniels Wahl trifft auf „Der Schatten des Windes“ des wenig bekannten Autors Julian Carax. Der Junge widersteht ersten Abwerbungsversuchen, auch denen einer mysteriösen Gestalt, die durch die katalanischen Gassen wandelt. Daniel soll eben diese später wiedertreffen. Zunächst aber entschlüsselt er über Jahre hinweg das Rätsel um Julian Carax, dessen Geschichte durchaus Spannung mit sich bringt und die immer größere Parallelen zu Daniels eigenem Heranwachsen offenbart.

Matthias Schweighöfer als Daniel Sempere in Der Schatten des Windes

Das dazugehörige Hörbuch, bei dem Martin Zylka Regie geführt hat, gestaltet sich als echtes Highlight, weil gleich mehrere bekannte Stimmen für großen Unterhaltungswert sorgen. Daniel, der nach und nach heranwächst, sich in die Schwester seines besten Freundes verliebt und mehrfach den eigenwilligen Handlungen eines machtbesessenen Polizeichefs ausgesetzt ist, erhält die Stimme von Matthias Schweighöfer. Sein größter Unterstützer Fermin Romero de Torres – ehemaliger Spion, anschließender Bettler und jetziger Angestellter in der familieneigenen Buchhandlung – bekommt die von Michael Habeck und Julian Carax, der am Ende stärker in den Fokus rückt, die von Sylvester Groth. Im Zusammenspiel mit anderen machen sie Zafons Werk „Der Schatten des Windes“ definitiv zum akustisch attraktiven Hörspiel.

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Kazuaki Takano – Extinction

Benjamin Jendro

6.Januar
2015

Takano - ExtinctionAsiatische Literatur mag ihre sonderbaren Elemente in sich tragen, unterhaltsam ist sie aber allemal. Bei den vielen interessanten Bestandteilen fragt man sich umso öfter, warum es Werke von Autoren aus diesem Kontinent hierzulande so schwer haben. Gut, man kennt einen Herren Murakami, aber können Sie noch viele weitere Vertreter der asiatischen Schreibkunst aufzählen? Den Namen Kazuaki Takano sollte man sich auf jeden Fall merken. Dieser hat nämlich zuletzt einen äußerst spannenden Thriller geschrieben, der nicht nur einen spektakulären Plot enthält, sondern definitiv Lust auf mehr macht. „Extinction“ heißt der internationale Bestseller, den Sprecher Sascha Rotermund Ihnen in satten 20 Stunden vorträgt.

Extinction – Worum geht es?

Kurz zusammengefasst könnte man den Inhalt von „Extinction“ in drei Worten darlegen – Ebola, Verschwörung, ultraspannend. Da diese Trias dem Werk und seinem Autor aber nur wenig gerecht wird, sollte man das Ganze etwas weitläufiger beschreiben. In „Extinction“ wird ein gewisser Jonathan Yeager von der US-Regierung in den Kongo geschickt, um einen tödlichen Virus im Keim zu ersticken. Dieser soll bei einem Pygmäenstamm ausgebrochen sein und Yeager soll ihn nach Möglichkeit komplett ausrotten. Im Dschungel angekommen, scheint er diesem Auftrag zunächst noch wohlgesinnt. Mit der Zeit aber erkennt er, dass noch etwas ganz anderes hinter seiner Mission steckt, nämlich ein kleiner Junge. Yeager weigert sich, diesen zu töten und entscheidet, folglich nach einer eigenen Ideologie vorzugehen.

Extinction ist ein tolles Netzwerk mit aktueller Bezugnahme

Trotz der spürbaren Konzentration auf Yeager und seinen Erlebnissen erweist sich Kazuaki Takano als sehr weitläufig denkender Autor, der das Geschehen auf weitere Handlungsstränge und -träger ausweitet. Erzählt wird in „Extinction“ nämlich auch der Werdegang von Kento Koga, der in Japan in die Fußstapfen seines Vaters tritt und ein Medikament gegen eine bis hierhin unheilbare Lungenkrankheit entwickeln soll, an welcher im Übrigen Yeagers Nachwuchs leidet. So vernetzt Takano Geschehnisse und Figuren, pendelt nach Belieben zwischen drei Kontinenten und bietet dem Zuhörer einen rasanten Thriller, der nicht zuletzt aufgrund der globalen Bedrohung Ebola äußerst zeitnah daherkommt.

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