...entführen dich in eine andere Welt

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Khaled Hosseini – Tausend strahlende Sonnen

Benjamin Jendro

27.Februar
2015

Hosseini - Tausend strahlende SonnenIn der nächsten Woche feiert Khaled Hosseini seinen fünfzigsten Geburtstag. Das ist für ihn persönlich wahrlich ein bedeutendes Ereignis. Eines, das mit den Liebsten gefeiert wird. Viel wichtiger, so sehr wir ihm zu diesem Jubiläum auch gratulieren wollen, sind seine literarischen Leistungen, mit denen er uns den Einblick in eine Welt ermöglicht, die wir oftmals so noch nicht gesehen haben. Hosseini schreibt über Afghanistan, aber er konzentriert sich nicht auf die Kriegsschauplätze, zumindest nicht ausschließlich. Romane wie „Tausend strahlende Sonnen“ sind den Menschen gewidmet. Den Menschen, die in dieser kriegerischen Welt beheimatet sind.

Tausend strahlende Sonnen in Afghanistan

Tausend strahlende Sonnen“ war der erste Roman, die ich von Khaled Hosseini lesen bzw. hören durfte. Er ist dafür verantwortlich, dass ich mittlerweile alle Werke verschlungen habe und die einzelnen Zeilen mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Die neun Stunden Hörbuch, gelesen von Andrea Hörnke-Tries, gehen runter wie Öl, hinterlassen aber einen schweren Pfropfen im Körperinneren. Hosseinis Werke haben die Eigenschaft, vor allem im Nachhinein zu bewegen. Zu jener Zeit, wenn man das Gehörte Revue passieren lässt und sich die Erzählungen zu schaurigen Bildern zusammensetzen. Natürlich spielt das Geschehen in Afghanistan. Auch das ist ein fester Bestandteil bei diesem Autor.

Das Schicksal zweier Frauen

Anders als in „Drachenläufer“ – der nicht weniger bekannte Bestseller – spricht Hosseini in „Tausend strahlende Sonnen“ über zwei Frauen. Ihre Freundschaft und ihr Mut überwinden die Unterdrückung. Parallelen sind also trotz differenter Personenstruktur deutlich zu spüren. Ihr Leid ist Hauptthema im Werk. Ihr Kampf, dieses zu überwinden, die Botschaft, die Khaled Hosseini mitgibt. Selbst, wenn eine Situation ausweglos scheint, lohnt es sich doch, für die eigenen Träume zu kämpfen. Das zeigen Mariam, die mit 15 Jahren an einen zwanzig Jahre älteren Mann zwangsverheiratet wird, und auch Leila. Letztere erlebt das gleiche Martyrium zwanzig Jahre später, wird Zweitfrau des gleichen Mannes, der nunmehr jenseits der 60 ist. Der Weg, wie Mariam und Leila zueinander finden ist ein Übel der Kultur. Es ist aber zugleich die Chance beider, dem zu entfliehen.

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Anna Todd – After Passion

Benjamin Jendro

17.Februar
2015

Todd - After Passion hbWann haben Sie ganz persönlich zuletzt mal eine Romanze im Kino oder Fernsehen gesehen, bei der sie dahin schmelzen konnten und die für sie das typische jugendliche Leben in den Vereinigten Staaten verkörperte? Beim mir ist das schon ein wenig her, doch in den späten Neunzigern und jungen Zweitausendern waren derartige Geschichte an der Tagesordnung. Ein junges Mädchen absolviert die Highschool und erlebt auf der Universität, dem College eine ganz andere Welt und ganz andere Seiten an sich. Das bisherige Leben, die bisherigen Grundsätze werden beiseite gewischt und das schüchterne Individuum vollkommen vom partymachenden Kollektiv eingenommen. So in etwa gestaltet sich auch „After Passion“ der jungen Autorin Anna Todd.

Anna Todd baut ihre Träume in die Romane ein

Anna Todd hat kurz nach ihrem Highschool-Abschluss geheiratet, noch heute lebt sie glücklich mit der ersten großen Liebe im US-Staat Texas. Ihr Vita liest sich mitunter etwas spießig, sie hat früh für geordnete Verhältnisse gesorgt. Dennoch schlummern in ihre aber jene Träume und jener Drang nach Experimenten und Freiheit, den viele junge Frauen in ihrem Alter verspüren. Tessa Young, die zentrale Figur in Todds „After“-Reihe, ist ihre Projektionsfläche. In „After Passion“, dem ersten von vier Bänden, lernt diese eine vollkommen neue Welt kennen. An der Washington State University ist alles größer, alles anders. Das beginnt bei ihrer neuen Mitbewohnerin, die so gar nicht ins bisherige Freundinnen-Raster passt und setzt sich bei Macho Hardin Scott fort.

Hardin Scott – Ein Mann wie Harry Styles

Der erste Eindruck, den Tessa von Mitbewohnerin Steph gewinnt, ist eine gesunde Mischung aus Verwunderung und Interesse. Das gilt auch für Hardin, einen Kerl, der sich im Freundeskreis von Steph tummelt und der wenig sympathisch wirkt. Zwar empfindet Tessa den Bad Guy zunächst nicht wirklich anziehend, irgendetwas aber schlummert in ihm, das ihr Interesse weckt. Bemerkenswerterweise beruht das auf Gegenseitigkeit, denn auch der egozentrische Hardin ist vom jungen, naiven Neuling spürbar angetan. In einem Umfeld voller alkoholgeladener Partys und nicht immer legal ausgelebter Abende nähern sich die beiden an, was Tessa dazu bringt, mit allem Bisherigen, auch ihrem eigentlichen Freund Noah zu brechen. Dass sich das über einen für dieses Genre ungewöhnlich langen Zeitraum hinzieht, merkt man als Zuhörer gar nicht. „After Passion“ ist einfach Baldrian für die romantische Seele.

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Michel Houellebecq – Unterwerfung

Benjamin Jendro

10.Februar
2015

Houellebecq - Unterwerfung hbIn den letzten Wochen wurde wahnsinnig viel über den Terror des IS gesprochen und geschrieben. Verantwortlich für diese Fokussierung sind die sich immer stärker häufenden Angriffe und Hinrichtungen, die durch die Vertreter des IS im Religionskampf vollzogen werden. Nicht zuletzt haben die Anschläge in Paris gezeigt, dass Europa dieses Thema ernst nehmen sollte. Im engen Zusammenhang mit dem Attentat auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo wurde immer wieder ein Autor genannt, der mit seinen Werken schon des Öfteren angeeckt ist und dessen neuester Roman an jenem Tag im Januar erschienen ist, als einige seiner Bekannten aus dem Leben schieden. Ohne Frage ist Michel Houellebecq ein Querdenker. Sein aktuelles Stück „Unterwerfung“ thematisiert den Islam, ist aber nicht als Kritik dessen zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um ein Zukunftsszenario, das der Autor erdacht hat und das seine schriftstellerische Klasse beweist.

Es ist die Unterwerfung unter eine starke Religion

Houellebecq macht in allen öffentlichen Diskussionen keinen Hehl daraus, was er über die derzeitige Führung seines Frankreichs denkt. Die bisherigen Romane durften getrost auch als politische Kritik verstanden werden. „Unterwerfung“ tendiert in diese Richtung, zeigt aber einen stilistisch sehr gereiften Michel Houellebecq. Erzählt wird im 8-stündigen Hörbuch von einer Regierungsübernahme in der Zukunft. Es ist das Jahr 2022, als Paris in einen Bürgerkrieg gerät. Bei der letzten Wahl konnte sich Präsident Hollande noch einmal durchsetzen. Dieses Mal aber haben die altgedienten Parteien keine Chance mehr. Stattdessen hat sich Front National mit Marine Le Pen zahlreiche Wählerstimmen sichern können. Der einzige, der ihrer Machtübernahme und einer rechtsgerichteten Politik im Weg steht, ist Mohammed Ben Abbes. In der Stichwahl entscheiden sich die Wähler und Vertreter der gescheiterten bürgerlichen Parteien für ihn, um das Übel Le Pens abzuwenden. Die Folge ist eine „Unterwerfung“ der bisherigen Glaubenswerte und die Islamisierung Frankreichs, die der Autor aber äußerst positiv darstellt.

Unterwerfung erzählt von der Wiederherstellung des Einheitsgedankens

Sprecher Christian Berkel hat ein gutes Gespür dafür, was Houellebecq mit „Unterwerfung“ eigentlich sagen will und überbringt dank sehr eigenwilliger Schwerpunktsetzung bei der Intonation die zwischen den Zeilen stehende Botschaft an die Zuhörer. Ben Abbes ist ein recht charismatisch dargestellter und weitdenkender Staatspräsident, der nach Ausgleich bemüht ist. Seine Bruderschaft der Muslime verändert natürlich das gesellschaftliche Zusammenleben innerhalb Frankreichs. Die Islamisierung erfolgt aber moderat und wird kaum kritisch beäugt, von vielen sogar gern angenommen. Allen voran von Literaturwissenschaftler François. Der Hauptcharakter trägt Züge Houellebecqs in sich und ist vom Wandel positiv beeindruckt. Er überlegt sogar, den muslimischen Glauben anzunehmen, weil sich dadurch seine sexuellen Vorlieben realisieren könnten und er gleich mehrere Frauen ehelichen dürfte. Alles in allem polarisiert Houellebecq mit seinem Werk und das weiß er sehr wohl. Nichtsdestotrotz aber kritisiert er mit „Unterwerfung“ weder den Islam noch seine Grundelemente. Dies geschieht auch nicht auf satirischer Ebene, denn letztlich ist die Situation, wie sie fiktiv aufgezeigt wird, keinesfalls negativ konnotiert. Vielmehr würden die Franzosen dank der Machtübernahme endlich wieder Einheit symbolisieren, weil sie Werte verinnerlichen, an denen es festzuhalten gilt.

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Lutz Hübner – Frau Müller muss weg

Benjamin Jendro

3.Februar
2015

Frau Müller muss wegDie Schulpflicht ist im deutschen Gesetz fest verankert. Deshalb schicken die meisten Eltern ihre Schützlinge Tag für Tag in die Bildungseinrichtung. Dass sie mit den Elementen dieser zufrieden sind, ist damit aber nicht gesagt. Tatsächlich gibt es im Schulunterricht so einiges, was Mama und Papa so rein gar nicht in den Kram passt. Für eine ganze Gruppe von ihnen ist eine Lehrerin in Lutz HübnersFrau Müller muss weg“ ein wahrer Dorn im Auge. Die Akademikerin ist der Grund dafür, dass viele Kids eine schlechte Zukunftsaussicht haben. Zumindest halten die Eltern sie für den Grund.

Frau Müller muss weg – Keine Frage

Die Zeugnisse stehen an und mit ihnen die Empfehlung für die jeweilige Oberstufe. Dieser Zeitpunkt sollte Eltern eigentlich zufrieden stimmen. Schließlich zeigt das, dass ihre Kids heranwachsen. Für mehrere Paare im Theaterstück „Frau Müller muss weg“, das derzeit auch im Kino für Furore sorgt, steigt aber die Angst, je mehr sich besagter Tag nähert. Schuld daran ist allein die nicht immer freundlich dargestellte Frau Müller. Die Klassenlehrerin ist mit ihrer Notenvergabe schließlich das Zünglein an der Waage und bevor man die Schuld beim eigenen Kind sucht, macht man doch lieber jemand anderes für das stetige Versagen in den Klassenarbeiten verantwortlich.

Eltern im Kampf gegen Frau Müller

Wenn es sich um ein, vielleicht auch zwei Kids handeln, wäre es ja noch im Bereich des Möglichen, dass die Notenvergabe rechtens abläuft. So aber sehen sich Jessica Höfel, Ehepaar Jeskow, Wolf Heider und Katja Grabowski förmlich dazu gezwungen, Frau Müller einmal die Leviten zu lesen. Diese ist sich natürlich keiner Schuld bewusst und zudem recht uneinsichtig. Mit steigender Erzählzeit werden die Bandagen der besorgten Eltern immer härter. Dass sie sich dabei von einer wenig erwachsenen Seite zeigen, macht das ganze Szenario umso lustiger. Im Kino erlebt man unter anderem Anke Engelke, Ken Duken und Alwara Höfels, wie sie in eine Peinlichkeit nach der anderen schlittern. Im zugrunde liegenden Stück, denen die besagten Schauspieler in der Hörbuchvariante von „Frau Müller muss weg“ ihre Stimmen geliehen haben, kommt das aber auch schon recht gut durch.

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