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Jan Weiler – Kühn hat zu tun

Benjamin Jendro

24.April
2015

Weiler - Kühn hat zu tunImmer wieder stößt man auf erfolgreiche Schriftsteller, die es in einem neuen, für sie eher unbekannten Genre versuchen. Mit Kriminalromanen hat man Jan Weiler bisher nicht so wirklich in Verbindung bringen können. Nun aber versucht es der Düsseldorfer, der mit „Maria, ihm schmeckt´s nicht“ die große Bühne betrat, mit einem eben solchen. „Kühn hat zu tun“ ist ein Werk, das vom Titel her noch nicht so viel Grausiges bereithält. Im Verlauf der mehr als acht Stunden Hörbuch aber geht es richtig zur Sache, was man Jan Weiler bisher überhaupt nicht zugetraut hätte.

Kühn hat Probleme und jede Menge zu tun

44 ist Martin Kühn, verheiratet und zweifacher Vater obendrauf. Ansässig in der Münchner Vorstadt, scheint die für ich höchste Karrierestufe bei der Polizei bereits erreicht. Eigentlich hält man ihn für recht talentiert, für eine Beförderung aber reicht das wohl nicht. Im Grunde genommen stört ihn das nicht einmal, viel größer sind da die Probleme in den heimischen vier Wänden. Sei pubertierender Sohn entwickelt immer sonderbarere Interessen. Darüber hinaus geht eine sexuelle Anziehungskraft von der rothaarigen Nachbarin aus. Fremdgehen aber würde er nie, zumal ihm die Zeit fehlt, denn „Kühn hat zu tun“. Er wird zu einem Tatort gerufen, zu welchem er nicht lang braucht. Keine 30 Meter von seinem Gartentor entfernt liegt eine Leiche.

Respekt Jan Weiler

Schon interessant, wie wortgewandt sich Jan Weiler in „Kühn hat zu tun“ erweist. Als hätte er nie etwas anderes geschrieben, meistert er seinen ersten Krimi mit Bravour. Von Vorteil ist es da natürlich auch, dass er seinen Roman gleich selbst eingesprochen hat und so ganz genau weiß, worauf er den Schwerpunkt in der Intonation setzen kann. Kühn ist ein eigenwilliger Charakter, an dessen Gedanken wir stets teilhaben dürfen und über den man sich wundern kann. Dennoch entwickelt man als Zuhörer eine gewisse Zuneigung. Recht flüssig geschrieben und dennoch mit spannenden Wendungen versehen, entwickelt sich „Kühn hat zu tun“ zu einem echten Krimi, der einen dann schon mal auf die Couch fesselt.

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Günter Grass – Lyrische Beute

Benjamin Jendro

16.April
2015

Grass - Lyrische BeuteIrgendwie war es ein recht eigenartiger Wochenanfang. Die wenigsten kannten Schriftsteller Günter Grass persönlich, doch jeder scheint nun um ihn zu trauern. Natürlich tun wir das, denn erst mit seinem Tod wird uns bewusst, was dieser Mann für alle gesellschaftlich-kulturell Interessierten geleistet hat. Günter Grass hat mit seinen unzähligen Werken nicht nur gut unterhalten, er hat vor allem auch Ansichten geprägt. Ich persönlich habe unzählige Geschichtsstunden im Schulraum verbracht, um historische Fakten zu erfahren. Wie es aber den Menschen zur jeweiligen Zeit ging, und das ist das wirklich Wesentliche, hat niemand ernsthaft vermittelt. Grass schon, sein Werk „Die Blechtrommel“ hat mein Geschichtsbild stark beeinflusst. Auch mein Bild von Literatur wäre ohne Günter Grass nicht das heutige. Mit „Lyrische  Beute“ ist es ihm sogar gelungen, mich entgegen der Gewohnheit für Lyrik zu begeistern.

Günter Grass machte Lyrische Beute

Schulstunde, Deutsch, Gedichtanalyse – Oh nein, schon wieder eine. So gerne ich mich in der Schule der Deutschen Sprache und Literatur gewidmet habe, Gedichtanalysen habe ich gehasst. Noch heute, nach dem Studium frage ich mich, warum es so wichtig ist, dass ein Autor in seinem Werk Alliterationen, Hyperbeln und Co. verwendet hat. Im Kern geht es doch bei allen Gedichten um den Inhalt, selbst wenn es immer heißt, Inhalt und Form stehen im Wechselspiel miteinander. Eine Ansicht, der im Übrigen auch Dozenten zustimmen mussten. Gedichte liest man, weil sie in wenig Worten viel über einen Autor aussagen. „Lyrische Beute“ ist eine Sammlung mehrerer dieser Zeugnisse. Ganz nebenbei sorgt der Sprecher Günter Grass zudem dafür, dass sie recht unterhaltsam und mit einer eindringlichen Stimmfarbe vorgestellt werden.

140 Gedichte aus 50 Jahren

50 Jahre umfasst die Zusammenstellung, in der 140 Gedichte des Literaturnobelpreisträgers von 1999 enthalten sind. Günter Grass war ein Querdenker, das ist zu Recht auch in allen Äußerungen zu seinem Tod deutlich geworden. Ein Mann, der den Tonus vieler Leute traf, dem es aber auch vollkommen bewusst war, mit seinen stark polar gefärbten Äußerungen bei anderen Widerstand und Abneigung hervorzurufen. Das Hörbuch „Lyrische Beute“ ist die Aufzeichnung einer Lesung von Günter Grass in Lübeck. Sie ist jetzt nach seinem Tod und der Erkenntnis, dass er keine weiteren Lesungen halten wird, umso wertvoller. Bei den knapp vier Stunden kann man noch mal das ganze Spektrum eines sehr großen Mannes auf sich einfließen lassen, einfach zuhören und die Gedanken baumeln lassen.

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Anna Todd – After Truth

Benjamin Jendro

9.April
2015

Todd - After Truth hbSchriftsteller leben von ihren Geschichten. Nur mit einem unterhaltsamen Plot schaffen sie es, Leser für sich zu gewinnen. Dafür ist es notwendig, dass eine Erzählung authentisch ist, der Schreiber sie nicht einfach nur herunter geschrieben, sondern dabei auch eigene Empfindungen einfließen hat. So geschieht es zwangsläufig, dass die Geschichten, die Menschen aufschreiben und dem Leser vorlegen, auch immer die ganz eigene Lebensgeschichte thematisieren oder zumindest Elemente beinhaltet, die den jeweiligen Literaten beschäftigen. Mit Anna Todd hat da in den letzten Monaten wieder Mal eine Autorin für Aufsehen gesorgt, die zwei junge und von Grund auf verschiedene Akteure zusammenführt. „After Truth“ ist der zweite Band einer Reihe, in der es um gegenseitige Anziehung und alle Hürden einer Liebe geht.

After Truth – Eine Autorin verarbeitet ihre Träume

Anna Todd, eine Texanerin, die sofort nach der Highschool heiratete und deren Anerkennung vor allem Boygroups zu Gute kommt, ist eine Autorin, die in ihren Werken ihre Träume sprechen lässt. Sie hat ein geordnetes, ein ganz gewöhnliches Leben und ist nach eigenen Angaben vollauf damit zufrieden. Es gibt, und da macht Todd keinen Hehl drum, aber auch noch eine andere Variante. Statt Vorgarten und Familie hätte sie auch den Weg ihrer Protagonistin Tessa gehen können. Diese kommt in die Großstadt, studiert und gelangt in eine für sie bis dahin unbekannte Welt voller Partys, Action und Gefahren. Mittendrin ein Kerl, der nicht gut für sie ist und von dem sie sich dennoch nicht mehr zu lösen vermag. In „After Passion“ lernten wir Tessa und eben jenen Hardin kennen. Einen Macho, der sie alle haben kann, aber an der jungen naiven Tessa einen Bären gefressen zu haben scheint. In „After Truth“ nun geht es zentral darum, wie es mit den beiden weitergeht. Tessa erfährt die ganze Wahrheit über Hardin – eine Wahrheit, die sie nicht wahrhaben möchte und die Gift für die Beziehung der beiden ist.

Wie stark ist erotische Anziehungskraft?

Es ist bei weitem nicht so, dass Autorin Anna Todd mit der „After-Reihe“ etwas komplett Revolutionäres vorlegt. Die Szenerie erinnert ein wenig an die guten amerikanischen Teeniestreifen um die Jahrtausendwende. Das junge Mädchen kommt an die Universität und wirft plötzlich sämtliche Grundsätze und auch den Freund in der Heimat über den Haufen. Neu ist, dass sie das Ganze mit einer erotischen Würze aufpeppt und sich somit eine Mixtur aus den früheren und der aktuellen Kassenschlagern zusammenreimt. Ein Werk, das im Jahr 2015 über die Liebe spricht, kann nicht über das Thema Sexualität hinwegsehen und so bekommt gerade die erotische Anziehungskraft einen hohen Stellenwert. Genau diese ist das, was Tessa zweifeln lässt und ihr den Weg in das alte Leben, das Leben vor Hardin Scott, versperrt.

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