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Haruki Murakami – Wenn der Wind singt

Benjamin Jendro

27.Mai
2015

Murakami - Wenn der Wind singtDie Zahl derjenigen, die aus meiner Sicht noch immer zu Unrecht auf den Nobelpreis für Literatur wartet, steigert sich Jahr für Jahr. Immer wieder wird man überrascht und bekommt einen Autor vor die Nase gesetzt, der es durchaus verdient hat, der einem aber nicht als erster Name in den Sinn gekommen ist. Haruki Murakami ist für mich derjenige, dessen Name seit Jahren fallen müsste, wenn die Akademie einen Sieger verkündet. Seine Romane versprühen großen Unterhaltungswert und zehren von einer ganz eigenen Sprache. Der 1949 geborene Japaner hat sicher noch ein Paar Jahre Zeit, dennoch sind seine Werke nobelpreiswürdig. Sein Debüt „Wenn der Wind singt“ war es schon.

„Wenn der Wind singt“ ist der Beginn einer Trilogie

Gerade ist der Wunsch vieler Literaturfans in der realen Welt erfüllt worden. Haruki Murakamis Debütroman „Wenn der Wind singt“ wurde endlich auch außerhalb Japans veröffentlicht. Somit hat der Bestsellerautor sich nach langem Hin und Her nun doch entschlossen, seinen Fans, von denen es in Deutschland wahrlich viele gibt, das gute Stück vorzulegen. Es erscheint in der Buchvariante zusammen mit „Pinball 1973“, dem Folgeband. Zusammen mit dem bereits 1991 in Deutschland erschienen Werk „Wilde Schafsjagd“ ergibt das die so genannte „Trilogie der Ratte“ – Murakamis Einstieg in die literarische Welt.

Die Geschichte in „Wenn der Wind singt“

Haruki Murakamis Romane erkennt man oft an wiederkehrenden Elementen. Eines besteht darin, die Erzählung an einer Figur entlang zu führen und das Werk so auch immer ein wenig autobiographisch zu gestalten. In „Wenn der Wind singt“ ist ein 21-jähriger Student dieser Eckpfeiler. Murakami, der seinen Schriften gerne mal etwas Mystisch-Märchenhaftes verleiht, gibt ihm keine Namen. Er ist eine Person, die sinnbildlich zu sehen ist und deshalb auch keinen Namen tragen muss. Besagter Student verbringt die Sommersemesterferien des Jahres 1970 in seinem kleinen Heimatdörfchen. So wirklich viel macht er dort nicht. Trotzdem enthalten die fünf Stunden Hörbuch, die David Nathan spricht, viel Interessantes. Es geht um die Gespräche von dem Protagonisten mit seinen drei engsten Vertrauten, seinem besten Freund Ratte, einem Mädchen, dem ein Finger fehlt und einem Barkeeper.

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Victor Hugo – Die Elenden

Benjamin Jendro

20.Mai
2015

Hugo - Die ElendenFrankreich hat eine Menge große Literaten zu bieten. Im Land, das seit jeher eine Art Vorbote der menschlichen Geistesentwicklung scheint, sind Autoren aus dem Boden gewachsen wie in anderen Ländern das Unkraut. Balzac, Voltaire und Co. haben die Welt mit ihren Worten bereichert, ihr viele schöne Stunden geschenkt. Von einem Alexandre Dumas möchte man da noch gar nicht sprechen. Einer, der in Deutschland eigenartiger Weise gar nicht so großen Erfolg hatte, in der Welt aber recht große Anerkennung findet, ist Victor Hugo. Dessen Todestag jährt sich am Freitag zum 130. Mal. Grund genug, einen Blick auf „Die Elenden“ zu werfen, sein mit Sicherheit größtes Stück.

Die Elenden als Zeugnis des politischen Wandels

Zeit seines Lebens variierten die politischen Ansichten von Victor Hugo. Dieser Wandel spiegelt sich auch in seinen Werken wider. 1846 wechselte er erneut das Lager und begann sich nach und nach sozial zu engagieren. In Manier des großen Sues arbeitete er fortan an seinem Meisterstück, das schließlich 1862 als „Les Miserables“, zu dt. „Die Elenden“ vorgestellt wurde. In diesem Aushängeschild der Romantik, als dessen Hauptakteur Hugo heute in Frankreich gesehen wird, widmet er sich dem Schicksal des Sträflings Jean Valjean. Um diesen herum baut er ein Gesellschaftsbild der Zeit von Napoleon bis Louis Philippe.

Hugo beschreibt die Umstände der Zeit

Mal abgesehen von den Geschehnissen rund um Valijean und einige andere Protagonisten beschreibt Victor Hugo in „Die Elenden“ vor allem auch den Pariser Juniaufstand von 1832. Dabei zeigt er verstärkt Sympathie für die Aufständler, die eine Republik errichten wollen. Alle wichtigen Akteure treffen direkt an den Barrikaden aufeinander. Besonders handlungstragend scheint dabei der vorher eher nebensächliche Gassenjunge Gayroche. Er ist ein wesentliches Puzzlestück, das in den 56 Mammutstunden Hörbuchversion mit vielen anderen Elementen zusammengeführt wird. Sprecher Gert Westphal schaffte es mit einer erstklassigen Mixtur aus ruhiger und bei Bedarf auch bewegter Intonation Victor Hugos großen Klassiker neu aufleben zu lassen.

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Dörte Hansen – Altes Land

Benjamin Jendro

13.Mai
2015

Hansen -Altes LandManche Dinge in dieser Welt können wir bestimmen, die meisten aber eben nicht. So ist unser Leben geprägt von vielem Unvorhersehbaren und jeder Menge Überraschungen, die es besonders spannend machen. Eine Sache, die sich nicht vorhersehen lässt, ist beispielsweise der Unterhaltungswert eines literarischen Werkes. Zwar kennen wir einige Autoren und Autorinnen und können bei einem Folgewerk von ihnen in etwa erahnen, was da zu hören ist. Bei gänzlich neuen Schriftstellern aber lässt sich der Überraschungseffekt nicht minimieren. Insofern wusste ich auch vor meinem letzten Hörbuchkauf nicht, was mich erwartet. Ich griff zur Dörte HansensAltes Land“ und bereute die Entscheidung bei keiner der 313 Hörminuten.

Altes Land ist ein historisch gefärbtes Stück

Fünf Jahre alt ist die kleine Vera, die als das „Polackenkind“ gemeinsam mit ihrer Mutter auf einem Hof gelandet ist. „Altes Land“ erzählt von ihrer Flucht aus Ostpreußen im Jahr 1945. Die neue Heimstätte ist zwar sicher, doch die Szenerie erscheint ihr fremd. Das große und karge Bauernhaus strahlt nicht gerade große Gastfreundschaft aus. Dennoch aber ist Vera am neuen Ort gefangen. Sechs Jahrzehnte später klopft ihre Nichte Anne an die Tür. Auch sie ist geflüchtet, vor ihrem Mann, der auf einmal eine andere liebt. Sie hat ihren kleinen Sohn mitgebracht.

Dörte Hansen berührt den Leser

So unterschiedlich Dörte Hansen Anne und Vera auch darstellt, so vergleichbar ist ihre Situation. Die beiden Frauen, um die sich das komplette Werk „Altes Land“ dreht, haben mehr gemeinsam als es den Anschein macht. Es ist durchaus interessant zu beobachten, dass beide letztlich nach exakt dem gleichen Medium suchen – einer Familie, in der Glück sprießt. Das entschlüsselt die Autorin, die mit einer klaren aber stetig einfühlsamen Sprache, mit Verlauf der Erzählung immer mehr. So berührend die Geschichte ist, so viel ist sie auch vom hanseatisch-trockenen Witz gesegnet, den Dörte Hansen immer mal wieder einfließen lässt.

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Die drei Fragezeichen – Schattenwelt

Benjamin Jendro

7.Mai
2015

SchattenweltJustus Jonas, Peter Shaw, Bob Andrews – Das Triumvirat der Hörbuchszenerie kehrt zurück und präsentiert seinen nunmehr 175. Fall. Das wohl erfolgreichste Dreigestirn der Krimihistorie poltert seit Jahrzehnten erfolgreich durch die Boxen von Kassettenrekordern und CD-Playern. „Schattenwelt“ ist nun ihr neuestes Abenteuer und eines, das sich genauer betrachtet in gleich mehrere Episoden unterteilt. Wie viele genau? Na raten Sie mal! Exakt drei sind es, ganz gemäß der Dreifaltigkeit, die Justus, Peter und Bob als Kriminalisten stets verkörpern.

Die drei Fragezeichen als Studis

Das gab es in der langen Bandreihe der drei Fragezeichen noch gar nicht. In „Schattenwelt“ bekommen sie erstmals die unvergleichliche Chance, als Studenten für ein paar Wochen das Uni-Leben zu testen. Wie erwartet, geht es in Ruxton aber nicht allein um Vorlesungen und Uni-Partys, sondern um einen neuen tollen Fall. Dieser benötigt etwas Anlaufzeit, kommt etwas spärlich in die Gänge. Zunächst einmal müssen sie sich mit einem Mitbewohner herumärgern. Auf dem Campus werden die sonst so freundlichen Zukunftsakademiker plötzlich zu aggressiven Kommilitonen.  Des Rätsels Lösung soll wohl der sogenannte Teumessische Fuchs sein. Dieser ist aber nicht so wirklich identifizierbar.

Schattenwelt begeistert mit drei Teilen

Das neue Abenteuer „Schattenwelt“ beginnt mit „Teuflisches Duell“ und eben jener merkwürdigen Ausgangslage auf dem Campus. Weiter geht es mit „Angriff in der Nacht“ und so immer tiefer in den dunklen Sumpf und immer weiter an den Teumessischen Fuchs heran. Der scheint omnipräsent, ist aber irgendwie doch nicht auffindbar. Bis zu einer Nacht, in der er eiskalt und unerwartet zuschlägt. Das Grande Finale von „Schattenwelt“ erfolgt in „Die dunkle Macht“. Spektakuläre Entdeckungen wirbeln den ganzen Fall durcheinander und bringen „Die drei Fragezeichen“ näher auf die Spur ihres Gegenspielers. Dieser aber scheint gewieft und ist immer einen Schritt voraus. Der finale Showdown bringt dann sein wahres Gesicht ans Tageslicht. Eine wirklich gelungene Jubiläumsausgabe, die dort mit „Schattenwelt“ vorgelegt wird.

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McPartlin _ Rabbit HayesWas ist das Wichtigste in unserem Leben? Die Frage lässt sich so einfach nicht beantworten, denn genau betrachtet ist das bei jedem ganz individuell bestimmbar. Es gibt jedoch eine Schnittmenge, die für alle Menschen besonderen Status haben sollte, weil sie letztlich das ist, was uns in allen Höhen und vor allem den Tiefen des Lebens beiseite steht. Die Familie ist ohne Frage das zentrale Hab und Gut eines Menschen. Da verwundert es auch nicht, dass Romane, in denen das Familiäre in den Mittelpunkt gestellt wird, die meisten Leser für sich gewinnen können. Anna McPartlin zeigt das mit ihrem Werk „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ – eine Geschichte, in der es um das Thema Krebs, den Umgang damit und so folglich auch um die Familie geht.

Ein allerletzter Kampf

Das Leben lässt uns viele Kämpfe bestreiten und auch, wenn wir nicht mehr wie früher in Schlachtfeld ziehen müssen, gibt es doch viele Hürden, die man überspringen muss. Für Rabbit Hayes ist klar, dass dies ihr letzter Kampf sein wird und einer, den sie nicht gewinnen kann. Es sind „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“, denn sie hat Brustkrebs im Endstadium. Eine Heilung ist vollständig ausgeschlossen. Ganze neun Tage geben ihr die Ärzte. Wenig Zeit, aber genug für Rabbit, um innerhalb ihrer Familie noch mal alles ins Reine zu bringen. Das ist zwar eine recht aufwendige Aufgabe, doch Rabbits Hoffnung bleibt ungetrübt. Sie weiß, sie wird es schaffen, selbst wenn es das Letzte ist, was sie tut.

Die Geschichte von Rabbit Hayes ist traurig, schenkt aber Hoffnung

Jedem, der zum Hörbuch „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ greift, muss klar sein, dass es um ein ernstes Thema geht, die Grundstimmung demnach nahezu auf dem Tiefpunkt ist. Allerdings ist es gerade die Hauptakteurin, der Anna McPartlin ein wenig Esprit verleiht und durch die sie die düstere Trauergrundhaltung ein wenig aufhellt. Rabbit Hayes beweint ihr Schicksal nicht, sie beendet ihr Leben im Guten und muss das bevorstehende Ende nicht ständig beweinen. Das mag ein wenig skurril wirken, sorgt aber letztlich dafür, dass auch ihre Familienangehörigen besser mit der Situation umgehen können. Das gilt für Jack und Molly, ihre Eltern, aber auch für die Geschwister Grace und Davey. Am meisten beeindruckt jedoch das Verhalten der erst zwölfjährigen Tochter Juliet, die wohl den schwersten Stein zu tragen hat.

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