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Stephen King – Finderlohn

Benjamin Jendro

27.August
2015

King - FinderlohnAuch in bin ein Fan verschiedener Schriftsteller und stets enttäuscht, wenn es lange nichts von einem dieser Virtuosen zu hören gibt. So weit wie Morris Bellamy, einem der neuen Protagonisten, in Stephen Kings Figurenrepertoire würde ich aber nie gehen. Bellamy ist von seinem Idol John Rothstein, einem Schriftsteller, so besessen, dass er ihn umbringt, weil er nicht mehr schreibt. Dieses psychopathische Vorgehen kann genau genommen von niemand anderem so ausgesponnen werden. Denn Stephen King ist ein absolutes Unikat, der immer mal wieder mit sonderbaren Charakteren beeindruckt. Bellamy ist der zentrale Gegenspieler für Ermittler Bill Hodges, der im Mittelteil der Mr. Mercedes Trilogie um den „Finderlohn“ feilschen muss.

Wieder Arbeit für Bill Hodges

In „Mr. Mercedes“ hat er sich erstmals gezeigt und definitiv Eindruck hinterlassen. „Finderlohn“ ist nun der zweite Roman der Serie, die im kommenden Jahr ihr Finale erlebt („End of Watch“, dt. Titel bisher unbekannt). An sich ist es für ein Mittelstück nicht immer einfach, ernsthaft unterhaltsam zu sein. Schließlich profitiert es weder von der frischen Unbekanntheit eines ersten Bandes noch von der langsam deutlicher werdenden Botschaft eines Finales. Dennoch aber kann sich auch „Finderlohn“ sehen lassen. Detektiv Bill Hodges kann sich in den rund 18 Stunden Thriller-Abenteuer von seiner besten Seite zeigen. David Nathan führt wie schon bei „Mr. Mercedes“ hervorragend durch Kings Werk und stellt die Ambivalenz des Psychopathen in aller Ausprägung in den Raum. Hodges muss sich mit Morris Bellamy herumschlagen. Dieser hat Rothstein, einen Bestsellerautor der Sechziger, ermordet und dessen Hab und Gut vergraben. Für ein anderes Vergehen landet er im Knast. Als er wieder auf freiem Fuß ist, will er seinen Schatz bergen, doch den „Finderlohn“ hat bereits ein anderer eingeheimst.

Ein gefährlicher Finderlohn

Hier kommt Peter Saubers, die dritte wesentliche Figur, ins Spiel. Der Junge trifft auf den von Bellamy vergrabenen Schatz – unveröffentlichte Manuskripte, Notizbücher und Bargeld. Doch so wirklich glücklich kann man das nicht nennen, denn damit landet Saubers direkt auf der Abschussliste des Psychopathen. Zumal Saubers sich anmaßt, das Geld für seine Familie, die jeden Cent benötigt aufzuwenden. Er kann sich glücklich schätzen, weil Hodges ihn im Auge hat und so vor Bellamy beschützt. 35 Jahre nach dem einstigen Mord will er einen weiteren begehen und den rechtmäßigen Finder um seinen „Finderlohn“ bringen.

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Don Winslow – Das Kartell

Benjamin Jendro

19.August
2015

Winslow - Das KartellJede Freundschaft durchläuft eine Entwicklung. Aus einer losen Bekanntschaft kann eine zementfeste Bruderschaft entstehen und manchmal auch genau das Gegenteil. Es gibt wahnsinnig viele Romane, in denen zwei Kinder sich kennenlernen und ihre Bindung über viele Jahre hinweg aufrechterhalten. Manchmal auch gibt es eine Story darüber, wie sich zwei enge Freunde auseinanderleben und erst Jahre später wieder zueinander finden. Eher selten hingegen ist die dritte Variante, nämlich, dass sich zwei enge Freunde nicht aus den Augen verlieren und zu erbitterten Feinden wachsen. Bei Don Winslow, einem wirklich erfolgreichen Schriftsteller dieser Tage, ist genau das der Fall. Sein neuer Roman „Das Kartell“ zeigt den Drogenhandel in Mexiko und das erbitterte Duell zwischen Ermittler Art Keller und Drogenboss Adan Barrera.

Zwischen den beiden liegen viele Tote

Art und Adan waren mal zwei gute Freunde. Die Zeit hat ihre Beziehung verändert, die vielen Toten ebenso. Ersterer ist mittlerweile Drogenfahnder. Objekt seiner Begierde ist der Niedergang von Adan Barrera, seinem einstigen Kumpel und jetzigen Drogenbaron. Bei seiner atemlosen Jagd auf den Widersacher scheint jedes Mittel recht. Das Ziel ist der Weg und wenn Art dafür Grenzen übertreten muss, um die Gesetzlosen zur Strecke zu bringen, dann ist es ebenso. Winslow zeigt ein tolles und vor allem sehr reales Bild des mexikanischen Drogensumpfs. Deutlich ist, dass Macht und Korruption eng miteinander verschränkt sind, Gerechtigkeit auslotbar ist und Rache das tägliche Geschehen auf allen Seiten bestimmt.

Das Kartell zeigt die Drogengeschichte Mexikos

Don Winslows „Das Kartell“ beginnt mit einer äußerst langen Todesliste und das nicht zu Unrecht. Der Autor widmet sein Werk all jenen Journalisten, die in den letzten 15 Jahren über den Drogensumpf Mexikos berichteten und dafür mit ihrem Leben bezahlten. Ob sie sich Drogenbossen, korrupten Polizisten, Straßenbanden oder Söldnern widmeten, spielt dabei keine Rolle. Sie alle sind Opfer eines vollkommen aus den Rudern geratenen Systems. Die Printausgabe ist mehr als 800 Seiten stark, beim Hörbuch sind es fast 30 Stunden. Dietmar Wunder führt durch einen Roman, der die kriminelle Geschichte Mexikos zeigt und so eine sehr gelungene Fortsetzung des erfolgreichen Vorgängers „Tage der Toten“ ist.

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Anna Todd – After Forever

Benjamin Jendro

12.August
2015

Anna Todd - After ForeverWieder einmal müssen sich die treuen Zuhörer romantischer Hörbücher damit abfinden, dass eine grandiose Serie zu Ende geht. Anna Todd hat sich in den vergangenen Monaten zu einer der beliebtesten Autorinnen aufgeschwungen. Alle zwei Monate hat sie einen neuen Band ihrer „After-Reihe“ veröffentlicht und so jenen Fans Nachschub beschert, die sich die einzelnen Kapitel schon vorher aus dem Internet, wo sie die herausgab, runterzogen. Ihre Story ist eine von Erfolg verwöhnte. Doch mit der vierten Episode „After Forever“ endet die Liebesgeschichte von Tessa und Hardin. Auf satten 21 Stunden, die von Nicole Engeln und Martin Bross gesprochen werden, erleben wir ein sehr gelungenes Finale.

Sind Tessa und Hardin stark genug?

In diesem wird final geklärt, wie stark die Verbindung zwischen den beiden Protagonisten Tessa und Hardin wirklich ist. Er ist der Macho, der von Beginn an eine enorme Anziehungskraft auf sie, das junge naive Rehkitz, abgestrahlt hat und sich später als sehr tiefschichtiger Charakter entpuppte. Sie wiederum wirkte zu Beginn recht orientierungslos und ließ sich treiben. Hardin war dadurch der starke Part in der Beziehung. In „After Forever“ hat sich die Situation längst verändert. Mittlerweile ist sie es, die ihm Halt gibt. Das führt sogar so weit, dass Tessa alles zu opfern bereit ist und sich selbst großes Leid zuführen würde, um Hardin mit aller Macht zu schützen.

Es wird nicht das letzte Werk von Anna Todd sein

Die Texanerin Anna Todd hat früh geheiratet, lebt im texanischen Austin. In den „After-Romanen“ verarbeitet sie ihre eigenen Interessen, Träume und Wünsche. Todd hat ein Faible für Boygoups und Teeniefilme. Eine richtige Teenie-Romanze sind auch die einzelnen Bände. Hardin ist nicht zufällig ein Typ wie Harry Styles von One Direction. Zwar scheint diese Geschichte auserzählt, doch eines ist wohl gewiss. Die Ideen für romantische Stoffe werden Anna Todd mit Mitte zwanzig nicht ausgegangen sein und wir werden wohl schon bald in den Genuss einer weiteren Reihe kommen, die den Zuhörer dahinschmelzen lässt

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Paul Maar – Ein Sams zu viel

Benjamin Jendro

6.August
2015

Ein Sams zu vielMeine Kindheit wurde von einigen lustigen Gestalten begleitet. Eine war ein lustiges Kerlchen mit dem sonderbaren Namen „Das Sams“. Dieses hat sich mit seiner frechen Art und den immer wieder spaßigen Erlebnissen richtig eingebrannt in mein Gedächtnis. Umso erfreuter bin ich nun, selbst aus den Kindesschuhen heraus, dass solche Helden meiner Kindheit noch nicht von der Bildfläche verschwunden sind und immer noch große Präsenz ausstrahlen. Dass die Geschichte noch längst nicht ausgeschöpft ist und immer weiter erzählt werden kann, beweist Paul Maar mit der aberwitzigen Story „Ein Sams zu viel“.

Plötzlich sind es zwei Samse

Abrakadabra, simsalabim und plötzlich sind es zwei Samse. Verantwortlich dafür ist ein unbedachter Moment von Herrn Taschenbier. Der Chef mit dem toll klingenden Namen hat einen Wunsch frei, denn das Sams möchte ihm zum Geburtstag seinen letzten Wunschpunkt schenken, der hinter dem Ohrläppchen schlummert. Herr Taschenbier aber wünscht sich etwas, dass der Schenkende so eher nicht vorhergesehen hat. Damit die ewig schimpfende Frau Rotkohl endlich Ruhe gibt, wünscht er ihr ein eigenes Sams herbei. Ehe er sich versieht, hat der Titelheld einen Doppelgänger. Leider entspricht der so gar nicht seiner Vorstellung und wirkt irgendwie wie ein äußerst schlechter Klon des Originals – des legendären Taschenbier-Sams.

Das neue Sams ist eines zu viel

Das neue Sams ist merkwürdig geraten. Es ist das perfekte Wunschkind, genau so, wie es Eltern sich immer wünschen. Es hält sich an Regeln und passt sich an, ist zugleich aber extrem naiv und ziemlich dümmlich. Das passt dem Original natürlich gar nicht, zumal ein zweiter seiner Art ohnehin vollkommen neuartig und fehl am Platz ist. Das Sams reagiert wütend und eifersüchtig, das erste Aufeinandertreffen ist schon eine recht giftige Begegnung. Dass Herr Taschenbier Sympathien für den Charakter des Neulings entwickelt, ist nicht gerade förderlich für das ohnehin sehr angeknackste Selbstvertrauen des Sams. „Ein Sams zu viel“ ist so ein Titel, der clever gewählt scheint und den Inhalt der 108 Hörbuchminuten recht gut zusammenfasst.

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