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Mary Higgins Clark – Wenn du noch lebst

Benjamin Jendro

30.Oktober
2015

Clark - Wenn du noch lebstDie Liebe und einen Kriminalfall zusammenzuführen, ist ein cleverer Handgriff, um eine wirklich explosive literarische Mischung zu synthetisieren. Entscheidet sich ein Autor oder im Fall von Mary Higgins Clark eine Autorin dazu, vereint sie das älteste alle Themen mit dem aktuell favorisierten Genre. Die Leser lieben spannende Geschichte und mehr als es zugeben wollen, präferieren brisante Fälle um Mord und Totschlag als Nachtlektüre. Die Liebe an sich spielt eh in jedem kulturellen Erzeugnis eine Rolle. In „Wenn du noch lebst“ hat die Lady of Crime allerdings nichts mit der Herangehensweise vielen anderer Autoren gemein. Oftmals dichten diese einem verrohten und vom Leben gezeichneten Kommissar irgendeine Verflossene oder neue heiße Liebschaft an. Nein, der neue Thriller von Clark stellt die Liebe in den Fokus. Ohne sie würde „Wenn du noch lebst“ gar nicht funktionieren.

„Wenn du noch lebst“ beginnt mit einem lukrativen Auftrag

Hier eine Menge Crime und da eine Menge Love. Man mag es kaum verstehen, wie stark sich Mary Higgins Clark in „Wenn du noch lebst“ beidem widmet. Wie bereits erwähnt, ist die Liebe hier nicht einfach nur ein Nebenstrang des hauptsächlich zentral angesiedelten Kriminalfalls. Genau betrachtet wird Letzteres durch Ersteres erst ernsthaft spannend. Erzählt wird die Geschichte von Innenarchitektin Lane Harmon, die mehr schlecht als recht durch das Leben kommt, weil ihr Lohn kaum reicht, um ihrer fünfjährigen Tochter Katie ein tolles Leben zu ermöglichen. Umso wichtiger ist für die Alleinerziehende ein neuer Auftrag, den sie auf keinen Fall verpatzen darf. Sie soll das Haus der vermögenden Familie Bennett mit dem richtigen Inventar ausstatten. An sich kein Problem, doch in der Familie gibt es einen Vermissten-Fall, bei dem nicht alles zusammenpasst. Als Lane das entdeckt, ist es für sie bereits zu spät. Sie hat sich hoffnungslos in ein Familienmitglied verliebt.

Veruntreuung, mysteriöses Verschwinden und eine große Gefahr

Peter Bennett, der Hausherr der Casa Bennett, ist spurlos verschwunden. Mit ihm die sagenhafte Summe von fünf Milliarden Dollar, die aus einem Fonds veruntreut worden, den er gemanagt hat. Ohne ersichtlichen Grund kehrt Peter von einem Segelturn nicht mehr zurück. Hat er sich abgesetzt oder gar das Leben genommen? Steckt vielleicht noch etwas anderes dahinter? Lane beginnt zu spekulieren. Die Überlegung, was mit Peter Bennett geschehen ist, begleitet sie bis in ihre Träume. Die Familie glaubt keinesfalls, dass er eine Schuld an seinem Verschwinden trägt und irgendwann gelangt auch Lane in „Wenn du noch lebst“ zu dieser Überzeugung. Der Grund dafür ist ein Sohn des Hauses. Dieser verschleiert nicht nur Lanes Blick für die Realität, sondern bringt sie und die kleine Katie in große Gefahr.

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Krieg der Könige - Das Lied von Eis und FeuerGeorge R.R. Martins derzeit fünf dicke Bände umfassendes, brillantes Fantasy-Epos „Das Lied von Eis und Feuer“ verdient keine Kürzungen. Zu vieles von der erzählerischen Wucht würde sonst verloren gehen, und da die Reihe noch nicht beendet ist, wäre es auch gefährlich, Handlungsstränge zu straffen – wer weiß, welches Detail noch wichtig wird! Deshalb erscheint die Vertonung der Reihe bei Random House Audio dankenswerterweise als ungekürzte Lesung.

Vom Auftaktband „Die Herren von Winterfell“ bis zum sechsten Teil „Die Königin der Drachen“ (in Deutschland wurden alle Bände der Reihe in zwei Bücher aufgeteilt) vermag es der der ausgezeichnete Sprecher Reinhard Kuhnert (u.a. Synchronstimme von Pierce Brosnan und Kevin Spacey), die Hörer von der ersten bis zur letzten Minute in den Bann der fiktiven Welt von Westeros zu ziehen. Die gefährlichen Ränkespiele in den sieben Königreichen des Kontinents, der brutal entfesselte Machtkampf zwischen den mächtigen Adelshäusern der Starks, Lannisters, Baratheons,Tyrells und Greyjoys, die eisige Bedrohung von jenseits der Mauer im Norden des Reiches und das Schicksal der verbannten Königstochter Daenerys Targaryen in Essos sind zwar weitschweifig erzählt, aber bei George R.R. Martin erscheint kein Wort zu viel, zu spannend entwickelt sich die Geschichte trotz der Erzählfreude des Autors. Mit der alten deutschen Übersetzung von Jörn Ingwersen und einem vorzüglichen Sprecher, der allen Personen eine eigene Stimme verleiht und trotz langer Sätze perfekt betont, ist das hier wirklich allerbeste Unterhaltung.

Für „Game of Thrones“-Fans und auch Kenner der Buchreihe, welche die lange Wartezeit auf die nächste Staffel bzw. den nächsten Band der Serie verkürzen wollen, gibt es jetzt einen besonderen Geschenktipp: Die Hörbücher 1-6 der Reihe in einer Box. Auf 20 MP3-CDs kommen da schlappe 127 Stunden und 49 Minuten zusammen.

Winter is coming – da hat man viel Zeit für Hörbücher …

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Drei Fragezeichen - Der Geist des GoldgräbersWenn eine Reihe bereits ihre 177. Episode veröffentlicht, dann kann man schon von einer sehr erfolgreichen Produktion reden. „Die drei Fragezeichen“ sind aus der Hörbuchszene schon längst nicht mehr herauszudenken. Seit Jahrzehnten sorgen Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews für akustische Spannung der Extraklasse. Die Hörspiele sind sogar um noch einiges erfolgreicher als die Buchversionen. So ist es für Fans immer wieder erfreulich, wenn eine neue Erzählung auf den Markt kommt. Der Hörbuchkrimi-Oktober steht da ganz im Zeichen von „Der Geist des Goldgräbers“.

Wer ist „Der Geist des Goldgräbers“?

Miranda Kramer hat die drei Detektive mit einem sonderbaren Fall aus ihrer Heimat, dem Dead Man´s Canyon, beauftragt. Schon bevor sie vor Ort eintreffen, gestaltet sich die neue Erzählung als äußerst interessant, denn der Fall beginnt bereits unterwegs. Justus, Peter und Bob treffen auf einen Goldgräber, der einem vor 100 Jahren verstorbenen Abenteuer namens John Dewey verdammt ähnlich sieht. Dieser hat alle Dorfbewohner, inklusive Miranda, davor gewarnt, jemals seinem Gold zu nah zu kommen. Nun also terrorisiert entweder sein Geist das Dorf oder jemand, der sich einen üblen Scherz erlaubt und die Historie ausnutzen möchte. Sofort checken die drei Spürnasen sämtliche Bewohner ab. Der Zuhörer darf es mit ihnen tun und bekommt sehr schnell einen Überblick, welche unsympathisch vorgestellten Charaktere dafür in Frage kommen.

„Der Geist des Goldgräbers“ endet natürlich unvorhersehbar

Bei 177 Folgen ist es schwer, sich wirklich stetig neu zu erfinden. Den „Drei Fragezeichen“ aber gelingt es. Vor allem haben sich die drei zentralen Figuren über die Jahre mit ihren Zuhörern weiterentwickelt. „Der Geist des Goldgräbers“ ist wieder eine vollkommen innovative Geschichte, die viel Spannung mit sich bringt und jeden Zuhörer bei Laune hält. Fest verankert sind alle bewährten Facetten der kniffligen Detektivarbeit, dank der Justus, Peter und Bob wieder einmal zum Ziel gelangen. Natürlich geschieht das erst nach mehreren Wendungen, so dass auch das Ende vollkommen überraschend erscheint, was wiederum nicht überraschend sein dürfte. Es ist letztlich nämlich absolut typisch für „Die drei Fragezeichen“, dass sie uns schlussendlich überraschen.

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Alexijewitsch - Gespräche mit Lebenden und TotenSelten war die Bekanntgabe des Nobelpreisträgers für Literatur so wenig überraschend wie in diesem Jahr. In der Vergangenheit schauten die vorab genannten Favoriten regelmäßig in die Röhre. So hatten einen Tranströmer, eine Munro oder einen Modiano nur die allerwenigsten auf dem Zettel. Bei der Weißrussin Swetlana Alexijewitsch ist das freilich eine ganz andere Geschichte, denn ihr Name fiel schon in den letzten Jahren immer mal wieder. 2015 galt sie als Topfavorit und seit letztem Donnerstag ist klar, dass sie dieser Rolle gerecht wurde. Die Schwedische Akademie prämierte sie  „für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt“. Ihr Stück „Gespräche mit Lebenden und Toten“ ist nur ein Beispiel, das diese Vergabe rechtfertigt.

Nicht mal 80 Minuten, und doch so viel Inhalt

Es gibt heutzutage wahnsinnig viele Autoren, die meinen eine Geschichte in aller epischen Breite konstruieren zu müssen, um den Leser oder Zuhörer zu berühren. Swetlana Alexijewitsch benötigt nicht einmal 80 Minuten, um das zu leisten. „Gespräche mit Lebenden und Toten“ ist ein typisches Werk aus ihrem Spektrum. Es vereint die Erfahrungen von vielen Menschen, auf deren Äußerungen allein sich Alexijewitsch stützt. Sie hat einige Jahre damit verbracht, Personen zuzuhören, deren Leben durch das verheerende Unglück von Tschernobyl im April 1986 beeinflusst  wurde. In aller Ausführlichkeit, trotz der gerade einmal 78 Minuten, schenkt sie ihren Erzählungen Gehör und lässt sie in ihrem ganz individuellen Schreibstil miteinander zusammenwachsen, um ein großes Ganzes daraus zu synthetisieren.

Eine akustische Komposition, die einen bestürzt zurücklässt

Natürlich umfasst das eigentliche Werk von Alexijewitsch längere Sprachpassagen und im Hörbuch zu „Gespräche mit Lebenden und Toten“ kommen auch nicht alle verwendeten Stimmen zu Wort. Eine Mischung aus Berichten verschiedener Überlebender – Zeitzeugen, Experten, Helfer und auch betroffene Opfer – bleibt trotzdem erhalten. Die selektive Auswahl von Frank Werner gibt einen hervorragenden Einblick in das Werk und lädt zur weiteren Beschäftigung mit diesem und der Autorin ein. Unter anderem sind die einzelnen Berichte von Ilse Strambowski, Peter Gavajda und Viola Morlinghaus eingesprochen worden. Auch die einzelnen Sprecher tragen spürbar dazu bei, dass dies eine akustische Komposition darstellt, die den Zuhörer mit einem hohen Grad bestürzter Grundstimmung zurücklässt.

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Timur Vermes – Er ist wieder da

Benjamin Jendro

8.Oktober
2015

Vermes - Er ist wieder daKein deutscher Film wird in diesem Jahr so viel Aufsehen erregen wie David Wnendts „Er ist wieder da“. Mit einer tollen Herangehensweise hat er einen brillanten filmischen Rahmen für Timur Vermes gleichnamigen Roman gefunden. Teilweise filmte er einzelne Szenen mit versteckter Kamera direkt auf den Straßen Berlins und fing so die authentischen Reaktionen der Menschen auf einen Adolf Hitler mitten im 21. Jahrhundert ein. Mit seinem viel diskutierten Schriftstück hat Timur Vermes ihm die richtige Grundlage geschaffen. Er lässt seinen Protagonisten, der im Hörbuch brillant von Christoph Maria Herbst gesprochen im Jahr 2011 auf alle Gegebenheiten der heutigen Zeit treffen.

Er ist wieder da

In den Annalen kann man ausführliche Notizen finden, Adolf Hitler ist am 30. April 1945 offiziell für tot erklärt worden. Für viele Literaten und Medienvertreter spielt er dennoch weiterhin eine Rolle, das Spektrum Hitler ist noch lange nicht ausgereizt. Timur Vermes hat das mit seinem Roman einmal mehr bewiesen und ein vollkommen neues Konzept entwickelt. In „Er ist wieder da“ platziert er Adolf Hitler im Jahr 2011 in Berlin Mitte, auf einem leeren Grundstück und in unmittelbarer Nähe zum damaligen Bunker. Er ist noch immer derselbe, doch die Zeit hat sich komplett. Mittlerweile regiert eine Frau in Deutschland, einem Land des multikulturellen Austauschs. Krieg herrscht im Zentrum Europas keiner mehr, die NSDAP gehört der Geschichte an. Sichtlich überfordert mit seiner Umgebung tapst er erst einmal hilflos durch die Straßen. Auch dank der vielen Ahnungslosen um ihn herum aber erlangt er nach und nach immer mehr Souveränität.

Hitler gelangt durch die Medienwelt zurück in den Fokus

Alle Menschen, die auf ihn treffen, halten ihn für einen begnadeten Komiker, der sowohl die Denkweise des einstigen „Führers“ verinnerlicht zu haben scheint als auch seine Mimik und Gestik. Niemand, weder die waschechten Neonazis, noch führende Politiker oder Prominente ahnen, mit wem sie es hier wirklich zu tun haben. Hitler steigt auf zum gefeierten Medienstar und erntet dank der Genialität seiner witzigen Darstellung großen Beifall. Vermes zeigt in „Er ist wieder da“, wie sehr unsere heutige Gesellschaft von Medien abhängig ist. Hitler sammelt Facebook-Likes, jeder möchte mit ihm gesehen werden. Niemand nimmt die scheinbare Witzfigur ernst und so schiebt sie sich immer weiter empor. Das ist gefährlich und beweist letztlich nur, dass auch die Gesellschaft des 21. Jahrhundert anfällig für die Verführung eines Demagogen ist. Selbstverständlich ist alles mit reichlich Humor verpackt.

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Jojo Moyes – Ein ganz neues Leben

Benjamin Jendro

1.Oktober
2015

Moyes - Ein ganz neues LebenDa ist sie wieder. Mit 580 Minuten auf sieben Audio-CDs schenkt uns Autorin Jojo Moyes in „Ein ganz neues Leben“ endlich wieder etwas Nachschub für die arg gebeuteten Seelen. Eingesprochen von Luise Helm bekommen Fans der Britin zweieinhalb Jahre nach ihrem großen Durchbruchsstück „Ein ganzes halbes Jahr“ endlich die Fortsetzung zu hören und treffen auf ein Stück, dass in dieser Form nur von Jojo Moyes stammen kann. Erneut überzeugt sie mit einer sehr einfühlsamen Sprache und so trifft auch das Folgestück über die Liebe zwischen Louisa und Will voll ins Schwarze. Wer hier innerlich keine Regung zeigt, muss aus einhundert Prozent Eis oder Granit bestehen.

Sie hatten ein ganzes halbes Jahr, doch nun beginnt ein ganz neues Leben

Nach ihrem ersten großen Liebesroman ließ Jojo Moyes Fans der Lou-and-Will-Reihe warten. Tätig war sie dennoch und erfolgreich auch. Ihre letzten drei Werke „Eine Handvoll Worte“, „Weit weg und ganz nah“ und „Ein Bild von Dir“ erfreuten sich ebenfalls einer großen Leserschaft und mehrten ihren Wert für die heutige literarische Szene. Nun also kehrt sie gewissermaßen zu ihren Wurzeln zurück, wenngleich die Liebesgeschichte selbstverständlich nicht das erste Stück aus ihrer Feder war. „Ein ganzes halbes Jahr“ waren Louisa Clark und Will Traynor ein Paar. Diese Zeit ist nun vorbei, hat die junge Frau aber verändert. In „Ein ganz neues Leben“ erinnert nur noch wenig an das Mädchen aus der Kleinstadt, das sich immer vehement gegen die eigenen Wunschträume versperrte. Nach den Vorfällen kann sie natürlich auch nicht einfach ein ganz normales, unbescholtenes Leben führen. Dennoch aber scheint sich neue Hoffnung, Hoffnung auf „Ein ganz neues Leben“ in ihr zu manifestieren.

So sieht Lous ganz neues Leben aus

Will hat sich eine tolles Leben für Louisa gewünscht. Von diesem ist sie zwar auch in „Ein ganz neues Leben“ noch weit entfernt. Dennoch aber hat sie die Situation bestmöglich gemeistert. Wie es eben möglich ist, wenn man einen geliebten Menschen so verliert. Mittlerweile lebt sie in einem kleinen Apartment und geht ihrem tristen Job am Flughafen nach. Das klingt zwar nicht nach traumhaftem Leben, ist aber in dieser Art und Weise in Ordnung. Außerdem ergibt sich eine positive Entwicklung. Eines Tages klingelt es an ihrer Tür. Was genau das bewirkt, sollte man sich auf dem Hörbuch mal in Ruhe erzählen lassen. So viel sei aber verraten, es ist eine neue Verbindung zu Will. Eine, die Lou wieder Hoffnung auf ein erfülltes Leben schenkt.

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