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Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs

Benjamin Jendro

29.Januar
2016

Bibi und Tina 3Benjamin Blümchen ist das Idol meiner Kindheit. Der sprechende Elefant mit ganz elefantastischen Fähigkeiten und mindestens genauso vielen Ängsten war nicht nur am Abend als Hörspiel ein stetiger Begleiter. Ich weiß mittlerweile, dass es ein weibliches Pendant zu ihm gibt. Eine kleine Hexe namens Bibi Blocksberg, die genauso beliebt ist wie er und Kindern beim Einschlafen hilft. Eine Sparte ihres breiten Kosmos sind die Abenteuer mit Tina, bei denen es vorrangig um Pferde geht. „Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“ ist eine ihrer Geschichten und mittlerweile der dritte Auszug aus der Hörbuchreihe, der es auf die Leinwand schafft.

Neues von Bibi & Tina

Bibi und Tina auf Amadeus und Sabrina – Mit jener Zeile beginnt jedes Abenteuer der beiden. So auch das 76-minütige Hörspiel „Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“, das Kultregisseur Detlev Buck nun für den Kinozuschauer produziert hat. In diesem nehmen die beiden unzertrennlichen Freundinnen natürlich wieder einmal die Hauptrollen ein. Es geht um einer interessantes Feriencamp, bei dem sich alles rund um den Trend Geocaching dreht. Tinas Schule hat da nämlich ein Zeltlager vorbereitet, in dem die moderne Schatzsuche zum Thema Nummer eins erhoben wurde. Dumm nur, dass der uralte Zwist zwischen den Geschlechtern die ganze Urlaubslaune auf den Kopf stellt.

Nix mit hex hex

Alles beginnt mit einem simplen Streit zwischen Tina und ihrem Freund Alexander. Bibi ist natürlich auf der Seite ihrer Freundin, Alex aber bekommt ebenso tatkräftige Unterstützung vom Gastschüler Urs. Dieser heizt die Stimmung mit abgedroschenen Sprüchen weiter auf, sodass das Fass schnell zum Überlaufen gebracht wird. Es entwickelt sich ein Wettstreit, bei dem es nicht immer mit rechten Mitteln zugeht. Bibi ist da selbstverständlich im Vorteil, doch auch ihre Hexenfähigkeiten setzen schon mal aus. So muss es andere Wege geben, um den schmutzigen Tricks entgegenzuwirken. So viel sei verraten: Eine Hexe wäre keine richtige Hexe, wenn sie nicht stets eine Lösung finden würde.

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Martin Suter – Die dunkle Seite des Mondes

Benjamin Jendro

22.Januar
2016

Suter - Die dunkel Seite des MondesMan kann darüber sprechen, ob nicht doch „Die Schatzinsel“ das größte Werk des britischen Autors Robert Louis Stevenson war. Aus meiner Sicht aber gibt es da noch ein ganz anderes Stück, das ihn zu einem der wichtigsten Schriftsteller der letzten Jahrhunderte macht. „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ ist wirklich ein Meisterstück und eines jener Bücher, das jeder einmal im Leben gelesen haben soll. Das Motiv des Kampfes zwischen Gut und Böse innerhalb eines Körpers wurde vielfach untersucht. Martin SutersDie dunkle Seite des Mondes“ ist eine sehr moderne Variante.

Ein erfolgreicher Wirtschaftsanwalt verliert die Kontrolle

Jurist Urs Blank ist sehr erfolgreich. Als Wirtschaftsanwalt ist er eine feste Größe, enorm anerkannt. Auch privat läuft es super, eine Galeristin an seiner Seite scheint die perfekte Frau. Einzig der tägliche Blick in den Spiegel verunsichert ihn, denn irgendetwas Böses schlummert im Inneren. Ein Einschnitt in die sehr erfolgreiche Laufbahn bildet der Suizid eines Geschäftspartners, der sich direkt vor Blanks Augen in den Kopf schießt. Nach dessen Beerdigung flüchtet Blank in den Wald. Er verliert sich in den Weiten und kommt anschließend direkt auf einen Flohmarkt. Dort lernt er Lucille kennen, die ihn mit ihrer unbeschwerten, leicht revolutionären Art vollkommen in den Bann zieht. Mit ihr experimentiert er mit Drogen. Die Einnahme eines blauen Pilzes entpuppt sich als fataler Fehler und als Chance zugleich. Urs Blank lässt plötzlich das Böse aus sich heraus, „Die dunkle Seite des Mondes“ ist erwacht.

Das ist „Die dunkle Seite des Mondes“

508 Minuten lang kann man Urs Blank in all seinen Facetten, den kontrollierten und den unbeherrschten Phasen erleben. Sprecher Gert Heidenreich zeigt beide Seiten mit all seiner Klasse und der für diese Darbietung notwendigen Erfahrung. Nach der halluzinogenen Einnahme wird Blank zur Furie, tötet erst eine Katze, später auch einen Menschen. Gottesgleich wandelt er durchs Leben, er scheint sich für nichts mehr rechtfertigen zu müssen. Das wirft in seinem Umfeld viele Fragen auf und ebenso viele Zweifler hervor. Blank erkennt irgendwann diese folgenschwere Verwandlung seiner selbst und sucht dort nach Antworten, wo das Desaster losging. „Die dunkle Seite des Mondes“ aus ihm herausbrach – im Wald.

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Umberto Eco – Baudolino

Benjamin Jendro

15.Januar
2016

Eco - BaudolinoUmberto Eco ist ein Schelm, denn er spielt mit seinen Lesern und Zuhörern. In seinen Geschichten lässt er sie lange zappeln und stets ein Stück näher kommen. Am Ende dann, wenn sie meinen, des Rätsels Lösung gefunden und das gesamte gesponnene Konstrukt entwirrt zu haben, stellt er sie bloß und zeigt, dass alles ganz anders war. Haben Sie einen anderen Eindruck? Na dann schauen sie nochmal genau nach, was in „Das Foucaultsche Pendel“, „Der Friedhof in Prag“ oder dem neuesten Stück „Nullnummer“ wirklich hinter den Zeilen steht! Eines seiner älteren Werke ist der Schelmenroman „Baudolino“. Der Titelheld wird dort als eine sonderbare Figur gezeigt, die sich mit Lug und Trug aus der Gosse kommend zum großen politischen Handlungsträger entwickelt hat.

Vom Bauernsohn zum großen Entscheider

Es mag ein Zufall sein, dass sich ein einflussreicher Ritter in das Geburtsdorf des späteren Helden verirrt, doch es kann auch eine Fügung des Schicksals darstellen. Der Ankömmling ist nicht irgendein Ritter, was „Baudolino“ freilich erst später erfährt. Das Wesen des Kleinen erweckt sein Interesse und so nutzt der junge Bauerssohn das von Machiavelli oftmals beschriebene Momentum. Er wird im Laufe seines Lebens noch oftmals in derartige Situationen kommen und auch, wenn er nicht immer die richtige Entscheidung trifft, so seinen nachfolgenden Weg aktiv mitbestimmen. „Baudolino“ ist ein Kerl des Mittelalters. Einer, der von den Kreuzzügen und vielen politischen Wirrungen berichtet. Er ist eine Figur, anhand der Umberto Eco sehr gut zeigen kann, wie wichtig die Macht der Manipulation ist, wenn es darum geht, politischen Einfluss zu gewinnen.

„Baudolino“ ist ein satirisches Portfolio des Mittelalters

Baudolino wird vom Adoptivsohn zu einem treuen Begleiter und Berater Kaiser Friedrichs, der irgendwann nur noch auf sein Wort hört und sich von diesem leiten lässt. Eco zeigt sehr brillant, wie schwach die einstigen Herrscher eigentlich waren. Er beschreibt die Zeit, in der er sich bestens auskennt, so wie sie war. Eine Zeit der politischen Wirrungen, in der nicht immer der Stärkste als Sieger hervorging und in der auch nicht immer ehrenhaftes Verhalten von Vorteil war. Im Minutentakt wechselten Bündnisse, politische Allianzen waren brüchig und löchrig. „Baudolino“ ist ein perfekter Beobachter und einer, der Fantasie aufweist und diese zu nutzen versteht. Wer Eco kennt, weiß, dass die Geschichte natürlich auch die Kirche bzw. ihre Würdenträger aufs Korn nehmen muss. Baudolino lässt aus einfachen Tonschalen heilige Reliquien entstehen, sein Autor legt den Finger ganz genau in jene Wunden der Heiligen Schrift, in der sie schwach, weil konstruiert sind. Das zusammen ergibt sehr hörenswerte, weil unterhaltsame Minuten.

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percy_jacksonVor einigen Jahren wollte ich die griechischen Götter- und Heldenmythen schon mal als Lesung erleben und Gustav Schwabs „Sagen des klassischen Altertums“ anhören. Ganz ehrlich: Ich bin nicht weit gekommen, sowohl die Sprache als auch der Rezitator haben mich ermüdet. Mit dem an ein jugendliches Publikum gerichteten Hörbuch „Percy Jackson erzählt: Griechische Göttersagen“ habe ich den Geschichten um antike Götter eine neue Chance gegeben – und mich bestens unterhalten.

Natürlich ist der Ansatz ein ganz anderer: Rick Riordan lässt seinen Romanhelden Percy Jackson, der ja kein geringerer als der Sohn des Poseidon ist, in seinem für diese Jugendbuch-Reihe typischen witzig-ironischen Ton über die Schöpfungsgeschichte und die Verwandtschaft erzählen. Ganz salopp und – soweit möglich – kurz und knapp berichtet der jugendliche Halbgott im Kapitel „Der Anfang und überhaupt“ von Chaos, Gaia und Uranus, widmet deren Kindern, den Titanen, das Kapitel „Das goldene Zeitalter des Kannibalismus“, kommt schließlich zu den Olympiern und stellt bekannte Götter wie Demeter, Ares, Hermes, Aphrodite usw. in eigenen Kapiteln vor.

Das ist nicht große Literatur, gibt aber dem jugendlichen Zielpublikum die Gelegenheit, ganz unverkrampft die griechischen Göttersagen kennenzulernen. Besonders durch Marius Claréns (u.a. deutsche Stimme von Tobey Maguire und Jake Gyllenhaal) erfrischende Interpretation des Stoffes wird hier sehr amüsant Allgemeinwissen vermittelt.

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Die neuen Abenteuer des Phielas FoggEs gibt viele gute Erzähler und Geschichtenschreiber. Die wenigsten von ihnen aber heben sich wirklich von der Masse ab und hinterlassen einen bleibenden Eindruck, so dass man sie auch Jahrhunderte nach ihrem Tod noch gerne liest bzw. ihnen zuhört. Jules Verne ist ein solcher fantastischer Erzähler, wenn nicht sogar der größte, den es jemals gab. Mit seinen fabelhaften Geschichten regte er zum Träumen an und entführte seine Leser in entfernte Welten. „Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg“ ist eine solche Erzählung. Sie bringt in 16 Kapiteln großartigen Hörgenuss.

Phileas Fogg – Ein Mann, den Nemo respektiert

Der legendäre Kapitän Nemo ist eine der wohl sonderbarsten Gestalten aus der Verne´schen Fantasiewelt. Einer seiner engsten Kameraden und am meisten geschätzten Freunde ist ein gewisser Phileas Fogg. Mit gegenseitigem Respekt beachtet man sich und mit großer Wertschätzung füreinander lässt Verne sie auftreten. In „Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg“ erleben wir nun die ganze Welt des Helden. Sein Wagemut und Einfallsreichtum ist Verne-Fans freilich ein Begriff, nicht zuletzt wegen der erfolgreich beendeten Suche nach Professor Aronnax. Auch diese Leistung sorgt dafür, dass Fogg weiterhin auf der Nautilus verweilen darf und sich weiter einen Namen machen kann. Gemeinsames Ziel der Leute an Bord – die sagenumworbene Stadt Atlantis.

Abenteuer, bei denen man zu träumen beginnt

Christian Brückner und die anderen Sprecher verleihen dem Hörbuch von „Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg“ den richtigen akustischen Rahmen, dank dem die Geschichte auch im Jahr 2016 keinesfalls abgedroschen wirkt. Natürlich findet die Crew den Ort der Begierde. In den Ruinen warten versunkene Schätze in verwunschenen Plätzen. Doch neben diesem vielen Schönen wartet natürlich auch der eine oder andere Schrecken in den Tiefen. Diese schwappt auch auf die Nautilus über, eine Gefahr, vor der auch ein Phileas Fogg nicht sicher ist. Verne präsentiert so das, wofür man ihn lieben gelernt hat, sagenhafte Unterhaltung der allerbesten Art.

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