...entführen dich in eine andere Welt

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alpensagenKennen Sie das Wettersteiner Mandl? Oder die Fee vom Höllental? Oder die zwei Schwirzer von Schleching? Mir waren diese Sagengestalten auch kein Begriff. Aber mit diesem Hörbuch, das aus einer Zusammenarbeit von BR2 Kinderfunk, Quadro Nuevo und der Autorin Julia Schölzel entstanden ist, werden urige Geschichten aus der oberbayerischen und allgäuerischen Bergwelt zu neuem Leben erweckt.

Die teils heiteren, teils schaurigen, aber immer spannend erzählten Alpensagen werden von Luise Kinseher (bekannt als „Bavaria“ beim Salvator-Anstich auf dem Nockherberg), Jockel Tschiersch und Richard Oehrmann in Mundart herrlich unterhaltsam erzählt. Nördlichere Hörer könnten die kräftigen Dialekte evtl. nicht verstehen, alle anderen werden von der lebendigen Vortragsweise und den verschiedenen Stimmlagen der Sprecher begeistert sein. Da kann man sich direkt ins Geschehen hineinversetzen und mit dem Allgäuer Männle fingerhakeln oder hinab in die Tiefen des Untersberges steigen. Umrahmt werden die Geschichten von der wunderbaren Musik von Quadro Nuevo, die teils tradierte Musikstücke neu arrangiert haben, teils eigens komponierte Stücke zum Besten geben. Witzige Unterhaltung nicht nur für Kinder – und beim nächsten Urlaub in den Bergen können die Schauplätze der Sagen im Chiemgau oder Werdenfelser Land erwandert werden.

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Jonas JonassonWer es geschafft hat und den elend langen Titel des heute zu beschreibenden Hörbuchs bis zum Ende gelesen hat, läuft Gefahr, den dazugehörigen Autor längst wieder vergessen zu haben. Die Gefahr ist da, doch es wird den wenigsten passieren. Schließlich befinden wir uns längst in einer Phase, in der wir ganz genau wissen, dass derartige Titel nur auf einen Schriftsteller zurückzuführen sind. Ja, „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ ist ein echter Jonas Jonasson. Der Schwede, der vor einigen Jahren mit „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster steig und verschwand“ debütierte, hat mal wieder ein Werk über einen Sonderling geschrieben, der eine sonderbare Geschichte durchläuft.

Mörder Anders in der Körperverletzungsagentur

Der neue Protagonist heißt Johan Andersson. So nennt ihn aber keiner. Er ist kurz und schmerzlos „Mörder Anders“. Dabei ist der Gute gar kein Lebensvernichter. Er saß zwar schon unzählige Male hinter Schwedischen Gardinen, allerdings wegen diverser anderer Delikte. Im Roman nur kommt er wieder mal auf freien Fuß und möchte dort auch länger bleiben. Die Grundlage sind geordnete Finanzen und genau deshalb sucht er sich einen Job. Das Angebot einer Pfarrerin kommt ihm da genau recht. Johanna hat zusammen mit dem Hotelmitarbeiter Per eine Firma aufgemacht, zu der die von Anders angebotenen Dienst bestens passen. Die Körperverletzungsagentur, bei der als Schläger für gute Manieren sorgt, ist allerdings nur das erste Sprungbrett für „Mörder Anders“.

Jonas Jonasson überzeugt mit wahnwitzigen Ideen

Sein 448-minütiges Abenteuer ist hier in der Tat noch nicht zu Ende. Sprecher Jürgen von der Lippe – welch gelungene Wahl – führt den Akteur in „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ trotz guter Auftragslage in ein anderes Berufsfeld. Er beginnt plötzlich, das eigene Handeln massiv zu hinterfragen und wendet sich der Religion zu, weil Jesus zu ihm gesprochen hat. „Mörder Anders“ entwickelt eine waghalsige Idee, er möchte ein eigenes Gotteshaus bauen. Dies wird nochmal gesteigert, als er sich dazu entschließt, gleich eine eigene Religion aus dem Boden gedeihen zu lassen. „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“, und das merkt man schon bei diesem winzigen Auszug, sprüht nur so vor wahnwitzigen Einfällen. Dank ihnen und den lustigen Wendungen gelingt es Jonas Jonasson, mal wieder Leser und Zuhörer voll auf seines Seite zu ziehen.

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Elke Heidenreich – Alles kein Zufall

Benjamin Jendro

18.März
2016

Elke Heidenreich - Alles kein ZufallSie ist Hessin, Schriftstellerin, Moderatorin, Journalistin, Librettistin und auch Kulturkritikerin. Darüber hinaus – fast hätte ich es vergessen – auch eine begnadete Kabarettistin. Ja, Elke Heidenreich kann viel und ist vieles. Die Tochter eines Kfz-Mechanikers hat es weit gebracht in unserer kulturellen Welt und sich seit Jahren in den verschiedensten Bereichen als feste Größe etablieren können. Man hört ihr einfach gerne zu. Möglich ist das neuerdings auch bei „Alles kein Zufall“. Das Sammelsurium aus kurzen Geschichten zeigt viele der Qualitäten. Selbstverständlich hat die Künstlerin die 224 Minuten Hörbuch selbst eingesprochen.

„Alles kein Zufall“ ist ein Hörbuch über Vögel

Jedes Hörbuch lebt davon, dass die Stimme des Erzählers zu dem passt, was erzählt wird. Bei Elke Heidenreichs „Alles kein Zufall“ kann man das schon mal abhaken. Grundsätzlich ist der Unterhaltungswert auch von der Gesamtkomposition, der ordentlichen Struktur der Erzählung abhängig. Auch das muss man in diesem Fall bejahen. Nicht nur, weil die einzelnen Kapitel auf den drei Hörbuch-CDs dem Alphabet nach angeordnet und benannt sind. Letztlich thematisieren die Geschichten vor allem eines – Vögel. Es sind eigensinnige Flügelbesitzer, bunte und unterschiedliche.

Die Höhen und Tiefen des Lebens – Das ist „Alles kein Zufall“

Gemeint sind mit den vielen Vögeln natürlich nicht die wirklichen Vögel, sondern Menschen, die letztlich machen, was sie wollen und nicht was sie sollten. Heidenreich skizziert ein immenses Portfolio an breitgefächerten Charakteren und zeigt, wie variabel das Leben verläuft, wie viele positive und negative Wendungen es nehmen kann. Interessanterweise verfolgt sie dabei einen deterministischen Ansatz. Das ist nämlich, wenn man mal genauer hinschaut „Alles kein Zufall“. Das kann man so sehen, muss man sicher nicht. Klar ist aber auch, dass die Autorin Elke Heidenreich dank ihrer von Zuneigung und Wärme geprägten Sprache gute Argumente dafür liefert, dass man ihr Glauben schenkt und sich so irgendwie nach und nach dem hingibt, was sie da vorstellt.

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Michael Tsokos – Zerschunden

Benjamin Jendro

11.März
2016

Tsokos - ZerschundenDie spannendsten Thriller und Kriminalromane stammen von Autoren, die aufgrund ihres beruflichen Backrounds ganz genau wissen, wovon sie berichten. Zum einen ermöglicht es ihnen die tägliche Arbeit, Fälle kennenzulernen, von deren Elementen ihre späteren Werke profitieren und auf denen sie häufig auch basieren. Zum anderen bringen sie aufgrund ihrer enormen Fachkompetenz das nötige Wissen mit, um etwas authentisch und zugleich fachlich korrekt aufzuschreiben. Michael Tsokos ist das allerbeste Beispiel. Seine bisherigen Schriften realer und fiktiver Natur waren allesamt sehr spannend. Das gilt auch für seine neue True-Crime-Reihe um Rechtsmediziner Fred Abel. „Zerschunden“ ist der erste Teil – er wird von Simon Jäger gelesen. Anfang April erscheint mit „Zersetzt“ die Fortsetzung.

Zerschunden – Ein Mörder, der eine Botschaft hinterlässt

In Berlin wird eine Rentnerin Opfer eines Raubmordes. Ein dunkelhäutiger Halunke ist ihr hinterhergelaufen, hat sie in die Wohnung gestoßen, getötet und Hab und Gut mitgehen lassen. Es riecht nach einem typischen so genannten Nachläufer, doch eine sonderbare Botschaft lässt Böses erahnen. Auf ihrem Leib steht „Respectez Asia“. Das ist nicht nur grammatikalisch falsch, sondern auch jene Botschaft, die sich später in „Zerschunden“ auch auf der Haut einer Britin und einer Italienerin findet – ein Serientäter. Fred Abel, Rechtsmediziner und ein Guter seiner Zunft, wird mit dem Fall betraut und steigert sich aufgrund einer persönlichen Bindung zum Hobbyermittler. Ein Kumpel aus der Bundeswehrzeit scheint als Täter in Frage zu kommen, hat kein Alibi, passt auf die Beschreibung und den Haplotypen, den Abel vom Täter rekonstruieren konnte, wenngleich das lediglich die Auswahl an potenziellen Mördern einengt, jedoch keinesfalls auf nur einen hinweist.

„Zerschunden“ von einem Psychopathen

Angesprochener Lars Moewig gilt als Raubein, der anders als Abel nach der Bundeswehr nicht richtig den Anschluss fand. Er war zu den jeweiligen Tatzeiten in Berlin und auch in London. Dass er auf das Profil passt, reicht Polizei und Staatsanwaltschaft, um ihn hinter Gitter zu bringen. Das kommt zum sehr ungünstigen Zeitpunkt, denn seine kleinen Tochter Lilly leidet an Leukämie, hat nur noch wenige Tage zu leben. Abel verspricht seinem Kumpel, an dessen Unschuld er auch etwas zweifelt, sein Bestes zu geben. Genau das erleben wir dann auch. Er jettet dem Täter hinterher. Den vierten Mord begeht er in Paris und exakt da kommt es auch zum Showdown zwischen dem Psychopathen, der in „Zerschunden“ sein Unwesen treibt und einem Protagonisten, bei dem man nicht zu Unrecht Tsokos selbst vor Augen hat.

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Anna Todd – Before Us

Benjamin Jendro

4.März
2016

Todd - before usDamit konnte man jetzt nicht so wirklich rechnen. Natürlich schien es klar, dass Erfolgsautorin Anna Todd ihre Bestseller-Reihe „After“ nicht ihr einziges literarisches Erzeugnis bleiben. So darf sich ihre große Fanbase auf drei weitere Werke freuen. Was mich persönlich ein wenig überrascht ist der Umstand, dass sie im Stile von E. L. James ihre Reihe nachträglich erweitert, ein sogenanntes Prequel geschrieben hat. So erzählt „Before Us“ gemäß des Titels von der Zeit, bevor Tessa und Hardin zueinander finden. Interessant für alle, die die Reihe bereits lieben gelernt haben und eine äußert gute Einstiegsmöglichkeit für alle, die sich auf das Lektüreabenteuer einlassen möchten.

Tessa und Hardin – Zwei unterschiedliche Personen, die eins werden

Anna Todd ist ganz zufällig mein Jahrgang, doch anders als ich scheint sie tief von den Highschool-Romanzen der 90er-Jahre geprägt worden zu sein. Nun saß die Texanerin natürlich auch direkt an der Quelle und war so ein Teil jener Welt, die uns Hollywood stets mit viel liebevoller Atmosphäre abzubilden versuchte. Anna Todd hat die mehr oder minder gemachten Erfahrungen für eine recht erfolgreiche Liebesreihe verwenden können. Die Liebschaft zwischen Tessa – dem jungen, unerfahrenen Mädchen, was nach Washington kommt, um dort das Studium zu beginnen – und Hardin – der Rüpel, der reihenweise Frauen um den Verstand bringt und macht, was er will – hat sie auf vier Bände ausgedehnt. „Before Us“ erzählt nun, wie das Leben des Bad Boys vorher war.

Before Us – Zehn Stunden, die Hardin gewidmet sind

Sprecher Martin Bross agiert als Hardin und verleiht ihm genau diejenige Stimme, mit der wir diesen Harry-Styles-Verschnitt assoziiert haben. „Before Us“ zieht sich über mehr als zehn Stunden. Das mag lang erscheinen, vergeht aber wie im Flug, weil wir ein sehr ambivalentes Charakterbild zu hören bekommen. Im Spin-off wird sein Leben vor Tessa durchleuchtet, zugleich aber auch, wie sich beide kennengelernt haben und was er darüber denkt. Schon jetzt sei einmal vorgemerkt, dass mit „Nothing More“ und „Nothing Less“ zwei weitere Geschichten zu dem Spektrum bereitstehen. Hier schaut Anna Todd auf Landon, Tessas besten Freund und Hardins Stiefbruder, der in New York sein Glück sucht.

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