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kleiner mannHans Fallada gehört zu zwischenzeitlich fast vergessenen Autoren, die plötzlich eine Renaissance erleben. Über 60 Jahre nach seinem Tod wurde sein Widerstandsroman „Jeder stirbt für sich allein“ in der ungekürzten Originalfassung neu veröffentlicht und ein Verkaufserfolg. V.a. im englischsprachigen Ausland war „Alone in Berlin“ ein Bestseller; die Hollywoodverfilmung des Stoffes wird im Herbst 2016 zu sehen sein. Weltberühmt wurde Fallada 1932 mit einem anderen Roman: „Kleiner Mann, was nun?“ über das Schicksal des Verkäufers Pinneberg und seiner Frau Lämmchen, die sich in den letzten Jahren der Weimarer Republik mühsam durchschlagen, begeisterte damals nicht nur die Leserschaft in Deutschland. Auch dieser Roman wurde nun im Aufbau Verlag in einer ungekürzten Originalfassung veröffentlicht und vertont.

Der Krise trotzen

Das junge Paar Johannes Pinneberg und Emma Mörschel – die beiden nennen sich nur „Lämmchen“ und „Junge“ – lernt sich im Sommer 1930 in der norddeutschen Provinz kennen und heiratet, als sich Nachwuchs ankündigt. Als Pinneberg seine Stellung verliert, kommen die jungen Leute zunächst bei seiner ungeliebten Mutter Mia in Berlin unter, deren Lebensgefährte Jachmann dem gelernten Verkäufer auch eine Stelle beim großen Warenhaus Mandel verschafft. Doch die Sorgen reißen nicht ab: Wie soll das Paar mit dem mickrigen Gehalt über die Runden kommen? Wie verkraftet Pinneberg den steigenden Verkaufsdruck im Laden? Wo findet man eine günstige Wohnung? Und wird es den beiden gelingen, den neu geborenen Murkel richtig großzuziehen?

Erstmals in der Originalfassung

Neben all den Alltagssorgen versteht es Hans Fallada, in „Kleiner Mann – was nun?“ immer wieder humorvolle Szenen und Dialoge einzubauen. Seine grundsympathischen Protagonisten wachsen dem Hörer schnell ans Herz, und die authentische Schilderung des Milieus der Pinnebergs, die Mischung aus Sentimentalität und Sachlichkeit, beruflicher Ausweglosigkeit und privater Idylle, verleiht dem Roman einen ganz eigenen Charme. Die Lesung mit Frank Arnold ist zwar gekürzt; die ursprünglich gestrichenen Teile wie z.B. der Besuch verschiedener Nachtclubs, politische Kommentare und innere Monologe Pinnebergs sind aber erfreulicherweise in dieser Vertonung dabei. Durch die Details der Originalfassung gewinnen die Charaktere an Tiefe, und die Atmosphäre zum Ende der Weimarer Republik wird noch greifbarer.

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geisterfrauMit seiner Dr. Siri-Reihe schreibt der seit langem in Südostasien lebende britische Autor Colin Cotterill immer wieder außergewöhnliche Krimis. Das liegt zum einem am exotischen Schauplatz der Fälle – Laos – und der chaotischen Zeit, in der sie spielen: die späten 70er Jahre, als nach dem Vietnamkrieg auch in Laos die Kommunisten die Macht übernahmen. Zum anderen aber auch an der unwiderstehlich charmanten Hauptfigur: Dr. Siri ist bereits über 70 Jahre alt und freut sich auf den verdienten Ruhestand, als er, der eigentlich Chirurg ist, zum einzigen Leichenbeschauer des Landes ernannt wird. Mit übersinnlicher Intuition, einem alten französischen Pathologie-Handbuch und seinem loyalen Team hat er bereits acht schräge Fälle gelöst. Im neuesten Band „Dr. Siri und die Geisterfrau“ scheint sein Traum von der Rente endlich Wirklichkeit zu werden.

Dr. Siri geht in Rente

Tatsächlich hat sich Siri Paiboun zu Beginn des Krimis in den Ruhestand verabschiedet, und die einzige Rechtsmedizinische Abteilung im Laos der späten 70er Jahre ist geschlossen. Aber einen Krimi, ja sogar einen spannenden Thriller gibt es mit „Dr. Siri und die Geisterfrau“ natürlich trotzdem zu hören. Denn Siri soll im Auftrag seines ehemaligen Vorgesetzten Richter Haeng die Suche nach dem verschollenen Bruder eines Ministers im Osten des Landes unterstützen. Genauer gesagt soll er die vermeintliche Hexe Madame Keui im Auge behalten und prüfen, ob die Frau, die angeblich schon zweimal von den Toten wieder auferstanden ist, tatsächlich eine spirituelle Verbindung ins Jenseits hat. Da in Vientiane gerade ein seltsamer Franzose aufgetaucht ist, der sich nach Siris Frau erkundigt, nimmt er Madame Daeng vorsichtshalber mit nach Pak Lai – und das Abenteuer beginnt…

Dr. Siri – wie immer vergnüglich und skurril

Dr. Siri und die Geisterfrau“ ist wieder ein typischer Siri-Krimi: ein kniffliger Fall, voller knochentrockenem Humor und amüsanter Dialoge. Peter Weis habe ich hier erstmals als Sprecher gehört, aber seine Stimme passt perfekt zu diesem schrägen Krimi. Unterstützt wird er von Traudel Sperber, die Siris Frau Madame Daeng spricht. Denn das Besondere an diesem Band ist, dass es hier v.a. um Siris bessere Hälfte geht. Dass sie früher als Spionin unter dem Decknamen Fleur-de-Lis für die Pathet Lao gearbeitet hat, wissen Fans aus früheren Krimis der Reihe. Das Auftauchen des Franzosen Hervé Barnard konfrontiert sie mit ihrer Vergangenheit, und sie gibt ihre Erlebnisse für Siri (und die Hörer) wieder. Eine spannende Lebensgeschichte, die definitiv genauso unterhaltsam ist wie der Handlungsstrang um Siris Hexe und die Verfolgung durch den Franzosen.

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