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20.Mai
2011

Agatha Christie – Vier Hörspiele

Gisela

Agatha Christie ist bis heute unbestritten die „Queen of Crime“, die Kriminalgeschichten der 1976 verstorbenen Schriftstellerin erfreuen sich weltweit immer noch anhaltender Beliebtheit. Der Hörverlag bringt seit Jahren Hörspiele und Lesungen der kniffligen „Whodunnit“-Fälle heraus, und die neueste Box enthält vier bisher unveröffentlichte Hörspiele, die einen schönen Querschnitt durch das Werk Agatha Christies bieten.

Der erste Fall, der Poirot-Krimi „Der Mord an Roger Ackroyd“ (auch unter dem Titel „Alibi“ bekannt), wird ganz untypisch von einem Ich-Erzähler wiedergegeben. Sowohl dieser Erzähler als auch die Sprecher, welche die Dialogszenen nachspielen, sind in dieser NDR-Produktion aus dem Jahr 1956 sehr gut ausgewählt, der spannende Fall hält die Hörer bis zur überraschenden Auflösung in Atem.

Das kriminalistische Stück „Die Fuchsjagd“ ist ein ganz besonderes Werk von Agatha Christie: Unter dem Titel „Mousetrap“ wird es seit 1952 im Londoner West End gespielt und ist damit das am längsten ununterbrochen aufgeführte Theaterstück der Welt. Die Umsetzung des Bayerischen Rundfunks (1958) fängt sehr gut den Kammerspielcharakter des Krimis ein: Acht Personen sind in einer kleinen Pension von der Außenwelt abgeschnitten, und unter ihnen weilt ein Mörder…

Das dritte Hörspiel, „Mord im Pfarrhaus“, ist ein Krimi mit Miss Marple. Tatsächlich ist das Rätsel um den Tod des unbeliebten Colonel Protheroe der erste Fall mit der berühmten Hobbydetektivin, die hier erstmals mit ihrem scharfen Verstand und ihrer guten Beobachtungsgabe einen Täter überführt. Die Produktion des Bayerischen Rundfunks (1970) ist grundsätzlich sehr gut gelungen, nur das durchgehende „Fräulein Marple“ statt „Miss Marple“ ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Der letzte Fall „Die spanische Truhe“, ein ORF-Hörspiel aus dem Jahr 1994, ist ein Kurzkrimi mit Hercule Poirot. Nach einer privaten Dinnerparty wird ein Toter in besagter Truhe entdeckt und der vermeintliche Mörder schnell gefasst, doch Poirot kommt mit Hilfe seiner kleinen grauen Zellen dem wahren Täter auf die Spur. Der Fall ist mit spanischer Gitarrenmusik und guten Sprechern schön umgesetzt, aber der Poirot-Sprecher hat eine bayerische Sprachfärbung – klingt etwas seltsam, denn von anderen Poirot-Krimis ist man einen (wenn auch imitierten) belgischen Akzent gewohnt.

Trotz einiger Schwächen der einzelnen Produktionen ist diese Box für Fans klassischer Krimis auf jeden Fall zu empfehlen: Vier spannende Hörspiele mit überraschenden Wendungen, die eine schöne Mischung aus Agatha Christies Werk ergeben und den Hörer auch auf eine kleine „Zeitreise“ durch die Hörspielproduktion von den 50er Jahren (reduzierte Stilmittel, Fokus auf den Dialogen) bis in die 90er Jahre (Erzeugen einer Grundstimmung durch Musik und Geräuschkulisse) mitnehmen.

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