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13.Mai
2014

Andrea Camilleri – Das Netz der großen Fische

Benjamin Jendro

Camilleri - Das Netz der großen FischeNiemand auf der Welt braucht sich mehr einreden, dass Szenarien wie sie von Hollywood auf der gleichnamigen literarischen Grundlage von Mario Puzo dargestellt wurden, keinen Funken Reales in sich tragen. Genau betrachtet ist „Der Pate“ sogar noch eine Beschönigung dessen, was die reale Welt durchzieht. Das enge Netzwerk, mit welchem die Mafia das gesellschaftlich-globale Leben beeinflusst und kontrolliert, ist gar noch um einiges engmaschiger und gefährlicher. Nicht zuletzt hat der Ottonormalverbraucher das durch Enthüllungsjounalisten wie Saviano vor Augen geführt bekommen. Andrea Camilleri macht dies auf eine andere Art. Er schreibt keine enthüllenden Reportagen, sondern offenbart das Treiben der sizilianischen Cosa Nostra in Romanen, die unkommentiertes Geschehen verdeutlichen. Das gilt auch für „Das Netz der großen Fische“.

Das Netz der großen Fische – Sinngemäßer Titel für das Wirken der Mafia

Camilleri, der selbst in Sizilien auf die Welt gekommen ist und so seit den Kindheitsjahren mit dem alltäglichen Geschäft der Mafia in Kontakt steht, hat seinen Titel wie so oft nicht ganz zufällig gewählt. Wenn man in den Gassen seines Geburtsortes, dem kleinen Fischerdorf Porto Empedocle herumläuft, spürt man das selbstverständlich nicht. Ohnehin wird kaum ein Sizilientourist mit den Machenschaften in Kontakt kommen. Wer dort lebt, hat dies aber bereits verinnerlicht und meist auch akzeptiert. Das Unterwandern sämtlicher Institutionen gehört zum Geschäft dazu. Das erkennt auch Michele Caruso, Programmdirektor von RAI in Palermo. Dieser muss sich nach dem Mord an der Tochter eines hochrangigen Politikers ganz genau überlegen, was er wie in den Nachrichten darlegt.

Politik, Justiz und Medien

Es ist ein Wechselspiel, was die rund vier Stunden Hörbuch „Das Netz der großen Fische“ charakterisiert. Ein Wechselspiel zwischen Justiz, Politik und Medienwelt. Die einzelnen Protagonisten schieben sich den Spielball stetig zu, lassen aber zu keiner Zeit erkennen, in welchem Team sie spielen. Jeder Schritt ist vorher genau abgewogen, jedes Manöver eiskalt kalkuliert. Während der eine seinen Stuhl räumen muss, nimmt einer andere ihn ein. Scheinbar Unbeteiligte müssen mit dem Leben bezahlen und der Hauptverdächtige, der irgendwie komplett passiv bleibt, kommt ungeschadet raus. Viel Verwirrung summiert sich zu einem unetrhaltsamen Mafia-Kriminalroman, in welchem selbst Caruso keinen kühlen Kopf bewahrt und irgendwann auch erkennen muss, dass der Hase anders läuft als er es gedacht hat.

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