...entführen dich in eine andere Welt

Impressum Kontakt
10.September
2013

Carlos Ruiz Zafón – Der Mitternachtspalast

Benjamin Jendro

Zafon - Der MitternachtspalastDen Spanier Carlos Ruiz Zafón kennt man in erster Linie nicht unbedingt als begnadeten Autor jugendlicher Unterhaltungslektüre. Nein, der Wahlamerikaner schreibt eher für die ältere Garde, für jene, die ihr literarisches Auge bereits über Jahrzehnte hinweg verfeinert haben. Dementsprechend überrascht war ich, als ich auf „Der Mitternachtspalast“ gestoßen bin, der in erster Linie als Roman für Jugendliche ausgeschrieben ist. Letztlich aber schafft es das bereits 1994 herausgegebene Werk, das erst 2010 den Sprung auf den deutschen Literaturmarkt packte, auf phantastische Art und Weise auch den etwas in die Jahre gekommenen Literaturfan zu begeistern.

Kalkutta in den 1930ern

Während der mehr als 500 Minuten, in denen dem Zuhörer der Inhalt durch Rufus Beck vermittelt wird, fühlt man sich in sonderbare Sphären entführt. Sehr eindrucksvoll und vor allem authentisch wirksam dringt die Szenerie zu uns. Im indischen Kalkutta des Jahres 1932 ist jeder Tag von der Konfrontation zwischen Alt und Neu, zwischen Armut und Reichtum zu spüren. 15 Jahre vor der Unabhängigkeit mischen sich Kolonialbauten neben Hindu-Tempel. Eine Stadt voller Gegensätze bietet den perfekten Schauplatz für ein mysteriöses Schauermärchen, das uns aus der Feder Zafóns in gewohnter Vielschichtigkeit präsentiert wird.

Zwillinge im Zentrum eines phänomenalen Plots

Dass es in eigentlich jedem Werk von Carlos Ruiz Zafón phantastisch zugeht, sollte man wissen, wenn man sich seine Zeilen zu Gemüte ziehen will. Zentrales Schicksal in „Der Mitternachtspalast“ ist die Wiedervereinigung von Ben und Sheere, die nach 16 Jahren zusammengeführt werden. Kurz nach der Geburt wären beide beinahe einem Mordkomplott zum Opfer gefallen, doch geistesgegenwärtig werden beide voneinander getrennt. Ben wächst im Waisenhaus St. Patrick auf, Sheere bei der gemeinsamen Großmutter. Eben jene Aryami Bosé gibt sich beim Direktor der Einrichtung, Thomas Carter, als Großmutter von Ben zu erkennen und warnt vor einer tödlichen Bedrohung. Just danach explodiert das Büro von Carter. Ehe sich die beiden Zwillinge darüber freuen können, gemeinsam in die Zukunft zu blicken, wird ihr Fortleben bedroht. Von wem und warum – das bleibt zunächst unklar, so dass nicht nur die Protagonisten bei diesem Albtraumszenario lange im Dunkeln tappen.

0