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Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs

Benjamin Jendro

29.Januar
2016

Bibi und Tina 3Benjamin Blümchen ist das Idol meiner Kindheit. Der sprechende Elefant mit ganz elefantastischen Fähigkeiten und mindestens genauso vielen Ängsten war nicht nur am Abend als Hörspiel ein stetiger Begleiter. Ich weiß mittlerweile, dass es ein weibliches Pendant zu ihm gibt. Eine kleine Hexe namens Bibi Blocksberg, die genauso beliebt ist wie er und Kindern beim Einschlafen hilft. Eine Sparte ihres breiten Kosmos sind die Abenteuer mit Tina, bei denen es vorrangig um Pferde geht. „Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“ ist eine ihrer Geschichten und mittlerweile der dritte Auszug aus der Hörbuchreihe, der es auf die Leinwand schafft.

Neues von Bibi & Tina

Bibi und Tina auf Amadeus und Sabrina – Mit jener Zeile beginnt jedes Abenteuer der beiden. So auch das 76-minütige Hörspiel „Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“, das Kultregisseur Detlev Buck nun für den Kinozuschauer produziert hat. In diesem nehmen die beiden unzertrennlichen Freundinnen natürlich wieder einmal die Hauptrollen ein. Es geht um einer interessantes Feriencamp, bei dem sich alles rund um den Trend Geocaching dreht. Tinas Schule hat da nämlich ein Zeltlager vorbereitet, in dem die moderne Schatzsuche zum Thema Nummer eins erhoben wurde. Dumm nur, dass der uralte Zwist zwischen den Geschlechtern die ganze Urlaubslaune auf den Kopf stellt.

Nix mit hex hex

Alles beginnt mit einem simplen Streit zwischen Tina und ihrem Freund Alexander. Bibi ist natürlich auf der Seite ihrer Freundin, Alex aber bekommt ebenso tatkräftige Unterstützung vom Gastschüler Urs. Dieser heizt die Stimmung mit abgedroschenen Sprüchen weiter auf, sodass das Fass schnell zum Überlaufen gebracht wird. Es entwickelt sich ein Wettstreit, bei dem es nicht immer mit rechten Mitteln zugeht. Bibi ist da selbstverständlich im Vorteil, doch auch ihre Hexenfähigkeiten setzen schon mal aus. So muss es andere Wege geben, um den schmutzigen Tricks entgegenzuwirken. So viel sei verraten: Eine Hexe wäre keine richtige Hexe, wenn sie nicht stets eine Lösung finden würde.

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Umberto Eco – Baudolino

Benjamin Jendro

15.Januar
2016

Eco - BaudolinoUmberto Eco ist ein Schelm, denn er spielt mit seinen Lesern und Zuhörern. In seinen Geschichten lässt er sie lange zappeln und stets ein Stück näher kommen. Am Ende dann, wenn sie meinen, des Rätsels Lösung gefunden und das gesamte gesponnene Konstrukt entwirrt zu haben, stellt er sie bloß und zeigt, dass alles ganz anders war. Haben Sie einen anderen Eindruck? Na dann schauen sie nochmal genau nach, was in „Das Foucaultsche Pendel“, „Der Friedhof in Prag“ oder dem neuesten Stück „Nullnummer“ wirklich hinter den Zeilen steht! Eines seiner älteren Werke ist der Schelmenroman „Baudolino“. Der Titelheld wird dort als eine sonderbare Figur gezeigt, die sich mit Lug und Trug aus der Gosse kommend zum großen politischen Handlungsträger entwickelt hat.

Vom Bauernsohn zum großen Entscheider

Es mag ein Zufall sein, dass sich ein einflussreicher Ritter in das Geburtsdorf des späteren Helden verirrt, doch es kann auch eine Fügung des Schicksals darstellen. Der Ankömmling ist nicht irgendein Ritter, was „Baudolino“ freilich erst später erfährt. Das Wesen des Kleinen erweckt sein Interesse und so nutzt der junge Bauerssohn das von Machiavelli oftmals beschriebene Momentum. Er wird im Laufe seines Lebens noch oftmals in derartige Situationen kommen und auch, wenn er nicht immer die richtige Entscheidung trifft, so seinen nachfolgenden Weg aktiv mitbestimmen. „Baudolino“ ist ein Kerl des Mittelalters. Einer, der von den Kreuzzügen und vielen politischen Wirrungen berichtet. Er ist eine Figur, anhand der Umberto Eco sehr gut zeigen kann, wie wichtig die Macht der Manipulation ist, wenn es darum geht, politischen Einfluss zu gewinnen.

„Baudolino“ ist ein satirisches Portfolio des Mittelalters

Baudolino wird vom Adoptivsohn zu einem treuen Begleiter und Berater Kaiser Friedrichs, der irgendwann nur noch auf sein Wort hört und sich von diesem leiten lässt. Eco zeigt sehr brillant, wie schwach die einstigen Herrscher eigentlich waren. Er beschreibt die Zeit, in der er sich bestens auskennt, so wie sie war. Eine Zeit der politischen Wirrungen, in der nicht immer der Stärkste als Sieger hervorging und in der auch nicht immer ehrenhaftes Verhalten von Vorteil war. Im Minutentakt wechselten Bündnisse, politische Allianzen waren brüchig und löchrig. „Baudolino“ ist ein perfekter Beobachter und einer, der Fantasie aufweist und diese zu nutzen versteht. Wer Eco kennt, weiß, dass die Geschichte natürlich auch die Kirche bzw. ihre Würdenträger aufs Korn nehmen muss. Baudolino lässt aus einfachen Tonschalen heilige Reliquien entstehen, sein Autor legt den Finger ganz genau in jene Wunden der Heiligen Schrift, in der sie schwach, weil konstruiert sind. Das zusammen ergibt sehr hörenswerte, weil unterhaltsame Minuten.

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percy_jacksonVor einigen Jahren wollte ich die griechischen Götter- und Heldenmythen schon mal als Lesung erleben und Gustav Schwabs „Sagen des klassischen Altertums“ anhören. Ganz ehrlich: Ich bin nicht weit gekommen, sowohl die Sprache als auch der Rezitator haben mich ermüdet. Mit dem an ein jugendliches Publikum gerichteten Hörbuch „Percy Jackson erzählt: Griechische Göttersagen“ habe ich den Geschichten um antike Götter eine neue Chance gegeben – und mich bestens unterhalten.

Natürlich ist der Ansatz ein ganz anderer: Rick Riordan lässt seinen Romanhelden Percy Jackson, der ja kein geringerer als der Sohn des Poseidon ist, in seinem für diese Jugendbuch-Reihe typischen witzig-ironischen Ton über die Schöpfungsgeschichte und die Verwandtschaft erzählen. Ganz salopp und – soweit möglich – kurz und knapp berichtet der jugendliche Halbgott im Kapitel „Der Anfang und überhaupt“ von Chaos, Gaia und Uranus, widmet deren Kindern, den Titanen, das Kapitel „Das goldene Zeitalter des Kannibalismus“, kommt schließlich zu den Olympiern und stellt bekannte Götter wie Demeter, Ares, Hermes, Aphrodite usw. in eigenen Kapiteln vor.

Das ist nicht große Literatur, gibt aber dem jugendlichen Zielpublikum die Gelegenheit, ganz unverkrampft die griechischen Göttersagen kennenzulernen. Besonders durch Marius Claréns (u.a. deutsche Stimme von Tobey Maguire und Jake Gyllenhaal) erfrischende Interpretation des Stoffes wird hier sehr amüsant Allgemeinwissen vermittelt.

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Ostwind Band 3 – Aufbruch nach Ora

Benjamin Jendro

29.Dezember
2015

Ostwind 3Die Welt der Pferde ist unglaublich weitreichend und die Auswirkungen, die die Vierbeiner auf Menschen haben, die ihrem Zauber verfallen, sind enorm. Es gibt mittlerweile sehr viele Geschichten, in denen es um die innige Verbindung zwischen Mensch und Tier geht. Längst sind „Der Pferdeflüsterer“ oder die einzelnen Episoden von „Bibi und Tina“ keine Randsparten mehr. Das zeigt auch die Reihe „Ostwind“, die in ihre dritte Hörbuchepisode geht. „Aufbruch nach Ora“ heißt das gute Stück, es ist mehr als fünf Stunden lang und ein absolutes Muss für alle Pferdefreunde.

Ostwind 3 – Neues aus Kaltenbach

Es ist schon etwas her, dass Mika das erste Mal nach Kaltenbach kam. Weil ihre Noten nicht mehr ganz den Idealen der Eltern entsprachen, musste sie zum Zwangsurlaub zur mehr oder weniger liebevollen Großmutter. Wirklich zum Lernen kam Mika aber da auch nicht, der Grund war Ostwind – ein Pferd, das als schwer zu bändigen galt, sich ihr aber mit all seiner Pferdestärke hingab. In „Ostwind Band 3 – Aufbruch nach Ora“ geht es selbstverständlich wieder um die beiden und ihre innige Freundschaft, die sich mittlerweile ausgebildet hat. Seit einem Jahr wohnt die junge Dame nun fest auf dem Gestüt, sie scheint endlich angekommen zu sein. Langweilig wird es aber trotzdem nicht.

Eine Hörbuchfortsetzung, die heiß ersehnt wurde

Mittlerweile darf sie Ostwind sehen, wann sie möchte. Auch zu Milan, der jetzt fest auf dem Hof arbeitet, pflegt sie einen sehr engen Kontakt. Längst kennt man Mika auch über die Gestüts-Grenzen hinaus. Pferdebesitzer aus dem ganzen Land kommen nach Kaltenbach, um das legendäre Therapiezentrum zu bestaunen. Auf kurz oder lang kommt man dort auch mit dem wahren Star des Hofs in Kontakt. Alles scheint rosig, doch ein Gewitter bringt die heile Welt zum Einsturz. Zu allem Überfluss ist es genau jene Nacht, in der Milans Schimmelstute ein Fohlen auf die Welt bringen soll. Jedem ist klar, dass am Morgen nach dieser bewegenden Nacht nichts mehr so ist wie zuvor.

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Deutsche Geschichte in 100 ObjektenGeschichte ist etwas Schönes. Es ist die Grundlage unseres heutigen Lebens und auch, wenn es immer heißt, man soll nicht in der Vergangenheit leben, ist es doch genau sie, die uns unser heutiges Leben so ermöglicht. Es ist sehr wichtig zu wissen, wo wir herkommen, um zu wissen, wo wir hinwollen und letztlich ist es auch die gemeinsame Historie, die Menschen zu einer Nation wachsen lassen. Insofern sollten wir auch nie vergessen, was einmal war. Um Fehler nicht zu wiederholen und um aus Fehlern zu lernen. Die deutsche Geschichte ist voll von diesen, aber auch von großen Ereignissen, an die wir uns gerne zurückerinnern. Hermann Schäfer hat sie gesammelt und sie in „Deutsche Geschichte in 100 Objekten“ zusammengetragen.

100 Objekte, die für die deutsche Geschichte stehen

Eine Ritterrüstung, ein kleines Tabakdöschen und die Fußball-Weltmeisterschaft 1954. Diese Sachen mögen überhaupt nicht zusammenpassen und sind dennoch Symbole, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind. Es sind nur drei Bruchstücke aus dem Schatz, den Hermann Schäfer zusammengesammelt hat, um unsere Geschichte aufzuarbeiten. Die einzelnen Zeugnisse wirken wie ein feines Mosaik, dass der Autor auf satten 1500 Hörminuten in „Deutsche Geschichte in 100 Objekten“ Stück für Stück aufbaut. Dabei kommt natürlich eine nostalgische Stimmung auf. Langweilig wird es beim Streifzug durch die Jahrhunderte aber zu keiner Zeit.

Geschichte im Schnelldurchlauf

Schäfer beschränkt sich keinesfalls darauf, die 100 Objekte nur pauschal vorzustellen. Nein, er verbindet sie zu einem roten Faden, anhand dem er sämtliche politische Strömungen und gesellschaftliche Umbrüche kennzeichnet und dem Zuhörer näherbringt. Die Sprecher Katja Bürkle und Stefan Wilkening mögen keine Historiker sein, doch ihnen gelingt es, uns mit auf die Reise zu nehmen. Das Tolle ist, dass man als Zuhörer dabei ganz individuelle Schwerpunkte setzen kann und ganz nebenbei historische Daten auffrischen darf. Das Ganze ist natürlich auch akustisch angepasst, so dass die einzelnen Epochen stets einen ganz eigenen Charme versprühen dürfen. Rundum, ein sehr gelungenes akustisches Panorama von den Anfängen unserer Geschichte bis zur Gegenwart.

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Krieg der Könige - Das Lied von Eis und FeuerGeorge R.R. Martins derzeit fünf dicke Bände umfassendes, brillantes Fantasy-Epos „Das Lied von Eis und Feuer“ verdient keine Kürzungen. Zu vieles von der erzählerischen Wucht würde sonst verloren gehen, und da die Reihe noch nicht beendet ist, wäre es auch gefährlich, Handlungsstränge zu straffen – wer weiß, welches Detail noch wichtig wird! Deshalb erscheint die Vertonung der Reihe bei Random House Audio dankenswerterweise als ungekürzte Lesung.

Vom Auftaktband „Die Herren von Winterfell“ bis zum zehnten und bislang letzten Teil „Ein Tanz mit Drachen“ (in Deutschland wurden alle Bände der Reihe in zwei Bücher aufgeteilt) vermag es der der ausgezeichnete Sprecher Reinhard Kuhnert (u.a. Synchronstimme von Pierce Brosnan und Kevin Spacey), die Hörer von der ersten bis zur letzten Minute in den Bann der fiktiven Welt von Westeros zu ziehen. Die gefährlichen Ränkespiele in den sieben Königreichen des Kontinents, der brutal entfesselte Machtkampf zwischen den mächtigen Adelshäusern der Starks, Lannisters, Baratheons,Tyrells und Greyjoys, die eisige Bedrohung von jenseits der Mauer im Norden des Reiches und das Schicksal der verbannten Königstochter Daenerys Targaryen in Essos sind zwar weitschweifig erzählt, aber bei George R.R. Martin erscheint kein Wort zu viel, zu spannend entwickelt sich die Geschichte trotz der Erzählfreude des Autors. Mit der alten deutschen Übersetzung von Jörn Ingwersen und einem vorzüglichen Sprecher, der allen Personen eine eigene Stimme verleiht und trotz langer Sätze perfekt betont, ist das hier wirklich allerbeste Unterhaltung.

Für „Game of Thrones“-Fans und auch Kenner der Buchreihe, welche die lange Wartezeit auf die nächste Staffel bzw. den nächsten Band der Serie verkürzen wollen, gibt es jetzt einen besonderen Geschenktipp: Alle bisherigen Hörbücher der Reihe in einer Box. Auf 20 MP3-CDs kommen da schlappe 127 Stunden und 49 Minuten zusammen.
Winter is coming – da hat man viel Zeit für Hörbücher …

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Alexijewitsch - Gespräche mit Lebenden und TotenSelten war die Bekanntgabe des Nobelpreisträgers für Literatur so wenig überraschend wie in diesem Jahr. In der Vergangenheit schauten die vorab genannten Favoriten regelmäßig in die Röhre. So hatten einen Tranströmer, eine Munro oder einen Modiano nur die allerwenigsten auf dem Zettel. Bei der Weißrussin Swetlana Alexijewitsch ist das freilich eine ganz andere Geschichte, denn ihr Name fiel schon in den letzten Jahren immer mal wieder. 2015 galt sie als Topfavorit und seit letztem Donnerstag ist klar, dass sie dieser Rolle gerecht wurde. Die Schwedische Akademie prämierte sie  „für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt“. Ihr Stück „Gespräche mit Lebenden und Toten“ ist nur ein Beispiel, das diese Vergabe rechtfertigt.

Nicht mal 80 Minuten, und doch so viel Inhalt

Es gibt heutzutage wahnsinnig viele Autoren, die meinen eine Geschichte in aller epischen Breite konstruieren zu müssen, um den Leser oder Zuhörer zu berühren. Swetlana Alexijewitsch benötigt nicht einmal 80 Minuten, um das zu leisten. „Gespräche mit Lebenden und Toten“ ist ein typisches Werk aus ihrem Spektrum. Es vereint die Erfahrungen von vielen Menschen, auf deren Äußerungen allein sich Alexijewitsch stützt. Sie hat einige Jahre damit verbracht, Personen zuzuhören, deren Leben durch das verheerende Unglück von Tschernobyl im April 1986 beeinflusst  wurde. In aller Ausführlichkeit, trotz der gerade einmal 78 Minuten, schenkt sie ihren Erzählungen Gehör und lässt sie in ihrem ganz individuellen Schreibstil miteinander zusammenwachsen, um ein großes Ganzes daraus zu synthetisieren.

Eine akustische Komposition, die einen bestürzt zurücklässt

Natürlich umfasst das eigentliche Werk von Alexijewitsch längere Sprachpassagen und im Hörbuch zu „Gespräche mit Lebenden und Toten“ kommen auch nicht alle verwendeten Stimmen zu Wort. Eine Mischung aus Berichten verschiedener Überlebender – Zeitzeugen, Experten, Helfer und auch betroffene Opfer – bleibt trotzdem erhalten. Die selektive Auswahl von Frank Werner gibt einen hervorragenden Einblick in das Werk und lädt zur weiteren Beschäftigung mit diesem und der Autorin ein. Unter anderem sind die einzelnen Berichte von Ilse Strambowski, Peter Gavajda und Viola Morlinghaus eingesprochen worden. Auch die einzelnen Sprecher tragen spürbar dazu bei, dass dies eine akustische Komposition darstellt, die den Zuhörer mit einem hohen Grad bestürzter Grundstimmung zurücklässt.

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Timur Vermes – Er ist wieder da

Benjamin Jendro

8.Oktober
2015

Vermes - Er ist wieder daKein deutscher Film wird in diesem Jahr so viel Aufsehen erregen wie David Wnendts „Er ist wieder da“. Mit einer tollen Herangehensweise hat er einen brillanten filmischen Rahmen für Timur Vermes gleichnamigen Roman gefunden. Teilweise filmte er einzelne Szenen mit versteckter Kamera direkt auf den Straßen Berlins und fing so die authentischen Reaktionen der Menschen auf einen Adolf Hitler mitten im 21. Jahrhundert ein. Mit seinem viel diskutierten Schriftstück hat Timur Vermes ihm die richtige Grundlage geschaffen. Er lässt seinen Protagonisten, der im Hörbuch brillant von Christoph Maria Herbst gesprochen im Jahr 2011 auf alle Gegebenheiten der heutigen Zeit treffen.

Er ist wieder da

In den Annalen kann man ausführliche Notizen finden, Adolf Hitler ist am 30. April 1945 offiziell für tot erklärt worden. Für viele Literaten und Medienvertreter spielt er dennoch weiterhin eine Rolle, das Spektrum Hitler ist noch lange nicht ausgereizt. Timur Vermes hat das mit seinem Roman einmal mehr bewiesen und ein vollkommen neues Konzept entwickelt. In „Er ist wieder da“ platziert er Adolf Hitler im Jahr 2011 in Berlin Mitte, auf einem leeren Grundstück und in unmittelbarer Nähe zum damaligen Bunker. Er ist noch immer derselbe, doch die Zeit hat sich komplett. Mittlerweile regiert eine Frau in Deutschland, einem Land des multikulturellen Austauschs. Krieg herrscht im Zentrum Europas keiner mehr, die NSDAP gehört der Geschichte an. Sichtlich überfordert mit seiner Umgebung tapst er erst einmal hilflos durch die Straßen. Auch dank der vielen Ahnungslosen um ihn herum aber erlangt er nach und nach immer mehr Souveränität.

Hitler gelangt durch die Medienwelt zurück in den Fokus

Alle Menschen, die auf ihn treffen, halten ihn für einen begnadeten Komiker, der sowohl die Denkweise des einstigen „Führers“ verinnerlicht zu haben scheint als auch seine Mimik und Gestik. Niemand, weder die waschechten Neonazis, noch führende Politiker oder Prominente ahnen, mit wem sie es hier wirklich zu tun haben. Hitler steigt auf zum gefeierten Medienstar und erntet dank der Genialität seiner witzigen Darstellung großen Beifall. Vermes zeigt in „Er ist wieder da“, wie sehr unsere heutige Gesellschaft von Medien abhängig ist. Hitler sammelt Facebook-Likes, jeder möchte mit ihm gesehen werden. Niemand nimmt die scheinbare Witzfigur ernst und so schiebt sie sich immer weiter empor. Das ist gefährlich und beweist letztlich nur, dass auch die Gesellschaft des 21. Jahrhundert anfällig für die Verführung eines Demagogen ist. Selbstverständlich ist alles mit reichlich Humor verpackt.

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E. L. James – Grey

Benjamin Jendro

3.September
2015

James - GreyWenn man über die besonders erfolgreichen Bestseller der letzten Jahre sprechen möchte, führt kein Weg an der erotischen Werkreihe von E. L. James vorbei. Selbst, wer sich nicht für Lektüre aus diesem Genre begeistern kann, muss eingestehen, dass die einzelnen Bände von „Fifty Shades of Grey“ omnipräsent in den Bücherregalen lagerten. Man sprach über den Inhalt und selbst jene, die die Werke gar nicht gelesen haben, taten es. Mit der Verfilmung wurden dann noch mehr Menschen in den Bann gezogen. Letztlich basiert der Erfolg von „Fifty Shades of Grey“ darauf, dass endlich kulturell über etwas gesprochen wurde, das bisher als nicht thematisierbar galt. Klar, dass sich Fans der Reihe da nicht mit dem letzten Band zufrieden geben wollten. E. L. James gibt ihnen mit „Grey“ den ersehnten Nachschub und ließ nun auch mal den Herren der Zunft zu Wort kommen.

Christian Grey spricht über seine Beziehung

Er, der durchtriebene Karrierekerl, der sich Frauen aussuchen kann, damit aber letztlich nicht glücklich wird. Sie, das junge, noch naive Ding, das zu ihm aufschaut und sich von ihm physisch wie psychisch fesseln lässt. Rein oberflächlich sind Christian Grey und Ana Steele von Grund auf verschieden. Doch es ist genau diese Konstellation, die auch ihn begeistert. Dieses junge Rehkitz, noch unerfahren und teilweise weltfremd verfällt seinem Charme und er letztlich ihrem. Sie gibt ihm das, was ihm keine andere Frau geben kann und füllt genau genommen all seine Gedanken, Vorstellungen und Träume aus. In „Grey“ nun bekommt der Zuhörer auf mehr als 18 endlich in den Genuss seiner Empfindungen.

„Grey“ ermöglicht ganz neue Einblicke

Bisher haben Fans der „Fifty Shades of Grey“ die prickelnde Beziehung von Ana und Christian nur aus ihrer Perspektive zu hören bekommen. In „Grey“ nun wird die Reihe sinnvoll ergänzt. Hörbuch-Sprecher Martin Kautz verleiht den Worten des Protagonisten den richtigen Klang und offenbart damit auch jenen Kummer, der in ihm lodert. Die zentrale Frage dieses Nachfolgewerkes besteht darin, ob Christian mit Anas Hilfe die eigene Vergangenheit hinter sich lassen kann. Ist sie der Schlüssel, um den Schrecken, der ihn noch im Erwachsenen belastet, endlich hinter verschlossene Türen zu bringen? „Grey“ beantwortet diese Frage und gibt E. L. James Bestsellerreihe eine Komponente, die das Gesamtkunstwerk erweitert. Wobei der erotische Grundtonus natürlich weiterhin zentrales Element ist.

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Dan Smith – Big Game

Benjamin Jendro

18.Juni
2015

Big GameEs ist ein eher seltenes Phänomen, dass Actionfilme aus dem Kino als Grundlage Romane nutzen. Im Fall von Dan Smith ist es aber so. Sein „Big Game“ erzählt eine interessante und recht ungewöhnliche Geschichte. Ein kleiner Knirps trifft dort mitten in der Wildnis den mächtigsten Mann der Welt. Fortan muss er sich um ihn kümmern und tut dies mit Bravour. Es ist die recht besondere Konstellation, von der die Geschichte lebt und dank der „Big Game“ zum Kinohighlight des Sommers aufsteigen könnte. Das Hörbuch eignet sich für jene, die anstatt der Kinofassung lieber zuhause Spannung haben wollen. Die siebeneinhalb Stunden sind auf jeden Fall hörenswert.

Big Game – Ein außergewöhnliches Jagderlebnis

13 Lenzen ist der kleine Oskari und gemäß der Tradition muss er in den Wald und ein großes Tier erlegen. So wie sein Vater und dessen Vater, Oskari ist nämlich der Spross einer Jägerfamilie. Um der Historie seines finnischen Dorfs gerecht zu werden, ist der Übergang vom Jungen zu Mann das Erlegen einer großen Beute. Je nachdem, worum es sich handelt, erhält der Jäger dann auch Aufschluss darüber, was er für ein Mann geworden ist. Im Fall von „Big Game“ ist die Beute des kleinen Mannes ein wirklich großes Tier. Es handelt sich um den Präsidenten der Vereinigten Staaten, der Oskari da vor den Bogen läuft.

Ein kleiner und schwacher Junge beschützt den mächtigsten Mann der Welt

Oskari hat ein wenig Angst, als er sich in den Wald begibt. Er ist nicht gerade das Ideal eines großen Kriegers. Selbstzweifel sind dennoch unangebracht, denn Oskari erweist sich in „Big Game“ als Fels in der Brandung. Nachdem der Präsident notlanden muss, weil ein Terrorist seine Air Force One vom Himmel pustet, wirkt er mitten in der Wildnis recht orientierungslos. Oskari hält ihn für einen Außerirdischen. Genau diese Konstellation ist so bemerkenswert und Autor Dan Smith zeigt viel Herz in der Geschichte. Oskari beschützt den Präsidenten, der fernab der Staaten hoffnungslos verloren ist und Zielscheibe für jede Menge Bösewichte abgibt.

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