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E. L. James – Grey

Benjamin Jendro

3.September
2015

James - GreyWenn man über die besonders erfolgreichen Bestseller der letzten Jahre sprechen möchte, führt kein Weg an der erotischen Werkreihe von E. L. James vorbei. Selbst, wer sich nicht für Lektüre aus diesem Genre begeistern kann, muss eingestehen, dass die einzelnen Bände von „Fifty Shades of Grey“ omnipräsent in den Bücherregalen lagerten. Man sprach über den Inhalt und selbst jene, die die Werke gar nicht gelesen haben, taten es. Mit der Verfilmung wurden dann noch mehr Menschen in den Bann gezogen. Letztlich basiert der Erfolg von „Fifty Shades of Grey“ darauf, dass endlich kulturell über etwas gesprochen wurde, das bisher als nicht thematisierbar galt. Klar, dass sich Fans der Reihe da nicht mit dem letzten Band zufrieden geben wollten. E. L. James gibt ihnen mit „Grey“ den ersehnten Nachschub und ließ nun auch mal den Herren der Zunft zu Wort kommen.

Christian Grey spricht über seine Beziehung

Er, der durchtriebene Karrierekerl, der sich Frauen aussuchen kann, damit aber letztlich nicht glücklich wird. Sie, das junge, noch naive Ding, das zu ihm aufschaut und sich von ihm physisch wie psychisch fesseln lässt. Rein oberflächlich sind Christian Grey und Ana Steele von Grund auf verschieden. Doch es ist genau diese Konstellation, die auch ihn begeistert. Dieses junge Rehkitz, noch unerfahren und teilweise weltfremd verfällt seinem Charme und er letztlich ihrem. Sie gibt ihm das, was ihm keine andere Frau geben kann und füllt genau genommen all seine Gedanken, Vorstellungen und Träume aus. In „Grey“ nun bekommt der Zuhörer auf mehr als 18 endlich in den Genuss seiner Empfindungen.

„Grey“ ermöglicht ganz neue Einblicke

Bisher haben Fans der „Fifty Shades of Grey“ die prickelnde Beziehung von Ana und Christian nur aus ihrer Perspektive zu hören bekommen. In „Grey“ nun wird die Reihe sinnvoll ergänzt. Hörbuch-Sprecher Martin Kautz verleiht den Worten des Protagonisten den richtigen Klang und offenbart damit auch jenen Kummer, der in ihm lodert. Die zentrale Frage dieses Nachfolgewerkes besteht darin, ob Christian mit Anas Hilfe die eigene Vergangenheit hinter sich lassen kann. Ist sie der Schlüssel, um den Schrecken, der ihn noch im Erwachsenen belastet, endlich hinter verschlossene Türen zu bringen? „Grey“ beantwortet diese Frage und gibt E. L. James Bestsellerreihe eine Komponente, die das Gesamtkunstwerk erweitert. Wobei der erotische Grundtonus natürlich weiterhin zentrales Element ist.

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Dan Smith – Big Game

Benjamin Jendro

18.Juni
2015

Big GameEs ist ein eher seltenes Phänomen, dass Actionfilme aus dem Kino als Grundlage Romane nutzen. Im Fall von Dan Smith ist es aber so. Sein „Big Game“ erzählt eine interessante und recht ungewöhnliche Geschichte. Ein kleiner Knirps trifft dort mitten in der Wildnis den mächtigsten Mann der Welt. Fortan muss er sich um ihn kümmern und tut dies mit Bravour. Es ist die recht besondere Konstellation, von der die Geschichte lebt und dank der „Big Game“ zum Kinohighlight des Sommers aufsteigen könnte. Das Hörbuch eignet sich für jene, die anstatt der Kinofassung lieber zuhause Spannung haben wollen. Die siebeneinhalb Stunden sind auf jeden Fall hörenswert.

Big Game – Ein außergewöhnliches Jagderlebnis

13 Lenzen ist der kleine Oskari und gemäß der Tradition muss er in den Wald und ein großes Tier erlegen. So wie sein Vater und dessen Vater, Oskari ist nämlich der Spross einer Jägerfamilie. Um der Historie seines finnischen Dorfs gerecht zu werden, ist der Übergang vom Jungen zu Mann das Erlegen einer großen Beute. Je nachdem, worum es sich handelt, erhält der Jäger dann auch Aufschluss darüber, was er für ein Mann geworden ist. Im Fall von „Big Game“ ist die Beute des kleinen Mannes ein wirklich großes Tier. Es handelt sich um den Präsidenten der Vereinigten Staaten, der Oskari da vor den Bogen läuft.

Ein kleiner und schwacher Junge beschützt den mächtigsten Mann der Welt

Oskari hat ein wenig Angst, als er sich in den Wald begibt. Er ist nicht gerade das Ideal eines großen Kriegers. Selbstzweifel sind dennoch unangebracht, denn Oskari erweist sich in „Big Game“ als Fels in der Brandung. Nachdem der Präsident notlanden muss, weil ein Terrorist seine Air Force One vom Himmel pustet, wirkt er mitten in der Wildnis recht orientierungslos. Oskari hält ihn für einen Außerirdischen. Genau diese Konstellation ist so bemerkenswert und Autor Dan Smith zeigt viel Herz in der Geschichte. Oskari beschützt den Präsidenten, der fernab der Staaten hoffnungslos verloren ist und Zielscheibe für jede Menge Bösewichte abgibt.

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Zafon - Das Spiel des EngelsEin Name, der klangvoll auf den Lippen zergeht und der für Geschichten steht, die ebenso wundervoll genüsslich schmecken – das ist Carlos Ruiz Zafon. Seine Romane verzaubern den Zuhörer und besonders mit der Tetralogie „Der Friedhof der vergessenen Bücher“ hat er mich für seine Arbeiten gewinnen können. Drei dieser Stücke wurden bisher herausgegeben, der vierte ist in Arbeit. Um sich ordentlich auf dieses einzustimmen, lohnt ein Rückblick. Viel Spannung findet sich im zweiten Roman „Das Spiel des Engels“. In diesem werkelt ein junger Schriftsteller, der mitten im Herzen Barcelonas schaurige Geschichten verfasst, an einer Mammutarbeit, die Einfluss auf sein eigenes Leben nimmt.

David Martin – Ein junger Autor in Barcelonas Dunkelheit

Früh im Leben interessiert sich David Martin für Bücher und dank der Buchhandlung Sempere kommt er auch stetig zu neuem Material. Den Buchhändler und sein Sohn kennt man bereits aus dem ersten Band „Die Schatten des Windes“. In „Das Spiel des Engels“ rückt besagter Martin den Fokus. Nach dem Tod seines Vaters kommt er durch die Hilfe eines guten Freundes zu einer Zeitung, bei der er zunächst Praktikantenjobs übernimmt. Eines Tages aber erhält er dort die Chance, endlich seine eigenen schriftstellerischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Aus einer ersten schaurigen Geschichte wird eine ganze Serie, die in Barcelona Erfolg hat. Dem folgen erste Bücher, in denen Martin gruselige und sehr dunkle Szenarien unter einem Pseudonym schreibt und so unentdeckt einer der erfolgreichsten Autoren der Stadt wird.

Das Spiel des Engels ist ein unmoralisches Angebot

Als David Martin sich aus seinem Knebelvertrag lösen möchte, kommt ihm ein mysteriöser Fremder, der schon zuvor um seine Gunst geworben hat, zur Hilfe. Die beiden Verleger sterben bei einem Brand, ihr Autor ist nicht mehr gebunden. Frei für Neues lässt er sich auf ein Angebot des Fremden ein, für den er in Fabelmanier eine neue Religion verfassen soll. Zwar findet er das Thema skurril, doch der Preis stimmt und der Herr Corelli verspricht ihm noch einen ganz anderen Lohn. Dass sich rund um „Das Spiel des Engels“ immer mehr dunkle Elemente auftürmen, trägt der Spannungssteigerung bei. Den Rest schafft der Rahmen des dunklen Barcelonas aus einer Zeit vor dem Bürgerkrieg. Gefüllt mit vielen Geheimnissen entsteht dabei eine tolle Atmosphäre, der jeder Zuhörer verfallen wird.

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Haruki Murakami – Wenn der Wind singt

Benjamin Jendro

27.Mai
2015

Murakami - Wenn der Wind singtDie Zahl derjenigen, die aus meiner Sicht noch immer zu Unrecht auf den Nobelpreis für Literatur wartet, steigert sich Jahr für Jahr. Immer wieder wird man überrascht und bekommt einen Autor vor die Nase gesetzt, der es durchaus verdient hat, der einem aber nicht als erster Name in den Sinn gekommen ist. Haruki Murakami ist für mich derjenige, dessen Name seit Jahren fallen müsste, wenn die Akademie einen Sieger verkündet. Seine Romane versprühen großen Unterhaltungswert und zehren von einer ganz eigenen Sprache. Der 1949 geborene Japaner hat sicher noch ein Paar Jahre Zeit, dennoch sind seine Werke nobelpreiswürdig. Sein Debüt „Wenn der Wind singt“ war es schon.

„Wenn der Wind singt“ ist der Beginn einer Trilogie

Gerade ist der Wunsch vieler Literaturfans in der realen Welt erfüllt worden. Haruki Murakamis Debütroman „Wenn der Wind singt“ wurde endlich auch außerhalb Japans veröffentlicht. Somit hat der Bestsellerautor sich nach langem Hin und Her nun doch entschlossen, seinen Fans, von denen es in Deutschland wahrlich viele gibt, das gute Stück vorzulegen. Es erscheint in der Buchvariante zusammen mit „Pinball 1973“, dem Folgeband. Zusammen mit dem bereits 1991 in Deutschland erschienen Werk „Wilde Schafsjagd“ ergibt das die so genannte „Trilogie der Ratte“ – Murakamis Einstieg in die literarische Welt.

Die Geschichte in „Wenn der Wind singt“

Haruki Murakamis Romane erkennt man oft an wiederkehrenden Elementen. Eines besteht darin, die Erzählung an einer Figur entlang zu führen und das Werk so auch immer ein wenig autobiographisch zu gestalten. In „Wenn der Wind singt“ ist ein 21-jähriger Student dieser Eckpfeiler. Murakami, der seinen Schriften gerne mal etwas Mystisch-Märchenhaftes verleiht, gibt ihm keine Namen. Er ist eine Person, die sinnbildlich zu sehen ist und deshalb auch keinen Namen tragen muss. Besagter Student verbringt die Sommersemesterferien des Jahres 1970 in seinem kleinen Heimatdörfchen. So wirklich viel macht er dort nicht. Trotzdem enthalten die fünf Stunden Hörbuch, die David Nathan spricht, viel Interessantes. Es geht um die Gespräche von dem Protagonisten mit seinen drei engsten Vertrauten, seinem besten Freund Ratte, einem Mädchen, dem ein Finger fehlt und einem Barkeeper.

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Dörte Hansen – Altes Land

Benjamin Jendro

13.Mai
2015

Hansen -Altes LandManche Dinge in dieser Welt können wir bestimmen, die meisten aber eben nicht. So ist unser Leben geprägt von vielem Unvorhersehbaren und jeder Menge Überraschungen, die es besonders spannend machen. Eine Sache, die sich nicht vorhersehen lässt, ist beispielsweise der Unterhaltungswert eines literarischen Werkes. Zwar kennen wir einige Autoren und Autorinnen und können bei einem Folgewerk von ihnen in etwa erahnen, was da zu hören ist. Bei gänzlich neuen Schriftstellern aber lässt sich der Überraschungseffekt nicht minimieren. Insofern wusste ich auch vor meinem letzten Hörbuchkauf nicht, was mich erwartet. Ich griff zur Dörte HansensAltes Land“ und bereute die Entscheidung bei keiner der 313 Hörminuten.

Altes Land ist ein historisch gefärbtes Stück

Fünf Jahre alt ist die kleine Vera, die als das „Polackenkind“ gemeinsam mit ihrer Mutter auf einem Hof gelandet ist. „Altes Land“ erzählt von ihrer Flucht aus Ostpreußen im Jahr 1945. Die neue Heimstätte ist zwar sicher, doch die Szenerie erscheint ihr fremd. Das große und karge Bauernhaus strahlt nicht gerade große Gastfreundschaft aus. Dennoch aber ist Vera am neuen Ort gefangen. Sechs Jahrzehnte später klopft ihre Nichte Anne an die Tür. Auch sie ist geflüchtet, vor ihrem Mann, der auf einmal eine andere liebt. Sie hat ihren kleinen Sohn mitgebracht.

Dörte Hansen berührt den Leser

So unterschiedlich Dörte Hansen Anne und Vera auch darstellt, so vergleichbar ist ihre Situation. Die beiden Frauen, um die sich das komplette Werk „Altes Land“ dreht, haben mehr gemeinsam als es den Anschein macht. Es ist durchaus interessant zu beobachten, dass beide letztlich nach exakt dem gleichen Medium suchen – einer Familie, in der Glück sprießt. Das entschlüsselt die Autorin, die mit einer klaren aber stetig einfühlsamen Sprache, mit Verlauf der Erzählung immer mehr. So berührend die Geschichte ist, so viel ist sie auch vom hanseatisch-trockenen Witz gesegnet, den Dörte Hansen immer mal wieder einfließen lässt.

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Günter Grass – Lyrische Beute

Benjamin Jendro

16.April
2015

Grass - Lyrische BeuteIrgendwie war es ein recht eigenartiger Wochenanfang. Die wenigsten kannten Schriftsteller Günter Grass persönlich, doch jeder scheint nun um ihn zu trauern. Natürlich tun wir das, denn erst mit seinem Tod wird uns bewusst, was dieser Mann für alle gesellschaftlich-kulturell Interessierten geleistet hat. Günter Grass hat mit seinen unzähligen Werken nicht nur gut unterhalten, er hat vor allem auch Ansichten geprägt. Ich persönlich habe unzählige Geschichtsstunden im Schulraum verbracht, um historische Fakten zu erfahren. Wie es aber den Menschen zur jeweiligen Zeit ging, und das ist das wirklich Wesentliche, hat niemand ernsthaft vermittelt. Grass schon, sein Werk „Die Blechtrommel“ hat mein Geschichtsbild stark beeinflusst. Auch mein Bild von Literatur wäre ohne Günter Grass nicht das heutige. Mit „Lyrische  Beute“ ist es ihm sogar gelungen, mich entgegen der Gewohnheit für Lyrik zu begeistern.

Günter Grass machte Lyrische Beute

Schulstunde, Deutsch, Gedichtanalyse – Oh nein, schon wieder eine. So gerne ich mich in der Schule der Deutschen Sprache und Literatur gewidmet habe, Gedichtanalysen habe ich gehasst. Noch heute, nach dem Studium frage ich mich, warum es so wichtig ist, dass ein Autor in seinem Werk Alliterationen, Hyperbeln und Co. verwendet hat. Im Kern geht es doch bei allen Gedichten um den Inhalt, selbst wenn es immer heißt, Inhalt und Form stehen im Wechselspiel miteinander. Eine Ansicht, der im Übrigen auch Dozenten zustimmen mussten. Gedichte liest man, weil sie in wenig Worten viel über einen Autor aussagen. „Lyrische Beute“ ist eine Sammlung mehrerer dieser Zeugnisse. Ganz nebenbei sorgt der Sprecher Günter Grass zudem dafür, dass sie recht unterhaltsam und mit einer eindringlichen Stimmfarbe vorgestellt werden.

140 Gedichte aus 50 Jahren

50 Jahre umfasst die Zusammenstellung, in der 140 Gedichte des Literaturnobelpreisträgers von 1999 enthalten sind. Günter Grass war ein Querdenker, das ist zu Recht auch in allen Äußerungen zu seinem Tod deutlich geworden. Ein Mann, der den Tonus vieler Leute traf, dem es aber auch vollkommen bewusst war, mit seinen stark polar gefärbten Äußerungen bei anderen Widerstand und Abneigung hervorzurufen. Das Hörbuch „Lyrische Beute“ ist die Aufzeichnung einer Lesung von Günter Grass in Lübeck. Sie ist jetzt nach seinem Tod und der Erkenntnis, dass er keine weiteren Lesungen halten wird, umso wertvoller. Bei den knapp vier Stunden kann man noch mal das ganze Spektrum eines sehr großen Mannes auf sich einfließen lassen, einfach zuhören und die Gedanken baumeln lassen.

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Siegner - Expedition auf dem NilEine der beliebtesten Figuren der deutschen Hörbuchszene ist zurück. Mit seinem neuen Abenteuer wird „Der kleine Drache Kokosnuss“ in der nächsten Zeit wieder in vielen Kinderzimmern zu hören sein und unzählige Herzen seiner Zuhörer höher schlagen lassen. Den kleinen Helden von Ingo Siegner umgibt eine magische Aura, der sich kein Heranwachsender so einfach entziehen kann. In seiner neuesten Episode treibt es das feuerspeiende Flugtier mit Fruchtnamen nach Afrika. „Expedition auf dem Nil“ ist ein 45-minütiger Ausflug ins Reich der Pharaonen und so nicht nur auf eine raum-, sondern auch eine zeitgebundene Reise.

Wie zum Drachen haben die solche Pyramiden gebaut?

Wenn „Der kleine Drache Kokosnuss“ mal etwas Langeweile hat und nicht so recht weiß, was er mit der vielen tollen Freizeit anfangen soll, sucht er sich eine Beschäftigung, die ihn mit Spannung erfüllt. Aktuell hat es ihm die ägyptische Geschichte getan. Wie zum Teufel ist es den früheren Ägyptern gelungen, so komplexe Gebilde wie die Pyramiden zu bauen. Um dieser Frage nachzugehen, bedarf es ein wenig Innovation. So spielen in „Der kleine Drache Kokosnuss – Expedition auf dem Nil“ unter anderem auch Laserphaser und Spezial-Drachenflugmobil eine wichtige Rolle. Kokosnuss, Matilda und Oskar reisen dank dieser Anfertigung in die Historie zurück.

Achtung: Notlandung mitten auf dem Nil

Ohne Matilda und Oskar wäre „Der kleine Drache Kokosnuss“ schon des Öfteren völlig aufgeschmissen gewesen.  Auch dieses Mal kommt ihnen einen tragende Rolle zu. Schon bei der Anreise ergeben sich gigantische Probleme, denn das Flugmobil muss mitten auf dem Nil notwassern. Zu dritt meistern sie das Manöver und können so heil in ihr nächstes Abenteuer starten. Dieses hat es definitiv in sich. Durch die lebendige Intonation von Sprecher Philipp Schepmann gewinnt das Hörbuch zusätzlich an Unterhaltungswert. So bekommen die kleinen und großen Fans von Ingo Siegner wieder mal ein tolles und durchgängig spannendes Erlebnis des lieb gewonnenen Kokosnuss geboten.

 

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di Fulvio - Das Kind, das nachts die Sonne fand hbWochenlang schon habe ich auf dieses Hörbuch gewartet. Nun ist es endlich soweit und in einer guten Woche können auch Sie das Highlight des Frühjahrs vor die Ohren bekommen. Der italienische Kultautor Luca di Fulvio hat mal wieder ein wenig getüftelt und folgt mit seinem neuen Werk der zuletzt so erfolgreichen Schreibweise. „Der Junge, der Träume schenkte“ rückte den Römer in den Fokus des literarischen Geschehens und machte ihn von einem guten zu einem herausragenden Autor. Dieser Eindruck bestätigte sich bei „Das Mädchen, das den Himmel berührte“. Die Erfolgsstory setzt sich beim neuen Roman „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ weiter fort.

„Das Kind, das nachts die Sonne fand“ ist eine gelungene Fortsetzung

Während sich di Fulvio bei „Inkubus“ eher noch dem Thrillergenre zuordnen ließ, ging er bei „Der Junge, der Träume schenkte“ einen komplett anderen Weg. Bereuen wird er diesen Wandel nicht. Sowohl Cover als auch Titel zogen unzählige Leser und Zuhörer an, dem Folgewerk erging es ähnlich. Auch „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ setzt auf diese erfolgreichen Elemente. Obwohl die Werke weder zeitlich noch in den Charakteren irgendeinen Zusammenhang vorweisen können, müssen sie doch gemeinsam betrachtet werden. Auch beim neuesten Stück ist der Titelheld auf dem Cover abgebildet und natürlich dreht sich nicht nur der Titel, sondern auch die Erzählung selbst um diesen Charakter. Das macht „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ zu einer lang ersehnten und definitiv gelungenen Fortsetzung.

Das Kind, das nachts die Sonne fand – Ein junger Thronfolger

Marcus ist ein junger Thronfolger im Herrschaftsgebiet Raühnval in den Ostalpen. In einer Zeit der einflussreichen Landesfürsten führt er zunächst ein privilegiertes Leben. Das ändert sich mit einem Massaker, bei dem seine ganze Familie und sämtliche Burgbewohner ihr Leben verlieren. Die Tochter einer Dorfhebamme rettet „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ und verschleiert folglich dessen Identität. Besagte Elisa lässt ihn ein Leben unter den Dorfbewohnern führen, Marcus scheint diesem von Beginn an zugetan. Gleichzeitig rumort in ihm das Gefühl einer anderen Bestimmung. Diese bringt di Fulvio, bzw. Sascha Rotermund, der die zehn Stunden eingesprochen hat, sehr gut zur Sprache. Klar ist jedem di Fulvio Fan auch, dass „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ die Menschen im Umfeld nachhaltig beeinflussen wird.

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Khaled Hosseini – Tausend strahlende Sonnen

Benjamin Jendro

27.Februar
2015

Hosseini - Tausend strahlende SonnenIn der nächsten Woche feiert Khaled Hosseini seinen fünfzigsten Geburtstag. Das ist für ihn persönlich wahrlich ein bedeutendes Ereignis. Eines, das mit den Liebsten gefeiert wird. Viel wichtiger, so sehr wir ihm zu diesem Jubiläum auch gratulieren wollen, sind seine literarischen Leistungen, mit denen er uns den Einblick in eine Welt ermöglicht, die wir oftmals so noch nicht gesehen haben. Hosseini schreibt über Afghanistan, aber er konzentriert sich nicht auf die Kriegsschauplätze, zumindest nicht ausschließlich. Romane wie „Tausend strahlende Sonnen“ sind den Menschen gewidmet. Den Menschen, die in dieser kriegerischen Welt beheimatet sind.

Tausend strahlende Sonnen in Afghanistan

Tausend strahlende Sonnen“ war der erste Roman, die ich von Khaled Hosseini lesen bzw. hören durfte. Er ist dafür verantwortlich, dass ich mittlerweile alle Werke verschlungen habe und die einzelnen Zeilen mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Die neun Stunden Hörbuch, gelesen von Andrea Hörnke-Tries, gehen runter wie Öl, hinterlassen aber einen schweren Pfropfen im Körperinneren. Hosseinis Werke haben die Eigenschaft, vor allem im Nachhinein zu bewegen. Zu jener Zeit, wenn man das Gehörte Revue passieren lässt und sich die Erzählungen zu schaurigen Bildern zusammensetzen. Natürlich spielt das Geschehen in Afghanistan. Auch das ist ein fester Bestandteil bei diesem Autor.

Das Schicksal zweier Frauen

Anders als in „Drachenläufer“ – der nicht weniger bekannte Bestseller – spricht Hosseini in „Tausend strahlende Sonnen“ über zwei Frauen. Ihre Freundschaft und ihr Mut überwinden die Unterdrückung. Parallelen sind also trotz differenter Personenstruktur deutlich zu spüren. Ihr Leid ist Hauptthema im Werk. Ihr Kampf, dieses zu überwinden, die Botschaft, die Khaled Hosseini mitgibt. Selbst, wenn eine Situation ausweglos scheint, lohnt es sich doch, für die eigenen Träume zu kämpfen. Das zeigen Mariam, die mit 15 Jahren an einen zwanzig Jahre älteren Mann zwangsverheiratet wird, und auch Leila. Letztere erlebt das gleiche Martyrium zwanzig Jahre später, wird Zweitfrau des gleichen Mannes, der nunmehr jenseits der 60 ist. Der Weg, wie Mariam und Leila zueinander finden ist ein Übel der Kultur. Es ist aber zugleich die Chance beider, dem zu entfliehen.

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Michel Houellebecq – Unterwerfung

Benjamin Jendro

10.Februar
2015

Houellebecq - Unterwerfung hbIn den letzten Wochen wurde wahnsinnig viel über den Terror des IS gesprochen und geschrieben. Verantwortlich für diese Fokussierung sind die sich immer stärker häufenden Angriffe und Hinrichtungen, die durch die Vertreter des IS im Religionskampf vollzogen werden. Nicht zuletzt haben die Anschläge in Paris gezeigt, dass Europa dieses Thema ernst nehmen sollte. Im engen Zusammenhang mit dem Attentat auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo wurde immer wieder ein Autor genannt, der mit seinen Werken schon des Öfteren angeeckt ist und dessen neuester Roman an jenem Tag im Januar erschienen ist, als einige seiner Bekannten aus dem Leben schieden. Ohne Frage ist Michel Houellebecq ein Querdenker. Sein aktuelles Stück „Unterwerfung“ thematisiert den Islam, ist aber nicht als Kritik dessen zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um ein Zukunftsszenario, das der Autor erdacht hat und das seine schriftstellerische Klasse beweist.

Es ist die Unterwerfung unter eine starke Religion

Houellebecq macht in allen öffentlichen Diskussionen keinen Hehl daraus, was er über die derzeitige Führung seines Frankreichs denkt. Die bisherigen Romane durften getrost auch als politische Kritik verstanden werden. „Unterwerfung“ tendiert in diese Richtung, zeigt aber einen stilistisch sehr gereiften Michel Houellebecq. Erzählt wird im 8-stündigen Hörbuch von einer Regierungsübernahme in der Zukunft. Es ist das Jahr 2022, als Paris in einen Bürgerkrieg gerät. Bei der letzten Wahl konnte sich Präsident Hollande noch einmal durchsetzen. Dieses Mal aber haben die altgedienten Parteien keine Chance mehr. Stattdessen hat sich Front National mit Marine Le Pen zahlreiche Wählerstimmen sichern können. Der einzige, der ihrer Machtübernahme und einer rechtsgerichteten Politik im Weg steht, ist Mohammed Ben Abbes. In der Stichwahl entscheiden sich die Wähler und Vertreter der gescheiterten bürgerlichen Parteien für ihn, um das Übel Le Pens abzuwenden. Die Folge ist eine „Unterwerfung“ der bisherigen Glaubenswerte und die Islamisierung Frankreichs, die der Autor aber äußerst positiv darstellt.

Unterwerfung erzählt von der Wiederherstellung des Einheitsgedankens

Sprecher Christian Berkel hat ein gutes Gespür dafür, was Houellebecq mit „Unterwerfung“ eigentlich sagen will und überbringt dank sehr eigenwilliger Schwerpunktsetzung bei der Intonation die zwischen den Zeilen stehende Botschaft an die Zuhörer. Ben Abbes ist ein recht charismatisch dargestellter und weitdenkender Staatspräsident, der nach Ausgleich bemüht ist. Seine Bruderschaft der Muslime verändert natürlich das gesellschaftliche Zusammenleben innerhalb Frankreichs. Die Islamisierung erfolgt aber moderat und wird kaum kritisch beäugt, von vielen sogar gern angenommen. Allen voran von Literaturwissenschaftler François. Der Hauptcharakter trägt Züge Houellebecqs in sich und ist vom Wandel positiv beeindruckt. Er überlegt sogar, den muslimischen Glauben anzunehmen, weil sich dadurch seine sexuellen Vorlieben realisieren könnten und er gleich mehrere Frauen ehelichen dürfte. Alles in allem polarisiert Houellebecq mit seinem Werk und das weiß er sehr wohl. Nichtsdestotrotz aber kritisiert er mit „Unterwerfung“ weder den Islam noch seine Grundelemente. Dies geschieht auch nicht auf satirischer Ebene, denn letztlich ist die Situation, wie sie fiktiv aufgezeigt wird, keinesfalls negativ konnotiert. Vielmehr würden die Franzosen dank der Machtübernahme endlich wieder Einheit symbolisieren, weil sie Werte verinnerlichen, an denen es festzuhalten gilt.

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