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William Shakespeare – Leicht erzählt

Benjamin Jendro

1.Juli
2014

Shakespeare - Leicht erzähltDer begnadetste Literat aller Zeiten? Das ist keine Frage, die sich so leicht beantworten lässt, da es einige helle Köpfe gab, die man nicht so einfach miteinander vergleichen kann. Eines jedoch scheint selbst bei Beachtung aller bisher erschienen Schriftstücke gewiss. Der Brite William Shakespeare ist einer der größten Literaten, die unsere Spezies je hervorgebracht hat. Seine Werke kreuzen irgendwann den Weg jedes Menschen, manchmal früher, manchmal später. Wer seinen kleinen Kindern mal etwas Gutes tun möchte, findet bei der Hörbuchversion „William Shakespeare – Leicht erzählt“ eine kindergerechte Dreiersammlung an herausragenden Stücken des Meisters. Ein Elias Canetti hat auch mal mit einer solchen Version den Zugang zur Literatur gefunden. Warum sollte nicht auch einer der jungen Hörer dieses Hörbuchs ein kommender Literaturnobelpreisträger werden?

Shakespeare – Ein Mann, von dem sich alle Werke lohnen

Von „Othello“ bis „König Lear“, von „Der Kaufmann von Venedig“ bis zu „Julius Caesar“ – Shakespeares Stücke waren stets ein Passion von mir. Ob in der Buch-, der eBook- oder auch der Hörbuchvariante – Sämtliche Werke aus seiner Feder sind ein literarischer Genuss. Das greift sogar so weit, dass mich selbst Werke begeistern, in denen es um Shakespeare geht wie zum Beispiel Charlie Lovetts „Das Buch der Fälscher“. Den persönlichen Kontakt mit den Shakespeare´schen Werke hatte ich wie viele andere relativ spät, erst in der Oberstufe. Die Liebesromanze „Romeo und Julia“ brachte zwar keinen von Shakespeare neu entwickelten Stoff. Die Art und Weise, wie das Schicksal den beiden Liebenden übel mitspielt, ist aber bis heute unerreicht. Auch der kleine Fiesling Puck, der in „Ein Sommernachtstraum“ sein Unwesen treibt, ist zur Legende geworden und heute den meisten Literaturfans bekannt.

Hamlet komplettiert das Geschichten-Trio

Neben diesen beiden haben Samuel Weiss, Devid Striesow und Co. noch ein weiteres der großen Werke kindergerecht eingesprochen. „Hamlet“ ist nach wie vor eine der größten und bedeutendsten Geschichten aus Shakespeares Feder. Der Plot, in dem der junge dänische Prinz nicht mehr erkennt, was Wahrheit ist und in Tobsucht verfällt, findet noch heute, 450 Jahre nach Shakespeare, Anerkennung auf den Theaterbühnen weltweit. Es ist seine Geschichte, die meinen Zugang zu Shakespeare bildete und für deren Ausarbeitung ich ihm noch heute große Anerkennung schenke.

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John Dickie – Omerta

Benjamin Jendro

10.Juni
2014

Dickie - OmertaMan meint als geübter Kinogänger das Ausmaß der Mafia komplett überblicken zu können. Ohne Frage hat die Verfilmung von Mario Puzos „Il Padrino“ der Gesellschaft das Thema nähergebracht. In der Realität lässt sich das Phänomen Mafia aber nicht mehr auf das kleine sizilianische Dorf Corleone beschränken, das im Übrigen bei einem Besuch alles andere als mafiös erscheint. Nein, die Mafia oder das, was wir als Mafia bezeichnen, hat sich längst zu einem Geflecht entwickelt, in welchem es nicht nur um Gefallen und deren gegenseitige Erbringung geht, sondern um die brutale Wirklichkeit von Drogengeschäften, Menschenhandel, Mord, Korruption und Glücksspiel. Autoren wie John Dickie leisten einiges, um das gigantische Ausmaß zu verdeutlichen. Mit „Omerta“ haben wir einen guten Überblick dessen, was die Mafia heute alles beeinflusst.

Omerta – Fünf Stunden geballte Mafiageschichte

Mehr als dreihundert Minuten umfasst das Hörbuch, in dem Dickies Bestseller von Gordon Piedesack gesprochen wird. Sie informieren den Zuhörer über die Geschichte der drei großen Mafiaorganisationen, ihre Herkunft, den individuellen Werdegang und den heutigen Einfluss auf das globale Gefüge. Die Kreise der Cosa Nostra, Camorra und Ndrangheta haben sich längst über die Grenzen Italiens hinweg ausgedehnt. Heute, das macht Dickie schnell klar, leiten sie die Geschicke in ganz Europa, Nordamerika und selbst in Australien.

Omerta – Hier wird nichts verschwiegen

„Omerta“ bedeutet ins Deutsche übertragen das Schweigen. Über die Mafia und ihre Taten schweigt man, man verrät nichts und niemanden. Zahlreiche Akteure haben die „Omerta“ in der Vergangenheit gebrochen oder sie angetastet. Die Meisten von ihnen haben dafür mit dem Leben bezahlt und nebenbei auch mit dem ihrer Liebsten. Recherchefleißige Enthüllungsjournalisten wie Roberto Saviano („Zero Zero Zero“) oder eben John Dickie lassen sich davon nicht einschüchtern und geben uns so einen Überblick über die wahre Situation, die in dieser Form eben zumeist lieber verschwiegen wird. So bekommt der Unwissende mal ein paar Informationen über die Bereiche, die bereits fest in den Händen der Mafia sind, ihre Strukturen und ihre Strategien. So viel sei verraten – Wer dieses Hörbuch hört, wird seine Sicht auf unsere Welt verändern.

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Marquez - Chronik eines angekündigten TodesGabriel Garcia Marquez war einer der ganzen großen Autoren. Vor allem war er einer der wenigen lateinamerikanischen Schriftsteller, die dem Rest der Welt die Szenerie jenes Fleckchens auf dem Erdball, der von uns weit entfernt liegt, näher brachte. Dafür nutzte Marquez sein großartiges Talent, einfühlsam, teilweise emotionslos und letztlich verdammt unterhaltsam zu schreiben. „Chronik eines angekündigten Todes“ ist eines der Zeugnisse seiner Wirkungskraft. Es ist eine Geschichte, die von Unsicherheit und einer rückständigen Dorfgemeinschaft berichtet und eine, die aufgrund ihres Titels nach dem Versterben des Künstlers eine eigenartige Note verliehen bekommt.

Eine Chronik von einem Tag

Beim Blick auf den Titel des dreistündigen Hörbuchs, das von Hanns Zischler gesprochen wird, erscheint es merkwürdig, dass Marquez lediglich das Geschehen eines einzigen Tages berichtet. Genau genommen geht es nur um eine Nacht und einen Morgen. Aus der Sicht eines 27-jährigen Erzählers erfährt man von einer bevorstehenden Hinrichtung. Die Brüder Vicario wollen den jungen Santiago Nasar dafür büßen lassen, dass er die Ehre ihrer Schwester Angela beschmutzt hat. Diese wurde von ihrem designierten Bräutigam Bayardo zurückgewiesen, da er sich der Jungfräulichkeit der Gattin nicht mehr gewiss war. Santiago soll dafür verantwortlich sein. Bis zum Ende von „Chronik eines angekündigten Todes“ lässt Marquez offen, ob er wirklich der Verursacher ist.

Keiner durchkreuzt die „Chronik eines angekündigten Todes“

Das hinterfragt auch kein einziger Dorfbewohner, der Erzähler mal ausgenommen, so richtig. Die Bevölkerung scheint wie in Trance, jeder weiß um die bevorstehende Tat, doch niemand möchte sie verhindern, jedenfalls nicht persönlich. Stattdessen aber scheinen alle zu hoffen, dass das bevorstehende Töten noch irgendwie gestoppt werden kann. Selbst die Brüder Vicario sind sich nicht sicher, ob sie Santiago wirklich töten sollen. Einzig ihr Pflichtbewusstsein ist Triebfeder für den Mord. Marquez lässt den Leser in das Dorf und die Köpfe seiner Bewohner schauen, legt ihm aber auch irgendwie eine Starre auf, die verhindert, dass wir eingreifen wollen. So plätschert die Zeit zwischen Ankündigung und abschließendem Vollzug so vor sich hin.

 

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Jenke von Wilmsdorff – Wer wagt, gewinnt

Benjamin Jendro

15.April
2014

von Wilmsdorff - Wer wagt, gewinntJenke von Wilmsdorff ist für mich eine der prägendsten Personalien, die uns die Fernsehwelt momentan präsentiert. Mit seinen Reportagen hat sich der Journalist in der Vergangenheit in so manch brenzlige Situation gebracht. Seit ein paar Jahren nun hat er alltägliche Phänomene unserer Gesellschaft untersucht und an sich einige Selbstversuche unternommen. Dabei ging es ihm zumeist um Probleme, die Menschen betreffen. Dafür hat Jenke sich als Alkoholiker und Rentner im fortgeschrittenen Alter versucht, tagelang auf sein Augenlicht und das eigene Hörvermögen verzichtet. Was all seine unterhaltsamen Reportagen eint, ist die Tatsache, dass die Themen in all ihrem Umfang für uns Menschen, obwohl omnipräsent, häufig sehr unbekannt sind. Das lässt sich auch in seinem Werk „Wer wagt, gewinnt“ erkennen.

Wer wagt, gewinnt – Heraus aus dem Alltäglichen

Eines ist für alle Jenke-Reportagen klar – was er macht, ist wahrlich nicht alltäglich. Es wird zu viel Routine im Job des Journalisten gewesen sein, die ihn dazu animierte, stetige Abwechslung in seine Arbeit zu integrieren. Jenke von Wilmsdorff widersetzt sich jeglicher Routine. Ein Leben, das nur so dahinplätschert? Das ist nichts für ihn. Stattdessen möchte er Sachen ausprobieren, neue Facetten des Lebens kennenlernen und so den eigenen Horizont erweitern. Dazu rät er auch jedem mit „Wer wagt, gewinnt“ – einer Hommage an den Versuch, Abwechslung ins Leben zu bringen. Ob Jobwechsel, Angstüberwindung oder eine Diät. Wer wirklich etwas will, kann alles in seinem Leben erreichen.

Der erste Schritt ist entscheidend

In den 284 Minuten, die Jenke von Wilmsdorff gemäß seines Naturells gleich selbst eingesprochen hat, verschweigt der Autor auch nicht, wo das Problem liegt, wenn man etwas ändern möchte. Das Entscheidende bei allen Entscheidungen ist der erste Schritt. Wer diesen tätigt, öffnet sich alle Türen. Aus eigener Erfahrung und dank der vielen Experimente hat Jenke festgestellt, dass sich Hürden in den Weg stellen, die es zu überwinden gilt. Die größte ist zumeist die erste. Es obliegt uns, diese zu überspringen. Die Möglichkeit dazu steckt in jedem von uns. Wir müssen uns nur trauen, sie zur Entfaltung kommen zu lassen.

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Robert M. Edsel – Monuments Men

Benjamin Jendro

18.März
2014

Edsel - Monuments MenWenn man sich ein wenig für Geschichte interessiert, kommt man an Kinostreifen wie „Monuments Men“ nicht vorbei. Allein die Besetzung mit George Clooney, Matt Damon, Bill Murray oder John Goodman kann sich mehr als sehen lassen. Es ist umso besser, wenn derartige Streifen, die versuchen, einzelne Elemente einer sehr dunklen Epoche der Menschheitsgeschichte darzustellen, sich an den wahren Begebenheiten orientieren. Die „Monuments Men“ gab es wirklich, ihr Auftrag war es in der Tat, zu Ende des Zweiten Weltkriegs kulturelle Schätze sicherzustellen. Robert M. Edsel hat sich lange mit ihrer Geschichte auseiandersgesetzt. Die literarische Vorlage zum Kinofilm ist das Ergebnis seiner langen Forschungen. Auch die Hörbuchvariante kann sich sehen bzw.- hören lassen.

Monuments Men – Akademiker in Uniform

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Adolf Hitler ein kulturell gesehen äußerst interessierter Sammler war. Überall da, wo SS und SA wüteten, horteten sie Schätze eines unvergleichbaren Wertes. Das Interesse der „Monuments Men“ lag aber nicht allein an der Wiederauffindung einzelner Kunstgegenstände, sondern auch am Erhalt architektonisch bedeutender Gebäude. In Edsels Werk wird deutlich, dass dieser Wunsch hinten angestellt werden musste. Niemand der Verantwortlichen wollte ein Soldatenleben für ein Steingebilde hergeben. In der Tat lag es nicht an der militärischen Unterstützung, dass die „Monuments Men“ – Kunstprofessoren, Kuratoren und andere Kunstexperten – am Ende des Zweiten Weltkriegs Millionen Artefakte sichern und vor der Zerstörung bewahren konnten.

Der Auftrag der „Monuments Men“ war gefährlich

Selbst, wenn es in der momentanen Verfilmung so aussieht, als ob ihr Auftrag keinesfalls gefährlich gewesen sei, da der Krieg bereits so gut wie zu Ende war, wird beim Verlust von zwei Protagonisten deutlich, dass ihre Aufgabe mit einem hohen Risiko in Verbindung stand. Bei den so genannten „Monuments Men“ handelte es sich nicht nur um US-amerikanische Mitglieder. Die Gruppe wuchs und verzeichnete am Ende zahlreiche Mitglieder aus vielen europäischen Staaten, die aus dem Untergrund heraus agierten. Ohne Schutz und häufig komplett auf sich allein gestellt, opferten viele ihr Leben für die Sache. Es ist ihrem Mut zu verdanken, dass der Nationalsozialismus nicht die gesamten Erzeugnisse unserer Menschheit in Rauch und Asche verwandelte. Edsels etwa 17-stündiges Hörbuch ist eine nachträgliche Auszeichnung für ihr Wirken.

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Elias Canetti – Die Blendung

Benjamin Jendro

4.März
2014

Canetti - Die BlendungNein, es schadet nicht, sich mit hochwertiger Literatur zu beschäftigen. Selbst, wenn ihre Ausarbeitung schon ein paar Jahrzehnte zurückliegt. Ganz im Gegenteil, ab und zu ist es durchaus empfehlenswert, sich mal ein paar älteren Stücken zu widmen, lässt sich aus ihnen doch eine Menge herausziehen, was uns das Leben wie es ist, in all seiner Ausführlichkeit aufzeigt. Irgendwann hat jeder Leser mindestens einen Autor aus früheren Tagen für sich auserkoren. Von diesem verschlingt er dann jedes Werk. Bei mir trifft das auf Elias Canetti zu. Mittlerweile habe ich all seine Schriften gelesen, einige wie „Die Blendung“ auch als Hörbuch erlebt.

Die Blendung – Eine Hommage auf Bücher

Wer Canettis eigene Biografie ein wenig betrachtet, stößt früh auf seine intensiv ausgelebte Vorliebe für alles Lesbare. Schon als kleiner Junge hat er sich umfassend mit Literatur beschäftigt, Bücher verschlungen und von ihrem Inhalt gezehrt. Sinologe Peter Kien, der den zentralen Charakter in Canettis zweitem Hauptwerk neben „Masse und Macht“ bildet, lebt ebenfalls mit einer engen Bindung zu Büchern. Ganze 25.000 Bände umfasst seine Bibliothek, täglich ist er auf der Suche nach neuen literarischen Schätzen. Kien pflegt nur wenige soziale Kontakte ist aber für sein Wissen im Bereich Bücher hoch angesehen. So wenig lebenswert sein Alltag für viele Menschen scheinen mag, Kien fühlt sich wohl, bis Therese in sein Leben tritt und alles zerstört.

Am Ende der Blendung steht die Selbstaufgabe

Canettis Werke sind stets philosophisch und häufig auch psychologisch geprägt. Am offensichtlichsten ist das bei der monumentalen Studie „Masse und Macht“. Auch „Die Blendung“ aber hat es dahingehend in sich. Therese, die als Haushälterin zu Kien kommt und anfangs nur Bücher abstauben und Essen zubereiten soll, schleicht sich in sein Leben, weil es finanziell lukrativ ist. Sie verführt ihn zur Ehe, Kien wird zur Passivität getrimmt. Überfordert mit der Situation und in zunehmender Verschmelzung mit seinen Büchern sieht Kien den einzigen Ausweg in seiner Selbstaufgabe. So verbrennt er sich mit all seinen Büchern und hinterlässt damit viele persönliche Fragen, die der Autor Zeit seines Lebens zu beantworten versuchte.

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Thilo Sarrazin – Der neue Tugendterror

Benjamin Jendro

25.Februar
2014

SarSarrazin - Der neue TugendterrorEhrlich gesagt ist es in doch ein wenig langweilig zugegangen in den letzten Jahren. Zwar meint jeder Bürger unseres Rechtsstaates, innerhalb des Freundeskreises oder auch der eigenen vier Wände über unsere politische Führung fluchen zu müssen. Irgendwie sind die meisten Menschen aber doch genau damit zufrieden wie es ist. Mal ganz nebenbei, die führenden Politiker scheinen trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit oftmals einer Meinung zu sein. Kuschelkurs auf oberster Ebene und Kuschelkurs auch an anderen Stellen. Von Konkurrenzkampf ist beinahe keine Spur mehr. Ja, wir leben in einer Zeit, in der selbst die Aussagen eines Fußballkickers wie vorher einstudiert wirken. Da ist es doch erfreulich, wenn ein Mann wie Thilo Sarrazin mal wieder diese scheinheilige Einstimmigkeit in Frage stellt und mit seinem neuen Werk „Der neue Tugendterror“ einige Probleme beim Schopfe packt.

Sarrazin benennt Dinge, die keinesfalls aus der Luft gegriffen sind

Man kann seine Thesen zu den aktuellen gesellschaftlichen Brisanzthemen sehen wie man möchte. Wichtig ist es nur, auf subjektive Art und Weise Stellung zu beziehen. Zwar wirken seine Statistiken objektiv und stichhaltig. Sarrazin geht es aber in „Der neue Tugendterror“ in erster Linie darum, dass die Menschen mal wieder einen subjektiven Standpunkt einnehmen. Beispielsweise dafür systematisiert er das Problem der Gleichberechtigung der Geschlechter, politisch oftmals im Bereich Frauenquote problematisiert. Das mag ja ein Fortschritt sein, laut Sarrazins Erkenntnissen aber ist es in unseren Genen gar nicht so angedacht. Wesentlich mehr Männer als Frauen haben einen IQ über 130. Ganz ähnlich wie mit der Körperkraft und dem Hang zur Gewalt ist das nun einmal beim Mann präsenter. Natürlich sei an dieser Stelle auch nicht verschwiegen, dass es zusätzlich wesentlich mehr Männer als Frauen gibt, deren IQ unter 70 liegt. Die Streuspanne ist beim Mann viel weiter, wir sind demnach eben nicht gleich.

Der neue Tugendterror besitzt Parallelen zu 1984

Das mag jetzt jeder bewerten wie er möchte, von der Hand weisen lassen sich statistische Werte selten. „Der neue Tugendterror“ hat noch andere Bestandteile, an denen man sich reiben kann. Vor dem Problem Einwanderung macht Sarrazin diesmal ebenso wenig halt wie vor der Hypersensibilisierung im Umgang mit gleichgeschlechtlichen Liebesbeziehungen. Letztere sind normal, man sollte sie nicht in ihrer Lebensführung einschränken. Begünstigen müsse man sie aber auch nicht, schließlich gäbe es in einer normalen Familie Mutter und Vater. Na ja, belassen wir es mal dabei. Fundierter scheint die Analyse der Einwanderung, die durch Bulgaren und Rumänen keinesfalls schlimmer ist als durch Polen oder Tschechen. Die Sinti und Roma aber sieht er schon als gefährlich, wobei Wirtschaftsflüchtling noch die freundlichste Bezeichnung bleibt. Bemerkenswertes Erzeugnis für einen Literaturkritiker ist das aufgeworfene Diskussionsthema Sprache, in welchem Sarrazin enge Bezüge zu Orwells „1984“ herstellt. Dekadenz der Sprache? Da war doch mal was. Definitiv unterhaltsam, diese 800 Minuten Hörbuch, die von Michael Schwarzmaier gesprochen werden, selbst wenn man nicht alle Meinungen teilen muss.

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Roberto Saviano – Zero Zero Zero

Benjamin Jendro

12.Februar
2014

Saviano - Zero Zero ZeroIn Italien wird Mehl mit der höchsten Reinheitsstufe mit der Bezeichnung 00 (Zero Zero) versehen. Noch ein Stück weiter geht der erfolgreiche Autor Roberto Saviano bei der Klassifizierung für Kokain. „Zero Zero Zero“ thematisiert die Droge und das weltweite Geschäft mit ihr. Saviano bezeichnet sie als Motor für die Globalisierung und stützt diese Aussage mit Einbindung verschiedenster Personen aus unterschiedlichen Ländern und Gesellschaftsschichten. Zu Wort kommen Medienagenten ebenso wie Models und auch Börsenmakler. Sie verdeutlichen, welches Ausmaß das Geschäft mit dem weißen Pulver im 21. Jahrhundert angenommen hat und auch, wie rentabel es ist, damit zu handeln.

Saviano – Keine Geschichte scheint zu gefährlich

Dass Roberto Saviano sich auch bei seinem neuem Werk großer Gefahr aussetzt, dürfte ihm bewusst sein. Viel wird über das Ende diskutiert, am welchem der Autor sogar den Vorschlag macht, Kokain zu legalisieren, um das skrupellose Geschäft, das täglich neue Opfer hervorbringt, ein für alle Mal zu beenden. Man darf dabei aber auch nicht vergessen, dass diese Meinung durch die jahrelange Beschäftigung mit der Thematik entstanden ist. Saviano, der vor allem dank des Erfolges von „Gomorrha“ täglich um sein Leben bangen muss, wechselt regelmäßig seinen Aufenthaltsort und wird rund um die Uhr von Sicherheitskräften bewacht. Mit „Zero Zero Zero“ wirbelt er ebenso viel Dreck auf, wie er es bei der Reportage über das Wüten der Camorra gemacht hat.

Zero Zero Zero – Eine Reportage über den internationalen Kokainhandel

Keine Karte, kein Literaturverzeichnis und keine Quellenangabe finden sich in Savianos fundierter Reportage. Er strebt auch keinesfalls an, einen wissenschaftlichen Bericht abzulegen. Vielmehr agieren die sieben Kapitel wie eine Art Puzzle, das alle Facetten des Kokainhandels abdeckt. Auch in der von Frank Röth gesprochenen Hörbuchversion wird man als Zuhörer mit integriert, den Fakten entwinden kann man sich nicht. Gleiches gilt übrigens auch für Saviano selbst. Beim Schreiben seines Buches hat er eine vergleichbare Sucht entwickelt wie die Einnahme der Droge es bewirkt. Schreiben über Kokain sei so wie es selbst zu nehmen. Man kommt einfach nicht mehr davon los, sagt Saviano.

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Stolze -  Sehr geehrtes FacebookAls Vertreter der Generation Technik oute ich mich als absoluter Fan meiner Zeit. Mal ganz im Ernst, wir haben heute Errungenschaften, dank denen wir ohne große Hinzutun vollkommen unbeschwert durch den Tag kommen. Jeden Tag aufs Neues muss ich darüber schmunzeln, wie sich Menschen darüber aufregen, dass man erst fünf Minuten später am abgemachten Treffpunkt erscheint, ohne vorher mal per Whatsapp Bescheid gesagt zu haben. Wie war das denn vor fünf Jahrzehnten oder gar ein paar Jahrhunderten? Haben sich die Menschen da etwa in die Haare bekommen, wenn sie mal fünf Minuten später angekommen sind, Bescheid geben konnte man ja schwer. Es ist so ein Phänomen unserer Zeit, dass wir die Technik heutzutage als vollkommen selbstverständlich ansehen. Dabei vergessen wir die Generation, die nicht mit Macbook, Smart-Watches und Facebook aufgewachsen ist. Hans-Hermann Stolze widmet ihr und den Problemen im 21. Jahrhundert in „Sehr geehrtes Facebook!“ 150 Minuten Hörbuchgenuss.

Sehr geehrtes Facebook! – Er möchte Mitglied werden

Mark Zuckerberg ist heute jedem Teenager, Mitzwanziger und selbst den Mitdreißigern ein Name. Er hat eine Plattform ins Leben gerufen, über die heute mehr Kommunikation abläuft als beim Face-to-Face-Kontakt. Menschen in Kriegsgebieten haben keine Schulen oder saubere Kleidung, einen Fcebook-Account schon. Das will nun auch Hans-Hermann Stolze, obwohl er sich nicht sicher sein, ob er dafür Internet benötigt. Es gibt auch noch andere Sachen, die ihn beschäftigen. Seine Enkel wünschen sich ein Ding namens Smart-Fön. Dafür muss man wohl auch ins Internet, aber lässt sich seine alte Olympia Typ 50e überhaupt mit einer @-Taste nachrüsten?

Viele Fragen, auf die er mehr oder weniger Antworten erhält

Es sind viele Fragen, die einen 87-Jährigen Rentner heute beschäftigen können. Die Zeit scheint sich immer schneller zu drehen. Auf der Strecke bleiben dabei zumeist die Älteren, die eben in einer anderen Zeit aufgewachsen sind und an denen die Technik bisher weitgehend vorbeigegangen ist. Um auf die vielen Fragen Antworten zu bekommen, tippt Stolze auf seiner Schreibmaschine ein Schreiben nach dem anderen und schickt sie an die verschiedensten Kundenservicestellen. Interessanterweise bekommt er von nahezu allen ehrlich gemeinte Antworten, obwohl er auch diese nur schwer verstehen kann. „Sehr geehrtes Facebook!“ ist eine 150-minütige Hommage, die herzzerreißend und bewegend Eindruck hinterlässt.

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Joseph Roth – Hiob

Benjamin Jendro

3.Dezember
2013

Roth - HiobFatal wäre es, wenn wir uns als literarisch Bewanderte lediglich jenen Werken widmen, die zur Zeit unserer Erfahrungen publiziert oder wie in diesem Fall vertont werden. Als Mensch ist man –  vollkommen gleich, in welcher Zeit man geboren wird – immer an Faktoren der Menschheitsgeschichte gebunden. Wir müssen uns mit dem auseinandersetzen, was passiert ist, selbst, wenn wir zu dieser Zeit nicht mal ein Gedanke waren, geschweige denn einen entwickeln konnten. Das Wissen über vergangene Generationen und Jahrhunderte wird uns am ehesten über literarische Erzeugnisse vermittelt. Joseph Roths „Hiob ist so ein Zeugnis, dem man Beachtung schenken sollte. Es lehrt uns viel über das, was einmal war.

Hiob – nicht ganz zufällig Titel des Werkes

Joseph Roths Wurzeln sind jüdisch, dementsprechend wird auch sein Schreiben bestimmt. 1894 in Ostgalizien geboren, erlebte er das dunkelste Kapitel des 20. Jahrhunderts am eigenen Leib. „Hiob“ scheint so ohne Frage ein passender Titel, auch wenn man selbst noch nicht weiß, wofür der Titelheld des gleichnamigen Buches aus dem Alten Testament hier Sinnbild steht. Erzählt wird die Geschichte von Mendel Singer und seiner Familie. Gottesfürchtig und wahnsinnig fromm kommt Roths „Hiob“ allen Pflichten des Lebens nach und wird doch vom Allmächtigen großen Prüfungen unterzogen. Einen Sohn verliert er ans Militär, den zweiten an Amerika. Der dritte ist schwer krank und behindert mit seiner Epilepsie die familiäre Erfüllung, nach der alle Beteiligten lechzen.

Hiob – Hoffnung kommt von einer Seite, aus der man sie nicht erwartet

Nachdem Mendel und die noch verbliebenen Familienmitglieder (Frau Deborah und Tochter Mirjam) dem Sohn Schemarjah, der sich nun Sam nennt, nach Amerika folgen, um dort ein neues Leben zu beginnen, keimt Hoffnung auf. Vielversprechend scheint nicht nur dessen neu aufgebaute Existenz, sondern auch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Allerdings schwingt immer das schlechte Gewissen mit, den kranken Menuchim in der Heimat zurückgelassen zu haben. Die Jahre vegetieren so vor sich hin, die Familie bricht nach und nach auseinander, so dass schlussendlich nur noch Mendel übrigbleibt. „Hiob“ schließt mit der Ankunft eines berühmten Musikers, der aus dem gleichen Heimatdorf wie Mendel stammt und den alten Mann heimsucht. Vielleicht besteht für „Hiob“ ja doch eine Möglichkeit, das Leben mit einem zufriedenen Lächeln zu beenden.

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