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Jenke von Wilmsdorff – Wer wagt, gewinnt

Benjamin Jendro

15.April
2014

von Wilmsdorff - Wer wagt, gewinntJenke von Wilmsdorff ist für mich eine der prägendsten Personalien, die uns die Fernsehwelt momentan präsentiert. Mit seinen Reportagen hat sich der Journalist in der Vergangenheit in so manch brenzlige Situation gebracht. Seit ein paar Jahren nun hat er alltägliche Phänomene unserer Gesellschaft untersucht und an sich einige Selbstversuche unternommen. Dabei ging es ihm zumeist um Probleme, die Menschen betreffen. Dafür hat Jenke sich als Alkoholiker und Rentner im fortgeschrittenen Alter versucht, tagelang auf sein Augenlicht und das eigene Hörvermögen verzichtet. Was all seine unterhaltsamen Reportagen eint, ist die Tatsache, dass die Themen in all ihrem Umfang für uns Menschen, obwohl omnipräsent, häufig sehr unbekannt sind. Das lässt sich auch in seinem Werk „Wer wagt, gewinnt“ erkennen.

Wer wagt, gewinnt – Heraus aus dem Alltäglichen

Eines ist für alle Jenke-Reportagen klar – was er macht, ist wahrlich nicht alltäglich. Es wird zu viel Routine im Job des Journalisten gewesen sein, die ihn dazu animierte, stetige Abwechslung in seine Arbeit zu integrieren. Jenke von Wilmsdorff widersetzt sich jeglicher Routine. Ein Leben, das nur so dahinplätschert? Das ist nichts für ihn. Stattdessen möchte er Sachen ausprobieren, neue Facetten des Lebens kennenlernen und so den eigenen Horizont erweitern. Dazu rät er auch jedem mit „Wer wagt, gewinnt“ – einer Hommage an den Versuch, Abwechslung ins Leben zu bringen. Ob Jobwechsel, Angstüberwindung oder eine Diät. Wer wirklich etwas will, kann alles in seinem Leben erreichen.

Der erste Schritt ist entscheidend

In den 284 Minuten, die Jenke von Wilmsdorff gemäß seines Naturells gleich selbst eingesprochen hat, verschweigt der Autor auch nicht, wo das Problem liegt, wenn man etwas ändern möchte. Das Entscheidende bei allen Entscheidungen ist der erste Schritt. Wer diesen tätigt, öffnet sich alle Türen. Aus eigener Erfahrung und dank der vielen Experimente hat Jenke festgestellt, dass sich Hürden in den Weg stellen, die es zu überwinden gilt. Die größte ist zumeist die erste. Es obliegt uns, diese zu überspringen. Die Möglichkeit dazu steckt in jedem von uns. Wir müssen uns nur trauen, sie zur Entfaltung kommen zu lassen.

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Robert M. Edsel – Monuments Men

Benjamin Jendro

18.März
2014

Edsel - Monuments MenWenn man sich ein wenig für Geschichte interessiert, kommt man an Kinostreifen wie „Monuments Men“ nicht vorbei. Allein die Besetzung mit George Clooney, Matt Damon, Bill Murray oder John Goodman kann sich mehr als sehen lassen. Es ist umso besser, wenn derartige Streifen, die versuchen, einzelne Elemente einer sehr dunklen Epoche der Menschheitsgeschichte darzustellen, sich an den wahren Begebenheiten orientieren. Die „Monuments Men“ gab es wirklich, ihr Auftrag war es in der Tat, zu Ende des Zweiten Weltkriegs kulturelle Schätze sicherzustellen. Robert M. Edsel hat sich lange mit ihrer Geschichte auseiandersgesetzt. Die literarische Vorlage zum Kinofilm ist das Ergebnis seiner langen Forschungen. Auch die Hörbuchvariante kann sich sehen bzw.- hören lassen.

Monuments Men – Akademiker in Uniform

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Adolf Hitler ein kulturell gesehen äußerst interessierter Sammler war. Überall da, wo SS und SA wüteten, horteten sie Schätze eines unvergleichbaren Wertes. Das Interesse der „Monuments Men“ lag aber nicht allein an der Wiederauffindung einzelner Kunstgegenstände, sondern auch am Erhalt architektonisch bedeutender Gebäude. In Edsels Werk wird deutlich, dass dieser Wunsch hinten angestellt werden musste. Niemand der Verantwortlichen wollte ein Soldatenleben für ein Steingebilde hergeben. In der Tat lag es nicht an der militärischen Unterstützung, dass die „Monuments Men“ – Kunstprofessoren, Kuratoren und andere Kunstexperten – am Ende des Zweiten Weltkriegs Millionen Artefakte sichern und vor der Zerstörung bewahren konnten.

Der Auftrag der „Monuments Men“ war gefährlich

Selbst, wenn es in der momentanen Verfilmung so aussieht, als ob ihr Auftrag keinesfalls gefährlich gewesen sei, da der Krieg bereits so gut wie zu Ende war, wird beim Verlust von zwei Protagonisten deutlich, dass ihre Aufgabe mit einem hohen Risiko in Verbindung stand. Bei den so genannten „Monuments Men“ handelte es sich nicht nur um US-amerikanische Mitglieder. Die Gruppe wuchs und verzeichnete am Ende zahlreiche Mitglieder aus vielen europäischen Staaten, die aus dem Untergrund heraus agierten. Ohne Schutz und häufig komplett auf sich allein gestellt, opferten viele ihr Leben für die Sache. Es ist ihrem Mut zu verdanken, dass der Nationalsozialismus nicht die gesamten Erzeugnisse unserer Menschheit in Rauch und Asche verwandelte. Edsels etwa 17-stündiges Hörbuch ist eine nachträgliche Auszeichnung für ihr Wirken.

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Elias Canetti – Die Blendung

Benjamin Jendro

4.März
2014

Canetti - Die BlendungNein, es schadet nicht, sich mit hochwertiger Literatur zu beschäftigen. Selbst, wenn ihre Ausarbeitung schon ein paar Jahrzehnte zurückliegt. Ganz im Gegenteil, ab und zu ist es durchaus empfehlenswert, sich mal ein paar älteren Stücken zu widmen, lässt sich aus ihnen doch eine Menge herausziehen, was uns das Leben wie es ist, in all seiner Ausführlichkeit aufzeigt. Irgendwann hat jeder Leser mindestens einen Autor aus früheren Tagen für sich auserkoren. Von diesem verschlingt er dann jedes Werk. Bei mir trifft das auf Elias Canetti zu. Mittlerweile habe ich all seine Schriften gelesen, einige wie „Die Blendung“ auch als Hörbuch erlebt.

Die Blendung – Eine Hommage auf Bücher

Wer Canettis eigene Biografie ein wenig betrachtet, stößt früh auf seine intensiv ausgelebte Vorliebe für alles Lesbare. Schon als kleiner Junge hat er sich umfassend mit Literatur beschäftigt, Bücher verschlungen und von ihrem Inhalt gezehrt. Sinologe Peter Kien, der den zentralen Charakter in Canettis zweitem Hauptwerk neben „Masse und Macht“ bildet, lebt ebenfalls mit einer engen Bindung zu Büchern. Ganze 25.000 Bände umfasst seine Bibliothek, täglich ist er auf der Suche nach neuen literarischen Schätzen. Kien pflegt nur wenige soziale Kontakte ist aber für sein Wissen im Bereich Bücher hoch angesehen. So wenig lebenswert sein Alltag für viele Menschen scheinen mag, Kien fühlt sich wohl, bis Therese in sein Leben tritt und alles zerstört.

Am Ende der Blendung steht die Selbstaufgabe

Canettis Werke sind stets philosophisch und häufig auch psychologisch geprägt. Am offensichtlichsten ist das bei der monumentalen Studie „Masse und Macht“. Auch „Die Blendung“ aber hat es dahingehend in sich. Therese, die als Haushälterin zu Kien kommt und anfangs nur Bücher abstauben und Essen zubereiten soll, schleicht sich in sein Leben, weil es finanziell lukrativ ist. Sie verführt ihn zur Ehe, Kien wird zur Passivität getrimmt. Überfordert mit der Situation und in zunehmender Verschmelzung mit seinen Büchern sieht Kien den einzigen Ausweg in seiner Selbstaufgabe. So verbrennt er sich mit all seinen Büchern und hinterlässt damit viele persönliche Fragen, die der Autor Zeit seines Lebens zu beantworten versuchte.

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Thilo Sarrazin – Der neue Tugendterror

Benjamin Jendro

25.Februar
2014

SarSarrazin - Der neue TugendterrorEhrlich gesagt ist es in doch ein wenig langweilig zugegangen in den letzten Jahren. Zwar meint jeder Bürger unseres Rechtsstaates, innerhalb des Freundeskreises oder auch der eigenen vier Wände über unsere politische Führung fluchen zu müssen. Irgendwie sind die meisten Menschen aber doch genau damit zufrieden wie es ist. Mal ganz nebenbei, die führenden Politiker scheinen trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit oftmals einer Meinung zu sein. Kuschelkurs auf oberster Ebene und Kuschelkurs auch an anderen Stellen. Von Konkurrenzkampf ist beinahe keine Spur mehr. Ja, wir leben in einer Zeit, in der selbst die Aussagen eines Fußballkickers wie vorher einstudiert wirken. Da ist es doch erfreulich, wenn ein Mann wie Thilo Sarrazin mal wieder diese scheinheilige Einstimmigkeit in Frage stellt und mit seinem neuen Werk „Der neue Tugendterror“ einige Probleme beim Schopfe packt.

Sarrazin benennt Dinge, die keinesfalls aus der Luft gegriffen sind

Man kann seine Thesen zu den aktuellen gesellschaftlichen Brisanzthemen sehen wie man möchte. Wichtig ist es nur, auf subjektive Art und Weise Stellung zu beziehen. Zwar wirken seine Statistiken objektiv und stichhaltig. Sarrazin geht es aber in „Der neue Tugendterror“ in erster Linie darum, dass die Menschen mal wieder einen subjektiven Standpunkt einnehmen. Beispielsweise dafür systematisiert er das Problem der Gleichberechtigung der Geschlechter, politisch oftmals im Bereich Frauenquote problematisiert. Das mag ja ein Fortschritt sein, laut Sarrazins Erkenntnissen aber ist es in unseren Genen gar nicht so angedacht. Wesentlich mehr Männer als Frauen haben einen IQ über 130. Ganz ähnlich wie mit der Körperkraft und dem Hang zur Gewalt ist das nun einmal beim Mann präsenter. Natürlich sei an dieser Stelle auch nicht verschwiegen, dass es zusätzlich wesentlich mehr Männer als Frauen gibt, deren IQ unter 70 liegt. Die Streuspanne ist beim Mann viel weiter, wir sind demnach eben nicht gleich.

Der neue Tugendterror besitzt Parallelen zu 1984

Das mag jetzt jeder bewerten wie er möchte, von der Hand weisen lassen sich statistische Werte selten. „Der neue Tugendterror“ hat noch andere Bestandteile, an denen man sich reiben kann. Vor dem Problem Einwanderung macht Sarrazin diesmal ebenso wenig halt wie vor der Hypersensibilisierung im Umgang mit gleichgeschlechtlichen Liebesbeziehungen. Letztere sind normal, man sollte sie nicht in ihrer Lebensführung einschränken. Begünstigen müsse man sie aber auch nicht, schließlich gäbe es in einer normalen Familie Mutter und Vater. Na ja, belassen wir es mal dabei. Fundierter scheint die Analyse der Einwanderung, die durch Bulgaren und Rumänen keinesfalls schlimmer ist als durch Polen oder Tschechen. Die Sinti und Roma aber sieht er schon als gefährlich, wobei Wirtschaftsflüchtling noch die freundlichste Bezeichnung bleibt. Bemerkenswertes Erzeugnis für einen Literaturkritiker ist das aufgeworfene Diskussionsthema Sprache, in welchem Sarrazin enge Bezüge zu Orwells „1984“ herstellt. Dekadenz der Sprache? Da war doch mal was. Definitiv unterhaltsam, diese 800 Minuten Hörbuch, die von Michael Schwarzmaier gesprochen werden, selbst wenn man nicht alle Meinungen teilen muss.

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Roberto Saviano – Zero Zero Zero

Benjamin Jendro

12.Februar
2014

Saviano - Zero Zero ZeroIn Italien wird Mehl mit der höchsten Reinheitsstufe mit der Bezeichnung 00 (Zero Zero) versehen. Noch ein Stück weiter geht der erfolgreiche Autor Roberto Saviano bei der Klassifizierung für Kokain. „Zero Zero Zero“ thematisiert die Droge und das weltweite Geschäft mit ihr. Saviano bezeichnet sie als Motor für die Globalisierung und stützt diese Aussage mit Einbindung verschiedenster Personen aus unterschiedlichen Ländern und Gesellschaftsschichten. Zu Wort kommen Medienagenten ebenso wie Models und auch Börsenmakler. Sie verdeutlichen, welches Ausmaß das Geschäft mit dem weißen Pulver im 21. Jahrhundert angenommen hat und auch, wie rentabel es ist, damit zu handeln.

Saviano – Keine Geschichte scheint zu gefährlich

Dass Roberto Saviano sich auch bei seinem neuem Werk großer Gefahr aussetzt, dürfte ihm bewusst sein. Viel wird über das Ende diskutiert, am welchem der Autor sogar den Vorschlag macht, Kokain zu legalisieren, um das skrupellose Geschäft, das täglich neue Opfer hervorbringt, ein für alle Mal zu beenden. Man darf dabei aber auch nicht vergessen, dass diese Meinung durch die jahrelange Beschäftigung mit der Thematik entstanden ist. Saviano, der vor allem dank des Erfolges von „Gomorrha“ täglich um sein Leben bangen muss, wechselt regelmäßig seinen Aufenthaltsort und wird rund um die Uhr von Sicherheitskräften bewacht. Mit „Zero Zero Zero“ wirbelt er ebenso viel Dreck auf, wie er es bei der Reportage über das Wüten der Camorra gemacht hat.

Zero Zero Zero – Eine Reportage über den internationalen Kokainhandel

Keine Karte, kein Literaturverzeichnis und keine Quellenangabe finden sich in Savianos fundierter Reportage. Er strebt auch keinesfalls an, einen wissenschaftlichen Bericht abzulegen. Vielmehr agieren die sieben Kapitel wie eine Art Puzzle, das alle Facetten des Kokainhandels abdeckt. Auch in der von Frank Röth gesprochenen Hörbuchversion wird man als Zuhörer mit integriert, den Fakten entwinden kann man sich nicht. Gleiches gilt übrigens auch für Saviano selbst. Beim Schreiben seines Buches hat er eine vergleichbare Sucht entwickelt wie die Einnahme der Droge es bewirkt. Schreiben über Kokain sei so wie es selbst zu nehmen. Man kommt einfach nicht mehr davon los, sagt Saviano.

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Stolze -  Sehr geehrtes FacebookAls Vertreter der Generation Technik oute ich mich als absoluter Fan meiner Zeit. Mal ganz im Ernst, wir haben heute Errungenschaften, dank denen wir ohne große Hinzutun vollkommen unbeschwert durch den Tag kommen. Jeden Tag aufs Neues muss ich darüber schmunzeln, wie sich Menschen darüber aufregen, dass man erst fünf Minuten später am abgemachten Treffpunkt erscheint, ohne vorher mal per Whatsapp Bescheid gesagt zu haben. Wie war das denn vor fünf Jahrzehnten oder gar ein paar Jahrhunderten? Haben sich die Menschen da etwa in die Haare bekommen, wenn sie mal fünf Minuten später angekommen sind, Bescheid geben konnte man ja schwer. Es ist so ein Phänomen unserer Zeit, dass wir die Technik heutzutage als vollkommen selbstverständlich ansehen. Dabei vergessen wir die Generation, die nicht mit Macbook, Smart-Watches und Facebook aufgewachsen ist. Hans-Hermann Stolze widmet ihr und den Problemen im 21. Jahrhundert in „Sehr geehrtes Facebook!“ 150 Minuten Hörbuchgenuss.

Sehr geehrtes Facebook! – Er möchte Mitglied werden

Mark Zuckerberg ist heute jedem Teenager, Mitzwanziger und selbst den Mitdreißigern ein Name. Er hat eine Plattform ins Leben gerufen, über die heute mehr Kommunikation abläuft als beim Face-to-Face-Kontakt. Menschen in Kriegsgebieten haben keine Schulen oder saubere Kleidung, einen Fcebook-Account schon. Das will nun auch Hans-Hermann Stolze, obwohl er sich nicht sicher sein, ob er dafür Internet benötigt. Es gibt auch noch andere Sachen, die ihn beschäftigen. Seine Enkel wünschen sich ein Ding namens Smart-Fön. Dafür muss man wohl auch ins Internet, aber lässt sich seine alte Olympia Typ 50e überhaupt mit einer @-Taste nachrüsten?

Viele Fragen, auf die er mehr oder weniger Antworten erhält

Es sind viele Fragen, die einen 87-Jährigen Rentner heute beschäftigen können. Die Zeit scheint sich immer schneller zu drehen. Auf der Strecke bleiben dabei zumeist die Älteren, die eben in einer anderen Zeit aufgewachsen sind und an denen die Technik bisher weitgehend vorbeigegangen ist. Um auf die vielen Fragen Antworten zu bekommen, tippt Stolze auf seiner Schreibmaschine ein Schreiben nach dem anderen und schickt sie an die verschiedensten Kundenservicestellen. Interessanterweise bekommt er von nahezu allen ehrlich gemeinte Antworten, obwohl er auch diese nur schwer verstehen kann. „Sehr geehrtes Facebook!“ ist eine 150-minütige Hommage, die herzzerreißend und bewegend Eindruck hinterlässt.

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Joseph Roth – Hiob

Benjamin Jendro

3.Dezember
2013

Roth - HiobFatal wäre es, wenn wir uns als literarisch Bewanderte lediglich jenen Werken widmen, die zur Zeit unserer Erfahrungen publiziert oder wie in diesem Fall vertont werden. Als Mensch ist man –  vollkommen gleich, in welcher Zeit man geboren wird – immer an Faktoren der Menschheitsgeschichte gebunden. Wir müssen uns mit dem auseinandersetzen, was passiert ist, selbst, wenn wir zu dieser Zeit nicht mal ein Gedanke waren, geschweige denn einen entwickeln konnten. Das Wissen über vergangene Generationen und Jahrhunderte wird uns am ehesten über literarische Erzeugnisse vermittelt. Joseph Roths „Hiob ist so ein Zeugnis, dem man Beachtung schenken sollte. Es lehrt uns viel über das, was einmal war.

Hiob – nicht ganz zufällig Titel des Werkes

Joseph Roths Wurzeln sind jüdisch, dementsprechend wird auch sein Schreiben bestimmt. 1894 in Ostgalizien geboren, erlebte er das dunkelste Kapitel des 20. Jahrhunderts am eigenen Leib. „Hiob“ scheint so ohne Frage ein passender Titel, auch wenn man selbst noch nicht weiß, wofür der Titelheld des gleichnamigen Buches aus dem Alten Testament hier Sinnbild steht. Erzählt wird die Geschichte von Mendel Singer und seiner Familie. Gottesfürchtig und wahnsinnig fromm kommt Roths „Hiob“ allen Pflichten des Lebens nach und wird doch vom Allmächtigen großen Prüfungen unterzogen. Einen Sohn verliert er ans Militär, den zweiten an Amerika. Der dritte ist schwer krank und behindert mit seiner Epilepsie die familiäre Erfüllung, nach der alle Beteiligten lechzen.

Hiob – Hoffnung kommt von einer Seite, aus der man sie nicht erwartet

Nachdem Mendel und die noch verbliebenen Familienmitglieder (Frau Deborah und Tochter Mirjam) dem Sohn Schemarjah, der sich nun Sam nennt, nach Amerika folgen, um dort ein neues Leben zu beginnen, keimt Hoffnung auf. Vielversprechend scheint nicht nur dessen neu aufgebaute Existenz, sondern auch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Allerdings schwingt immer das schlechte Gewissen mit, den kranken Menuchim in der Heimat zurückgelassen zu haben. Die Jahre vegetieren so vor sich hin, die Familie bricht nach und nach auseinander, so dass schlussendlich nur noch Mendel übrigbleibt. „Hiob“ schließt mit der Ankunft eines berühmten Musikers, der aus dem gleichen Heimatdorf wie Mendel stammt und den alten Mann heimsucht. Vielleicht besteht für „Hiob“ ja doch eine Möglichkeit, das Leben mit einem zufriedenen Lächeln zu beenden.

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Die Eiskönigin – Völlig unverfroren

Benjamin Jendro

26.November
2013

Die EisköniginEin Märchen, das man auf die Leinwand bringt, scheint im 21. Jahrhundert oftmals als zu veraltet. Wirklich gerecht wird man dem Genre damit nicht, denn die meisten Märchen sind zeitlos und verhandeln Themen, die auch noch den Menschen des 21. Jahrhunderts umkreisen. Neben der Sammlung der Gebrüder Grimm scheint im europäischen Raum vor allem der Name Hans Christian Andersen für beeindruckende Märchen zu stehen. Seine „Schneekönigin“ galt lange Zeit als zu schwierig, um sie auch einem Kinopublikum zu präsentieren. Nun ist das aber gelungen, wohlgemerkt recht beeindruckend. Die Eiskönigin – Völlig unverfroren tritt durch seine filmische Adaption direkt in die Fußstapfen der Disney-Verfilmung „Rapunzel – Neu verföhnt“. Auch als Hörbuch kann sich die Story sehen lassen.

Die Eiskönigin – Völlig unverfroren ist ein musikalisches Glanzstück

Zusammengesetzt ist die Geschichte aus vielen einzelnen musikalischen Ereignissen, die sowohl in Deutsch als auch Englisch an den Zuhörer gelangen. Gemeinsam erzählen sie das Abenteuer von Anna. Die Königstochter begibt sich quer durch das Königreich von Arendelle, um das Land vom ewigen Winter zu befreien. Unabsichtlich hat ihre ältere Schwester Elsa, die nun als Königin auf den Thron steigen soll, das ganze Reich in Eis und Schnee gehüllt. Aus Angst davor, noch Schlimmeres anzustellen, verbarrikadiert sie sich im großen Schloss. Anna und ihre Begleiter, unter anderem der Einsiedler Kristoff, der gewöhnlich Eisquader an den Mann bringt, und sein treues Rentier Sven, müssen sich auf dem Weg schweren Gefahren gegenüberstellen. Zu diesen gehört beispielsweise eine Armee böser Schneemänner, die den Winter logischerweise erhalten wollen.

Olaf ist das zentrale Highlight in Die Eiskönigin – Völlig unverfroren

Einer von Annas Gefährten ist auch der kleine Schneemann Olaf, der anders als seine zumeist größeren Artgenossen äußerst sympathisch daherkommt. Er ist das besondere Element, welches Disney in die Geschichte transferiert. Auf der Suche nach dem Sommer und zumeist auch den eigenen Körperteilen glänzt er unter anderem mit dem Beitrag „Im Sommer“. Zwischenzeitlich erheitert er die Wandergemeinschaft und schenkt ihr stetige Zuversicht. Er verleiht dem Werk die besondere Note und schenkt dem Zuhörer des Hörbuchs von „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ hochwertige Unterhaltung.

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Felix J. Palma – Die Landkarte der Zeit

Benjamin Jendro

19.November
2013

Palma - Die Landkarte der ZeitDie Zeit gilt als eine der wenigen Konstanten im Leben des Menschen. So sehr es uns auch gelingen mag, im Lauf der Zeit Sachen zu verbessern, neue Entdeckungen zu machen und Errungenschaften zu entwickeln, bleibt doch unsere Bindung an die Zeit ein unabdingliches Faktum. Unsere Zeit auf der Welt ist begrenzt, ein Menschenleben ist ein Menschenleben, ein Tag hat 24 Stunden und kann nicht einfach so verlängert werden. Ein Aspekt der Zeit jedoch möchte das Wesen Mensch nicht so akzeptieren, nämlich, dass wir in der Zeit nicht so einfach umherreisen können. Zeitreisen sind faszinierend, bieten viel literarischen und kinotauglichen Stoff. Felix J. Palma hat vor einiger Zeit dieses Thema aufgegriffen und es in seinem Roman „Die Landkarte der Zeit“ sehr unterhaltsam problematisiert.

Protagonisten, denen „Die Landkarte der Zeit“ Bewegungsfreiraum ermöglicht

Es sind drei Teilgeschichten, die Palma im ersten Band seiner Mapa-Trilogie erzählt. Sie alle sind durch die einzelnen Handlungsstränge und das gemeinsame Thema miteinander verbunden. Ende des 19. Jahrhunderts ist das Fable für Zeitreisen enorm. Nicht zuletzt durch einen Roman von H. G. Wells ist eine wahre Zeitreise-Euphorie entstanden. Der bekannte Schriftsteller wird selbst zum Protagonisten in Palmas Roman. Geeint werden die Schicksale im von Andreas Fröhlich gelesenen Hörbuch durch den Wunsch, durch die Zeit zu reisen. Andrew will in die Vergangenheit, um seine Geliebte zu retten, Claire in die Zukunft, um ihrem Geliebten zu folgen und Inspektor Garrett jagt ein Phantom durch „Die Landkarte der Zeit“ komplett durch alle Zeiten.

„Die Landkarte der Zeit“ spielt mit der Illusion

Zentral ist das Unternehmen Murray, welches eine Zeitreise ins Jahr 2000 anbietet, um dort einer entscheidenden Schlacht zwischen Mensch und Maschine beizuwohnen. Der geübte Literaturfan weiß ziemlich schnell, dass dies nicht mit realen Mitteln funktioniert, ist dennoch über die angewandten Mittel und ihr Resultat verblüfft. Insofern schafft es „Die Landkarte der Zeit“ trotz einer gewissen Durchschaubarkeit enorm zu unterhalten. Manch erlesener Aha-Effekt wird dabei ebenso erzeugt wie unser Mitgefühl mit den vielen Getäuschten.

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Asterix – Der Gallier

Benjamin Jendro

29.Oktober
2013

Asterix - Der GallierIn der vergangenen Woche kamen die Comicfans des Landes nach langen Wartejahren endlich wieder in den Genuss eines ihrer Lieblingshelden. Ein kleiner Mann mit blondem Haar und teilweise übernatürlichen Kräften begeistert seine Leser, Zuschauer und Zuhörer bereits seit dem Jahr 1959. Nun im Jahr 2013 folgt der 34 Nachkömmling des primären Werkes und zugleich der erste Comic, bei dem Künstler Albert Uderzo nicht seine großen Fähigkeiten mit im Spiel hatte. Gemeinsam mit Schreiber René Goscinny hat er jahrelang den Grundstein dafür gelegt, dass auch „Asterix bei den Pikten“ enorm schnell seine Verbreitung fand. Grund genug, doch noch einmal auf den ersten Band „Asterix – Der Gallier“ zurückzublicken.

Ein Dorf, dessen Widerstand gebrochen werden muss

50 Jahre vor unserer christlichen Zeitrechnung haben sich die Römer im Werk bereits ordentlich ausbreiten können. Damit halten sich die Macher schon recht nah an die realen historischen Verhältnisse. Ein Dorf jedoch scheint noch immer enormen Widerstand zu leisten. Grund dafür ist ein Druide, der mit einem magischen Zaubertrank gewöhnliche Gallier zu unüberwindbaren Kampfmaschinen werden lässt. Irgendwann sind die Römer hinter dieses Geheimnis gekommen und da ihnen eben jener Miraculix im Wald in die Falle geht, scheinen sie dem großen Ziel näher zu kommen. Unter Folter verlangen sie von ihm, ihnen das mächtige Gebräu aufzutischen. Doch der Druide ist derart gewitzt, dass er ihnen ein ganz anderes Süppchen kocht.

Asterix eilt zur Hilfe

Eine der weiteren Hauptfiguren, Obelix, der bekanntermaßen als kleines Kind in den Kessel gefallen ist und deshalb ohnehin über gigantische Kräfte verfügt, spielt im ersten Band keine allzu große Rolle. Dafür aber Asterix, der bei der Suche nach Miraculix selbst in römische Hände gelangt. Gemeinsam mit dem Druiden mischt er den Römern einen Zaubertrank, der ihre Haare ungebremst wachsen lässt. Statt dem großen Cäsar dann die gefangenen Gallier zu präsentieren, trifft der legendäre Kaiser auf eine Kolonie bärtiger Soldaten und schenkt uns so einen lustigen Auftakt einer Comic-, Film- und Hörbuchreihe, die einfach jeder mal erlebt haben sollte.

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