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Helmut Schmidt – Was ich noch sagen wollte

Benjamin Jendro

13.November
2015

Schmidt - Was ich noch sagen wollteEr hat sein Leben lang gequalmt, viel Kaffee getrunken, Kautabak förmlich inhaliert. Es sind wahrlich nicht die gesündesten Methoden, sich bei Laune zu halten und dennoch hat Helmut Schmidt es geschafft, 96 Jahre auf dieser Welt zu leben. Ein Leben, das in dieser Woche beendet wurde und an das wir uns trotzdem noch lange zurückerinnern werden. Nach aktuellen Umfragen ist Dr. Wolfgang Schäuble, gestern mit einem Bambi geehrt, derzeit der beliebteste deutsche Regierungspolitiker. Helmut Schmidt ist einer der beliebtesten aller Zeiten. Der Hanseat stand stets zu dem, was er sagte und wenn er etwas sagte, dann hatte es immer Hand und Fuß sowie großes Aneckpotenzial. In „Was ich noch sagen wollte“ berichtet der Altkanzler von seinen großen Vorbildern.

Eine ganz persönliche Bilanz

Die Deutsche Presseagentur (dpa) resümierte, dass es sich bei „Was ich noch sagen wollte“ um „Eine ganz persönliche Bilanz“ handle und genau diese stand einem Mann wie Helmut Schmidt stets zu. Sein Verdienst für unser Land, seine politischen Leistungen und vor allem seine Persönlichkeit werden wir so schnell nicht vergessen. Das zeigt auch das enorme Medienecho, welches sein Tod in dieser Woche auslöste. Das Vorbild Schmidt erzählt im Werk, das in der fünfeinhalbstündigen Hörbuchversion von Hanns Zischler gelesen wird, von seinen individuellen Vorbildern. Er zeigt uns, welche Leute ihn geprägt, ihn zu einer der zentralen Säulen unserer politischen Historie geformt haben.

Helmut Schmidt – Ein Mann des Pragmatismus

Es mag den Zuhörer wenig verwundern, dass die Namen Cicero oder Marc Aurel fallen. Auch Helmut Schmidt war immer ein Mann, der für seine Ideale stand und der vorausging. Natürlich beschäftigte er sich als ein Mann von Welt später mit Kant oder Weber. Auch der Name Karl Popper fällt in „Was ich noch sagen wollte“, ebenso der des Konfuzianers Deng Xiaoping. Schmidt, der Politiker des Pragmatismus und der fest verankerten Grundorientierung, die sein Handeln lenkte. Auch die Begegnungen zur Schulzeit und selbstverständlich auch Loki haben ihn beeinflusst und zu einer der Lichtgestalten gemacht, an die man sich immer zurückerinnern wird, wenn es um die deutsche Nachkriegsgeschichte geht.

 

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Alexijewitsch - Gespräche mit Lebenden und TotenSelten war die Bekanntgabe des Nobelpreisträgers für Literatur so wenig überraschend wie in diesem Jahr. In der Vergangenheit schauten die vorab genannten Favoriten regelmäßig in die Röhre. So hatten einen Tranströmer, eine Munro oder einen Modiano nur die allerwenigsten auf dem Zettel. Bei der Weißrussin Swetlana Alexijewitsch ist das freilich eine ganz andere Geschichte, denn ihr Name fiel schon in den letzten Jahren immer mal wieder. 2015 galt sie als Topfavorit und seit letztem Donnerstag ist klar, dass sie dieser Rolle gerecht wurde. Die Schwedische Akademie prämierte sie  „für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt“. Ihr Stück „Gespräche mit Lebenden und Toten“ ist nur ein Beispiel, das diese Vergabe rechtfertigt.

Nicht mal 80 Minuten, und doch so viel Inhalt

Es gibt heutzutage wahnsinnig viele Autoren, die meinen eine Geschichte in aller epischen Breite konstruieren zu müssen, um den Leser oder Zuhörer zu berühren. Swetlana Alexijewitsch benötigt nicht einmal 80 Minuten, um das zu leisten. „Gespräche mit Lebenden und Toten“ ist ein typisches Werk aus ihrem Spektrum. Es vereint die Erfahrungen von vielen Menschen, auf deren Äußerungen allein sich Alexijewitsch stützt. Sie hat einige Jahre damit verbracht, Personen zuzuhören, deren Leben durch das verheerende Unglück von Tschernobyl im April 1986 beeinflusst  wurde. In aller Ausführlichkeit, trotz der gerade einmal 78 Minuten, schenkt sie ihren Erzählungen Gehör und lässt sie in ihrem ganz individuellen Schreibstil miteinander zusammenwachsen, um ein großes Ganzes daraus zu synthetisieren.

Eine akustische Komposition, die einen bestürzt zurücklässt

Natürlich umfasst das eigentliche Werk von Alexijewitsch längere Sprachpassagen und im Hörbuch zu „Gespräche mit Lebenden und Toten“ kommen auch nicht alle verwendeten Stimmen zu Wort. Eine Mischung aus Berichten verschiedener Überlebender – Zeitzeugen, Experten, Helfer und auch betroffene Opfer – bleibt trotzdem erhalten. Die selektive Auswahl von Frank Werner gibt einen hervorragenden Einblick in das Werk und lädt zur weiteren Beschäftigung mit diesem und der Autorin ein. Unter anderem sind die einzelnen Berichte von Ilse Strambowski, Peter Gavajda und Viola Morlinghaus eingesprochen worden. Auch die einzelnen Sprecher tragen spürbar dazu bei, dass dies eine akustische Komposition darstellt, die den Zuhörer mit einem hohen Grad bestürzter Grundstimmung zurücklässt.

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Günter Grass – Lyrische Beute

Benjamin Jendro

16.April
2015

Grass - Lyrische BeuteIrgendwie war es ein recht eigenartiger Wochenanfang. Die wenigsten kannten Schriftsteller Günter Grass persönlich, doch jeder scheint nun um ihn zu trauern. Natürlich tun wir das, denn erst mit seinem Tod wird uns bewusst, was dieser Mann für alle gesellschaftlich-kulturell Interessierten geleistet hat. Günter Grass hat mit seinen unzähligen Werken nicht nur gut unterhalten, er hat vor allem auch Ansichten geprägt. Ich persönlich habe unzählige Geschichtsstunden im Schulraum verbracht, um historische Fakten zu erfahren. Wie es aber den Menschen zur jeweiligen Zeit ging, und das ist das wirklich Wesentliche, hat niemand ernsthaft vermittelt. Grass schon, sein Werk „Die Blechtrommel“ hat mein Geschichtsbild stark beeinflusst. Auch mein Bild von Literatur wäre ohne Günter Grass nicht das heutige. Mit „Lyrische  Beute“ ist es ihm sogar gelungen, mich entgegen der Gewohnheit für Lyrik zu begeistern.

Günter Grass machte Lyrische Beute

Schulstunde, Deutsch, Gedichtanalyse – Oh nein, schon wieder eine. So gerne ich mich in der Schule der Deutschen Sprache und Literatur gewidmet habe, Gedichtanalysen habe ich gehasst. Noch heute, nach dem Studium frage ich mich, warum es so wichtig ist, dass ein Autor in seinem Werk Alliterationen, Hyperbeln und Co. verwendet hat. Im Kern geht es doch bei allen Gedichten um den Inhalt, selbst wenn es immer heißt, Inhalt und Form stehen im Wechselspiel miteinander. Eine Ansicht, der im Übrigen auch Dozenten zustimmen mussten. Gedichte liest man, weil sie in wenig Worten viel über einen Autor aussagen. „Lyrische Beute“ ist eine Sammlung mehrerer dieser Zeugnisse. Ganz nebenbei sorgt der Sprecher Günter Grass zudem dafür, dass sie recht unterhaltsam und mit einer eindringlichen Stimmfarbe vorgestellt werden.

140 Gedichte aus 50 Jahren

50 Jahre umfasst die Zusammenstellung, in der 140 Gedichte des Literaturnobelpreisträgers von 1999 enthalten sind. Günter Grass war ein Querdenker, das ist zu Recht auch in allen Äußerungen zu seinem Tod deutlich geworden. Ein Mann, der den Tonus vieler Leute traf, dem es aber auch vollkommen bewusst war, mit seinen stark polar gefärbten Äußerungen bei anderen Widerstand und Abneigung hervorzurufen. Das Hörbuch „Lyrische Beute“ ist die Aufzeichnung einer Lesung von Günter Grass in Lübeck. Sie ist jetzt nach seinem Tod und der Erkenntnis, dass er keine weiteren Lesungen halten wird, umso wertvoller. Bei den knapp vier Stunden kann man noch mal das ganze Spektrum eines sehr großen Mannes auf sich einfließen lassen, einfach zuhören und die Gedanken baumeln lassen.

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Lutz Seiler – Kruso

Benjamin Jendro

30.Dezember
2014

Seiler - Kruso HörbuchMeistens ist es so, dass spätestens bei Bekanntgabe der Shortlist für den Deutschen Buchpreis – einen der größten, wenn nicht sogar der größte Buchpreis unseres Landes – ein Favorit auszumachen ist. Das gestaltete sich im letzten Jahr etwas anders, denn Terezia Mora hatten wahrlich nicht alle sofort auf der Rechnung. In diesem Jahr konnte die Regel aber wieder bestätigt werden. Schließlich war in der finalen Auslese ein Werk, das sich von allen anderen abhob und das in einem Jahr, in welchem sich der Mauerfall zum 25. Mal jähren sollte, letztlich nur als Sieger hervorgehen konnte. Insofern ist Lutz SeilersKruso“ ein erwarteter Sieger und dennoch auch einer, dessen Werk man nicht nur für die Thematik, sondern auch den Schreibstil und die beim Zuhörer entstehenden Emotionen loben muss.

Kruso ist ein autobiografischer Roman mit Aussteiger-Ambitionen

Lutz Seiler hat in den Interviews, die er in den letzten Monaten gegeben hat, immer wieder darauf verwiesen, wie hochachtungsvoll er auf die Insel Hiddensee, die schönste der Welt, blickt. Es konnte für seinen Roman um Protagonist Edgar Bendler, der nicht umsonst Züge des Autor in sich trägt, keinen anderen Ort geben, um derart viele Leute mit einer identischen Gesinnung zusammenzuführen. Seiler schreibt in „Kruso“ über Saisonarbeiter, die auf Hiddensee zusammentreffen und über das Gebilde der DDR philosophieren. Interessanterweise hat der heute in Wilhelmshorst bei Potsdam lebende Seiler eben jene Urlaubsbeschäftigung vollzogen. Er weiß also ganz genau, über was und welche Stimmung er schreibt.

Die magische Sprache auf der Insel

Was seinen Roman vor allem abzugewinnen ist, bleibt eine hervorragende Sprachgebung, mit der Ed vom mysteriösen „Kruso“ und der Leser bzw. Zuhörer von Seiler gefangen wird. Wer diesem Hörbuch, eine auf etwa elf Stunden zusammengekürzte Lesung des Romans, die Franz Dinda spricht, folgt, der wird ein tolles Gefühl für die Aufbruchsstimmung, aber auch die allseits zu spürende Orientierungslosigkeit der Menschen im Jahr 1989 erhalten.

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Kerkeling - Der Junge muss an die frische LuftKaum eine Stunde vergeht, in der es nichts Brisantes aus der Promiwelt unseres Landes zu berichten gibt. Weitet man das Ganze über die Grenzen hinaus aus, bleibt der Liveticker keine fünf Minuten still. Das ist manchmal ganz unterhaltsam, ein Freund vom Breittreten dieser Informationen bin ich aber nicht. Wenn man es einmal gehört hat, reicht es dann auch, oder etwa nicht? Anscheinend nicht – so schauen momentan alle mit Argusaugen auf die Berichterstattung zu Hape Kerkelings nun offenbartem Kindheitstrauma. Dieses ist ohne Frage keine schöne Erfahrung und Kerkeling nutzt sein neues Werk „Der Junge muss an die frische Luft“ sicherlich auch, um darüber hinwegzukommen. Schreiben als Seelenreinigung wäre keine neue Sache. Man sollte ihm aber auch zugestehen, dass er mit dieser autobiographischen Schrift einen Strich unter die Sache zieht und vielleicht nicht vergessen, aber doch abschließen kann.

Der Junge muss an die frische Luft

Neben dem Suizid seiner Mutter gibt es nämlich auch andere Sachen, die in der Autobiographie, die Hape Kerkeling gemäß seines Naturells für dieses Hörbuch selbst eingesprochen hat, Eindruck machen. An vielen Passagen wird deutlich, dass es sich beim fast Fünfzigjährigen um einen Vollblut-Entertainer handelt, dem dies bereits in Kindheitsjahren anzusehen war. So schwer die Zeit war, in der seine Mutter sich für den Freitod entschieden hat, so groß war auch der familiäre Zusammenhalt, der Hape eine gewöhnliche Kindheit ermöglichte. Zumindest so gut, wie es ging. So entdeckt man beim Zuhören einen ganz gewöhnlichen Jungen aus Recklinghausen, der nach Ansicht der Tante auch mal an die frische Luft gehörte und es einst der Großmama versprach, irgendwann einmal im Rampenlicht zu stehen.

Hape Kerkeling liebt das Leben

Insofern lautet das Fazit, das Hape Kerkeling zwar nicht explizit ausspricht, es dafür aber zwischen allen Zeilen zu spüren ist, dass er das Leben liebt und als lebenswert einstuft. Schicksalsschläge gehören dazu, sie formen einen Menschen. Man wächst daran, wie man etwas verarbeitet. Hape Kerkeling macht das mit Humor und das gelingt ihm zu unserem Glück bemerkenswert gut. „Der Junge muss an die frische Luft“ ist nun der zweite Beweis dafür, dass er auch literarisch etwas zu bieten hat. Schon die Pilgerbeschreibung „Ich bin dann mal weg“ kam gut an, das neue Stück muss sich dahinter nicht verstecken.

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Cacau – Immer den Blick nach oben

Benjamin Jendro

26.August
2014

Cacau - Immer den Blick nach obenDer Brasilianer wurde in der Bundesliga nie wegen seiner Kopfballstärke gefürchtet. Dennoch schaut der Fußballer Cacau selten auf seine Füße. Vielmehr hat er „Immer den Blick nach oben“ gerichtet, wie sich auch in seinem autobiografischen Werk erkennen lässt. Der frühere Nationalstürmer, der in Stuttgart über viele Jahre für das Toreschießen zum Hauptverantwortlichen auserkoren wurde, trägt den scherzhaften Spitznamen „Helmut“. Es sagt viel über Cacau aus, dass der heute 33-Jährige diesen Kosenamen bei jeder Benennung mit einem Schmunzeln quittiert. Claudemir Jeronimo Barreto ist einfach ein lustiger und äußerst sympathischer Geselle. Daran kann für Fußball-Deutschland auch sein Wechsel nach Japan nichts ändern.

Von Türk Gücü München über Nürnberg und Stuttgart zum DFB

Mit 19 kam Cacau zum Münchner Verein Türk Gücü, über die Zwischenstation in der Reserve des 1. FC Nürnberg folgte der Sprung ins Profigeschäft. Nach zwei Jahren ging es dann in Richtung Schwabenland, wo Cacau beim VfB Stuttgart in 263 Ligapartien 80 Mal einnetzen konnte. Das brachte ihm auch 23 Spiele für den DFB ein, für den sich Cacau entschied und dem er sechs Treffer zurückgab. Während er in Osaka seine Karriere ausklingen lassen wird, schaut er immerhin auf eine Meisterschaft, einen dritten Platz bei der WM 2010 und einige Champions League Spiele zurück. Zusätzlich ist Cacau außerhalb des Platzes sehr engagiert und unter anderem DFB-Integrationsbotschafter.

Immer den Blick nach oben – Ein Hörbuch des unbändigen Willens

Im Hörbuch „Immer den Blick nach oben“ spielten natürlich das Thema Glauben und die Kraft, die man aus diesem zieht, eine Rolle. Cacau macht in den etwa siebeneinhalb Stunden aber auch deutlich, dass es ein steiniger Weg war, den er gehen musste und dass er diesen nur dank eines unbändigen Willens meistern konnte. Talent ist das eine und etwas, das viele Brasilianer in sich haben. Der Schlüssel zur Profikarriere liegt darin, es mit Fleiß und harter Arbeit zu formen. Viele Sprecher begleiten Cacau bei seinem Projekt, den Zuhörern eine Autobiografie vorzulegen, die ihnen eine Sichtweise schenkt, die man in dieser Form noch nicht so angewandt hat.

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Lukas Podolski – Dranbleiben

Benjamin Jendro

25.März
2014

Podolski - DranbleibenMit einer Autobiographie hat es schon so mancher Spitzenfußballer versucht. Vor allem die ehemaligen Profis scheinen darin eine Chance zu sehen, sich wieder ein wenig ins Rampenlicht zu befördern. Mit mäßigem Erfolg gelingt ihnen dies sogar. Nämlich dann, wenn sie mysteriöse Geheimnisse ihrer Trainer und Mitspieler preisgeben und die Fußballfanwelt dadurch ein wenig ins Wanken bringen. Bei dem einen oder anderen gelingt das auch durch Frauengeschichten. Einer, der es weder auf die erste noch auf die zweite Art versucht und dem man eine autobiographische Schrift jetzt nicht unbedingt zugetraut hat, ist Lukas Podolski. Umso beeindruckender ist es, dass das Fazit für seine Schrift „Dranbleiben“ richtig positiv ausfällt.

Mit 28 schreibt der Poldi schon seine Autobiographie

Natürlich hat unser Poldi professionelle Hilfe beim Niederschreiben erhalten. Das kann man aber auch jedem anderen Vertreter seiner Zunft attestieren. Von daher ist das einzige Manko dieser sehr hörenswerten Autobiographie, dass der Kicker vom FC Arsenal die knapp sechs Stunden Hörbuch nicht selbst eingesprochen hat. Stattdessen führt Oliver Rohrbeck durch das Geschehen. Ansonsten war es das dann aber auch schon mit Kritik. Rohrbeck berichtet von Poldis ersten Schritten auf dem Bolzplatz, wo er natürlich mit Größeren gekickt und früh gelernt hat, sich durchzusetzen. Er geht in die Jugend des 1. FC Köln, seine Familie unterstützt ihn stets, nimmt lange Fahrten zum Training auf sich, um das Talent des Lukas gebührend zu nutzen. Der Rest ist uns allen bekannt. Der Weg führt über die Profimannschaft der Kölner zum FC Bayern und später in die Premier League. Nun ist der Gute 28 Lenzen alt, hat mehr als einhundert Länderspiele auf dem Buckel und darf als einer der wenigen den Bundestrainer duzen.

Eine Autobiographie, die Mut machen möchte

Doch es ist nicht nur die eigene Geschichte, die wir von Poldi bzw. Herrn Rohrbeck vorgesetzt bekommen. Ebenso zentral scheint sein Anliegen, sich sozial zu engagieren. Seit Jahren schon nutzt der Außenstürmer seine Popularität, um das Augenmerk auf Kinder und Jugendliche zu richten, die in Problembezirken groß werden und viele Hürden zu meistern haben. In seinem Buch schaut er auf Kids wie Kasim, die es schwer haben nicht den Drogen zu verfallen und die in einer ähnlich schweren Ausgangslage feststecken wie Poldi früher selbst. Er hat es vorgemacht, plädiert aber auch dafür, dass sie ihr Talent – in jedem schlummert eines – nicht wegwerfen und sich durchbeißen. Deshalb berichtet er in seinem Werk auch davon, wie er sich in den Einrichtungen der Arche Zeit für die Kids nimmt, mit ihnen bolzt und sich ihre Träume anhört. Gut so Poldi.

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Joseph Roth – Hiob

Benjamin Jendro

3.Dezember
2013

Roth - HiobFatal wäre es, wenn wir uns als literarisch Bewanderte lediglich jenen Werken widmen, die zur Zeit unserer Erfahrungen publiziert oder wie in diesem Fall vertont werden. Als Mensch ist man –  vollkommen gleich, in welcher Zeit man geboren wird – immer an Faktoren der Menschheitsgeschichte gebunden. Wir müssen uns mit dem auseinandersetzen, was passiert ist, selbst, wenn wir zu dieser Zeit nicht mal ein Gedanke waren, geschweige denn einen entwickeln konnten. Das Wissen über vergangene Generationen und Jahrhunderte wird uns am ehesten über literarische Erzeugnisse vermittelt. Joseph Roths „Hiob ist so ein Zeugnis, dem man Beachtung schenken sollte. Es lehrt uns viel über das, was einmal war.

Hiob – nicht ganz zufällig Titel des Werkes

Joseph Roths Wurzeln sind jüdisch, dementsprechend wird auch sein Schreiben bestimmt. 1894 in Ostgalizien geboren, erlebte er das dunkelste Kapitel des 20. Jahrhunderts am eigenen Leib. „Hiob“ scheint so ohne Frage ein passender Titel, auch wenn man selbst noch nicht weiß, wofür der Titelheld des gleichnamigen Buches aus dem Alten Testament hier Sinnbild steht. Erzählt wird die Geschichte von Mendel Singer und seiner Familie. Gottesfürchtig und wahnsinnig fromm kommt Roths „Hiob“ allen Pflichten des Lebens nach und wird doch vom Allmächtigen großen Prüfungen unterzogen. Einen Sohn verliert er ans Militär, den zweiten an Amerika. Der dritte ist schwer krank und behindert mit seiner Epilepsie die familiäre Erfüllung, nach der alle Beteiligten lechzen.

Hiob – Hoffnung kommt von einer Seite, aus der man sie nicht erwartet

Nachdem Mendel und die noch verbliebenen Familienmitglieder (Frau Deborah und Tochter Mirjam) dem Sohn Schemarjah, der sich nun Sam nennt, nach Amerika folgen, um dort ein neues Leben zu beginnen, keimt Hoffnung auf. Vielversprechend scheint nicht nur dessen neu aufgebaute Existenz, sondern auch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Allerdings schwingt immer das schlechte Gewissen mit, den kranken Menuchim in der Heimat zurückgelassen zu haben. Die Jahre vegetieren so vor sich hin, die Familie bricht nach und nach auseinander, so dass schlussendlich nur noch Mendel übrigbleibt. „Hiob“ schließt mit der Ankunft eines berühmten Musikers, der aus dem gleichen Heimatdorf wie Mendel stammt und den alten Mann heimsucht. Vielleicht besteht für „Hiob“ ja doch eine Möglichkeit, das Leben mit einem zufriedenen Lächeln zu beenden.

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Nelson Mandela – Bekenntnisse

Benjamin Jendro

16.Juli
2013

Mandela - BekenntnisseÜber Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, wird vieles erzählt. Den Meisten von ihnen kann man entweder positiv gegenüberstehen oder aber ihnen und ihren Taten mit Abstand entgegentreten. Einige wenige dieser so genannten VIPs lassen diese sich in Polen aufspaltende Gesamteinschätzung gar nicht zu, weil den Menschen letztlich keine Möglichkeit gelassen wird, über sie negativ zu urteilen. In Bezug auf Nelson Mandela, denke ich, kann es nur ein Meinungsbild geben. Es impliziert eine hohe Wertschätzung für die Person Mandela und alle Taten, die wir mit ihr verbinden. Mandela ist Vorbild für alle Menschen. Vollkommen zu Recht würdigt die Menschheit ihn am Donnerstag im internationalen Nelson Mandela Day und ich bereits heute sein Hörbuch „Bekenntnisse“.

Ein Werk, das Mandelas persönliche Schicksalsschläge zu Tage bringt

Was mag den Zuhörer erwarten, wenn er auf das Werk eines Friedensnobelpreisträgers trifft und dieses ihm unter bereits erwähntem Titel entgegenspringt? Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass es weniger um politische Bekenntnisse geht, weniger um den Kampf für die Freiheit. Es sind vielmehr die persönlichen Betrachtungen und Erlebnisse, an denen uns der ehemalige Präsident Südafrikas teilhaben lässt. Am Donnerstag wird er beim nunmehr vierten Nelson Mandela Day auch seinen 95. Geburtstag feiern. Hinter ihm liegen Jahrzehnte, in denen es nicht immer leicht war, in denen sich ihm zahlreiche Hürden in den Weg stellten. Auch das, die persönlichen Rückschläge gehören zum Leben eines Mannes, den wir in erster Linie aufgrund seines unzerbrechlichen Kampfwillens für die Rechte der Menschen kennen.

Bemerkenswerte Worte eines bemerkenswerten Mannes

Natürlich stellt sich die Frage, warum man nach „Der lange Weg der Freiheit“, das durchaus schon Persönliches erhielt, auch dieses Zeugnis von Mandelas Leben nicht verpassen sollte. Die Antwort liegt vor allem in den Thematiken, die wie zu hören bekommen. Es geht nicht um seine Herkunft aus dem kleinen Dorf Mvezo, in dem man beschnitten und zwangsverheiratet wurde oder um den späteren politischen Kampf. Nein, es geht um Mandela als Menschen und die mit ihm verbundenen Personen. Wer genau zuhört, erhält das Bild eines Mannes, der letztlich ganz normal scheint. Vorgetragen werden uns Briefe, die Mandela an seine Frau Winnie schrieb, als er im Gefängnis saß und Tagebucheinträge, die von der inneren Zerrissenheit nach dem Tod seines Sohnes Thembi berichten. Betrachtungen und Eindrücke eines Mannes, der viel bewegt hat, obwohl er stets vor allem eines geblieben ist – wahnsinnig menschlich.

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Die Geissens – Von nix kommt nix

Benjamin Jendro

23.Mai
2013

Geissens - Von nix kommt nixSie wurden belächelt wie kaum ein anderes Paar in Deutschland. Man machte sich über dieses Pärchen lustig und belächelte ihre zugegeben nicht immer ganz logisch konstruierten Dialoge. Nichtsdestotrotz aber fixierte sich eine äußerst hohe Resonanz an den Namen Geiss. Nicht zuletzt lag das an der Fernsehserie, die das Leben der Geissens nun schon seit ein paar Jahren an die Gesellschaft trägt. An Carmen und Robert scheiden sich die Geister, manche lästern, andere sind begeistert von ihrem Erfolg. Wieder andere schauen sich ihre Urlaubsreisen an, weil diese einfach eine richtig gute Unterhaltung darstellen. Das gilt im Übrigen auch für ihr 240-Seiten-Werk „Von nix kommt nix“, das die Autoren auch gleich noch persönlich eingesprochen haben.

Eine echte Erfolgsstory

Das Problem bei Büchern von Prominenten liegt immer darin, dass viele von ihnen aus rein kommerziellem Gedanken schreiben. Sie profitieren vom Hype um ihren Namen, der eben bekannt ist. In Sachen Inhalt bekommt der Leser oder auch der Zuhörer dann aber nur selten etwas Gutes geboten. Bei den Geissens sieht die Sache zur Überraschung ganz anders aus und das, obwohl man es in ihrem Fall am wenigstens gedacht hätte. Anders als man es erwarten konnte, ist das kein hohles Herumgedudel oder bloßes Sprücheklopfen von Robert. Nein ganz dem Titel nach erzählen die Beiden, wie sie dahin gekommen sind, wo sie heute stehen, nämlich durch harte Arbeit.

Man erfährt auch etwas über die Geissens als Menschen

Natürlich hat der Medienrummel den Geissens in Sachen Bekanntheitsgrad ordentlich unter die Arme gegriffen. Man sollte aber nicht vergessen, dass Robert einst als wahrer Workaholic eine heute nicht ganz unbekannte Modelinie zu dem gemacht hat, was sie ist. Der Mann hat ernsthaft einmal für den Luxus, den er heute besitzt, ackern müssen. An den eigenen Erfahrungen lässt er den Zuhörer teilhaben. So bekommen wir einzelne Tipps, wie wir es selbst weit bringen, Geld verdienen und es mehren können. Dass man obendrauf auch noch erfährt, wie Carmen und er zueinander gefunden haben und warum ihre Ehe trotz einzelner Differenzen so beständig ist, macht das Paket noch einen Tick sympathischer.

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