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Die Geissens – Von nix kommt nix

Benjamin Jendro

23.Mai
2013

Geissens - Von nix kommt nixSie wurden belächelt wie kaum ein anderes Paar in Deutschland. Man machte sich über dieses Pärchen lustig und belächelte ihre zugegeben nicht immer ganz logisch konstruierten Dialoge. Nichtsdestotrotz aber fixierte sich eine äußerst hohe Resonanz an den Namen Geiss. Nicht zuletzt lag das an der Fernsehserie, die das Leben der Geissens nun schon seit ein paar Jahren an die Gesellschaft trägt. An Carmen und Robert scheiden sich die Geister, manche lästern, andere sind begeistert von ihrem Erfolg. Wieder andere schauen sich ihre Urlaubsreisen an, weil diese einfach eine richtig gute Unterhaltung darstellen. Das gilt im Übrigen auch für ihr 240-Seiten-Werk „Von nix kommt nix“, das die Autoren auch gleich noch persönlich eingesprochen haben.

Eine echte Erfolgsstory

Das Problem bei Büchern von Prominenten liegt immer darin, dass viele von ihnen aus rein kommerziellem Gedanken schreiben. Sie profitieren vom Hype um ihren Namen, der eben bekannt ist. In Sachen Inhalt bekommt der Leser oder auch der Zuhörer dann aber nur selten etwas Gutes geboten. Bei den Geissens sieht die Sache zur Überraschung ganz anders aus und das, obwohl man es in ihrem Fall am wenigstens gedacht hätte. Anders als man es erwarten konnte, ist das kein hohles Herumgedudel oder bloßes Sprücheklopfen von Robert. Nein ganz dem Titel nach erzählen die Beiden, wie sie dahin gekommen sind, wo sie heute stehen, nämlich durch harte Arbeit.

Man erfährt auch etwas über die Geissens als Menschen

Natürlich hat der Medienrummel den Geissens in Sachen Bekanntheitsgrad ordentlich unter die Arme gegriffen. Man sollte aber nicht vergessen, dass Robert einst als wahrer Workaholic eine heute nicht ganz unbekannte Modelinie zu dem gemacht hat, was sie ist. Der Mann hat ernsthaft einmal für den Luxus, den er heute besitzt, ackern müssen. An den eigenen Erfahrungen lässt er den Zuhörer teilhaben. So bekommen wir einzelne Tipps, wie wir es selbst weit bringen, Geld verdienen und es mehren können. Dass man obendrauf auch noch erfährt, wie Carmen und er zueinander gefunden haben und warum ihre Ehe trotz einzelner Differenzen so beständig ist, macht das Paket noch einen Tick sympathischer.

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Irene Dische – Großmama packt aus

Benjamin Jendro

8.Januar
2013

Dische - Großmama packt ausSelbstverständlich finden sich in jedem Werk auch immer Charakteristika wieder, die der Autor oder die Autorin selbst aufweist. An niemandem zieht das Leben so einfach vorbei, ohne dass man durch die gemachten Eindrücke geprägt wird. Für Schriftsteller gilt das wohl umso mehr. Sie sind es nämlich letztlich, die ihren Eindrücken auf einem Stück Papier volle Entfaltung zukommen lassen können. Schriftstücke jeder Art dienen auch immer dazu, eigene Fragen an das Leben zu beantworten. Für Irene Dische war das in „Großmama packt aus“ die eigene Zugehörigkeit. Christin oder Jüdin, Deutsche oder Amerikanerin?

Jude ist man von Geburt an

Ohne Frage lässt sich in der Erzählung aus Sicht ihrer Großmutter Elisabeth Rother eine Menge aus dem Leben der Autorin selbst herauslesen. Irene selbst wird in den nostalgischen Erinnerungen der Erzählerin als missratenes Mädchen dargestellt, das schon aufgrund der Gene ihre Vaters für den folgenden Weg gekennzeichnet wurde. Noch aussagekräftiger aber sind die Ereignisse, die sie über die früheren Generationen vermittelt. Elisabeth ist eine gute Katholikin, die sich lange vor Kriegsausbruch in den jüdischen Arzt Carl Rother verliebt. Dieser konvertiert zum Christentum, hat kaum etwas für das Judentum übrig und selbst bei genauer Betrachtung erinnern nur seine große Nase und die dunkeln Augen an die Herkunft. Das ändert jedoch nichts am Hass der Nazis, die ab 1933 die Geschicke des Landes leiten.

Auf der Suche nach der jüdischen Identität

Es scheint ihr entscheidender Fehler gewesen zu sein, einst einen Juden geheiratet zu haben. Mit Lug und Trug gelingt es ihr, die Familie in Sicherheit zu bringen, noch ehe das große Morden losgeht. Elisabeth hat eigentlich nichts für Juden übrig, sie liebt einfach nur ihre Familie, zu der auch Tochter Renate gehört. Auch für sie ist das Leben schwer, obwohl sie selbst kein Bezug zum Judentum hat. Die Sinnlosigkeit dessen zeigt sich beispielsweise in der Haltung von Hausdame Liesel, die zwar Urdeutsche ist, aber vehement für die Familie eintritt. Deren Schicksal bringt sie in die USA, wo Renate sich weiterentwickelt und später einen Juden nach dem anderen heiratet. Sie ist in den Augen ihrer Mutter ebenso verkommen wie auch die spätere Irene. Nüchtern betrachtet Elisabeth Rother das Geschehen ohne der Autorin, ihrer Enkelin, eine abschließende Erklärung darüber zu geben, wo sie eigentlich hingehört.

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Arnold Schwarzenegger – Total Recall

Benjamin Jendro

26.Juli
2012

Arnold Schwarzenegger - Total RecallDass eine Persönlichkeit aus dem Showgeschäft mal irgendwann in die illustren Kreise der Politik einzieht, ist eigentlich eher einer Geschichte aus Filmen. Sie spiegelt den Wunsch vieler Menschen wieder, für die Politik noch immer ein sehr undurchsichtiges Feld ist. Für dieses wollen sie jemanden, mit dem sie sich identifizieren können, weil sie davon überzeugt sind, dass diese Person ihre Interessen am besten durchboxt. Arnold Schwarzenegger ist im Filmgeschäft groß geworden und wohl zum beliebtesten österreichischen Exportschlager seit dem Wiener Schnitzel avanciert. Was den Hype um den ehemaligen Bodybuilder letztlich ausgemacht hat, bleibt mir bis heute verborgen, zumal er doch in „Conan der Barbar“ noch recht eigenartig wirkte.

Vom Grazer Jungen zum Senator Kaliforniens

Die Richtung, die der kleine Grazer Junge, der als Muskelpaket durch die USA zog, fortan nahm, führte ihn über seine Paraderolle des „Terminator“. Diese ist wohl auch der große Schritt zum international gefeierten Topstar gewesen, so dass es heute gerechtfertigt ist, die Arnold Schwarzenegger Autobiografie  „Total Recall“ durch den CD-Player laufen zu lassen. „I´ll be back“ war das Motto, das alle Menschen mit dem Stahlhelden in Verbindung brachten und so kam Schwarzenegger wortwörtlich auch nach vielen privaten Rückschlägen immer wieder in die Spur zurück. Dass diese ihn letztlich bis zum Senator eines der bekanntesten US-Staaten führen sollte, konnte jedoch niemand ahnen.

Anfangs belächelt, mittlerweile angesehen

Die Ehe mit Journalistin Maria Shriver hatte daran bestimmt einen nicht allzu kleinen Anteil. Schließlich ermöglichte sie es, Arnie auch in den höheren Kreisen in der Fremde nach und nach Fuß zu fassen. Umso unverständlicher wirkt es, dass er die Frau seines Lebens letztlich so fahrlässig wiederhergab. Neben den privaten Aspekten, den Rückschlägen und positiven Erinnerungen, steht in dem Hörbuch aber auch seine politische Karriere im Fokus. Hat man ihm anfänglich eher kein politisches Knowhow nachgesagt, seine Taten kritisiert und ihn schnell zum Rücktritt bewegen wollen, zeigte Arnie in der Folge sein kämpferisches Temperament. Dieses hielt ihn sogar mehr als sieben Jahre im Amt – eine Zeit, in der er auch viele politische Erfolge verzeichnen konnte.

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Walter Isaacson: Steve Jobs

Benjamin Jendro

25.November
2011

Manche verehrten ihn, andere wollten ihm keinesfalls über den Weg laufen, geschweige denn mit ihm Fahrstuhl fahren. Denn es konnte sein, dass er sie umgehend feuerte. Die Rede ist von Steve Jobs. Jenem Genie, das uns den Apple, den iPod, das iPhone und das iPad bescherte, obwohl er selbst wohl keines dieser Geräte je hätte selbst bauen noch programmieren können. Er war ein Künstler, ein Visionär, jemand, der den roten Faden sieht und alles zusammenfügt.

Die Biographie von Walter Isaacson: Steve Jobs erzählt die Geschichte eines Mannes, der wohl nach heutigem Kenntnisstand das Borderline-Syndrom hatte. Jemand, der zugleich tiefromantisch und mitfühlend sein kann, nur um im nächsten Moment vollkommen ignorant und kontrollsüchtig zu sein. Jemand, der Kunst liebte und die Einfachheit seiner Produkte preiste. Der Menschen etwas vollkommen Intuitives bieten wollte und andererseits als Millionär nicht die Alimente für seine Tochter zahlen mochte. Er suchte Spiritualität und fand zur Technik. Wurde von seiner Mutter verstoßen und fand nach Jahrzehnten seine Halbschwester, zu der er eine sehr innige Beziehung aufbaute.

Der Autor versteht es dem Leser selbst die Wahl zu lassen. Er bekommt keine Meinung vorgesetzt, sondern gut recherchierte Fakten. Viele Menschen kommen zu Wort und zeichnen ein gegensätzliches Profil. Sie selbst müssen am Ende entscheiden, ob Sie diesen Mann mögen oder nicht.

PS: Wer die zum Teil etwas saloppe deutsche Übersetzung nicht hören möchte und des Englischen mächtig ist, sollte zum Original greifen.

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Ein Schnupfen hätte auch gereicht

Gisela

13.September
2011

Gaby Köster
Vor dreieinhalb Jahren war Gaby Köster, eines der bekanntesten Gesichter der deutschen Comedy-Szene, plötzlich weg vom Fenster. Viel wurde über ihren Gesundheitszustand spekuliert, sogar ihr Tod wurde schon gemeldet. Ihr Management schwieg eisern und verbat sich alle Spekulationen, nun ist Gaby Köster selbst wieder ins Rampenlicht getreten und spricht über ihre Krankheit: Sie erlitt einen schweren Schlaganfall.

In ihrem Buch Ein Schnupfen hätte auch gereicht erzählt sie mit gewohnt großer Klappe und viel Herz von ihrem schweren Schicksal und dem Kampf zurück in ein einigermaßen normales Leben. Das Hörbuch zu ihrer Krankengeschichte hat die echt kölsche Schnauze natürlich selbst gelesen, und meine anfänglichen Bedenken, ob ich ihr stundenlang zuhören kann, haben sich bald zerstreut. Gerade dadurch, dass sie selbst zu Wort kommt, bekommt diese Lesung eine Authentizität und Frische, die den Hörer packt und miterleben lässt. Natürlich ist der Grundton in Kösters Geschichte ein sehr humorvoller, und ich musste immer wieder lachen und schmunzeln. Trotzdem berührt ihr Schicksal, und man kann nicht umhin, die Kabarettistin, die nicht aufgibt und ihre neue Chance im Leben nutzt, zu bewundern.

„Ich habe beim lieben Gott angeklopft. Er hat mich zurückgeschickt. Er wird schon wissen, warum. Ich bin auf einem guten Weg. Ich weiß zwar nicht, wohin er führt, aber das macht mir nichts. Es gibt keine Grenzen. Wer in den Himmel schaut, sieht keine Grenzen mehr.“

Starke Worte einer starken Frau. Man kann nur hoffen, dass Gaby Kösters Genesung weitere Fortschritte macht und ihre Geschichte anderen Menschen mit einem ähnlichen Schicksal Mut macht.

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Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben

Benjamin Jendro

10.Dezember
2010

„Der Tod eines depressiven Menschen ist niemals eine freie Entscheidung. Die Krankheit verengt die Wahrnehmung so sehr, dass der Leidende nicht mehr versteht, was es heißt zu sterben. Er glaubt es hieße nur, die Krankheit loszuwerden. (…) Robert Enke war am Dienstag, den 10. November 2009, acht Stunden in der Nähe von Empede umhergefahren. (…) Dann fuhr er an Empede vorbei zum nächsten Bahnübergang in Eilvese. (…) Er wußte, dass um 18.15 Uhr der Regionalexpress aus Bremen ohne Halt durch Eilvese hindurchraste.“

Ronald Reng schildert in dem Hörbuch Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben zunächst einmal die Karriere von Robert Enke, welche jedoch unzertrennlich mit seiner Depression verbunden war und daher natürlich auch einen wichtigen Punkt einnimmt. Er führt behutsam an die Krankheit heran und erläutert den Weg Enkes, der 2003 und 2009 zu besonders dramatischen Ausbrüchen führte. Bei alledem merkt man aber auch, wie groß die Liebe zwischen dem Paar Enke gewesen sein muss, was die Tragik um den Tod von Robert nur noch schlimmer erscheinen lässt.

Reng ging es auch nicht darum, einen Schuldigen zu finden für das Geschehene. Auch wenn nicht jeder gut in dem Buch wegkommt, sind es nur Entscheidungen, die letztlich zu dem einen tragischen Tag vor gut einem Jahr führten. Bei all der Romanprosa könnte man fast vergessen, dass es sich bei diesem Hörbuch um etwas tatsächlich Geschehenes handelt und man merkt auch Reng an, wie er mit der Aufarbeitung kämpfte. So wenig hätte es nur gebraucht, um diesen einen Moment zu verhindern, doch es ist passiert…

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Life – von Keith Richards

Benjamin Jendro

26.November
2010

Richards kann zwischen seiner eigenen Wahrnehmung und seinem Image unterscheiden. „Die Leute lieben dieses Image. Sie haben sich ein Fantasiebild von mir gemalt, sie haben mich gemacht, die Leute da draußen haben sich diesen Volkshelden geschaffen.“

Das zeigt wohl eindrucksvoll, was Richards ausmacht. Er kann zwischen sich und seinem Abbild in der Welt unterscheiden. Er weiß, dass er ein Idol ist, aber eben nur in den Köpfen der Menschen, nicht immer auch vor sich selbst.

So verwundert es auch nicht, dass sein Hörbuch damit anfängt, wie er mit Drogen erwischt wird – erneut. Doch wie so oft haut ihn sein Anwalt auch hier raus. Man braucht eben manchmal auch Glück im Leben, oder einen guten Anwalt.

Richards erzählt schonungslos und offenkundig ehrlich von seiner Kindheit, welche so typisch für die Nachkriegsjahre war. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und musste sich durchkämpfen. Wie er Mick Jagger kennenlernte und sie die Band gründeten. Wie sie durch die harten Anfangsjahre näher zu wirklichen Freunden wurden und natürlich auch wie sie sich stritten…und wieder versöhnten.

Life ist Keith Richards ganz persönlicher Rückblick auf eine Karriere, die die Rolling Stones hervorgebracht hat, eine der erfolgreichsten und berühmtesten Rockbands, die wir kennen.

Vorgetragen von Musiker Stephan Remmler bekommt das Hörbuch eine ganz besondere Stimme, die wohl kaum besser zum Inhalt hätte gewählt werden können.

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