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Paul Maar – Ein Sams zu viel

Benjamin Jendro

6.August
2015

Ein Sams zu vielMeine Kindheit wurde von einigen lustigen Gestalten begleitet. Eine war ein lustiges Kerlchen mit dem sonderbaren Namen „Das Sams“. Dieses hat sich mit seiner frechen Art und den immer wieder spaßigen Erlebnissen richtig eingebrannt in mein Gedächtnis. Umso erfreuter bin ich nun, selbst aus den Kindesschuhen heraus, dass solche Helden meiner Kindheit noch nicht von der Bildfläche verschwunden sind und immer noch große Präsenz ausstrahlen. Dass die Geschichte noch längst nicht ausgeschöpft ist und immer weiter erzählt werden kann, beweist Paul Maar mit der aberwitzigen Story „Ein Sams zu viel“.

Plötzlich sind es zwei Samse

Abrakadabra, simsalabim und plötzlich sind es zwei Samse. Verantwortlich dafür ist ein unbedachter Moment von Herrn Taschenbier. Der Chef mit dem toll klingenden Namen hat einen Wunsch frei, denn das Sams möchte ihm zum Geburtstag seinen letzten Wunschpunkt schenken, der hinter dem Ohrläppchen schlummert. Herr Taschenbier aber wünscht sich etwas, dass der Schenkende so eher nicht vorhergesehen hat. Damit die ewig schimpfende Frau Rotkohl endlich Ruhe gibt, wünscht er ihr ein eigenes Sams herbei. Ehe er sich versieht, hat der Titelheld einen Doppelgänger. Leider entspricht der so gar nicht seiner Vorstellung und wirkt irgendwie wie ein äußerst schlechter Klon des Originals – des legendären Taschenbier-Sams.

Das neue Sams ist eines zu viel

Das neue Sams ist merkwürdig geraten. Es ist das perfekte Wunschkind, genau so, wie es Eltern sich immer wünschen. Es hält sich an Regeln und passt sich an, ist zugleich aber extrem naiv und ziemlich dümmlich. Das passt dem Original natürlich gar nicht, zumal ein zweiter seiner Art ohnehin vollkommen neuartig und fehl am Platz ist. Das Sams reagiert wütend und eifersüchtig, das erste Aufeinandertreffen ist schon eine recht giftige Begegnung. Dass Herr Taschenbier Sympathien für den Charakter des Neulings entwickelt, ist nicht gerade förderlich für das ohnehin sehr angeknackste Selbstvertrauen des Sams. „Ein Sams zu viel“ ist so ein Titel, der clever gewählt scheint und den Inhalt der 108 Hörbuchminuten recht gut zusammenfasst.

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Minions

Benjamin Jendro

23.Juli
2015

MinionsIm Kino kommt man des Öfteren zum lachen. So doll wie bei den kleinen „Minions“ aber selten. Die gelben Zwerge mit Latzhose überzeugen mit ihrer unvergleichlich verpeilten Art und begeistern Groß und Klein. Nachdem sie die ersten beiden Episoden von „Ich – Einfach unverbesserlich“ rockten und letztlich dafür sorgten, dass das Animationsabenteuer so ein Erfolg wird, haben sie in diesem Jahr endlich ihren ganz eigenen Kinofilm bekommen. Gerade aufgrund ihrer sonderbaren Laute, die irgendwie niemand so recht versteht, sorgte das für pausenloses Gelächter. Natürlich gab es dabei auch ein wenig Story, die man sich in der Hörbuchversion ebenso mal zu Gemüte führen kann.

Die Minions, wie wir sie kennen und lieben

Noch immer befinden sich die kleinen Gelblinge auf der Suche nach einem echten Superschurken. Bisher sind alle Versuche, einem Bösewicht zur Weltherrschaft zu verhelfen, komplett gescheitert. Die „Minions“ haben zum Beispiel Napoleons Russland-Feldzug in den Sand gefahren. Jetzt aber könnte sich das Blatt endlich wenden, denn Kevin, Bob und Stuart haben eine tolle Idee und machen sich auf den Weg nach New York City, wo sie auf einer Tagung der Kriminellen nach einem neuen Partner suchen. Dort treffen sie Schurkin Scarlet Overkill, die der Queen Elizabeth II. die Krone entwenden möchte

Fast zwei Stunden Comedy pur

Dass die „Minions“ ultimativ lustig sind, daran mag niemand zweifeln. Interessanterweise, das hat der Film bewiesen, funktionieren sie auch recht gut alleine. Das Hörbuch dauert fast zwei Stunden und sorgt für viele Lacher. Gesprochen wird die Geschichte von Oliver von Rohrbeck und eben dieser zeigt sich verdammt variabel, sogar was die Intonation der einzelnen „Minions“ angeht. 899 sind es an der Zahl und da entsteht zwischendurch schon ein wenig der Eindruck, dass man die Übersicht verlieren könnte. Diese Planlosigkeit passt aber irgendwie zu den kleinen Helden und macht das Hörbuch für Fans umso unverzichtbarer.

 

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Lutz Hübner – Frau Müller muss weg

Benjamin Jendro

3.Februar
2015

Frau Müller muss wegDie Schulpflicht ist im deutschen Gesetz fest verankert. Deshalb schicken die meisten Eltern ihre Schützlinge Tag für Tag in die Bildungseinrichtung. Dass sie mit den Elementen dieser zufrieden sind, ist damit aber nicht gesagt. Tatsächlich gibt es im Schulunterricht so einiges, was Mama und Papa so rein gar nicht in den Kram passt. Für eine ganze Gruppe von ihnen ist eine Lehrerin in Lutz HübnersFrau Müller muss weg“ ein wahrer Dorn im Auge. Die Akademikerin ist der Grund dafür, dass viele Kids eine schlechte Zukunftsaussicht haben. Zumindest halten die Eltern sie für den Grund.

Frau Müller muss weg – Keine Frage

Die Zeugnisse stehen an und mit ihnen die Empfehlung für die jeweilige Oberstufe. Dieser Zeitpunkt sollte Eltern eigentlich zufrieden stimmen. Schließlich zeigt das, dass ihre Kids heranwachsen. Für mehrere Paare im Theaterstück „Frau Müller muss weg“, das derzeit auch im Kino für Furore sorgt, steigt aber die Angst, je mehr sich besagter Tag nähert. Schuld daran ist allein die nicht immer freundlich dargestellte Frau Müller. Die Klassenlehrerin ist mit ihrer Notenvergabe schließlich das Zünglein an der Waage und bevor man die Schuld beim eigenen Kind sucht, macht man doch lieber jemand anderes für das stetige Versagen in den Klassenarbeiten verantwortlich.

Eltern im Kampf gegen Frau Müller

Wenn es sich um ein, vielleicht auch zwei Kids handeln, wäre es ja noch im Bereich des Möglichen, dass die Notenvergabe rechtens abläuft. So aber sehen sich Jessica Höfel, Ehepaar Jeskow, Wolf Heider und Katja Grabowski förmlich dazu gezwungen, Frau Müller einmal die Leviten zu lesen. Diese ist sich natürlich keiner Schuld bewusst und zudem recht uneinsichtig. Mit steigender Erzählzeit werden die Bandagen der besorgten Eltern immer härter. Dass sie sich dabei von einer wenig erwachsenen Seite zeigen, macht das ganze Szenario umso lustiger. Im Kino erlebt man unter anderem Anke Engelke, Ken Duken und Alwara Höfels, wie sie in eine Peinlichkeit nach der anderen schlittern. Im zugrunde liegenden Stück, denen die besagten Schauspieler in der Hörbuchvariante von „Frau Müller muss weg“ ihre Stimmen geliehen haben, kommt das aber auch schon recht gut durch.

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Jogis Eleven

Benjamin Jendro

23.Dezember
2014

Jogis ElevenIn dem nun bald abgelaufenen Jahr gab es viele bewegende Ereignisse. Einige bis dahin vollkommen unbekannte Personen wuchsen zu bedeutenden Persönlichkeiten, politisch und kulturell tat sich einiges. Das größte Ereignis dürfte dennoch der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft sein, den sich die Männer von Bundestrainer Jogi Löw verdientermaßen sicherten. Neben der hohen fußballerischen Qualität, die dieses Generation Deutscher Ballstreichler auszeichnet, wurde immer wieder auch über den internen Zusammenhalt und den gemeinsamen Spaß am Fußballspielen gesprochen. Es gibt keinen besseren Beweis dafür als „Jogis Eleven“ – ein Hörbuch, das zwar nicht immer ernst gemeint ist, dafür aber die Erinnerung ans Maracana erneut aufleben lässt.

Jogis Eleven vom Radio zum Hörbuch

Jogis Eleven“ kann man derzeit auf zahlreichen Radiosendern des Landes genießen. Immer wieder werden neue Ideen entwickelt, die uns vollkommen unerwartete Seiten des schwäbischen Bundestrainers und seiner Spieler präsentieren. Gelegentlich kommt da auch mal einer der historischen Kicker zu Wort. Lustig ist es immer, weil Christian Schiffer, der dieses 75-minütige Hörbuch eingesprochen hat, vielseitig variiert und von Löw über Poldi bis hin zu Neuer sämtliche Stars im Repertoire hat. Gerade im Zusammenspiel von Löw und Podolski kommt da großer Unterhaltungswert auf. Klar, die beiden arbeiten ja nun auch schon mehr als zehn Jahre gemeinsam beim DFB.

Daheim beim Weltmeischder

So kontrolliert Bundestrainer Löw immer rüberkommt, so viel Humor besitzt der Mann aus dem Schwabenländle. Schiffer treibt dies natürlich auf die Palme und spielt vor allem mit Jogis Akzent. Bei den einzelnen Spielern zeigt sich eine große Liebe fürs Detail, so erkennen wir bei jedem besondere Eigenarten. Der Kölner Prinz Lukas sagt, was er denkt und geht im Werk in Brasilien auf Pyramidensuche. Der Noch-Rekordnationalkicker Loddar sucht in den Favelas – wie soll es anders sein? – eine neue Ehegattin. Es sind diese Einblicke in die Welt der Weltmeischder, die auch unser Weihnachtsfest bereichern können.

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Eckart von Hirschhausen – Wunderheiler

Benjamin Jendro

11.November
2014

Hirschhausen - WunderheilerWenn man als Comedian Erfolg haben möchte, muss man entweder besonders lustig aussehen oder aber ein Programm haben, das zeitlich relevante Themen behandelt und den Menschen lustige Aspekte aus ihrem alltäglichen Leben präsentiert. Über diese lachen wir nämlich am meisten. Aus diesem Grund ordnen erfolgreiche Komiker ihrem jeweiligen Programm, mit dem sie unterhalten wollen, einen Schwerpunkt zu. Marion Barth geht auf die Unterschiede zwischen Mann und Frau ein, Kaya Yanar auf die Facetten des interkulturellen Austauschs. Eckart von Hirschhausen, seinerseits promovierter Doktor, hat die Medizin für sich auserkoren und bringt diese mittels viel Humor seinem Publikum näher. Er erklärt die Eigenarten unseres Körpers und sorgt dabei für viele Lachen erregende Momente. Das gelingt ihm brandaktuell auch mit „Wunderheiler“.

Wunderheiler von China bis Mecklenburg-Vorpommern

Ob auf literarische Art und Weise wie in „Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?“ oder in Form der medial präsenten Unterhaltung bei „Hirschhausens Quiz des Menschen“, der Hobbyzauberer von Hirschhausen versteht es phänomenal, Interessantes aus der Medizin in hübsche Anekdoten zu verpacken. „Wunderheiler“ lautet der Titel seines aktuellen Bühnenprogramms. Das dazugehörige Hörbuch ist ein Livemitschnitt, der den Zuhörer über 70 Minuten hinweg entertainen wird. Mit einer gesunden Mixtur aus wissenschaftlichem Fachjargon und allgemeinverständlicher Darstellung widmet sich Eckart von Hirschhausen den Zauberkünstlern der Wundheilung, stellt Magier aus dem entfernten asiatischen Raum und auch jene aus den einzelnen deutschen Bundesländern vor.

Wer an etwas glaubt, wird gesund

Interessanterweise wird dabei einiges als Placebo-Effekt klassifiziert. Wer von Hirschhausen kennt, weiß, dass er generell die Meinung vertritt, der Körper könne die meisten Krankheiten von alleine heilen. Insofern ist vieles, das als sonderbar verkauft wird, reiner Hokuspokus, an den wohlgemerkt viele glauben. Eine Heilung resultiert dann weniger durch den „Wunderheiler“ als mehr durch den individuellen Glauben an dessen Fähigkeiten. Es ist immer wieder amüsant zu beobachten, wie von Hirschhausen das seinen Zuhörern vor Augen führt.

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Evers - Wäre ich Du, würde ich mich liebenMan soll ja ein abgelaufenes Kalenderjahr immer mit etwas Positivem abschließen, damit letztlich auch gut ins neue gestartet werden kann. Dies gilt selbstverständlich auch für den kulturellen Bereich. Aus diesem Grund soll im heutigen Beitrag nicht alles ganz so ernst genommen und stattdessen besser mal ein wenig gelacht werden. Lauscht man den 350 Minuten pure Unterhaltung des Berliners Horst Evers, wird man aus der Erheiterung gar nicht mehr herauskommen. Zu lustig charakterisieren sich seine 65 Tracks, die vor Anekdoten und Neologismen nur so strotzen. Evers philosophiert in Wäre ich Du, würde ich mich lieben über verschiedene Elemente unseres Lebens, vor allem auch über dieses selbst.

Horst Evers – Ein Studienabbrecher mit Unterhaltungstalent

Germanistik und Sozialkunde hat der heute 46-jährige Kabarettist an der Freien Universität zu Berlin studiert. Ein Abschluss findet sich nicht in seiner Vita. Das scheint aber kein Muss, um erfolgreich mit Worten unterhalten zu können. Mehrfach schon hat Horst Evers das bewiesen, in „Für Eile fehlt mir die Zeit“ und „Der König von Berlin“. Dementsprechend zuverlässig entführt er uns auch jetzt wieder in seine Gedanken über die mehr oder weniger normalen Sachen unserer Welt. Themen wie die Pünktlichkeit bei der Deutschen Bahn und die Zuverlässigkeit beim Bau des Hauptstadtflughafen werden angesprochen und ausgeführt, teilweise karikiert, dies aber stets mit Stil.

Horst Evers – Ein Erzähler, der einem nichts aufzwingt

So sehr Horst Evers seine Leser und Zuhörer auch mit auf die Reise nimmt, so wenig versucht er ihnen etwas aufzuzwingen. Es steckt halt auch bei der noch so übertriebenen Ausformung der eigenen Gedanken immer noch ein Funke Wahrheit verborgen, durch den wir ihm und seinen Ansichten irgendwie immer zustimmen müssen. Ohne Frage ist die elektronische Zahnbürste eine tolle Erfindung, ein sich selbst ausleerende Mülleimer wäre aber definitiv auch eine langjährige Forschung wert. Es sind die banalen Phänomene des Alltags, die Evers in „Wäre ich Du, würde ich mich lieben“ interessieren und die er auf komische Art und Weise problematisiert.

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Heldt - Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnnen!Dora Heldt ist ohne Frage eine der erfolgreichsten Autorinnen, die sich in den letzten Jahren an die Spitze der Bestsellerlisten geschoben haben. Ihre Werke um Menschen, die sich auch im Bekanntenkreis oder gar in der eigenen Familie jedes einzelnen Lesers wiederfinden könnten, treffen den Tonus der Leserschaft. Auch mit ihrem neuen Werk ist sie wieder einmal in der oberen Liga der meistverkauften Stücke angekommen. Dabei hat sie es dieses Mal mit ein bisschen weniger Herzschmerz und innerer Befindlichkeit versucht und stattdessen eine Geschichte geschaffen, die durchaus einen gewissen gesellschaftlichen Gehalt mit sich bringt. „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!“ ist eine erfrischende Mixtur aus Unterhaltung und Sozialkritik, die 220-minütige Hörbuchfassung geht herunter wie Butter.

Zwei Rentner auf einem Abzocktrip

Von Charlotte, Inge und Christine, die sonst fest zum Repertoire in der Familienbüchern der Dora Heldt gehören, erfährt der Zuhörer dieses Mal eher weniger. Zentraler sind die beiden, ebenfalls aus den Papa-Büchern bereits bekannten, Rentner Heinz und Walter. Letzterer hat in einem Gewinnspiel eine luxuriöse Reise ergattert und dank eines Tricks gelingt es ihm, den neidischen Heinz gleich mit in den Reisebus zu bringen. In diesem sollten eigentlich nur exklusive Gäste sitzen. Von Beginn an ist klar, dass die versprochene Gesellschaft sich als alles andere als exklusiv charakterisiert. Nur Finchen, in etwa im Alter der zwei, und ihre Nichte Johanna scheinen ein Lichtblick.

Heikle Immobilienversprechungen

Während Finchen die Reise mit dem Plan angetreten ist, ihre Begleiterin wieder mit dem Ehemann zu versöhnen, will Radiojournalistin Johanna hinter die betrügerische Abzocke der Kaffeefahrt gelangen. In der Tat geben auch die Unterkunft, die ein heruntergekommenes Landgut anstatt eines Luxusdomizils für die Gäste bereithält und die Versorgung während der Fahrt bereits erste Aufschlüsse. Wiener auf Papptellern anstatt Kaviar und Co. Selbst für die Getränke sollen die Reisenden plötzlich bezahlen. Auf einmal ist dann auch von einer Ferienanlage die Rede, die bei hohen Investitionen lukrative Renditen verspricht. Als wäre das nicht schon des Guten zu viel, macht die Reisegruppe auch noch einen mysteriösen Leichenfund.

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Ist das ein Witz?Comedian Eckart von Hirschhausen zählt ja nicht umsonst zu den besten seiner Zunft. Er ist auch einer der wenigen deutschen Komiker, die sich nicht dem Obszönen hingeben müssen, um lustig zu sein. Nein, das gelingt dem Doktor auch mit dem bloßen Erzählen über Aspekte des menschlichen Lebens. Dieses betrachtet von Berufszwecken auch Literaturkritiker Hellmuth Karasek, der es auch schon mal schafft, eine eigentlich politisch orientierte Abendveranstaltung in eine Plattform zum Anpreisen neuer literarischer Errungenschaften umzugestalten. Was kann einen da erwarten, wenn die Beiden auch noch aufeinander treffen? Lustiges lautet die Antwort, wenngleich es beim Titel „Ist das ein Witz“ noch nicht ganz so offensichtlich wird.

Eine gute Stunde, in der man ständig lacht

Dass von Hirschhausen lustig ist, sollte aufgrund seiner sehr erfolgreichen Berufskarriere klar sein. Interessanterweise ist aber auch der sonst so analytische Kommentar von Karasek gelegentlich komischer als man es erwarten könnte. In diesem Experiment nun treffen die zwei Autoren in Berlin zusammen und erzählen sich wie zwei Freunde einen Witz nach dem anderen. Dabei werden Literatur, aber auch andere Bereiche unseres Lebens angesprochen. Niemand, so die zwei Protagonisten, wusste vorab, wo das Ganze hinführt. Die Antwort steht fest, man bekommt über eine Stunde was zum Lachen.

Zwei, die perfekt improvisieren

Klar könnte man davon ausgehen, dass es sich um vorher Abgesprochenes handelt und so auch die gegenseitigen Reaktionen aufeinander abgestimmt waren. Wer jedoch das Aufeinandertreffen gesehen hat, weiß, dass hier nichts vereinbart war, sondern sowohl Karasek als auch von Hirschhausen einfach mal los gewitzelt haben. Das Hörbuch ist ein Livemitschnitt des Meetings. Auch auf diesem wird deutlich, dass hier zwei Veteranen der Improvisationskunst ins gemeinsame Gespräch kamen. Dass sie dabei ordentlich Spaß gehabt haben dürften, sollte angesichts des Resultats eigentlich niemand bezweifeln. Die Stimmung ist einfach durchweg amüsant.

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Tommy Jaud – Überman

Benjamin Jendro

27.November
2012

Jaud - ÜbermanManche Autoren schaffen es einfach mit Anhieb und ihrem ersten schriftstellerischen Versuch sofort beim Leser einzuschlagen. Während man in früheren Jahrhunderten die Werke eines Goethe erst einige Jahre später so wirklich zu schätzen wusste, ist das Geschäft heute wesentlich schnelllebiger. Man bringt ein Werk heraus, das nicht selten auf einer scheinbar banalen Idee basiert und schon kann man binnen weniger Wochen zum absoluten Massenautor wachsen, wobei man eher von einem Autor für die Masse sprechen sollte. Tommy Jaud ist so ein Fall. Als Gagschreiber fungierte er bereits für viele hochtragende Comedians, ehe er sich 2004 erstmals als Romanautor versuchte. Wie damals „Vollidiot“ schlugen alle seine Werke im Handumdrehen auf dem Markt ein. Anders ist das beim neuesten Schriftstück „Überman“ auch nicht. Wieder einmal hinterlässt Jaud ein lustiges Werk, das den allgemeinen Tonus von Unterhaltung mitten ins Schwarze trifft.

Simon Peters in Bestform

Zum dritten Mal schon treffen wir in einem Jaud-Roman auf einen verplanten, Anekdoten speienden Hauptakteur namens Simon Peters. Dieser wurde einst mit dem Romandebüt des Autors eingeführt und 2007 in „Millionär“ ganz nach dem Titel mit Reichtum behäuft. Davon jedoch ist im Jahr 2012 leider nicht mehr viel übrig. Einen großen Anteil daran trägt Finanzberater Sarantakos, der Peters irgendwie zu nicht ganz so lukrativen Investitionen geraten hat. Rumänische Mischwälder sind sicher eine schöne Sache, nur werfen sie eben nichts Bares ab. Gleiches gilt für Magerschweine, in deren Haltung ebenfalls eine Menge Geld geflossen ist. Von den Flugzeugturbinen, die irgendwo im Nirgendwo produziert werden sollten, mag man gar nicht sprechen.

Das Finanzamt und Annabelle im Rücken

Summa Summarum steht ein stattlicher Verlust von über 200 Prozent im Raum, denn auch das Finanzamt möchte seinen Anteil. Hinzu kommt auch noch Freundin Annabelle, deren Studium ja irgendwie finanziert werden muss und die langsam aber sicher merkt, dass irgendetwas nicht im Reinen ist. So schickt Autor Jaud, der erstmals auch als Sprecher sein Werk an den Leser bringt, den Protagonisten auf eine eigenartige Suche nach Geldbeschaffungsmöglichkeiten. Diese sind mehr kurios als ernst gemeint. Weder der Versuch Promikoch Jamie Oliver zu verklagen noch jener in das Ende der Welt zu investieren, scheinen zu fruchten. Einzig die Wandlung in einen „Überman“ kann Peters noch zurück in die richtige Bahn bringen.

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von Hirschhausen - Wohin geht die LiebeManche Comedians sind einfach lustig. Mit Bezug auf ihren Unterhaltungswert kann es keine Zweifel geben, Fans werden diese eh nicht zulassen. Für mich persönlich ist Eckart von Hirschhausen so ein Fall. Der Doktor unter den Komikern hatte mich genau genommen schon mit seinem ersten Buch und dem ersten Auftritt, den ich von ihm gesehen habe, für sich gewonnen. Woran das liegt, ist auch an seinem neuen Titel  „Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?“ erkennbar. von Hirschhausen schreibt über Menschen, um Menschen zum Lachen zu bringen. Er zeigt uns die Tücken unseres Lebens und spielt mit seinen Kenntnissen darüber. Das zusammen ergibt eine unterhaltsame Mischung.

Sympathischer Kerl mit gehobenem Humor

Eigentlich ist von Hirschhausens Hauptbetätigungsfeld ja die Medizin. Er hat seine Fähigkeiten aber dazu genutzt, mit ihnen Leute zu unterhalten und als Comedian wesentlich mehr Aufsehen zu erregen. Der gebürtige Hesse, der schon seit frühen Tagen zum Berliner geworden ist, benutzt die Medizin für sein Bühnenprogramm und bringt dem Laien so die Grundsätze seines Fachs näher. Seine hohe Fachkompetenz beweisen Fachtermini, die er aber für den Otto-Normalverbraucher ins Verständliche übersetzt. Zentral bleibt dabei immer das gesellschaftliche Zusammenleben, welches manch komische Situation parat hält und sich unter anderem neurologisch erklären lässt. Dass von Hirschhausen dabei zumindest metaphysisch nicht unter die Gürtellinie geht, macht ihn ebenso sympathisch wie das freundliche Lächeln, welches all seine Auftritte kennzeichnet.

Das Leben schreibt die besten Geschichte

Auf der knapp 80-minütigen Hörbuchfassung, die der Autor höchstpersönlich eingesprochen hat, zeigt sich wieder einmal, wo sich die lustigsten Geschichten abspielen. Es ist das Leben, was uns alltäglich zum Lachen bringt und das die besten Momente offenbart. Botox beispielsweise ist vielleicht beliebt in Hollywood, weil es die Stirnfalten platt macht. Das Gefühlsleben leidet aber bei genauer Betrachtung auch unter dem Wundermittel. Liegt die männliche Zuneigung zu Nippeln vielleicht in der Kindheit begründet? Warum sollte man beim ersten Date dorthin fahren, wo ein Stau wartet? Eckart von Hirschhausen besitzt die Antworten auf all jene Fragen, die sich Menschen stellen. Lustig verpackt helfen sie dabei, dass wir auch über uns selbst zu schmunzeln beginnen.

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