...entführen dich in eine andere Welt

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Evers - Wäre ich Du, würde ich mich liebenMan soll ja ein abgelaufenes Kalenderjahr immer mit etwas Positivem abschließen, damit letztlich auch gut ins neue gestartet werden kann. Dies gilt selbstverständlich auch für den kulturellen Bereich. Aus diesem Grund soll im heutigen Beitrag nicht alles ganz so ernst genommen und stattdessen besser mal ein wenig gelacht werden. Lauscht man den 350 Minuten pure Unterhaltung des Berliners Horst Evers, wird man aus der Erheiterung gar nicht mehr herauskommen. Zu lustig charakterisieren sich seine 65 Tracks, die vor Anekdoten und Neologismen nur so strotzen. Evers philosophiert in Wäre ich Du, würde ich mich lieben über verschiedene Elemente unseres Lebens, vor allem auch über dieses selbst.

Horst Evers – Ein Studienabbrecher mit Unterhaltungstalent

Germanistik und Sozialkunde hat der heute 46-jährige Kabarettist an der Freien Universität zu Berlin studiert. Ein Abschluss findet sich nicht in seiner Vita. Das scheint aber kein Muss, um erfolgreich mit Worten unterhalten zu können. Mehrfach schon hat Horst Evers das bewiesen, in „Für Eile fehlt mir die Zeit“ und „Der König von Berlin“. Dementsprechend zuverlässig entführt er uns auch jetzt wieder in seine Gedanken über die mehr oder weniger normalen Sachen unserer Welt. Themen wie die Pünktlichkeit bei der Deutschen Bahn und die Zuverlässigkeit beim Bau des Hauptstadtflughafen werden angesprochen und ausgeführt, teilweise karikiert, dies aber stets mit Stil.

Horst Evers – Ein Erzähler, der einem nichts aufzwingt

So sehr Horst Evers seine Leser und Zuhörer auch mit auf die Reise nimmt, so wenig versucht er ihnen etwas aufzuzwingen. Es steckt halt auch bei der noch so übertriebenen Ausformung der eigenen Gedanken immer noch ein Funke Wahrheit verborgen, durch den wir ihm und seinen Ansichten irgendwie immer zustimmen müssen. Ohne Frage ist die elektronische Zahnbürste eine tolle Erfindung, ein sich selbst ausleerende Mülleimer wäre aber definitiv auch eine langjährige Forschung wert. Es sind die banalen Phänomene des Alltags, die Evers in „Wäre ich Du, würde ich mich lieben“ interessieren und die er auf komische Art und Weise problematisiert.

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Heldt - Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnnen!Dora Heldt ist ohne Frage eine der erfolgreichsten Autorinnen, die sich in den letzten Jahren an die Spitze der Bestsellerlisten geschoben haben. Ihre Werke um Menschen, die sich auch im Bekanntenkreis oder gar in der eigenen Familie jedes einzelnen Lesers wiederfinden könnten, treffen den Tonus der Leserschaft. Auch mit ihrem neuen Werk ist sie wieder einmal in der oberen Liga der meistverkauften Stücke angekommen. Dabei hat sie es dieses Mal mit ein bisschen weniger Herzschmerz und innerer Befindlichkeit versucht und stattdessen eine Geschichte geschaffen, die durchaus einen gewissen gesellschaftlichen Gehalt mit sich bringt. „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!“ ist eine erfrischende Mixtur aus Unterhaltung und Sozialkritik, die 220-minütige Hörbuchfassung geht herunter wie Butter.

Zwei Rentner auf einem Abzocktrip

Von Charlotte, Inge und Christine, die sonst fest zum Repertoire in der Familienbüchern der Dora Heldt gehören, erfährt der Zuhörer dieses Mal eher weniger. Zentraler sind die beiden, ebenfalls aus den Papa-Büchern bereits bekannten, Rentner Heinz und Walter. Letzterer hat in einem Gewinnspiel eine luxuriöse Reise ergattert und dank eines Tricks gelingt es ihm, den neidischen Heinz gleich mit in den Reisebus zu bringen. In diesem sollten eigentlich nur exklusive Gäste sitzen. Von Beginn an ist klar, dass die versprochene Gesellschaft sich als alles andere als exklusiv charakterisiert. Nur Finchen, in etwa im Alter der zwei, und ihre Nichte Johanna scheinen ein Lichtblick.

Heikle Immobilienversprechungen

Während Finchen die Reise mit dem Plan angetreten ist, ihre Begleiterin wieder mit dem Ehemann zu versöhnen, will Radiojournalistin Johanna hinter die betrügerische Abzocke der Kaffeefahrt gelangen. In der Tat geben auch die Unterkunft, die ein heruntergekommenes Landgut anstatt eines Luxusdomizils für die Gäste bereithält und die Versorgung während der Fahrt bereits erste Aufschlüsse. Wiener auf Papptellern anstatt Kaviar und Co. Selbst für die Getränke sollen die Reisenden plötzlich bezahlen. Auf einmal ist dann auch von einer Ferienanlage die Rede, die bei hohen Investitionen lukrative Renditen verspricht. Als wäre das nicht schon des Guten zu viel, macht die Reisegruppe auch noch einen mysteriösen Leichenfund.

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Ist das ein Witz?Comedian Eckart von Hirschhausen zählt ja nicht umsonst zu den besten seiner Zunft. Er ist auch einer der wenigen deutschen Komiker, die sich nicht dem Obszönen hingeben müssen, um lustig zu sein. Nein, das gelingt dem Doktor auch mit dem bloßen Erzählen über Aspekte des menschlichen Lebens. Dieses betrachtet von Berufszwecken auch Literaturkritiker Hellmuth Karasek, der es auch schon mal schafft, eine eigentlich politisch orientierte Abendveranstaltung in eine Plattform zum Anpreisen neuer literarischer Errungenschaften umzugestalten. Was kann einen da erwarten, wenn die Beiden auch noch aufeinander treffen? Lustiges lautet die Antwort, wenngleich es beim Titel „Ist das ein Witz“ noch nicht ganz so offensichtlich wird.

Eine gute Stunde, in der man ständig lacht

Dass von Hirschhausen lustig ist, sollte aufgrund seiner sehr erfolgreichen Berufskarriere klar sein. Interessanterweise ist aber auch der sonst so analytische Kommentar von Karasek gelegentlich komischer als man es erwarten könnte. In diesem Experiment nun treffen die zwei Autoren in Berlin zusammen und erzählen sich wie zwei Freunde einen Witz nach dem anderen. Dabei werden Literatur, aber auch andere Bereiche unseres Lebens angesprochen. Niemand, so die zwei Protagonisten, wusste vorab, wo das Ganze hinführt. Die Antwort steht fest, man bekommt über eine Stunde was zum Lachen.

Zwei, die perfekt improvisieren

Klar könnte man davon ausgehen, dass es sich um vorher Abgesprochenes handelt und so auch die gegenseitigen Reaktionen aufeinander abgestimmt waren. Wer jedoch das Aufeinandertreffen gesehen hat, weiß, dass hier nichts vereinbart war, sondern sowohl Karasek als auch von Hirschhausen einfach mal los gewitzelt haben. Das Hörbuch ist ein Livemitschnitt des Meetings. Auch auf diesem wird deutlich, dass hier zwei Veteranen der Improvisationskunst ins gemeinsame Gespräch kamen. Dass sie dabei ordentlich Spaß gehabt haben dürften, sollte angesichts des Resultats eigentlich niemand bezweifeln. Die Stimmung ist einfach durchweg amüsant.

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Tommy Jaud – Überman

Benjamin Jendro

27.November
2012

Jaud - ÜbermanManche Autoren schaffen es einfach mit Anhieb und ihrem ersten schriftstellerischen Versuch sofort beim Leser einzuschlagen. Während man in früheren Jahrhunderten die Werke eines Goethe erst einige Jahre später so wirklich zu schätzen wusste, ist das Geschäft heute wesentlich schnelllebiger. Man bringt ein Werk heraus, das nicht selten auf einer scheinbar banalen Idee basiert und schon kann man binnen weniger Wochen zum absoluten Massenautor wachsen, wobei man eher von einem Autor für die Masse sprechen sollte. Tommy Jaud ist so ein Fall. Als Gagschreiber fungierte er bereits für viele hochtragende Comedians, ehe er sich 2004 erstmals als Romanautor versuchte. Wie damals „Vollidiot“ schlugen alle seine Werke im Handumdrehen auf dem Markt ein. Anders ist das beim neuesten Schriftstück „Überman“ auch nicht. Wieder einmal hinterlässt Jaud ein lustiges Werk, das den allgemeinen Tonus von Unterhaltung mitten ins Schwarze trifft.

Simon Peters in Bestform

Zum dritten Mal schon treffen wir in einem Jaud-Roman auf einen verplanten, Anekdoten speienden Hauptakteur namens Simon Peters. Dieser wurde einst mit dem Romandebüt des Autors eingeführt und 2007 in „Millionär“ ganz nach dem Titel mit Reichtum behäuft. Davon jedoch ist im Jahr 2012 leider nicht mehr viel übrig. Einen großen Anteil daran trägt Finanzberater Sarantakos, der Peters irgendwie zu nicht ganz so lukrativen Investitionen geraten hat. Rumänische Mischwälder sind sicher eine schöne Sache, nur werfen sie eben nichts Bares ab. Gleiches gilt für Magerschweine, in deren Haltung ebenfalls eine Menge Geld geflossen ist. Von den Flugzeugturbinen, die irgendwo im Nirgendwo produziert werden sollten, mag man gar nicht sprechen.

Das Finanzamt und Annabelle im Rücken

Summa Summarum steht ein stattlicher Verlust von über 200 Prozent im Raum, denn auch das Finanzamt möchte seinen Anteil. Hinzu kommt auch noch Freundin Annabelle, deren Studium ja irgendwie finanziert werden muss und die langsam aber sicher merkt, dass irgendetwas nicht im Reinen ist. So schickt Autor Jaud, der erstmals auch als Sprecher sein Werk an den Leser bringt, den Protagonisten auf eine eigenartige Suche nach Geldbeschaffungsmöglichkeiten. Diese sind mehr kurios als ernst gemeint. Weder der Versuch Promikoch Jamie Oliver zu verklagen noch jener in das Ende der Welt zu investieren, scheinen zu fruchten. Einzig die Wandlung in einen „Überman“ kann Peters noch zurück in die richtige Bahn bringen.

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von Hirschhausen - Wohin geht die LiebeManche Comedians sind einfach lustig. Mit Bezug auf ihren Unterhaltungswert kann es keine Zweifel geben, Fans werden diese eh nicht zulassen. Für mich persönlich ist Eckart von Hirschhausen so ein Fall. Der Doktor unter den Komikern hatte mich genau genommen schon mit seinem ersten Buch und dem ersten Auftritt, den ich von ihm gesehen habe, für sich gewonnen. Woran das liegt, ist auch an seinem neuen Titel  „Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?“ erkennbar. von Hirschhausen schreibt über Menschen, um Menschen zum Lachen zu bringen. Er zeigt uns die Tücken unseres Lebens und spielt mit seinen Kenntnissen darüber. Das zusammen ergibt eine unterhaltsame Mischung.

Sympathischer Kerl mit gehobenem Humor

Eigentlich ist von Hirschhausens Hauptbetätigungsfeld ja die Medizin. Er hat seine Fähigkeiten aber dazu genutzt, mit ihnen Leute zu unterhalten und als Comedian wesentlich mehr Aufsehen zu erregen. Der gebürtige Hesse, der schon seit frühen Tagen zum Berliner geworden ist, benutzt die Medizin für sein Bühnenprogramm und bringt dem Laien so die Grundsätze seines Fachs näher. Seine hohe Fachkompetenz beweisen Fachtermini, die er aber für den Otto-Normalverbraucher ins Verständliche übersetzt. Zentral bleibt dabei immer das gesellschaftliche Zusammenleben, welches manch komische Situation parat hält und sich unter anderem neurologisch erklären lässt. Dass von Hirschhausen dabei zumindest metaphysisch nicht unter die Gürtellinie geht, macht ihn ebenso sympathisch wie das freundliche Lächeln, welches all seine Auftritte kennzeichnet.

Das Leben schreibt die besten Geschichte

Auf der knapp 80-minütigen Hörbuchfassung, die der Autor höchstpersönlich eingesprochen hat, zeigt sich wieder einmal, wo sich die lustigsten Geschichten abspielen. Es ist das Leben, was uns alltäglich zum Lachen bringt und das die besten Momente offenbart. Botox beispielsweise ist vielleicht beliebt in Hollywood, weil es die Stirnfalten platt macht. Das Gefühlsleben leidet aber bei genauer Betrachtung auch unter dem Wundermittel. Liegt die männliche Zuneigung zu Nippeln vielleicht in der Kindheit begründet? Warum sollte man beim ersten Date dorthin fahren, wo ein Stau wartet? Eckart von Hirschhausen besitzt die Antworten auf all jene Fragen, die sich Menschen stellen. Lustig verpackt helfen sie dabei, dass wir auch über uns selbst zu schmunzeln beginnen.

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Moritz Netenjakob – Der Boss

Benjamin Jendro

28.August
2012

Moritz Netenjakob - Der BossWenn man in der Hauptstadt beheimatet ist, bekommt man des Öfteren einen Eindruck davon, wie das Zusammenleben von Deutschen und Türken abläuft. Natürlich gibt es einige Ausnahmesituationen, die von vielen gleich so umgedeutet werden, man sei ausländerfeindlich und könne einfach nicht friedlich nebeneinander leben. Dass dieses Nebeneinander aber längst zu einem gemeinsamen Leben gewachsen ist, beachten die Wenigsten. Beide Seiten profitieren vom kulturellen Austausch. Längst hat der Großteil der einheimischen Menschen diejenigen, die einen anderen Geburtsort haben, akzeptiert. Dass kulturell gesehen aber immer noch Unterschiede vorhanden sind und man beim Kontakt miteinander auch mal auf komische Art und Weise zusammenstoßen kann, ist ein regelmäßiges Alltagsszenario. Die TV-Serie „Türkisch für Anfänger“, die es mittlerweile auch auf die Kinoleinwand geschafft hat, versinnbildlichte dies in besonderem Maße. Gleiches gilt für Comedian Moritz Netenjakob, der mit „Der Boss“ bereits sein zweites Werk veröffentlicht hat.

Längst keine Unbekannte mehr

Der Autor, von dem man literarisch bisher eher weniger vernommen hat und der mit „Macho Man“ erstmals so wirklich in Erscheinung trat, ist bei Weitem keine unbekannte Größe. Ganz im Gegenteil. Seit gut zwanzig Jahren ist er bereits für das Fernsehen tätig, schrieb reihenweise Sketche und unzählige Bühnenstücke für angesagte Stars wie Pastewka, von Sinnen oder Hoëcker. Auch bei den Drehbüchern für einige Serien werkelte er fleißig mit. Hinzu kommen vereinzelte Gastauftritte, so dass sein Gesicht bestimmt schon mal dem einen oder anderen vor die Augen gelaufen ist. In seinem zweiten Roman nun spüren wir die ganz Klasse seines Handwerkes. Thema ist der eingangs erwähnte Austausch von Türken und Deutschen, den er in parodistischer Weise bis an das Optimum des Komischen heranführt.

Die alles entscheidende Frage war nur der Anfang

Endlich hat Aylin ja gesagt, Daniel ist am Ziel seiner Träume. Was er nicht bedacht hat, sind die zahlreichen Überraschungen, die fortan auf ihn einprasseln. Da wären zum Beispiel die 374 Familienmitglieder, die alle ihren Teil zum erfolgreichen Fest beitragen wollen. Wie er ihnen gerecht werden soll, weiß er selbst noch nicht so wirklich. So muss er unter anderem die eine Tante belügen, damit ein anderer Onkel nicht gleicht beleidigt ist. Auch seine Eltern sind bei allem Trubel keine große Hilfe. Sie mögen Aylin, wirken bei der übertriebenen Fürsorge für das Ausländische aber schon wieder verdammt ausländerfeindlich. Das eigenartig wirkende Gespräch über Sexualität ist da nur ein Aspekt von vielen. Wie zum Teufel sollen Muslime und Atheisten zusammen das Weihnachtsfest verbringen? Was wäre die passende Hochzeitsreise? Viele Fragen die sich ihm stellen und gleichzeitig viele Episoden, die den Zuhörer ordentlich zum Lachen bringen.

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Rita Falk – Dampfnudelblues

Benjamin Jendro

2.August
2012

Rita Falk DampfnudelbluesBei einigen Werken fällt es immer schwer, sie einer Rubrik zuzuordnen. Bei Rita Falk beispielsweise hat man nie so wirklich eine Ahnung, was die Autorin mit ihrer Reihe um Kommissar Franz Eberhofer so wirklich erreichen möchte. In „Dampfnudelblues“ deuten viele Aspekte auf eine Art Comedy hin, die den Leser versucht mit hübschen Anekdoten zum Lachen zu bewegen. In diese Interpretation passt auch der Sprecher des Hörbuchs Christian Tramitz. Dem entgegen springt das Thema, ein mysteriöser Mordfall, den es aufzuklären gilt und der ein ganzes Dorf in Atem hält. Ein Realschulrektor erscheint nicht zum Unterricht, vor Ort ziert eine böse Botschaft die Szenerie und kurze Zeit später findet man ihn zerteilt auf Bahngleisen.

Bayrische Idylle durch eine Winzigkeit gestört

Eigentlich geht es inmitten des niederbayrischen Niederkaltenkrichen eher gesittet zu. Doch nachdem die Worte „Stirb, Du Sau“ auf einer Rauputzwand zu sehen sind und diese in Verbindung mit dem Verschwinden des Pädagogen Höpfl  gebracht werden, herrscht schon ein gewisser Trubel. Der Lehrer ist zwar keinesfalls beliebt, den Tod wünscht ihm aber wohl niemand. Dass es sich dabei um einen Irrtum handelt, zeigt sein zerteilter Körper auf Bahngleisen. Die Ermittlungen im Mordfall übernimmt wieder einmal der skurrile Franz Eberhofer, den Fans von Rita Falk bereits aus „Winterkartoffelknödel“ kennen. Dieser glänzt mehr mit persönlichen Geschichten als durch erfolgreiche Ermittlungsarbeit.

Das viele Drumherum ist das eigentliche Highlight

Wenngleich der Krimi, als der das Werk deklariert wird, durchaus mit einem mysteriösen Mordfall auf sich aufmerksam macht, sind es doch in erster Linie die Randgeschichten um den Hauptprotagonisten, die für den Unterhaltungswert sorgen. Ein Mord in einem kleinen Provinznest in Bayern ist zwar durchaus einen Blick auf das Geschehen wert. Viel entscheidender scheinen aber Eberhofers Vorliebe für den Leberkäse der liebevollen Oma und das zerrüttete Verhältnis zum Rest der Familie. Erwähnenswert wirkt auch seine Beziehung zu Susi, die ein wenig verändert aus dem Italienurlaub heimkehrt. Selbst, wenn das alles nichts mit dem Mord an Höpfl zu tun hat, wirken diese Nebengeschichten doch systematisch für die Autorin. Sie schafft es so, zahlreiche Leser und auch Zuhörer zu begeistern.

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Moritz Matthies – Ausgefressen

Benjamin Jendro

5.Juli
2012

Manche Geschichten sind einfach zu gut, um nicht erzählt zu werden. Ganz sicher hat sich Autor Moritz Matthies dies auch gedacht und sich einfach einmal an ein Gedankenexperiment herangewagt, welches eigentlich viel zu banal klingt, um wahr zu sein. Dass Tiere sprechen können, scheint uns im Regelfall fragwürdig und dennoch findet diese Thematik Eingang in die unterschiedlichsten Filmproduktionen. Bei Matthies´ „Ausgefressen“ können sie nicht nur das, sie sind zudem in der Lage, Kriminalfälle zu lösen. Erklärt wird dies von Hauptprotagonist Ray ganz einfach. Schon in der genetischen Ausrichtung sei es Erdmännchen einfach in die Wiege gelegt, zu schnüffeln, zu observieren und Spuren zu lesen.

So abstrus es klingt, so lustig kommt es durch die Stimme von Comedian Christoph-Maria Herbst durch die Lautsprecher. Im Berliner Zoo fühlen sich die Erdmännchen längst nicht mehr ausgelastet, gar unterfordert seien sie und genervt von den täglichen Strapazen, die Schaulustige mit ihren Kamerablitzen so mit sich bringen. Ray und Co. haben sich deshalb eine neue Beschäftigungstherapie verordnet – sie wollen dabei helfen, eine vermisste Person wiederzufinden. Dass es im Rudel momentan um einen Konkurrenzkampf in Bezug auf den Posten des nächsten Clanchefs geht, spielt dabei eine amüsante Nebenrolle. Eine menschliche Komponente gibt es im Werk auch noch, wobei Privatdetektiv Phil nach einen paar Schlücken aus seinem Flachmann selbst zum Teil des Rudels wird.

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Sarah Kuttner – Wachstumsschmerz

Benjamin Jendro

28.Juni
2012

Sarah Kuttner ist sehr wahrscheinlich eher Moderatorin als Schriftstellerin, doch die Frische ihres Ausdrucks findet sich allen Medien wieder. Nach „Mängelexemplar“ schickt sie in “Wachstumsschmerz” erneut eine unsichere Protagonistin in die große weite Welt, um sich dem Leben zu stellen. Der stille Widerstand gegen das Erwachsenwerden ist ihr Thema, das sie mit den Beziehungsproblematiken eines jungen Paares verknüpft.

Flo und Luise planen ihr eigenes Leben. Die anfängliche Euphorie endet mit ihrem Einzug in ihre eigene Wohnung. Die Momente des unbeschwerten Lachens enden mit den Problemen eines eigenverantwortlichen Haushalts. Die gesellschaftlichen Maßregelungen setzen beide unter Druck. Luise vermisst das Kindsein und zerbricht beinahe an den neuen Anforderungen. Gereizt und zickig begegnet sie Flo, der ihr Verhalten nicht einzuordnen weiß und aus Resignation schweigt. Das erste Drittel des Lebens ist vollbracht und die kommenden zwei liegen ungewiss vor ihnen wie ein ungesichertes Mienenfeld.

Kuttner quasselt, wie bereits im letzten Roman, einfach darauf los. Leider fehlt ihr ein wenig das passende Konzept, das der eigentlich guten Grundidee, die rechte Würze verliehen hätte. Ihr Stärke liegt in der zynischen wie auch sarkastischen Beobachtung von sich selbst und ihrer Umgebung. In ihren Fragestellungen erkennt sich jeder wieder und findet darum auch schnellen Anschluss an ihre Geschichten. Ihr Stimmeinsatz jedoch ist unbestritten großes Entertainment.

 

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Terry Pratchett – Alles Sense

Benjamin Jendro

1.Juni
2012

Hörbuchcover "Alles Sense"Alles Sense“ ist ein kurioses Fantasyvergnügen, wie es selten veröffentlicht wird. Terry Pratchett erzählt nicht von sagenhaften Abenteuern, sondern von abnormen Persönlichkeiten, deren Geschichten immer wieder zum Lachen verführen. Was passiert, wenn der Tod arbeitslos wird oder ein Zauberer nicht wie vorhergesagt stirbt, obwohl er doch eigentlich bereit wäre? Dem geht Pratchett frei von konventionellen Vorstellungen auf dem Grund und unterhält prächtig dabei.

Windle Poons, seines Zeichen Zauberer, hat ein Problem: Das Dasein des Zauberers hat den unbestrittenen Vorteil, seinen Todestag zu kennen. Seine Vorbereitungen hatte er gut getroffen. Seine Freunde waren informiert und auch die obligatorische Bürokratie hatte er hinter sich gebracht. Dumm nur, wenn der versprochene Todesschlaf nur eine Nacht anhält. Windle Poons erwacht und befindet sich leider nicht im Paradies, sondern im bereits weitervermieteten alten Zimmer, das er bis dato bewohnt hatte. Der Campus der Unsichtbaren Universität hat in diesem Moment allerdings ganz andere Sorgen als einen halbtoten Zauberer. Alles verschlingende Komposthaufen erscheinen aus dem Nichts auf dem Gelände und machen den Bewohnern das Leben schwer. Erzkanzler Ridcully, der Dekan und der Quästor suchen fieberhaft nach einer Lösung während anderenorts der Tod auf Arbeitssuche geht. Dieser wurde nämlich vom Dienst suspendiert und sitzt jetzt im selben Boot wie alle Menschen. Auch sein Leben ist nun vergänglich. So ist er angehalten, die restliche Zeit bestmöglich zu nutzen. Aufgrund seiner Vorkenntnisse im Umgang mit der Sense wird er auf einer Farm als Erntehelfer eingestellt. Es ist zwar sehr ungewöhnlich, dass er jeden Halm einzeln mäht, aber die Effizienz überzeugt trotzdem. Nachdem der neue Tod ihn besucht und sich als selbstherrlich und arrogant darstellt, entscheidet er sich dazu, um seine alte Position zu kämpfen.

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