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Dieter Nuhr – Nuhr ein Traum

Benjamin Jendro

10.Dezember
2013

Nuhr - Nuhr ein TraumDieter Nuhr zählt zu den ganz großen Comedians unseres Landes. Vollkommen zurecht, wie der Blogautor meint. Seine Witze mögen nicht immer auf den ersten Blick lustig sein, auf den zweiten spätestens aber sind sie es. Dieter Nuhr schafft es, seine Anekdoten geschickt zu verpacken. Eben so, dass man zunächst einmal etwas reflektieren muss, bevor die Lachmuskeln ins Zucken geraten. Nuhr ein Traum ist nicht sein erstes Hörbuch, der Mann hat bereits des Öfteren Platz in den Bestsellerlisten genommen. Der Live-Mitschnitt seines Bühnenprogramms aber hebt den Comedian Nuhr auf einen noch höher einzustufenden Level.

Ist unser Leben „Nuhr ein Traum“?

Dass wir Menschen gerne träumen, ist an sich keine besonders bemerkenswerte Erkenntnis. Die Fragen, die sich Nuhr für seine neuen Gags gestellt hat, sind aber tiefgreifender. Was ist, wenn wir generell nichts anderes mehr machen als zu träumen? Was ist, wenn wir träumen anstatt zu leben und die Traumwelt als Realität hinnehmen? Betrügen wir uns in unserem alltäglichen Leben nicht immer wieder neu, weil wir Sachen hinnehmen, die uns vorgegaukelt werden, obwohl sie gar nicht real sind? Na ja so ganz unreal ist das nicht. Schließlich weiß man bei der täglich gigantisch erscheinenden Nachrichtenflut im Internet ja gar nicht mehr so wirklich zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.

Nuhr ein Traum – 70 Minuten Unterhaltung pur

70 Minuten dauert das von Nuhr vorgetragene Programm. In diesem geht es um vieles, eigentlich um alles, was die heutige Gesellschaft so interessiert. „Nuhr ein Traum“ erzählt Geschichten über Religion, über das Zölibat, Jesus und die Zeugen Jehovas. Auch Demokratie und Weltpolitik an sich werden komisch abgehandelt. Nuhr spricht auch über innovative Fortbewegungsmittel, über das Schuldenmachen und Handystrahlung. Er redet über Angela Merkel und Jogi Löw, über Österreicher und den Schlimmsten von ihnen, der je einen Fuß nach Deutschland gesetzt hat. Das Leben an sich muss reflektiert werden und mit ihm Themen wie Ernährung, Freundschaft, Liebe und Tod. Komprimiert in 70 Minuten ist das durchaus hörenswert.

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Asterix – Der Gallier

Benjamin Jendro

29.Oktober
2013

Asterix - Der GallierIn der vergangenen Woche kamen die Comicfans des Landes nach langen Wartejahren endlich wieder in den Genuss eines ihrer Lieblingshelden. Ein kleiner Mann mit blondem Haar und teilweise übernatürlichen Kräften begeistert seine Leser, Zuschauer und Zuhörer bereits seit dem Jahr 1959. Nun im Jahr 2013 folgt der 34 Nachkömmling des primären Werkes und zugleich der erste Comic, bei dem Künstler Albert Uderzo nicht seine großen Fähigkeiten mit im Spiel hatte. Gemeinsam mit Schreiber René Goscinny hat er jahrelang den Grundstein dafür gelegt, dass auch „Asterix bei den Pikten“ enorm schnell seine Verbreitung fand. Grund genug, doch noch einmal auf den ersten Band „Asterix – Der Gallier“ zurückzublicken.

Ein Dorf, dessen Widerstand gebrochen werden muss

50 Jahre vor unserer christlichen Zeitrechnung haben sich die Römer im Werk bereits ordentlich ausbreiten können. Damit halten sich die Macher schon recht nah an die realen historischen Verhältnisse. Ein Dorf jedoch scheint noch immer enormen Widerstand zu leisten. Grund dafür ist ein Druide, der mit einem magischen Zaubertrank gewöhnliche Gallier zu unüberwindbaren Kampfmaschinen werden lässt. Irgendwann sind die Römer hinter dieses Geheimnis gekommen und da ihnen eben jener Miraculix im Wald in die Falle geht, scheinen sie dem großen Ziel näher zu kommen. Unter Folter verlangen sie von ihm, ihnen das mächtige Gebräu aufzutischen. Doch der Druide ist derart gewitzt, dass er ihnen ein ganz anderes Süppchen kocht.

Asterix eilt zur Hilfe

Eine der weiteren Hauptfiguren, Obelix, der bekanntermaßen als kleines Kind in den Kessel gefallen ist und deshalb ohnehin über gigantische Kräfte verfügt, spielt im ersten Band keine allzu große Rolle. Dafür aber Asterix, der bei der Suche nach Miraculix selbst in römische Hände gelangt. Gemeinsam mit dem Druiden mischt er den Römern einen Zaubertrank, der ihre Haare ungebremst wachsen lässt. Statt dem großen Cäsar dann die gefangenen Gallier zu präsentieren, trifft der legendäre Kaiser auf eine Kolonie bärtiger Soldaten und schenkt uns so einen lustigen Auftakt einer Comic-, Film- und Hörbuchreihe, die einfach jeder mal erlebt haben sollte.

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Heldt - Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnnen!Dora Heldt ist ohne Frage eine der erfolgreichsten Autorinnen, die sich in den letzten Jahren an die Spitze der Bestsellerlisten geschoben haben. Ihre Werke um Menschen, die sich auch im Bekanntenkreis oder gar in der eigenen Familie jedes einzelnen Lesers wiederfinden könnten, treffen den Tonus der Leserschaft. Auch mit ihrem neuen Werk ist sie wieder einmal in der oberen Liga der meistverkauften Stücke angekommen. Dabei hat sie es dieses Mal mit ein bisschen weniger Herzschmerz und innerer Befindlichkeit versucht und stattdessen eine Geschichte geschaffen, die durchaus einen gewissen gesellschaftlichen Gehalt mit sich bringt. „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!“ ist eine erfrischende Mixtur aus Unterhaltung und Sozialkritik, die 220-minütige Hörbuchfassung geht herunter wie Butter.

Zwei Rentner auf einem Abzocktrip

Von Charlotte, Inge und Christine, die sonst fest zum Repertoire in der Familienbüchern der Dora Heldt gehören, erfährt der Zuhörer dieses Mal eher weniger. Zentraler sind die beiden, ebenfalls aus den Papa-Büchern bereits bekannten, Rentner Heinz und Walter. Letzterer hat in einem Gewinnspiel eine luxuriöse Reise ergattert und dank eines Tricks gelingt es ihm, den neidischen Heinz gleich mit in den Reisebus zu bringen. In diesem sollten eigentlich nur exklusive Gäste sitzen. Von Beginn an ist klar, dass die versprochene Gesellschaft sich als alles andere als exklusiv charakterisiert. Nur Finchen, in etwa im Alter der zwei, und ihre Nichte Johanna scheinen ein Lichtblick.

Heikle Immobilienversprechungen

Während Finchen die Reise mit dem Plan angetreten ist, ihre Begleiterin wieder mit dem Ehemann zu versöhnen, will Radiojournalistin Johanna hinter die betrügerische Abzocke der Kaffeefahrt gelangen. In der Tat geben auch die Unterkunft, die ein heruntergekommenes Landgut anstatt eines Luxusdomizils für die Gäste bereithält und die Versorgung während der Fahrt bereits erste Aufschlüsse. Wiener auf Papptellern anstatt Kaviar und Co. Selbst für die Getränke sollen die Reisenden plötzlich bezahlen. Auf einmal ist dann auch von einer Ferienanlage die Rede, die bei hohen Investitionen lukrative Renditen verspricht. Als wäre das nicht schon des Guten zu viel, macht die Reisegruppe auch noch einen mysteriösen Leichenfund.

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Ist das ein Witz?Comedian Eckart von Hirschhausen zählt ja nicht umsonst zu den besten seiner Zunft. Er ist auch einer der wenigen deutschen Komiker, die sich nicht dem Obszönen hingeben müssen, um lustig zu sein. Nein, das gelingt dem Doktor auch mit dem bloßen Erzählen über Aspekte des menschlichen Lebens. Dieses betrachtet von Berufszwecken auch Literaturkritiker Hellmuth Karasek, der es auch schon mal schafft, eine eigentlich politisch orientierte Abendveranstaltung in eine Plattform zum Anpreisen neuer literarischer Errungenschaften umzugestalten. Was kann einen da erwarten, wenn die Beiden auch noch aufeinander treffen? Lustiges lautet die Antwort, wenngleich es beim Titel „Ist das ein Witz“ noch nicht ganz so offensichtlich wird.

Eine gute Stunde, in der man ständig lacht

Dass von Hirschhausen lustig ist, sollte aufgrund seiner sehr erfolgreichen Berufskarriere klar sein. Interessanterweise ist aber auch der sonst so analytische Kommentar von Karasek gelegentlich komischer als man es erwarten könnte. In diesem Experiment nun treffen die zwei Autoren in Berlin zusammen und erzählen sich wie zwei Freunde einen Witz nach dem anderen. Dabei werden Literatur, aber auch andere Bereiche unseres Lebens angesprochen. Niemand, so die zwei Protagonisten, wusste vorab, wo das Ganze hinführt. Die Antwort steht fest, man bekommt über eine Stunde was zum Lachen.

Zwei, die perfekt improvisieren

Klar könnte man davon ausgehen, dass es sich um vorher Abgesprochenes handelt und so auch die gegenseitigen Reaktionen aufeinander abgestimmt waren. Wer jedoch das Aufeinandertreffen gesehen hat, weiß, dass hier nichts vereinbart war, sondern sowohl Karasek als auch von Hirschhausen einfach mal los gewitzelt haben. Das Hörbuch ist ein Livemitschnitt des Meetings. Auch auf diesem wird deutlich, dass hier zwei Veteranen der Improvisationskunst ins gemeinsame Gespräch kamen. Dass sie dabei ordentlich Spaß gehabt haben dürften, sollte angesichts des Resultats eigentlich niemand bezweifeln. Die Stimmung ist einfach durchweg amüsant.

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Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Chroniken

Benjamin Jendro

27.Dezember
2012

Kling - Die Känguru-ChronikenDie lange Vorweihnachtszeit zu Ende des Jahres zielt ja stets auf eine besagte Phase hin, die für drei Tage familiäres Miteinander steht. Monatelang bereiten sich sämtliche Geschäfte auf dieses Ereignis vor. Indem wir Geschenke aussuchen, Plätzchen backen und die Wohnung schmücken, verfallen wir diesem Gestus ebenfalls. Das Fest der Liebe dient dann von Heiligabend bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag auch immer dazu, sich untereinander auszutauschen, über neue Erkenntnisse und Interessen. Bei mir gibt es da beispielsweise jemanden, der mich schon vor einigen Jahren mal auf den amüsanten Autor Marc-Uwe Kling gebracht hat. Zu diesem Weihnachten gab es dann schließlich die Audioversion seines ersten Werkes „Die Känguru-Chroniken“ zu hören.

Ein Känguru in einer Berliner Wohnung

So gesehen ist es nicht mein erster Kontakt mit dem Berliner Kabarettisten. Schon vom Folgewerk „Das Känguru-Manifest“ wurde mir erzählt, ich verschlang es anschließend und schaltete auch immer mal wieder das Radio ein, in welchem der ehemalige Philosophiestudent zur Unterhaltung einlud. Worüber Kling mit seinem tierischen Partner debattiert, lässt sich gar nicht so leicht zusammenfassen. Es geht um die Zeit und Ansichten des Herrn Marx, doch auch um die RAF oder aber Idol Bertolt Brecht. Es geht um Drogen, Shoppingwahn und das alltägliche Leben in der Berliner Szene. Kurz gesagt geht es um „Gott und die Welt“ beziehungsweise um alles, über was es sich für Kleinkünstler Kling und seinen Mitbewohner, ein Känguru, zu debattieren lohnt.

Preisgekrönte Kurzgeschichten

Der große Vorteil, den das Werk mit sich bringt, liegt in der Struktur des Besprochenen. Die gut fünf Stunden, die der Autor selbst eingesprochen hat, enthalten mehr als 80 Kurzgeschichten, die allesamt als Anstoß zu sehen sind. Weder kann man die Aussagen des aggressiven, kiffenden Kängurus, das für die Rockgruppe Nirvana und Gammeln auf der Couch steht, allzu ernst nehmen, noch sollte man dies mit den Reaktionen des menschlichen Gegenübers tun. Erwarten kann das Kling ohnehin nicht. Vielmehr scheint es ihm drum zu gehen, den Menschen ihre Welt mal aus einer anderen Perspektive zu zeigen.

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Tommy Jaud – Überman

Benjamin Jendro

27.November
2012

Jaud - ÜbermanManche Autoren schaffen es einfach mit Anhieb und ihrem ersten schriftstellerischen Versuch sofort beim Leser einzuschlagen. Während man in früheren Jahrhunderten die Werke eines Goethe erst einige Jahre später so wirklich zu schätzen wusste, ist das Geschäft heute wesentlich schnelllebiger. Man bringt ein Werk heraus, das nicht selten auf einer scheinbar banalen Idee basiert und schon kann man binnen weniger Wochen zum absoluten Massenautor wachsen, wobei man eher von einem Autor für die Masse sprechen sollte. Tommy Jaud ist so ein Fall. Als Gagschreiber fungierte er bereits für viele hochtragende Comedians, ehe er sich 2004 erstmals als Romanautor versuchte. Wie damals „Vollidiot“ schlugen alle seine Werke im Handumdrehen auf dem Markt ein. Anders ist das beim neuesten Schriftstück „Überman“ auch nicht. Wieder einmal hinterlässt Jaud ein lustiges Werk, das den allgemeinen Tonus von Unterhaltung mitten ins Schwarze trifft.

Simon Peters in Bestform

Zum dritten Mal schon treffen wir in einem Jaud-Roman auf einen verplanten, Anekdoten speienden Hauptakteur namens Simon Peters. Dieser wurde einst mit dem Romandebüt des Autors eingeführt und 2007 in „Millionär“ ganz nach dem Titel mit Reichtum behäuft. Davon jedoch ist im Jahr 2012 leider nicht mehr viel übrig. Einen großen Anteil daran trägt Finanzberater Sarantakos, der Peters irgendwie zu nicht ganz so lukrativen Investitionen geraten hat. Rumänische Mischwälder sind sicher eine schöne Sache, nur werfen sie eben nichts Bares ab. Gleiches gilt für Magerschweine, in deren Haltung ebenfalls eine Menge Geld geflossen ist. Von den Flugzeugturbinen, die irgendwo im Nirgendwo produziert werden sollten, mag man gar nicht sprechen.

Das Finanzamt und Annabelle im Rücken

Summa Summarum steht ein stattlicher Verlust von über 200 Prozent im Raum, denn auch das Finanzamt möchte seinen Anteil. Hinzu kommt auch noch Freundin Annabelle, deren Studium ja irgendwie finanziert werden muss und die langsam aber sicher merkt, dass irgendetwas nicht im Reinen ist. So schickt Autor Jaud, der erstmals auch als Sprecher sein Werk an den Leser bringt, den Protagonisten auf eine eigenartige Suche nach Geldbeschaffungsmöglichkeiten. Diese sind mehr kurios als ernst gemeint. Weder der Versuch Promikoch Jamie Oliver zu verklagen noch jener in das Ende der Welt zu investieren, scheinen zu fruchten. Einzig die Wandlung in einen „Überman“ kann Peters noch zurück in die richtige Bahn bringen.

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von Hirschhausen - Wohin geht die LiebeManche Comedians sind einfach lustig. Mit Bezug auf ihren Unterhaltungswert kann es keine Zweifel geben, Fans werden diese eh nicht zulassen. Für mich persönlich ist Eckart von Hirschhausen so ein Fall. Der Doktor unter den Komikern hatte mich genau genommen schon mit seinem ersten Buch und dem ersten Auftritt, den ich von ihm gesehen habe, für sich gewonnen. Woran das liegt, ist auch an seinem neuen Titel  „Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?“ erkennbar. von Hirschhausen schreibt über Menschen, um Menschen zum Lachen zu bringen. Er zeigt uns die Tücken unseres Lebens und spielt mit seinen Kenntnissen darüber. Das zusammen ergibt eine unterhaltsame Mischung.

Sympathischer Kerl mit gehobenem Humor

Eigentlich ist von Hirschhausens Hauptbetätigungsfeld ja die Medizin. Er hat seine Fähigkeiten aber dazu genutzt, mit ihnen Leute zu unterhalten und als Comedian wesentlich mehr Aufsehen zu erregen. Der gebürtige Hesse, der schon seit frühen Tagen zum Berliner geworden ist, benutzt die Medizin für sein Bühnenprogramm und bringt dem Laien so die Grundsätze seines Fachs näher. Seine hohe Fachkompetenz beweisen Fachtermini, die er aber für den Otto-Normalverbraucher ins Verständliche übersetzt. Zentral bleibt dabei immer das gesellschaftliche Zusammenleben, welches manch komische Situation parat hält und sich unter anderem neurologisch erklären lässt. Dass von Hirschhausen dabei zumindest metaphysisch nicht unter die Gürtellinie geht, macht ihn ebenso sympathisch wie das freundliche Lächeln, welches all seine Auftritte kennzeichnet.

Das Leben schreibt die besten Geschichte

Auf der knapp 80-minütigen Hörbuchfassung, die der Autor höchstpersönlich eingesprochen hat, zeigt sich wieder einmal, wo sich die lustigsten Geschichten abspielen. Es ist das Leben, was uns alltäglich zum Lachen bringt und das die besten Momente offenbart. Botox beispielsweise ist vielleicht beliebt in Hollywood, weil es die Stirnfalten platt macht. Das Gefühlsleben leidet aber bei genauer Betrachtung auch unter dem Wundermittel. Liegt die männliche Zuneigung zu Nippeln vielleicht in der Kindheit begründet? Warum sollte man beim ersten Date dorthin fahren, wo ein Stau wartet? Eckart von Hirschhausen besitzt die Antworten auf all jene Fragen, die sich Menschen stellen. Lustig verpackt helfen sie dabei, dass wir auch über uns selbst zu schmunzeln beginnen.

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Moritz Netenjakob – Der Boss

Benjamin Jendro

28.August
2012

Moritz Netenjakob - Der BossWenn man in der Hauptstadt beheimatet ist, bekommt man des Öfteren einen Eindruck davon, wie das Zusammenleben von Deutschen und Türken abläuft. Natürlich gibt es einige Ausnahmesituationen, die von vielen gleich so umgedeutet werden, man sei ausländerfeindlich und könne einfach nicht friedlich nebeneinander leben. Dass dieses Nebeneinander aber längst zu einem gemeinsamen Leben gewachsen ist, beachten die Wenigsten. Beide Seiten profitieren vom kulturellen Austausch. Längst hat der Großteil der einheimischen Menschen diejenigen, die einen anderen Geburtsort haben, akzeptiert. Dass kulturell gesehen aber immer noch Unterschiede vorhanden sind und man beim Kontakt miteinander auch mal auf komische Art und Weise zusammenstoßen kann, ist ein regelmäßiges Alltagsszenario. Die TV-Serie „Türkisch für Anfänger“, die es mittlerweile auch auf die Kinoleinwand geschafft hat, versinnbildlichte dies in besonderem Maße. Gleiches gilt für Comedian Moritz Netenjakob, der mit „Der Boss“ bereits sein zweites Werk veröffentlicht hat.

Längst keine Unbekannte mehr

Der Autor, von dem man literarisch bisher eher weniger vernommen hat und der mit „Macho Man“ erstmals so wirklich in Erscheinung trat, ist bei Weitem keine unbekannte Größe. Ganz im Gegenteil. Seit gut zwanzig Jahren ist er bereits für das Fernsehen tätig, schrieb reihenweise Sketche und unzählige Bühnenstücke für angesagte Stars wie Pastewka, von Sinnen oder Hoëcker. Auch bei den Drehbüchern für einige Serien werkelte er fleißig mit. Hinzu kommen vereinzelte Gastauftritte, so dass sein Gesicht bestimmt schon mal dem einen oder anderen vor die Augen gelaufen ist. In seinem zweiten Roman nun spüren wir die ganz Klasse seines Handwerkes. Thema ist der eingangs erwähnte Austausch von Türken und Deutschen, den er in parodistischer Weise bis an das Optimum des Komischen heranführt.

Die alles entscheidende Frage war nur der Anfang

Endlich hat Aylin ja gesagt, Daniel ist am Ziel seiner Träume. Was er nicht bedacht hat, sind die zahlreichen Überraschungen, die fortan auf ihn einprasseln. Da wären zum Beispiel die 374 Familienmitglieder, die alle ihren Teil zum erfolgreichen Fest beitragen wollen. Wie er ihnen gerecht werden soll, weiß er selbst noch nicht so wirklich. So muss er unter anderem die eine Tante belügen, damit ein anderer Onkel nicht gleicht beleidigt ist. Auch seine Eltern sind bei allem Trubel keine große Hilfe. Sie mögen Aylin, wirken bei der übertriebenen Fürsorge für das Ausländische aber schon wieder verdammt ausländerfeindlich. Das eigenartig wirkende Gespräch über Sexualität ist da nur ein Aspekt von vielen. Wie zum Teufel sollen Muslime und Atheisten zusammen das Weihnachtsfest verbringen? Was wäre die passende Hochzeitsreise? Viele Fragen die sich ihm stellen und gleichzeitig viele Episoden, die den Zuhörer ordentlich zum Lachen bringen.

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Rita Falk – Dampfnudelblues

Benjamin Jendro

2.August
2012

Rita Falk DampfnudelbluesBei einigen Werken fällt es immer schwer, sie einer Rubrik zuzuordnen. Bei Rita Falk beispielsweise hat man nie so wirklich eine Ahnung, was die Autorin mit ihrer Reihe um Kommissar Franz Eberhofer so wirklich erreichen möchte. In „Dampfnudelblues“ deuten viele Aspekte auf eine Art Comedy hin, die den Leser versucht mit hübschen Anekdoten zum Lachen zu bewegen. In diese Interpretation passt auch der Sprecher des Hörbuchs Christian Tramitz. Dem entgegen springt das Thema, ein mysteriöser Mordfall, den es aufzuklären gilt und der ein ganzes Dorf in Atem hält. Ein Realschulrektor erscheint nicht zum Unterricht, vor Ort ziert eine böse Botschaft die Szenerie und kurze Zeit später findet man ihn zerteilt auf Bahngleisen.

Bayrische Idylle durch eine Winzigkeit gestört

Eigentlich geht es inmitten des niederbayrischen Niederkaltenkrichen eher gesittet zu. Doch nachdem die Worte „Stirb, Du Sau“ auf einer Rauputzwand zu sehen sind und diese in Verbindung mit dem Verschwinden des Pädagogen Höpfl  gebracht werden, herrscht schon ein gewisser Trubel. Der Lehrer ist zwar keinesfalls beliebt, den Tod wünscht ihm aber wohl niemand. Dass es sich dabei um einen Irrtum handelt, zeigt sein zerteilter Körper auf Bahngleisen. Die Ermittlungen im Mordfall übernimmt wieder einmal der skurrile Franz Eberhofer, den Fans von Rita Falk bereits aus „Winterkartoffelknödel“ kennen. Dieser glänzt mehr mit persönlichen Geschichten als durch erfolgreiche Ermittlungsarbeit.

Das viele Drumherum ist das eigentliche Highlight

Wenngleich der Krimi, als der das Werk deklariert wird, durchaus mit einem mysteriösen Mordfall auf sich aufmerksam macht, sind es doch in erster Linie die Randgeschichten um den Hauptprotagonisten, die für den Unterhaltungswert sorgen. Ein Mord in einem kleinen Provinznest in Bayern ist zwar durchaus einen Blick auf das Geschehen wert. Viel entscheidender scheinen aber Eberhofers Vorliebe für den Leberkäse der liebevollen Oma und das zerrüttete Verhältnis zum Rest der Familie. Erwähnenswert wirkt auch seine Beziehung zu Susi, die ein wenig verändert aus dem Italienurlaub heimkehrt. Selbst, wenn das alles nichts mit dem Mord an Höpfl zu tun hat, wirken diese Nebengeschichten doch systematisch für die Autorin. Sie schafft es so, zahlreiche Leser und auch Zuhörer zu begeistern.

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Moritz Matthies – Ausgefressen

Benjamin Jendro

5.Juli
2012

Manche Geschichten sind einfach zu gut, um nicht erzählt zu werden. Ganz sicher hat sich Autor Moritz Matthies dies auch gedacht und sich einfach einmal an ein Gedankenexperiment herangewagt, welches eigentlich viel zu banal klingt, um wahr zu sein. Dass Tiere sprechen können, scheint uns im Regelfall fragwürdig und dennoch findet diese Thematik Eingang in die unterschiedlichsten Filmproduktionen. Bei Matthies´ „Ausgefressen“ können sie nicht nur das, sie sind zudem in der Lage, Kriminalfälle zu lösen. Erklärt wird dies von Hauptprotagonist Ray ganz einfach. Schon in der genetischen Ausrichtung sei es Erdmännchen einfach in die Wiege gelegt, zu schnüffeln, zu observieren und Spuren zu lesen.

So abstrus es klingt, so lustig kommt es durch die Stimme von Comedian Christoph-Maria Herbst durch die Lautsprecher. Im Berliner Zoo fühlen sich die Erdmännchen längst nicht mehr ausgelastet, gar unterfordert seien sie und genervt von den täglichen Strapazen, die Schaulustige mit ihren Kamerablitzen so mit sich bringen. Ray und Co. haben sich deshalb eine neue Beschäftigungstherapie verordnet – sie wollen dabei helfen, eine vermisste Person wiederzufinden. Dass es im Rudel momentan um einen Konkurrenzkampf in Bezug auf den Posten des nächsten Clanchefs geht, spielt dabei eine amüsante Nebenrolle. Eine menschliche Komponente gibt es im Werk auch noch, wobei Privatdetektiv Phil nach einen paar Schlücken aus seinem Flachmann selbst zum Teil des Rudels wird.

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