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J. R. R. Tolkien – Der Hobbit

Benjamin Jendro

2.Dezember
2014

Tolkien - Der HobbitWie ergeht es Ihnen, wenn Sie ins Kino gehen und einen Teil einer als Trilogie oder gar mehrteiligen Filmsaga gehen und dann mit dem Abspann die Erkenntnis wächst, dass sie einige Zeit warten müssen, um zu erfahren, wie es weitergeht? Ja, das ist ohne Frage ein Übel, das dem kommerziellen Denken Hollywoods geschuldet ist und uns immer wieder vor Aufregung zappeln lässt. Ich habe mir zuletzt „Mockingjay Teil 1“ angesehen. In „Die Tribute von Panem“ hat man der großen Farce wie auch bei „Twilight“ oder „Harry Potter“ noch ein Element oben rauf gesetzt und den letzten Film noch einmal halbiert. Da ist es ein echter Segen, dass im Dezember „Der Hobbit“ final auf der Leinwand erscheint. Durch diese Erkenntnis kann man mittlerweile sogar darüber hinwegsehen, dass Peter Jackson Tolkiens Vorgeschichte zu „Der Herr der Ringe“ in drei Filme aufgeteilt hat. Kurz, bevor „Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere“ im Lichtspielhaus erscheint, ist es auch nicht schlecht, noch einmal ein Ohr ins Hörbuch von „Der Hobbit“ zu werfen.

Der Hobbit – Bilbo geht auf die Reise

Bilbo Beutlin ist „Der Hobbit“ und gemäß seines Naturell eigentlich kein große Abenteurer. Durch Freund Gandalf, einen Zauberer, verlässt er das Auenland und schließt sich einem Zwergentrupp an, der die alte Heimat zurückgewinnen möchte. Bilbo tut dies, weil er weiß, wie wichtig Heimat ist, wie wichtig ihm seine grünen Wiesen und die legendären Hobbit-Feste sind. Zwergenanführer Thorin Eichenschild hält nicht viel vom Halbling und betrachtet jede seiner Handlungen kritisch. Erst als Bilbo ihm das Leben rettet, erkennt er ihn als einen der seinen und somit als vollwertiges Mitglied der Reisegruppe an.

Der Zauber von Mittelerde ist schon in „Der Hobbit“ spürbar

J. R. R. Tolkiens Werk ist eigentlich erst durch die Verfilmung von „Der Herr der Ringe“ in den Fokus gerückt worden. Dass er mit Mittelerde eine Welt aus der eigenen Fantasie geschaffen hat, ist den meisten so erst nach seinem Ableben deutlich geworden. Eine eigene Welt mit eigenen Wesen und eigenen Sprache – Das ist die große Leistung Tolkiens. Dass er auf dieser Ausgangsfläche ein spannendes Epos geschaffen hat, ist ebenfalls aller Ehren wert. „Der Hobbit“ ist die Vorgeschichte zu der Ring-Saga und präsentiert bereits ein breites Arsenal an Figuren und Wesen, die Mittelerde bereichern. Bilbo tritt ein in eine Welt voller Orks und Trolle, kämpft Seite an Seite mit Zwergen sowie Elben und entwendet mit List dem in der Höhle lebenden Gollum einen kostbaren Schatz, der später Frodo zum entscheidenden Ringträger macht.

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Drachenzähmen leicht gemacht 2

Benjamin Jendro

22.Juli
2014

Drachenzähmen leicht gemacht 2 Hicks und sein Freund Ohnezahn sind schon ein eigenartiges Duo, doch eines, das vielen Fans des Animationsabenteuers „Drachenzähmen leicht gemacht“ so richtig ans Herz gewachsen ist. Als die Geschichte im Jahr 2010 die Kinoleinwand eroberte, fanden nicht nur die Kleinen den Weg ins Lichtspielhaus. Simpel aufgebaut, aber zugleich mit viel Herz gestaltet, kam man aus dem Staunen kaum mehr heraus. Nachdem ich mir das persönlich vor Augen vorführen ließ, entwickelte auch ich eine rege Begeisterung für die Arbeit von Dean DeBlois. Im Anschluss daran habe ich mir das Ganze nochmal im Audioformat angehört. Bei „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ lief es dieses Mal andersherum.

Hicks bleibt auch in „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ die zentrale Figur

Wer Hicks nicht sympathisch findet, der hat kein Herz. Das, was der kleine Kerl im ersten Teil der Drachenzähmen-Trilogie geleistet hat, verdient Anerkennung. Er war ein wesentliches Element dafür, dass auf Berk Drachen und Menschen in Einklang leben. Nun, fünf Jahre nach den kriegerischen Auseinandersetzungen, herrscht eine recht unbeschwerte Atmosphäre. Hicks´ Vater Haudrauf und die anderen Wikinger hätten zwar ganz gerne, dass er langsam aber sich die Nachfolge des Anführers antritt. Hicks aber hat andere Ziele und möchte sich mit Ohnezahn erst einmal die Welt ansehen. Kaum eine Minute vergeht, in der er nicht auf dem Rücken seines Gefährten durch die Lüfte segelt. Auf einem Rundflug entdecken sie eine Eishöhle, in der unzählige Drachen und auch seine in Vergessenheit geratene Mutter Valka hausen. Diese besitzt große Kenntnisse über Drachen und bringt Hicks, der meinte bereits alles kennengelernt zu haben, einige neue Aspekte des Drachenzähmens bei. Gleichzeitig tritt mit dem üblen Drago eine Person auf, die dem Frieden Berks ein Ende bereiten möchte.

Das Schicksal von Drachen und Menschen liegt in Hicks´ Händen

Es ist keine große Überraschung. Natürlich müssen Hicks und die anderen alles investieren, um den bevorstehenden Untergang abzuwenden. Die Freundschaft zwischen Drachen und Menschen, auch zwischen Ohnezahn und Hicks trifft auf eine harte Belastungsprobe. Eret, Dragos Drachenhäscher, sammelt einen nach den anderen ein. Schon bald reicht das Engagement Valkas nicht mehr aus, um ihre Pläne zu durchkreuzen. Hier kommt ihr Sohnemann ins Spiel, der in den vergangenen fünf Jahren reichlich an Persönlichkeit gewonnen hat und entgegen der ersten Augenblicke in „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ großes Verantwortungsbewusstsein beweist.

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Gier - Das zweite Buch der TräumeKerstin Gier ist eine sehr vielseitige Schriftstellerin, die immer mal wieder Werke herausbringt, bei welchen die unterschiedlichsten Altersklassen in den Genuss kommen können. Zuletzt spezialisierte sich die Bergisch-Gladbacherin auf Literatur für Jugendliche. Bei diesen, aber längst nicht ausschließlich diesen, kam der erste Band der Silber-Trilogie, „Das erste Buch der Träume“ phänomenal gut an. Da scheint es wenig überraschend, dass auch der zweite Teil, „Das zweite Buch der Träume“, nicht nur bei den treuen Fans von Kerstin Gier hoch im Kurs steht. Selbst jene, die bis hierhin Abstand gewahrt haben, sollten sich spätestens jetzt auf die literarische Reise einlassen, auf die die Autorin einen mitnimmt.

Das zweite Buch der Träume macht da weiter, wo das erste aufgehört hat

Natürlich ist es bei jedem literarischen Folgeband von großer Bedeutung, die erste Geschichte zu kennen. Häufig wird von Protagonisten gesprochen, die nicht noch einmal ausführlich charakterisiert werden, da Leser bzw. Zuhörer des ersten Teils diese ja bereits ordentlich kennengelernt haben. Insofern ist es auch bei „Das zweite Buch der Träume“ nicht wirklich hinderlich, wenn man die erste Story zu Liv Silber bereits kennt. Gier verzichtet auf die aus dem ersten Teil bekannten, recht langwierig vorgetragenen Typzuschreibungen und rückt nun das Geschehen in den Fokus. Dass dieses ohne Frage stets an das zentrale Thema des Träumens gebunden ist, erklärt sich allein schon aus dem Titel heraus.

Das zweite Buch der Träume – Liv trifft auf sonderbare Wesen

Mysteriös waren bereits die Träume im ersten Teil. Was Liv aber dieses Mal nach dem Augenschließen begegnet, ist noch einmal eine deutliche Steigerung. Die Träume sind durchzogen von wirklich sonderbaren Gestalten, die Liv das Leben logischerweise ordentlich durcheinanderwirbeln. Dass dieses an sich selbst ein wenig aus den Bahnen geleitet wurde, liegt an Secrecy, der auf einmal alles weiß, an Mia, die mit dem Schlafwandeln beginnt und an Henry, der irgendein Problem hat. So ist bei Liv und während des neunstündigen Hörbuchs, das von Simona Pahl gelesen wird, stets was los. Spannung wird hier in jedem Fall ganz groß geschrieben.

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Roth - Die BestimmungIn dieser Woche wird ein Film in den Kinos erscheinen, der gerade die jugendliche Zielgruppe ansprechen sollte und der irgendwie schon deutlich an Collins „Die Tribute von Panem“ erinnert. Es scheint beinahe so, als haben Verfilmungen von Jugendbuchreihen derzeit eine wahre Renaissance und in der Tat ist der Stoff, der in den einzelnen Werken das Geschehen bestimmt, einer, von dem Hollywood profitiert. Immer häufiger werden junge Charaktere in Situationen gebracht, in denen sie einiges leisten müssen. Lebenswichtige Handlungen in Kombination mit altersbedingten Zweifeln an der individuellen Charakterentwicklung sind eine brisante Mischung. Das ist auch bei der Bestimmungs-Trilogie von Veronica Roth zu erkennen. Ihr erster Band „Die Bestimmung – Divergent“ hat einen sofort für die Reihe gewonnen.

Die Bestimmung – Eine Ordnung der Zukunft

Selbst, wenn die gerade einmal 25-jährige Autorin darauf besteht, keine Einflüsse aus Suzanne Collins Meistertrilogie bezogen zu haben und die Idee bereits während ihrer Studienzeit entstand, sind die Parallelen unverkennbar. Das macht „Die Bestimmung“ aber nicht weniger unterhaltsam. Während die Welt in Panem in Distrikte eingeteilt ist und aus diesen in jedem Jahr jeweils zwei Tribute an einer perfiden Variante der Olympischen Spiele teilnehmen müssen, erzählt Roth von einem Chicago der Zukunft, in welchem die Gesellschaft in fünf Fraktionen eingeteilt ist. Diesen wird jeweils eine Tugend der Menschheit zugeordnet. Altruan (die Selbstlosen), Candor (die Freimütigen), Amite (die Friedfertigen), Ken (die Gelehrten) und die Ferox (die Furchtlosen) leben in Einklang miteinander. Sobald man selbst 16 ist, muss man sich entscheiden, welcher Fraktion man zukünftig angehören möchte, welche Tugend man in sich trägt.

Die Bestimmung – sich selbst verleugnen?

Eine dieser 16-Jährigen ist Beatrice Prior, kurz Tris. Um eine Entscheidungshilfe zu erhalten, werden die Teenager einem Eignungstest unterzogen. Bei Tris jedoch ist das Ergebnis bemerkenswert. Nicht nur scheint sich keine Tugend bei ihr besonders hervorzuheben. Nein, sie trägt mehrere gemeinsam in sich. Ihre Prüferin Tori rät ihr, das nicht preiszugeben, schließlich winkt ihr dadurch der Status einer Fraktionslosen, die vom System wiedererwartend nicht gerne gesehen werden. Tris´ Bruder Caleb entschließt sich, den Ken beizutreten. Tris selbst wählt die Ferox. Schnell gewinnt sie in der neuen Familie einige Freunde. Um vollständig anerkannt zu werden, muss sie ein Initiationsritus durchlaufen, der darüber entscheidet, ob Tris und die anderen neuen Mitglieder bei den Ferox bleiben dürfen. Es sind die einzelnen Phasen dieser Prüfung, die ihr erstmals zeigen, wie brenzlig und weit vernetzt die Problematik ihrer Eigenschaft als Unbestimmte ist. Im Hintergrund, auch das wird im von Laura Maire gesprochenen Hörbuch deutlich, rumort es im Übrigen zwischen den einzelnen Fraktionen.

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Die Eiskönigin – Völlig unverfroren

Benjamin Jendro

26.November
2013

Die EisköniginEin Märchen, das man auf die Leinwand bringt, scheint im 21. Jahrhundert oftmals als zu veraltet. Wirklich gerecht wird man dem Genre damit nicht, denn die meisten Märchen sind zeitlos und verhandeln Themen, die auch noch den Menschen des 21. Jahrhunderts umkreisen. Neben der Sammlung der Gebrüder Grimm scheint im europäischen Raum vor allem der Name Hans Christian Andersen für beeindruckende Märchen zu stehen. Seine „Schneekönigin“ galt lange Zeit als zu schwierig, um sie auch einem Kinopublikum zu präsentieren. Nun ist das aber gelungen, wohlgemerkt recht beeindruckend. Die Eiskönigin – Völlig unverfroren tritt durch seine filmische Adaption direkt in die Fußstapfen der Disney-Verfilmung „Rapunzel – Neu verföhnt“. Auch als Hörbuch kann sich die Story sehen lassen.

Die Eiskönigin – Völlig unverfroren ist ein musikalisches Glanzstück

Zusammengesetzt ist die Geschichte aus vielen einzelnen musikalischen Ereignissen, die sowohl in Deutsch als auch Englisch an den Zuhörer gelangen. Gemeinsam erzählen sie das Abenteuer von Anna. Die Königstochter begibt sich quer durch das Königreich von Arendelle, um das Land vom ewigen Winter zu befreien. Unabsichtlich hat ihre ältere Schwester Elsa, die nun als Königin auf den Thron steigen soll, das ganze Reich in Eis und Schnee gehüllt. Aus Angst davor, noch Schlimmeres anzustellen, verbarrikadiert sie sich im großen Schloss. Anna und ihre Begleiter, unter anderem der Einsiedler Kristoff, der gewöhnlich Eisquader an den Mann bringt, und sein treues Rentier Sven, müssen sich auf dem Weg schweren Gefahren gegenüberstellen. Zu diesen gehört beispielsweise eine Armee böser Schneemänner, die den Winter logischerweise erhalten wollen.

Olaf ist das zentrale Highlight in Die Eiskönigin – Völlig unverfroren

Einer von Annas Gefährten ist auch der kleine Schneemann Olaf, der anders als seine zumeist größeren Artgenossen äußerst sympathisch daherkommt. Er ist das besondere Element, welches Disney in die Geschichte transferiert. Auf der Suche nach dem Sommer und zumeist auch den eigenen Körperteilen glänzt er unter anderem mit dem Beitrag „Im Sommer“. Zwischenzeitlich erheitert er die Wandergemeinschaft und schenkt ihr stetige Zuversicht. Er verleiht dem Werk die besondere Note und schenkt dem Zuhörer des Hörbuchs von „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ hochwertige Unterhaltung.

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Stephen King – Doctor Sleep

Benjamin Jendro

5.November
2013

King - Doctor SleepEs gibt da ein paar Gesetzmäßigkeiten, die irgendwie für jeden Menschen bindend sind, vollkommen gleich, von welchem Fleck der Erde er stammt. In Sachen Literatur lässt sich diese Normliste in wenigen Zeilen zusammenfassen. Wer ein Schriftstück genießen möchte, sollte niemals die letzten Seiten zuerst lesen, man sollte sich ein Werk auch nicht nur wegen des schönen Covers besorgen. Ebenfalls unerlässlich ist es,  als Leser des 21. Jahrhunderts mal ein Werk von Stephen King zur Hand zu nehmen. Wem die zumeist dicken Schinken ein Dorn im Auge sind, der kann sich auch gemütlich auf der Couch platzieren und stattdessen der Hörbuchfassung des neuen Werkes „Doctor Sleep“ lauschen.

Wie verarbeitet man ein solches Szenario?

Gute 700 Seiten stark ist Stephen Kings neuer Roman, die dazugehörige Hörbuchvariante umfasst immerhin gute 20 Stunden. David Nathan schildert uns das Geschehen sehr einfühlsam und in gewohnt sicherem Ton. Spannungsgeladen beginnt er mit der Einleitung, in welcher hauptsächlich das Vergangene aus „Shining“ zurück in die Erinnerung gerufen wird. Teil des Ganzen war Danny, der im Hotel Overlook Sonderbares erlebte und unter anderem den Tod seines Vaters verarbeiten muss. Mit seiner Mutter hat er die alte Heimat verlassen und fortan einen neuen Versuch des Lebens gewagt. Wir begleiten Danny dabei, wie er in jungen Jahren mit der Fähigkeit des „Shining“ – die Möglichkeit, Vergangenes neu zu erleben und in die Zukunft zu sehen – zurechtkommt und langsam heranwächst.

Er ist bei weitem nicht der Einzige

Nach dieser Hinführung reist King rasant durch die Zeit und transferiert die Erzählung ins Erwachsenenalter von Dan Torrance. Dieser hat sein Leben weitgehend im Griff, sich mit seiner besonderer Gabe arrangiert und nutzt seine Energie, um Menschen in einem Hospiz bei ihrem letzten Gang zu begleiten. Einzig die vom Vater vererbte Alkoholsucht lässt sich nicht unter Kontrolle bringen. Im Verlauf der Kapitel stößt Danny auf Abra, ein kleines Mädchen, das ebenfalls über das „Shining“ verfügt. Wenngleich noch recht unkontrolliert, ist ihr Talent immens. So gerät sie ins Visier einer Gruppe, die das ganze Land durchforstet, um Kindern mit dieser Fähigkeit vampirartig das „Shining“ auszusaugen und so das eigene Leben zu verlängern. Brisant und in atemberaubendem Tempo wird man selbst Teil dieser Jagd auf das gewisse Etwas.

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Carlos Ruiz Zafón – Der Mitternachtspalast

Benjamin Jendro

10.September
2013

Zafon - Der MitternachtspalastDen Spanier Carlos Ruiz Zafón kennt man in erster Linie nicht unbedingt als begnadeten Autor jugendlicher Unterhaltungslektüre. Nein, der Wahlamerikaner schreibt eher für die ältere Garde, für jene, die ihr literarisches Auge bereits über Jahrzehnte hinweg verfeinert haben. Dementsprechend überrascht war ich, als ich auf „Der Mitternachtspalast“ gestoßen bin, der in erster Linie als Roman für Jugendliche ausgeschrieben ist. Letztlich aber schafft es das bereits 1994 herausgegebene Werk, das erst 2010 den Sprung auf den deutschen Literaturmarkt packte, auf phantastische Art und Weise auch den etwas in die Jahre gekommenen Literaturfan zu begeistern.

Kalkutta in den 1930ern

Während der mehr als 500 Minuten, in denen dem Zuhörer der Inhalt durch Rufus Beck vermittelt wird, fühlt man sich in sonderbare Sphären entführt. Sehr eindrucksvoll und vor allem authentisch wirksam dringt die Szenerie zu uns. Im indischen Kalkutta des Jahres 1932 ist jeder Tag von der Konfrontation zwischen Alt und Neu, zwischen Armut und Reichtum zu spüren. 15 Jahre vor der Unabhängigkeit mischen sich Kolonialbauten neben Hindu-Tempel. Eine Stadt voller Gegensätze bietet den perfekten Schauplatz für ein mysteriöses Schauermärchen, das uns aus der Feder Zafóns in gewohnter Vielschichtigkeit präsentiert wird.

Zwillinge im Zentrum eines phänomenalen Plots

Dass es in eigentlich jedem Werk von Carlos Ruiz Zafón phantastisch zugeht, sollte man wissen, wenn man sich seine Zeilen zu Gemüte ziehen will. Zentrales Schicksal in „Der Mitternachtspalast“ ist die Wiedervereinigung von Ben und Sheere, die nach 16 Jahren zusammengeführt werden. Kurz nach der Geburt wären beide beinahe einem Mordkomplott zum Opfer gefallen, doch geistesgegenwärtig werden beide voneinander getrennt. Ben wächst im Waisenhaus St. Patrick auf, Sheere bei der gemeinsamen Großmutter. Eben jene Aryami Bosé gibt sich beim Direktor der Einrichtung, Thomas Carter, als Großmutter von Ben zu erkennen und warnt vor einer tödlichen Bedrohung. Just danach explodiert das Büro von Carter. Ehe sich die beiden Zwillinge darüber freuen können, gemeinsam in die Zukunft zu blicken, wird ihr Fortleben bedroht. Von wem und warum – das bleibt zunächst unklar, so dass nicht nur die Protagonisten bei diesem Albtraumszenario lange im Dunkeln tappen.

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Suzanne Collins – Die Tribute von Panem

Benjamin Jendro

6.August
2013

Collins - Die Tribute von PanemWenn man sich derzeit in ein Lichtspielhaus begibt, trifft man in den häufigsten Fällen auf den Trailer zum zweiten Teil von „Die Tribute von Panem“. Dieser kommt ganz schön groß daher und scheint nahtlos an den Erfolg der ersten Verfilmung anzuschließen. Das Fantasy-Horror-Szenario von Suzanne Collins zeigt eine erschreckende aber zugleich auch unterhaltsame Welt, die trotz ihrer perfiden Grundidee so real wirkt. Neben dem Gang ins Kino empfiehlt sich auch das Lesen der literarischen Werke. Wenngleich die darstellende Produktion nahe angelehnt ist, besitzen die Werke von Collins doch eine eigenständige Aussagekraft. Diese kommt auch in der Hörbuchversion, die nun in der Gesamtausgabe vorliegt, zur Geltung.

Mögen die Spiele beginnen

Oberflächlich gesehen mögen die Vorgänge in Panem an den Gedanken der Olympischen Spiele erinnern. Das genaue Hinsehen aber verwirft diese Grundannahme sofort. Zentrale Protagonistin der einzelnen drei Bände ist Katniss, eine junge Kämpferin mit großem Herz. Im ersten Teil meldet sie sich mehr oder weniger freiwillig für die moderne Version des antiken Gladiatorenkampfes. Das Spiel um Leben und Tod präsentiert sich als ein Kampf mit vielen Intrigen, reichlich Betrug, aber auch Freundschaften. Wer den ersten Teil hinter sich hat, der kann sich von den Begebenheiten des zweiten eigentlich kaum noch schocken lassen.

Liebe und große Gefahr

Nachdem Katniss und Kontrahent Peeta im ersten Band große Zuneigung zueinander entwickelten, werden sie in Panem noch immer euphorisch gefeiert. Das Problem ist der Erfolg, wird Katniss doch zum Symbol des Widerstands erklärt. Der Verwaltung, dem Kapitol, passt das natürlich gar nicht. Katniss muss Gale und ihre Familie vor neuen Gefahren schützen und auch die Liebe zu Peeta wird auf eine harte Probe gestellt. Im großen Finale kommt es zum endgültigen und alles entscheidenden Kampf von Katniss gegen das Kapitol. Vieles erscheint zum Ende in einem ganz anderen Licht. Der Zuhörer wird im Verlauf der Trilogie ebenso wie die Protagonisten selbst einen Wandel erleben, der alles Vorhergegangene in Frage stellt.

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Otfried Preußler – Die kleine Hexe

Benjamin Jendro

26.Februar
2013

Otfried Preußler - Die kleine HexeEs mag den Leser verwundern, warum sich an dieser Stelle erneut einem Kinderhörbuch gewidmet wird. Doch manchmal passieren Dinge, die eben nicht vorhersehbar sind und die ein Umdenken in uns erfordern. Für ein ähnliches Umdenken ist auch der Autor des heutigen Hörbuchtipps eingetreten. Natürlich seien Geschichten über Hexen und Räuber aus dem Wald, über kleine Gespenster, die einsam in einem Schloss leben und einen Wassermann, der neben Fischen residiert, nicht unbedingt das, was die Realität für Kinder bereithält. Trotzdem aber plädierte Deutschlands begnadetster Geschichtenerzähler des 20. Jahrhunderts, Otfried Preußler, für die Fantasie, deren Vielfalt jedem Kind ermöglicht werden sollte.

Ein Autor mit großen Glanzlichtern

Selbstverständlich erscheint ein Tod im Alter von 89 Jahren nicht gerade sonderbar, trotzdem aber kam die Todesnachricht am vergangenen Montag äußerst plötzlich. Otfried Preußler hatte sich bereits mit zehn Jahren dazu entschlossen, Geschichten zu erzählen. Mit Bravour hat er das dann über Jahrzehnte hinweg gemeistert. Seine Erzählungen „Das kleine Gespenst“, „Der Räuber Hotzenplotz“ und auch das vor einigen Jahren sehr erfolgreich verfilmte Abenteuer von „Krabat“ haben viele Menschen während ihrer Kindheit begleitet. Das Fantastische war dabei stets Bestandteil seines Werkes und genau darin liegt der Schlüssel zum Heranwachsen, auch in Zeiten einer hochtechnologischen Welt. Den Stoff dazu fand Preußler in den vielen Sagen seiner Böhmischen Heimat.

Mit 127 beginnt das Leben

So auch jenen, aus dem er die Geschichte „Die kleine Hexe“ kreierte. Für diese beginnt das Leben genau genommen erst mit 127. Bis dahin wagte es sie es nicht, ihren langersehnten Wunsch auch in die Tat umzusetzen. Nun aber scheint die Zeit reif, mit den älteren Hexen auf dem Blocksberg die Walpurgisnacht zu feiern. Dumm nur, dass die anderen sie nicht für voll nehmen und ihr erst einmal ein Jahr die Chance geben wollen, sich als gute Hexe einen Ruf zu verdienen. Sie bestraft fortan die Bösen und beschützt die Schwachen, erweist sich mithilfe des Raben Abraxas als gute Hexe. Dass diese letztlich Böses vollbringen muss, ahnt sie nicht. Für den Irrtum aber muss sie nur anfangs bezahlen, schnell nämlich wenden sich das Blatt und die Seite, aus der die Trümpfe ausgespielt werden.

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Ingo Siegner – Der kleine Drache Kokosnuss

Benjamin Jendro

19.Februar
2013

Siegner - Der kleine Drache KokosnussZu meiner Zeit gab es andere Helden, andere Idole und andere Fabelwesen, die abendliche Lese- und Hörabenteuer unterhielten. Ob diese weniger unterhaltsam waren als die heutigen, möchte ich nicht einschätzen müssen. Die eine Generation hatte einen Fable für die Figuren aus den Märchen der Grimms, die andere für Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg. Bei der heutigen sind die Namen wieder andere, ihr Status, die Kids zu unterhalten aber bleibt nach wie vor bestehen. Ein Paradebeispiel der heutigen Zeit bildet „Der kleine Drache Kokosnuss“, mit dem Autor Ingo Siegner eine wahre Kultfigur ins Leben gerufen hat.

Spannende Abenteuer eines Drachen, der nicht fliegen kann

Drachen bestimmen seit den Jahren früher Menschheitsgeschichte unsere Erzählungen. Siegner hat diese mystischen Wesen kindsgerecht adaptiert. Sein kleiner Drache, der auf den lustigen Namen einer Südfrucht getauft wurde, erfreut sich mittlerweile an einer großen Fanbase. Es gibt selbstverständlich Plüschtiere und Trinkbecher, Malhefte und Schultaschen. Zudem ist der Bestand mit vielen tollen Abenteuergeschichten gefüllt, die in Form von Büchern, eBooks und Hörbüchern den Kindern Spaß bereiten. Zehn Jahre dauert die Erfolgsgeschichte des kleinen Feuerspuckers bereits. Die inszenierte Hörbuchfassung, die von Philipp Schepmann gesprochen und mit Musik unterlegt wird, erzählt das allererste Abenteuer. In diesem versucht Kokosnuss mit mehr oder weniger reger Beteiligung das Fliegen zu erlernen.

Spaß für jedes Kinderohr

Eigentlich ist das nämlich die Grundlage für die bevorstehende Reise auf die Sommerinsel in der Südsee. Wie die Zuhörer auch lebt der kleine Drache bei seinen Eltern. Auf der bisher unentdeckten Dracheninsel plagen ihn die gleichen Sorgen wie alle Menschenkinder. Kokosnuss muss die Schule besuchen und dort endlich lernen, wie man fliegt. Wenn er dem Unterricht nicht richtig folgt und sich richtig anstrengt, fällt für ihn der Flug ins Paradies flach, den die Erwachsenen jeden Winter auf sich nehmen. Das zumindest wird zu Beginn vermittelt. Kokosnuss wäre jedoch nicht Kokosnuss, wenn seinem schlauen Köpfchen nicht etwas einfallen würde, um sich vor der Anstrengung zu retten. Mithilfe seiner Freunde werkelt er bereits an einem funktionstüchtigen Plan.

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