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Jo Nesbø – Das Versteck

Benjamin Jendro

4.Februar
2016

Nesbo - Das Versteck hbEs ist keinesfalls leicht, wenn der Erfolg einen verwöhnt, sich von den Garanten für ebendiesen zu lösen. Im Fall des norwegischen Schriftstellers Jo Nesbø mag es den mit Kriminalromanen bestens bekannten Leser schon ein wenig verwirren, dass der Protagonist nicht Harry Hole heißt. Im ersten Werk seiner neuen Blood on Snow Reihe, „Der Auftrag“, hat er aber durchaus unter Beweis gestellt, dass er auch anders und ohne den beliebten Ermittler schreiben kann. „Das Versteck“ ist die Fortsetzung des ersten Bandes, der Akteur wechselt, ist jetzt nicht mehr Profikiller, sondern Geldeintreiber. Der Spannungsfaktor aber ist nahezu unverändert und sagenhaft hoch.

Das Versteck – Wenn der Kleinkriminelle seinen großen Boss betrügen will

Ulf ist unzufrieden mit seiner Gesamtsituation. Sein Lohn, den er als Geldeintreiber für den „Fischer“ verdient, ist zwar schnell gemachtes Geld. Letztlich aber nur ein Bruchteil des Möglichen. Als er das endlich erkennt, reift ein Plan in ihm. Er möchte den „Fischer“, wohlgemerkt der mächtigste Drogenboss in ganz Oslo, über den Tisch ziehen. Es ist nicht überraschend, dass dieser davon herzlich wenig hält und sofort die Jagd auf seinen früheren Mitarbeiter eröffnet. Weil der „Fischer“ ihm sämtliche Killer auf den Hals hetzt, benötigt der Gejagte „Das Versteck“, das sein Leben garantiert.

„Das Versteck“ ist rasant, prickelnd und ultraspannend

Er hat weniger Intelligenz, eigentlich nicht den Mut und auch nicht das Knowhow, wie man so einen Plan tatkräftig umsetzt. „Das Versteck“ ist ein typischer Fall von Größenwahn. Eine Geschichte, in der sich der kleine Wicht gegen den alles Überragenden auflehnt. Eigentlich ein ungleicher Kampf. Doch Ulf entpuppt sich als Charakter, mit dem der Zuhörer sich im Verlauf der sechs Stunden Erzählung immer mehr anfreundet und teilweise identifiziert. Es steckt nämlich noch einiges mehr in ihm, als das, was man ursprünglich vermutet hat. „Das Versteck“ ist ein prickelnder Thriller über Ganoven mit sehr viel Tempo und reichlich spannenden Elementen. Simon Jäger erweist sich als geübter Sprecher und sorgt für riesige Unterhaltung.

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Martin Suter – Die dunkle Seite des Mondes

Benjamin Jendro

22.Januar
2016

Suter - Die dunkel Seite des MondesMan kann darüber sprechen, ob nicht doch „Die Schatzinsel“ das größte Werk des britischen Autors Robert Louis Stevenson war. Aus meiner Sicht aber gibt es da noch ein ganz anderes Stück, das ihn zu einem der wichtigsten Schriftsteller der letzten Jahrhunderte macht. „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ ist wirklich ein Meisterstück und eines jener Bücher, das jeder einmal im Leben gelesen haben soll. Das Motiv des Kampfes zwischen Gut und Böse innerhalb eines Körpers wurde vielfach untersucht. Martin SutersDie dunkle Seite des Mondes“ ist eine sehr moderne Variante.

Ein erfolgreicher Wirtschaftsanwalt verliert die Kontrolle

Jurist Urs Blank ist sehr erfolgreich. Als Wirtschaftsanwalt ist er eine feste Größe, enorm anerkannt. Auch privat läuft es super, eine Galeristin an seiner Seite scheint die perfekte Frau. Einzig der tägliche Blick in den Spiegel verunsichert ihn, denn irgendetwas Böses schlummert im Inneren. Ein Einschnitt in die sehr erfolgreiche Laufbahn bildet der Suizid eines Geschäftspartners, der sich direkt vor Blanks Augen in den Kopf schießt. Nach dessen Beerdigung flüchtet Blank in den Wald. Er verliert sich in den Weiten und kommt anschließend direkt auf einen Flohmarkt. Dort lernt er Lucille kennen, die ihn mit ihrer unbeschwerten, leicht revolutionären Art vollkommen in den Bann zieht. Mit ihr experimentiert er mit Drogen. Die Einnahme eines blauen Pilzes entpuppt sich als fataler Fehler und als Chance zugleich. Urs Blank lässt plötzlich das Böse aus sich heraus, „Die dunkle Seite des Mondes“ ist erwacht.

Das ist „Die dunkle Seite des Mondes“

508 Minuten lang kann man Urs Blank in all seinen Facetten, den kontrollierten und den unbeherrschten Phasen erleben. Sprecher Gert Heidenreich zeigt beide Seiten mit all seiner Klasse und der für diese Darbietung notwendigen Erfahrung. Nach der halluzinogenen Einnahme wird Blank zur Furie, tötet erst eine Katze, später auch einen Menschen. Gottesgleich wandelt er durchs Leben, er scheint sich für nichts mehr rechtfertigen zu müssen. Das wirft in seinem Umfeld viele Fragen auf und ebenso viele Zweifler hervor. Blank erkennt irgendwann diese folgenschwere Verwandlung seiner selbst und sucht dort nach Antworten, wo das Desaster losging. „Die dunkle Seite des Mondes“ aus ihm herausbrach – im Wald.

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Der gefiederte SchreckenDa ist sie, die 178te Episode des größten Triumvirats der Detektivgeschichte. Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews haben in ihrer Historie so manchen Ermittlern den Rang abgelaufen, vereinen sämtliche zur Aufklärung von mysteriösen Fällen benötigte Taktiken. „Die drei Fragezeichen“ sind Kult, sogar mehr als das. Sie sind einer der entscheidenden Faktoren, warum Hörbücher auch in diesen Zeiten noch immer existieren. Mit „Der gefiederte Schrecken“ gibt es für den Dezember ihr neuestes Abenteuer. Mit viel Herz eingesprochen füllt ihr neuer Fall langweilige Abende und versieht diese mit großartiger Spannung.

Der gefiederte Schrecken – Eine Vogelkreatur im Aquarium

Ein riesiges Aquarium sollte eigentlich Herberge für eine ganze Horde an Fischschwärmen darstellen. Eigenartigerweise befindet sich in der phänomenalen Meereslandschaft des Mr. Faring ein seltsames Vogelwesen, das alles zerstört und vernichtet. Wer ist dafür verantwortlich, dass „Der gefiederte Schrecken“ an diesem Ort wildern durfte? Justus, Peter und Bob nehmen sich der Frage an und sorgen nicht nur dafür, dass dieses Wesen in Sicherheit gebracht wird, sondern eben auch ein mehr als merkwürdiges Rätsel nach dessen Herkunft gelüftet wird. Unterstützung erhalten sie dabei von einer gewissen Barbara Mathewson, die Kenner bereits aus dem Fall „Geheimnisvolle Botschaften“ kennen, wobei sie in Folge Nummer 178 interessanterweise mehr als Freundin gen als Nervensäge agiert.

Eine Comic-Recherche führt zu dem gefiederten Schrecken

Es ist Bob, der die entscheidende Spur verfolgt und in einem Comic erste Antworten findet. „Der gefiederte Schrecken“ ist eine Figur, die als maskierter Rächer in Erscheinung tritt. Er ist das Resultat eines missratenen Experiments, halb Vogel, halb Mensch. Genau genommen ist er eine gute Kreatur, eine, die Verbrecher jagt. Eben diese Figur spielt im neuen Fall für „Die drei Fragezeichen“ eine zentrale Rolle. Basierend auf dem Comic ist eine spannende Geschichte mit hohem Tempo entstanden. Zugegeben, bei der vom Bösewicht verwendeten Technologie mit Mini-Wanzen hat man sich ein wenig zu weit in den Bereich Science Fiction hinausgewagt. Letztlich aber kann sich das Hörspiel durchaus sehen lassen.

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Arne Dahl – Der elfte Gast

Benjamin Jendro

3.Dezember
2015

Dahl - Der elfte GastJan Arnald kennt man kaum. Er ist 52, Schwede, arbeitet als Literaturwissenschaftler für jene Akademie, die jährlich die Nobelpreise vergibt. Er hat auch selbst Bücher geschrieben, drei unter seinem Namen veröffentlicht, mit mäßigem Erfolg. Wesentlich besser verkauft haben sich die Bücher von Arne Dahl, einem Kollegen, den Arnald ganz gut kennt, wohl besser als jeder anderer. Genau genommen geht das auch gar nicht, denn Arnald selbst verbirgt sich hinter Arne Dahl und hat sich unter diesem Pseudonym zu einem der beeindruckendsten  schwedischen Autoren der Gegenwart herauskristallisiert. „Der elfte Gast“ ist nur einer der zahlreichen Kriminalfälle der so genannten „A-Gruppe“, aber definitiv einer der bisher besten.

„Der elfte Gast“ beginnt mit einem mysteriösen Brief

Ein mysteriöser Brief geht bei Arne Dahls bewährter Ermittlergruppe ein. Er beginnt mit den Worten „Verehrte Mitglieder der A-Gruppe„. Er richtet sich an alle zehn Personen der früheren Kriminalgruppe, stammt von einem unbekannten Absender. Auch wenn nicht ganz klar ist, was der Brief genau bewirken soll, kommen die zehn der Einladung nach und versammeln sich in einem sonderbaren einsamen Herrenhaus. Jeder von ihnen erzählt eine eigene Geschichte, jeder von ihnen eine andere. Die alten Herren machen das mit Freude, selbst wenn vollkommen unklar ist,  wer eigentlich genau für ihr Zustandekommen verantwortlich ist.

Arne Dahl bietet schauriges Hörvergnügen

431 Minuten lang ist die Hörbuchfassung von Dahls Roman „Der elfte Gast“ und wirklich jede, die Sprecher Achim Bucb da vorträgt, schürt die Spannung. Man weiß, dass etwas passiert, aber nicht was und wann. Zudem ist die A-Gruppe einfach eine zusammengewürfelte Truppe, die ein vergleichbares Pendant in der aktuellen Krimigeschichte sucht. Dahls Reihe ist innovativ und großartig konzipiert, durchgehend  spannend und  kaum vorhersehbar. Außerdem bekommt „Der elfte Gast“ mit der Zusammenführung der Veteranen einen Hauch von „The Expendables“, wobei die Erzählsituation ohne Frage an Boccaccios „Dekameron“ erinnert. Beides fügt sich zu einem wirklich abwechslungsreichen Kriminalfall zusammen.

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Karin Slaughter – Pretty Girls

Benjamin Jendro

27.November
2015

Slaughter - Pretty GirlsKarin Slaughter ist eine absolute Ausnahme in der Literatur. Ich habe bisher keine andere Schriftstellerin zugehört, die derart brutale Szenarien in Worte fassen kann. Die ehemalige Werbetexterin, die in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Georgia aufgewachsen ist und mit heute 44 Jahren eine der erfolgreichsten Autorinnen unserer Zeit darstellt, hat die Erfahrungen, die als Heranwachsende gesammelt hat, in ihre Werke einfließen lassen. „Pretty Girls“ ist wieder so ein Stück, das letztlich auf ihre Heimat, die punktuell mit großer Kriminalitätsrate aufwarten kann, zurückgeht. Es ist die Geschichte zweier Schwestern, die sich unterschiedlich entwickelt, gar voneinander entfernt haben und die durch einen grausamen Vorfall mit einem Schicksalsschlag aus der Vergangenheit konfrontiert werden.

Pretty Girls ist eigentlich die Geschichte dreier Schwestern

Claire ist entsetzt, als sie mit dem plötzlichen Tod ihres Ehemanns konfrontiert wird. Er wurde umgebracht. Doch nicht nur der herbe Verlust lässt sie fast verzweifeln, sondern auch ein sonderbarer Fund. Im Nachlass ihres Liebsten entdeckt sie Videomaterial. Auf diesem sind grauenhafte Morde zu sehen, eines der Opfer kommt Claire bekannt vor. Es ist ihre Schwester Julia, die mit 19 Jahren entführt wurde. Zwanzig Jahre später hat sie das eigentlich ganz gut verarbeitet, sich zu einer glamourösen Dame entwickelt, sie ist millionenschwer. Ganz anders ihre Schwester Lydia, die alleinerziehend ist, sich mit einem Ex-Häftling eingelassen hat. Die beiden sind komplett verschieden, müssen aber jetzt durch den brisanten Fund wieder zueinander finden.

Slaughter mal wieder in Höchstform

Die weiblichen Kollegen zollen Karin Slaughter für ihre Schreibart seit Jahren großen Respekt und auch die männliche Schreiberschaft zeigt sich stets fasziniert von ihren äußert grausamen Darstellungen. „Pretty Girls“ macht da keine Ausnahme. Was Sprecherin Nina Petri da in den 450 Hörbuchminuten vorträgt, lässt einen schon mal das Blut in den Adern gefrieren. Die Geschichte beginnt im März 1991. Besagte Julia geht auf eine Party. Es wird ihre letzte sein, denn sie kehrt niemals wieder zurück. Für die Ermittler scheint schnell klar, dass sie Opfer eines Gewaltverbrechens geworden sein muss. Was aber genau geschehen ist, weiß niemand. Die Ermittlungen verlaufen im Sand, eine Leiche wird nie gefunden. Das Video, das Claire schließlich entdeckt, wirbelt den Fall neu auf und lässt die beiden Hauptprotagnisten tief in einen Sog fallen, der sich durch die Konfrontation mit der Vergangenheit weit öffnet.

 

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Mary Higgins Clark – Wenn du noch lebst

Benjamin Jendro

30.Oktober
2015

Clark - Wenn du noch lebstDie Liebe und einen Kriminalfall zusammenzuführen, ist ein cleverer Handgriff, um eine wirklich explosive literarische Mischung zu synthetisieren. Entscheidet sich ein Autor oder im Fall von Mary Higgins Clark eine Autorin dazu, vereint sie das älteste alle Themen mit dem aktuell favorisierten Genre. Die Leser lieben spannende Geschichte und mehr als es zugeben wollen, präferieren brisante Fälle um Mord und Totschlag als Nachtlektüre. Die Liebe an sich spielt eh in jedem kulturellen Erzeugnis eine Rolle. In „Wenn du noch lebst“ hat die Lady of Crime allerdings nichts mit der Herangehensweise vielen anderer Autoren gemein. Oftmals dichten diese einem verrohten und vom Leben gezeichneten Kommissar irgendeine Verflossene oder neue heiße Liebschaft an. Nein, der neue Thriller von Clark stellt die Liebe in den Fokus. Ohne sie würde „Wenn du noch lebst“ gar nicht funktionieren.

„Wenn du noch lebst“ beginnt mit einem lukrativen Auftrag

Hier eine Menge Crime und da eine Menge Love. Man mag es kaum verstehen, wie stark sich Mary Higgins Clark in „Wenn du noch lebst“ beidem widmet. Wie bereits erwähnt, ist die Liebe hier nicht einfach nur ein Nebenstrang des hauptsächlich zentral angesiedelten Kriminalfalls. Genau betrachtet wird Letzteres durch Ersteres erst ernsthaft spannend. Erzählt wird die Geschichte von Innenarchitektin Lane Harmon, die mehr schlecht als recht durch das Leben kommt, weil ihr Lohn kaum reicht, um ihrer fünfjährigen Tochter Katie ein tolles Leben zu ermöglichen. Umso wichtiger ist für die Alleinerziehende ein neuer Auftrag, den sie auf keinen Fall verpatzen darf. Sie soll das Haus der vermögenden Familie Bennett mit dem richtigen Inventar ausstatten. An sich kein Problem, doch in der Familie gibt es einen Vermissten-Fall, bei dem nicht alles zusammenpasst. Als Lane das entdeckt, ist es für sie bereits zu spät. Sie hat sich hoffnungslos in ein Familienmitglied verliebt.

Veruntreuung, mysteriöses Verschwinden und eine große Gefahr

Peter Bennett, der Hausherr der Casa Bennett, ist spurlos verschwunden. Mit ihm die sagenhafte Summe von fünf Milliarden Dollar, die aus einem Fonds veruntreut worden, den er gemanagt hat. Ohne ersichtlichen Grund kehrt Peter von einem Segelturn nicht mehr zurück. Hat er sich abgesetzt oder gar das Leben genommen? Steckt vielleicht noch etwas anderes dahinter? Lane beginnt zu spekulieren. Die Überlegung, was mit Peter Bennett geschehen ist, begleitet sie bis in ihre Träume. Die Familie glaubt keinesfalls, dass er eine Schuld an seinem Verschwinden trägt und irgendwann gelangt auch Lane in „Wenn du noch lebst“ zu dieser Überzeugung. Der Grund dafür ist ein Sohn des Hauses. Dieser verschleiert nicht nur Lanes Blick für die Realität, sondern bringt sie und die kleine Katie in große Gefahr.

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Erik Axl Sund – Scherbenseele

Benjamin Jendro

24.September
2015

Sund - ScherbenseeleWas könnte besser sein als ein Thriller-Autor? Einfache Frage, einfache Antwort – zwei. Immer häufiger beobachtet man Autorenduos, die ihren unterschiedlichen Backround, das eigene Wissen und die eigenen Erfahrungen dafür nutzen, um eine spannende Geschichte zusammenzufügen. Im Fall von Erik Axl Sund werden nicht beide Autoren benannt wie beispielsweise die Kollegen Hjorth und Rosenfeldt, sondern nur eine kryptische Mixtur aus beiden Namen. Tatsächlich lässt nichts deutlich darauf schließen, dass hinter diesem Pseudonym das schwedische Schriftsteller-Duo Jerker Eriksson und Hakan Axlander Sundquist steckt. Da es sich bei „Scherbenseele“ nicht um ihren ersten Roman handelt, ist die Qualität ihrer Schriften bereits bestens bekannt. Man weiß demnach ganz genau, worauf man sich einlässt, auch wenn sie einen ganz neuen Ermittler ins Spiel werfen.

Kommissar Hurtig kümmert sich um bizarre Selbstmorde

Der neue Charakter in der Reihe nach Victoria Bergman heißt Jens Hurtig. Dieser wird auf eine Reihe mysteriöser Suizidfälle aufmerksam und irgendwie scheint er der einzige, der in ihnen eine Verbindung sieht. Reihenweise Menschen in ganz Schweden nehmen sich das Leben, immer sind es Jugendliche und immer geschieht es auf grausame Art und Weise. Nichts scheint sie zu verbinden, nichts außer dem düsteren Musikgeschmack. Alle Toten hörten die alten Musikkassetten eines Interpreten mit dem Namen Hunger, just zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich das Leben nahmen. Zeitlich parallel trifft es in der Hauptstadt einen einflussreichen Mann. Auch er ist nur einer von vielen, die ihm folgen.

Die besondere Schreibweise des Erik Axl Sund

Siebeneinhalb Stunden lang ist „Scherbenseele“, das Thomas M. Meinhardt eingesprochen hat und exakt diese siebeneinhalb Stunden lang ist der Thriller interessant. Das liegt zum einen an der Geschichte, zum anderen aber auch an der Art und Weise, wie die einzelnen Kapitel zusammengebracht sind. Nach Angaben von Sundquist und Eriksson läuft die Entwicklung eines solchen Werkes übrigens immer nach demselben Schema ab. Beide einigen sich auf die Story und schreiben individuell Kapitel. Diese werden dann ausgetauscht, ergänzt, korrigiert und teilweise umgeschrieben. Wie groß das Ausmaß auf den ursprünglichen Text dabei ist, haben beide bisher noch nicht verraten. Klar für den Zuhörer ist aber auch bei „Scherbenseele“, dass diese beiden am identischen Strang ziehen.

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Jussi Adler-Olsen – Takeover

Benjamin Jendro

17.September
2015

Adler-Olsen - TakeoverWenn der dänische Krimiautor Jussi Adler-Olsen zum Stift bzw. der Laptoptastatur greift, dann kann man sicher sein, dass da ein neuer Bestseller am Entstehen ist. All seine Romane entwickelten sich zu absoluten Verkaufsschlagern. Zuletzt überzeugte er mit „Verheißung“, dem sechsten Fall für Carl Mørck vom Sonderdezernat Q. Doch selbst diejenigen Werke, die er bereits vor einigen Jahren geschrieben hat und die sich nicht um seinen Chefermittler drehen, treffen auf viele Lesebegeisterte. Das ist schon vor dem Erscheinen von „Takeover“ klar. Wolfram Koch hat die zehn Stunden des neuen Romans eingesprochen und so ein hörenswertes Hörbuch geschaffen.

Er ist der Grund für den „Takeover“

Peter de Boer hat nicht nur einen für die niederländische Fußballhistorie sehr wichtigen Namen, sondern auch einen Job, in welchem er folgenschwere Entscheidungen treffen kann. Seine Aufgabe in „Takeover“ besteht darin, große und einflussreiche Unternehmen zu zerstören. Nach jahrelanger Erfahrung gelingt ihm das mittlerweile in Windeseile, er ist praktisch ein professioneller Killer, den Firmen fürchten müssen. Adler-Olsen verwendet viel Zeit, uns diesen Herren am Anfang von „Takeover“ ausführlich vorzustellen. So erhält der Zuhörer zunächst eine sehr umfassende Figurenbeschreibung des Niederländers, ehe man die eigentliche Problematik versteht.

Ein rasanter Thriller über den internationalen Terrorismus

Markenzeichen der Romane von Jussi Adler-Olsen ist eine hohe Aktualität. Auch in „Takeover“ ist diese mit eingeflossen. Das Werk thematisiert Nahostkonflikt und Finanzkrise ebenso wie das allgegenwärtige Terrorismus-Problem. So soll de Boer für den irakischen Geheimdienst arbeiten und ein großes international operierendes Unternehmen zerstören. Das ist ihm zwar nicht geheuer. Annehmen muss er den Auftrag trotzdem, weil sie seine Vergangenheit benutzen, um ihn von der Mitarbeit zu überzeugen. Unterstützung erhält der Protagonist von Nicky Landsaat, einer von Intelligenz strotzenden Ehrgeizgranate, die sich nach und nach in den Fokus spielt. Dass beide bei ihrem Auftrag in große Gefahr geraten, gehört bei einem Adler-Olsen Krimi zum festen Inventar.

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Stephen King – Finderlohn

Benjamin Jendro

27.August
2015

King - FinderlohnAuch in bin ein Fan verschiedener Schriftsteller und stets enttäuscht, wenn es lange nichts von einem dieser Virtuosen zu hören gibt. So weit wie Morris Bellamy, einem der neuen Protagonisten, in Stephen Kings Figurenrepertoire würde ich aber nie gehen. Bellamy ist von seinem Idol John Rothstein, einem Schriftsteller, so besessen, dass er ihn umbringt, weil er nicht mehr schreibt. Dieses psychopathische Vorgehen kann genau genommen von niemand anderem so ausgesponnen werden. Denn Stephen King ist ein absolutes Unikat, der immer mal wieder mit sonderbaren Charakteren beeindruckt. Bellamy ist der zentrale Gegenspieler für Ermittler Bill Hodges, der im Mittelteil der Mr. Mercedes Trilogie um den „Finderlohn“ feilschen muss.

Wieder Arbeit für Bill Hodges

In „Mr. Mercedes“ hat er sich erstmals gezeigt und definitiv Eindruck hinterlassen. „Finderlohn“ ist nun der zweite Roman der Serie, die im kommenden Jahr ihr Finale erlebt („End of Watch“, dt. Titel bisher unbekannt). An sich ist es für ein Mittelstück nicht immer einfach, ernsthaft unterhaltsam zu sein. Schließlich profitiert es weder von der frischen Unbekanntheit eines ersten Bandes noch von der langsam deutlicher werdenden Botschaft eines Finales. Dennoch aber kann sich auch „Finderlohn“ sehen lassen. Detektiv Bill Hodges kann sich in den rund 18 Stunden Thriller-Abenteuer von seiner besten Seite zeigen. David Nathan führt wie schon bei „Mr. Mercedes“ hervorragend durch Kings Werk und stellt die Ambivalenz des Psychopathen in aller Ausprägung in den Raum. Hodges muss sich mit Morris Bellamy herumschlagen. Dieser hat Rothstein, einen Bestsellerautor der Sechziger, ermordet und dessen Hab und Gut vergraben. Für ein anderes Vergehen landet er im Knast. Als er wieder auf freiem Fuß ist, will er seinen Schatz bergen, doch den „Finderlohn“ hat bereits ein anderer eingeheimst.

Ein gefährlicher Finderlohn

Hier kommt Peter Saubers, die dritte wesentliche Figur, ins Spiel. Der Junge trifft auf den von Bellamy vergrabenen Schatz – unveröffentlichte Manuskripte, Notizbücher und Bargeld. Doch so wirklich glücklich kann man das nicht nennen, denn damit landet Saubers direkt auf der Abschussliste des Psychopathen. Zumal Saubers sich anmaßt, das Geld für seine Familie, die jeden Cent benötigt aufzuwenden. Er kann sich glücklich schätzen, weil Hodges ihn im Auge hat und so vor Bellamy beschützt. 35 Jahre nach dem einstigen Mord will er einen weiteren begehen und den rechtmäßigen Finder um seinen „Finderlohn“ bringen.

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Don Winslow – Das Kartell

Benjamin Jendro

19.August
2015

Winslow - Das KartellJede Freundschaft durchläuft eine Entwicklung. Aus einer losen Bekanntschaft kann eine zementfeste Bruderschaft entstehen und manchmal auch genau das Gegenteil. Es gibt wahnsinnig viele Romane, in denen zwei Kinder sich kennenlernen und ihre Bindung über viele Jahre hinweg aufrechterhalten. Manchmal auch gibt es eine Story darüber, wie sich zwei enge Freunde auseinanderleben und erst Jahre später wieder zueinander finden. Eher selten hingegen ist die dritte Variante, nämlich, dass sich zwei enge Freunde nicht aus den Augen verlieren und zu erbitterten Feinden wachsen. Bei Don Winslow, einem wirklich erfolgreichen Schriftsteller dieser Tage, ist genau das der Fall. Sein neuer Roman „Das Kartell“ zeigt den Drogenhandel in Mexiko und das erbitterte Duell zwischen Ermittler Art Keller und Drogenboss Adan Barrera.

Zwischen den beiden liegen viele Tote

Art und Adan waren mal zwei gute Freunde. Die Zeit hat ihre Beziehung verändert, die vielen Toten ebenso. Ersterer ist mittlerweile Drogenfahnder. Objekt seiner Begierde ist der Niedergang von Adan Barrera, seinem einstigen Kumpel und jetzigen Drogenbaron. Bei seiner atemlosen Jagd auf den Widersacher scheint jedes Mittel recht. Das Ziel ist der Weg und wenn Art dafür Grenzen übertreten muss, um die Gesetzlosen zur Strecke zu bringen, dann ist es ebenso. Winslow zeigt ein tolles und vor allem sehr reales Bild des mexikanischen Drogensumpfs. Deutlich ist, dass Macht und Korruption eng miteinander verschränkt sind, Gerechtigkeit auslotbar ist und Rache das tägliche Geschehen auf allen Seiten bestimmt.

Das Kartell zeigt die Drogengeschichte Mexikos

Don Winslows „Das Kartell“ beginnt mit einer äußerst langen Todesliste und das nicht zu Unrecht. Der Autor widmet sein Werk all jenen Journalisten, die in den letzten 15 Jahren über den Drogensumpf Mexikos berichteten und dafür mit ihrem Leben bezahlten. Ob sie sich Drogenbossen, korrupten Polizisten, Straßenbanden oder Söldnern widmeten, spielt dabei keine Rolle. Sie alle sind Opfer eines vollkommen aus den Rudern geratenen Systems. Die Printausgabe ist mehr als 800 Seiten stark, beim Hörbuch sind es fast 30 Stunden. Dietmar Wunder führt durch einen Roman, der die kriminelle Geschichte Mexikos zeigt und so eine sehr gelungene Fortsetzung des erfolgreichen Vorgängers „Tage der Toten“ ist.

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