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Agatha Christie – Geburtstags-Edition

Benjamin Jendro

25.Juni
2015

Agatha ChristieHeute kennt man in fast jedem Genre bestimmte Vertreter, die man als Aushängeschilder bezeichnen würde. Thriller assoziiert man mit Dan Brown, Horror mit Stephen King oder erotische Lektüre mit E. L. James. In Sachen Kriminalromane gibt es heute auch so einige Vorreiter. Vor allem die Skandinavier scheinen da besonders unterhaltsam. Henning Mankell schon seit Längerem, Jussi Adler-Olsen seit ein paar Jahren. Früher war das eine rein britische Sparte. Neben Sir Arthur Conan Doyle ist hier vor allem Agatha Christie zu nennen. Unzählige ihrer Kriminalgeschichten wurden verfilmt und vertont. Sehr erfolgreich waren auch ihre Romane. Im September würde sich ihr Geburtstag zum 125. Mal jähren. Dafür gibt „der Hörverlag“ eine 10 CDs umfassende Geburtstags-Edition heraus.

Agatha Christie – Eine Frau der großen Fälle

Miss Marple, die alte Jungfer. Hercule Poirot, der belgische Spitzendetektiv und sein Kompagnon Hastings. Tommy und Tuppence Beresford, das Geheimagentenduo. Der charismatische Sir Clithering. Mrs. Oliver, die gerne mal einen interessanten Krimi zu Papier brachte. Oder auch der unverkennbar Inspektor Battle. Na, kommt Ihnen eine dieser Personen bekannt vor? Das ist schon gut möglich, denn sie sind in vielen Werken von Agatha Christie zu bewundern und so ein fest in Beton gemeißeltes Kapitel in der Krimigeschichte. Das gilt auch für die Autorin selbst, ohne die das Genre Krimi heute nicht das wäre, was es ist. Schätzungsweise vier Milliarden Werke hat Agatha Mary Clarissa Christie, geborene Miller, heute verkauft. Ihre Stücke werden der Voraussicht nach auch im 22. Jahrhundert noch gelesen, gehört und geschaut.

Drei große Stücke von Agatha Christie

Satte zwölf Stunden Unterhaltung bietet die Agatha Christie Geburtstags-Edition, für die Regina Lemnitz, David Nathan und Friedhelm Ptok drei der größten Stücke eingesprochen haben. Los geht es mit „Karibische Affäre“, einem Fall für Miss Marple. Diese hat eigentlich Urlaub, doch ein toter Hotelgast zieht ihre Aufmerksamkeit auf sich. Zumal sich die Miss am Tag zuvor noch mit dem Toten unterhalten hat. In „Das unvollendete Bildnis“ wird Hercule Poirot damit beauftragt, die Unschuld einer Frau zu beweisen. Hat die Mutter von Carla Lemarchant ihren Mann umgebracht oder nicht? Poirot muss die Angelegenheit klären und einen neuen Verdächtigen finden. Davon handelt auch „Die Kleptomanin“, wenngleich es zunächst nur um Diebstahl geht. Als die Diebin gefunden ist, wird sie am nächsten Tag entdeckt, allerdings mausetot. Enden kann der Fall da aber nicht, den Poirot hat gerade erst angefangen, seine Nase in die Angelegenheit hineinzustecken.

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Dan Smith – Big Game

Benjamin Jendro

18.Juni
2015

Big GameEs ist ein eher seltenes Phänomen, dass Actionfilme aus dem Kino als Grundlage Romane nutzen. Im Fall von Dan Smith ist es aber so. Sein „Big Game“ erzählt eine interessante und recht ungewöhnliche Geschichte. Ein kleiner Knirps trifft dort mitten in der Wildnis den mächtigsten Mann der Welt. Fortan muss er sich um ihn kümmern und tut dies mit Bravour. Es ist die recht besondere Konstellation, von der die Geschichte lebt und dank der „Big Game“ zum Kinohighlight des Sommers aufsteigen könnte. Das Hörbuch eignet sich für jene, die anstatt der Kinofassung lieber zuhause Spannung haben wollen. Die siebeneinhalb Stunden sind auf jeden Fall hörenswert.

Big Game – Ein außergewöhnliches Jagderlebnis

13 Lenzen ist der kleine Oskari und gemäß der Tradition muss er in den Wald und ein großes Tier erlegen. So wie sein Vater und dessen Vater, Oskari ist nämlich der Spross einer Jägerfamilie. Um der Historie seines finnischen Dorfs gerecht zu werden, ist der Übergang vom Jungen zu Mann das Erlegen einer großen Beute. Je nachdem, worum es sich handelt, erhält der Jäger dann auch Aufschluss darüber, was er für ein Mann geworden ist. Im Fall von „Big Game“ ist die Beute des kleinen Mannes ein wirklich großes Tier. Es handelt sich um den Präsidenten der Vereinigten Staaten, der Oskari da vor den Bogen läuft.

Ein kleiner und schwacher Junge beschützt den mächtigsten Mann der Welt

Oskari hat ein wenig Angst, als er sich in den Wald begibt. Er ist nicht gerade das Ideal eines großen Kriegers. Selbstzweifel sind dennoch unangebracht, denn Oskari erweist sich in „Big Game“ als Fels in der Brandung. Nachdem der Präsident notlanden muss, weil ein Terrorist seine Air Force One vom Himmel pustet, wirkt er mitten in der Wildnis recht orientierungslos. Oskari hält ihn für einen Außerirdischen. Genau diese Konstellation ist so bemerkenswert und Autor Dan Smith zeigt viel Herz in der Geschichte. Oskari beschützt den Präsidenten, der fernab der Staaten hoffnungslos verloren ist und Zielscheibe für jede Menge Bösewichte abgibt.

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Spielman - Nur einen Horizont entferntGute Romane, die einfühlsam sind und Wert auf große Emotionalität legen, zeigen ihren Inhalt zumeist bereits im Titel. Erinnern Sie sich an Jonassons großartigem Schriftstück „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“? Es gibt immer mal wieder solche Werke, denen man den internationalen Bestseller schon bei der Veröffentlichung ansieht. Das traf auf „Morgen kommt ein neuer Himmel“ von Lori Nelson Spielman zu, das insgesamt gute 600.000 Mal über die deutschen Ladentheken ging und so der erfolgreichste Bestseller des abgelaufenen Kalenderjahres war. Ob sie mit „Nur einen Horizont entfernt“ in ähnliche Sphären aufsteigt, lässt sich noch nicht absehen. Eingeschlagen hat die Geschichte aber auf jeden Fall.

Wenn ein Brief ein Leben umkrempelt

Wir leben in einem Zeitalter, in welchem immer weniger Menschen zum Medium Brief greifen und stattdessen lieber eine SMS, Mails oder sonstige Kurznachrichten verschicken. Hannah Farr ist TV-Moderatorin und kennt dieses gesellschaftliche Phänomen zu genüge. Dementsprechend verwundert ist sie, als ein handgeschriebener Brief bei ihr eintrifft. Er stammt von einer früheren Schulkameradin, die um Vergebung bittet, weil sie Hannah früher immer gemobbt hat. Im Kuvert enthalten sind auch zwei Steine. Mit einem soll ihre Vergebung eingeholt werden, mit dem anderen kann sie selbst einen anderen um Verzeihung bitten. Hannah weiß sofort, für wen ihr Stein in „Nur einen Horizont entfernt“ bestimmt ist. Sie weiß nur nicht, ob sie die dunkle Vergangenheit zurück in ihr helles, erfolgreiches Leben dringen lassen soll.

Das komplette Glück ist „Nur einen Horizont entfernt“

Zwei Fragen stellen sich Hannah. Kann sie der früheren Weggefährtin vergeben? Ja das kann sie. Viel wichtiger aber scheint die ganz persönliche Enttäuschung, die sie ihrer Mutter antat und die sich kurz nach dem Lesen des Briefes vollkommen in ihr manifestiert. Hannah hat ihr wehgetan und ein Übel vollbracht, das man nur schwer wieder gerade biegen kann. Ist ein Stein die Lösung, Mutter und Tochter wieder zu vereinen? Mit der jugendlichen Stimme, fängt Sprecherin Eva Gosciejewicz in den 453 Hörbuchminuten sowohl das zittrige Hin und Her in Hannah als auch die einfühlsam aufgebaute Szenerie der Autorin perfekt auf. Das macht ein äußerst hörenswertes Hörbuch für die Sommertage aus.

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Haruki Murakami – Wenn der Wind singt

Benjamin Jendro

27.Mai
2015

Murakami - Wenn der Wind singtDie Zahl derjenigen, die aus meiner Sicht noch immer zu Unrecht auf den Nobelpreis für Literatur wartet, steigert sich Jahr für Jahr. Immer wieder wird man überrascht und bekommt einen Autor vor die Nase gesetzt, der es durchaus verdient hat, der einem aber nicht als erster Name in den Sinn gekommen ist. Haruki Murakami ist für mich derjenige, dessen Name seit Jahren fallen müsste, wenn die Akademie einen Sieger verkündet. Seine Romane versprühen großen Unterhaltungswert und zehren von einer ganz eigenen Sprache. Der 1949 geborene Japaner hat sicher noch ein Paar Jahre Zeit, dennoch sind seine Werke nobelpreiswürdig. Sein Debüt „Wenn der Wind singt“ war es schon.

„Wenn der Wind singt“ ist der Beginn einer Trilogie

Gerade ist der Wunsch vieler Literaturfans in der realen Welt erfüllt worden. Haruki Murakamis Debütroman „Wenn der Wind singt“ wurde endlich auch außerhalb Japans veröffentlicht. Somit hat der Bestsellerautor sich nach langem Hin und Her nun doch entschlossen, seinen Fans, von denen es in Deutschland wahrlich viele gibt, das gute Stück vorzulegen. Es erscheint in der Buchvariante zusammen mit „Pinball 1973“, dem Folgeband. Zusammen mit dem bereits 1991 in Deutschland erschienen Werk „Wilde Schafsjagd“ ergibt das die so genannte „Trilogie der Ratte“ – Murakamis Einstieg in die literarische Welt.

Die Geschichte in „Wenn der Wind singt“

Haruki Murakamis Romane erkennt man oft an wiederkehrenden Elementen. Eines besteht darin, die Erzählung an einer Figur entlang zu führen und das Werk so auch immer ein wenig autobiographisch zu gestalten. In „Wenn der Wind singt“ ist ein 21-jähriger Student dieser Eckpfeiler. Murakami, der seinen Schriften gerne mal etwas Mystisch-Märchenhaftes verleiht, gibt ihm keine Namen. Er ist eine Person, die sinnbildlich zu sehen ist und deshalb auch keinen Namen tragen muss. Besagter Student verbringt die Sommersemesterferien des Jahres 1970 in seinem kleinen Heimatdörfchen. So wirklich viel macht er dort nicht. Trotzdem enthalten die fünf Stunden Hörbuch, die David Nathan spricht, viel Interessantes. Es geht um die Gespräche von dem Protagonisten mit seinen drei engsten Vertrauten, seinem besten Freund Ratte, einem Mädchen, dem ein Finger fehlt und einem Barkeeper.

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Victor Hugo – Die Elenden

Benjamin Jendro

20.Mai
2015

Hugo - Die ElendenFrankreich hat eine Menge große Literaten zu bieten. Im Land, das seit jeher eine Art Vorbote der menschlichen Geistesentwicklung scheint, sind Autoren aus dem Boden gewachsen wie in anderen Ländern das Unkraut. Balzac, Voltaire und Co. haben die Welt mit ihren Worten bereichert, ihr viele schöne Stunden geschenkt. Von einem Alexandre Dumas möchte man da noch gar nicht sprechen. Einer, der in Deutschland eigenartiger Weise gar nicht so großen Erfolg hatte, in der Welt aber recht große Anerkennung findet, ist Victor Hugo. Dessen Todestag jährt sich am Freitag zum 130. Mal. Grund genug, einen Blick auf „Die Elenden“ zu werfen, sein mit Sicherheit größtes Stück.

Die Elenden als Zeugnis des politischen Wandels

Zeit seines Lebens variierten die politischen Ansichten von Victor Hugo. Dieser Wandel spiegelt sich auch in seinen Werken wider. 1846 wechselte er erneut das Lager und begann sich nach und nach sozial zu engagieren. In Manier des großen Sues arbeitete er fortan an seinem Meisterstück, das schließlich 1862 als „Les Miserables“, zu dt. „Die Elenden“ vorgestellt wurde. In diesem Aushängeschild der Romantik, als dessen Hauptakteur Hugo heute in Frankreich gesehen wird, widmet er sich dem Schicksal des Sträflings Jean Valjean. Um diesen herum baut er ein Gesellschaftsbild der Zeit von Napoleon bis Louis Philippe.

Hugo beschreibt die Umstände der Zeit

Mal abgesehen von den Geschehnissen rund um Valijean und einige andere Protagonisten beschreibt Victor Hugo in „Die Elenden“ vor allem auch den Pariser Juniaufstand von 1832. Dabei zeigt er verstärkt Sympathie für die Aufständler, die eine Republik errichten wollen. Alle wichtigen Akteure treffen direkt an den Barrikaden aufeinander. Besonders handlungstragend scheint dabei der vorher eher nebensächliche Gassenjunge Gayroche. Er ist ein wesentliches Puzzlestück, das in den 56 Mammutstunden Hörbuchversion mit vielen anderen Elementen zusammengeführt wird. Sprecher Gert Westphal schaffte es mit einer erstklassigen Mixtur aus ruhiger und bei Bedarf auch bewegter Intonation Victor Hugos großen Klassiker neu aufleben zu lassen.

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Dörte Hansen – Altes Land

Benjamin Jendro

13.Mai
2015

Hansen -Altes LandManche Dinge in dieser Welt können wir bestimmen, die meisten aber eben nicht. So ist unser Leben geprägt von vielem Unvorhersehbaren und jeder Menge Überraschungen, die es besonders spannend machen. Eine Sache, die sich nicht vorhersehen lässt, ist beispielsweise der Unterhaltungswert eines literarischen Werkes. Zwar kennen wir einige Autoren und Autorinnen und können bei einem Folgewerk von ihnen in etwa erahnen, was da zu hören ist. Bei gänzlich neuen Schriftstellern aber lässt sich der Überraschungseffekt nicht minimieren. Insofern wusste ich auch vor meinem letzten Hörbuchkauf nicht, was mich erwartet. Ich griff zur Dörte HansensAltes Land“ und bereute die Entscheidung bei keiner der 313 Hörminuten.

Altes Land ist ein historisch gefärbtes Stück

Fünf Jahre alt ist die kleine Vera, die als das „Polackenkind“ gemeinsam mit ihrer Mutter auf einem Hof gelandet ist. „Altes Land“ erzählt von ihrer Flucht aus Ostpreußen im Jahr 1945. Die neue Heimstätte ist zwar sicher, doch die Szenerie erscheint ihr fremd. Das große und karge Bauernhaus strahlt nicht gerade große Gastfreundschaft aus. Dennoch aber ist Vera am neuen Ort gefangen. Sechs Jahrzehnte später klopft ihre Nichte Anne an die Tür. Auch sie ist geflüchtet, vor ihrem Mann, der auf einmal eine andere liebt. Sie hat ihren kleinen Sohn mitgebracht.

Dörte Hansen berührt den Leser

So unterschiedlich Dörte Hansen Anne und Vera auch darstellt, so vergleichbar ist ihre Situation. Die beiden Frauen, um die sich das komplette Werk „Altes Land“ dreht, haben mehr gemeinsam als es den Anschein macht. Es ist durchaus interessant zu beobachten, dass beide letztlich nach exakt dem gleichen Medium suchen – einer Familie, in der Glück sprießt. Das entschlüsselt die Autorin, die mit einer klaren aber stetig einfühlsamen Sprache, mit Verlauf der Erzählung immer mehr. So berührend die Geschichte ist, so viel ist sie auch vom hanseatisch-trockenen Witz gesegnet, den Dörte Hansen immer mal wieder einfließen lässt.

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Die drei Fragezeichen – Schattenwelt

Benjamin Jendro

7.Mai
2015

SchattenweltJustus Jonas, Peter Shaw, Bob Andrews – Das Triumvirat der Hörbuchszenerie kehrt zurück und präsentiert seinen nunmehr 175. Fall. Das wohl erfolgreichste Dreigestirn der Krimihistorie poltert seit Jahrzehnten erfolgreich durch die Boxen von Kassettenrekordern und CD-Playern. „Schattenwelt“ ist nun ihr neuestes Abenteuer und eines, das sich genauer betrachtet in gleich mehrere Episoden unterteilt. Wie viele genau? Na raten Sie mal! Exakt drei sind es, ganz gemäß der Dreifaltigkeit, die Justus, Peter und Bob als Kriminalisten stets verkörpern.

Die drei Fragezeichen als Studis

Das gab es in der langen Bandreihe der drei Fragezeichen noch gar nicht. In „Schattenwelt“ bekommen sie erstmals die unvergleichliche Chance, als Studenten für ein paar Wochen das Uni-Leben zu testen. Wie erwartet, geht es in Ruxton aber nicht allein um Vorlesungen und Uni-Partys, sondern um einen neuen tollen Fall. Dieser benötigt etwas Anlaufzeit, kommt etwas spärlich in die Gänge. Zunächst einmal müssen sie sich mit einem Mitbewohner herumärgern. Auf dem Campus werden die sonst so freundlichen Zukunftsakademiker plötzlich zu aggressiven Kommilitonen.  Des Rätsels Lösung soll wohl der sogenannte Teumessische Fuchs sein. Dieser ist aber nicht so wirklich identifizierbar.

Schattenwelt begeistert mit drei Teilen

Das neue Abenteuer „Schattenwelt“ beginnt mit „Teuflisches Duell“ und eben jener merkwürdigen Ausgangslage auf dem Campus. Weiter geht es mit „Angriff in der Nacht“ und so immer tiefer in den dunklen Sumpf und immer weiter an den Teumessischen Fuchs heran. Der scheint omnipräsent, ist aber irgendwie doch nicht auffindbar. Bis zu einer Nacht, in der er eiskalt und unerwartet zuschlägt. Das Grande Finale von „Schattenwelt“ erfolgt in „Die dunkle Macht“. Spektakuläre Entdeckungen wirbeln den ganzen Fall durcheinander und bringen „Die drei Fragezeichen“ näher auf die Spur ihres Gegenspielers. Dieser aber scheint gewieft und ist immer einen Schritt voraus. Der finale Showdown bringt dann sein wahres Gesicht ans Tageslicht. Eine wirklich gelungene Jubiläumsausgabe, die dort mit „Schattenwelt“ vorgelegt wird.

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McPartlin _ Rabbit HayesWas ist das Wichtigste in unserem Leben? Die Frage lässt sich so einfach nicht beantworten, denn genau betrachtet ist das bei jedem ganz individuell bestimmbar. Es gibt jedoch eine Schnittmenge, die für alle Menschen besonderen Status haben sollte, weil sie letztlich das ist, was uns in allen Höhen und vor allem den Tiefen des Lebens beiseite steht. Die Familie ist ohne Frage das zentrale Hab und Gut eines Menschen. Da verwundert es auch nicht, dass Romane, in denen das Familiäre in den Mittelpunkt gestellt wird, die meisten Leser für sich gewinnen können. Anna McPartlin zeigt das mit ihrem Werk „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ – eine Geschichte, in der es um das Thema Krebs, den Umgang damit und so folglich auch um die Familie geht.

Ein allerletzter Kampf

Das Leben lässt uns viele Kämpfe bestreiten und auch, wenn wir nicht mehr wie früher in Schlachtfeld ziehen müssen, gibt es doch viele Hürden, die man überspringen muss. Für Rabbit Hayes ist klar, dass dies ihr letzter Kampf sein wird und einer, den sie nicht gewinnen kann. Es sind „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“, denn sie hat Brustkrebs im Endstadium. Eine Heilung ist vollständig ausgeschlossen. Ganze neun Tage geben ihr die Ärzte. Wenig Zeit, aber genug für Rabbit, um innerhalb ihrer Familie noch mal alles ins Reine zu bringen. Das ist zwar eine recht aufwendige Aufgabe, doch Rabbits Hoffnung bleibt ungetrübt. Sie weiß, sie wird es schaffen, selbst wenn es das Letzte ist, was sie tut.

Die Geschichte von Rabbit Hayes ist traurig, schenkt aber Hoffnung

Jedem, der zum Hörbuch „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ greift, muss klar sein, dass es um ein ernstes Thema geht, die Grundstimmung demnach nahezu auf dem Tiefpunkt ist. Allerdings ist es gerade die Hauptakteurin, der Anna McPartlin ein wenig Esprit verleiht und durch die sie die düstere Trauergrundhaltung ein wenig aufhellt. Rabbit Hayes beweint ihr Schicksal nicht, sie beendet ihr Leben im Guten und muss das bevorstehende Ende nicht ständig beweinen. Das mag ein wenig skurril wirken, sorgt aber letztlich dafür, dass auch ihre Familienangehörigen besser mit der Situation umgehen können. Das gilt für Jack und Molly, ihre Eltern, aber auch für die Geschwister Grace und Davey. Am meisten beeindruckt jedoch das Verhalten der erst zwölfjährigen Tochter Juliet, die wohl den schwersten Stein zu tragen hat.

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Jan Weiler – Kühn hat zu tun

Benjamin Jendro

24.April
2015

Weiler - Kühn hat zu tunImmer wieder stößt man auf erfolgreiche Schriftsteller, die es in einem neuen, für sie eher unbekannten Genre versuchen. Mit Kriminalromanen hat man Jan Weiler bisher nicht so wirklich in Verbindung bringen können. Nun aber versucht es der Düsseldorfer, der mit „Maria, ihm schmeckt´s nicht“ die große Bühne betrat, mit einem eben solchen. „Kühn hat zu tun“ ist ein Werk, das vom Titel her noch nicht so viel Grausiges bereithält. Im Verlauf der mehr als acht Stunden Hörbuch aber geht es richtig zur Sache, was man Jan Weiler bisher überhaupt nicht zugetraut hätte.

Kühn hat Probleme und jede Menge zu tun

44 ist Martin Kühn, verheiratet und zweifacher Vater obendrauf. Ansässig in der Münchner Vorstadt, scheint die für ich höchste Karrierestufe bei der Polizei bereits erreicht. Eigentlich hält man ihn für recht talentiert, für eine Beförderung aber reicht das wohl nicht. Im Grunde genommen stört ihn das nicht einmal, viel größer sind da die Probleme in den heimischen vier Wänden. Sei pubertierender Sohn entwickelt immer sonderbarere Interessen. Darüber hinaus geht eine sexuelle Anziehungskraft von der rothaarigen Nachbarin aus. Fremdgehen aber würde er nie, zumal ihm die Zeit fehlt, denn „Kühn hat zu tun“. Er wird zu einem Tatort gerufen, zu welchem er nicht lang braucht. Keine 30 Meter von seinem Gartentor entfernt liegt eine Leiche.

Respekt Jan Weiler

Schon interessant, wie wortgewandt sich Jan Weiler in „Kühn hat zu tun“ erweist. Als hätte er nie etwas anderes geschrieben, meistert er seinen ersten Krimi mit Bravour. Von Vorteil ist es da natürlich auch, dass er seinen Roman gleich selbst eingesprochen hat und so ganz genau weiß, worauf er den Schwerpunkt in der Intonation setzen kann. Kühn ist ein eigenwilliger Charakter, an dessen Gedanken wir stets teilhaben dürfen und über den man sich wundern kann. Dennoch entwickelt man als Zuhörer eine gewisse Zuneigung. Recht flüssig geschrieben und dennoch mit spannenden Wendungen versehen, entwickelt sich „Kühn hat zu tun“ zu einem echten Krimi, der einen dann schon mal auf die Couch fesselt.

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Ian McEwen – Kindeswohl

Benjamin Jendro

26.März
2015

McEwan - KindeswohlGerichtsfälle können recht öde sein. Sie ziehen sich lange hin. Folgenschwere Entscheidungen benötigen eine ausführliche Vorlaufzeit, gerade wenn es um grundsätzliche Angelegenheiten geht. Für den Betrachter eines solchen Falles sorgt dieses lange, aber eben notwendige Prozedere irgendwie auch immer für eine gewisse Anspannung. Manche Verhandlungen sorgen für einen großen Gesellschaftsrummel. Man fiebert mit den Protagonisten mit und wartet auf die schlussendliche Resolution. Ian McEwens neuer Roman „Kindeswohl“ gibt einen Einblick in die Justizwelt. Er behandelt den Alltag einer Richterin, deren Arbeit aber beispielhaft für die vieler steht.

Sie entscheidet über das Kindeswohl

Fiona Maye ist Richterin am Londoner High Court. Um dort zu landen, muss man schon einiges geleistet und sich über viele Jahre große Anerkennung erkämpft haben. Sie ist angesehen, zuständig für den Bereich Familienrecht. Das bedeutet, dass sie beispielsweise darüber entscheidet, wie man bei siamesischen Zwillingen vorgehen muss, wenn sie gemeinsam nicht überleben können. Sie klärt Familienstreitereien jeglicher Art und hat stets eine Auge dafür, wo es Kindern am besten geht. Sie selbst hatte bis dato immer recht geordnete private Verhältnisse. Mit Geschichtsprofessor Jack ist sie seit drei Jahrzehnten verheiratet. Bisher lief die Beziehung recht harmonisch. Nun aber möchte der liebe Herr ihre Zustimmung, eine Affäre beginnen zu dürfen. Fiona fällt logischerweise aus allen Wolken, hat ganz nebenbei aber auch noch einen richtig harten Brocken im Gerichtssaal vorzuliegen.

Eine schwere Entscheidung – Religion oder Leben

Das Thema Religion spielt im Leben vieler Menschen eine wichtige Rolle. Bei einigen aber konkurriert das Eine mit dem Anderen. Der 17-jährige Adam zum Beispiel ist bei den Zeugen Jehovas, er ist gläubig mit jeder Faser seines Körpers. Leider ist eben dieser von Leukämie durchzogen. Man könnte Adam helfen, ihn mit einer Bluttransfusion retten. Man könnte, denn im Weg steht der Glaube. Fiona muss entscheiden, ob er die Transfusion erhält, gegen seinen Willen und doch für ihn. Dass Adam große Talente besitzt und diese der Richterin vorführt, macht ihre Entscheidung in „Kindeswohl“ nicht einfacher.

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