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Ian McEwen – Kindeswohl

Benjamin Jendro

26.März
2015

McEwan - KindeswohlGerichtsfälle können recht öde sein. Sie ziehen sich lange hin. Folgenschwere Entscheidungen benötigen eine ausführliche Vorlaufzeit, gerade wenn es um grundsätzliche Angelegenheiten geht. Für den Betrachter eines solchen Falles sorgt dieses lange, aber eben notwendige Prozedere irgendwie auch immer für eine gewisse Anspannung. Manche Verhandlungen sorgen für einen großen Gesellschaftsrummel. Man fiebert mit den Protagonisten mit und wartet auf die schlussendliche Resolution. Ian McEwens neuer Roman „Kindeswohl“ gibt einen Einblick in die Justizwelt. Er behandelt den Alltag einer Richterin, deren Arbeit aber beispielhaft für die vieler steht.

Sie entscheidet über das Kindeswohl

Fiona Maye ist Richterin am Londoner High Court. Um dort zu landen, muss man schon einiges geleistet und sich über viele Jahre große Anerkennung erkämpft haben. Sie ist angesehen, zuständig für den Bereich Familienrecht. Das bedeutet, dass sie beispielsweise darüber entscheidet, wie man bei siamesischen Zwillingen vorgehen muss, wenn sie gemeinsam nicht überleben können. Sie klärt Familienstreitereien jeglicher Art und hat stets eine Auge dafür, wo es Kindern am besten geht. Sie selbst hatte bis dato immer recht geordnete private Verhältnisse. Mit Geschichtsprofessor Jack ist sie seit drei Jahrzehnten verheiratet. Bisher lief die Beziehung recht harmonisch. Nun aber möchte der liebe Herr ihre Zustimmung, eine Affäre beginnen zu dürfen. Fiona fällt logischerweise aus allen Wolken, hat ganz nebenbei aber auch noch einen richtig harten Brocken im Gerichtssaal vorzuliegen.

Eine schwere Entscheidung – Religion oder Leben

Das Thema Religion spielt im Leben vieler Menschen eine wichtige Rolle. Bei einigen aber konkurriert das Eine mit dem Anderen. Der 17-jährige Adam zum Beispiel ist bei den Zeugen Jehovas, er ist gläubig mit jeder Faser seines Körpers. Leider ist eben dieser von Leukämie durchzogen. Man könnte Adam helfen, ihn mit einer Bluttransfusion retten. Man könnte, denn im Weg steht der Glaube. Fiona muss entscheiden, ob er die Transfusion erhält, gegen seinen Willen und doch für ihn. Dass Adam große Talente besitzt und diese der Richterin vorführt, macht ihre Entscheidung in „Kindeswohl“ nicht einfacher.

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Jussi Adler-Olsen – Verheißung

Benjamin Jendro

19.März
2015

Adler-Olsen - Verheißung hbDie Neuerscheinungen in diesem Frühjahr sind wirklich herausragend. In den letzten Wochen sind einige neue Werke von Autoren herausgekommen, die ich schon seit einigen Jahren lese bzw. in der Hörbuchform anhöre. Ob Luca di Fulvio oder Martin Suter, die beide in den letzten Empfehlungen vorgestellt wurden – Das Jahr 2015 hat bisher so einiges zu bieten. Das ändert sich auch in naher Zukunft nicht. Mit Jussi Adler-Olsen steht nämlich bereits der nächste Starschriftsteller auf dem Programmplan. Dessen neuer Kriminalroman „Verheißung“ thematisiert den sechsten Fall des Sonderdezernates Q. Vorsteher der Einheit für die ganz besonderen Verbrechen ist mit Carl Mørck nach wie vor der wohl charismatischste Ermittler dieser Tage.

Es gibt mal wieder Arbeit für Carl Mørck und sein legendäres Team

Siebzehn Jahre sind vergangen, seit Kommissar Habersaat damit begann, einen mysteriösen Mord aufzuklären. Damals hing eine tote Frau kopfüber von einem Baum. Des Rätsels Lösung hat er noch immer nicht gefunden. So wendet er sich nun an seinen Freund Carl Mørck, der sich dem Problem zunächst etwas zögerlich annimmt. Einen Tag später ist Habersaat tot, kurz darauf auch sein Sohn. Jetzt beginnt Mister Mørck sich ernsthaft für den Fall zu interessieren. Die Recherchen führen ihn und sein Team auf die Insel Öland. Direkt zu einem Heilversprecher, der Menschen aus dem ganzen Kontinent anlockt, um ihnen den Sinn des Lebens näher zu bringen. „Verheißung“ beginnt mit einer gewissen metaphysischen Ebene.

Das Sonderdezernat Q bringt sich in „Verheißung“ in große Gefahr

Carl, Assad und Rose dringen ein in eine Welt voller Mystik und Seelsorge ein. In „Verheißung“ dreht sich alles zentral um die transzendentale Vereinigung von Mensch und Natur. Allein dieser Name zeigt, wohin sich Jussi Adler-Olsen dieses Mal begibt und mit welchem Thema er die Zuhörer für sich gewinnen möchte. Das gelingt während der mehr als 16 Stunden Hörbuch, die von Wolfram Koch vorgetragen werden, auf vielen Ebenen. Adler-Olsen glänzt mal wieder mit vielen unvorhersehbaren Wendungen und einer plastischen Sprache, dank der man sich voll ins Geschehen hineinversetzten kann. Dass von Beginn an eine immense Spannung auf dem Werk liegt, trägt natürlich auch einen großen Teil zum Erfolg des Romans bei. Es ist, und das sagt man eigenartiger Weise bei jedem Schriftstück von Jussi Adler-Olsen auf eine Neues, die bisher beste Lektüre von ihm.

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Martin Suter – Montecristo

Benjamin Jendro

12.März
2015

Suter - MontecristoMartin Suter genießt bisweilen großes Ansehen im deutschsprachigen Literaturraum. Seine Romane werden als hochwertig eingestuft, seine Schriften beim Diogenes-Verlag synthetisiert. Das macht sie für den gemeinen Leser und Zuhörer immer auch etwas kostspielig. Im Regelfall aber lohnt sich die Investition, denn Suter liefert normalerweise wirklich recht anständige Lektüre. Vor allem gelingt es ihm zumeist, den momentanen Tonus der Gesellschaft zu treffen und Probleme zu thematisieren, die brandaktuell und ebenso interessant sind. Da sich das bei Martin Suter dann auch noch mit einer recht bemerkenswerten Sprachvielfalt kombiniert, macht auch den neuen Roman „Montecristo“ nicht gerade schlechter.

Montecristo ist eher ein Thriller – Suter auf neuem Terrain

Genau betrachtet ist „Montecristo“ eher ein Thriller und somit ein für Martin Suter eher ungewohntes Terrain. Dass er sich da wohlfühlt, kann man aber ab der ersten Minute der Hörbuchversion bemerken. Suter wagt einen Ausflug in das Schweizer Finanzwesen, das vor Korruption, Betrug und reichlich dunklen Machenschaften nur so überströmt. In diesem tüfteln Politiker und Börsenhaie ebenso mit wie ganz gerissene Geschäftsleute und einflussreiche Prominente. Sie alle wirft Martin Suter ins Rennen und schafft so ein munteres Ensemble an verschiedenen Figuren, die letztlich alle den großen Profit suchen. Mitten in diesem Netzwerk befindet sich ein Videojournalist, der eigentlich von einer großen Filmkarriere träumt und sich lieber einer lang ersehnten Lebensaufgabe widmen möchte. Es ist ein dubioser Glücksfall, dass besagter Jonas Brand plötzlich in den Fall seines Lebens stolpert und das bisher so langweilige Dahinvegetieren eines Mannes in den Vierzigern etwas Fahrt aufnimmt.

Ein Suizident und identische Scheine

Interessant wird das siebeneinhalb Stunden lange Hörbuch, das von Wanja Mues gelesen wird, als Suter von einem Bankangestellten spricht, der sich aus einem Zug gestürzt haben soll. Er soll, bestätigt ist das nicht. Ein heftiger Schubser kann ebenso für den Tod des Mannes verantwortlich sein. In diesem Zusammenhang tauchen Drogen auf, wohlgemerkt keine geringe Menge und dann noch etwas wirklich Seltsames. Zwei Hundertfrankenscheine sorgen für Aufsehen, tragen sie doch die identische Seriennummer. Turbulent erzählt und vor allem ab der zweiten Hälfte des Werkes sehr spannend dargestellt, ergibt sich mit „Montecristo“ so ein echt bemerkenswerter Thriller des Herrn Suter.

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di Fulvio - Das Kind, das nachts die Sonne fand hbWochenlang schon habe ich auf dieses Hörbuch gewartet. Nun ist es endlich soweit und in einer guten Woche können auch Sie das Highlight des Frühjahrs vor die Ohren bekommen. Der italienische Kultautor Luca di Fulvio hat mal wieder ein wenig getüftelt und folgt mit seinem neuen Werk der zuletzt so erfolgreichen Schreibweise. „Der Junge, der Träume schenkte“ rückte den Römer in den Fokus des literarischen Geschehens und machte ihn von einem guten zu einem herausragenden Autor. Dieser Eindruck bestätigte sich bei „Das Mädchen, das den Himmel berührte“. Die Erfolgsstory setzt sich beim neuen Roman „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ weiter fort.

„Das Kind, das nachts die Sonne fand“ ist eine gelungene Fortsetzung

Während sich di Fulvio bei „Inkubus“ eher noch dem Thrillergenre zuordnen ließ, ging er bei „Der Junge, der Träume schenkte“ einen komplett anderen Weg. Bereuen wird er diesen Wandel nicht. Sowohl Cover als auch Titel zogen unzählige Leser und Zuhörer an, dem Folgewerk erging es ähnlich. Auch „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ setzt auf diese erfolgreichen Elemente. Obwohl die Werke weder zeitlich noch in den Charakteren irgendeinen Zusammenhang vorweisen können, müssen sie doch gemeinsam betrachtet werden. Auch beim neuesten Stück ist der Titelheld auf dem Cover abgebildet und natürlich dreht sich nicht nur der Titel, sondern auch die Erzählung selbst um diesen Charakter. Das macht „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ zu einer lang ersehnten und definitiv gelungenen Fortsetzung.

Das Kind, das nachts die Sonne fand – Ein junger Thronfolger

Marcus ist ein junger Thronfolger im Herrschaftsgebiet Raühnval in den Ostalpen. In einer Zeit der einflussreichen Landesfürsten führt er zunächst ein privilegiertes Leben. Das ändert sich mit einem Massaker, bei dem seine ganze Familie und sämtliche Burgbewohner ihr Leben verlieren. Die Tochter einer Dorfhebamme rettet „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ und verschleiert folglich dessen Identität. Besagte Elisa lässt ihn ein Leben unter den Dorfbewohnern führen, Marcus scheint diesem von Beginn an zugetan. Gleichzeitig rumort in ihm das Gefühl einer anderen Bestimmung. Diese bringt di Fulvio, bzw. Sascha Rotermund, der die zehn Stunden eingesprochen hat, sehr gut zur Sprache. Klar ist jedem di Fulvio Fan auch, dass „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ die Menschen im Umfeld nachhaltig beeinflussen wird.

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Khaled Hosseini – Tausend strahlende Sonnen

Benjamin Jendro

27.Februar
2015

Hosseini - Tausend strahlende SonnenIn der nächsten Woche feiert Khaled Hosseini seinen fünfzigsten Geburtstag. Das ist für ihn persönlich wahrlich ein bedeutendes Ereignis. Eines, das mit den Liebsten gefeiert wird. Viel wichtiger, so sehr wir ihm zu diesem Jubiläum auch gratulieren wollen, sind seine literarischen Leistungen, mit denen er uns den Einblick in eine Welt ermöglicht, die wir oftmals so noch nicht gesehen haben. Hosseini schreibt über Afghanistan, aber er konzentriert sich nicht auf die Kriegsschauplätze, zumindest nicht ausschließlich. Romane wie „Tausend strahlende Sonnen“ sind den Menschen gewidmet. Den Menschen, die in dieser kriegerischen Welt beheimatet sind.

Tausend strahlende Sonnen in Afghanistan

Tausend strahlende Sonnen“ war der erste Roman, die ich von Khaled Hosseini lesen bzw. hören durfte. Er ist dafür verantwortlich, dass ich mittlerweile alle Werke verschlungen habe und die einzelnen Zeilen mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Die neun Stunden Hörbuch, gelesen von Andrea Hörnke-Tries, gehen runter wie Öl, hinterlassen aber einen schweren Pfropfen im Körperinneren. Hosseinis Werke haben die Eigenschaft, vor allem im Nachhinein zu bewegen. Zu jener Zeit, wenn man das Gehörte Revue passieren lässt und sich die Erzählungen zu schaurigen Bildern zusammensetzen. Natürlich spielt das Geschehen in Afghanistan. Auch das ist ein fester Bestandteil bei diesem Autor.

Das Schicksal zweier Frauen

Anders als in „Drachenläufer“ – der nicht weniger bekannte Bestseller – spricht Hosseini in „Tausend strahlende Sonnen“ über zwei Frauen. Ihre Freundschaft und ihr Mut überwinden die Unterdrückung. Parallelen sind also trotz differenter Personenstruktur deutlich zu spüren. Ihr Leid ist Hauptthema im Werk. Ihr Kampf, dieses zu überwinden, die Botschaft, die Khaled Hosseini mitgibt. Selbst, wenn eine Situation ausweglos scheint, lohnt es sich doch, für die eigenen Träume zu kämpfen. Das zeigen Mariam, die mit 15 Jahren an einen zwanzig Jahre älteren Mann zwangsverheiratet wird, und auch Leila. Letztere erlebt das gleiche Martyrium zwanzig Jahre später, wird Zweitfrau des gleichen Mannes, der nunmehr jenseits der 60 ist. Der Weg, wie Mariam und Leila zueinander finden ist ein Übel der Kultur. Es ist aber zugleich die Chance beider, dem zu entfliehen.

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Michel Houellebecq – Unterwerfung

Benjamin Jendro

10.Februar
2015

Houellebecq - Unterwerfung hbIn den letzten Wochen wurde wahnsinnig viel über den Terror des IS gesprochen und geschrieben. Verantwortlich für diese Fokussierung sind die sich immer stärker häufenden Angriffe und Hinrichtungen, die durch die Vertreter des IS im Religionskampf vollzogen werden. Nicht zuletzt haben die Anschläge in Paris gezeigt, dass Europa dieses Thema ernst nehmen sollte. Im engen Zusammenhang mit dem Attentat auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo wurde immer wieder ein Autor genannt, der mit seinen Werken schon des Öfteren angeeckt ist und dessen neuester Roman an jenem Tag im Januar erschienen ist, als einige seiner Bekannten aus dem Leben schieden. Ohne Frage ist Michel Houellebecq ein Querdenker. Sein aktuelles Stück „Unterwerfung“ thematisiert den Islam, ist aber nicht als Kritik dessen zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um ein Zukunftsszenario, das der Autor erdacht hat und das seine schriftstellerische Klasse beweist.

Es ist die Unterwerfung unter eine starke Religion

Houellebecq macht in allen öffentlichen Diskussionen keinen Hehl daraus, was er über die derzeitige Führung seines Frankreichs denkt. Die bisherigen Romane durften getrost auch als politische Kritik verstanden werden. „Unterwerfung“ tendiert in diese Richtung, zeigt aber einen stilistisch sehr gereiften Michel Houellebecq. Erzählt wird im 8-stündigen Hörbuch von einer Regierungsübernahme in der Zukunft. Es ist das Jahr 2022, als Paris in einen Bürgerkrieg gerät. Bei der letzten Wahl konnte sich Präsident Hollande noch einmal durchsetzen. Dieses Mal aber haben die altgedienten Parteien keine Chance mehr. Stattdessen hat sich Front National mit Marine Le Pen zahlreiche Wählerstimmen sichern können. Der einzige, der ihrer Machtübernahme und einer rechtsgerichteten Politik im Weg steht, ist Mohammed Ben Abbes. In der Stichwahl entscheiden sich die Wähler und Vertreter der gescheiterten bürgerlichen Parteien für ihn, um das Übel Le Pens abzuwenden. Die Folge ist eine „Unterwerfung“ der bisherigen Glaubenswerte und die Islamisierung Frankreichs, die der Autor aber äußerst positiv darstellt.

Unterwerfung erzählt von der Wiederherstellung des Einheitsgedankens

Sprecher Christian Berkel hat ein gutes Gespür dafür, was Houellebecq mit „Unterwerfung“ eigentlich sagen will und überbringt dank sehr eigenwilliger Schwerpunktsetzung bei der Intonation die zwischen den Zeilen stehende Botschaft an die Zuhörer. Ben Abbes ist ein recht charismatisch dargestellter und weitdenkender Staatspräsident, der nach Ausgleich bemüht ist. Seine Bruderschaft der Muslime verändert natürlich das gesellschaftliche Zusammenleben innerhalb Frankreichs. Die Islamisierung erfolgt aber moderat und wird kaum kritisch beäugt, von vielen sogar gern angenommen. Allen voran von Literaturwissenschaftler François. Der Hauptcharakter trägt Züge Houellebecqs in sich und ist vom Wandel positiv beeindruckt. Er überlegt sogar, den muslimischen Glauben anzunehmen, weil sich dadurch seine sexuellen Vorlieben realisieren könnten und er gleich mehrere Frauen ehelichen dürfte. Alles in allem polarisiert Houellebecq mit seinem Werk und das weiß er sehr wohl. Nichtsdestotrotz aber kritisiert er mit „Unterwerfung“ weder den Islam noch seine Grundelemente. Dies geschieht auch nicht auf satirischer Ebene, denn letztlich ist die Situation, wie sie fiktiv aufgezeigt wird, keinesfalls negativ konnotiert. Vielmehr würden die Franzosen dank der Machtübernahme endlich wieder Einheit symbolisieren, weil sie Werte verinnerlichen, an denen es festzuhalten gilt.

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Die drei ??? – Dämon der Rache

Benjamin Jendro

20.Januar
2015

Die drei  - Dämon der RacheIm Hörbuchbereich gibt es viel spannende Geschichten, einige sind sogar in diesem Format erfolgreicher als bei den Printausgaben. Ein gutes Beispiel sind dahingehend „Die drei ???“, die vor allem im Akustischen anzusiedeln sind. Früher dröhnten die Abenteuer um Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews aus dem Kassettenrekorder. Mittlerweile hat sich das Medium geändert, was aber zum Glück keinerlei Auswirkung auf den großen Unterhaltungswert ausüben konnte. Neuestes Beispiel ist Folge Nummer 173, die auf den stolzen Namen „Die drei ??? – Dämon der Rache“ getauft wurde und schon im Cover erkennen lässt, dass es etwas Grausiges zu hören gibt.

Die drei ??? – Dämon der Rache

Als „Die drei ???“ eigentlich den Gewinn einer Ballonfahrt genießen sollten und sich in großer Höhe über die kalifornische Küste begeben, macht Peter eine schwindelerregende Beobachtung. Die drei fliegen über ein Anwesen, in dessen Garten eine eigenartig ausschauende Gestalt mit einer Harpune bewaffnet hinter einer Frau hinterherrennt. Natürlich möchte er die anderen darauf aufmerksam machen. Doch ehe sie sich dem Geschehen auf dem Erdboden annehmen können, sind die Protagonisten längst nicht mehr im Blickfeld. Dennoch aber kommen sie Peters Wunsch nach und machen eine seltsame Entdeckung.

Dämon der Rache erinnert an Gruselfilme ähnlicher Kategorie

Irgendwie scheint der Plot von „Die drei ??? – Dämon der Rache“ recht sonderbar. Denn erzählt wird von einem mysteriösen Wesen, dass die Menschen speziell mit seinem gigantischen Maul ordentlich in Schach hält und die Bewohner der Villa Pembroke in Angst und Schrecken versetzt. Dass besagtes Anwesen nicht gerade im hellen Glanz erstrahlt, macht die Szenerie ohnehin nicht besonders einladend. So ein bisschen erinnert die Geschichte, die Justus, Peter und Bob da nach und nach entschlüsseln, an einen Familienfluch, den man auch im einen oder anderen Gruselstreifen bereits vorgesetzt bekam. Das Geschehen in „Die drei ??? – Dämon der Rache“ geht aber noch etwas weiter und ist so auf jeden Fall ein Hörempfehlung wert.

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Zafon - Der Schatten des Windes HörbuchInnerhalb der spanischen Literatur ist in den letzten Jahren ein kleiner Trend abzusehen, der Elemente verdeutlicht, die sie von anderen unterscheidet. Selbstverständlich schreiben auch die Iberer facettenreiche Romane mit den unterschiedlichsten Themen. Irgendwie ist aber eine derzeitige Vorliebe für einen ganz speziellen Bereich zu erkennen. Man nimmt sich Bücher aus vergangenen Tagen vor, baut um sie herum einen spannenden Plot und integriert interessante Charaktere, deren Suche nach derart besonderen Artefakten ihr Leben verändert. Carlos Ruiz Zafon hat mit dem „Friedhof der vergessenen Bücher“ eine spezielle Plattform erschaffen, die ihm genau das ermöglicht. Seine bisher drei Bände der sogenannten Barcelona-Reihe sind zu internationalen Bestsellern gereift. Mit „Der Schatten des Windes“ begann sie.

Der Schatten des Windes – Alles beginnt mit der richtigen Auswahl

Daniel Sempere ist noch ein Bub, als ihn sein Vater, ein Buchladenbesitzer, auf den Friedhof der vergessenen Bücher mitnimmt. Gemäß des Ritus darf der Besucher beim ersten Mal ein Werk auswählen, das er mitnehmen kann und sein Leben lang beschützen muss. Daniels Wahl trifft auf „Der Schatten des Windes“ des wenig bekannten Autors Julian Carax. Der Junge widersteht ersten Abwerbungsversuchen, auch denen einer mysteriösen Gestalt, die durch die katalanischen Gassen wandelt. Daniel soll eben diese später wiedertreffen. Zunächst aber entschlüsselt er über Jahre hinweg das Rätsel um Julian Carax, dessen Geschichte durchaus Spannung mit sich bringt und die immer größere Parallelen zu Daniels eigenem Heranwachsen offenbart.

Matthias Schweighöfer als Daniel Sempere in Der Schatten des Windes

Das dazugehörige Hörbuch, bei dem Martin Zylka Regie geführt hat, gestaltet sich als echtes Highlight, weil gleich mehrere bekannte Stimmen für großen Unterhaltungswert sorgen. Daniel, der nach und nach heranwächst, sich in die Schwester seines besten Freundes verliebt und mehrfach den eigenwilligen Handlungen eines machtbesessenen Polizeichefs ausgesetzt ist, erhält die Stimme von Matthias Schweighöfer. Sein größter Unterstützer Fermin Romero de Torres – ehemaliger Spion, anschließender Bettler und jetziger Angestellter in der familieneigenen Buchhandlung – bekommt die von Michael Habeck und Julian Carax, der am Ende stärker in den Fokus rückt, die von Sylvester Groth. Im Zusammenspiel mit anderen machen sie Zafons Werk „Der Schatten des Windes“ definitiv zum akustisch attraktiven Hörspiel.

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Kazuaki Takano – Extinction

Benjamin Jendro

6.Januar
2015

Takano - ExtinctionAsiatische Literatur mag ihre sonderbaren Elemente in sich tragen, unterhaltsam ist sie aber allemal. Bei den vielen interessanten Bestandteilen fragt man sich umso öfter, warum es Werke von Autoren aus diesem Kontinent hierzulande so schwer haben. Gut, man kennt einen Herren Murakami, aber können Sie noch viele weitere Vertreter der asiatischen Schreibkunst aufzählen? Den Namen Kazuaki Takano sollte man sich auf jeden Fall merken. Dieser hat nämlich zuletzt einen äußerst spannenden Thriller geschrieben, der nicht nur einen spektakulären Plot enthält, sondern definitiv Lust auf mehr macht. „Extinction“ heißt der internationale Bestseller, den Sprecher Sascha Rotermund Ihnen in satten 20 Stunden vorträgt.

Extinction – Worum geht es?

Kurz zusammengefasst könnte man den Inhalt von „Extinction“ in drei Worten darlegen – Ebola, Verschwörung, ultraspannend. Da diese Trias dem Werk und seinem Autor aber nur wenig gerecht wird, sollte man das Ganze etwas weitläufiger beschreiben. In „Extinction“ wird ein gewisser Jonathan Yeager von der US-Regierung in den Kongo geschickt, um einen tödlichen Virus im Keim zu ersticken. Dieser soll bei einem Pygmäenstamm ausgebrochen sein und Yeager soll ihn nach Möglichkeit komplett ausrotten. Im Dschungel angekommen, scheint er diesem Auftrag zunächst noch wohlgesinnt. Mit der Zeit aber erkennt er, dass noch etwas ganz anderes hinter seiner Mission steckt, nämlich ein kleiner Junge. Yeager weigert sich, diesen zu töten und entscheidet, folglich nach einer eigenen Ideologie vorzugehen.

Extinction ist ein tolles Netzwerk mit aktueller Bezugnahme

Trotz der spürbaren Konzentration auf Yeager und seinen Erlebnissen erweist sich Kazuaki Takano als sehr weitläufig denkender Autor, der das Geschehen auf weitere Handlungsstränge und -träger ausweitet. Erzählt wird in „Extinction“ nämlich auch der Werdegang von Kento Koga, der in Japan in die Fußstapfen seines Vaters tritt und ein Medikament gegen eine bis hierhin unheilbare Lungenkrankheit entwickeln soll, an welcher im Übrigen Yeagers Nachwuchs leidet. So vernetzt Takano Geschehnisse und Figuren, pendelt nach Belieben zwischen drei Kontinenten und bietet dem Zuhörer einen rasanten Thriller, der nicht zuletzt aufgrund der globalen Bedrohung Ebola äußerst zeitnah daherkommt.

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Lutz Seiler – Kruso

Benjamin Jendro

30.Dezember
2014

Seiler - Kruso HörbuchMeistens ist es so, dass spätestens bei Bekanntgabe der Shortlist für den Deutschen Buchpreis – einen der größten, wenn nicht sogar der größte Buchpreis unseres Landes – ein Favorit auszumachen ist. Das gestaltete sich im letzten Jahr etwas anders, denn Terezia Mora hatten wahrlich nicht alle sofort auf der Rechnung. In diesem Jahr konnte die Regel aber wieder bestätigt werden. Schließlich war in der finalen Auslese ein Werk, das sich von allen anderen abhob und das in einem Jahr, in welchem sich der Mauerfall zum 25. Mal jähren sollte, letztlich nur als Sieger hervorgehen konnte. Insofern ist Lutz SeilersKruso“ ein erwarteter Sieger und dennoch auch einer, dessen Werk man nicht nur für die Thematik, sondern auch den Schreibstil und die beim Zuhörer entstehenden Emotionen loben muss.

Kruso ist ein autobiografischer Roman mit Aussteiger-Ambitionen

Lutz Seiler hat in den Interviews, die er in den letzten Monaten gegeben hat, immer wieder darauf verwiesen, wie hochachtungsvoll er auf die Insel Hiddensee, die schönste der Welt, blickt. Es konnte für seinen Roman um Protagonist Edgar Bendler, der nicht umsonst Züge des Autor in sich trägt, keinen anderen Ort geben, um derart viele Leute mit einer identischen Gesinnung zusammenzuführen. Seiler schreibt in „Kruso“ über Saisonarbeiter, die auf Hiddensee zusammentreffen und über das Gebilde der DDR philosophieren. Interessanterweise hat der heute in Wilhelmshorst bei Potsdam lebende Seiler eben jene Urlaubsbeschäftigung vollzogen. Er weiß also ganz genau, über was und welche Stimmung er schreibt.

Die magische Sprache auf der Insel

Was seinen Roman vor allem abzugewinnen ist, bleibt eine hervorragende Sprachgebung, mit der Ed vom mysteriösen „Kruso“ und der Leser bzw. Zuhörer von Seiler gefangen wird. Wer diesem Hörbuch, eine auf etwa elf Stunden zusammengekürzte Lesung des Romans, die Franz Dinda spricht, folgt, der wird ein tolles Gefühl für die Aufbruchsstimmung, aber auch die allseits zu spürende Orientierungslosigkeit der Menschen im Jahr 1989 erhalten.

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