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David Baldacci – Fünf vor Zwölf

Benjamin Jendro

19.August
2014

Baldacci - Fünf vor zwölfEinige Autoren scheinen derart verliebt in ihre Tätigkeit als Schreiber zu sein, dass sie nahezu im Minutentakt ein neues Werk auf den Markt bringen wollen. Die große Kunst besteht darin, stets hochwertige Qualität hinsichtlich des Unterhaltungswertes abzuliefern. Schreiben sollte niemand nur des Schreibens wegen. Wem der Spagat gelingt, weil die guten Einfälle nur so aus ihm heraussprudeln, der ist dann auch zu recht ein erfolgreicher Literat. Genau in diese Kategorie fällt der US-Amerikaner David Baldacci, der einen guten Thriller nach dem anderen auspackt. 2014 sind es bereits deren vier, die in den USA, aber noch nicht in Deutschland erschienen sind. Mit „Fünf vor Zwölf“ aus der King-Maxwell-Reihe bekommen wir nun endlich ein Stück, das in der Heimat bereits 2011 für Furore sorgen konnte.

Der fünfte Fall für Sean King und Michelle Maxwell

Das Gespann Sean King und Michelle Maxwell hat mir persönlich schon so manche Nachmittagsstunde mit Spannung gefüllt. Erstmals tauchten sie 2004 in „Im Bruchteil der Sekunde“ auf der deutschen Literaturbühne auf. Von Beginn weg wirkten beide gerade dank der einzelnen Kanten recht sympathisch. Diesem Duo folgte man gerne bei den einzelnen Fällen. In „Fünf vor Zwölf“ werden die beiden von einem Anwalt angerufen, der gerade einen Ex-Nachrichtendienstmitarbeiter gegen eine Mordanklage verteidigen soll. Kurz nach dem Anruf wird der Jurist tot aufgefunden. Der Angeklagte Edgar Roy gerät ins Visier. King und Maxwell aber sind dafür bekannt, nicht die erstbeste Erklärung gelten zu lassen, sondern mal etwas tiefer zu graben.

Baldacci – Vom Staubsaugervertreter zum Autor mit Bestseller-Garantie

Heute möchte man es kaum glauben, aber neben dem Studium hat Baldacci erst einmal als Staubsaugervertreter, Dampfkesselreiniger und Wachmann gearbeitet. In den folgenden Jahren als Strafverteidiger und Wirtschaftsjurist hat er Einflüsse gesammelt und seine Ideen ausgereift. Heute wurden mittlerweile weltweit mehr als 40 Millionen Exemplare seiner Werke verkauft. Auf den Geschichten um King und Maxwell basierend zeigte das US-Fernsehen bereits eine Serie. Den stets vorhandenen Unterhaltungswert bringt auch „Fünf vor Zwölf“ mit sich. Vor allem liegt das darin, dass im 450-minütigen Hörbuch der Sumpf immer größer wird und die Brisanz, die von diesem Fall ausgeht, immer näher an die amerikanische Führungsetage führt.

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von Schirach - Die Würde ist antastbarUnser juristisches System ist eines der komplexesten Gebilde auf diesem Erdball. Es ist einer der modernsten dieser Kategorie und eigentlich auch eines der besten. Man zweifelt an dieser Tatsache eigentlich nur, wenn Dinge passieren, die der Otto-Normalverbraucher als ungerecht einstuft. Entscheiden Sie selbst, ob es gerechtfertigt ist, dass ein pädophiler Vergewaltiger ein junges Leben zerstört und dafür ein paar Jahre Haft bekommt, dann wieder auf freien Fuß wandeln darf und womöglich ein weiteres Leben aus den Angeln reißt. Der Vater des Opfers übt Rache, lässt den Straftäter dafür bluten und bekommt lebenslänglich. Für wen würden Sie Partei ergreifen? Ferdinand von Schirach spricht es zwar nie aus, doch der erfahrene Jurist hinterlässt sehr wohl einen Fingerzeig, was alles falsch läuft in unserem Rechtsstaat. In seiner Essaysammlung „Die Würde ist antastbar“ macht er das wieder mal deutlich.

Ferdinand von Schirach spielt mit dem Leser

Ferdinand von Schirach ist ein brillanter Literat. Vor allem, wenn es darum geht, nichts zu sagen und dennoch sehr viel zu sagen. Mit seinem letzten Werk, dem Roman „Tabu“, hat er eine Thematik vorgestellt, die fest in unserem System verankert ist und bei der dennoch deutliche Fehler unterlaufen. Ein Fotograf mit zugegeben schwierigem Charakter hat die Justiz bloßgestellt. Noch zentraler aber war die Frage nach den Methoden, die angewandt werden sollten, um ein Opfer vor dem Tod zu bewahren. Muss man die Würde eines Straftäters wirklich wahren, wenn man dadurch das Leben eines Menschen verliert? Zwischenzeitlich lautet das Fazit: nein. Abschließend jedoch hat von Schirach irgendwie alles wieder über den Haufen geworfen. Schließlich war der vermeintliche Straftäter ja gar kein Straftäter. Dass er die Frage der unantastbaren Würde auch in seinem Essayband wieder aufnimmt, zeigt, wie viel Diskussionsstoff dieses Thema bietet.

Ist die Würde antastbar oder nicht?

Was auch nach dem Hörbuch des neuen Bandes von Ferdinand von Schirach klar ist, bleibt der Umstand, dass man nicht so wirklich sagen kann, ob der Vertreter des Systems dieses gutheißt oder anprangert. Das war in den Kurzgeschichtensammlung „Schuld“ und „Verbrechen“ so, bei „Tohrbergs Weihnachten“ und dem „Fall Collini“ nicht anders, bei „Tabu“ ohnehin nicht. „Die Würde ist antastbar“ mag im Titel einen Hinweis auf die Intention des Autors geben, im Werk aber kommen da immer wieder Zweifel auf. Der Schriftsteller von Schirach spricht über gesellschaftlich relevante Themen wie das Rauchen oder den Umgang mit Literatur, vor allem aber natürlich über Strafverfahren, die er uns wie kein anderer so unterhaltsam vorlegt. Es ist Ehrensache, dass er das Hörbuch gleich selbst eingesprochen hat.

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Ken Follett – Winter der Welt

Benjamin Jendro

6.August
2014

Follett - Winter der Welt hbGeschichte scheint heute immer so schwer vermittelbar. Zwar kauen wir gerade unsere Landeshistorie von Grund- bis Oberschule durch und wälzen sämtliche helle und vor allem auch die dunklen Kapitel ab, so wirklich eine Gefühl für die wahren Umstände aber bekommt man nie. Wenn man nicht selbst dabei war, kann man Dinge nur schwer nachvollziehen. Man hinterfragt die Entscheidungen und Lebenstaktiken der einzelnen Menschen, war aber nie in ihrer Situation und darf sich deshalb genau genommen gar kein Urteil erlauben. Natürlich kann ein Hörbuch eines Romans, in welchem es irgendwie um Geschichte geht, eine eigene Präsenz in der erzählten Phase nicht ersetzen oder herstellen. Dennoch aber, und das wird bei Ken Folletts „Winter der Welt“, dem zweiten Band der „Jahrhundert-Saga“, äußerst deutlich, fühlt man sich, als wäre man mitten im Geschehen.

In Winter der Welt geht es wieder um die einzelnen Familien

Schon im ersten Teil der Trilogie, „Sturz der Titanen“, ging es um die Historie, die globale, aber auch diejenige von einzelnen Familien. Stand zunächst die parentale Generation der von Ulrichs und Co. Im Rampenlicht, sind es jetzt die Kinder der Protagonisten, die sich mit den Irrungen und Wirrungen des bewegenden 20. Jahrhunderts auseinanderzusetzen haben. „Winter der Welt“ umfasst die Zeit zwischen 1933 und 1949, beinhaltet demnach unter anderem die Machtergreifung Hitlers und das Wirken der ihm folgenden Nationalsozialisten, den Spanischen Bürgerkrieg und das weltweite Duell, möglichst als erster die effektivste Atombombe zu basteln. Es sind global bedeutende Ereignisse, die in diesen Jahren geschehen und dennoch sind sie nur der Rahmen für Follett, der in diesem Einzelschicksale unter die Lupe nimmt.

Sie sind nicht von ihrer Zeit zu trennen

Sprecher Johannes von Steck führt mit viel Emotion durch die etwa 14 Stunden Hörbuch. So kommt der Zuhörer stets in den Genuss der etwaigen Gefühlsregungen aller Akteure. Zu ihnen gehören die deutsche Adelige Carla, die im Widerstand gegen das für sie unverständliche Handeln ihrer Landsleute kämpft und der Brite Lloyd, der es sich ebenso zum Ziel gesetzt hat, dem Faschismus den Krieg zu erklären. Selbst Daisy, eine junge Amerikanerin, ist nicht von den zeitlichen Umständen ausgeschlossen und sucht ihren ganz individuellen Platz.

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Robert Galbraith – Der Ruf des Kuckucks

Benjamin Jendro

30.Juli
2014

Galbraith - Der Ruf des KuckucksJoanne K. Rowling sorgte für wahrlich großes Aufsehen, als sie den Erfolg ihrer Harry Potter Romane endgültig hinter sich ließ und unter dem Pseudonym Robert Galbraith einen Krimi auf den Markt brachte. Dieser schlug wesentlich besser ein als „Ein plötzlicher Todesfall“, mit dem es die Autorin bereits versucht hatte, außerhalb der Zauberer-Romane von sich Reden zu machen. Als Galbraith nun “Der Ruf des Kuckucks” veröffentlichte, rühmte man sein Premierenstück, das für einen Newcomer irgendwie zu gut war. Nachdem dann herauskam, dass es sich beim Schriftführer um die Erfolgsautorin Rowling handelt, stiegen die Verkaufszahlen nochmal um einiges höher. Die Gründe hierfür sind dank des unterhaltsamen Plots, der sich natürlich auch als Hörbuch empfiehlt, aber definitiv selbst ohne ihren Namen auf dem Cover verständlich.

Der Ruf des Kuckucks – Ein Ermittler der Moderne

Cormoran Strike ist ein Ermittler der Moderne. Einer der in Afghanistan war und dort physisch und psychisch verwundet wurde. Dank seines Ermittlungsgespürs ist er aber auch in Tradition zu legendären Vorreitern des guten alten britischen Detektivschlages zu sehen. In Anlehnung an den großen Mister Holmes und die kaum weniger bekannte Miss Marple ist Strike ein raubeiniger Geselle, der aber auch mal zarte Seiten zeigen kann. Das spürt man vor allem beim Umgang mit seinem Watson 2.0, der von einer Zeitarbeitsfirma zugesandten Robin, die sich gemeinsam mit ihm an einem ganz brisanten Fall versucht.

Eine Leiche im Dickicht

Als Klient John Bristow auf Strike zukommt, verspürt dieser zunächst wenig Lust, den Fall anzunehmen. Ein Model, das sich selbst das Leben genommen hat, scheint jetzt nicht allzu abwegig. Ohnehin habe besagte Lula zuletzt in recht fragwürdigen Kreisen gewandelt und wurde des Öfteren in der Londoner Unterwelt gesichtet. Bristow glaubt nicht daran, dass seine Adoptivschwester freiwillig aus dem Leben geschieden ist und bittet Strike, das polizeiliche Gutachten aufs Gründlichste zu untersuchen. Warum dieser den Auftrag letztlich annimmt, ist unklar. Dank der folgende spannende Ereignisse bereut er es zumindest nicht, was schlussendlich auch für den Zuhörer gilt.

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William Shakespeare – Leicht erzählt

Benjamin Jendro

1.Juli
2014

Shakespeare - Leicht erzähltDer begnadetste Literat aller Zeiten? Das ist keine Frage, die sich so leicht beantworten lässt, da es einige helle Köpfe gab, die man nicht so einfach miteinander vergleichen kann. Eines jedoch scheint selbst bei Beachtung aller bisher erschienen Schriftstücke gewiss. Der Brite William Shakespeare ist einer der größten Literaten, die unsere Spezies je hervorgebracht hat. Seine Werke kreuzen irgendwann den Weg jedes Menschen, manchmal früher, manchmal später. Wer seinen kleinen Kindern mal etwas Gutes tun möchte, findet bei der Hörbuchversion „William Shakespeare – Leicht erzählt“ eine kindergerechte Dreiersammlung an herausragenden Stücken des Meisters. Ein Elias Canetti hat auch mal mit einer solchen Version den Zugang zur Literatur gefunden. Warum sollte nicht auch einer der jungen Hörer dieses Hörbuchs ein kommender Literaturnobelpreisträger werden?

Shakespeare – Ein Mann, von dem sich alle Werke lohnen

Von „Othello“ bis „König Lear“, von „Der Kaufmann von Venedig“ bis zu „Julius Caesar“ – Shakespeares Stücke waren stets ein Passion von mir. Ob in der Buch-, der eBook- oder auch der Hörbuchvariante – Sämtliche Werke aus seiner Feder sind ein literarischer Genuss. Das greift sogar so weit, dass mich selbst Werke begeistern, in denen es um Shakespeare geht wie zum Beispiel Charlie Lovetts „Das Buch der Fälscher“. Den persönlichen Kontakt mit den Shakespeare´schen Werke hatte ich wie viele andere relativ spät, erst in der Oberstufe. Die Liebesromanze „Romeo und Julia“ brachte zwar keinen von Shakespeare neu entwickelten Stoff. Die Art und Weise, wie das Schicksal den beiden Liebenden übel mitspielt, ist aber bis heute unerreicht. Auch der kleine Fiesling Puck, der in „Ein Sommernachtstraum“ sein Unwesen treibt, ist zur Legende geworden und heute den meisten Literaturfans bekannt.

Hamlet komplettiert das Geschichten-Trio

Neben diesen beiden haben Samuel Weiss, Devid Striesow und Co. noch ein weiteres der großen Werke kindergerecht eingesprochen. „Hamlet“ ist nach wie vor eine der größten und bedeutendsten Geschichten aus Shakespeares Feder. Der Plot, in dem der junge dänische Prinz nicht mehr erkennt, was Wahrheit ist und in Tobsucht verfällt, findet noch heute, 450 Jahre nach Shakespeare, Anerkennung auf den Theaterbühnen weltweit. Es ist seine Geschichte, die meinen Zugang zu Shakespeare bildete und für deren Ausarbeitung ich ihm noch heute große Anerkennung schenke.

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Elisabeth Herrmann – Schattengrund

Benjamin Jendro

24.Juni
2014

Herrmann - SchattengrundViele Frauen gibt es nicht, die wirklich interessante und gut konzipierte Psychothriller zu Papier bringen. Beim Genre handelt es sich deutlich um eine von Männern dominierte Domäne. Dabei müssen die Damen de Zunft das Kräftemessen der Psychothriller-Autoren gar nicht scheuen, denn einige von ihnen schaffen es, selbst das geübte Thriller-Publikum noch aus den Angeln zu reißen. Elisabeth Herrmann ist so eine dieser deutschen Vorzeigeautorinnen dieser Literatursparte. Verantwortlich für diese Anerkennung ist hauptsächlich ihr Werk „Schattengrund“, das in der 450-minütigen Hörbuchfassung von Laura Maire gesprochen wird. Das Werk wurde nicht umsonst mit dem Deutschen Hörbuchpreis für die Beste Interpretin geehrt, denn die Darbietung von Maire bringt alle eiskalten Facetten des Plots äußert authentisch wieder.

Schattengrund als Erbschaft unerwünscht

Jeder, zumindest die meisten Menschen, würde ein Angebot dieser Kategorie niemals ausschlagen. Die 17-jährige Nicola soll ein Haus erben. Gut, dieses hat ein paar Jahre gesehen, liegt etwas abgelegen in einem Ort, der jetzt nicht gerade eine Weltmetropole ist. Nichtsdestotrotz aber handelt es sich hier um eine Immobilie, was in unserer wirtschaftsorientierten Welt nicht gerade wenig ist. Demnach reagiert Nicola mit großem Unverständnis auf das Handeln ihrer Eltern, die als Vormund das Erbe für sie ausschlagen. Dem Teenager passt das wenig, so macht man sich auf nach „Schattengrund“, um nachzusehen, was man ihr da vorenthalten möchte.

Im Schattengrund tummeln sich die Erinnerungen

Schon bald, nachdem Nicola den Weg nach „Schattengrund“ auf sich genommen hat, bereut sie diesen Schritt. Es wäre ein Leichtes, wenn vor Ort nur alte, knarrende Treppenstufen und staubige Dachböden warten würden. Mit den Erinnerungen an Fili aber wird sie von etwas heimgeholt, das längst in die tiefsten Schubladen und dort ganz hinter verstaut wurde. Fili war einst ihre beste Freundin, eine echte Seelenverwandte, die einem grausamen Verbrechen zum Opfer fiel. Ein Verbrechen, dessen Täter noch immer im Dorf sein Unwesen treibt und das „Schattengrund“ zu einem Psychothriller der herausragenden Güteklasse macht.

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Green - Das Schicksal ist ein mieser VerräterEs ist eine alte Diskussion, ob bei der Verfilmung eines literarischen Bestsellers das Buch oder der Film besser ist. Ganz persönlich würde ich die Antwort nicht pauschalisieren. Manchmal entsteht der Zauber eines Werkes vor allem innerhalb seiner Seiten, manchmal aber kommen gerade auf der Leinwand ganz besondere Elemente zur Geltung. Es gibt sogar manche Bestseller, die sowohl im Rahmen des einen Mediums als auch in jenem des anderen eindrucksvoll erscheinen. John Greens Jugendroman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist für mich ein solches Werk. Aktuell ist die Geschichte im Kino zu sehen, man hat sich dabei sehr ans sehr empfehlenswerte Buch gehalten. Selbst die Hörbuchfassung ist es wert, erlebt zu werden.

Die Geschichte zweier junger Menschen, die leben wollen

Was die junge Hazel Grace Lancaster bereits in ihren ersten Lebensjahren durchmachen muss, ist wirklich hart. Der Krebs hat sie befallen und so wirklich klare Auskunft, wie lange sie noch zu leben hat, bekommt sie nicht. Hazel hegt eine große Leidenschaft für Literatur, unter anderem für einen niederländischen Schriftsteller, der über ein junges Mädchen schreibt, dessen Leben zu Ende geht. Über ihre Erkrankung selbst redet sie ungern. Dementsprechend ist sie nicht ernsthaft davon beeindruckt, dass ihre Mama, eine durchweg fürsorgliche Person, sie zu einer Gesprächsrunde mit lauter Krebserkrankten bringen möchte. Hazel lässt sich breitschlagen und trifft vor Ort auf Gus, einen jungen Mann, den es ebenfalls bereits erwischt hat und der sofort Eindruck auf Hazel macht.

Eine Romanze zweier Gezeichneter

Natürlich entwickelt sich in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, das im Übrigen in der deutschen Hörbuchvariante von Anna Maria Mühe gesprochen wird, eine Romanze zwischen den Beiden. Diese begründet sich ohne Frage auch auf dem gemeinsamen Schicksal, das sie heimgesucht hat. So präsent das Thema Krebs über die ganze Geschichte hinweg bleibt, im Zentrum steht es nicht, sondern die Heranwachsenden persönlich sowie ihre altersbedingten Probleme. Gus und Hazel wollen in die Niederlande reisen, um vom besagten Autor zu erfahren, was mit der Protagonistin passiert ist. Das Werk brach nämlich mitten im Satz ab. Ob Gus und Hazel ihr Ziel erreichen, hängt leider auch an ihrem eisernen Willen, die sich in den Weg stü

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John Dickie – Omerta

Benjamin Jendro

10.Juni
2014

Dickie - OmertaMan meint als geübter Kinogänger das Ausmaß der Mafia komplett überblicken zu können. Ohne Frage hat die Verfilmung von Mario Puzos „Il Padrino“ der Gesellschaft das Thema nähergebracht. In der Realität lässt sich das Phänomen Mafia aber nicht mehr auf das kleine sizilianische Dorf Corleone beschränken, das im Übrigen bei einem Besuch alles andere als mafiös erscheint. Nein, die Mafia oder das, was wir als Mafia bezeichnen, hat sich längst zu einem Geflecht entwickelt, in welchem es nicht nur um Gefallen und deren gegenseitige Erbringung geht, sondern um die brutale Wirklichkeit von Drogengeschäften, Menschenhandel, Mord, Korruption und Glücksspiel. Autoren wie John Dickie leisten einiges, um das gigantische Ausmaß zu verdeutlichen. Mit „Omerta“ haben wir einen guten Überblick dessen, was die Mafia heute alles beeinflusst.

Omerta – Fünf Stunden geballte Mafiageschichte

Mehr als dreihundert Minuten umfasst das Hörbuch, in dem Dickies Bestseller von Gordon Piedesack gesprochen wird. Sie informieren den Zuhörer über die Geschichte der drei großen Mafiaorganisationen, ihre Herkunft, den individuellen Werdegang und den heutigen Einfluss auf das globale Gefüge. Die Kreise der Cosa Nostra, Camorra und Ndrangheta haben sich längst über die Grenzen Italiens hinweg ausgedehnt. Heute, das macht Dickie schnell klar, leiten sie die Geschicke in ganz Europa, Nordamerika und selbst in Australien.

Omerta – Hier wird nichts verschwiegen

„Omerta“ bedeutet ins Deutsche übertragen das Schweigen. Über die Mafia und ihre Taten schweigt man, man verrät nichts und niemanden. Zahlreiche Akteure haben die „Omerta“ in der Vergangenheit gebrochen oder sie angetastet. Die Meisten von ihnen haben dafür mit dem Leben bezahlt und nebenbei auch mit dem ihrer Liebsten. Recherchefleißige Enthüllungsjournalisten wie Roberto Saviano („Zero Zero Zero“) oder eben John Dickie lassen sich davon nicht einschüchtern und geben uns so einen Überblick über die wahre Situation, die in dieser Form eben zumeist lieber verschwiegen wird. So bekommt der Unwissende mal ein paar Informationen über die Bereiche, die bereits fest in den Händen der Mafia sind, ihre Strukturen und ihre Strategien. So viel sei verraten – Wer dieses Hörbuch hört, wird seine Sicht auf unsere Welt verändern.

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Umberto Eco – Der Friedhof in Prag

Benjamin Jendro

27.Mai
2014

Eco - Der Friedhof in PragEr ist der Meister der verschlüsselten Literatur, denn niemand schafft es, den Leser oder Zuhörer mit seinen Schriften so zu verwirren, dass er oder sie komplett die Übersicht verliert. Der Italiener Umberto Eco hat dies sowohl in „Der Name der Rose“ als auch „Das Foucaultsche Pendel“ mit Bravour erreicht. Profitieren kann der Verschleierungsexperte vor allem davon, dass er im Bereich Verschwörungstheorien, Geheimbünde und Co. enormes Wissen angehäuft hat und so sämtliche Gruppierungen mit großer Authentizität in seine Geschichten einfließen lassen kann. Das ist ihm auch bei „Der Friedhof in Prag“ gelungen. Vom Stück sollte man sich keinesfalls abwenden, weil man mal kurz den Überblick verloren hat. Das gehört zum Programm Ecos dazu.

Der Friedhof in Prag ist Ausgangspunkt des Ganzen

Alle Werke Ecos beweisen, welch ausgebildetes Spektrum an historischer Fachkompetenz ihn zu seinen Schriften führt. Die fast 1000 Minuten lange Hörbuchfassung von „Der Friedhof von Prag“ beginnt im späten 19. Jahrhundert. Dort erwacht der Italiener Simonini in Paris, ohne sich an die Geschehnisse der vergangenen Tage zurückerinnern zu können. Um sich diese wieder ins Gedächtnis zu rufen, beginnt er Tagebuch zu schreiben und entgleitet dadurch in Richtung weit zurückliegender Vergangenheit. Interessanterweise kommentiert ein Unbekannter Simoninis Einträge während dessen Ruhephasen und entlarvt ihn als einen Fälscher, der eine bedeutende historische Rolle einnimmt und ihn in einen Zusammenhang bringt, in dem „Der Friedhof von Prag“ einen wichtigen Ort darstellt.

Der Friedhof in Prag zwischen Schein und Realität

Der Unbekannte, der Simoninis Tagebuch nutzt, um eigene Zeichen zu hinterlassen, trägt den Namen Dalla Piccola. Eigentlich sollte dieser sich in der Pariser Kanalisation befinden, wo ihn Simonini einst abgelegt hat. Was das Ganze so brisant macht, ist die Tatsache, dass der schreibende Abbe Dalla Piccola keine rekonstruierenden Antworten hinsichtlich der Ereignisse gibt, sondern selbst nach etwas auf der Suche ist. Folgt man der mehr oder weniger gemeinsamen Suche, entdeckt man, worum es in „Der Friedhof von Prag“ wirklich geht. Thematisiert wird eine zunächst ungefährliche Verschwörung, die schon bald ein immenses Ausmaß nimmt und die Historie markant ins Wanken bringt.

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William Shakespeare – Hamlet

Benjamin Jendro

20.Mai
2014

Shakespeare - HamletSein oder Nichtsein? – Das ist die Frage, die sich „Hamlet“, Prinz von Dänemark, stellen muss. Ohnehin scheint etwas in seinem Staate faul zu sein. Der Zuhörer von Shakespeares großem Werk, das für mich persönlich sein größtes überhaupt darstellt, erfährt recht schnell, was so alles falsch läuft. Der Prinz selbst aber steckt in einem perfiden Spiel voller Lug und Trug fest, ohne so richtig zu wissen, wer hier wen hinters Licht führt und ob die Geister, die zu ihm sprechen, Realität sind. Shakespeares „Hamlet ist sicherlich eine der tragischsten Figuren der Literaturgeschichte.

Hamlet – Eine Geschichte voller Macht, Liebe und Wahnsinn

Anlässlich Shakespeares 450. Jahrestag kam es zu einer Reihe neuer Hörbücher, die dem Meister des eindrucksvollen Schauspieles das Denkmal weiter in Zement gießen. „Hamlet“, das von Wolfgang Reichmann, Christiane Hörbiger und Christoph Bantzer eingesprochen wurde, ist eines der herausragenden Exemplare. Die 95 Minuten, in denen die einzelnen Akte mit viel Emotion an die Ohren des Zuhörers dringen, empfehlen sich für jeden, der die Geschichte des dänischen Prinzen, der Vater und Verstand verloren hat und am Ende erkennen muss, dass seine Liebsten dafür verantwortlich sind, mal in einem anderen Format vermittelt bekommen möchte. Liebe, Macht und Wahnsinn heißen die zentralen Gewürze, die alle Schauspiele Shakespeares so unterhaltsam machen und die natürlich auch festes Inventar bei „Hamlet“ sind.

Hamlet – Ein Getäuschter?

Es ist Claudius, der Bruder des ermordeten Herrschers und Hamlets Onkel, der anschließend die Krone an sich reißt und Witwe Gertrude erneut auf den Königinnenstuhl transferiert. Da dabei unlautere Mittel ergriffen werden, bewegt Hamlet zu einem Rachedurst, der in Wahnsinn kulminiert und alle Beteiligten ins Unglück stürzt. Für sein Stück orientierte sich Shakespeare an einer mittelalterlichen Erzählung aus dem Norden. 1602 erschien „Hamlet“ erstmals auf der Bühne, 1604 ging das Werk autorisiert in den Druck, schon in den 1590ern entstand der Ur-Hamlet. Niemand konnte ahnen, welche Geschichte Shakespeares Erzählung einmal nimmt. Sein Wert für uns heute ist aber definitiv unschätzbar hoch.

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