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Angelika Klüssendorf – Das Mädchen

Benjamin Jendro

18.September
2014

Klüssendorf - Das MädchenDer Deutsche Buchpreis ist nicht nur die angesehenste Auszeichnung, die ein Literat Deutscher Sprache einheimsen kann, sondern zugleich einer, dank dem sich der Kontostand mit einem Schlag um 25.000 Euro erhöht. Das nimmt man gerne mit, selbst als erfolgreiche Autorin. Angelika Klüssendorf ist eine Schriftstellerin, die mit „April“ nun bereits zum zweiten Mal in der finalen Auswahl auf der Shortlist zu finden ist. Selbiges Kunststück gelang ihr bereits mit dem vorhergehenden Roman „Das Mädchen“. Dass dieser  2011 nicht gewann, lag schlussendlich auch an der Erzählkunst des Siegers Eugen Ruge. Womöglich wäre die Wahl in einem anderen Jahr auf Klüssendorf gefallen. Der Plot hätte einen Sieg nämlich durchaus gerechtfertigt.

Das Mädchen – 263 Minuten bewegende Geschichte

Es ist kein Zufall, dass Angelika Klüssendorf mit „Das Mädchen“ einen Titel auf ihr Werk gesetzt hat, der aufgrund seiner beispielhaften Benennung nicht nur für die Hauptprotagonistin zutreffend ist. Das, was in den 263 Minuten von Sprecherin Julia Nachtmann erzählt wird, kann unzähligen Menschen passieren und ist zugleich ein Ansporn, nicht am Übel des Lebens zu zerbrechen. Im Werk wird uns ein Vater vorgestellt, der trinkt und raucht, sich nur gelegentlich zuhause zeigt. Die Mutter lässt ihren Frust darüber an den Kindern los. Selbst diese entfernen sich immer mehr voneinander.

Es gibt Sachen, die „Das Mädchen“ träumen lassen

In dieser Situation versucht „Das Mädchen“, dem wir auch an dieser Stelle keinen Namen zuordnen möchten, zurechtzufinden und einen individuellen Weg auszumachen, der für das Kind persönlich der beste ist. Kraft geben „Brehms Tierleben“ oder auch „Grimms Märchen“. Sie laden zum Träumen ein, dem Träumen von einer besseren Zukunft, einem kleinen Haus mit Garten irgendwo auf dem Land. Bis es soweit ist, wird das Heranwachsen in all seiner Brutalität vorgestellt. Interessanterweise wird das Kinderheim zu einem Ort, der Erfüllung und schöne Erlebnisse mit sich bringt.

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Dave Eggers – Der Circle

Benjamin Jendro

9.September
2014

Eggers - Der CircleWas meinen Sie, ist die am meisten besprochene Thematik der letzten Jahre? Richtig, noch vor dem Hype um den von uns ausgelösten Klimawandel, der erdhistorisch gar nicht einmal abnormal ist, spricht die ganze Welt über den immer größeren Einfluss der neuen Medien und demdamit verbundenen Verlust an Privatsphäre. Ist das denn wirklich ein Faktor, bei dem uns Angst und Bange werden sollte? Die heutige Generation liebt es, per Tweet die ganze Welt über die nächste Mahlzeit zu informieren, das Bild vom neuen T-Shirt bei Facebook zu posten und via WhatsApp die SMS-Kosten zu sparen und in Gruppen über alles Mögliche zu kommunizieren. In einer solchen Zeit bietet es sich natürlich an, wie Dave Eggers mit „Der Circle“ ein Buch zu schreiben, in welchem das Ganze ein unkontrollierbares Übermaß nimmt. Es stellt sich nur die Frage, ob das nicht ohnehin bereits der Fall ist und wir es als alltäglich ansehen.

Der Circle möchte die Welt vernetzen

Früher wurde Literatur gefeiert, in der es um Roboter-Invasionen geht. Seit wir Menschen technisch Neues schaffen, also schon immer, gab es Akteure in der kulturellen Welt, die daraus Angstszenarien schufen. Gut, es gibt sicher auch in zehn Jahren keinen Mr. Facebook, der mit Waffengewalt unser Leben auslöschen möchte, infiltriert hat er es aber jetzt schon. Eggers inszeniert in „Der Circle“ eine vergleichbare Thematik. Die junge Mae Holland wird dort vom titelgebenden Internetkonzern angeworben. Das Unternehmen möchte ein neues Zeitalter einläuten und setzt auf volle Transparenz. Aus Identität wird Online-Identität – E-Mails, Bankdaten, Social-Media sollen miteinander vernetzt werden. Eine echte Neuerung eben.

Es sind die Fragen, die uns bereits beschäftigen

Was anfangs wie ein Traumjob scheint, entwickelt sich für Mae schon bald zu einem unkontrollierbaren Albtraum. Sie ist erstaunt über das, was technisch möglich ist und rutscht in einen Strudel aus Intrigen. Eggers vernetzt einzelne Elemente, die uns bereits heute schon in Sorge versetzen sollten. Sein Plot ist insofern nicht unrealistisch, spielt mit der heutigen Generation und ihren Interessen. Vermutlich ist er deshalb unterhaltsam. Selbstverständlich geht es um die zentralen Problematiken. Wie viel Privatsphäre sollten wir bewahren, was von uns preisgeben? Eine Antwort ist „Der Circle“ nicht, ein weiteres Stück, das uns offenbart, wo wir derzeit stehen, aber schon.

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Wolf Haas – Brennerova

Gisela Blank

9.September
2014

BrennerovaDie Russinnen habe es dem Brenner angetan. Zumindest im Internet. Denn im wirklichen Leben, da läuft es mit der Herta eigentlich richtig gut. Doch als sie zum Weltwandern nach Marokko fliegt, kann er der Anfrage einer möglichen Brennerova (so würde eine russische Angetraute ja heißen) nicht widerstehen, und so fängt mit einem Kurzausflug nach Nischni Nowgorod das Verhängnis an. Denn dort wartet keine Braut, sondern die schöne Nadeshda, die den „Polizeibeamten i.R.“ für die Suche nach ihrer in Wien verschwundenen Schwester Serafima gewinnen will. Und da der Brenner ein „Frauentränenumfaller“ ist, nimmt er im Wiener Rotlichtmilieu tatsächlich Ermittlungen auf. Doch er gerät bald ins Visier des Wu Tan-Clans, und abgehackte Hände pflastern seinen Weg …

Wolf Haas‘ Brenner-Romane leben von der Erzählstimme, der fingierten Stammtischsprache, die grammatikalisch total inkorrekt aber sehr unterhaltsam das aberwitzige Geschehen zum Besten gibt. Auch der mittlerweile achte Fall mit Simon Brenner wartet mit gekonnten Sprachspielchen und feinstem Humor auf. Dieser erfrischende Erzählstil eignet sich hervorragend für Lesungen, v.a. wenn man wie Wolf Haas ein begnadeter Interpret seiner eigenen Texte ist. Allen Figuren seines hintersinnig-skurrilen Krimis haucht er gekonnt Leben ein und verpasst ihnen den entsprechenden Schmäh. Ob du’s glaubst oder nicht – Brennerova ist als ungekürzte Lesung ein Hörvergnügen der besonderen Art.

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Stephen King – Mr. Mercedes

Benjamin Jendro

3.September
2014

King - Mr. Mercedes HörbuchWenn es einen Schriftsteller gibt, der die Inkarnation seines Genres darstellt, dann Stephen King. Dieser hat im Bereich des Science Fiction Horror Maßstäbe gesetzt, für die ihn andere nicht nur bewundern, sondern die zugleich als Idealvorstellung gelten, an dem alles andere sich messen lassen muss. Was Stephen King in den letzten Jahren aufgeschrieben hat, ist zu Gold geworden und das ist bei seinem unnachahmlichen Schreibpensum wahrlich nicht wenig. Es ist noch gar nicht lange her, da musste ich ihm für „Doctor Sleep“ große Anerkennung entgegenbringen. Nun steht mit „Mr. Mercedes“ bereits die nächste Schrift im Fokus der Öffentlichkeit und das obwohl, sich der Maestro aus seinem Genrenest herauswagt.

Mr. Mercedes – Ein Thriller nach bewährtem Muster

Die besten Thriller der heutigen Zeit funktionieren nach einem ähnlichen Schema – die gute alte Schwarz-Weiß-Gegenüberstellung. Natürlich leben die heutigen Werke vor allem auch davon, dass die Ermittler sich eher im Grauzonenbereich bewegen und ihre eigene Vita nicht strahlend weiß erleuchtet. Grundsätzlich aber verkörpern sie das Gute und ein werkelnder psychotischer Killer das Böse auf der dunklen, der schwarzen Seite. In „Mr. Mercedes“ sind die Rollen recht früh klar verteilt. Ein pensionierter Ex-Cop, der in seinem langweiligen Rentner-Dasein nicht weiß, wie er die Tage sinnvoll ausfüllen kann und sogar über Suizid nachdenkt, bekommt Post von einem Massenmörder, der ihm in seinem letzten Fall begegnet ist. Ein Mercedesfahrer ist da in eine Menschentraube vor einem Arbeitsamt gerast und hat neben 15 Schwerverletzten auch acht Tote hinterlassen. Nun berichtet er dem ehemaligen Ermittler Bill Hodges, dass er daran auch noch Spaß hatte und bereit ist, weiter und in noch größerem Stil zu morden.

In Kings Werken steckt auch immer ein Spiegelbild der Gesellschaft

Interessanterweise wartet Stephen King nicht lange, um dem Zuhörer „Mr. Mercedes“ vorzustellen. Dieser heißt Brady Hartfield, wohnt noch bei Mama, fährt tagsüber Eis durch die Gegend und hat sich im Keller ein hübsches IT-Inventar zusammengestellt, um die nächste grauenvolle Tat zu durchdenken. Er ist der typische US-Durchschnittsjunge, den King gemäß seiner bisherigen schriftstellerischen Aktionen zugegeben als einen Kerl darstellt, der zudem über recht kranke Phantasien verfügt. Brady spielt mit den Nerven von Hodges, was immer mehr an dessen Psyche aber auch Physis zehrt. Gleichzeitig schafft es der Autor einmal mehr, viele Elemente der heutigen US-amerikanischen Gesellschaft in seine Geschichte einzubinden. Nicht umsonst ist es ein Arbeitsamt, vor welchem die Auftaktszene geschieht, nicht umsonst eine junge verwahrloste Existenz, der es so einfach gemacht wird, andere Menschen ins Unglück zu stürzen.

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David Baldacci – Fünf vor Zwölf

Benjamin Jendro

19.August
2014

Baldacci - Fünf vor zwölfEinige Autoren scheinen derart verliebt in ihre Tätigkeit als Schreiber zu sein, dass sie nahezu im Minutentakt ein neues Werk auf den Markt bringen wollen. Die große Kunst besteht darin, stets hochwertige Qualität hinsichtlich des Unterhaltungswertes abzuliefern. Schreiben sollte niemand nur des Schreibens wegen. Wem der Spagat gelingt, weil die guten Einfälle nur so aus ihm heraussprudeln, der ist dann auch zu recht ein erfolgreicher Literat. Genau in diese Kategorie fällt der US-Amerikaner David Baldacci, der einen guten Thriller nach dem anderen auspackt. 2014 sind es bereits deren vier, die in den USA, aber noch nicht in Deutschland erschienen sind. Mit „Fünf vor Zwölf“ aus der King-Maxwell-Reihe bekommen wir nun endlich ein Stück, das in der Heimat bereits 2011 für Furore sorgen konnte.

Der fünfte Fall für Sean King und Michelle Maxwell

Das Gespann Sean King und Michelle Maxwell hat mir persönlich schon so manche Nachmittagsstunde mit Spannung gefüllt. Erstmals tauchten sie 2004 in „Im Bruchteil der Sekunde“ auf der deutschen Literaturbühne auf. Von Beginn weg wirkten beide gerade dank der einzelnen Kanten recht sympathisch. Diesem Duo folgte man gerne bei den einzelnen Fällen. In „Fünf vor Zwölf“ werden die beiden von einem Anwalt angerufen, der gerade einen Ex-Nachrichtendienstmitarbeiter gegen eine Mordanklage verteidigen soll. Kurz nach dem Anruf wird der Jurist tot aufgefunden. Der Angeklagte Edgar Roy gerät ins Visier. King und Maxwell aber sind dafür bekannt, nicht die erstbeste Erklärung gelten zu lassen, sondern mal etwas tiefer zu graben.

Baldacci – Vom Staubsaugervertreter zum Autor mit Bestseller-Garantie

Heute möchte man es kaum glauben, aber neben dem Studium hat Baldacci erst einmal als Staubsaugervertreter, Dampfkesselreiniger und Wachmann gearbeitet. In den folgenden Jahren als Strafverteidiger und Wirtschaftsjurist hat er Einflüsse gesammelt und seine Ideen ausgereift. Heute wurden mittlerweile weltweit mehr als 40 Millionen Exemplare seiner Werke verkauft. Auf den Geschichten um King und Maxwell basierend zeigte das US-Fernsehen bereits eine Serie. Den stets vorhandenen Unterhaltungswert bringt auch „Fünf vor Zwölf“ mit sich. Vor allem liegt das darin, dass im 450-minütigen Hörbuch der Sumpf immer größer wird und die Brisanz, die von diesem Fall ausgeht, immer näher an die amerikanische Führungsetage führt.

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von Schirach - Die Würde ist antastbarUnser juristisches System ist eines der komplexesten Gebilde auf diesem Erdball. Es ist einer der modernsten dieser Kategorie und eigentlich auch eines der besten. Man zweifelt an dieser Tatsache eigentlich nur, wenn Dinge passieren, die der Otto-Normalverbraucher als ungerecht einstuft. Entscheiden Sie selbst, ob es gerechtfertigt ist, dass ein pädophiler Vergewaltiger ein junges Leben zerstört und dafür ein paar Jahre Haft bekommt, dann wieder auf freien Fuß wandeln darf und womöglich ein weiteres Leben aus den Angeln reißt. Der Vater des Opfers übt Rache, lässt den Straftäter dafür bluten und bekommt lebenslänglich. Für wen würden Sie Partei ergreifen? Ferdinand von Schirach spricht es zwar nie aus, doch der erfahrene Jurist hinterlässt sehr wohl einen Fingerzeig, was alles falsch läuft in unserem Rechtsstaat. In seiner Essaysammlung „Die Würde ist antastbar“ macht er das wieder mal deutlich.

Ferdinand von Schirach spielt mit dem Leser

Ferdinand von Schirach ist ein brillanter Literat. Vor allem, wenn es darum geht, nichts zu sagen und dennoch sehr viel zu sagen. Mit seinem letzten Werk, dem Roman „Tabu“, hat er eine Thematik vorgestellt, die fest in unserem System verankert ist und bei der dennoch deutliche Fehler unterlaufen. Ein Fotograf mit zugegeben schwierigem Charakter hat die Justiz bloßgestellt. Noch zentraler aber war die Frage nach den Methoden, die angewandt werden sollten, um ein Opfer vor dem Tod zu bewahren. Muss man die Würde eines Straftäters wirklich wahren, wenn man dadurch das Leben eines Menschen verliert? Zwischenzeitlich lautet das Fazit: nein. Abschließend jedoch hat von Schirach irgendwie alles wieder über den Haufen geworfen. Schließlich war der vermeintliche Straftäter ja gar kein Straftäter. Dass er die Frage der unantastbaren Würde auch in seinem Essayband wieder aufnimmt, zeigt, wie viel Diskussionsstoff dieses Thema bietet.

Ist die Würde antastbar oder nicht?

Was auch nach dem Hörbuch des neuen Bandes von Ferdinand von Schirach klar ist, bleibt der Umstand, dass man nicht so wirklich sagen kann, ob der Vertreter des Systems dieses gutheißt oder anprangert. Das war in den Kurzgeschichtensammlung „Schuld“ und „Verbrechen“ so, bei „Tohrbergs Weihnachten“ und dem „Fall Collini“ nicht anders, bei „Tabu“ ohnehin nicht. „Die Würde ist antastbar“ mag im Titel einen Hinweis auf die Intention des Autors geben, im Werk aber kommen da immer wieder Zweifel auf. Der Schriftsteller von Schirach spricht über gesellschaftlich relevante Themen wie das Rauchen oder den Umgang mit Literatur, vor allem aber natürlich über Strafverfahren, die er uns wie kein anderer so unterhaltsam vorlegt. Es ist Ehrensache, dass er das Hörbuch gleich selbst eingesprochen hat.

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Ken Follett – Winter der Welt

Benjamin Jendro

6.August
2014

Follett - Winter der Welt hbGeschichte scheint heute immer so schwer vermittelbar. Zwar kauen wir gerade unsere Landeshistorie von Grund- bis Oberschule durch und wälzen sämtliche helle und vor allem auch die dunklen Kapitel ab, so wirklich eine Gefühl für die wahren Umstände aber bekommt man nie. Wenn man nicht selbst dabei war, kann man Dinge nur schwer nachvollziehen. Man hinterfragt die Entscheidungen und Lebenstaktiken der einzelnen Menschen, war aber nie in ihrer Situation und darf sich deshalb genau genommen gar kein Urteil erlauben. Natürlich kann ein Hörbuch eines Romans, in welchem es irgendwie um Geschichte geht, eine eigene Präsenz in der erzählten Phase nicht ersetzen oder herstellen. Dennoch aber, und das wird bei Ken Folletts „Winter der Welt“, dem zweiten Band der „Jahrhundert-Saga“, äußerst deutlich, fühlt man sich, als wäre man mitten im Geschehen.

In Winter der Welt geht es wieder um die einzelnen Familien

Schon im ersten Teil der Trilogie, „Sturz der Titanen“, ging es um die Historie, die globale, aber auch diejenige von einzelnen Familien. Stand zunächst die parentale Generation der von Ulrichs und Co. Im Rampenlicht, sind es jetzt die Kinder der Protagonisten, die sich mit den Irrungen und Wirrungen des bewegenden 20. Jahrhunderts auseinanderzusetzen haben. „Winter der Welt“ umfasst die Zeit zwischen 1933 und 1949, beinhaltet demnach unter anderem die Machtergreifung Hitlers und das Wirken der ihm folgenden Nationalsozialisten, den Spanischen Bürgerkrieg und das weltweite Duell, möglichst als erster die effektivste Atombombe zu basteln. Es sind global bedeutende Ereignisse, die in diesen Jahren geschehen und dennoch sind sie nur der Rahmen für Follett, der in diesem Einzelschicksale unter die Lupe nimmt.

Sie sind nicht von ihrer Zeit zu trennen

Sprecher Johannes von Steck führt mit viel Emotion durch die etwa 14 Stunden Hörbuch. So kommt der Zuhörer stets in den Genuss der etwaigen Gefühlsregungen aller Akteure. Zu ihnen gehören die deutsche Adelige Carla, die im Widerstand gegen das für sie unverständliche Handeln ihrer Landsleute kämpft und der Brite Lloyd, der es sich ebenso zum Ziel gesetzt hat, dem Faschismus den Krieg zu erklären. Selbst Daisy, eine junge Amerikanerin, ist nicht von den zeitlichen Umständen ausgeschlossen und sucht ihren ganz individuellen Platz.

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Robert Galbraith – Der Ruf des Kuckucks

Benjamin Jendro

30.Juli
2014

Galbraith - Der Ruf des KuckucksJoanne K. Rowling sorgte für wahrlich großes Aufsehen, als sie den Erfolg ihrer Harry Potter Romane endgültig hinter sich ließ und unter dem Pseudonym Robert Galbraith einen Krimi auf den Markt brachte. Dieser schlug wesentlich besser ein als „Ein plötzlicher Todesfall“, mit dem es die Autorin bereits versucht hatte, außerhalb der Zauberer-Romane von sich Reden zu machen. Als Galbraith nun “Der Ruf des Kuckucks” veröffentlichte, rühmte man sein Premierenstück, das für einen Newcomer irgendwie zu gut war. Nachdem dann herauskam, dass es sich beim Schriftführer um die Erfolgsautorin Rowling handelt, stiegen die Verkaufszahlen nochmal um einiges höher. Die Gründe hierfür sind dank des unterhaltsamen Plots, der sich natürlich auch als Hörbuch empfiehlt, aber definitiv selbst ohne ihren Namen auf dem Cover verständlich.

Der Ruf des Kuckucks – Ein Ermittler der Moderne

Cormoran Strike ist ein Ermittler der Moderne. Einer der in Afghanistan war und dort physisch und psychisch verwundet wurde. Dank seines Ermittlungsgespürs ist er aber auch in Tradition zu legendären Vorreitern des guten alten britischen Detektivschlages zu sehen. In Anlehnung an den großen Mister Holmes und die kaum weniger bekannte Miss Marple ist Strike ein raubeiniger Geselle, der aber auch mal zarte Seiten zeigen kann. Das spürt man vor allem beim Umgang mit seinem Watson 2.0, der von einer Zeitarbeitsfirma zugesandten Robin, die sich gemeinsam mit ihm an einem ganz brisanten Fall versucht.

Eine Leiche im Dickicht

Als Klient John Bristow auf Strike zukommt, verspürt dieser zunächst wenig Lust, den Fall anzunehmen. Ein Model, das sich selbst das Leben genommen hat, scheint jetzt nicht allzu abwegig. Ohnehin habe besagte Lula zuletzt in recht fragwürdigen Kreisen gewandelt und wurde des Öfteren in der Londoner Unterwelt gesichtet. Bristow glaubt nicht daran, dass seine Adoptivschwester freiwillig aus dem Leben geschieden ist und bittet Strike, das polizeiliche Gutachten aufs Gründlichste zu untersuchen. Warum dieser den Auftrag letztlich annimmt, ist unklar. Dank der folgende spannende Ereignisse bereut er es zumindest nicht, was schlussendlich auch für den Zuhörer gilt.

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William Shakespeare – Leicht erzählt

Benjamin Jendro

1.Juli
2014

Shakespeare - Leicht erzähltDer begnadetste Literat aller Zeiten? Das ist keine Frage, die sich so leicht beantworten lässt, da es einige helle Köpfe gab, die man nicht so einfach miteinander vergleichen kann. Eines jedoch scheint selbst bei Beachtung aller bisher erschienen Schriftstücke gewiss. Der Brite William Shakespeare ist einer der größten Literaten, die unsere Spezies je hervorgebracht hat. Seine Werke kreuzen irgendwann den Weg jedes Menschen, manchmal früher, manchmal später. Wer seinen kleinen Kindern mal etwas Gutes tun möchte, findet bei der Hörbuchversion „William Shakespeare – Leicht erzählt“ eine kindergerechte Dreiersammlung an herausragenden Stücken des Meisters. Ein Elias Canetti hat auch mal mit einer solchen Version den Zugang zur Literatur gefunden. Warum sollte nicht auch einer der jungen Hörer dieses Hörbuchs ein kommender Literaturnobelpreisträger werden?

Shakespeare – Ein Mann, von dem sich alle Werke lohnen

Von „Othello“ bis „König Lear“, von „Der Kaufmann von Venedig“ bis zu „Julius Caesar“ – Shakespeares Stücke waren stets ein Passion von mir. Ob in der Buch-, der eBook- oder auch der Hörbuchvariante – Sämtliche Werke aus seiner Feder sind ein literarischer Genuss. Das greift sogar so weit, dass mich selbst Werke begeistern, in denen es um Shakespeare geht wie zum Beispiel Charlie Lovetts „Das Buch der Fälscher“. Den persönlichen Kontakt mit den Shakespeare´schen Werke hatte ich wie viele andere relativ spät, erst in der Oberstufe. Die Liebesromanze „Romeo und Julia“ brachte zwar keinen von Shakespeare neu entwickelten Stoff. Die Art und Weise, wie das Schicksal den beiden Liebenden übel mitspielt, ist aber bis heute unerreicht. Auch der kleine Fiesling Puck, der in „Ein Sommernachtstraum“ sein Unwesen treibt, ist zur Legende geworden und heute den meisten Literaturfans bekannt.

Hamlet komplettiert das Geschichten-Trio

Neben diesen beiden haben Samuel Weiss, Devid Striesow und Co. noch ein weiteres der großen Werke kindergerecht eingesprochen. „Hamlet“ ist nach wie vor eine der größten und bedeutendsten Geschichten aus Shakespeares Feder. Der Plot, in dem der junge dänische Prinz nicht mehr erkennt, was Wahrheit ist und in Tobsucht verfällt, findet noch heute, 450 Jahre nach Shakespeare, Anerkennung auf den Theaterbühnen weltweit. Es ist seine Geschichte, die meinen Zugang zu Shakespeare bildete und für deren Ausarbeitung ich ihm noch heute große Anerkennung schenke.

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Elisabeth Herrmann – Schattengrund

Benjamin Jendro

24.Juni
2014

Herrmann - SchattengrundViele Frauen gibt es nicht, die wirklich interessante und gut konzipierte Psychothriller zu Papier bringen. Beim Genre handelt es sich deutlich um eine von Männern dominierte Domäne. Dabei müssen die Damen de Zunft das Kräftemessen der Psychothriller-Autoren gar nicht scheuen, denn einige von ihnen schaffen es, selbst das geübte Thriller-Publikum noch aus den Angeln zu reißen. Elisabeth Herrmann ist so eine dieser deutschen Vorzeigeautorinnen dieser Literatursparte. Verantwortlich für diese Anerkennung ist hauptsächlich ihr Werk „Schattengrund“, das in der 450-minütigen Hörbuchfassung von Laura Maire gesprochen wird. Das Werk wurde nicht umsonst mit dem Deutschen Hörbuchpreis für die Beste Interpretin geehrt, denn die Darbietung von Maire bringt alle eiskalten Facetten des Plots äußert authentisch wieder.

Schattengrund als Erbschaft unerwünscht

Jeder, zumindest die meisten Menschen, würde ein Angebot dieser Kategorie niemals ausschlagen. Die 17-jährige Nicola soll ein Haus erben. Gut, dieses hat ein paar Jahre gesehen, liegt etwas abgelegen in einem Ort, der jetzt nicht gerade eine Weltmetropole ist. Nichtsdestotrotz aber handelt es sich hier um eine Immobilie, was in unserer wirtschaftsorientierten Welt nicht gerade wenig ist. Demnach reagiert Nicola mit großem Unverständnis auf das Handeln ihrer Eltern, die als Vormund das Erbe für sie ausschlagen. Dem Teenager passt das wenig, so macht man sich auf nach „Schattengrund“, um nachzusehen, was man ihr da vorenthalten möchte.

Im Schattengrund tummeln sich die Erinnerungen

Schon bald, nachdem Nicola den Weg nach „Schattengrund“ auf sich genommen hat, bereut sie diesen Schritt. Es wäre ein Leichtes, wenn vor Ort nur alte, knarrende Treppenstufen und staubige Dachböden warten würden. Mit den Erinnerungen an Fili aber wird sie von etwas heimgeholt, das längst in die tiefsten Schubladen und dort ganz hinter verstaut wurde. Fili war einst ihre beste Freundin, eine echte Seelenverwandte, die einem grausamen Verbrechen zum Opfer fiel. Ein Verbrechen, dessen Täter noch immer im Dorf sein Unwesen treibt und das „Schattengrund“ zu einem Psychothriller der herausragenden Güteklasse macht.

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