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Haruki Murakami – Wenn der Wind singt

Benjamin Jendro

27.Mai
2015

Murakami - Wenn der Wind singtDie Zahl derjenigen, die aus meiner Sicht noch immer zu Unrecht auf den Nobelpreis für Literatur wartet, steigert sich Jahr für Jahr. Immer wieder wird man überrascht und bekommt einen Autor vor die Nase gesetzt, der es durchaus verdient hat, der einem aber nicht als erster Name in den Sinn gekommen ist. Haruki Murakami ist für mich derjenige, dessen Name seit Jahren fallen müsste, wenn die Akademie einen Sieger verkündet. Seine Romane versprühen großen Unterhaltungswert und zehren von einer ganz eigenen Sprache. Der 1949 geborene Japaner hat sicher noch ein Paar Jahre Zeit, dennoch sind seine Werke nobelpreiswürdig. Sein Debüt „Wenn der Wind singt“ war es schon.

„Wenn der Wind singt“ ist der Beginn einer Trilogie

Gerade ist der Wunsch vieler Literaturfans in der realen Welt erfüllt worden. Haruki Murakamis Debütroman „Wenn der Wind singt“ wurde endlich auch außerhalb Japans veröffentlicht. Somit hat der Bestsellerautor sich nach langem Hin und Her nun doch entschlossen, seinen Fans, von denen es in Deutschland wahrlich viele gibt, das gute Stück vorzulegen. Es erscheint in der Buchvariante zusammen mit „Pinball 1973“, dem Folgeband. Zusammen mit dem bereits 1991 in Deutschland erschienen Werk „Wilde Schafsjagd“ ergibt das die so genannte „Trilogie der Ratte“ – Murakamis Einstieg in die literarische Welt.

Die Geschichte in „Wenn der Wind singt“

Haruki Murakamis Romane erkennt man oft an wiederkehrenden Elementen. Eines besteht darin, die Erzählung an einer Figur entlang zu führen und das Werk so auch immer ein wenig autobiographisch zu gestalten. In „Wenn der Wind singt“ ist ein 21-jähriger Student dieser Eckpfeiler. Murakami, der seinen Schriften gerne mal etwas Mystisch-Märchenhaftes verleiht, gibt ihm keine Namen. Er ist eine Person, die sinnbildlich zu sehen ist und deshalb auch keinen Namen tragen muss. Besagter Student verbringt die Sommersemesterferien des Jahres 1970 in seinem kleinen Heimatdörfchen. So wirklich viel macht er dort nicht. Trotzdem enthalten die fünf Stunden Hörbuch, die David Nathan spricht, viel Interessantes. Es geht um die Gespräche von dem Protagonisten mit seinen drei engsten Vertrauten, seinem besten Freund Ratte, einem Mädchen, dem ein Finger fehlt und einem Barkeeper.

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Victor Hugo – Die Elenden

Benjamin Jendro

20.Mai
2015

Hugo - Die ElendenFrankreich hat eine Menge große Literaten zu bieten. Im Land, das seit jeher eine Art Vorbote der menschlichen Geistesentwicklung scheint, sind Autoren aus dem Boden gewachsen wie in anderen Ländern das Unkraut. Balzac, Voltaire und Co. haben die Welt mit ihren Worten bereichert, ihr viele schöne Stunden geschenkt. Von einem Alexandre Dumas möchte man da noch gar nicht sprechen. Einer, der in Deutschland eigenartiger Weise gar nicht so großen Erfolg hatte, in der Welt aber recht große Anerkennung findet, ist Victor Hugo. Dessen Todestag jährt sich am Freitag zum 130. Mal. Grund genug, einen Blick auf „Die Elenden“ zu werfen, sein mit Sicherheit größtes Stück.

Die Elenden als Zeugnis des politischen Wandels

Zeit seines Lebens variierten die politischen Ansichten von Victor Hugo. Dieser Wandel spiegelt sich auch in seinen Werken wider. 1846 wechselte er erneut das Lager und begann sich nach und nach sozial zu engagieren. In Manier des großen Sues arbeitete er fortan an seinem Meisterstück, das schließlich 1862 als „Les Miserables“, zu dt. „Die Elenden“ vorgestellt wurde. In diesem Aushängeschild der Romantik, als dessen Hauptakteur Hugo heute in Frankreich gesehen wird, widmet er sich dem Schicksal des Sträflings Jean Valjean. Um diesen herum baut er ein Gesellschaftsbild der Zeit von Napoleon bis Louis Philippe.

Hugo beschreibt die Umstände der Zeit

Mal abgesehen von den Geschehnissen rund um Valijean und einige andere Protagonisten beschreibt Victor Hugo in „Die Elenden“ vor allem auch den Pariser Juniaufstand von 1832. Dabei zeigt er verstärkt Sympathie für die Aufständler, die eine Republik errichten wollen. Alle wichtigen Akteure treffen direkt an den Barrikaden aufeinander. Besonders handlungstragend scheint dabei der vorher eher nebensächliche Gassenjunge Gayroche. Er ist ein wesentliches Puzzlestück, das in den 56 Mammutstunden Hörbuchversion mit vielen anderen Elementen zusammengeführt wird. Sprecher Gert Westphal schaffte es mit einer erstklassigen Mixtur aus ruhiger und bei Bedarf auch bewegter Intonation Victor Hugos großen Klassiker neu aufleben zu lassen.

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Dörte Hansen – Altes Land

Benjamin Jendro

13.Mai
2015

Hansen -Altes LandManche Dinge in dieser Welt können wir bestimmen, die meisten aber eben nicht. So ist unser Leben geprägt von vielem Unvorhersehbaren und jeder Menge Überraschungen, die es besonders spannend machen. Eine Sache, die sich nicht vorhersehen lässt, ist beispielsweise der Unterhaltungswert eines literarischen Werkes. Zwar kennen wir einige Autoren und Autorinnen und können bei einem Folgewerk von ihnen in etwa erahnen, was da zu hören ist. Bei gänzlich neuen Schriftstellern aber lässt sich der Überraschungseffekt nicht minimieren. Insofern wusste ich auch vor meinem letzten Hörbuchkauf nicht, was mich erwartet. Ich griff zur Dörte HansensAltes Land“ und bereute die Entscheidung bei keiner der 313 Hörminuten.

Altes Land ist ein historisch gefärbtes Stück

Fünf Jahre alt ist die kleine Vera, die als das „Polackenkind“ gemeinsam mit ihrer Mutter auf einem Hof gelandet ist. „Altes Land“ erzählt von ihrer Flucht aus Ostpreußen im Jahr 1945. Die neue Heimstätte ist zwar sicher, doch die Szenerie erscheint ihr fremd. Das große und karge Bauernhaus strahlt nicht gerade große Gastfreundschaft aus. Dennoch aber ist Vera am neuen Ort gefangen. Sechs Jahrzehnte später klopft ihre Nichte Anne an die Tür. Auch sie ist geflüchtet, vor ihrem Mann, der auf einmal eine andere liebt. Sie hat ihren kleinen Sohn mitgebracht.

Dörte Hansen berührt den Leser

So unterschiedlich Dörte Hansen Anne und Vera auch darstellt, so vergleichbar ist ihre Situation. Die beiden Frauen, um die sich das komplette Werk „Altes Land“ dreht, haben mehr gemeinsam als es den Anschein macht. Es ist durchaus interessant zu beobachten, dass beide letztlich nach exakt dem gleichen Medium suchen – einer Familie, in der Glück sprießt. Das entschlüsselt die Autorin, die mit einer klaren aber stetig einfühlsamen Sprache, mit Verlauf der Erzählung immer mehr. So berührend die Geschichte ist, so viel ist sie auch vom hanseatisch-trockenen Witz gesegnet, den Dörte Hansen immer mal wieder einfließen lässt.

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Die drei Fragezeichen – Schattenwelt

Benjamin Jendro

7.Mai
2015

SchattenweltJustus Jonas, Peter Shaw, Bob Andrews – Das Triumvirat der Hörbuchszenerie kehrt zurück und präsentiert seinen nunmehr 175. Fall. Das wohl erfolgreichste Dreigestirn der Krimihistorie poltert seit Jahrzehnten erfolgreich durch die Boxen von Kassettenrekordern und CD-Playern. „Schattenwelt“ ist nun ihr neuestes Abenteuer und eines, das sich genauer betrachtet in gleich mehrere Episoden unterteilt. Wie viele genau? Na raten Sie mal! Exakt drei sind es, ganz gemäß der Dreifaltigkeit, die Justus, Peter und Bob als Kriminalisten stets verkörpern.

Die drei Fragezeichen als Studis

Das gab es in der langen Bandreihe der drei Fragezeichen noch gar nicht. In „Schattenwelt“ bekommen sie erstmals die unvergleichliche Chance, als Studenten für ein paar Wochen das Uni-Leben zu testen. Wie erwartet, geht es in Ruxton aber nicht allein um Vorlesungen und Uni-Partys, sondern um einen neuen tollen Fall. Dieser benötigt etwas Anlaufzeit, kommt etwas spärlich in die Gänge. Zunächst einmal müssen sie sich mit einem Mitbewohner herumärgern. Auf dem Campus werden die sonst so freundlichen Zukunftsakademiker plötzlich zu aggressiven Kommilitonen.  Des Rätsels Lösung soll wohl der sogenannte Teumessische Fuchs sein. Dieser ist aber nicht so wirklich identifizierbar.

Schattenwelt begeistert mit drei Teilen

Das neue Abenteuer „Schattenwelt“ beginnt mit „Teuflisches Duell“ und eben jener merkwürdigen Ausgangslage auf dem Campus. Weiter geht es mit „Angriff in der Nacht“ und so immer tiefer in den dunklen Sumpf und immer weiter an den Teumessischen Fuchs heran. Der scheint omnipräsent, ist aber irgendwie doch nicht auffindbar. Bis zu einer Nacht, in der er eiskalt und unerwartet zuschlägt. Das Grande Finale von „Schattenwelt“ erfolgt in „Die dunkle Macht“. Spektakuläre Entdeckungen wirbeln den ganzen Fall durcheinander und bringen „Die drei Fragezeichen“ näher auf die Spur ihres Gegenspielers. Dieser aber scheint gewieft und ist immer einen Schritt voraus. Der finale Showdown bringt dann sein wahres Gesicht ans Tageslicht. Eine wirklich gelungene Jubiläumsausgabe, die dort mit „Schattenwelt“ vorgelegt wird.

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McPartlin _ Rabbit HayesWas ist das Wichtigste in unserem Leben? Die Frage lässt sich so einfach nicht beantworten, denn genau betrachtet ist das bei jedem ganz individuell bestimmbar. Es gibt jedoch eine Schnittmenge, die für alle Menschen besonderen Status haben sollte, weil sie letztlich das ist, was uns in allen Höhen und vor allem den Tiefen des Lebens beiseite steht. Die Familie ist ohne Frage das zentrale Hab und Gut eines Menschen. Da verwundert es auch nicht, dass Romane, in denen das Familiäre in den Mittelpunkt gestellt wird, die meisten Leser für sich gewinnen können. Anna McPartlin zeigt das mit ihrem Werk „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ – eine Geschichte, in der es um das Thema Krebs, den Umgang damit und so folglich auch um die Familie geht.

Ein allerletzter Kampf

Das Leben lässt uns viele Kämpfe bestreiten und auch, wenn wir nicht mehr wie früher in Schlachtfeld ziehen müssen, gibt es doch viele Hürden, die man überspringen muss. Für Rabbit Hayes ist klar, dass dies ihr letzter Kampf sein wird und einer, den sie nicht gewinnen kann. Es sind „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“, denn sie hat Brustkrebs im Endstadium. Eine Heilung ist vollständig ausgeschlossen. Ganze neun Tage geben ihr die Ärzte. Wenig Zeit, aber genug für Rabbit, um innerhalb ihrer Familie noch mal alles ins Reine zu bringen. Das ist zwar eine recht aufwendige Aufgabe, doch Rabbits Hoffnung bleibt ungetrübt. Sie weiß, sie wird es schaffen, selbst wenn es das Letzte ist, was sie tut.

Die Geschichte von Rabbit Hayes ist traurig, schenkt aber Hoffnung

Jedem, der zum Hörbuch „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ greift, muss klar sein, dass es um ein ernstes Thema geht, die Grundstimmung demnach nahezu auf dem Tiefpunkt ist. Allerdings ist es gerade die Hauptakteurin, der Anna McPartlin ein wenig Esprit verleiht und durch die sie die düstere Trauergrundhaltung ein wenig aufhellt. Rabbit Hayes beweint ihr Schicksal nicht, sie beendet ihr Leben im Guten und muss das bevorstehende Ende nicht ständig beweinen. Das mag ein wenig skurril wirken, sorgt aber letztlich dafür, dass auch ihre Familienangehörigen besser mit der Situation umgehen können. Das gilt für Jack und Molly, ihre Eltern, aber auch für die Geschwister Grace und Davey. Am meisten beeindruckt jedoch das Verhalten der erst zwölfjährigen Tochter Juliet, die wohl den schwersten Stein zu tragen hat.

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Jan Weiler – Kühn hat zu tun

Benjamin Jendro

24.April
2015

Weiler - Kühn hat zu tunImmer wieder stößt man auf erfolgreiche Schriftsteller, die es in einem neuen, für sie eher unbekannten Genre versuchen. Mit Kriminalromanen hat man Jan Weiler bisher nicht so wirklich in Verbindung bringen können. Nun aber versucht es der Düsseldorfer, der mit „Maria, ihm schmeckt´s nicht“ die große Bühne betrat, mit einem eben solchen. „Kühn hat zu tun“ ist ein Werk, das vom Titel her noch nicht so viel Grausiges bereithält. Im Verlauf der mehr als acht Stunden Hörbuch aber geht es richtig zur Sache, was man Jan Weiler bisher überhaupt nicht zugetraut hätte.

Kühn hat Probleme und jede Menge zu tun

44 ist Martin Kühn, verheiratet und zweifacher Vater obendrauf. Ansässig in der Münchner Vorstadt, scheint die für ich höchste Karrierestufe bei der Polizei bereits erreicht. Eigentlich hält man ihn für recht talentiert, für eine Beförderung aber reicht das wohl nicht. Im Grunde genommen stört ihn das nicht einmal, viel größer sind da die Probleme in den heimischen vier Wänden. Sei pubertierender Sohn entwickelt immer sonderbarere Interessen. Darüber hinaus geht eine sexuelle Anziehungskraft von der rothaarigen Nachbarin aus. Fremdgehen aber würde er nie, zumal ihm die Zeit fehlt, denn „Kühn hat zu tun“. Er wird zu einem Tatort gerufen, zu welchem er nicht lang braucht. Keine 30 Meter von seinem Gartentor entfernt liegt eine Leiche.

Respekt Jan Weiler

Schon interessant, wie wortgewandt sich Jan Weiler in „Kühn hat zu tun“ erweist. Als hätte er nie etwas anderes geschrieben, meistert er seinen ersten Krimi mit Bravour. Von Vorteil ist es da natürlich auch, dass er seinen Roman gleich selbst eingesprochen hat und so ganz genau weiß, worauf er den Schwerpunkt in der Intonation setzen kann. Kühn ist ein eigenwilliger Charakter, an dessen Gedanken wir stets teilhaben dürfen und über den man sich wundern kann. Dennoch entwickelt man als Zuhörer eine gewisse Zuneigung. Recht flüssig geschrieben und dennoch mit spannenden Wendungen versehen, entwickelt sich „Kühn hat zu tun“ zu einem echten Krimi, der einen dann schon mal auf die Couch fesselt.

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Ian McEwen – Kindeswohl

Benjamin Jendro

26.März
2015

McEwan - KindeswohlGerichtsfälle können recht öde sein. Sie ziehen sich lange hin. Folgenschwere Entscheidungen benötigen eine ausführliche Vorlaufzeit, gerade wenn es um grundsätzliche Angelegenheiten geht. Für den Betrachter eines solchen Falles sorgt dieses lange, aber eben notwendige Prozedere irgendwie auch immer für eine gewisse Anspannung. Manche Verhandlungen sorgen für einen großen Gesellschaftsrummel. Man fiebert mit den Protagonisten mit und wartet auf die schlussendliche Resolution. Ian McEwens neuer Roman „Kindeswohl“ gibt einen Einblick in die Justizwelt. Er behandelt den Alltag einer Richterin, deren Arbeit aber beispielhaft für die vieler steht.

Sie entscheidet über das Kindeswohl

Fiona Maye ist Richterin am Londoner High Court. Um dort zu landen, muss man schon einiges geleistet und sich über viele Jahre große Anerkennung erkämpft haben. Sie ist angesehen, zuständig für den Bereich Familienrecht. Das bedeutet, dass sie beispielsweise darüber entscheidet, wie man bei siamesischen Zwillingen vorgehen muss, wenn sie gemeinsam nicht überleben können. Sie klärt Familienstreitereien jeglicher Art und hat stets eine Auge dafür, wo es Kindern am besten geht. Sie selbst hatte bis dato immer recht geordnete private Verhältnisse. Mit Geschichtsprofessor Jack ist sie seit drei Jahrzehnten verheiratet. Bisher lief die Beziehung recht harmonisch. Nun aber möchte der liebe Herr ihre Zustimmung, eine Affäre beginnen zu dürfen. Fiona fällt logischerweise aus allen Wolken, hat ganz nebenbei aber auch noch einen richtig harten Brocken im Gerichtssaal vorzuliegen.

Eine schwere Entscheidung – Religion oder Leben

Das Thema Religion spielt im Leben vieler Menschen eine wichtige Rolle. Bei einigen aber konkurriert das Eine mit dem Anderen. Der 17-jährige Adam zum Beispiel ist bei den Zeugen Jehovas, er ist gläubig mit jeder Faser seines Körpers. Leider ist eben dieser von Leukämie durchzogen. Man könnte Adam helfen, ihn mit einer Bluttransfusion retten. Man könnte, denn im Weg steht der Glaube. Fiona muss entscheiden, ob er die Transfusion erhält, gegen seinen Willen und doch für ihn. Dass Adam große Talente besitzt und diese der Richterin vorführt, macht ihre Entscheidung in „Kindeswohl“ nicht einfacher.

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Jussi Adler-Olsen – Verheißung

Benjamin Jendro

19.März
2015

Adler-Olsen - Verheißung hbDie Neuerscheinungen in diesem Frühjahr sind wirklich herausragend. In den letzten Wochen sind einige neue Werke von Autoren herausgekommen, die ich schon seit einigen Jahren lese bzw. in der Hörbuchform anhöre. Ob Luca di Fulvio oder Martin Suter, die beide in den letzten Empfehlungen vorgestellt wurden – Das Jahr 2015 hat bisher so einiges zu bieten. Das ändert sich auch in naher Zukunft nicht. Mit Jussi Adler-Olsen steht nämlich bereits der nächste Starschriftsteller auf dem Programmplan. Dessen neuer Kriminalroman „Verheißung“ thematisiert den sechsten Fall des Sonderdezernates Q. Vorsteher der Einheit für die ganz besonderen Verbrechen ist mit Carl Mørck nach wie vor der wohl charismatischste Ermittler dieser Tage.

Es gibt mal wieder Arbeit für Carl Mørck und sein legendäres Team

Siebzehn Jahre sind vergangen, seit Kommissar Habersaat damit begann, einen mysteriösen Mord aufzuklären. Damals hing eine tote Frau kopfüber von einem Baum. Des Rätsels Lösung hat er noch immer nicht gefunden. So wendet er sich nun an seinen Freund Carl Mørck, der sich dem Problem zunächst etwas zögerlich annimmt. Einen Tag später ist Habersaat tot, kurz darauf auch sein Sohn. Jetzt beginnt Mister Mørck sich ernsthaft für den Fall zu interessieren. Die Recherchen führen ihn und sein Team auf die Insel Öland. Direkt zu einem Heilversprecher, der Menschen aus dem ganzen Kontinent anlockt, um ihnen den Sinn des Lebens näher zu bringen. „Verheißung“ beginnt mit einer gewissen metaphysischen Ebene.

Das Sonderdezernat Q bringt sich in „Verheißung“ in große Gefahr

Carl, Assad und Rose dringen ein in eine Welt voller Mystik und Seelsorge ein. In „Verheißung“ dreht sich alles zentral um die transzendentale Vereinigung von Mensch und Natur. Allein dieser Name zeigt, wohin sich Jussi Adler-Olsen dieses Mal begibt und mit welchem Thema er die Zuhörer für sich gewinnen möchte. Das gelingt während der mehr als 16 Stunden Hörbuch, die von Wolfram Koch vorgetragen werden, auf vielen Ebenen. Adler-Olsen glänzt mal wieder mit vielen unvorhersehbaren Wendungen und einer plastischen Sprache, dank der man sich voll ins Geschehen hineinversetzten kann. Dass von Beginn an eine immense Spannung auf dem Werk liegt, trägt natürlich auch einen großen Teil zum Erfolg des Romans bei. Es ist, und das sagt man eigenartiger Weise bei jedem Schriftstück von Jussi Adler-Olsen auf eine Neues, die bisher beste Lektüre von ihm.

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Martin Suter – Montecristo

Benjamin Jendro

12.März
2015

Suter - MontecristoMartin Suter genießt bisweilen großes Ansehen im deutschsprachigen Literaturraum. Seine Romane werden als hochwertig eingestuft, seine Schriften beim Diogenes-Verlag synthetisiert. Das macht sie für den gemeinen Leser und Zuhörer immer auch etwas kostspielig. Im Regelfall aber lohnt sich die Investition, denn Suter liefert normalerweise wirklich recht anständige Lektüre. Vor allem gelingt es ihm zumeist, den momentanen Tonus der Gesellschaft zu treffen und Probleme zu thematisieren, die brandaktuell und ebenso interessant sind. Da sich das bei Martin Suter dann auch noch mit einer recht bemerkenswerten Sprachvielfalt kombiniert, macht auch den neuen Roman „Montecristo“ nicht gerade schlechter.

Montecristo ist eher ein Thriller – Suter auf neuem Terrain

Genau betrachtet ist „Montecristo“ eher ein Thriller und somit ein für Martin Suter eher ungewohntes Terrain. Dass er sich da wohlfühlt, kann man aber ab der ersten Minute der Hörbuchversion bemerken. Suter wagt einen Ausflug in das Schweizer Finanzwesen, das vor Korruption, Betrug und reichlich dunklen Machenschaften nur so überströmt. In diesem tüfteln Politiker und Börsenhaie ebenso mit wie ganz gerissene Geschäftsleute und einflussreiche Prominente. Sie alle wirft Martin Suter ins Rennen und schafft so ein munteres Ensemble an verschiedenen Figuren, die letztlich alle den großen Profit suchen. Mitten in diesem Netzwerk befindet sich ein Videojournalist, der eigentlich von einer großen Filmkarriere träumt und sich lieber einer lang ersehnten Lebensaufgabe widmen möchte. Es ist ein dubioser Glücksfall, dass besagter Jonas Brand plötzlich in den Fall seines Lebens stolpert und das bisher so langweilige Dahinvegetieren eines Mannes in den Vierzigern etwas Fahrt aufnimmt.

Ein Suizident und identische Scheine

Interessant wird das siebeneinhalb Stunden lange Hörbuch, das von Wanja Mues gelesen wird, als Suter von einem Bankangestellten spricht, der sich aus einem Zug gestürzt haben soll. Er soll, bestätigt ist das nicht. Ein heftiger Schubser kann ebenso für den Tod des Mannes verantwortlich sein. In diesem Zusammenhang tauchen Drogen auf, wohlgemerkt keine geringe Menge und dann noch etwas wirklich Seltsames. Zwei Hundertfrankenscheine sorgen für Aufsehen, tragen sie doch die identische Seriennummer. Turbulent erzählt und vor allem ab der zweiten Hälfte des Werkes sehr spannend dargestellt, ergibt sich mit „Montecristo“ so ein echt bemerkenswerter Thriller des Herrn Suter.

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di Fulvio - Das Kind, das nachts die Sonne fand hbWochenlang schon habe ich auf dieses Hörbuch gewartet. Nun ist es endlich soweit und in einer guten Woche können auch Sie das Highlight des Frühjahrs vor die Ohren bekommen. Der italienische Kultautor Luca di Fulvio hat mal wieder ein wenig getüftelt und folgt mit seinem neuen Werk der zuletzt so erfolgreichen Schreibweise. „Der Junge, der Träume schenkte“ rückte den Römer in den Fokus des literarischen Geschehens und machte ihn von einem guten zu einem herausragenden Autor. Dieser Eindruck bestätigte sich bei „Das Mädchen, das den Himmel berührte“. Die Erfolgsstory setzt sich beim neuen Roman „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ weiter fort.

„Das Kind, das nachts die Sonne fand“ ist eine gelungene Fortsetzung

Während sich di Fulvio bei „Inkubus“ eher noch dem Thrillergenre zuordnen ließ, ging er bei „Der Junge, der Träume schenkte“ einen komplett anderen Weg. Bereuen wird er diesen Wandel nicht. Sowohl Cover als auch Titel zogen unzählige Leser und Zuhörer an, dem Folgewerk erging es ähnlich. Auch „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ setzt auf diese erfolgreichen Elemente. Obwohl die Werke weder zeitlich noch in den Charakteren irgendeinen Zusammenhang vorweisen können, müssen sie doch gemeinsam betrachtet werden. Auch beim neuesten Stück ist der Titelheld auf dem Cover abgebildet und natürlich dreht sich nicht nur der Titel, sondern auch die Erzählung selbst um diesen Charakter. Das macht „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ zu einer lang ersehnten und definitiv gelungenen Fortsetzung.

Das Kind, das nachts die Sonne fand – Ein junger Thronfolger

Marcus ist ein junger Thronfolger im Herrschaftsgebiet Raühnval in den Ostalpen. In einer Zeit der einflussreichen Landesfürsten führt er zunächst ein privilegiertes Leben. Das ändert sich mit einem Massaker, bei dem seine ganze Familie und sämtliche Burgbewohner ihr Leben verlieren. Die Tochter einer Dorfhebamme rettet „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ und verschleiert folglich dessen Identität. Besagte Elisa lässt ihn ein Leben unter den Dorfbewohnern führen, Marcus scheint diesem von Beginn an zugetan. Gleichzeitig rumort in ihm das Gefühl einer anderen Bestimmung. Diese bringt di Fulvio, bzw. Sascha Rotermund, der die zehn Stunden eingesprochen hat, sehr gut zur Sprache. Klar ist jedem di Fulvio Fan auch, dass „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ die Menschen im Umfeld nachhaltig beeinflussen wird.

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