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Die drei ??? – Dämon der Rache

Benjamin Jendro

20.Januar
2015

Die drei  - Dämon der RacheIm Hörbuchbereich gibt es viel spannende Geschichten, einige sind sogar in diesem Format erfolgreicher als bei den Printausgaben. Ein gutes Beispiel sind dahingehend „Die drei ???“, die vor allem im Akustischen anzusiedeln sind. Früher dröhnten die Abenteuer um Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews aus dem Kassettenrekorder. Mittlerweile hat sich das Medium geändert, was aber zum Glück keinerlei Auswirkung auf den großen Unterhaltungswert ausüben konnte. Neuestes Beispiel ist Folge Nummer 173, die auf den stolzen Namen „Die drei ??? – Dämon der Rache“ getauft wurde und schon im Cover erkennen lässt, dass es etwas Grausiges zu hören gibt.

Die drei ??? – Dämon der Rache

Als „Die drei ???“ eigentlich den Gewinn einer Ballonfahrt genießen sollten und sich in großer Höhe über die kalifornische Küste begeben, macht Peter eine schwindelerregende Beobachtung. Die drei fliegen über ein Anwesen, in dessen Garten eine eigenartig ausschauende Gestalt mit einer Harpune bewaffnet hinter einer Frau hinterherrennt. Natürlich möchte er die anderen darauf aufmerksam machen. Doch ehe sie sich dem Geschehen auf dem Erdboden annehmen können, sind die Protagonisten längst nicht mehr im Blickfeld. Dennoch aber kommen sie Peters Wunsch nach und machen eine seltsame Entdeckung.

Dämon der Rache erinnert an Gruselfilme ähnlicher Kategorie

Irgendwie scheint der Plot von „Die drei ??? – Dämon der Rache“ recht sonderbar. Denn erzählt wird von einem mysteriösen Wesen, dass die Menschen speziell mit seinem gigantischen Maul ordentlich in Schach hält und die Bewohner der Villa Pembroke in Angst und Schrecken versetzt. Dass besagtes Anwesen nicht gerade im hellen Glanz erstrahlt, macht die Szenerie ohnehin nicht besonders einladend. So ein bisschen erinnert die Geschichte, die Justus, Peter und Bob da nach und nach entschlüsseln, an einen Familienfluch, den man auch im einen oder anderen Gruselstreifen bereits vorgesetzt bekam. Das Geschehen in „Die drei ??? – Dämon der Rache“ geht aber noch etwas weiter und ist so auf jeden Fall ein Hörempfehlung wert.

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Zafon - Der Schatten des Windes HörbuchInnerhalb der spanischen Literatur ist in den letzten Jahren ein kleiner Trend abzusehen, der Elemente verdeutlicht, die sie von anderen unterscheidet. Selbstverständlich schreiben auch die Iberer facettenreiche Romane mit den unterschiedlichsten Themen. Irgendwie ist aber eine derzeitige Vorliebe für einen ganz speziellen Bereich zu erkennen. Man nimmt sich Bücher aus vergangenen Tagen vor, baut um sie herum einen spannenden Plot und integriert interessante Charaktere, deren Suche nach derart besonderen Artefakten ihr Leben verändert. Carlos Ruiz Zafon hat mit dem „Friedhof der vergessenen Bücher“ eine spezielle Plattform erschaffen, die ihm genau das ermöglicht. Seine bisher drei Bände der sogenannten Barcelona-Reihe sind zu internationalen Bestsellern gereift. Mit „Der Schatten des Windes“ begann sie.

Der Schatten des Windes – Alles beginnt mit der richtigen Auswahl

Daniel Sempere ist noch ein Bub, als ihn sein Vater, ein Buchladenbesitzer, auf den Friedhof der vergessenen Bücher mitnimmt. Gemäß des Ritus darf der Besucher beim ersten Mal ein Werk auswählen, das er mitnehmen kann und sein Leben lang beschützen muss. Daniels Wahl trifft auf „Der Schatten des Windes“ des wenig bekannten Autors Julian Carax. Der Junge widersteht ersten Abwerbungsversuchen, auch denen einer mysteriösen Gestalt, die durch die katalanischen Gassen wandelt. Daniel soll eben diese später wiedertreffen. Zunächst aber entschlüsselt er über Jahre hinweg das Rätsel um Julian Carax, dessen Geschichte durchaus Spannung mit sich bringt und die immer größere Parallelen zu Daniels eigenem Heranwachsen offenbart.

Matthias Schweighöfer als Daniel Sempere in Der Schatten des Windes

Das dazugehörige Hörbuch, bei dem Martin Zylka Regie geführt hat, gestaltet sich als echtes Highlight, weil gleich mehrere bekannte Stimmen für großen Unterhaltungswert sorgen. Daniel, der nach und nach heranwächst, sich in die Schwester seines besten Freundes verliebt und mehrfach den eigenwilligen Handlungen eines machtbesessenen Polizeichefs ausgesetzt ist, erhält die Stimme von Matthias Schweighöfer. Sein größter Unterstützer Fermin Romero de Torres – ehemaliger Spion, anschließender Bettler und jetziger Angestellter in der familieneigenen Buchhandlung – bekommt die von Michael Habeck und Julian Carax, der am Ende stärker in den Fokus rückt, die von Sylvester Groth. Im Zusammenspiel mit anderen machen sie Zafons Werk „Der Schatten des Windes“ definitiv zum akustisch attraktiven Hörspiel.

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Kazuaki Takano – Extinction

Benjamin Jendro

6.Januar
2015

Takano - ExtinctionAsiatische Literatur mag ihre sonderbaren Elemente in sich tragen, unterhaltsam ist sie aber allemal. Bei den vielen interessanten Bestandteilen fragt man sich umso öfter, warum es Werke von Autoren aus diesem Kontinent hierzulande so schwer haben. Gut, man kennt einen Herren Murakami, aber können Sie noch viele weitere Vertreter der asiatischen Schreibkunst aufzählen? Den Namen Kazuaki Takano sollte man sich auf jeden Fall merken. Dieser hat nämlich zuletzt einen äußerst spannenden Thriller geschrieben, der nicht nur einen spektakulären Plot enthält, sondern definitiv Lust auf mehr macht. „Extinction“ heißt der internationale Bestseller, den Sprecher Sascha Rotermund Ihnen in satten 20 Stunden vorträgt.

Extinction – Worum geht es?

Kurz zusammengefasst könnte man den Inhalt von „Extinction“ in drei Worten darlegen – Ebola, Verschwörung, ultraspannend. Da diese Trias dem Werk und seinem Autor aber nur wenig gerecht wird, sollte man das Ganze etwas weitläufiger beschreiben. In „Extinction“ wird ein gewisser Jonathan Yeager von der US-Regierung in den Kongo geschickt, um einen tödlichen Virus im Keim zu ersticken. Dieser soll bei einem Pygmäenstamm ausgebrochen sein und Yeager soll ihn nach Möglichkeit komplett ausrotten. Im Dschungel angekommen, scheint er diesem Auftrag zunächst noch wohlgesinnt. Mit der Zeit aber erkennt er, dass noch etwas ganz anderes hinter seiner Mission steckt, nämlich ein kleiner Junge. Yeager weigert sich, diesen zu töten und entscheidet, folglich nach einer eigenen Ideologie vorzugehen.

Extinction ist ein tolles Netzwerk mit aktueller Bezugnahme

Trotz der spürbaren Konzentration auf Yeager und seinen Erlebnissen erweist sich Kazuaki Takano als sehr weitläufig denkender Autor, der das Geschehen auf weitere Handlungsstränge und -träger ausweitet. Erzählt wird in „Extinction“ nämlich auch der Werdegang von Kento Koga, der in Japan in die Fußstapfen seines Vaters tritt und ein Medikament gegen eine bis hierhin unheilbare Lungenkrankheit entwickeln soll, an welcher im Übrigen Yeagers Nachwuchs leidet. So vernetzt Takano Geschehnisse und Figuren, pendelt nach Belieben zwischen drei Kontinenten und bietet dem Zuhörer einen rasanten Thriller, der nicht zuletzt aufgrund der globalen Bedrohung Ebola äußerst zeitnah daherkommt.

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Lutz Seiler – Kruso

Benjamin Jendro

30.Dezember
2014

Seiler - Kruso HörbuchMeistens ist es so, dass spätestens bei Bekanntgabe der Shortlist für den Deutschen Buchpreis – einen der größten, wenn nicht sogar der größte Buchpreis unseres Landes – ein Favorit auszumachen ist. Das gestaltete sich im letzten Jahr etwas anders, denn Terezia Mora hatten wahrlich nicht alle sofort auf der Rechnung. In diesem Jahr konnte die Regel aber wieder bestätigt werden. Schließlich war in der finalen Auslese ein Werk, das sich von allen anderen abhob und das in einem Jahr, in welchem sich der Mauerfall zum 25. Mal jähren sollte, letztlich nur als Sieger hervorgehen konnte. Insofern ist Lutz SeilersKruso“ ein erwarteter Sieger und dennoch auch einer, dessen Werk man nicht nur für die Thematik, sondern auch den Schreibstil und die beim Zuhörer entstehenden Emotionen loben muss.

Kruso ist ein autobiografischer Roman mit Aussteiger-Ambitionen

Lutz Seiler hat in den Interviews, die er in den letzten Monaten gegeben hat, immer wieder darauf verwiesen, wie hochachtungsvoll er auf die Insel Hiddensee, die schönste der Welt, blickt. Es konnte für seinen Roman um Protagonist Edgar Bendler, der nicht umsonst Züge des Autor in sich trägt, keinen anderen Ort geben, um derart viele Leute mit einer identischen Gesinnung zusammenzuführen. Seiler schreibt in „Kruso“ über Saisonarbeiter, die auf Hiddensee zusammentreffen und über das Gebilde der DDR philosophieren. Interessanterweise hat der heute in Wilhelmshorst bei Potsdam lebende Seiler eben jene Urlaubsbeschäftigung vollzogen. Er weiß also ganz genau, über was und welche Stimmung er schreibt.

Die magische Sprache auf der Insel

Was seinen Roman vor allem abzugewinnen ist, bleibt eine hervorragende Sprachgebung, mit der Ed vom mysteriösen „Kruso“ und der Leser bzw. Zuhörer von Seiler gefangen wird. Wer diesem Hörbuch, eine auf etwa elf Stunden zusammengekürzte Lesung des Romans, die Franz Dinda spricht, folgt, der wird ein tolles Gefühl für die Aufbruchsstimmung, aber auch die allseits zu spürende Orientierungslosigkeit der Menschen im Jahr 1989 erhalten.

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Tana French – Geheimer Ort

Benjamin Jendro

17.Dezember
2014

French - Geheimer OrtSchaut man sich das Genre Krimi einmal genau an, ist doch ein deutliches Übergewicht der männlichen Autoren zu spüren. Dafür könnte es verschiedene Erklärungen geben. Eine wäre es, zu behaupten, dass es Frauen schwerer haben als Männer, in dem Bereich erfolgreich Fuß zu fassen. Eine andere könnte in die Richtung gehen, dass Männer einfach mehr kriminelle Ideen in sich tragen. Beides mag als Grund herhalten. Weder das eine noch das andere verhindert aber, dass es Ausnahmen gibt, die diese Regeln bestätigen. Tana French ist ein deutlicher Beweis dafür. Ihr neuester Krimi heißt „Geheimer Ort“, er spielt in den Mauern eines Mädcheninternats.

Geheimer Ort ist Frenchs bisher beste Arbeit

Schon vier Krimis hat die gebürtige US-Amerikanerin, die seit mehr als zwei Dekaden in Dublin lebt, veröffentlicht. „Geheimer Ort“ ist somit der fünfte und bis hierhin auch ihr bester. Es scheint beinahe so, als würde Tana French in ihrem Schreiben immer besser werden. Dass ihre Kriminalromane prickelnde Unterhaltung bieten, konnte man auch schon im Debüt „Grabesgrün“ oder auch bei „Sterbenskalt“ beobachten. Nun aber hievt sie die Qualität ihres Plot noch einmal einen ganzen Level höher. French, deren schauspielerische Vergangenheit ihr im Faktor bewegend-dramatischer Inhalt gut in die Karten zu spielen scheint, verortet das Geschehen von „Geheimer Ort“ in das Mädcheninternat St. Kilda, in welchem ein Junge erschlagen wurde. Ein Jahr ist vergangen, ohne dass die Ermittler einen Täter ausmachen konnten. Nun aber erscheint sein Bild mit dem Schriftzug „Ich weiß, wer ihn getötet hat“ am Schwarzen Brett. Nur eines von acht Mädchen kann die Nachricht hinterlassen haben.

Geheimer Ort – Wenn ein Detective in den Sog gerät

Detective Stephen Moran, dessen Part von DiCaprio-Synchronstimme Gerrit Schmitt-Voss gesprochen wird, ermittelt in St. Kilda und kommt nicht ohne Vorgeschichte an den Ermittlungsort. Er kennt eines der betreffenden acht Mädchen sehr gut und gerät ohne eigenes Verschulden zwischen die Fronten. Zwischen den Mädchen, denen die Stimme Inka Löwendorfs geliehen wird, entbrennt nämlich eine herbe Kluft, an der sich zwei Cliquen gruppieren. So ermittelt Moran in einem Geflecht aus freundschaftlichem Schweigen und feindschaftlichen Beschuldigungen, die das Auffinden der Wahrheit für ihn und den Zuhörer zusätzlich erschweren.

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Robert Galbraith – Der Seidenspinner

Benjamin Jendro

9.Dezember
2014

Galbraith - Der SeidenspinnerRobert Galbraith heißt der mittlerweile nicht mehr ganz so neue, dafür aber umso heller scheinende Stern am britischen Krimihimmel. Interessanterweise behält Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling ihr Pseudonym auch beim zweiten Band um den Detektiv Cormoran Strike und seine junge Assistentin Robin Ellacott bei. Im United Kingdom wurde das Gespann und somit auch der Autor bzw. die Autorin für den Erstling „Der Ruf des Kuckucks“ hochgelobt und selbst im mit Krimis überladenen Deutschland ist das Stück gut angekommen. Dass man da getrost zum zweiten Band greifen kann, muss kaum noch erwähnt werden, denn Galbraith bzw. Rowling brilliert mit einem äußerst unterhaltsamen Schreibstil und einem spannenden Plot.

Der Seidenspinner spinnt ein Manuskript, das mit allen abrechnet

Zu Beginn von „Der Seidenspinner“ verspürt der frühere Afghanistan-Veteran und jetzige Detektiv nicht wirklich Lust, der Bitte einer Klientin nachzukommen, die ihren Gatten als vermisst meldet und ihn suchen lassen möchte. Es soll nämlich keinesfalls das erste Mal gewesen sein, dass der liebe Herr Owen Quine mal ein wenig Abstand nimmt und sich viel lieber der Schreibkunst als seiner anstrengenden Ehefrau widmet. Als er dann gar tot aufgefunden wird, erhält der Fall für Strike einen weit größeren Interessenfaktor, zumal die potentielle Täterliste unglaublich prall gefüllt daherkommt. Gemeinsam mit Robin Ellacott, die erneut mit brillanten Ideen das Team bereichert, macht sich Strike auf die Suche nach demjenigen, dessen Hass auf Quine am größten war. Ein Blick in das Manuskript seines neuesten Werkes zeigt nämlich deutlich, dass eigentlich jeder aus seinem Umfeld einen Grund hätte, den Autor zu töten.

Der Seidenspinner ist ein äußerst persönlicher Krimi

Während der guten 16 Stunden Hörbuchkrimi, im Übrigen von Dietmar Wunder gelesen, bekommt man als Zuhörer ausführliche Täterprofile, wobei Quine mit wirklich jedem abrechnet. Sowohl die eingebildete Gattin als auch der geldgierige Verleger und selbst die ständig kritisierenden Lektoren bekommen ihr Fett weg. Da liegt es auf der Hand, dass Galbraith ein paar Elemente in „Der Seidenspinner“ einfließen lässt, die auch Miss Rowling während ihres Schaffens kennengelernt hat, mal abgesehen von besagter Ehefrau. Besonders heiß wird die Spur für Strike und Ellacott, als sie auf ein Haus stoßen, das einst Quine und einem damals befreundeten anderen Autor zum Schreiben zur Verfügung gestellt wurde.

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Durbridge - Paul Temple und der Fall GregoryWas Francis Durbridge für das Genre Krimi geleistet hat, kann man nicht mal so eben in einem winzigen Blogbeitrag zusammenfassen. Der Mann aus Yorkshire hat das 20. Jahrhundert in jedem Fall sehr vielfach bereichert und so muss festgehalten werden, dass 1998 ein Virtuose von uns gegangen ist, dem wir viele unterhaltsame Stunden verdanken. Durbridges Leistungen konnte man im Fernsehen bewundern. Noch viel eindrucksvoller aber sind sie dann, wenn man ihnen in der Hörspielform lauscht. Um die Kultfigur Paul Temple gab es einige interessante Fälle. Mit „Paul Temple und der Fall Gregory“ wird dem ein weiteres Kapitel, genau genommen der Erstling in Hörbuchversion hinzugefügt. Eine Inszenierung mit einem Ensemble rund um Komiker Bastian Pastewka macht das nicht weniger interessant.

Paul Temple zurück im Rampenlicht

Man mag über den Humor von Bastian Pastewka denken, wie man will. Schlussendlich aber ist der Entertainer sehr erfolgreich und das mittlerweile nicht ausschließlich als Comedian. In „Paul Temple und der Fall Gregory“ beweist er gemeinsam mit den anderen Sprechern, Janina Sachau und Kai Magnus Sting, dass seine Stimme da ein tragendes Element ist. Im Verbund lassen die drei den Zauber der Paul Temple Reihe neu aufleben und holen so ein großes Stück Krimigeschichte zurück ins Rampenlicht.

Der erste spannende Fall für Paul Temple

In den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war Paul Temple fester Bestandteil in der Krimiszene und auch nachhaltig blieben die einzelnen Episoden in den Köpfen präsent. Sein erstes Abenteuer aber, „Paul Temple und der Fall Gregory“, verschwand nach der Ursendung im Jahr 1949 für lange Zeit. Pastewka und Co. ist es zu verdanken, dass Mister Temple nun zurückkehrt. Fast zwei Stunden lang bekommt man hier einen tollen Einblick in eine Zeit, in der sich mittels vergifteten Martinis ungeliebten Personen entledigt wurde und man als Bösewicht mit falschen Visitenkarten für Irrglauben sorgte. Gespickt mit Witz, aber auch großer Detailtreue gibt es hier die Neuauflage wirklich einzigartiger Krimiliteratur.

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William Shakespeare

Benjamin Jendro

18.November
2014

William ShakespeareLiteratur ist Geschmackssache. Jeder Leser oder in diesem Fall auch jeder Zuhörer präferiert andere Autoren und Autorinnen, differente Genres und niemand kann sich anmaßen, dass das Buch, was er gelesen hat, das beste aller Zeiten ist. Nein, das geht nicht, denn literarischer Geschmack ist stets subjektiv. Dennoch gibt es aber einige Werke, denen man einen allgemeingültigen Unterhaltungswert zuspricht. Werke, die prägend für ihre Zeit sind und womöglich auch über diese hinaus einen gewissen Sonderstatus verinnerlichen. Zu diesen Werken gehören einige aus der Feder eines Herren Shakespeare. Der Brite ist ohne Frage und ganz objektiv gesehen einer der Größten, die es in der Literaturgeschichte jemals gab. Insofern ist eine Sammlung seiner größten Stücke gar nicht hoch genug einzuschätzen. „William Shakespeare“ sorgt definitiv für ein paar Tage absoluten Hörgenuss.

William Shakespeare – 46 Stunden grandiose Literatur

Einem Literaturfan würde es nicht wirklich schwer fallen, eine Liste mit den größten Klassikern aller Zeiten aufzustellen und bei der Top-5 nur auf Schriften von William Shakespeare zurückzugreifen. Ohne Frage hat der britische Dramaturg aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert, wenngleich seine Vita bis heute nicht vollständig rekonstruiert werden konnte, einiges bewegt und die Welt nachhaltig beeinflusst. Gesammelt sind seine Leistungen in dieser einzigartigen Anthologie, die alle zehn Tragödien, die fünf Königsdramen, zwei Komödien und ein Fragment beinhaltet.

Schauspielgrößen erweisen dem Meister Shakespeare die große Ehre

Einen Teil zum großen Unterhaltungswert dieser Hörbuchsammlung trägt auch die sehr vielstimmige Erzählweise bei. Keinesfalls werden die Werke von „Hamlet“ bis „Der Kaufmann von Venedig“ hier einfach nur heruntergesagt. Nein, „William Shakespeare“ ist eine Hommage großer deutscher Schauspieler aus den vergangenen Jahrzehnten, die den Literaturklassikern viel Leben und Emotion einhauchen. Gesammelt aus den deutschen Hörspielarchiven lauscht man so beispielsweise einem Klaus Kinski, wie er seine Interpretation von „Romeo und Julia“ vorlegt, oder Peter Lohmeyer, wie er den „Sommernachtstraum“ verstanden hat. Summa Summarum macht das ein echtes Meisterstück klassischer Dicht- und Erzählkunst.

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Jo Nesbø – Der Sohn

Benjamin Jendro

4.November
2014

Nesbo - Der SohnInnerhalb der Literaturszene gibt es einige Konstanten, die eine bestimmte Epoche bestimmen und die sinnbildlich für sie stehen. Heute ist das Spektrum sehr vielseitig, es gibt Werke zu allen Thematiken und als Resultat unterschiedlicher Herangehensweisen. Jeder findet heute etwas für seinen Geschmack, Grenzen gibt es keine mehr. Müsste man die heutige Szenerie aber beschreiben, würde es dennoch eine gute Bezeichnung geben. Wir leben in der Epoche, in welcher keiner an skandinavischen Kriminalromanen vorbeikommt. In der Tat ist die Flut, die da mit stetigen Neuerscheinungen auf uns einprasselt, enorm. Jo Nesbø ist einer dieser Vertreter, die heute die Literatur bestimmen. Der Norweger hat in den letzten Jahren mit seinen Romanen um Ermittler Harry Hole Leser aller Altersklassen und Berufsschichten für sich gewonnen. In „Das Kind“ nun zeigt er, dass er auch außerhalb seiner Reihe vielversprechende Plots erzählen kann.

Das Kind ist ein Heroinsüchtiger

Das Interessante an Jo Nesbøs neuem Roman „Das Kind“ ist, dass hier zwei Gegenspieler gegenüberstehen und der Ermittler nicht zwangsläufig der Gute ist. Ob er am Ende das Gesetz verkörpert, sei an dieser Stelle offen gelassen. Zunächst sieht es danach aus, im Verlauf aber dreht sich das vermehrt. Sprecher Sascha Rotermund jedenfalls lässt das Abschließende dank der wechselnden Intonation und aufgrund der Vorlage lange offen. In den zehn Stunden Hörbuch lernen wir zum einen Sonny Lofthus, „Das Kind“, kennen. Bei ihm handelt es sich um einen Heroin-Abhängigen, der zu Unrecht im Gefängnis sitzt und den anderen Insassen als Gegenleistung für die benötigte Drogenration ihre Sünden vergibt. Zum anderen geht es um Simon Kefas, einen Cop der alten Schule, der einst mit Sonnys Vater nicht nur einen guten Partner, sondern auch einen Freund hatte. Besagter Ab Lofthus ist das Bindeglied zwischen beiden, sein Schicksal der Aufhänger für diesen Kriminalroman.

Das Kind hat nichts zu verlieren

Sonny hat sich zu Beginn des Werkes mit seinem Dasein abgefunden. Doch nachdem es neue Erkenntnisse hinsichtlich des vermeintlichen väterlichen Suizids gibt, wandelt sich seine Haltung. Ab Lofthus galt als korrupter Ex-Cop, der sich letztlich selbst aus dem Leben riss. Mit den neuen Informationen scheint die Geschichte aber ganz anders abgelaufen zu sein. Ab war unschuldig und wurde umgebracht. Sonny will das nicht auf sich beruhen lassen und plant seinen Ausbruch sowie die alte Rechnung zu begleichen. Simon Kefas soll ihn davon abhalten und hat aufgrund der eigenen Historie auch allen Grund dazu. Spannend, sehr turbulent und mit einigen brisanten Wendungen avanciert „Das Kind“ zum sehr unterhaltsamen Kriminalroman mit Thrillerwürze.

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Sebastian Fitzek – Passagier 23

Benjamin Jendro

29.Oktober
2014

Fitzek - Passagier 23Sind Sie schon einmal auf einem Schiff gefahren? Bei Nacht, wenn es dunkel ist und die Wellen mit all ihrer Kraft gegen den Metallklotz peitschen? Nein? Dann stellen Sie sich das doch bitte einmal vor! Sie hören, wie der Wind fegt und spüren des turbulenten Seegang. Sie sehen ihn nicht, weil sie an Deck sind, aber nicht an der Reling, sondern in einem Schiffsdeck, das sonst nicht für Sie geöffnet ist, dem Maschinenraum. Jetzt stellen Sie sich bitte vor, dass Sie dort nicht allein sind, sondern jemand da ist, der sie töten möchte! Wenn Sie jetzt an diesem Punkt angelangt sind, wissen Sie in etwa, was Sie bei Sebastian Fitzeks neuem Thriller „Passagier 23“ erwartet.

Sebastian Fitzek lässt uns wieder zittern

Wem das nicht bildlich genug war, dem sei ein Blick auf den dazugehörigen Trailer auf Fitzeks Homepage empfohlen. Deutschlands Thrillerautor Nummer Eins hat das Schifffahren für sein neues Stück „Passagier 23“ auserkoren und damit einmal mehr sein Gespür für schaurige Szenarien bewiesen. In der Tat wird jeder, der schon in einem Maschinenraum im Bauch eines großes Schiffes stand, dem zustimmen müssen. Das fünfstündige Hörbuch, das von Simon Jäger spannend gesprochen wird, erzählt von einem Familienvater, der Frau und Kind bei einer Schiffsreise verloren hat. Sie sind spurlos verschwunden, niemand weiß, was geschehen ist. Niemand, bis auf das kleine Mädchen, das auftaucht und den Kuschelteddy seines Sohnemanns im Arm hält.

Sie ist Passagier 23

Früher arbeitet Martin Schwartz als angesehener Polizeipsychologe. Nach diesem Schicksalsschlag aber ist er selbst in tiefe Depressionen verfallen. Als verdeckter Ermittler widmet er sich oberflächlich einigen speziellen Fällen, eigentlich aber bestimmt eine tiefe Psychose seinen Alltag. Was genau mit Nadja und Tim geschehen ist, lässt sich nicht rekonstruieren, beschäftigen tut ihn das aber trotzdem. Da keimt zumindest etwas Hoffnung auf, als ihn eine Thrillerautorin mit der Aussicht auf neue Erkenntnisse kontaktiert. Martin soll sich auf den Unglücksdampfer Sultan of the Sea begeben. In diesem Zusammenhang erscheint der „Passagier 23“, ein kleines Mädchen, das Tims geliebten Teddy mitbringt.

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