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William Shakespeare

Benjamin Jendro

18.November
2014

William ShakespeareLiteratur ist Geschmackssache. Jeder Leser oder in diesem Fall auch jeder Zuhörer präferiert andere Autoren und Autorinnen, differente Genres und niemand kann sich anmaßen, dass das Buch, was er gelesen hat, das beste aller Zeiten ist. Nein, das geht nicht, denn literarischer Geschmack ist stets subjektiv. Dennoch gibt es aber einige Werke, denen man einen allgemeingültigen Unterhaltungswert zuspricht. Werke, die prägend für ihre Zeit sind und womöglich auch über diese hinaus einen gewissen Sonderstatus verinnerlichen. Zu diesen Werken gehören einige aus der Feder eines Herren Shakespeare. Der Brite ist ohne Frage und ganz objektiv gesehen einer der Größten, die es in der Literaturgeschichte jemals gab. Insofern ist eine Sammlung seiner größten Stücke gar nicht hoch genug einzuschätzen. „William Shakespeare“ sorgt definitiv für ein paar Tage absoluten Hörgenuss.

William Shakespeare – 46 Stunden grandiose Literatur

Einem Literaturfan würde es nicht wirklich schwer fallen, eine Liste mit den größten Klassikern aller Zeiten aufzustellen und bei der Top-5 nur auf Schriften von William Shakespeare zurückzugreifen. Ohne Frage hat der britische Dramaturg aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert, wenngleich seine Vita bis heute nicht vollständig rekonstruiert werden konnte, einiges bewegt und die Welt nachhaltig beeinflusst. Gesammelt sind seine Leistungen in dieser einzigartigen Anthologie, die alle zehn Tragödien, die fünf Königsdramen, zwei Komödien und ein Fragment beinhaltet.

Schauspielgrößen erweisen dem Meister Shakespeare die große Ehre

Einen Teil zum großen Unterhaltungswert dieser Hörbuchsammlung trägt auch die sehr vielstimmige Erzählweise bei. Keinesfalls werden die Werke von „Hamlet“ bis „Der Kaufmann von Venedig“ hier einfach nur heruntergesagt. Nein, „William Shakespeare“ ist eine Hommage großer deutscher Schauspieler aus den vergangenen Jahrzehnten, die den Literaturklassikern viel Leben und Emotion einhauchen. Gesammelt aus den deutschen Hörspielarchiven lauscht man so beispielsweise einem Klaus Kinski, wie er seine Interpretation von „Romeo und Julia“ vorlegt, oder Peter Lohmeyer, wie er den „Sommernachtstraum“ verstanden hat. Summa Summarum macht das ein echtes Meisterstück klassischer Dicht- und Erzählkunst.

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Jo Nesbø – Der Sohn

Benjamin Jendro

4.November
2014

Nesbo - Der SohnInnerhalb der Literaturszene gibt es einige Konstanten, die eine bestimmte Epoche bestimmen und die sinnbildlich für sie stehen. Heute ist das Spektrum sehr vielseitig, es gibt Werke zu allen Thematiken und als Resultat unterschiedlicher Herangehensweisen. Jeder findet heute etwas für seinen Geschmack, Grenzen gibt es keine mehr. Müsste man die heutige Szenerie aber beschreiben, würde es dennoch eine gute Bezeichnung geben. Wir leben in der Epoche, in welcher keiner an skandinavischen Kriminalromanen vorbeikommt. In der Tat ist die Flut, die da mit stetigen Neuerscheinungen auf uns einprasselt, enorm. Jo Nesbø ist einer dieser Vertreter, die heute die Literatur bestimmen. Der Norweger hat in den letzten Jahren mit seinen Romanen um Ermittler Harry Hole Leser aller Altersklassen und Berufsschichten für sich gewonnen. In „Das Kind“ nun zeigt er, dass er auch außerhalb seiner Reihe vielversprechende Plots erzählen kann.

Das Kind ist ein Heroinsüchtiger

Das Interessante an Jo Nesbøs neuem Roman „Das Kind“ ist, dass hier zwei Gegenspieler gegenüberstehen und der Ermittler nicht zwangsläufig der Gute ist. Ob er am Ende das Gesetz verkörpert, sei an dieser Stelle offen gelassen. Zunächst sieht es danach aus, im Verlauf aber dreht sich das vermehrt. Sprecher Sascha Rotermund jedenfalls lässt das Abschließende dank der wechselnden Intonation und aufgrund der Vorlage lange offen. In den zehn Stunden Hörbuch lernen wir zum einen Sonny Lofthus, „Das Kind“, kennen. Bei ihm handelt es sich um einen Heroin-Abhängigen, der zu Unrecht im Gefängnis sitzt und den anderen Insassen als Gegenleistung für die benötigte Drogenration ihre Sünden vergibt. Zum anderen geht es um Simon Kefas, einen Cop der alten Schule, der einst mit Sonnys Vater nicht nur einen guten Partner, sondern auch einen Freund hatte. Besagter Ab Lofthus ist das Bindeglied zwischen beiden, sein Schicksal der Aufhänger für diesen Kriminalroman.

Das Kind hat nichts zu verlieren

Sonny hat sich zu Beginn des Werkes mit seinem Dasein abgefunden. Doch nachdem es neue Erkenntnisse hinsichtlich des vermeintlichen väterlichen Suizids gibt, wandelt sich seine Haltung. Ab Lofthus galt als korrupter Ex-Cop, der sich letztlich selbst aus dem Leben riss. Mit den neuen Informationen scheint die Geschichte aber ganz anders abgelaufen zu sein. Ab war unschuldig und wurde umgebracht. Sonny will das nicht auf sich beruhen lassen und plant seinen Ausbruch sowie die alte Rechnung zu begleichen. Simon Kefas soll ihn davon abhalten und hat aufgrund der eigenen Historie auch allen Grund dazu. Spannend, sehr turbulent und mit einigen brisanten Wendungen avanciert „Das Kind“ zum sehr unterhaltsamen Kriminalroman mit Thrillerwürze.

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Sebastian Fitzek – Passagier 23

Benjamin Jendro

29.Oktober
2014

Fitzek - Passagier 23Sind Sie schon einmal auf einem Schiff gefahren? Bei Nacht, wenn es dunkel ist und die Wellen mit all ihrer Kraft gegen den Metallklotz peitschen? Nein? Dann stellen Sie sich das doch bitte einmal vor! Sie hören, wie der Wind fegt und spüren des turbulenten Seegang. Sie sehen ihn nicht, weil sie an Deck sind, aber nicht an der Reling, sondern in einem Schiffsdeck, das sonst nicht für Sie geöffnet ist, dem Maschinenraum. Jetzt stellen Sie sich bitte vor, dass Sie dort nicht allein sind, sondern jemand da ist, der sie töten möchte! Wenn Sie jetzt an diesem Punkt angelangt sind, wissen Sie in etwa, was Sie bei Sebastian Fitzeks neuem Thriller „Passagier 23“ erwartet.

Sebastian Fitzek lässt uns wieder zittern

Wem das nicht bildlich genug war, dem sei ein Blick auf den dazugehörigen Trailer auf Fitzeks Homepage empfohlen. Deutschlands Thrillerautor Nummer Eins hat das Schifffahren für sein neues Stück „Passagier 23“ auserkoren und damit einmal mehr sein Gespür für schaurige Szenarien bewiesen. In der Tat wird jeder, der schon in einem Maschinenraum im Bauch eines großes Schiffes stand, dem zustimmen müssen. Das fünfstündige Hörbuch, das von Simon Jäger spannend gesprochen wird, erzählt von einem Familienvater, der Frau und Kind bei einer Schiffsreise verloren hat. Sie sind spurlos verschwunden, niemand weiß, was geschehen ist. Niemand, bis auf das kleine Mädchen, das auftaucht und den Kuschelteddy seines Sohnemanns im Arm hält.

Sie ist Passagier 23

Früher arbeitet Martin Schwartz als angesehener Polizeipsychologe. Nach diesem Schicksalsschlag aber ist er selbst in tiefe Depressionen verfallen. Als verdeckter Ermittler widmet er sich oberflächlich einigen speziellen Fällen, eigentlich aber bestimmt eine tiefe Psychose seinen Alltag. Was genau mit Nadja und Tim geschehen ist, lässt sich nicht rekonstruieren, beschäftigen tut ihn das aber trotzdem. Da keimt zumindest etwas Hoffnung auf, als ihn eine Thrillerautorin mit der Aussicht auf neue Erkenntnisse kontaktiert. Martin soll sich auf den Unglücksdampfer Sultan of the Sea begeben. In diesem Zusammenhang erscheint der „Passagier 23“, ein kleines Mädchen, das Tims geliebten Teddy mitbringt.

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Hjorth&Rosenfeldt - Das Mädchen, das verstummteSebastian Bergman ist ein echt eigenartiger Kauz. Da erwecken ihn die beiden schwedischen Autoren Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt dank ihren Romanen zum Leben und dem raubeinigen Kriminalpsychologen fällt nichts Besseres ein, als mit seiner überheblichen, selbstverliebten Art zwar einen Fall nach dem anderen zu lösen, dabei aber selten mit Sympathie zu punkten. Okay, Sebastian Bergman ist ein wirklich guter Ermittler, aber ein wenig mehr Freundlichkeit schadet nicht, oder? Die beiden Schriftsteller haben sich in „Das Mädchen, das verstummte“ ein wenig von ihrer gewohnten Linie entfernt. Denn erstmals in der Karriere des Sebastian Bergman erleben wir Emotionen, was den sehr schwierigen Charakter endlich einmal mit einem Hauch Menschlichkeit versieht.

Das Mädchen, das verstummte, hat einen Vierfachmord erlebt

Sebastian Bergman wird stets dann in einem Mordfall hinzugezogen, wenn der Laie am Ende der Ermittlungsarbeit angelangt ist, sich alles noch immer als ein unüberschaubares Rätsel erweist und man die Hilfe eines alleswissenden Experten benötigt. In Torsby kommt man ohne diesen nicht weiter. Die Familie Carlsten, ein Ehepaar und ihre beiden Söhne, wurden aus nächster Nähe in die ewigen Jagdgründe befördert. Der ziemlich kaltblütige Mord wirft Fragen auf, vor allem das Motiv und der Tathergang sind weitgehend ungeklärt. Ein entscheidendes Puzzleteil könnte „Das Mädchen, das verstummte“ liefern. Ihre Fußspuren führen nämlich vom Tatort in den dunklen Wald hinaus.

Das Mädchen, das verstummte, lässt Erinnerungen aufkommen

Wer Sebastian Bergman bisher auf seinem Lebensweg begleitet hat, weiß um den harten Schicksalsschlag, der er hinnehmen musste und der ihn sicherlich zu diesem kalten Mann werden lassen hat. „Das Mädchen, das verstummte“ ist die zehnjährige Nichte des erschossenen Familienvaters und sie erinnert Bergman an seine eigene Tochter, die er einst nicht retten konnte. Aus Angst verschanzt sich die Kleine im Wald und legt bewusst falsche Spuren. Das macht es auch den Ermittlern zunehmend schwer, sie zu finden und so ihre Überlebenschancen wieder zu erhöhen. Wer den siebeneinhalb Stunden Hörbuch lauscht, wird es selbst sehnlichst herbeiwünschen, dass „Das Mädchen, das verstummte“ gefunden wird.

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Volker Klüpfel und Michael Kobr – Grimmbart

Benjamin Jendro

30.September
2014

Klüpfel und Kobr - GrimmbartAutorengespanne sind ohne jegliche Abstriche ein recht sonderbares wie auch faszinierendes Element der heutigen Literaturwelt. Bei den vielen Duos, die heute die Szene bestimmen, möchte man sich nicht ausmalen, was geschehen wäre, wenn die Herren von Goethe und Schiller gemeinsame Sache gemacht hätten. Eine ebenso interessante Vorstellung wäre doch eine Zusammenarbeit von Agatha Cristie und Sir Arthur Conan Doyle gewesen. Irgendwie schade, dass dies der Menschenwelt vorenthalten blieb. Dafür aber bekommt man beim Gespann Klüpfel und Kobr ein kleines, aber nicht weniger unterhaltsames Trostpflaster. Ihr Kommissar Kluftinger darf sich in „Grimmbart“ bereits in sein achtes Abenteuer stürzen.

Grimmbart ist fabelhaft

Als „fabelhaft“ wurde Kluftingers neuer Fall vorher auf der Homepage der beiden Autoren angepriesen. Nach den 15 Stunden ungekürzte Krimi-Hörbuchfassung von „Grimmbart“ kommt man zur selben Einschätzung. Ja, die beiden haben sich mal wieder selbst übertroffen. Das, über was beim veröffentlichten Buchtrailer bereits zu spekulieren war, zieht sich durch das gesamte Werk. „Grimmbart“ strotzt nur so vor spannenden Ereignissen und wird durch einen Ermittler bereichert, den man einfach gern haben muss. Mit dem Schloss Bad Grönenbach, zu dessen Besuch ihn Intimfeind Langhammer überredet, bekommt das Ganze auch noch eine schaurige Szenerie.

Grimmbart – Ganz schön was los bei den Blaublütigen

Kaum dort angekommen, um nach dem Rechten zu sehen, entdeckt Klufti die Frau des Barons, die ziemlich verrenkt keinen Atemzug mehr von sich gibt. Dass direkt dahinter Selbiges in Gemäldeform abgebildet ist, verwundert nicht nur den Protagonisten. Zudem verzieht sich der Baron immer wieder in den schlosseigenen Märchenwald. Was für eine grausige Familiengeschichte geht hier von Statten? Die Situation wird von beiden Autoren mal wieder perfekt auf Kluftingers eigene Familie übertragen. Tot ist hier zwar keiner, aber der Sohnemann möchte seine Yukimo heiraten. Da haben sich doch glatt ihre Eltern aus Japan angekündigt. Langhammer nutzt die Chance und unterstützt den Besorgten bei dieser kulturellen Herausforderung.

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Angelika Klüssendorf – Das Mädchen

Benjamin Jendro

18.September
2014

Klüssendorf - Das MädchenDer Deutsche Buchpreis ist nicht nur die angesehenste Auszeichnung, die ein Literat Deutscher Sprache einheimsen kann, sondern zugleich einer, dank dem sich der Kontostand mit einem Schlag um 25.000 Euro erhöht. Das nimmt man gerne mit, selbst als erfolgreiche Autorin. Angelika Klüssendorf ist eine Schriftstellerin, die mit „April“ nun bereits zum zweiten Mal in der finalen Auswahl auf der Shortlist zu finden ist. Selbiges Kunststück gelang ihr bereits mit dem vorhergehenden Roman „Das Mädchen“. Dass dieser  2011 nicht gewann, lag schlussendlich auch an der Erzählkunst des Siegers Eugen Ruge. Womöglich wäre die Wahl in einem anderen Jahr auf Klüssendorf gefallen. Der Plot hätte einen Sieg nämlich durchaus gerechtfertigt.

Das Mädchen – 263 Minuten bewegende Geschichte

Es ist kein Zufall, dass Angelika Klüssendorf mit „Das Mädchen“ einen Titel auf ihr Werk gesetzt hat, der aufgrund seiner beispielhaften Benennung nicht nur für die Hauptprotagonistin zutreffend ist. Das, was in den 263 Minuten von Sprecherin Julia Nachtmann erzählt wird, kann unzähligen Menschen passieren und ist zugleich ein Ansporn, nicht am Übel des Lebens zu zerbrechen. Im Werk wird uns ein Vater vorgestellt, der trinkt und raucht, sich nur gelegentlich zuhause zeigt. Die Mutter lässt ihren Frust darüber an den Kindern los. Selbst diese entfernen sich immer mehr voneinander.

Es gibt Sachen, die „Das Mädchen“ träumen lassen

In dieser Situation versucht „Das Mädchen“, dem wir auch an dieser Stelle keinen Namen zuordnen möchten, zurechtzufinden und einen individuellen Weg auszumachen, der für das Kind persönlich der beste ist. Kraft geben „Brehms Tierleben“ oder auch „Grimms Märchen“. Sie laden zum Träumen ein, dem Träumen von einer besseren Zukunft, einem kleinen Haus mit Garten irgendwo auf dem Land. Bis es soweit ist, wird das Heranwachsen in all seiner Brutalität vorgestellt. Interessanterweise wird das Kinderheim zu einem Ort, der Erfüllung und schöne Erlebnisse mit sich bringt.

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Dave Eggers – Der Circle

Benjamin Jendro

9.September
2014

Eggers - Der CircleWas meinen Sie, ist die am meisten besprochene Thematik der letzten Jahre? Richtig, noch vor dem Hype um den von uns ausgelösten Klimawandel, der erdhistorisch gar nicht einmal abnormal ist, spricht die ganze Welt über den immer größeren Einfluss der neuen Medien und demdamit verbundenen Verlust an Privatsphäre. Ist das denn wirklich ein Faktor, bei dem uns Angst und Bange werden sollte? Die heutige Generation liebt es, per Tweet die ganze Welt über die nächste Mahlzeit zu informieren, das Bild vom neuen T-Shirt bei Facebook zu posten und via WhatsApp die SMS-Kosten zu sparen und in Gruppen über alles Mögliche zu kommunizieren. In einer solchen Zeit bietet es sich natürlich an, wie Dave Eggers mit „Der Circle“ ein Buch zu schreiben, in welchem das Ganze ein unkontrollierbares Übermaß nimmt. Es stellt sich nur die Frage, ob das nicht ohnehin bereits der Fall ist und wir es als alltäglich ansehen.

Der Circle möchte die Welt vernetzen

Früher wurde Literatur gefeiert, in der es um Roboter-Invasionen geht. Seit wir Menschen technisch Neues schaffen, also schon immer, gab es Akteure in der kulturellen Welt, die daraus Angstszenarien schufen. Gut, es gibt sicher auch in zehn Jahren keinen Mr. Facebook, der mit Waffengewalt unser Leben auslöschen möchte, infiltriert hat er es aber jetzt schon. Eggers inszeniert in „Der Circle“ eine vergleichbare Thematik. Die junge Mae Holland wird dort vom titelgebenden Internetkonzern angeworben. Das Unternehmen möchte ein neues Zeitalter einläuten und setzt auf volle Transparenz. Aus Identität wird Online-Identität – E-Mails, Bankdaten, Social-Media sollen miteinander vernetzt werden. Eine echte Neuerung eben.

Es sind die Fragen, die uns bereits beschäftigen

Was anfangs wie ein Traumjob scheint, entwickelt sich für Mae schon bald zu einem unkontrollierbaren Albtraum. Sie ist erstaunt über das, was technisch möglich ist und rutscht in einen Strudel aus Intrigen. Eggers vernetzt einzelne Elemente, die uns bereits heute schon in Sorge versetzen sollten. Sein Plot ist insofern nicht unrealistisch, spielt mit der heutigen Generation und ihren Interessen. Vermutlich ist er deshalb unterhaltsam. Selbstverständlich geht es um die zentralen Problematiken. Wie viel Privatsphäre sollten wir bewahren, was von uns preisgeben? Eine Antwort ist „Der Circle“ nicht, ein weiteres Stück, das uns offenbart, wo wir derzeit stehen, aber schon.

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Wolf Haas – Brennerova

Gisela Blank

9.September
2014

BrennerovaDie Russinnen habe es dem Brenner angetan. Zumindest im Internet. Denn im wirklichen Leben, da läuft es mit der Herta eigentlich richtig gut. Doch als sie zum Weltwandern nach Marokko fliegt, kann er der Anfrage einer möglichen Brennerova (so würde eine russische Angetraute ja heißen) nicht widerstehen, und so fängt mit einem Kurzausflug nach Nischni Nowgorod das Verhängnis an. Denn dort wartet keine Braut, sondern die schöne Nadeshda, die den „Polizeibeamten i.R.“ für die Suche nach ihrer in Wien verschwundenen Schwester Serafima gewinnen will. Und da der Brenner ein „Frauentränenumfaller“ ist, nimmt er im Wiener Rotlichtmilieu tatsächlich Ermittlungen auf. Doch er gerät bald ins Visier des Wu Tan-Clans, und abgehackte Hände pflastern seinen Weg …

Wolf Haas‘ Brenner-Romane leben von der Erzählstimme, der fingierten Stammtischsprache, die grammatikalisch total inkorrekt aber sehr unterhaltsam das aberwitzige Geschehen zum Besten gibt. Auch der mittlerweile achte Fall mit Simon Brenner wartet mit gekonnten Sprachspielchen und feinstem Humor auf. Dieser erfrischende Erzählstil eignet sich hervorragend für Lesungen, v.a. wenn man wie Wolf Haas ein begnadeter Interpret seiner eigenen Texte ist. Allen Figuren seines hintersinnig-skurrilen Krimis haucht er gekonnt Leben ein und verpasst ihnen den entsprechenden Schmäh. Ob du’s glaubst oder nicht – Brennerova ist als ungekürzte Lesung ein Hörvergnügen der besonderen Art.

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Stephen King – Mr. Mercedes

Benjamin Jendro

3.September
2014

King - Mr. Mercedes HörbuchWenn es einen Schriftsteller gibt, der die Inkarnation seines Genres darstellt, dann Stephen King. Dieser hat im Bereich des Science Fiction Horror Maßstäbe gesetzt, für die ihn andere nicht nur bewundern, sondern die zugleich als Idealvorstellung gelten, an dem alles andere sich messen lassen muss. Was Stephen King in den letzten Jahren aufgeschrieben hat, ist zu Gold geworden und das ist bei seinem unnachahmlichen Schreibpensum wahrlich nicht wenig. Es ist noch gar nicht lange her, da musste ich ihm für „Doctor Sleep“ große Anerkennung entgegenbringen. Nun steht mit „Mr. Mercedes“ bereits die nächste Schrift im Fokus der Öffentlichkeit und das obwohl, sich der Maestro aus seinem Genrenest herauswagt.

Mr. Mercedes – Ein Thriller nach bewährtem Muster

Die besten Thriller der heutigen Zeit funktionieren nach einem ähnlichen Schema – die gute alte Schwarz-Weiß-Gegenüberstellung. Natürlich leben die heutigen Werke vor allem auch davon, dass die Ermittler sich eher im Grauzonenbereich bewegen und ihre eigene Vita nicht strahlend weiß erleuchtet. Grundsätzlich aber verkörpern sie das Gute und ein werkelnder psychotischer Killer das Böse auf der dunklen, der schwarzen Seite. In „Mr. Mercedes“ sind die Rollen recht früh klar verteilt. Ein pensionierter Ex-Cop, der in seinem langweiligen Rentner-Dasein nicht weiß, wie er die Tage sinnvoll ausfüllen kann und sogar über Suizid nachdenkt, bekommt Post von einem Massenmörder, der ihm in seinem letzten Fall begegnet ist. Ein Mercedesfahrer ist da in eine Menschentraube vor einem Arbeitsamt gerast und hat neben 15 Schwerverletzten auch acht Tote hinterlassen. Nun berichtet er dem ehemaligen Ermittler Bill Hodges, dass er daran auch noch Spaß hatte und bereit ist, weiter und in noch größerem Stil zu morden.

In Kings Werken steckt auch immer ein Spiegelbild der Gesellschaft

Interessanterweise wartet Stephen King nicht lange, um dem Zuhörer „Mr. Mercedes“ vorzustellen. Dieser heißt Brady Hartfield, wohnt noch bei Mama, fährt tagsüber Eis durch die Gegend und hat sich im Keller ein hübsches IT-Inventar zusammengestellt, um die nächste grauenvolle Tat zu durchdenken. Er ist der typische US-Durchschnittsjunge, den King gemäß seiner bisherigen schriftstellerischen Aktionen zugegeben als einen Kerl darstellt, der zudem über recht kranke Phantasien verfügt. Brady spielt mit den Nerven von Hodges, was immer mehr an dessen Psyche aber auch Physis zehrt. Gleichzeitig schafft es der Autor einmal mehr, viele Elemente der heutigen US-amerikanischen Gesellschaft in seine Geschichte einzubinden. Nicht umsonst ist es ein Arbeitsamt, vor welchem die Auftaktszene geschieht, nicht umsonst eine junge verwahrloste Existenz, der es so einfach gemacht wird, andere Menschen ins Unglück zu stürzen.

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David Baldacci – Fünf vor Zwölf

Benjamin Jendro

19.August
2014

Baldacci - Fünf vor zwölfEinige Autoren scheinen derart verliebt in ihre Tätigkeit als Schreiber zu sein, dass sie nahezu im Minutentakt ein neues Werk auf den Markt bringen wollen. Die große Kunst besteht darin, stets hochwertige Qualität hinsichtlich des Unterhaltungswertes abzuliefern. Schreiben sollte niemand nur des Schreibens wegen. Wem der Spagat gelingt, weil die guten Einfälle nur so aus ihm heraussprudeln, der ist dann auch zu recht ein erfolgreicher Literat. Genau in diese Kategorie fällt der US-Amerikaner David Baldacci, der einen guten Thriller nach dem anderen auspackt. 2014 sind es bereits deren vier, die in den USA, aber noch nicht in Deutschland erschienen sind. Mit „Fünf vor Zwölf“ aus der King-Maxwell-Reihe bekommen wir nun endlich ein Stück, das in der Heimat bereits 2011 für Furore sorgen konnte.

Der fünfte Fall für Sean King und Michelle Maxwell

Das Gespann Sean King und Michelle Maxwell hat mir persönlich schon so manche Nachmittagsstunde mit Spannung gefüllt. Erstmals tauchten sie 2004 in „Im Bruchteil der Sekunde“ auf der deutschen Literaturbühne auf. Von Beginn weg wirkten beide gerade dank der einzelnen Kanten recht sympathisch. Diesem Duo folgte man gerne bei den einzelnen Fällen. In „Fünf vor Zwölf“ werden die beiden von einem Anwalt angerufen, der gerade einen Ex-Nachrichtendienstmitarbeiter gegen eine Mordanklage verteidigen soll. Kurz nach dem Anruf wird der Jurist tot aufgefunden. Der Angeklagte Edgar Roy gerät ins Visier. King und Maxwell aber sind dafür bekannt, nicht die erstbeste Erklärung gelten zu lassen, sondern mal etwas tiefer zu graben.

Baldacci – Vom Staubsaugervertreter zum Autor mit Bestseller-Garantie

Heute möchte man es kaum glauben, aber neben dem Studium hat Baldacci erst einmal als Staubsaugervertreter, Dampfkesselreiniger und Wachmann gearbeitet. In den folgenden Jahren als Strafverteidiger und Wirtschaftsjurist hat er Einflüsse gesammelt und seine Ideen ausgereift. Heute wurden mittlerweile weltweit mehr als 40 Millionen Exemplare seiner Werke verkauft. Auf den Geschichten um King und Maxwell basierend zeigte das US-Fernsehen bereits eine Serie. Den stets vorhandenen Unterhaltungswert bringt auch „Fünf vor Zwölf“ mit sich. Vor allem liegt das darin, dass im 450-minütigen Hörbuch der Sumpf immer größer wird und die Brisanz, die von diesem Fall ausgeht, immer näher an die amerikanische Führungsetage führt.

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