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Robert Galbraith – Der Ruf des Kuckucks

Benjamin Jendro

30.Juli
2014

Galbraith - Der Ruf des KuckucksJoanne K. Rowling sorgte für wahrlich großes Aufsehen, als sie den Erfolg ihrer Harry Potter Romane endgültig hinter sich ließ und unter dem Pseudonym Robert Galbraith einen Krimi auf den Markt brachte. Dieser schlug wesentlich besser ein als „Ein plötzlicher Todesfall“, mit dem es die Autorin bereits versucht hatte, außerhalb der Zauberer-Romane von sich Reden zu machen. Als Galbraith nun “Der Ruf des Kuckucks” veröffentlichte, rühmte man sein Premierenstück, das für einen Newcomer irgendwie zu gut war. Nachdem dann herauskam, dass es sich beim Schriftführer um die Erfolgsautorin Rowling handelt, stiegen die Verkaufszahlen nochmal um einiges höher. Die Gründe hierfür sind dank des unterhaltsamen Plots, der sich natürlich auch als Hörbuch empfiehlt, aber definitiv selbst ohne ihren Namen auf dem Cover verständlich.

Der Ruf des Kuckucks – Ein Ermittler der Moderne

Cormoran Strike ist ein Ermittler der Moderne. Einer der in Afghanistan war und dort physisch und psychisch verwundet wurde. Dank seines Ermittlungsgespürs ist er aber auch in Tradition zu legendären Vorreitern des guten alten britischen Detektivschlages zu sehen. In Anlehnung an den großen Mister Holmes und die kaum weniger bekannte Miss Marple ist Strike ein raubeiniger Geselle, der aber auch mal zarte Seiten zeigen kann. Das spürt man vor allem beim Umgang mit seinem Watson 2.0, der von einer Zeitarbeitsfirma zugesandten Robin, die sich gemeinsam mit ihm an einem ganz brisanten Fall versucht.

Eine Leiche im Dickicht

Als Klient John Bristow auf Strike zukommt, verspürt dieser zunächst wenig Lust, den Fall anzunehmen. Ein Model, das sich selbst das Leben genommen hat, scheint jetzt nicht allzu abwegig. Ohnehin habe besagte Lula zuletzt in recht fragwürdigen Kreisen gewandelt und wurde des Öfteren in der Londoner Unterwelt gesichtet. Bristow glaubt nicht daran, dass seine Adoptivschwester freiwillig aus dem Leben geschieden ist und bittet Strike, das polizeiliche Gutachten aufs Gründlichste zu untersuchen. Warum dieser den Auftrag letztlich annimmt, ist unklar. Dank der folgende spannende Ereignisse bereut er es zumindest nicht, was schlussendlich auch für den Zuhörer gilt.

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William Shakespeare – Leicht erzählt

Benjamin Jendro

1.Juli
2014

Shakespeare - Leicht erzähltDer begnadetste Literat aller Zeiten? Das ist keine Frage, die sich so leicht beantworten lässt, da es einige helle Köpfe gab, die man nicht so einfach miteinander vergleichen kann. Eines jedoch scheint selbst bei Beachtung aller bisher erschienen Schriftstücke gewiss. Der Brite William Shakespeare ist einer der größten Literaten, die unsere Spezies je hervorgebracht hat. Seine Werke kreuzen irgendwann den Weg jedes Menschen, manchmal früher, manchmal später. Wer seinen kleinen Kindern mal etwas Gutes tun möchte, findet bei der Hörbuchversion „William Shakespeare – Leicht erzählt“ eine kindergerechte Dreiersammlung an herausragenden Stücken des Meisters. Ein Elias Canetti hat auch mal mit einer solchen Version den Zugang zur Literatur gefunden. Warum sollte nicht auch einer der jungen Hörer dieses Hörbuchs ein kommender Literaturnobelpreisträger werden?

Shakespeare – Ein Mann, von dem sich alle Werke lohnen

Von „Othello“ bis „König Lear“, von „Der Kaufmann von Venedig“ bis zu „Julius Caesar“ – Shakespeares Stücke waren stets ein Passion von mir. Ob in der Buch-, der eBook- oder auch der Hörbuchvariante – Sämtliche Werke aus seiner Feder sind ein literarischer Genuss. Das greift sogar so weit, dass mich selbst Werke begeistern, in denen es um Shakespeare geht wie zum Beispiel Charlie Lovetts „Das Buch der Fälscher“. Den persönlichen Kontakt mit den Shakespeare´schen Werke hatte ich wie viele andere relativ spät, erst in der Oberstufe. Die Liebesromanze „Romeo und Julia“ brachte zwar keinen von Shakespeare neu entwickelten Stoff. Die Art und Weise, wie das Schicksal den beiden Liebenden übel mitspielt, ist aber bis heute unerreicht. Auch der kleine Fiesling Puck, der in „Ein Sommernachtstraum“ sein Unwesen treibt, ist zur Legende geworden und heute den meisten Literaturfans bekannt.

Hamlet komplettiert das Geschichten-Trio

Neben diesen beiden haben Samuel Weiss, Devid Striesow und Co. noch ein weiteres der großen Werke kindergerecht eingesprochen. „Hamlet“ ist nach wie vor eine der größten und bedeutendsten Geschichten aus Shakespeares Feder. Der Plot, in dem der junge dänische Prinz nicht mehr erkennt, was Wahrheit ist und in Tobsucht verfällt, findet noch heute, 450 Jahre nach Shakespeare, Anerkennung auf den Theaterbühnen weltweit. Es ist seine Geschichte, die meinen Zugang zu Shakespeare bildete und für deren Ausarbeitung ich ihm noch heute große Anerkennung schenke.

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Elisabeth Herrmann – Schattengrund

Benjamin Jendro

24.Juni
2014

Herrmann - SchattengrundViele Frauen gibt es nicht, die wirklich interessante und gut konzipierte Psychothriller zu Papier bringen. Beim Genre handelt es sich deutlich um eine von Männern dominierte Domäne. Dabei müssen die Damen de Zunft das Kräftemessen der Psychothriller-Autoren gar nicht scheuen, denn einige von ihnen schaffen es, selbst das geübte Thriller-Publikum noch aus den Angeln zu reißen. Elisabeth Herrmann ist so eine dieser deutschen Vorzeigeautorinnen dieser Literatursparte. Verantwortlich für diese Anerkennung ist hauptsächlich ihr Werk „Schattengrund“, das in der 450-minütigen Hörbuchfassung von Laura Maire gesprochen wird. Das Werk wurde nicht umsonst mit dem Deutschen Hörbuchpreis für die Beste Interpretin geehrt, denn die Darbietung von Maire bringt alle eiskalten Facetten des Plots äußert authentisch wieder.

Schattengrund als Erbschaft unerwünscht

Jeder, zumindest die meisten Menschen, würde ein Angebot dieser Kategorie niemals ausschlagen. Die 17-jährige Nicola soll ein Haus erben. Gut, dieses hat ein paar Jahre gesehen, liegt etwas abgelegen in einem Ort, der jetzt nicht gerade eine Weltmetropole ist. Nichtsdestotrotz aber handelt es sich hier um eine Immobilie, was in unserer wirtschaftsorientierten Welt nicht gerade wenig ist. Demnach reagiert Nicola mit großem Unverständnis auf das Handeln ihrer Eltern, die als Vormund das Erbe für sie ausschlagen. Dem Teenager passt das wenig, so macht man sich auf nach „Schattengrund“, um nachzusehen, was man ihr da vorenthalten möchte.

Im Schattengrund tummeln sich die Erinnerungen

Schon bald, nachdem Nicola den Weg nach „Schattengrund“ auf sich genommen hat, bereut sie diesen Schritt. Es wäre ein Leichtes, wenn vor Ort nur alte, knarrende Treppenstufen und staubige Dachböden warten würden. Mit den Erinnerungen an Fili aber wird sie von etwas heimgeholt, das längst in die tiefsten Schubladen und dort ganz hinter verstaut wurde. Fili war einst ihre beste Freundin, eine echte Seelenverwandte, die einem grausamen Verbrechen zum Opfer fiel. Ein Verbrechen, dessen Täter noch immer im Dorf sein Unwesen treibt und das „Schattengrund“ zu einem Psychothriller der herausragenden Güteklasse macht.

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Green - Das Schicksal ist ein mieser VerräterEs ist eine alte Diskussion, ob bei der Verfilmung eines literarischen Bestsellers das Buch oder der Film besser ist. Ganz persönlich würde ich die Antwort nicht pauschalisieren. Manchmal entsteht der Zauber eines Werkes vor allem innerhalb seiner Seiten, manchmal aber kommen gerade auf der Leinwand ganz besondere Elemente zur Geltung. Es gibt sogar manche Bestseller, die sowohl im Rahmen des einen Mediums als auch in jenem des anderen eindrucksvoll erscheinen. John Greens Jugendroman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist für mich ein solches Werk. Aktuell ist die Geschichte im Kino zu sehen, man hat sich dabei sehr ans sehr empfehlenswerte Buch gehalten. Selbst die Hörbuchfassung ist es wert, erlebt zu werden.

Die Geschichte zweier junger Menschen, die leben wollen

Was die junge Hazel Grace Lancaster bereits in ihren ersten Lebensjahren durchmachen muss, ist wirklich hart. Der Krebs hat sie befallen und so wirklich klare Auskunft, wie lange sie noch zu leben hat, bekommt sie nicht. Hazel hegt eine große Leidenschaft für Literatur, unter anderem für einen niederländischen Schriftsteller, der über ein junges Mädchen schreibt, dessen Leben zu Ende geht. Über ihre Erkrankung selbst redet sie ungern. Dementsprechend ist sie nicht ernsthaft davon beeindruckt, dass ihre Mama, eine durchweg fürsorgliche Person, sie zu einer Gesprächsrunde mit lauter Krebserkrankten bringen möchte. Hazel lässt sich breitschlagen und trifft vor Ort auf Gus, einen jungen Mann, den es ebenfalls bereits erwischt hat und der sofort Eindruck auf Hazel macht.

Eine Romanze zweier Gezeichneter

Natürlich entwickelt sich in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, das im Übrigen in der deutschen Hörbuchvariante von Anna Maria Mühe gesprochen wird, eine Romanze zwischen den Beiden. Diese begründet sich ohne Frage auch auf dem gemeinsamen Schicksal, das sie heimgesucht hat. So präsent das Thema Krebs über die ganze Geschichte hinweg bleibt, im Zentrum steht es nicht, sondern die Heranwachsenden persönlich sowie ihre altersbedingten Probleme. Gus und Hazel wollen in die Niederlande reisen, um vom besagten Autor zu erfahren, was mit der Protagonistin passiert ist. Das Werk brach nämlich mitten im Satz ab. Ob Gus und Hazel ihr Ziel erreichen, hängt leider auch an ihrem eisernen Willen, die sich in den Weg stü

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John Dickie – Omerta

Benjamin Jendro

10.Juni
2014

Dickie - OmertaMan meint als geübter Kinogänger das Ausmaß der Mafia komplett überblicken zu können. Ohne Frage hat die Verfilmung von Mario Puzos „Il Padrino“ der Gesellschaft das Thema nähergebracht. In der Realität lässt sich das Phänomen Mafia aber nicht mehr auf das kleine sizilianische Dorf Corleone beschränken, das im Übrigen bei einem Besuch alles andere als mafiös erscheint. Nein, die Mafia oder das, was wir als Mafia bezeichnen, hat sich längst zu einem Geflecht entwickelt, in welchem es nicht nur um Gefallen und deren gegenseitige Erbringung geht, sondern um die brutale Wirklichkeit von Drogengeschäften, Menschenhandel, Mord, Korruption und Glücksspiel. Autoren wie John Dickie leisten einiges, um das gigantische Ausmaß zu verdeutlichen. Mit „Omerta“ haben wir einen guten Überblick dessen, was die Mafia heute alles beeinflusst.

Omerta – Fünf Stunden geballte Mafiageschichte

Mehr als dreihundert Minuten umfasst das Hörbuch, in dem Dickies Bestseller von Gordon Piedesack gesprochen wird. Sie informieren den Zuhörer über die Geschichte der drei großen Mafiaorganisationen, ihre Herkunft, den individuellen Werdegang und den heutigen Einfluss auf das globale Gefüge. Die Kreise der Cosa Nostra, Camorra und Ndrangheta haben sich längst über die Grenzen Italiens hinweg ausgedehnt. Heute, das macht Dickie schnell klar, leiten sie die Geschicke in ganz Europa, Nordamerika und selbst in Australien.

Omerta – Hier wird nichts verschwiegen

„Omerta“ bedeutet ins Deutsche übertragen das Schweigen. Über die Mafia und ihre Taten schweigt man, man verrät nichts und niemanden. Zahlreiche Akteure haben die „Omerta“ in der Vergangenheit gebrochen oder sie angetastet. Die Meisten von ihnen haben dafür mit dem Leben bezahlt und nebenbei auch mit dem ihrer Liebsten. Recherchefleißige Enthüllungsjournalisten wie Roberto Saviano („Zero Zero Zero“) oder eben John Dickie lassen sich davon nicht einschüchtern und geben uns so einen Überblick über die wahre Situation, die in dieser Form eben zumeist lieber verschwiegen wird. So bekommt der Unwissende mal ein paar Informationen über die Bereiche, die bereits fest in den Händen der Mafia sind, ihre Strukturen und ihre Strategien. So viel sei verraten – Wer dieses Hörbuch hört, wird seine Sicht auf unsere Welt verändern.

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Umberto Eco – Der Friedhof in Prag

Benjamin Jendro

27.Mai
2014

Eco - Der Friedhof in PragEr ist der Meister der verschlüsselten Literatur, denn niemand schafft es, den Leser oder Zuhörer mit seinen Schriften so zu verwirren, dass er oder sie komplett die Übersicht verliert. Der Italiener Umberto Eco hat dies sowohl in „Der Name der Rose“ als auch „Das Foucaultsche Pendel“ mit Bravour erreicht. Profitieren kann der Verschleierungsexperte vor allem davon, dass er im Bereich Verschwörungstheorien, Geheimbünde und Co. enormes Wissen angehäuft hat und so sämtliche Gruppierungen mit großer Authentizität in seine Geschichten einfließen lassen kann. Das ist ihm auch bei „Der Friedhof in Prag“ gelungen. Vom Stück sollte man sich keinesfalls abwenden, weil man mal kurz den Überblick verloren hat. Das gehört zum Programm Ecos dazu.

Der Friedhof in Prag ist Ausgangspunkt des Ganzen

Alle Werke Ecos beweisen, welch ausgebildetes Spektrum an historischer Fachkompetenz ihn zu seinen Schriften führt. Die fast 1000 Minuten lange Hörbuchfassung von „Der Friedhof von Prag“ beginnt im späten 19. Jahrhundert. Dort erwacht der Italiener Simonini in Paris, ohne sich an die Geschehnisse der vergangenen Tage zurückerinnern zu können. Um sich diese wieder ins Gedächtnis zu rufen, beginnt er Tagebuch zu schreiben und entgleitet dadurch in Richtung weit zurückliegender Vergangenheit. Interessanterweise kommentiert ein Unbekannter Simoninis Einträge während dessen Ruhephasen und entlarvt ihn als einen Fälscher, der eine bedeutende historische Rolle einnimmt und ihn in einen Zusammenhang bringt, in dem „Der Friedhof von Prag“ einen wichtigen Ort darstellt.

Der Friedhof in Prag zwischen Schein und Realität

Der Unbekannte, der Simoninis Tagebuch nutzt, um eigene Zeichen zu hinterlassen, trägt den Namen Dalla Piccola. Eigentlich sollte dieser sich in der Pariser Kanalisation befinden, wo ihn Simonini einst abgelegt hat. Was das Ganze so brisant macht, ist die Tatsache, dass der schreibende Abbe Dalla Piccola keine rekonstruierenden Antworten hinsichtlich der Ereignisse gibt, sondern selbst nach etwas auf der Suche ist. Folgt man der mehr oder weniger gemeinsamen Suche, entdeckt man, worum es in „Der Friedhof von Prag“ wirklich geht. Thematisiert wird eine zunächst ungefährliche Verschwörung, die schon bald ein immenses Ausmaß nimmt und die Historie markant ins Wanken bringt.

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William Shakespeare – Hamlet

Benjamin Jendro

20.Mai
2014

Shakespeare - HamletSein oder Nichtsein? – Das ist die Frage, die sich „Hamlet“, Prinz von Dänemark, stellen muss. Ohnehin scheint etwas in seinem Staate faul zu sein. Der Zuhörer von Shakespeares großem Werk, das für mich persönlich sein größtes überhaupt darstellt, erfährt recht schnell, was so alles falsch läuft. Der Prinz selbst aber steckt in einem perfiden Spiel voller Lug und Trug fest, ohne so richtig zu wissen, wer hier wen hinters Licht führt und ob die Geister, die zu ihm sprechen, Realität sind. Shakespeares „Hamlet ist sicherlich eine der tragischsten Figuren der Literaturgeschichte.

Hamlet – Eine Geschichte voller Macht, Liebe und Wahnsinn

Anlässlich Shakespeares 450. Jahrestag kam es zu einer Reihe neuer Hörbücher, die dem Meister des eindrucksvollen Schauspieles das Denkmal weiter in Zement gießen. „Hamlet“, das von Wolfgang Reichmann, Christiane Hörbiger und Christoph Bantzer eingesprochen wurde, ist eines der herausragenden Exemplare. Die 95 Minuten, in denen die einzelnen Akte mit viel Emotion an die Ohren des Zuhörers dringen, empfehlen sich für jeden, der die Geschichte des dänischen Prinzen, der Vater und Verstand verloren hat und am Ende erkennen muss, dass seine Liebsten dafür verantwortlich sind, mal in einem anderen Format vermittelt bekommen möchte. Liebe, Macht und Wahnsinn heißen die zentralen Gewürze, die alle Schauspiele Shakespeares so unterhaltsam machen und die natürlich auch festes Inventar bei „Hamlet“ sind.

Hamlet – Ein Getäuschter?

Es ist Claudius, der Bruder des ermordeten Herrschers und Hamlets Onkel, der anschließend die Krone an sich reißt und Witwe Gertrude erneut auf den Königinnenstuhl transferiert. Da dabei unlautere Mittel ergriffen werden, bewegt Hamlet zu einem Rachedurst, der in Wahnsinn kulminiert und alle Beteiligten ins Unglück stürzt. Für sein Stück orientierte sich Shakespeare an einer mittelalterlichen Erzählung aus dem Norden. 1602 erschien „Hamlet“ erstmals auf der Bühne, 1604 ging das Werk autorisiert in den Druck, schon in den 1590ern entstand der Ur-Hamlet. Niemand konnte ahnen, welche Geschichte Shakespeares Erzählung einmal nimmt. Sein Wert für uns heute ist aber definitiv unschätzbar hoch.

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Camilleri - Das Netz der großen FischeNiemand auf der Welt braucht sich mehr einreden, dass Szenarien wie sie von Hollywood auf der gleichnamigen literarischen Grundlage von Mario Puzo dargestellt wurden, keinen Funken Reales in sich tragen. Genau betrachtet ist „Der Pate“ sogar noch eine Beschönigung dessen, was die reale Welt durchzieht. Das enge Netzwerk, mit welchem die Mafia das gesellschaftlich-globale Leben beeinflusst und kontrolliert, ist gar noch um einiges engmaschiger und gefährlicher. Nicht zuletzt hat der Ottonormalverbraucher das durch Enthüllungsjounalisten wie Saviano vor Augen geführt bekommen. Andrea Camilleri macht dies auf eine andere Art. Er schreibt keine enthüllenden Reportagen, sondern offenbart das Treiben der sizilianischen Cosa Nostra in Romanen, die unkommentiertes Geschehen verdeutlichen. Das gilt auch für „Das Netz der großen Fische“.

Das Netz der großen Fische – Sinngemäßer Titel für das Wirken der Mafia

Camilleri, der selbst in Sizilien auf die Welt gekommen ist und so seit den Kindheitsjahren mit dem alltäglichen Geschäft der Mafia in Kontakt steht, hat seinen Titel wie so oft nicht ganz zufällig gewählt. Wenn man in den Gassen seines Geburtsortes, dem kleinen Fischerdorf Porto Empedocle herumläuft, spürt man das selbstverständlich nicht. Ohnehin wird kaum ein Sizilientourist mit den Machenschaften in Kontakt kommen. Wer dort lebt, hat dies aber bereits verinnerlicht und meist auch akzeptiert. Das Unterwandern sämtlicher Institutionen gehört zum Geschäft dazu. Das erkennt auch Michele Caruso, Programmdirektor von RAI in Palermo. Dieser muss sich nach dem Mord an der Tochter eines hochrangigen Politikers ganz genau überlegen, was er wie in den Nachrichten darlegt.

Politik, Justiz und Medien

Es ist ein Wechselspiel, was die rund vier Stunden Hörbuch „Das Netz der großen Fische“ charakterisiert. Ein Wechselspiel zwischen Justiz, Politik und Medienwelt. Die einzelnen Protagonisten schieben sich den Spielball stetig zu, lassen aber zu keiner Zeit erkennen, in welchem Team sie spielen. Jeder Schritt ist vorher genau abgewogen, jedes Manöver eiskalt kalkuliert. Während der eine seinen Stuhl räumen muss, nimmt einer andere ihn ein. Scheinbar Unbeteiligte müssen mit dem Leben bezahlen und der Hauptverdächtige, der irgendwie komplett passiv bleibt, kommt ungeschadet raus. Viel Verwirrung summiert sich zu einem unetrhaltsamen Mafia-Kriminalroman, in welchem selbst Caruso keinen kühlen Kopf bewahrt und irgendwann auch erkennen muss, dass der Hase anders läuft als er es gedacht hat.

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Die drei ??? – GPS-Gangster

Benjamin Jendro

6.Mai
2014

Die drei ??? - GPS-GangsterEndlich ist es soweit – Die drei Fragezeichen kehren zurück und präsentieren sich in ihrem mittlerweile 168. Abenteuer so modern wie nie zuvor. Die Erfolgsgeschichte von Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews kann sich wirklich sehen lassen. 1968 erschien der erste Kriminalfall um das legendäre Dreigestirn. 25 Jahre später wurde die Serie in den USA zwar eingestellt. Hier in Deutschland aber hat sie auch danach noch große Wellen geschlagen. Fast 50 Millionen Tonträger wurden bisher verkauft. Klar, dass das Interesse an „Die drei ??? – GPS-Gangster“ da bereits vorab gigantisch groß war. In der Tat wurden die Fans, die in vielen Fällen bereits seit Jahrzehnten die Treue halten, nicht enttäuscht, denn Episode 168 kann sich sehen lassen.

Die drei ??? – GPS-Gangster: Modernes Element Geocaching

Handys und das gern genutzte Internet zählen seit geraumer Zeit natürlich auch zum Inventar des Detektiv-Trios. Derart modern wie in „Die drei ??? – GPS-Gangster“ hat man Justus, Peter und Bob aber bisher nicht gesehen. Das Team gewinnt in der Nähe der Heimat Rocky Beach einen angesehenen Geocaching-Wettbewerb. Das an sich dürfte für alle Hörer der drei Fragezeichen keine allzu große Überraschung sein. Dass ihnen dies in Rekordzeit gelang, ist dann aber schon mehr als eine Fußnote wert. Das bringt Deborah Rodman, die Veranstalterin des Wettstreits, auf die Idee, „Die drei ???“ mit einem Fall zu betrauen, der die Geocaching-Gemeinde und auch die Polizei seit einiger Zeit dumm dastehen lässt.

Die drei ??? – GPS-Gangster: Ein Verbrecher nutzt Koordinaten

Captain Skull heißt der mysteriöse Gangster, der Kunstgegenstände raubt und die Polizei vor ein großes Rätsel stellt. Er gibt ihnen die Chance, die Beute sicherzustellen. Dafür hinterlässt er eine tickende Uhr und Koordinaten. Allerdings sind die Angaben so verschlüsselt, dass es den Behörden bisher nur einmal gelang, das Versteck rechtzeitig zu entlarven. Das wirft auch ein dunkles Licht auf die Geocaching-Gemeinde. Inspektor Cotta ist zwar wie gewohnt nicht davon überzeugt, dass „Die drei ???“ kompletten Zugang zur Akte von Captain Skull bekommen sollen. Wieder einmal scheint es aber nur Justus, Peter und Bob möglich, den Verbrecher zu überführen.

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Marquez - Chronik eines angekündigten TodesGabriel Garcia Marquez war einer der ganzen großen Autoren. Vor allem war er einer der wenigen lateinamerikanischen Schriftsteller, die dem Rest der Welt die Szenerie jenes Fleckchens auf dem Erdball, der von uns weit entfernt liegt, näher brachte. Dafür nutzte Marquez sein großartiges Talent, einfühlsam, teilweise emotionslos und letztlich verdammt unterhaltsam zu schreiben. „Chronik eines angekündigten Todes“ ist eines der Zeugnisse seiner Wirkungskraft. Es ist eine Geschichte, die von Unsicherheit und einer rückständigen Dorfgemeinschaft berichtet und eine, die aufgrund ihres Titels nach dem Versterben des Künstlers eine eigenartige Note verliehen bekommt.

Eine Chronik von einem Tag

Beim Blick auf den Titel des dreistündigen Hörbuchs, das von Hanns Zischler gesprochen wird, erscheint es merkwürdig, dass Marquez lediglich das Geschehen eines einzigen Tages berichtet. Genau genommen geht es nur um eine Nacht und einen Morgen. Aus der Sicht eines 27-jährigen Erzählers erfährt man von einer bevorstehenden Hinrichtung. Die Brüder Vicario wollen den jungen Santiago Nasar dafür büßen lassen, dass er die Ehre ihrer Schwester Angela beschmutzt hat. Diese wurde von ihrem designierten Bräutigam Bayardo zurückgewiesen, da er sich der Jungfräulichkeit der Gattin nicht mehr gewiss war. Santiago soll dafür verantwortlich sein. Bis zum Ende von „Chronik eines angekündigten Todes“ lässt Marquez offen, ob er wirklich der Verursacher ist.

Keiner durchkreuzt die „Chronik eines angekündigten Todes“

Das hinterfragt auch kein einziger Dorfbewohner, der Erzähler mal ausgenommen, so richtig. Die Bevölkerung scheint wie in Trance, jeder weiß um die bevorstehende Tat, doch niemand möchte sie verhindern, jedenfalls nicht persönlich. Stattdessen aber scheinen alle zu hoffen, dass das bevorstehende Töten noch irgendwie gestoppt werden kann. Selbst die Brüder Vicario sind sich nicht sicher, ob sie Santiago wirklich töten sollen. Einzig ihr Pflichtbewusstsein ist Triebfeder für den Mord. Marquez lässt den Leser in das Dorf und die Köpfe seiner Bewohner schauen, legt ihm aber auch irgendwie eine Starre auf, die verhindert, dass wir eingreifen wollen. So plätschert die Zeit zwischen Ankündigung und abschließendem Vollzug so vor sich hin.

 

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