...entführen dich in eine andere Welt

Impressum Kontakt

Spielman - Nur einen Horizont entferntGute Romane, die einfühlsam sind und Wert auf große Emotionalität legen, zeigen ihren Inhalt zumeist bereits im Titel. Erinnern Sie sich an Jonassons großartigem Schriftstück „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“? Es gibt immer mal wieder solche Werke, denen man den internationalen Bestseller schon bei der Veröffentlichung ansieht. Das traf auf „Morgen kommt ein neuer Himmel“ von Lori Nelson Spielman zu, das insgesamt gute 600.000 Mal über die deutschen Ladentheken ging und so der erfolgreichste Bestseller des abgelaufenen Kalenderjahres war. Ob sie mit „Nur einen Horizont entfernt“ in ähnliche Sphären aufsteigt, lässt sich noch nicht absehen. Eingeschlagen hat die Geschichte aber auf jeden Fall.

Wenn ein Brief ein Leben umkrempelt

Wir leben in einem Zeitalter, in welchem immer weniger Menschen zum Medium Brief greifen und stattdessen lieber eine SMS, Mails oder sonstige Kurznachrichten verschicken. Hannah Farr ist TV-Moderatorin und kennt dieses gesellschaftliche Phänomen zu genüge. Dementsprechend verwundert ist sie, als ein handgeschriebener Brief bei ihr eintrifft. Er stammt von einer früheren Schulkameradin, die um Vergebung bittet, weil sie Hannah früher immer gemobbt hat. Im Kuvert enthalten sind auch zwei Steine. Mit einem soll ihre Vergebung eingeholt werden, mit dem anderen kann sie selbst einen anderen um Verzeihung bitten. Hannah weiß sofort, für wen ihr Stein in „Nur einen Horizont entfernt“ bestimmt ist. Sie weiß nur nicht, ob sie die dunkle Vergangenheit zurück in ihr helles, erfolgreiches Leben dringen lassen soll.

Das komplette Glück ist „Nur einen Horizont entfernt“

Zwei Fragen stellen sich Hannah. Kann sie der früheren Weggefährtin vergeben? Ja das kann sie. Viel wichtiger aber scheint die ganz persönliche Enttäuschung, die sie ihrer Mutter antat und die sich kurz nach dem Lesen des Briefes vollkommen in ihr manifestiert. Hannah hat ihr wehgetan und ein Übel vollbracht, das man nur schwer wieder gerade biegen kann. Ist ein Stein die Lösung, Mutter und Tochter wieder zu vereinen? Mit der jugendlichen Stimme, fängt Sprecherin Eva Gosciejewicz in den 453 Hörbuchminuten sowohl das zittrige Hin und Her in Hannah als auch die einfühlsam aufgebaute Szenerie der Autorin perfekt auf. Das macht ein äußerst hörenswertes Hörbuch für die Sommertage aus.

0

Anna Todd – After Truth

Benjamin Jendro

9.April
2015

Todd - After Truth hbSchriftsteller leben von ihren Geschichten. Nur mit einem unterhaltsamen Plot schaffen sie es, Leser für sich zu gewinnen. Dafür ist es notwendig, dass eine Erzählung authentisch ist, der Schreiber sie nicht einfach nur herunter geschrieben, sondern dabei auch eigene Empfindungen einfließen hat. So geschieht es zwangsläufig, dass die Geschichten, die Menschen aufschreiben und dem Leser vorlegen, auch immer die ganz eigene Lebensgeschichte thematisieren oder zumindest Elemente beinhaltet, die den jeweiligen Literaten beschäftigen. Mit Anna Todd hat da in den letzten Monaten wieder Mal eine Autorin für Aufsehen gesorgt, die zwei junge und von Grund auf verschiedene Akteure zusammenführt. „After Truth“ ist der zweite Band einer Reihe, in der es um gegenseitige Anziehung und alle Hürden einer Liebe geht.

After Truth – Eine Autorin verarbeitet ihre Träume

Anna Todd, eine Texanerin, die sofort nach der Highschool heiratete und deren Anerkennung vor allem Boygroups zu Gute kommt, ist eine Autorin, die in ihren Werken ihre Träume sprechen lässt. Sie hat ein geordnetes, ein ganz gewöhnliches Leben und ist nach eigenen Angaben vollauf damit zufrieden. Es gibt, und da macht Todd keinen Hehl drum, aber auch noch eine andere Variante. Statt Vorgarten und Familie hätte sie auch den Weg ihrer Protagonistin Tessa gehen können. Diese kommt in die Großstadt, studiert und gelangt in eine für sie bis dahin unbekannte Welt voller Partys, Action und Gefahren. Mittendrin ein Kerl, der nicht gut für sie ist und von dem sie sich dennoch nicht mehr zu lösen vermag. In „After Passion“ lernten wir Tessa und eben jenen Hardin kennen. Einen Macho, der sie alle haben kann, aber an der jungen naiven Tessa einen Bären gefressen zu haben scheint. In „After Truth“ nun geht es zentral darum, wie es mit den beiden weitergeht. Tessa erfährt die ganze Wahrheit über Hardin – eine Wahrheit, die sie nicht wahrhaben möchte und die Gift für die Beziehung der beiden ist.

Wie stark ist erotische Anziehungskraft?

Es ist bei weitem nicht so, dass Autorin Anna Todd mit der „After-Reihe“ etwas komplett Revolutionäres vorlegt. Die Szenerie erinnert ein wenig an die guten amerikanischen Teeniestreifen um die Jahrtausendwende. Das junge Mädchen kommt an die Universität und wirft plötzlich sämtliche Grundsätze und auch den Freund in der Heimat über den Haufen. Neu ist, dass sie das Ganze mit einer erotischen Würze aufpeppt und sich somit eine Mixtur aus den früheren und der aktuellen Kassenschlagern zusammenreimt. Ein Werk, das im Jahr 2015 über die Liebe spricht, kann nicht über das Thema Sexualität hinwegsehen und so bekommt gerade die erotische Anziehungskraft einen hohen Stellenwert. Genau diese ist das, was Tessa zweifeln lässt und ihr den Weg in das alte Leben, das Leben vor Hardin Scott, versperrt.

0

Anna Todd – After Passion

Benjamin Jendro

17.Februar
2015

Todd - After Passion hbWann haben Sie ganz persönlich zuletzt mal eine Romanze im Kino oder Fernsehen gesehen, bei der sie dahin schmelzen konnten und die für sie das typische jugendliche Leben in den Vereinigten Staaten verkörperte? Beim mir ist das schon ein wenig her, doch in den späten Neunzigern und jungen Zweitausendern waren derartige Geschichte an der Tagesordnung. Ein junges Mädchen absolviert die Highschool und erlebt auf der Universität, dem College eine ganz andere Welt und ganz andere Seiten an sich. Das bisherige Leben, die bisherigen Grundsätze werden beiseite gewischt und das schüchterne Individuum vollkommen vom partymachenden Kollektiv eingenommen. So in etwa gestaltet sich auch „After Passion“ der jungen Autorin Anna Todd.

Anna Todd baut ihre Träume in die Romane ein

Anna Todd hat kurz nach ihrem Highschool-Abschluss geheiratet, noch heute lebt sie glücklich mit der ersten großen Liebe im US-Staat Texas. Ihr Vita liest sich mitunter etwas spießig, sie hat früh für geordnete Verhältnisse gesorgt. Dennoch schlummern in ihre aber jene Träume und jener Drang nach Experimenten und Freiheit, den viele junge Frauen in ihrem Alter verspüren. Tessa Young, die zentrale Figur in Todds „After“-Reihe, ist ihre Projektionsfläche. In „After Passion“, dem ersten von vier Bänden, lernt diese eine vollkommen neue Welt kennen. An der Washington State University ist alles größer, alles anders. Das beginnt bei ihrer neuen Mitbewohnerin, die so gar nicht ins bisherige Freundinnen-Raster passt und setzt sich bei Macho Hardin Scott fort.

Hardin Scott – Ein Mann wie Harry Styles

Der erste Eindruck, den Tessa von Mitbewohnerin Steph gewinnt, ist eine gesunde Mischung aus Verwunderung und Interesse. Das gilt auch für Hardin, einen Kerl, der sich im Freundeskreis von Steph tummelt und der wenig sympathisch wirkt. Zwar empfindet Tessa den Bad Guy zunächst nicht wirklich anziehend, irgendetwas aber schlummert in ihm, das ihr Interesse weckt. Bemerkenswerterweise beruht das auf Gegenseitigkeit, denn auch der egozentrische Hardin ist vom jungen, naiven Neuling spürbar angetan. In einem Umfeld voller alkoholgeladener Partys und nicht immer legal ausgelebter Abende nähern sich die beiden an, was Tessa dazu bringt, mit allem Bisherigen, auch ihrem eigentlichen Freund Noah zu brechen. Dass sich das über einen für dieses Genre ungewöhnlich langen Zeitraum hinzieht, merkt man als Zuhörer gar nicht. „After Passion“ ist einfach Baldrian für die romantische Seele.

0

Jojo Moyes – Ein Bild von dir

Benjamin Jendro

27.Januar
2015

Moyes - Ein Bild von Dir hbPorträtmalerei ist eine sehr hohe Kunst. Während es Landschaftszeichner oftmals etwas einfacher haben und das jeweilige Panorama so abpinseln können, wie es vor ihnen liegt, ist das Malen von Menschen eine ganz andere Aufgabe. Selbstverständlich nimmt auch jeder seine Umgebung anders war. Die Spielräume hinsichtlich des Zeichnens eines Menschen aber sind noch größer, denn es obliegt einem Maler, vollkommen eigene Akzente zu setzen und Emotionen in ein Porträt einzubinden, die ein anderer womöglich gar nicht wahrnimmt. Insofern kann man beim Betrachten eines Porträts viel über die abgebildete Person ablesen, zugleich aber auch einiges über seinen jeweiligen Künstler. Für Liv – eine der zentralen Protagonisten in Jojo Moyes neuem Werk „Ein Bild von dir“ – steht es außer Frage, dass der Maler des thematisierten Porträts sein Motiv sehr geliebt haben muss.

Jojo Moyes verbindet in „Ein Bild von dir“ zwei Liebesgeschichten

Liv ist wirklich verzweifelt. Noch immer hängt sie an ihrem David, der vor vier Jahren viel zu früh aus dem Leben geschieden ist. Es sind die gemeinsamen Erlebnisse, derer sie sich erinnert und die ihn nach wie vor für sie präsent halten und es ist ein Gemälde, das er ihr einst schenkte, welches eine vergleichbare Wirkung erzielt. Jenes Kunstwerk soll ihr nun entwendet werden, was Liv mit aller Macht verhindern möchte. Selbst, wenn das bedeutet, dass sie alles opfern muss. Abgebildet auf dem Bild ist Sophie, eine Französin, die während des ersten Weltkriegs deutschen Besatzern Essen servieren musste, während ihr Mann Edouard – der Maler – gegen eben jene ins Gefecht zieht. Es sind diese beiden Liebesgeschichten, die ein knappes Jahrhundert auseinanderliegen, aber von Jojo Moyes in „Ein Bild von dir“ durch ein einziges Porträt miteinander verbunden werden.

Ein Bild von dir zeugt nur so vor einfühlsamen Zeilen

Wer sich die rund neun Stunden Hörbuch anhört, der wird von Moyes einmal mehr das erhalten, wofür wir sie seit einigen Jahren zu schätzen gelernt haben. Ihr kometenhafter Aufstieg basiert auf einer sehr einfühlsamen Sprache, die auch in „Ein Bild von dir“ nicht fehlt. Intensiviert wird das durch die Stammsprecherin der Werke von Moyes, Luise Helm, die man unter anderem als Synchronstimme von Scarlett Johansson kennt. Rundum eine sehr bewegende Erzählung, die der Zuhörer da vorgesetzt bekommt. Wem das noch nicht reicht, der kann mit „Die Tage in Paris“ gleich noch der Vorgeschichte lauschen. Auch diese geizt nicht mit großer emotionaler Tiefe.

0

Modiano - Im Cafe der verlorenen JugendPünktlich zum Todestag von Alfred Nobel werden am 10. Dezember in Stockholm wieder die Nobelpreise vergeben. Bis auf jenen, den es für das Engagement für den Frieden gibt. Dieser wird traditionell in Oslo überreicht. Etwa zwei Monate vorab werden die jeweiligen Preisträger bekanntgegeben. In die namhafte Rangliste der Nobelpreisträger für Literatur, zu der Leute wie ein Canetti, ein Pirandello, ein Hemingway oder eine Herta Müller gehören, gesellt sich in diesem Jahr der Franzose Patrick Modiano, der zwar etwas überraschend, aber keinesfalls unverdient die Nachfolge von Alice Munro antreten darf. Einer der Gründe dafür ist sein Werk „Im Café der verlorenen Jugend“, das beispielhaft für den Stil des Romanciers steht.

Im Café der verlorenen Jugend – Eine Geschichte über Menschen

Wer von Patrick Modiano bisher nichts gehört hat, muss keineswegs ein Kunstbanause sein. In der Tat ist der 69-Jährige in Deutschland eher unbekannt, weil seine Romane hier noch nicht so ganz durchstarten konnten, obwohl ihnen zumeist eine Thematik zu Grunde liegt, die sich auf unsere Geschichte bezieht. Modiano widmet sich in vielen Schriften der Deutschen Besetzung in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs und erzählt von den dadurch resultierenden Eindrücken der Franzosen. Das machte ihn in Frankreich zu einem der erfolgreichsten und einflussreichsten Autoren der heutigen Zeit. Ebenfalls sehr präsent sind die 1960ern, die einen anderen Bereich seines literarischen Schaffens ausmachen. In ihnen geht es zumeist um das Thema Liebe und die individuelle Existenz jedes Einzelnen. Im Grunde genommen handeln seine Erzählungen von Menschenschicksalen. Da nimmt sich auch „Im Café der verlorenen Jugend“ nicht aus.

Louki sucht nach einem Halt im Leben

In sehr einfühlsamen Zeilen erzählt Modiano in „Im Café der verlorenen Jugend“ von Louki, die bereits als Kind immer aus den heimischen vier Wänden geflüchtet ist. Diese nicht vorhandene Bereitschaft, sich an etwas zu binden, zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. So ist sie vor einem Jahr auch ihrem Mann Neuilly, einem Immobilienmakler, davon gelaufen. Ihr Geliebter Roland könnte eine Konstante darstellen. Er könnte, denn beruhigend ist die Situation auch jetzt nicht. Das liegt daran, dass sie „Im Café der verlorenen Jugend“ vom Detektiv ihres Mannes auf Schritt und Tritt beobachtet wird. Eingebunden in die Atmosphäre der Stadt der Liebe in den sechziger Jahren erlebt man so eine emotional bewegende Geschichte mit Höhen und Tiefen.

0

Paulo Coelho – Untreue

Benjamin Jendro

24.September
2014

Coelho - UntreueGanz persönlich vertrete ich ja die Ansicht, dass südamerikanischen Autoren bei uns in Europa viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Einzig auf der iberischen Halbinsel finden die Geschichten Eingang in unseren Kontinent. Bei Recherchen zur Fußball-Weltmeisterschaft ist mir einmal mehr aufgefallen, welch großartige Erzählungen uns dabei verschlossen bleiben. Paulo Coelho ist einer der wenigen, wenn nicht sogar der einzige Schriftsteller, der es auch in Deutschland zu großem Ansehen gebracht hat, obwohl er aus Südamerika stammt. Seit Jahren schon erscheinen seine einfühlsamen Stücke beim Diogenes-Verlag. „Untreue“ reiht sich da nahtlos ein und lässt den Zuhörer wieder mal dahinschmelzen.

Untreue ist nicht pauschal verwerflich

Die „Untreue“ eines Menschen ist generell zu verurteilen. Es gibt wenige Gründe, die ein derartiges Vorgehen rechtfertigen und dennoch gibt es sie. So unsympathisch uns Coelho seine Figur, die Journalistin Linda, auch einführt, so mehr versteht man sie nach und nach. Besagte junge Frau hat sich von ihrem Leben scheinbar nie mehr erträumen können als das, was sie jetzt um sich hat. Im Job ist sie auf die Erfolgsspur geraten, privat  sieht es ebenfalls nicht allzu schlecht aus. Daheim warten ein liebender und fürsorglicher Ehemann und selbst Bambini haben die beiden bereits auf die Welt gebracht. Dennoch ist Linda nicht zufrieden mit der Situation und begeht ein Wagnis, das alles verändern wird.

Was bedeutet es, wirklich zu lieben?

Die zentrale Frage, die Paulo Coelhos „Untreue“ als der rote Faden durchzieht, besteht darin, was wahre Liebe wirklich ist. Linda ist dreißig, als sie an diesen Scheideweg gerät. Sie begibt sich Hals über Kopf in eine Affäre mit einem früheren Bekannten und schlittert damit voll in den Gefühlsrausch. Ist es das, was sie glücklich macht und ist es wirklich verwerflich, im Leben auch einmal an sich zu denken? Das mag niemand beantworten. Erst recht nicht, wenn mal Coelhos Werk, das von Luise Helm recht emotional gefärbt eingesprochen wurde, hinter sich hat.

0

Green - Das Schicksal ist ein mieser VerräterEs ist eine alte Diskussion, ob bei der Verfilmung eines literarischen Bestsellers das Buch oder der Film besser ist. Ganz persönlich würde ich die Antwort nicht pauschalisieren. Manchmal entsteht der Zauber eines Werkes vor allem innerhalb seiner Seiten, manchmal aber kommen gerade auf der Leinwand ganz besondere Elemente zur Geltung. Es gibt sogar manche Bestseller, die sowohl im Rahmen des einen Mediums als auch in jenem des anderen eindrucksvoll erscheinen. John Greens Jugendroman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist für mich ein solches Werk. Aktuell ist die Geschichte im Kino zu sehen, man hat sich dabei sehr ans sehr empfehlenswerte Buch gehalten. Selbst die Hörbuchfassung ist es wert, erlebt zu werden.

Die Geschichte zweier junger Menschen, die leben wollen

Was die junge Hazel Grace Lancaster bereits in ihren ersten Lebensjahren durchmachen muss, ist wirklich hart. Der Krebs hat sie befallen und so wirklich klare Auskunft, wie lange sie noch zu leben hat, bekommt sie nicht. Hazel hegt eine große Leidenschaft für Literatur, unter anderem für einen niederländischen Schriftsteller, der über ein junges Mädchen schreibt, dessen Leben zu Ende geht. Über ihre Erkrankung selbst redet sie ungern. Dementsprechend ist sie nicht ernsthaft davon beeindruckt, dass ihre Mama, eine durchweg fürsorgliche Person, sie zu einer Gesprächsrunde mit lauter Krebserkrankten bringen möchte. Hazel lässt sich breitschlagen und trifft vor Ort auf Gus, einen jungen Mann, den es ebenfalls bereits erwischt hat und der sofort Eindruck auf Hazel macht.

Eine Romanze zweier Gezeichneter

Natürlich entwickelt sich in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, das im Übrigen in der deutschen Hörbuchvariante von Anna Maria Mühe gesprochen wird, eine Romanze zwischen den Beiden. Diese begründet sich ohne Frage auch auf dem gemeinsamen Schicksal, das sie heimgesucht hat. So präsent das Thema Krebs über die ganze Geschichte hinweg bleibt, im Zentrum steht es nicht, sondern die Heranwachsenden persönlich sowie ihre altersbedingten Probleme. Gus und Hazel wollen in die Niederlande reisen, um vom besagten Autor zu erfahren, was mit der Protagonistin passiert ist. Das Werk brach nämlich mitten im Satz ab. Ob Gus und Hazel ihr Ziel erreichen, hängt leider auch an ihrem eisernen Willen, die sich in den Weg stü

0

Sylvia Day – Eine Frage des Verlangens

Benjamin Jendro

3.Juni
2014

Day - Eine Frage des VerlangensSylvia Day ist schon seit einiger Zeit nicht mehr von der literarischen Bühne wegzudenken. Die Kalifornierin mit japanischen Wurzeln hat bereits so manches Werk hervorgebracht, das dem Leser prickelnde Liebesgeschichten vorsetzt. Insbesondere mit ihren Crossfire-Romanen hat die 41-Jährige auch hierzulande immens einschlagen können. Insofern gehören Schriften wie „Eine Frage des Verlangens“ zum absoluten Muss für alle Day-Fans und jene, die bisher nichts von der talentierten Schriftstellerin gelesen haben, aber endlich einmal so richtig gut unterhalten werden wollen. Das nämlich kann man getrost allen Erzählungen von Sylvia Day attestieren – Ganz gleich, ob man sich mit den Charakteren identifizieren kann, der Plot an sich ist stets bemerkenswert.

Eine Frage des Verlangens und nicht des Vertrauens

Ein bemerkenswertes Phänomen bei uns Menschen ist, dass wir stets zu dem zurückkehren, von dem wir uns einmal gelöst haben. Diese Sucht kennt jeder, wenngleich sie in verschiedenen Bereichen zu Tage treten kann. Es sind alte Verhaltensmuster, in welche wir zurückfallen, Orte, an denen wir einmal waren oder aber Menschen, von denen wir uns einst getrennt haben. Letzteres macht Elizabeth Hawthorne, die einst mit Marcus Ashford verlobt war, diesen aber wegen dem Verdacht der Untreue verlassen hat. Die erotische Spannung zwischen den Beiden war nie das große Problem. Das muss Elizabeth leidvoll erfahren, als sie sich nach Jahren wieder begegnen und sie sich Marcus in „Eine Frage des Verlangens“ erneut hingeben muss.

Eine Frage des Verlangens – Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen

Die Erinnerung an die frühere Liebe hat in Elizabeth einige Wunden aufgerissen. Ganz ohne Spuren ist auch Marcus nicht aus der Trennung herausgegangen. So sehr sich Elizabeth ziert, sie verfällt ihrem Verlangen und beginnt eine Affäre mit Marcus. Alte Liebe rostet nicht? Zumindest in diesem Fall scheint der Spruch komplett ins Schwarze zu treffen. Die gut zehneinhalb Stunden Hörbuch, in denen Michael Hansonis die Geschichte von Elizabeth und Marcus erzählt, werden garantiert prickelnd an die Ohren jedes Zuhörers dringen.

0

Lucinda Riley – Die Mitternachtsrose

Benjamin Jendro

19.Februar
2014

Riley - Die MitternachtsroseEinigen Frauen scheint es in die Wiege gelegt, dass sie Leser ihrer Bücher bzw. Zuhörer der dazugehörigen Hörversion besonders einfühlsam berühren können. Einige von ihnen heben sich noch einmal von diesen außergewöhnlichen Schriftstellerinnen ab. Zu ihnen, den Aushängeschildern bewegender Romane, zählt Lucinda Riley. Schon in den früheren Werken wie „Der Lavendelgarten“ hat sie bewiesen, dass sie nicht nur begnadet über Gefühle und das Thema Liebe schreiben kann, sondern auch bei der Auswahl ihrer Schauplätze großes Talent beweist. All die Orte, in denen ihre Geschichten spielen, sind in malerischer Authentizität dargestellt. Das zeigt sich auch beim aktuellen Werk „Die Mitternachtsrose.

Die Mitternachtsrose – Eine Chance in der Idylle

Rebecca Bradley ist eine junge angesehene Schauspielerin, dennoch bekümmert sie die momentane Lebenssituation. Da kommt ihr das Angebot, einen Film im entfernten Großbritannien zu drehen, nicht gerade ungelegen. Schnell verfällt Rileys Protagonistin dem Charme des alten britischen Herrenhauses Astbury Hall. Doch nicht nur die wunderschöne Szenerie, in der man sich vollkommen fallen lassen kann, beeindruckt die US-Amerikanerin. Wie ein Zwilling gleicht sie dem früheren Antlitz der Großmutter des jetzigen Besitzers. Zur Zeit ihrer Blüte war Lady Violet der Inbegriff weiblicher Schönheit, mit Rebecca kehrt in „Die Mitternachtsrose“ nun die Schönheit zurück nach Astbury Hall.

Die Mitternachtsrose verbindet zwei Geschichten

Doch nicht nur Rebeccas Geschichte wird in „Die Mitternachtsrose“ erzählt. Auch den Inder Ari lernt man in der fast zehnstündigen Hörbuchversion, die Simone Kabst spricht, kennen. Dieser begibt sich ebenfalls auf eine Suche in die Vergangenheit, seine Ur-Großmutter Anahita führt ihn nach Astbury Hall. Letztlich sind beide Erzählungen optimal miteinander verwoben, was Riley mal wieder als begnadete Erzählerin präsentiert. Eine Prise Fiktion wird mit Realem verbunden und erscheint so keinesfalls als Fremdkörper. Leidenschaftlich und mit der gewohnten Liebe fürs Detail schenkt uns Lucinda Riley wieder einen äußerst unterhaltsamen Roman für kalte Nachmittagsstunden.

0

Graeme Simsion – Das Rosie-Projekt

Benjamin Jendro

21.Januar
2014

Simsion - Das Rosie ProjektEigentlich ist es heute doch wesentlich einfacher, die große Liebe zu finden als früher. Oder etwa nicht? Na ja, aufgrund der heutigen technischen Möglichkeiten ist es einem zumindest gestattet, Leute aus den verschiedensten Erdteilen kennenzulernen und via Facebook, Skype und Co. mit diesen zu kommunizieren. Ganz nach dem Motto „Wer die Wahl hat, hat die Qual“ scheint das die Suche nach dem perfekten Partner aber nicht gerade zu vereinfachen. Auch im Jahr 2014 suchen viele Töpfe noch nach dem passenden Deckel. Don Tillman macht dies in „Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion auf amüsante Art und Weise.

Das Rosie-Projekt – Ehefrau gesucht

Don Tillman ist in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes Exemplar der Spezies Mann. Zumindest die Suche nach der richtigen Frau aber charakterisiert ihn als ganz gewöhnlichen Typen, der mit seinem Problem wahrlich kein Sonderfall ist. Interessant ist die Methode, wie er das verändern will. Don Tillman möchte in „Das Rosie-Projekt“ gerne eine Gattin finden, die weder trinkt noch raucht. Eine, die pünktlich ist und sich nicht nur von Salat ernährt. Durch einen Fragebogen, der mal eben 16 Blätter umfasst, sucht er auf wissenschaftlicher Basis seine Traumfrau, die dann logischerweise optimal zu ihm passen sollte. Plötzlich taucht Rosie in das Geschehen – eine Frau, die so gar nicht ins Idealbild passt.

Lässt Rosie das Projekt scheitern?

Die Barkeeperin Rosie ist ernsthaft nicht das, was Don Tillman gesucht hat. Sie hat mit Alkohol zu tun, raucht gerne und ist öfter mal ein bisschen zu spät. Dennoch geht von ihr eine Anziehungskraft aus, welcher sich der Suchende nicht zu entwinden vermag. Alles lässt sich eben nicht mit Wissenschaft beweisen, die Liebe ist einer dieser Bereiche. Don Tillman, dem Robert Stadlober im 7-stündigen Hörbuch die Stimme leiht, erkennt das zunehmend. So wird er Teil einer sehr warmherzig inszenierten Geschichte, die wortgewandt und mit einer bahnbrechenden Wandlung daherkommt.

0