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Paulo Coelho – Untreue

Benjamin Jendro

24.September
2014

Coelho - UntreueGanz persönlich vertrete ich ja die Ansicht, dass südamerikanischen Autoren bei uns in Europa viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Einzig auf der iberischen Halbinsel finden die Geschichten Eingang in unseren Kontinent. Bei Recherchen zur Fußball-Weltmeisterschaft ist mir einmal mehr aufgefallen, welch großartige Erzählungen uns dabei verschlossen bleiben. Paulo Coelho ist einer der wenigen, wenn nicht sogar der einzige Schriftsteller, der es auch in Deutschland zu großem Ansehen gebracht hat, obwohl er aus Südamerika stammt. Seit Jahren schon erscheinen seine einfühlsamen Stücke beim Diogenes-Verlag. „Untreue“ reiht sich da nahtlos ein und lässt den Zuhörer wieder mal dahinschmelzen.

Untreue ist nicht pauschal verwerflich

Die „Untreue“ eines Menschen ist generell zu verurteilen. Es gibt wenige Gründe, die ein derartiges Vorgehen rechtfertigen und dennoch gibt es sie. So unsympathisch uns Coelho seine Figur, die Journalistin Linda, auch einführt, so mehr versteht man sie nach und nach. Besagte junge Frau hat sich von ihrem Leben scheinbar nie mehr erträumen können als das, was sie jetzt um sich hat. Im Job ist sie auf die Erfolgsspur geraten, privat  sieht es ebenfalls nicht allzu schlecht aus. Daheim warten ein liebender und fürsorglicher Ehemann und selbst Bambini haben die beiden bereits auf die Welt gebracht. Dennoch ist Linda nicht zufrieden mit der Situation und begeht ein Wagnis, das alles verändern wird.

Was bedeutet es, wirklich zu lieben?

Die zentrale Frage, die Paulo Coelhos „Untreue“ als der rote Faden durchzieht, besteht darin, was wahre Liebe wirklich ist. Linda ist dreißig, als sie an diesen Scheideweg gerät. Sie begibt sich Hals über Kopf in eine Affäre mit einem früheren Bekannten und schlittert damit voll in den Gefühlsrausch. Ist es das, was sie glücklich macht und ist es wirklich verwerflich, im Leben auch einmal an sich zu denken? Das mag niemand beantworten. Erst recht nicht, wenn mal Coelhos Werk, das von Luise Helm recht emotional gefärbt eingesprochen wurde, hinter sich hat.

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Green - Das Schicksal ist ein mieser VerräterEs ist eine alte Diskussion, ob bei der Verfilmung eines literarischen Bestsellers das Buch oder der Film besser ist. Ganz persönlich würde ich die Antwort nicht pauschalisieren. Manchmal entsteht der Zauber eines Werkes vor allem innerhalb seiner Seiten, manchmal aber kommen gerade auf der Leinwand ganz besondere Elemente zur Geltung. Es gibt sogar manche Bestseller, die sowohl im Rahmen des einen Mediums als auch in jenem des anderen eindrucksvoll erscheinen. John Greens Jugendroman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist für mich ein solches Werk. Aktuell ist die Geschichte im Kino zu sehen, man hat sich dabei sehr ans sehr empfehlenswerte Buch gehalten. Selbst die Hörbuchfassung ist es wert, erlebt zu werden.

Die Geschichte zweier junger Menschen, die leben wollen

Was die junge Hazel Grace Lancaster bereits in ihren ersten Lebensjahren durchmachen muss, ist wirklich hart. Der Krebs hat sie befallen und so wirklich klare Auskunft, wie lange sie noch zu leben hat, bekommt sie nicht. Hazel hegt eine große Leidenschaft für Literatur, unter anderem für einen niederländischen Schriftsteller, der über ein junges Mädchen schreibt, dessen Leben zu Ende geht. Über ihre Erkrankung selbst redet sie ungern. Dementsprechend ist sie nicht ernsthaft davon beeindruckt, dass ihre Mama, eine durchweg fürsorgliche Person, sie zu einer Gesprächsrunde mit lauter Krebserkrankten bringen möchte. Hazel lässt sich breitschlagen und trifft vor Ort auf Gus, einen jungen Mann, den es ebenfalls bereits erwischt hat und der sofort Eindruck auf Hazel macht.

Eine Romanze zweier Gezeichneter

Natürlich entwickelt sich in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, das im Übrigen in der deutschen Hörbuchvariante von Anna Maria Mühe gesprochen wird, eine Romanze zwischen den Beiden. Diese begründet sich ohne Frage auch auf dem gemeinsamen Schicksal, das sie heimgesucht hat. So präsent das Thema Krebs über die ganze Geschichte hinweg bleibt, im Zentrum steht es nicht, sondern die Heranwachsenden persönlich sowie ihre altersbedingten Probleme. Gus und Hazel wollen in die Niederlande reisen, um vom besagten Autor zu erfahren, was mit der Protagonistin passiert ist. Das Werk brach nämlich mitten im Satz ab. Ob Gus und Hazel ihr Ziel erreichen, hängt leider auch an ihrem eisernen Willen, die sich in den Weg stü

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Sylvia Day – Eine Frage des Verlangens

Benjamin Jendro

3.Juni
2014

Day - Eine Frage des VerlangensSylvia Day ist schon seit einiger Zeit nicht mehr von der literarischen Bühne wegzudenken. Die Kalifornierin mit japanischen Wurzeln hat bereits so manches Werk hervorgebracht, das dem Leser prickelnde Liebesgeschichten vorsetzt. Insbesondere mit ihren Crossfire-Romanen hat die 41-Jährige auch hierzulande immens einschlagen können. Insofern gehören Schriften wie „Eine Frage des Verlangens“ zum absoluten Muss für alle Day-Fans und jene, die bisher nichts von der talentierten Schriftstellerin gelesen haben, aber endlich einmal so richtig gut unterhalten werden wollen. Das nämlich kann man getrost allen Erzählungen von Sylvia Day attestieren – Ganz gleich, ob man sich mit den Charakteren identifizieren kann, der Plot an sich ist stets bemerkenswert.

Eine Frage des Verlangens und nicht des Vertrauens

Ein bemerkenswertes Phänomen bei uns Menschen ist, dass wir stets zu dem zurückkehren, von dem wir uns einmal gelöst haben. Diese Sucht kennt jeder, wenngleich sie in verschiedenen Bereichen zu Tage treten kann. Es sind alte Verhaltensmuster, in welche wir zurückfallen, Orte, an denen wir einmal waren oder aber Menschen, von denen wir uns einst getrennt haben. Letzteres macht Elizabeth Hawthorne, die einst mit Marcus Ashford verlobt war, diesen aber wegen dem Verdacht der Untreue verlassen hat. Die erotische Spannung zwischen den Beiden war nie das große Problem. Das muss Elizabeth leidvoll erfahren, als sie sich nach Jahren wieder begegnen und sie sich Marcus in „Eine Frage des Verlangens“ erneut hingeben muss.

Eine Frage des Verlangens – Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen

Die Erinnerung an die frühere Liebe hat in Elizabeth einige Wunden aufgerissen. Ganz ohne Spuren ist auch Marcus nicht aus der Trennung herausgegangen. So sehr sich Elizabeth ziert, sie verfällt ihrem Verlangen und beginnt eine Affäre mit Marcus. Alte Liebe rostet nicht? Zumindest in diesem Fall scheint der Spruch komplett ins Schwarze zu treffen. Die gut zehneinhalb Stunden Hörbuch, in denen Michael Hansonis die Geschichte von Elizabeth und Marcus erzählt, werden garantiert prickelnd an die Ohren jedes Zuhörers dringen.

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Lucinda Riley – Die Mitternachtsrose

Benjamin Jendro

19.Februar
2014

Riley - Die MitternachtsroseEinigen Frauen scheint es in die Wiege gelegt, dass sie Leser ihrer Bücher bzw. Zuhörer der dazugehörigen Hörversion besonders einfühlsam berühren können. Einige von ihnen heben sich noch einmal von diesen außergewöhnlichen Schriftstellerinnen ab. Zu ihnen, den Aushängeschildern bewegender Romane, zählt Lucinda Riley. Schon in den früheren Werken wie „Der Lavendelgarten“ hat sie bewiesen, dass sie nicht nur begnadet über Gefühle und das Thema Liebe schreiben kann, sondern auch bei der Auswahl ihrer Schauplätze großes Talent beweist. All die Orte, in denen ihre Geschichten spielen, sind in malerischer Authentizität dargestellt. Das zeigt sich auch beim aktuellen Werk „Die Mitternachtsrose.

Die Mitternachtsrose – Eine Chance in der Idylle

Rebecca Bradley ist eine junge angesehene Schauspielerin, dennoch bekümmert sie die momentane Lebenssituation. Da kommt ihr das Angebot, einen Film im entfernten Großbritannien zu drehen, nicht gerade ungelegen. Schnell verfällt Rileys Protagonistin dem Charme des alten britischen Herrenhauses Astbury Hall. Doch nicht nur die wunderschöne Szenerie, in der man sich vollkommen fallen lassen kann, beeindruckt die US-Amerikanerin. Wie ein Zwilling gleicht sie dem früheren Antlitz der Großmutter des jetzigen Besitzers. Zur Zeit ihrer Blüte war Lady Violet der Inbegriff weiblicher Schönheit, mit Rebecca kehrt in „Die Mitternachtsrose“ nun die Schönheit zurück nach Astbury Hall.

Die Mitternachtsrose verbindet zwei Geschichten

Doch nicht nur Rebeccas Geschichte wird in „Die Mitternachtsrose“ erzählt. Auch den Inder Ari lernt man in der fast zehnstündigen Hörbuchversion, die Simone Kabst spricht, kennen. Dieser begibt sich ebenfalls auf eine Suche in die Vergangenheit, seine Ur-Großmutter Anahita führt ihn nach Astbury Hall. Letztlich sind beide Erzählungen optimal miteinander verwoben, was Riley mal wieder als begnadete Erzählerin präsentiert. Eine Prise Fiktion wird mit Realem verbunden und erscheint so keinesfalls als Fremdkörper. Leidenschaftlich und mit der gewohnten Liebe fürs Detail schenkt uns Lucinda Riley wieder einen äußerst unterhaltsamen Roman für kalte Nachmittagsstunden.

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Graeme Simsion – Das Rosie-Projekt

Benjamin Jendro

21.Januar
2014

Simsion - Das Rosie ProjektEigentlich ist es heute doch wesentlich einfacher, die große Liebe zu finden als früher. Oder etwa nicht? Na ja, aufgrund der heutigen technischen Möglichkeiten ist es einem zumindest gestattet, Leute aus den verschiedensten Erdteilen kennenzulernen und via Facebook, Skype und Co. mit diesen zu kommunizieren. Ganz nach dem Motto „Wer die Wahl hat, hat die Qual“ scheint das die Suche nach dem perfekten Partner aber nicht gerade zu vereinfachen. Auch im Jahr 2014 suchen viele Töpfe noch nach dem passenden Deckel. Don Tillman macht dies in „Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion auf amüsante Art und Weise.

Das Rosie-Projekt – Ehefrau gesucht

Don Tillman ist in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes Exemplar der Spezies Mann. Zumindest die Suche nach der richtigen Frau aber charakterisiert ihn als ganz gewöhnlichen Typen, der mit seinem Problem wahrlich kein Sonderfall ist. Interessant ist die Methode, wie er das verändern will. Don Tillman möchte in „Das Rosie-Projekt“ gerne eine Gattin finden, die weder trinkt noch raucht. Eine, die pünktlich ist und sich nicht nur von Salat ernährt. Durch einen Fragebogen, der mal eben 16 Blätter umfasst, sucht er auf wissenschaftlicher Basis seine Traumfrau, die dann logischerweise optimal zu ihm passen sollte. Plötzlich taucht Rosie in das Geschehen – eine Frau, die so gar nicht ins Idealbild passt.

Lässt Rosie das Projekt scheitern?

Die Barkeeperin Rosie ist ernsthaft nicht das, was Don Tillman gesucht hat. Sie hat mit Alkohol zu tun, raucht gerne und ist öfter mal ein bisschen zu spät. Dennoch geht von ihr eine Anziehungskraft aus, welcher sich der Suchende nicht zu entwinden vermag. Alles lässt sich eben nicht mit Wissenschaft beweisen, die Liebe ist einer dieser Bereiche. Don Tillman, dem Robert Stadlober im 7-stündigen Hörbuch die Stimme leiht, erkennt das zunehmend. So wird er Teil einer sehr warmherzig inszenierten Geschichte, die wortgewandt und mit einer bahnbrechenden Wandlung daherkommt.

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Alice Munro – Zu viel Glück

Benjamin Jendro

15.Oktober
2013

Munro - Zu viel GlückExakt zwanzig Jahre mussten vergehen, um den Literaturnobelpreis mal wieder nach Nordamerika zu holen. In den letzten Jahren wurde der Unmut vieler Nordamerikaner über eine scheinbar strukturelle Nichtbeachtung immer lauter. Seit Toni Morrison die bedeutendste literarische Auszeichnung 1993 überreicht bekam, war es das vorübergehend mit nordamerikanischen Literaturnobelpreisträgern. Das scheint durchaus sonderbar, wenn man an Namen wie Don DeLillo oder Philip Roth denkt. Diese gingen auch in diesem Jahr leer aus, dafür aber entschied sich die Schwedische Akademie für die 82-jährige Alice Munro, die als dreizehnte Frau und erste Kanadierin in die Geschichtsannalen des Nobelpreis für Literatur eingeht. „Zu viel Glück“ ist eines der herausragenden Zeugnisse ihres literarischen Wertes.

Eine Meisterin der Short Stories

Literaturfans würden Alice Munro vermutlich in einer Linie mit Ernest Hemingway betrachten. Auch der Gewinner des Jahres 1954 schrieb sehr bedeutende Kurzgeschichten und benötigte nicht wirklich viele Seiten, um den Leser nachhaltig zu berühren. Munro schrieb in ihrer Karriere, die erst im Alter von fast 40 losging, nur einen einzigen Roman. Dementgegen stehen 13 Bände mit wundervollen Kurzerzählungen, die das Leben und die Menschen in ihrer Heimat, der kanadischen Provinz, problematisieren. Dafür benötigt sie im Regelfall nicht mehr als dreißig Seiten. Trotzdem aber findet sich in diesen eine derartige Fülle verborgen, die es oftmals in keinem 800-Seiten-Roman zu entdecken gibt. Munro bewundert all jene Schriftsteller, die dazu in der Lage sind, einen dicken Roman zu publizieren. Eigentlich jeder Schriftsteller Alice Munro für ihre kurzen, aber so ins Schwarze treffenden Geschichten.

So Banales, so Alltägliches

Es ist in der Tat gar nicht so leicht, das Besondere in ihren Stories zu bestimmen. Oftmals handelt es sich um banale Erzählungen, die Alltägliches thematisieren und Charaktere beinhalten, die so normal sind wie die Leser. Zugegeben, insbesondere ihre letzten Werken, zu denen auch das von Christian Brückner gelesene Hörbuch gehört, wirken etwas drastischer als frühere. Sexualität drängt sich ebenso in den Vordergrund wie der Hang zur Gewalt. Nichtsdestotrotz aber bleibt Munro ihrem bewährten Stil treu und erfindet immer wieder neue Charaktere, die wir bewundern, beneiden und bemitleiden können. Was denkt man über eine Frau, die aus gutem Willen ihren Mann in der Psychiatrie besucht, nachdem dieser die eigenen Kinder ermordet hat? Es sind genau diese Schicksale, die Munros Werk so beeindruckend machen und ihr verdientermaßen den Literaturnobelpreis einbrachten.

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Jojo Moyes – Eine Handvoll Worte

Benjamin Jendro

8.Oktober
2013

Moyes - Eine Handvoll WorteSeien wir doch mal ehrlich, an Jojo Moyes kommt derzeit einfach kein Literaturfan vorbei! Ihre herzzerreißende Liebesgeschichte um das Schicksal von Lou und Will avancierte nicht umsonst zum internationalen Bestseller. Selbst jene, für die Liebesromane auf der Lese- bzw. Hörliste nicht ganz oben anzusiedeln sind, mussten anerkennen, dass die Britin es durchaus versteht, zu berühren. Das gelingt ihr im neuen Roman „Eine Handvoll Worte“ genau genommen sogar noch besser. Zu begründen ist das zum einen damit, dass die Geschichte eigenständig ist und nicht an ähnliche Werke wie „Ziemlich beste Freunde“ erinnert. Zum anderen aber ist der hohe Unterhaltungseffekt vor allem damit zu begründen, dass Moyes Zeiten miteinander verschwimmen lässt.

Eine Frau der Moderne findet eine Liebesgeschichte in der Vergangenheit

Journalistin Ellie ist auf der Suche nach einer neuen Story und trifft bei ihrer Recherche in einem Zeitungsarchiv mitten ins Schwarze. Bei ihrer Entdeckung handelt es sich um einen Liebesbrief aus den Sechzigern. In diesem bittet ein Unbekannter eine Frau, ihren Mann zu verlassen. In einer Zeit weit vor sexuellen Befreiung und den Studentenbewegungen wäre das ein wahrhaftig mutiger Schritt, schließlich hatten die Frauen da noch größtenteils das zu respektieren, was ihre Männer sagten und taten. Die angesprochene Jennifer Stirling aber scheint gar nicht einmal abgeneigt.

Die Suche nach dem Sinn des Lebens

In der Tat will sie ihren Ehemann Laurence verlassen und mit dem Mann, den sie wirklich liebt, durchbrennen. Doch, ehe es dazu kommt, passiert ein Unfall, der die Ausgangsituation verändert. Jennifer muss sich neu finden und wird mit brisanten Fragen, die auch heute noch aktuell sind, konfrontiert. Da Moyes die zwei Zeiten miteinander verbindet, wird das siebenstündige von Luise Helm gelesene Abenteuer für uns teilweise direkt in unsere Zeit transferiert. Dabei geht es um verpasste Chancen und falsche Entscheidungen, die in den seltensten Fällen irgendwann einmal rückgängig gemacht werden können.

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Gillian Flynn – Gone Girl

Benjamin Jendro

27.August
2013

Gone GirlWahrlich harter Tobak, der da aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten letzte Woche zu uns herübergeweht kam. Im vergangenen Jahr konnte man bereits vorab gut beobachten , welche Wellen ein Schriftstück schlagen kann. „Gone Girl“ von Gillian Flynn wurde nicht nur in den Staaten heiß diskutiert. Eigentlich debattierte man in jedem Land, wo das Werk bis dato veröffentlicht wurde, über das Konzept und die enthaltenen Charaktere. So viel sei gesagt, „Das perfekte Opfer“ (so lautet der Untertitel) ist in jedem Fall nur etwas für Hartgesonnene, die sich auch nicht vom kulturellen Erlebnis abhalten lassen, wenn es mal etwas derber zugeht.

Ein Ehemann ohne Ehefrau

Die Ehe ist ein Bund fürs Leben. Auch wenn dieser Grundsatz in großen Teilen der Erdbevölkerung scheinbar keinerlei Bedeutung mehr genießt, ist das Ideal jedem geläufig. Nick Dunne und seine Frau Amy würden eigentlich ihren fünften Hochzeitstag feiern und auch, wenn die Ehe ganz schön beschädigt ist, hätte Nick seine Gattin gerne an seiner Seite. Amy aber ist spurlos verschwunden. Niemand weiß, wo sie ist und wie es ihr geht. Ein Gewaltverbrechen lässt sich pauschal nicht ausschließen und erster Angriffspunkt für die Ermittler ist Nick selbst. Freunde des Paares berichten, dass die Verschwundene Angst vor ihrem Mann hatte, eigenartige Mails schüren den Verdacht. Was aber ist genau mit Amy passiert?

Eine Wendung, die überrascht

Bei Krimis sollte man immer vorsichtig sein, einzelne Details zu ausführlich darzulegen. Das nimmt die Spannung. So viel aber sei gesagt. „Gone Girl“ zeigt uns, unter welchen Umständen eine Ehe scheitern kann. Das beginnt schon bei der Ausgangssituation, die beide Protagonisten als vollkommen verschieden (Wesen und Herkunft) ins Rennen wirft. Sie leben sich auseinander, obwohl sie eigentlich nie so recht zusammen waren. Wer meint, dass die Lösung banal ist und Nick seine Gattin so einfach aus dem Leben gerissen und anschließend irgendwo verscharrt hat, läuft total in die Irre. Die gelernte Journalistin Flynn überrascht nämlich bis zum Ende immer wieder neu, um abschließend dem Ganzen die Krone aufzusetzen. Wem im Übrigen die vielen Schimpfwörter und Beleidigungen aufs Gemüt schlagen, der sollte dankbar sein, dass die englischsprachige Originalfassung in der deutschen Übertragung ordentlich gemildert wurde.

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Charlotte Roche – Feuchtgebiete

Benjamin Jendro

20.August
2013

FeuchtgebieteMan kann Literatur definitiv subjektiv bewerten. Bei Sachen, die der Unterhaltung dienen, ist es ohnehin nicht möglich, sie objektiv zu bewerten. Hinsichtlich Charlotte Roches SkandalromanFeuchtgebiete“ ist die Positionierung des Für und Wider aber schon eine recht polarisierte. Das Werk, in dem es in beinahe jedem Moment um das Ausscheiden von Körperflüssigkeiten bzw. Füllen einzelner Hohlräume geht, ist definitiv nichts für zarte Seelen. Auch die Hartgesonnenen sollten da all ihre Nerven beisammen haben. Sonst erschaudert nämlich auch das Gemüt des härtesten Lesers. So stark der Tobak ist, den man vorgesetzt bekommt, so stark ist auch die gesellschaftliche Spaltung hinsichtlich der Einschätzung ihres Debütromans. Viele haben das Werk kritisiert, es als unnützes Schriftstück deklariert. Allein die Tatsache, dass es zum internationalen Bestseller des Jahres 2008 reifte, zeigt aber auch, wie viele einen Blick hineinwarfen.

Eine junge Dame, die gerne etwas ausprobiert

Zu beneiden ist die 18-jährige Helen Memel nicht. Ihre Eltern sind geschieden und von Beginn an wirkt die Protagonistin ein wenig orientierungslos. Genau jene fehlende Einordnung der eigenen Person aber ist auch der Grund für das Unterhaltsame, was folglich erzählt wird. Helen interessiert sich sehr für ihren Körper und wagt reihenweise sexuelle Experimente. Dass dies für den Otto-Normal-Verbraucher phasenweise pervers und obszön ist, war der Autorin, die im Hörbuch auch als Sprecherin fungiert, von Beginn an klar. Bewusst war ihr aber auch, dass sie mit ihren Gedanken keinesfalls unbeflecktes Terrain betreten hat. Helen probiert gerne und experimentiert mit Gemüse und anderen Gegenständen. Ihre eigene Körperhygiene bleibt da manchmal auf der Strecke.

Nicht alles auf die Waagschale legen

Ob Roche sich vorab klar war, welche Diskussionen um ihr Werk entstehen? Ich denke nicht. Natürlich sollte ihr klar gewesen sein, dass man Derartiges noch nicht in literarischer Form präsentiert bekommen hat. Sie vertritt aber eben auch die Überzeugung, dass einzelne Wagnisse Helens nicht untypisch für heranwachsende Frauen sind. Warum sollte man also nicht darüber sprechen? Dass der Erfolg ihr Recht gibt, scheint angesichts der gigantischen Verkaufszahlen nicht widerlegbar. Ab dieser Woche gibt es den Inhalt ja nun auch auf der Kinoleinwand zu sehen. Auch das ist nicht gerade ein Indiz dafür, dass Roche mit ihrem Werk etwas vollkommen Absurdes produziert hat.

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Stephenie Meyer – Bis(s) zum Ende der Nacht

Benjamin Jendro

20.November
2012

Biss zum Ende der NachtImmer dann, wenn wir uns von einer Saga verabschieden müssen, hegen wir große Erwartungen an das Finale. In dieser Woche dürfte es vielen Vampirfreunden so ergehen, die sich in ab Donnerstag das große Finale der Twilight-Reihe auf der Kinoleinwand ansehen dürfen. Zwar konnte die Romanvorlage von Autorin Stephenie Meyer nicht genauso viele Millionen einspielen, absolute Bestseller waren aber auch die Ausführungen der vierteiligen Werkreihe. Wie genau es mit Bella und Edward ausgeht und welche Rolle der nicht weniger beeindruckende Jacob in der Dramatik spielt, kann man durchaus auch als Hörbuchvariante in Erfahrung bringen. Als Vorbereitung auf das Kinospektakel langt die 20-stündige Version von „Bis(s) zum Ende der Nacht“ auf jeden Fall.

Geschichte aus zwei Perspektiven

Während der letzte Teil im Kino aufgrund der Dramaturgie in zwei Ausgaben gesplittet wurde, erzählt Meyer die Story in einem Band. Dieser jedoch unterscheidet sich ein wenig von den vorhergehenden. Die Rolle des Erzählers ist nicht allein auf Bella beschränkt, auch Jacob vermittelt uns das Geschehen aus seinem Blickwinkel. Dies wiederum erklärt die zwei Sprecher Max Felder und Annina Braunmiller, die sehr viel Herz in die Geschichte legen. Hatte Werwolf Jacob in den ersten drei Teilen noch eine Rolle eingenommen, die absolut kontrovers zu der von Edward stand, wandelt sich diese im finalen Konstrukt.

Bella ein Vampir, doch die Überraschungen bleiben

Schon zu Beginn des vierten Teils wird keinerlei Zweifel daran gelassen, wohin die Reise führt. Bella und Edward werden heiraten. Als Jacob von der bevorstehenden Hochzeitsreise erfährt, versucht er seiner großen Liebe diese auszureden. Wohl ahnend, was passiert, hegt er große Angst, sie endgültig zu verlieren. Insbesondere die folgenden Geschehnisse verleihen der Reihe die besondere Note. Bella wird schwanger und eh die Protagonisten so wirklich wissen, was sich dort in ihr zusammenbraut, überschlagen sich die Ereignisse. Die Geburt erleben die drei Hauptakteure zusammen. Bella muss, um nicht zu sterben, zur Untoten verwandelt werden. Jacob will sich am Kind, das den Namen Renesmée erhält, rächen, doch wird auf es geprägt. Sein Wolfsrudel begibt sich auf die Jagd nach den Cullens und auch die Volturi greifen aktiv ins Geschehen ein. Die entscheidende Schlacht steht bevor. Bei der Betrachtung des gesamten Werkes erscheint es nicht verwunderlich, dass Bella mit ihren besonderen Fähigkeiten das Schicksal aller in ihren Händen hält.

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