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Cacau – Immer den Blick nach oben

Benjamin Jendro

26.August
2014

Cacau - Immer den Blick nach obenDer Brasilianer wurde in der Bundesliga nie wegen seiner Kopfballstärke gefürchtet. Dennoch schaut der Fußballer Cacau selten auf seine Füße. Vielmehr hat er „Immer den Blick nach oben“ gerichtet, wie sich auch in seinem autobiografischen Werk erkennen lässt. Der frühere Nationalstürmer, der in Stuttgart über viele Jahre für das Toreschießen zum Hauptverantwortlichen auserkoren wurde, trägt den scherzhaften Spitznamen „Helmut“. Es sagt viel über Cacau aus, dass der heute 33-Jährige diesen Kosenamen bei jeder Benennung mit einem Schmunzeln quittiert. Claudemir Jeronimo Barreto ist einfach ein lustiger und äußerst sympathischer Geselle. Daran kann für Fußball-Deutschland auch sein Wechsel nach Japan nichts ändern.

Von Türk Gücü München über Nürnberg und Stuttgart zum DFB

Mit 19 kam Cacau zum Münchner Verein Türk Gücü, über die Zwischenstation in der Reserve des 1. FC Nürnberg folgte der Sprung ins Profigeschäft. Nach zwei Jahren ging es dann in Richtung Schwabenland, wo Cacau beim VfB Stuttgart in 263 Ligapartien 80 Mal einnetzen konnte. Das brachte ihm auch 23 Spiele für den DFB ein, für den sich Cacau entschied und dem er sechs Treffer zurückgab. Während er in Osaka seine Karriere ausklingen lassen wird, schaut er immerhin auf eine Meisterschaft, einen dritten Platz bei der WM 2010 und einige Champions League Spiele zurück. Zusätzlich ist Cacau außerhalb des Platzes sehr engagiert und unter anderem DFB-Integrationsbotschafter.

Immer den Blick nach oben – Ein Hörbuch des unbändigen Willens

Im Hörbuch „Immer den Blick nach oben“ spielten natürlich das Thema Glauben und die Kraft, die man aus diesem zieht, eine Rolle. Cacau macht in den etwa siebeneinhalb Stunden aber auch deutlich, dass es ein steiniger Weg war, den er gehen musste und dass er diesen nur dank eines unbändigen Willens meistern konnte. Talent ist das eine und etwas, das viele Brasilianer in sich haben. Der Schlüssel zur Profikarriere liegt darin, es mit Fleiß und harter Arbeit zu formen. Viele Sprecher begleiten Cacau bei seinem Projekt, den Zuhörern eine Autobiografie vorzulegen, die ihnen eine Sichtweise schenkt, die man in dieser Form noch nicht so angewandt hat.

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Kahn - IchEin Spiel ist es noch bis zum erneuten Auftritt im legendären Maracana. Einmal noch kurz den Gastgeber und Rekordweltmeister aus dem Turnier kicken und schon spielt die Deutsche Nationalmannschaft im WM-Finale 2014 gegen Argentinien oder die Niederlande und ringt um die Trophäe. Großes Potenzial hat unsere Mannschaft sicherlich. So scheint der Sieg am heutigen Abend im Bereich des Möglichen. Das sieht auch der ehemalige Weltklassetorwart und jetzige TV-Experte Oliver Kahn so. Konnte man sich am Titan während seiner aktiven Zeit reiben, steht seine hohe Kompetenz als Fußballexperte heute für mich außer Frage. Mit „Ich. Erfolg kommt von innen“ gibt er den Jungs zudem die Richtung zum Titel vor.

Ich. Erfolg kommt von innen und strahlt nach außen

Oliver Kahn hat sich selbst immer als einen Fußballer gesehen, der gar nicht einmal so hochtalentiert war. Trotzdem hat er es bis ganz nach oben geschafft, Meisterschaften und Pokalsiege gefeiert, fast sogar den WM-Pokal gewonnen. Da scheint es für ihn schon fast ein Muss, dass Jungs wie Schweinsteiger, Özil oder Götze, die mit solch großem Talent gesegnet sind, diesen letzten Schritt auch noch machen. Wie ganz Deutschland sehnt sich Kahn nach einem Titel. Wie ganz Deutschland sieht er das Team, das derzeit in Brasilien für Furore sorgt, in der Lage dazu. Natürlich muss man für den großen Coup die letzten Prozente aus sich herausholen. „Ich. Erfolg kommt von innen“ ist die perfekte Anleitung dafür. Nicht umsonst fürchteten sich früher alle Stürmer der Welt vorm herausstürmenden Titan.

Oliver Kahn stand für den Erfolg

Sprecher Dietmar Wunder fängt Kahns Aura, seine große Persönlichkeit optimal ein und verleiht dem Hörbuch so den richtigen Feinschliff. Er berichtet aus Kahns Leben auf und neben dem Platz, von allen Erfolgen und Rückschlägen. Man kann ihn als Menschen sehen wie man möchte, aber der Erfolg gibt ihm recht und um nichts anderes geht es bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft. Deutschland steht zum vierten Mal in Serie in einem WM-Semifinale. Wenn sich Philipp Lahm und Co. nur ein kleines bisschen an diesen pushenden Worten Olli Kahns orientieren und diese unnachahmliche Titelgier entwickeln, dann wird die Serie einen neuen Höhepunkt erleben.

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Jenke von Wilmsdorff – Wer wagt, gewinnt

Benjamin Jendro

15.April
2014

von Wilmsdorff - Wer wagt, gewinntJenke von Wilmsdorff ist für mich eine der prägendsten Personalien, die uns die Fernsehwelt momentan präsentiert. Mit seinen Reportagen hat sich der Journalist in der Vergangenheit in so manch brenzlige Situation gebracht. Seit ein paar Jahren nun hat er alltägliche Phänomene unserer Gesellschaft untersucht und an sich einige Selbstversuche unternommen. Dabei ging es ihm zumeist um Probleme, die Menschen betreffen. Dafür hat Jenke sich als Alkoholiker und Rentner im fortgeschrittenen Alter versucht, tagelang auf sein Augenlicht und das eigene Hörvermögen verzichtet. Was all seine unterhaltsamen Reportagen eint, ist die Tatsache, dass die Themen in all ihrem Umfang für uns Menschen, obwohl omnipräsent, häufig sehr unbekannt sind. Das lässt sich auch in seinem Werk „Wer wagt, gewinnt“ erkennen.

Wer wagt, gewinnt – Heraus aus dem Alltäglichen

Eines ist für alle Jenke-Reportagen klar – was er macht, ist wahrlich nicht alltäglich. Es wird zu viel Routine im Job des Journalisten gewesen sein, die ihn dazu animierte, stetige Abwechslung in seine Arbeit zu integrieren. Jenke von Wilmsdorff widersetzt sich jeglicher Routine. Ein Leben, das nur so dahinplätschert? Das ist nichts für ihn. Stattdessen möchte er Sachen ausprobieren, neue Facetten des Lebens kennenlernen und so den eigenen Horizont erweitern. Dazu rät er auch jedem mit „Wer wagt, gewinnt“ – einer Hommage an den Versuch, Abwechslung ins Leben zu bringen. Ob Jobwechsel, Angstüberwindung oder eine Diät. Wer wirklich etwas will, kann alles in seinem Leben erreichen.

Der erste Schritt ist entscheidend

In den 284 Minuten, die Jenke von Wilmsdorff gemäß seines Naturells gleich selbst eingesprochen hat, verschweigt der Autor auch nicht, wo das Problem liegt, wenn man etwas ändern möchte. Das Entscheidende bei allen Entscheidungen ist der erste Schritt. Wer diesen tätigt, öffnet sich alle Türen. Aus eigener Erfahrung und dank der vielen Experimente hat Jenke festgestellt, dass sich Hürden in den Weg stellen, die es zu überwinden gilt. Die größte ist zumeist die erste. Es obliegt uns, diese zu überspringen. Die Möglichkeit dazu steckt in jedem von uns. Wir müssen uns nur trauen, sie zur Entfaltung kommen zu lassen.

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Elias Canetti – Die Blendung

Benjamin Jendro

4.März
2014

Canetti - Die BlendungNein, es schadet nicht, sich mit hochwertiger Literatur zu beschäftigen. Selbst, wenn ihre Ausarbeitung schon ein paar Jahrzehnte zurückliegt. Ganz im Gegenteil, ab und zu ist es durchaus empfehlenswert, sich mal ein paar älteren Stücken zu widmen, lässt sich aus ihnen doch eine Menge herausziehen, was uns das Leben wie es ist, in all seiner Ausführlichkeit aufzeigt. Irgendwann hat jeder Leser mindestens einen Autor aus früheren Tagen für sich auserkoren. Von diesem verschlingt er dann jedes Werk. Bei mir trifft das auf Elias Canetti zu. Mittlerweile habe ich all seine Schriften gelesen, einige wie „Die Blendung“ auch als Hörbuch erlebt.

Die Blendung – Eine Hommage auf Bücher

Wer Canettis eigene Biografie ein wenig betrachtet, stößt früh auf seine intensiv ausgelebte Vorliebe für alles Lesbare. Schon als kleiner Junge hat er sich umfassend mit Literatur beschäftigt, Bücher verschlungen und von ihrem Inhalt gezehrt. Sinologe Peter Kien, der den zentralen Charakter in Canettis zweitem Hauptwerk neben „Masse und Macht“ bildet, lebt ebenfalls mit einer engen Bindung zu Büchern. Ganze 25.000 Bände umfasst seine Bibliothek, täglich ist er auf der Suche nach neuen literarischen Schätzen. Kien pflegt nur wenige soziale Kontakte ist aber für sein Wissen im Bereich Bücher hoch angesehen. So wenig lebenswert sein Alltag für viele Menschen scheinen mag, Kien fühlt sich wohl, bis Therese in sein Leben tritt und alles zerstört.

Am Ende der Blendung steht die Selbstaufgabe

Canettis Werke sind stets philosophisch und häufig auch psychologisch geprägt. Am offensichtlichsten ist das bei der monumentalen Studie „Masse und Macht“. Auch „Die Blendung“ aber hat es dahingehend in sich. Therese, die als Haushälterin zu Kien kommt und anfangs nur Bücher abstauben und Essen zubereiten soll, schleicht sich in sein Leben, weil es finanziell lukrativ ist. Sie verführt ihn zur Ehe, Kien wird zur Passivität getrimmt. Überfordert mit der Situation und in zunehmender Verschmelzung mit seinen Büchern sieht Kien den einzigen Ausweg in seiner Selbstaufgabe. So verbrennt er sich mit all seinen Büchern und hinterlässt damit viele persönliche Fragen, die der Autor Zeit seines Lebens zu beantworten versuchte.

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Stolze -  Sehr geehrtes FacebookAls Vertreter der Generation Technik oute ich mich als absoluter Fan meiner Zeit. Mal ganz im Ernst, wir haben heute Errungenschaften, dank denen wir ohne große Hinzutun vollkommen unbeschwert durch den Tag kommen. Jeden Tag aufs Neues muss ich darüber schmunzeln, wie sich Menschen darüber aufregen, dass man erst fünf Minuten später am abgemachten Treffpunkt erscheint, ohne vorher mal per Whatsapp Bescheid gesagt zu haben. Wie war das denn vor fünf Jahrzehnten oder gar ein paar Jahrhunderten? Haben sich die Menschen da etwa in die Haare bekommen, wenn sie mal fünf Minuten später angekommen sind, Bescheid geben konnte man ja schwer. Es ist so ein Phänomen unserer Zeit, dass wir die Technik heutzutage als vollkommen selbstverständlich ansehen. Dabei vergessen wir die Generation, die nicht mit Macbook, Smart-Watches und Facebook aufgewachsen ist. Hans-Hermann Stolze widmet ihr und den Problemen im 21. Jahrhundert in „Sehr geehrtes Facebook!“ 150 Minuten Hörbuchgenuss.

Sehr geehrtes Facebook! – Er möchte Mitglied werden

Mark Zuckerberg ist heute jedem Teenager, Mitzwanziger und selbst den Mitdreißigern ein Name. Er hat eine Plattform ins Leben gerufen, über die heute mehr Kommunikation abläuft als beim Face-to-Face-Kontakt. Menschen in Kriegsgebieten haben keine Schulen oder saubere Kleidung, einen Fcebook-Account schon. Das will nun auch Hans-Hermann Stolze, obwohl er sich nicht sicher sein, ob er dafür Internet benötigt. Es gibt auch noch andere Sachen, die ihn beschäftigen. Seine Enkel wünschen sich ein Ding namens Smart-Fön. Dafür muss man wohl auch ins Internet, aber lässt sich seine alte Olympia Typ 50e überhaupt mit einer @-Taste nachrüsten?

Viele Fragen, auf die er mehr oder weniger Antworten erhält

Es sind viele Fragen, die einen 87-Jährigen Rentner heute beschäftigen können. Die Zeit scheint sich immer schneller zu drehen. Auf der Strecke bleiben dabei zumeist die Älteren, die eben in einer anderen Zeit aufgewachsen sind und an denen die Technik bisher weitgehend vorbeigegangen ist. Um auf die vielen Fragen Antworten zu bekommen, tippt Stolze auf seiner Schreibmaschine ein Schreiben nach dem anderen und schickt sie an die verschiedensten Kundenservicestellen. Interessanterweise bekommt er von nahezu allen ehrlich gemeinte Antworten, obwohl er auch diese nur schwer verstehen kann. „Sehr geehrtes Facebook!“ ist eine 150-minütige Hommage, die herzzerreißend und bewegend Eindruck hinterlässt.

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Evers - Wäre ich Du, würde ich mich liebenMan soll ja ein abgelaufenes Kalenderjahr immer mit etwas Positivem abschließen, damit letztlich auch gut ins neue gestartet werden kann. Dies gilt selbstverständlich auch für den kulturellen Bereich. Aus diesem Grund soll im heutigen Beitrag nicht alles ganz so ernst genommen und stattdessen besser mal ein wenig gelacht werden. Lauscht man den 350 Minuten pure Unterhaltung des Berliners Horst Evers, wird man aus der Erheiterung gar nicht mehr herauskommen. Zu lustig charakterisieren sich seine 65 Tracks, die vor Anekdoten und Neologismen nur so strotzen. Evers philosophiert in Wäre ich Du, würde ich mich lieben über verschiedene Elemente unseres Lebens, vor allem auch über dieses selbst.

Horst Evers – Ein Studienabbrecher mit Unterhaltungstalent

Germanistik und Sozialkunde hat der heute 46-jährige Kabarettist an der Freien Universität zu Berlin studiert. Ein Abschluss findet sich nicht in seiner Vita. Das scheint aber kein Muss, um erfolgreich mit Worten unterhalten zu können. Mehrfach schon hat Horst Evers das bewiesen, in „Für Eile fehlt mir die Zeit“ und „Der König von Berlin“. Dementsprechend zuverlässig entführt er uns auch jetzt wieder in seine Gedanken über die mehr oder weniger normalen Sachen unserer Welt. Themen wie die Pünktlichkeit bei der Deutschen Bahn und die Zuverlässigkeit beim Bau des Hauptstadtflughafen werden angesprochen und ausgeführt, teilweise karikiert, dies aber stets mit Stil.

Horst Evers – Ein Erzähler, der einem nichts aufzwingt

So sehr Horst Evers seine Leser und Zuhörer auch mit auf die Reise nimmt, so wenig versucht er ihnen etwas aufzuzwingen. Es steckt halt auch bei der noch so übertriebenen Ausformung der eigenen Gedanken immer noch ein Funke Wahrheit verborgen, durch den wir ihm und seinen Ansichten irgendwie immer zustimmen müssen. Ohne Frage ist die elektronische Zahnbürste eine tolle Erfindung, ein sich selbst ausleerende Mülleimer wäre aber definitiv auch eine langjährige Forschung wert. Es sind die banalen Phänomene des Alltags, die Evers in „Wäre ich Du, würde ich mich lieben“ interessieren und die er auf komische Art und Weise problematisiert.

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Dieter Nuhr – Nuhr ein Traum

Benjamin Jendro

10.Dezember
2013

Nuhr - Nuhr ein TraumDieter Nuhr zählt zu den ganz großen Comedians unseres Landes. Vollkommen zurecht, wie der Blogautor meint. Seine Witze mögen nicht immer auf den ersten Blick lustig sein, auf den zweiten spätestens aber sind sie es. Dieter Nuhr schafft es, seine Anekdoten geschickt zu verpacken. Eben so, dass man zunächst einmal etwas reflektieren muss, bevor die Lachmuskeln ins Zucken geraten. Nuhr ein Traum ist nicht sein erstes Hörbuch, der Mann hat bereits des Öfteren Platz in den Bestsellerlisten genommen. Der Live-Mitschnitt seines Bühnenprogramms aber hebt den Comedian Nuhr auf einen noch höher einzustufenden Level.

Ist unser Leben „Nuhr ein Traum“?

Dass wir Menschen gerne träumen, ist an sich keine besonders bemerkenswerte Erkenntnis. Die Fragen, die sich Nuhr für seine neuen Gags gestellt hat, sind aber tiefgreifender. Was ist, wenn wir generell nichts anderes mehr machen als zu träumen? Was ist, wenn wir träumen anstatt zu leben und die Traumwelt als Realität hinnehmen? Betrügen wir uns in unserem alltäglichen Leben nicht immer wieder neu, weil wir Sachen hinnehmen, die uns vorgegaukelt werden, obwohl sie gar nicht real sind? Na ja so ganz unreal ist das nicht. Schließlich weiß man bei der täglich gigantisch erscheinenden Nachrichtenflut im Internet ja gar nicht mehr so wirklich zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.

Nuhr ein Traum – 70 Minuten Unterhaltung pur

70 Minuten dauert das von Nuhr vorgetragene Programm. In diesem geht es um vieles, eigentlich um alles, was die heutige Gesellschaft so interessiert. „Nuhr ein Traum“ erzählt Geschichten über Religion, über das Zölibat, Jesus und die Zeugen Jehovas. Auch Demokratie und Weltpolitik an sich werden komisch abgehandelt. Nuhr spricht auch über innovative Fortbewegungsmittel, über das Schuldenmachen und Handystrahlung. Er redet über Angela Merkel und Jogi Löw, über Österreicher und den Schlimmsten von ihnen, der je einen Fuß nach Deutschland gesetzt hat. Das Leben an sich muss reflektiert werden und mit ihm Themen wie Ernährung, Freundschaft, Liebe und Tod. Komprimiert in 70 Minuten ist das durchaus hörenswert.

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Steinbrück oder Merkel?

Benjamin Jendro

3.September
2013

Steinbrück oder MerkelAm vergangenen Sonntag verfolgten rund 20 Millionen auf einem der vier ausstrahlenden Sender das Kanzlerduell zur Bundestagswahl am 22. September. Das ist in etwa jeder vierte Bundesbürger. Wenn man beachtet, dass einige zu dieser Zeit bereits das Bettchen hüten sollten, ist das schon eine immense Zahl. Was aber hat dieses Duell der zwei Hauptakteure im Wahlkampf 2013 bewirkt, was bleibt hängen? Zum einen sicherlich, dass man den Kandidaten Steinbrück nun auch als solchen bezeichnen kann. Der gewohnt brillante Redner wirkte meist souverän und erntete Zuspruch. Frau Merkel, bei der für viele längst feststeht, dass sie in eine weitere Regierungsperiode geht, gab sich aber letztlich keine Blöße und scheint noch immer der klare Favorit. Klarheit wird am Ende eh erst die Wahl am 22.09 schaffen. Bis dahin empfiehlt es sich, bei „Steinbrück oder Merkel?“ mal genau zu lauschen, wer die eigene Meinung eigentlich am besten vertritt.

Keine Propaganda, sondern einfache Kandidatenvorstellungen

Das Tolle an dem Werk, das Martin Harbauer eingesprochen hat, ist, dass es informiert. Keinesfalls wird eine abschließende Positionierung zu einem Kandidaten vorgenommen, keine politisch bedeutsame Entscheidung vorgegeben. Die bloße Gegenüberstellung derjenigen, die uns durch die nächsten vier Jahre führen, wird hier angeführt. Autor Uwe-Karsten Heye vertritt dabei die Haltung der momentanen Opposition und erklärt stichhaltige Argumente, warum Peer Steinbrück Deutschlands beste Zukunft darstellt. Ebenfalls fundiert agiert Hugo Müller-Vogg, der konservativ für Frau Merkel argumentiert.

Themen, die bedeutend sind

Anhand von 50 Stichworten aus dem aktuellen politischen Geschehen erhält der Zuhörer so ein sehr umfassendes Bild der beiden Kandidaten. Themen wie die Lösung der Krise in Griechenland und ihre Folgen für den deutschen Steuerzahler werden hier nicht nur mit hohlen Phrasen gefüllt, sondern ernsthaft thematisiert. Auch die entscheidenden Bereiche Energiewende, Bankenpleite und Pflegereform werden problematisiert. Abgerundet wird das Werk durch informative Portraits einzelner anderer wichtiger Akteure wie Sigmar Gabriel, Horst Seehofer oder Ursula von der Leyen.

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James Joyce – Ulysses

Benjamin Jendro

2.April
2013

Joyce - UlyssesLiteraturklassiker tragen eine ganz besondere Bedeutung für uns Menschen. Gerade deshalb klassifizieren wir sie ja auch als Klassiker. Es sind jene literarischen Werke, die aufgrund ihres Inhaltes Elemente in sich binden, die für den Leser bzw. Zuhörer Werte vermitteln und ihn für sein Leben prägen. Erkennen kann man einen Klassiker ganz gut an der Tatsache, dass er es nicht nur in eine aktuelle Bestsellerliste schaffen konnte, sondern auch noch Jahre, Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte später eine gewisse Bedeutsamkeit zugeschrieben bekommt. Der dazugehörige Autor wird dann ebenfalls mit einer gewissen Wertschätzung verbunden. Auf den Iren James Joyce trifft diese Einschätzung ganz sicher zu, die Anerkennung erfolgt nicht nur auf der grünen Insel. Nein Joyce hat die globale Menschheit geprägt, sein Werk „Ulysses“ ist auch heute noch die berühmteste Beschreibung eines erlebten Tages, die jemals in Literatur verpackt wurde.

Ein Tag mit Leopold Bloom

Diesen besagten Tag verbringen wir als Leser oder Zuhörer an der Seite von Leopold Bloom, seinerseits Anzeigenakquisiteur einer Zeitung inmitten von Dublin. Die Erlebnisse, die er am erzählten Tag durchlebt, hören wir unter anderem von Corinna Harfouch, Manfred Zapatka und Dietmar Bär. Diese erzählen das Geschehen, bei dem der Protagonist an den verschiedensten Orten Dublins auf die facettenreichsten Gesichter trifft, die von der Stadt bereitgehalten werden. Das ist letztlich derart interessant, dass auch die Vergabe des Deutschen Hörbuchpreises 2013 für das Beste Hörbuch nicht wirklich überraschend kam. Auch das ist nur ein weiteres Zeichen für die große Klasse, die das Werk von Joyce in sich trägt.

Parallelen zur Odyssee

Wenn man mal bedenkt, dass der Tag, an dem wir Mister Bloom begleiten, der 16. Juli 1904 ist, scheint der Bezug zu einem gewissen Homer durchaus verwegen. Nicht umsonst aber wählte Joyce für sein wohl größtes Stück die englische Übersetzung von Odysseus, jenen bekannten Helden, der einst im antiken Griechenland auf Reisen ging. Auch dabei handelt es sich um einen großen Klassiker der Literaturgeschichte. Wohlgemerkt bestand dieser aus drei Teilen, die „Ulysses“ setzt sich aus der gleichen Anzahl zusammen. Die insgesamt 18 Episoden, die den Tag des Herrn Bloom bestimmen, ähneln denjenigen des früheren Epos ebenso. Anders als der große Odysseus aber plagt sich Leopold Bloom eher mit seinen inneren Gedanken als mit üblen Seemonstern und anderen scheinbar unbesiegbaren Wesen. Während der eine durch die Irren der Welt fährt, geht der andere durch die Irren seiner Stadt und der eigenen Befindlichkeit.

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Sibylle Berg – Vielen Dank für das Leben

Benjamin Jendro

12.Februar
2013

Berg - Vielen Dank für das LebenBeinahe jeden Tag erleben wir, welche grausamen Elemente in unserer Gesellschaft vorhanden sind. Wir erfahren von den Gräueltaten einzelner Mörder, von Terroranschlägen und Geisterfahrern. Dabei sind dies bei weitem nicht die einzigen Fälle, die eine gewisse Be- bzw. Verachtung verdienen. Jeden Tag aufs Neue grenzen wir einzelne Menschen aus, weil sie nicht unserer humanen Vorstellung entsprechen, vielleicht anders aussehen. Hermaphroditen, also Menschen ohne eindeutiges Geschlecht, gehören auch zu jener Gruppe, die viele meiden. Sibylle Berg schenkt ihnen ein wenig mehr Aufmerksamkeit und schickt Protagonist Toto in „Vielen Dank für das Leben“ stellvertretend für viele in die Bestsellerlisten.

Was gut ist, muss ausgezeichnet werden

Gerade erst erhielt das Werk, welches in der knapp 400 Minuten langen Hörbuchfassung von Gustav Peter Wöhler gelesen wird, den Hörbuchpreis 2013 für den besten Interpreten. In der Tat erscheint diese Auszeichnung gerechtfertigt. Schließlich hat die Autorin, welche bereits mit „Sex II“ oder „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ Erfolg feiern konnte, eine sehr eindrucksvolle Geschichte aufgeschrieben. Zentrale Figur ist Toto, ein Hermaphrodit, der 1966 in der DDR zur Welt kommt. Sein Vater ist schon vor der Geburt weg, die Mutter vollkommen überfordert und auch im Waisenheim grenzt man den Neuling kategorisch aus. Während der Arzt ihn als männlich deklariert, hält die Hebamme ihn für dasjenige Baby, was in ihrer langen Karriere die bisher größten Schwierigkeiten verursacht hat. Auch im Kinderheim setzt sich der Sonderstatus fort, ist er doch für die Kinder hassende Chefin der größte Dorn im Auge.

Lebensmut trotz täglicher Qual

Man muss schon arg zwischen den Zeilen lesen bzw. hören, wenn man eine Person finden möchte, der Toto am Herzen liegt. Seine Mutter wird als Alkoholikerin ohne Interesse für ihr Kind dargestellt, die Heimleiterin schikaniert ihn, wo es nur geht. Auch das bäuerliche Paar, an das er vermittelt wird, hält keine Zuneigung bereit. Toto wird für sie zur billigen Arbeitskraft. Nach seiner Flucht in den Westen, von der er sich anfangs viel verspricht, wird das kaum besser. Einem Aufenthalt in einer Hippiekommune folgt die Bewerbung bei einer Musikhochschule. Das Singen sieht er als sein großes Talent, der Lehrer aber ekelt sich vor Toto und verweigert ihm die Aufnahme. Selbst im schäbigen Nachtclub, der ihm ein paar Mäuse und ein Bett beschert, darf er nicht lange bleiben. Eine Frau, die er bis zu ihrem Sterben pflegt, schickt ihn mit den Worten „Geh weg, du ekliger Freak“ fort. So scheint auch sein Tod irgendwie als einzig logischer Ausweg aus einer Welt, die für liebenswerte Geschöpfe wie Toto rein gar nichts zur Verfügung stellt.

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