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James Joyce – Ulysses

Benjamin Jendro

2.April
2013

Joyce - UlyssesLiteraturklassiker tragen eine ganz besondere Bedeutung für uns Menschen. Gerade deshalb klassifizieren wir sie ja auch als Klassiker. Es sind jene literarischen Werke, die aufgrund ihres Inhaltes Elemente in sich binden, die für den Leser bzw. Zuhörer Werte vermitteln und ihn für sein Leben prägen. Erkennen kann man einen Klassiker ganz gut an der Tatsache, dass er es nicht nur in eine aktuelle Bestsellerliste schaffen konnte, sondern auch noch Jahre, Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte später eine gewisse Bedeutsamkeit zugeschrieben bekommt. Der dazugehörige Autor wird dann ebenfalls mit einer gewissen Wertschätzung verbunden. Auf den Iren James Joyce trifft diese Einschätzung ganz sicher zu, die Anerkennung erfolgt nicht nur auf der grünen Insel. Nein Joyce hat die globale Menschheit geprägt, sein Werk „Ulysses“ ist auch heute noch die berühmteste Beschreibung eines erlebten Tages, die jemals in Literatur verpackt wurde.

Ein Tag mit Leopold Bloom

Diesen besagten Tag verbringen wir als Leser oder Zuhörer an der Seite von Leopold Bloom, seinerseits Anzeigenakquisiteur einer Zeitung inmitten von Dublin. Die Erlebnisse, die er am erzählten Tag durchlebt, hören wir unter anderem von Corinna Harfouch, Manfred Zapatka und Dietmar Bär. Diese erzählen das Geschehen, bei dem der Protagonist an den verschiedensten Orten Dublins auf die facettenreichsten Gesichter trifft, die von der Stadt bereitgehalten werden. Das ist letztlich derart interessant, dass auch die Vergabe des Deutschen Hörbuchpreises 2013 für das Beste Hörbuch nicht wirklich überraschend kam. Auch das ist nur ein weiteres Zeichen für die große Klasse, die das Werk von Joyce in sich trägt.

Parallelen zur Odyssee

Wenn man mal bedenkt, dass der Tag, an dem wir Mister Bloom begleiten, der 16. Juli 1904 ist, scheint der Bezug zu einem gewissen Homer durchaus verwegen. Nicht umsonst aber wählte Joyce für sein wohl größtes Stück die englische Übersetzung von Odysseus, jenen bekannten Helden, der einst im antiken Griechenland auf Reisen ging. Auch dabei handelt es sich um einen großen Klassiker der Literaturgeschichte. Wohlgemerkt bestand dieser aus drei Teilen, die „Ulysses“ setzt sich aus der gleichen Anzahl zusammen. Die insgesamt 18 Episoden, die den Tag des Herrn Bloom bestimmen, ähneln denjenigen des früheren Epos ebenso. Anders als der große Odysseus aber plagt sich Leopold Bloom eher mit seinen inneren Gedanken als mit üblen Seemonstern und anderen scheinbar unbesiegbaren Wesen. Während der eine durch die Irren der Welt fährt, geht der andere durch die Irren seiner Stadt und der eigenen Befindlichkeit.

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Sibylle Berg – Vielen Dank für das Leben

Benjamin Jendro

12.Februar
2013

Berg - Vielen Dank für das LebenBeinahe jeden Tag erleben wir, welche grausamen Elemente in unserer Gesellschaft vorhanden sind. Wir erfahren von den Gräueltaten einzelner Mörder, von Terroranschlägen und Geisterfahrern. Dabei sind dies bei weitem nicht die einzigen Fälle, die eine gewisse Be- bzw. Verachtung verdienen. Jeden Tag aufs Neue grenzen wir einzelne Menschen aus, weil sie nicht unserer humanen Vorstellung entsprechen, vielleicht anders aussehen. Hermaphroditen, also Menschen ohne eindeutiges Geschlecht, gehören auch zu jener Gruppe, die viele meiden. Sibylle Berg schenkt ihnen ein wenig mehr Aufmerksamkeit und schickt Protagonist Toto in „Vielen Dank für das Leben“ stellvertretend für viele in die Bestsellerlisten.

Was gut ist, muss ausgezeichnet werden

Gerade erst erhielt das Werk, welches in der knapp 400 Minuten langen Hörbuchfassung von Gustav Peter Wöhler gelesen wird, den Hörbuchpreis 2013 für den besten Interpreten. In der Tat erscheint diese Auszeichnung gerechtfertigt. Schließlich hat die Autorin, welche bereits mit „Sex II“ oder „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ Erfolg feiern konnte, eine sehr eindrucksvolle Geschichte aufgeschrieben. Zentrale Figur ist Toto, ein Hermaphrodit, der 1966 in der DDR zur Welt kommt. Sein Vater ist schon vor der Geburt weg, die Mutter vollkommen überfordert und auch im Waisenheim grenzt man den Neuling kategorisch aus. Während der Arzt ihn als männlich deklariert, hält die Hebamme ihn für dasjenige Baby, was in ihrer langen Karriere die bisher größten Schwierigkeiten verursacht hat. Auch im Kinderheim setzt sich der Sonderstatus fort, ist er doch für die Kinder hassende Chefin der größte Dorn im Auge.

Lebensmut trotz täglicher Qual

Man muss schon arg zwischen den Zeilen lesen bzw. hören, wenn man eine Person finden möchte, der Toto am Herzen liegt. Seine Mutter wird als Alkoholikerin ohne Interesse für ihr Kind dargestellt, die Heimleiterin schikaniert ihn, wo es nur geht. Auch das bäuerliche Paar, an das er vermittelt wird, hält keine Zuneigung bereit. Toto wird für sie zur billigen Arbeitskraft. Nach seiner Flucht in den Westen, von der er sich anfangs viel verspricht, wird das kaum besser. Einem Aufenthalt in einer Hippiekommune folgt die Bewerbung bei einer Musikhochschule. Das Singen sieht er als sein großes Talent, der Lehrer aber ekelt sich vor Toto und verweigert ihm die Aufnahme. Selbst im schäbigen Nachtclub, der ihm ein paar Mäuse und ein Bett beschert, darf er nicht lange bleiben. Eine Frau, die er bis zu ihrem Sterben pflegt, schickt ihn mit den Worten „Geh weg, du ekliger Freak“ fort. So scheint auch sein Tod irgendwie als einzig logischer Ausweg aus einer Welt, die für liebenswerte Geschöpfe wie Toto rein gar nichts zur Verfügung stellt.

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Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Chroniken

Benjamin Jendro

27.Dezember
2012

Kling - Die Känguru-ChronikenDie lange Vorweihnachtszeit zu Ende des Jahres zielt ja stets auf eine besagte Phase hin, die für drei Tage familiäres Miteinander steht. Monatelang bereiten sich sämtliche Geschäfte auf dieses Ereignis vor. Indem wir Geschenke aussuchen, Plätzchen backen und die Wohnung schmücken, verfallen wir diesem Gestus ebenfalls. Das Fest der Liebe dient dann von Heiligabend bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag auch immer dazu, sich untereinander auszutauschen, über neue Erkenntnisse und Interessen. Bei mir gibt es da beispielsweise jemanden, der mich schon vor einigen Jahren mal auf den amüsanten Autor Marc-Uwe Kling gebracht hat. Zu diesem Weihnachten gab es dann schließlich die Audioversion seines ersten Werkes „Die Känguru-Chroniken“ zu hören.

Ein Känguru in einer Berliner Wohnung

So gesehen ist es nicht mein erster Kontakt mit dem Berliner Kabarettisten. Schon vom Folgewerk „Das Känguru-Manifest“ wurde mir erzählt, ich verschlang es anschließend und schaltete auch immer mal wieder das Radio ein, in welchem der ehemalige Philosophiestudent zur Unterhaltung einlud. Worüber Kling mit seinem tierischen Partner debattiert, lässt sich gar nicht so leicht zusammenfassen. Es geht um die Zeit und Ansichten des Herrn Marx, doch auch um die RAF oder aber Idol Bertolt Brecht. Es geht um Drogen, Shoppingwahn und das alltägliche Leben in der Berliner Szene. Kurz gesagt geht es um „Gott und die Welt“ beziehungsweise um alles, über was es sich für Kleinkünstler Kling und seinen Mitbewohner, ein Känguru, zu debattieren lohnt.

Preisgekrönte Kurzgeschichten

Der große Vorteil, den das Werk mit sich bringt, liegt in der Struktur des Besprochenen. Die gut fünf Stunden, die der Autor selbst eingesprochen hat, enthalten mehr als 80 Kurzgeschichten, die allesamt als Anstoß zu sehen sind. Weder kann man die Aussagen des aggressiven, kiffenden Kängurus, das für die Rockgruppe Nirvana und Gammeln auf der Couch steht, allzu ernst nehmen, noch sollte man dies mit den Reaktionen des menschlichen Gegenübers tun. Erwarten kann das Kling ohnehin nicht. Vielmehr scheint es ihm drum zu gehen, den Menschen ihre Welt mal aus einer anderen Perspektive zu zeigen.

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Umberto Eco – Das Foucaultsche Pendel

Benjamin Jendro

4.Dezember
2012

Eco - Das Foucaultsche PendelMit Thrillern ist das immer so eine Sache. Irgendwie gibt es kaum ein literarisches Konstrukt, das als Thriller deklariert wird und dann nicht zu fesseln weiß. Auch, wenn sie sich in ihrer Qualität, der Gestaltung der Szenerie und auch derjenigen der einzelnen Akteure, arg unterscheiden können, legt man einen Thriller nach dem Beginn nur selten zur Seite. Woran das genau liegt, kann man gar nicht so recht sagen. Sind wir wohl erst einmal Zeuge eines Vorfalls, wollen wir auch sehen oder hören, wie dieser ausgeht. Ganz egal, wie unrealistisch oder einfach das Ende auch sein mag. Einen der größten Thriller aller Zeiten möchte ich heute als Hörbuch ans Herz legen. Zwar kann es bei den gut dreieinhalb Stunden durch das Übermaß an Begriffen und Institutionen schon mal ein wenig unübersichtlich werden – „Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco muss man aber definitiv mal gehört haben.

Es beginnt mit den Templern

Ausgangspunkt für die folgende Geschichte ist eine Dissertation über die Templer, die der junge Casaubon in den siebziger Jahren in Italien abgeben möchte. Nach der dort zentralen Theorie kam es im 14. Jahrhundert keinesfalls zum Untergang des einst so mächtigen Ritterordens. Vielmehr habe er diesen selbst inszeniert und sich stattdessen in kleinere Gruppen aufgeteilt, um in der Moderne mittels unschätzbarem Wissen die Weltherrschaft zu übernehmen. Unter anderem integriert der stets intertextuell arbeitende Umberto Eco dort Thesen zum Mysterium des Heiligen Gral. Casaubon stößt auf die Lektoren Jacopo Belbo und Diotallevi, die sein Manuskript anfangs für komplett wertlos halten. In der Folge aber entwickeln sie ein großes Interesse. Gemeinsam spinnen die drei eine Verschwörungstheorie zusammen, die neben den Templern auch weitere Gesellschaften beinhaltet, zu denen es die verschiedensten Spekulationen gibt. Rosenkreuzer, Freimaurer, Kabbalisten, Illuminaten, Assassinen und Die Weisen von Zion werden so einfach alle in einen Topf geworfen.

Wenn eine Theorie gefährlich wird

Allein die Hirngespinste der Drei beinhalten schon einen gigantischen Unterhaltungswert. Noch spannender aber wird es, als jemand den Freunden an den Kragen will. Womöglich hängt das mit den aufgestellten Theoremen zusammen, vielleicht sind es die Templer selbst, die ihr Geheimnis wahren wollen. Eigentlich sollten diese bereits 1944 zurück an die Herrschaft gelangen, irgendetwas aber muss die Pläne verändert haben. So schlummern sie noch immer im Verborgenen, zumindest, wenn es nach Casaubon geht. Interessanterweise, und da unterscheidet sich Eco von Dan Brown und alles, was nach ihm kommt, bewahrheitet sich die Verschwörung nicht. Sie spielt mehr auf die fiktive Möglichkeit an und kann aus diesem Grund auch als Parodie auf alle Verschwörungstheorien der Neuzeit interpretiert werden. So oder so aber ist es eine Lektüre, die mit Blick auf Geheimbünde und Mystik zum absoluten Lehrwerk avanciert. Die einzelnen Details zu den Gegebenheiten zeigen einmal mehr, welche Hintergrundwissen der italienische Autor mit ins Spiel bringt.

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von Hirschhausen - Wohin geht die LiebeManche Comedians sind einfach lustig. Mit Bezug auf ihren Unterhaltungswert kann es keine Zweifel geben, Fans werden diese eh nicht zulassen. Für mich persönlich ist Eckart von Hirschhausen so ein Fall. Der Doktor unter den Komikern hatte mich genau genommen schon mit seinem ersten Buch und dem ersten Auftritt, den ich von ihm gesehen habe, für sich gewonnen. Woran das liegt, ist auch an seinem neuen Titel  „Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?“ erkennbar. von Hirschhausen schreibt über Menschen, um Menschen zum Lachen zu bringen. Er zeigt uns die Tücken unseres Lebens und spielt mit seinen Kenntnissen darüber. Das zusammen ergibt eine unterhaltsame Mischung.

Sympathischer Kerl mit gehobenem Humor

Eigentlich ist von Hirschhausens Hauptbetätigungsfeld ja die Medizin. Er hat seine Fähigkeiten aber dazu genutzt, mit ihnen Leute zu unterhalten und als Comedian wesentlich mehr Aufsehen zu erregen. Der gebürtige Hesse, der schon seit frühen Tagen zum Berliner geworden ist, benutzt die Medizin für sein Bühnenprogramm und bringt dem Laien so die Grundsätze seines Fachs näher. Seine hohe Fachkompetenz beweisen Fachtermini, die er aber für den Otto-Normalverbraucher ins Verständliche übersetzt. Zentral bleibt dabei immer das gesellschaftliche Zusammenleben, welches manch komische Situation parat hält und sich unter anderem neurologisch erklären lässt. Dass von Hirschhausen dabei zumindest metaphysisch nicht unter die Gürtellinie geht, macht ihn ebenso sympathisch wie das freundliche Lächeln, welches all seine Auftritte kennzeichnet.

Das Leben schreibt die besten Geschichte

Auf der knapp 80-minütigen Hörbuchfassung, die der Autor höchstpersönlich eingesprochen hat, zeigt sich wieder einmal, wo sich die lustigsten Geschichten abspielen. Es ist das Leben, was uns alltäglich zum Lachen bringt und das die besten Momente offenbart. Botox beispielsweise ist vielleicht beliebt in Hollywood, weil es die Stirnfalten platt macht. Das Gefühlsleben leidet aber bei genauer Betrachtung auch unter dem Wundermittel. Liegt die männliche Zuneigung zu Nippeln vielleicht in der Kindheit begründet? Warum sollte man beim ersten Date dorthin fahren, wo ein Stau wartet? Eckart von Hirschhausen besitzt die Antworten auf all jene Fragen, die sich Menschen stellen. Lustig verpackt helfen sie dabei, dass wir auch über uns selbst zu schmunzeln beginnen.

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Schmidt und Steinbrück - Zug um ZugWährend für die Christlich Demokratische Union die Kanzlerkandidatin genau genommen schon seit dem Ergebnis der letzten Wahl feststand, gab es beim großen Gegenspieler der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gleich drei Kandidaten. Nachdem Parteichef Gabriel früh seinen Verzicht erklärte und auch das Aushängeschild der vergangenen Wahl, Steinmeier, eine erneute Kandidatur ausschloss, erklärte sich Peer Steinbrück bereit, in die großen Fußstapfen früherer Tage zu treten. Zu denen, die sie hinterlassen haben, muss man in jedem Fall Helmut Schmidt zählen. Dieser regierte nicht nur acht Jahre lang das Land, sondern gilt noch heute als jene Institution, an der sich alle SPD-Politiker messen müssen. In „Zug um Zug“ hat es Steinbrück versucht und Altkanzler Schmidt mit seinen Aussagen komplett überzeugen können.

Nur scheinbar geht es um Schach

Auf der Printausgabe ziert ein Schachfeld das Cover, an dem sich Schmidt und Steinbrück scheinbar duellieren. Dass beide gleichzeitig zur Spielfigur greifen und auch das Feld verdreht ist, sind schon vorab deutliche Indizien dafür, worum es eigentlich geht. Schach steht im Hintergrund. Viel wichtiger ist es, den schon seit langem von Schmidt präferierten Steinbrück in den Fokus zu rücken, dem eher Unbekannten Politiker Format zu verleihen. Genau das fehlte bei vielen Parteigenossen zuletzt, Steinbrück beweist, dass dies nicht mehr lange so sein muss. Um das deutlich darzustellen philosophieren die zwei Sozialdemokraten im Dialog über das Leben und Politik, Probleme und Chancen.

Einer, der zu seinen Aussagen steht

Dadurch, dass Schmidt und Steinbrück selbst geschrieben und die Hörbuchversion persönlich eingesprochen haben, bekommen wir ihre Meinungen aus erster Hand. Diejenigen, die vor allem interessant sind, dürften die des aktuellen Kanzlerkandidaten sein. Dieser hält nichts von fadenscheinigen Aussagen und steht dafür, klar und deutlich die eigene Meinung kundzutun. Dabei kritisiert er vor allem die außenpolitische Rolle der EU und Deutschlands. Warum wurde in Libyen interveniert, in Syrien aber nicht? Warum befürwortete man ein Eingreifen beim Völkermord während des Balkankrieges, blieb im Fall von Ruanda aber tatenloser Zuschauer? Es sind gerade jene Aussagen, die Steinbrück als wirkliche Alternative zu Merkel zeigen. Schmidt unterstützt ihn dahingehend, verweist darauf, dass es schlecht ist immer Ja und Amen zu sagen und erteilt seinem Schützling eine Bestnote nach der anderen.

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Elias Canetti – Die Stimmen von Marrakesch

Benjamin Jendro

9.Oktober
2012

Canetti - Die Stimmen von MarrakeschViele Menschen lieben es Geschichten und Eindrücke aus Regionen zu hören, die sich kulturell von den ihnen bekannten unterscheiden. Es ist der mythische Zauber, der von ihnen ausgeht und uns in eine Welt entführt, in der sich unsere Phantasie frei entfalten kann. Bevor Literaturnobelpreisträger Elias Canetti sein wohl größtes Werk, die anthropologische Studie „Masse und Macht“ beenden konnte, musste auch er seinen kulturellen Horizont erweitern. Eine Art Schreibblockade hinderte ihn dabei, die monumentale Schrift fertigzustellen. So begab er sich währenddessen auf eine Reise ins entfernte Marokko, wo er sich nach eigenen Angaben neue Facetten des Menschlichen aneignen wollte. „Die Stimmen von Marrakesch“ sind das Resultat dieser Reise, die vielmehr als einen gewöhnlichen Urlaub darstellen sollte.

Ein Reisebericht, der seinesgleichen sucht

Reiseberichte aus dem Orient bekam man in den vergangenen Jahrhunderten schon des Öfteren vorgesetzt, Canettis Stimmen, die er vor Ort aufnahm und in der Folge versuchte, auf Papier einzufangen, sind aber etwas ganz Besonderes. Canetti, der das Werk selbst eingesprochen hat, beschreibt keine gigantischen Landschaften, keine Tempel, Moscheen oder andere historische Bauten. Viel wichtiger scheinen dem Autor die Laute von Menschen und Tieren, die sich in den meisten Fällen an der Grenze von Leben und Tod befinden. Canetti begleitet eine Kamelkarawane auf ihrem Weg ins Schlachthaus und lauscht einem Esel bei seinen letzten Lauten. Er lässt sich in den Bann eines nach Leben lechzenden Bündels ziehen und erhebt Bettler zu „Heiligen der Wiederholung“.

Orient und Okzident

Wenngleich einige Kritiker Canettis klischeehafte Darstellung kritisieren, versucht der Autor doch lediglich denen Wert zu schenken, die für die Gesellschaft sonst eben keinen haben. Er distanziert sich davon, Sehenswürdigkeiten zu beschreiben oder sie zu besuchen. Statt dem Palast des Sultans will er lieber das einfache Zuhause einer alten Frau sehen. Enttäuscht zeigt er sich überall da, wo man versucht, ihm Bekanntes aufzuzeigen. Canetti will schließlich neue Eindrücke sammeln, Neues auf sich wirken lassen. Sinnbildlich für dieses gewünschte Gefühl ist die Tatsache, dass der Schriftsteller von Weltformat kaum Aufzeichnungen von seiner Reise mit zurück in die Heimat nahm. Sein Werk, das erst mehr als ein Jahrzehnt später zu Papier gebracht wurde, gestaltet sich so als eine bloße Reflektion der eigenen Eindrücke.

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Wer Schatten küsstDer studierte Informatik- und Betriebswirt kam über gut gemeinte Umwege zum Schreiben: Im Alter von ca. 37 Jahren wollte er seinem Sohn eine Geschichte erzählen, die echt Bedeutung hat. Daraus entstanden viele Weitere mit weltweitem Erfolg. Mittlerweile wurden seine feinsinnigen Romane in 42 Sprachen übersetzt und erfreuen Menschen aller Altersgruppen und Nationalität. Er lebt mit seiner Familie glücklich in New York und lebt mittlerweile von seiner Tätigkeit als Schriftsteller.

Marc Levys philosophische Geschichte „Wer Schatten küsst“ erklärt den Zwiespalt zwischen Kindheit und Erwachsensein. Es beschreibt den Verlust der Kleinigkeiten, die das Kinderauge bewundernd wahrnimmt. Außerdem erfragt es die Verantwortlichkeit für Chancen, seine Träume und die eigene Zukunft und ist damit eine wunderbare Erinnerung an sich selbst.

Ein Kind nimmt an sich die Fähigkeit wahr, aus den Schatten der Menschen ihr Träume und Wünsche lesen zu können. Gleichermaßen erhält es eine Aussicht auf die Zukunft. Sein eigener Schatten bittet ihn, den Menschen zu helfen, die nicht in der Lage sind, von selbst den Weg zum Glück zu finden. Bis er erwachsen ist, hat er seine Gabe vergessen und wird in einem besonderen Moment wieder daran erinnert.

Das unverkennbare tiefe Timbre der Sprecherstimme gehört dem bereits einschlägig erfahrenen Christoph Jablonka, der die Geschichte stimmungsvoll in Szene setzt. Einfühlsam, nachdenklich und herzerwärmend!

 

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Marc-Uwe Kling – Das Känguru-Manifest

Benjamin Jendro

25.April
2012

Mein erster Blick in dieses politische Stück Kulturgeschichte zauberte mir ein klitzekleines Lächeln auf die Lippen. Mit Karl Marx hat jeder von uns in der Schulzeit zu tun gehabt, der ein oder andere hat sich auch später noch mit seinem Kommunistischen Manifest auseinandergesetzt. So schien mir die gewählte Parallele im Namen von Marc-Uwe Klings Beitrag zur Politik, neben einer Hommage an einen großen Mann vergangener Tage, vor allem eines zu sein – ein lustiges Schriftstück, das man sich gerne mal als Lektüre unter die Augen oder aber auch wie in diesem Fall als Hörbuch an die Ohren führt.

Vermutlich würde sich Herr Marx im Grabe umdrehen, wenn er die lustigen Geschichten, die der Autor mit seinem kommunistischen Känguru erlebt, hören würde. Alles in allem steckt in „Das Känguru-Manifest“ aber auch eine gewisse politische Botschaft, nämlich jene, dass wir sie nicht ganz so ernst nehmen sollten. Anhand kurzer Episoden, die durchzogen sind von Affären, Intrigen, Weltbeherrschungstheorien und bedeutenden Enthüllungen schafft es Kling, wirklich gut zu unterhalten und seinen Zuhörer davon zu überzeugen, dass es besser ist, diesem Werk zu lauschen als den zwielichtigen Aussagen vieler Politiker. So bleibt am Ende des Tages letztlich mehr Wahres stehen, wenn wir über manche Dinge ein wenig lockerer denken.

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Wenn der Mensch sein Herz für einen anderen öffnet, ist er verliebt. Seine Taten und Gedanken konzentrieren sich auf diese angehimmelte Person, sie scheint allgegenwärtig. Verliert man diesen anderen Menschen, durch einen schweren Schicksalsschlag oder eine Trennung, ist man folglich verletzt. Normalerweise ist dies der Punkt, an dem man schlecht über das Thema Liebe denkt, sie zumindest für einen gewissen Zeitraum ablehnt und sich lieber im Frust bestätigt fühlt. Diese Phase scheint bei Musikerin Christiane Rösinger nicht enden zu wollen, weshalb sie aus ihren ganz persönlichen Erfahrungen zum Thema Liebe ein Werk geschrieben hat, das als „Liebe wird oft überbewertet“ eine ganz subjektive Sicht offenbart.

Anfangs wirkt das Werk ein wenig wie die melancholische Absage an das Thema Liebe, wie die tiefwurzelnde Verbitterung einer Enttäuschten. Im Verlauf der 70 Hörminuten aber muss man selbst als Liebender eingestehen, dass ihre Ansichten über Paare und deren Eigenart, durch das Leben zu wandeln, nicht komplett aus der Luft gegriffen sind. Wir verändern uns, wenn wir einem Partner unser Herz schenken, geben womöglich eigene Vorlieben auf, gehen unzählige Kompromisse ein und leben so scheinbar glücklich miteinander. Wir bleiben nach Rösinger nicht wir selbst und leben nur wie emotionslose Steine nebeneinander. Eine Ansicht, die in unserer von Pärchen bestückten Gesellschaft sehr gewagt wirkt und deshalb den Reiz des Werkes ausmacht.

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