...entführen dich in eine andere Welt

Impressum Kontakt

Jenke von Wilmsdorff – Wer wagt, gewinnt

Benjamin Jendro

15.April
2014

von Wilmsdorff - Wer wagt, gewinntJenke von Wilmsdorff ist für mich eine der prägendsten Personalien, die uns die Fernsehwelt momentan präsentiert. Mit seinen Reportagen hat sich der Journalist in der Vergangenheit in so manch brenzlige Situation gebracht. Seit ein paar Jahren nun hat er alltägliche Phänomene unserer Gesellschaft untersucht und an sich einige Selbstversuche unternommen. Dabei ging es ihm zumeist um Probleme, die Menschen betreffen. Dafür hat Jenke sich als Alkoholiker und Rentner im fortgeschrittenen Alter versucht, tagelang auf sein Augenlicht und das eigene Hörvermögen verzichtet. Was all seine unterhaltsamen Reportagen eint, ist die Tatsache, dass die Themen in all ihrem Umfang für uns Menschen, obwohl omnipräsent, häufig sehr unbekannt sind. Das lässt sich auch in seinem Werk „Wer wagt, gewinnt“ erkennen.

Wer wagt, gewinnt – Heraus aus dem Alltäglichen

Eines ist für alle Jenke-Reportagen klar – was er macht, ist wahrlich nicht alltäglich. Es wird zu viel Routine im Job des Journalisten gewesen sein, die ihn dazu animierte, stetige Abwechslung in seine Arbeit zu integrieren. Jenke von Wilmsdorff widersetzt sich jeglicher Routine. Ein Leben, das nur so dahinplätschert? Das ist nichts für ihn. Stattdessen möchte er Sachen ausprobieren, neue Facetten des Lebens kennenlernen und so den eigenen Horizont erweitern. Dazu rät er auch jedem mit „Wer wagt, gewinnt“ – einer Hommage an den Versuch, Abwechslung ins Leben zu bringen. Ob Jobwechsel, Angstüberwindung oder eine Diät. Wer wirklich etwas will, kann alles in seinem Leben erreichen.

Der erste Schritt ist entscheidend

In den 284 Minuten, die Jenke von Wilmsdorff gemäß seines Naturells gleich selbst eingesprochen hat, verschweigt der Autor auch nicht, wo das Problem liegt, wenn man etwas ändern möchte. Das Entscheidende bei allen Entscheidungen ist der erste Schritt. Wer diesen tätigt, öffnet sich alle Türen. Aus eigener Erfahrung und dank der vielen Experimente hat Jenke festgestellt, dass sich Hürden in den Weg stellen, die es zu überwinden gilt. Die größte ist zumeist die erste. Es obliegt uns, diese zu überspringen. Die Möglichkeit dazu steckt in jedem von uns. Wir müssen uns nur trauen, sie zur Entfaltung kommen zu lassen.

0

Robert M. Edsel – Monuments Men

Benjamin Jendro

18.März
2014

Edsel - Monuments MenWenn man sich ein wenig für Geschichte interessiert, kommt man an Kinostreifen wie „Monuments Men“ nicht vorbei. Allein die Besetzung mit George Clooney, Matt Damon, Bill Murray oder John Goodman kann sich mehr als sehen lassen. Es ist umso besser, wenn derartige Streifen, die versuchen, einzelne Elemente einer sehr dunklen Epoche der Menschheitsgeschichte darzustellen, sich an den wahren Begebenheiten orientieren. Die „Monuments Men“ gab es wirklich, ihr Auftrag war es in der Tat, zu Ende des Zweiten Weltkriegs kulturelle Schätze sicherzustellen. Robert M. Edsel hat sich lange mit ihrer Geschichte auseiandersgesetzt. Die literarische Vorlage zum Kinofilm ist das Ergebnis seiner langen Forschungen. Auch die Hörbuchvariante kann sich sehen bzw.- hören lassen.

Monuments Men – Akademiker in Uniform

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Adolf Hitler ein kulturell gesehen äußerst interessierter Sammler war. Überall da, wo SS und SA wüteten, horteten sie Schätze eines unvergleichbaren Wertes. Das Interesse der „Monuments Men“ lag aber nicht allein an der Wiederauffindung einzelner Kunstgegenstände, sondern auch am Erhalt architektonisch bedeutender Gebäude. In Edsels Werk wird deutlich, dass dieser Wunsch hinten angestellt werden musste. Niemand der Verantwortlichen wollte ein Soldatenleben für ein Steingebilde hergeben. In der Tat lag es nicht an der militärischen Unterstützung, dass die „Monuments Men“ – Kunstprofessoren, Kuratoren und andere Kunstexperten – am Ende des Zweiten Weltkriegs Millionen Artefakte sichern und vor der Zerstörung bewahren konnten.

Der Auftrag der „Monuments Men“ war gefährlich

Selbst, wenn es in der momentanen Verfilmung so aussieht, als ob ihr Auftrag keinesfalls gefährlich gewesen sei, da der Krieg bereits so gut wie zu Ende war, wird beim Verlust von zwei Protagonisten deutlich, dass ihre Aufgabe mit einem hohen Risiko in Verbindung stand. Bei den so genannten „Monuments Men“ handelte es sich nicht nur um US-amerikanische Mitglieder. Die Gruppe wuchs und verzeichnete am Ende zahlreiche Mitglieder aus vielen europäischen Staaten, die aus dem Untergrund heraus agierten. Ohne Schutz und häufig komplett auf sich allein gestellt, opferten viele ihr Leben für die Sache. Es ist ihrem Mut zu verdanken, dass der Nationalsozialismus nicht die gesamten Erzeugnisse unserer Menschheit in Rauch und Asche verwandelte. Edsels etwa 17-stündiges Hörbuch ist eine nachträgliche Auszeichnung für ihr Wirken.

0

Thilo Sarrazin – Der neue Tugendterror

Benjamin Jendro

25.Februar
2014

SarSarrazin - Der neue TugendterrorEhrlich gesagt ist es in doch ein wenig langweilig zugegangen in den letzten Jahren. Zwar meint jeder Bürger unseres Rechtsstaates, innerhalb des Freundeskreises oder auch der eigenen vier Wände über unsere politische Führung fluchen zu müssen. Irgendwie sind die meisten Menschen aber doch genau damit zufrieden wie es ist. Mal ganz nebenbei, die führenden Politiker scheinen trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit oftmals einer Meinung zu sein. Kuschelkurs auf oberster Ebene und Kuschelkurs auch an anderen Stellen. Von Konkurrenzkampf ist beinahe keine Spur mehr. Ja, wir leben in einer Zeit, in der selbst die Aussagen eines Fußballkickers wie vorher einstudiert wirken. Da ist es doch erfreulich, wenn ein Mann wie Thilo Sarrazin mal wieder diese scheinheilige Einstimmigkeit in Frage stellt und mit seinem neuen Werk „Der neue Tugendterror“ einige Probleme beim Schopfe packt.

Sarrazin benennt Dinge, die keinesfalls aus der Luft gegriffen sind

Man kann seine Thesen zu den aktuellen gesellschaftlichen Brisanzthemen sehen wie man möchte. Wichtig ist es nur, auf subjektive Art und Weise Stellung zu beziehen. Zwar wirken seine Statistiken objektiv und stichhaltig. Sarrazin geht es aber in „Der neue Tugendterror“ in erster Linie darum, dass die Menschen mal wieder einen subjektiven Standpunkt einnehmen. Beispielsweise dafür systematisiert er das Problem der Gleichberechtigung der Geschlechter, politisch oftmals im Bereich Frauenquote problematisiert. Das mag ja ein Fortschritt sein, laut Sarrazins Erkenntnissen aber ist es in unseren Genen gar nicht so angedacht. Wesentlich mehr Männer als Frauen haben einen IQ über 130. Ganz ähnlich wie mit der Körperkraft und dem Hang zur Gewalt ist das nun einmal beim Mann präsenter. Natürlich sei an dieser Stelle auch nicht verschwiegen, dass es zusätzlich wesentlich mehr Männer als Frauen gibt, deren IQ unter 70 liegt. Die Streuspanne ist beim Mann viel weiter, wir sind demnach eben nicht gleich.

Der neue Tugendterror besitzt Parallelen zu 1984

Das mag jetzt jeder bewerten wie er möchte, von der Hand weisen lassen sich statistische Werte selten. „Der neue Tugendterror“ hat noch andere Bestandteile, an denen man sich reiben kann. Vor dem Problem Einwanderung macht Sarrazin diesmal ebenso wenig halt wie vor der Hypersensibilisierung im Umgang mit gleichgeschlechtlichen Liebesbeziehungen. Letztere sind normal, man sollte sie nicht in ihrer Lebensführung einschränken. Begünstigen müsse man sie aber auch nicht, schließlich gäbe es in einer normalen Familie Mutter und Vater. Na ja, belassen wir es mal dabei. Fundierter scheint die Analyse der Einwanderung, die durch Bulgaren und Rumänen keinesfalls schlimmer ist als durch Polen oder Tschechen. Die Sinti und Roma aber sieht er schon als gefährlich, wobei Wirtschaftsflüchtling noch die freundlichste Bezeichnung bleibt. Bemerkenswertes Erzeugnis für einen Literaturkritiker ist das aufgeworfene Diskussionsthema Sprache, in welchem Sarrazin enge Bezüge zu Orwells „1984“ herstellt. Dekadenz der Sprache? Da war doch mal was. Definitiv unterhaltsam, diese 800 Minuten Hörbuch, die von Michael Schwarzmaier gesprochen werden, selbst wenn man nicht alle Meinungen teilen muss.

0

Roberto Saviano – Zero Zero Zero

Benjamin Jendro

12.Februar
2014

Saviano - Zero Zero ZeroIn Italien wird Mehl mit der höchsten Reinheitsstufe mit der Bezeichnung 00 (Zero Zero) versehen. Noch ein Stück weiter geht der erfolgreiche Autor Roberto Saviano bei der Klassifizierung für Kokain. „Zero Zero Zero“ thematisiert die Droge und das weltweite Geschäft mit ihr. Saviano bezeichnet sie als Motor für die Globalisierung und stützt diese Aussage mit Einbindung verschiedenster Personen aus unterschiedlichen Ländern und Gesellschaftsschichten. Zu Wort kommen Medienagenten ebenso wie Models und auch Börsenmakler. Sie verdeutlichen, welches Ausmaß das Geschäft mit dem weißen Pulver im 21. Jahrhundert angenommen hat und auch, wie rentabel es ist, damit zu handeln.

Saviano – Keine Geschichte scheint zu gefährlich

Dass Roberto Saviano sich auch bei seinem neuem Werk großer Gefahr aussetzt, dürfte ihm bewusst sein. Viel wird über das Ende diskutiert, am welchem der Autor sogar den Vorschlag macht, Kokain zu legalisieren, um das skrupellose Geschäft, das täglich neue Opfer hervorbringt, ein für alle Mal zu beenden. Man darf dabei aber auch nicht vergessen, dass diese Meinung durch die jahrelange Beschäftigung mit der Thematik entstanden ist. Saviano, der vor allem dank des Erfolges von „Gomorrha“ täglich um sein Leben bangen muss, wechselt regelmäßig seinen Aufenthaltsort und wird rund um die Uhr von Sicherheitskräften bewacht. Mit „Zero Zero Zero“ wirbelt er ebenso viel Dreck auf, wie er es bei der Reportage über das Wüten der Camorra gemacht hat.

Zero Zero Zero – Eine Reportage über den internationalen Kokainhandel

Keine Karte, kein Literaturverzeichnis und keine Quellenangabe finden sich in Savianos fundierter Reportage. Er strebt auch keinesfalls an, einen wissenschaftlichen Bericht abzulegen. Vielmehr agieren die sieben Kapitel wie eine Art Puzzle, das alle Facetten des Kokainhandels abdeckt. Auch in der von Frank Röth gesprochenen Hörbuchversion wird man als Zuhörer mit integriert, den Fakten entwinden kann man sich nicht. Gleiches gilt übrigens auch für Saviano selbst. Beim Schreiben seines Buches hat er eine vergleichbare Sucht entwickelt wie die Einnahme der Droge es bewirkt. Schreiben über Kokain sei so wie es selbst zu nehmen. Man kommt einfach nicht mehr davon los, sagt Saviano.

0

Stolze -  Sehr geehrtes FacebookAls Vertreter der Generation Technik oute ich mich als absoluter Fan meiner Zeit. Mal ganz im Ernst, wir haben heute Errungenschaften, dank denen wir ohne große Hinzutun vollkommen unbeschwert durch den Tag kommen. Jeden Tag aufs Neues muss ich darüber schmunzeln, wie sich Menschen darüber aufregen, dass man erst fünf Minuten später am abgemachten Treffpunkt erscheint, ohne vorher mal per Whatsapp Bescheid gesagt zu haben. Wie war das denn vor fünf Jahrzehnten oder gar ein paar Jahrhunderten? Haben sich die Menschen da etwa in die Haare bekommen, wenn sie mal fünf Minuten später angekommen sind, Bescheid geben konnte man ja schwer. Es ist so ein Phänomen unserer Zeit, dass wir die Technik heutzutage als vollkommen selbstverständlich ansehen. Dabei vergessen wir die Generation, die nicht mit Macbook, Smart-Watches und Facebook aufgewachsen ist. Hans-Hermann Stolze widmet ihr und den Problemen im 21. Jahrhundert in „Sehr geehrtes Facebook!“ 150 Minuten Hörbuchgenuss.

Sehr geehrtes Facebook! – Er möchte Mitglied werden

Mark Zuckerberg ist heute jedem Teenager, Mitzwanziger und selbst den Mitdreißigern ein Name. Er hat eine Plattform ins Leben gerufen, über die heute mehr Kommunikation abläuft als beim Face-to-Face-Kontakt. Menschen in Kriegsgebieten haben keine Schulen oder saubere Kleidung, einen Fcebook-Account schon. Das will nun auch Hans-Hermann Stolze, obwohl er sich nicht sicher sein, ob er dafür Internet benötigt. Es gibt auch noch andere Sachen, die ihn beschäftigen. Seine Enkel wünschen sich ein Ding namens Smart-Fön. Dafür muss man wohl auch ins Internet, aber lässt sich seine alte Olympia Typ 50e überhaupt mit einer @-Taste nachrüsten?

Viele Fragen, auf die er mehr oder weniger Antworten erhält

Es sind viele Fragen, die einen 87-Jährigen Rentner heute beschäftigen können. Die Zeit scheint sich immer schneller zu drehen. Auf der Strecke bleiben dabei zumeist die Älteren, die eben in einer anderen Zeit aufgewachsen sind und an denen die Technik bisher weitgehend vorbeigegangen ist. Um auf die vielen Fragen Antworten zu bekommen, tippt Stolze auf seiner Schreibmaschine ein Schreiben nach dem anderen und schickt sie an die verschiedensten Kundenservicestellen. Interessanterweise bekommt er von nahezu allen ehrlich gemeinte Antworten, obwohl er auch diese nur schwer verstehen kann. „Sehr geehrtes Facebook!“ ist eine 150-minütige Hommage, die herzzerreißend und bewegend Eindruck hinterlässt.

0

Dieter Nuhr – Nuhr ein Traum

Benjamin Jendro

10.Dezember
2013

Nuhr - Nuhr ein TraumDieter Nuhr zählt zu den ganz großen Comedians unseres Landes. Vollkommen zurecht, wie der Blogautor meint. Seine Witze mögen nicht immer auf den ersten Blick lustig sein, auf den zweiten spätestens aber sind sie es. Dieter Nuhr schafft es, seine Anekdoten geschickt zu verpacken. Eben so, dass man zunächst einmal etwas reflektieren muss, bevor die Lachmuskeln ins Zucken geraten. Nuhr ein Traum ist nicht sein erstes Hörbuch, der Mann hat bereits des Öfteren Platz in den Bestsellerlisten genommen. Der Live-Mitschnitt seines Bühnenprogramms aber hebt den Comedian Nuhr auf einen noch höher einzustufenden Level.

Ist unser Leben „Nuhr ein Traum“?

Dass wir Menschen gerne träumen, ist an sich keine besonders bemerkenswerte Erkenntnis. Die Fragen, die sich Nuhr für seine neuen Gags gestellt hat, sind aber tiefgreifender. Was ist, wenn wir generell nichts anderes mehr machen als zu träumen? Was ist, wenn wir träumen anstatt zu leben und die Traumwelt als Realität hinnehmen? Betrügen wir uns in unserem alltäglichen Leben nicht immer wieder neu, weil wir Sachen hinnehmen, die uns vorgegaukelt werden, obwohl sie gar nicht real sind? Na ja so ganz unreal ist das nicht. Schließlich weiß man bei der täglich gigantisch erscheinenden Nachrichtenflut im Internet ja gar nicht mehr so wirklich zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.

Nuhr ein Traum – 70 Minuten Unterhaltung pur

70 Minuten dauert das von Nuhr vorgetragene Programm. In diesem geht es um vieles, eigentlich um alles, was die heutige Gesellschaft so interessiert. „Nuhr ein Traum“ erzählt Geschichten über Religion, über das Zölibat, Jesus und die Zeugen Jehovas. Auch Demokratie und Weltpolitik an sich werden komisch abgehandelt. Nuhr spricht auch über innovative Fortbewegungsmittel, über das Schuldenmachen und Handystrahlung. Er redet über Angela Merkel und Jogi Löw, über Österreicher und den Schlimmsten von ihnen, der je einen Fuß nach Deutschland gesetzt hat. Das Leben an sich muss reflektiert werden und mit ihm Themen wie Ernährung, Freundschaft, Liebe und Tod. Komprimiert in 70 Minuten ist das durchaus hörenswert.

0

Ferdinand von Schirach – Tabu

Benjamin Jendro

22.Oktober
2013

von Schirach - TabuDie Ethik ist ein Bereich der Philosophie, in der die Frage diskutiert wird, was der Mensch tun soll und was besser nicht. Sie ist eng mit der Moralphilosophie verknüpft und beschäftigte bereits die klugen Köpfe der Antike. So gut wir uns in den bisherigen Jahrtausenden Menschheitsgeschichte doch entwickelt haben, noch immer sind viele Fragen dieser Kategorie unbeantwortet. Rein rechtlich gesehen haben wir in unserem Land gewisse Vorgaben, was wir dürfen und was nicht. Gesellschaftlich-sozial aber verschiebt sich dieser allgemein gültige Tonus. „Tabu“ des brillanten Juristen und begnadeten Schriftstellers Ferdinand von Schirach beschäftigt sich damit und schafft so eine äußerst unterhaltsame Lektüre.

Ein farbenfrohes Werk

Das fast 4 Stunden lange Hörbuch, das von Matthias Brandt gelesen wird, behandelt das Schicksal des Fotografen Sebastian von Eschburg. Diesen lernt man am Anfang als einen recht sonderbaren Jungen kennen, der grundsätzlich in Farben denkt und wahrlich ungewöhnlich daherkommt. Seine Einführung erlebt mit dem Suizid des Vaters einen tragischen Höhepunkt. Danach geht es eigentlich nur noch darum, wie er das Geschehene verarbeitet und fortan in der Welt klarkommt. Das gelingt ihm bisweilen recht ordentlich. Er avanciert zu angesehenen Fotografen, wenngleich er dabei einige Eigenarten mit sich bringt und gerade in Sachen Sexualität schwer einzuordnen ist. Wie aus dem Nichts wird von Eschburg zum Angeklagten in einem Mordprozess, in dem mit Strafverteidiger Biegler auch ein für von Schirach typische Advokat ins Werk eingebunden wird.

Ein Geständnis und die Suche nach der Leiche

Ungefähr zu Mitte der Geschichte gesteht der Tatverdächtige den Mord an einer Frau, die vorher aus seinem Kofferraum die Polizei anrief und auf ihn als Täter hinwies. Wie die Tat abgelaufen ist, wird nicht erklärt. Zusätzlich fehlt auch eine Leiche. Nichtsdestotrotz aber wird Anklage erhoben, auch weil man aus dem schweigsamen von Eschburg auf mehr oder weniger legale Art und Weise ein Geständnis herausbekam. Mit Biegler, den der Angeklagte anforderte, möchte von Eschburg auch nicht wirklich reden. Stückchenweise wirft er ihm neue Hinweise vor die Füße, mit denen sich der Fall lösen lässt. Dass dabei die eine oder andere Überraschung auf ihn und den Zuhörer wartet, gehört zum festen Programm. Eine Frage bleibt dabei zu jedem Zeitpunkt zentral. Was ist Wahrheit und wann ist der Punkt erreicht, an dem wir etwas als wahr bezeichnen, was gar nicht da ist? Neben diesem Aspekt schwingt spätestens am Werkende auch das Problem der Folter mit. Was ist erlaubt und was nicht, unter welchen Umständen würde selbst der Rechtsschaffende das Gesetz übertreten?

0

Steinbrück oder Merkel?

Benjamin Jendro

3.September
2013

Steinbrück oder MerkelAm vergangenen Sonntag verfolgten rund 20 Millionen auf einem der vier ausstrahlenden Sender das Kanzlerduell zur Bundestagswahl am 22. September. Das ist in etwa jeder vierte Bundesbürger. Wenn man beachtet, dass einige zu dieser Zeit bereits das Bettchen hüten sollten, ist das schon eine immense Zahl. Was aber hat dieses Duell der zwei Hauptakteure im Wahlkampf 2013 bewirkt, was bleibt hängen? Zum einen sicherlich, dass man den Kandidaten Steinbrück nun auch als solchen bezeichnen kann. Der gewohnt brillante Redner wirkte meist souverän und erntete Zuspruch. Frau Merkel, bei der für viele längst feststeht, dass sie in eine weitere Regierungsperiode geht, gab sich aber letztlich keine Blöße und scheint noch immer der klare Favorit. Klarheit wird am Ende eh erst die Wahl am 22.09 schaffen. Bis dahin empfiehlt es sich, bei „Steinbrück oder Merkel?“ mal genau zu lauschen, wer die eigene Meinung eigentlich am besten vertritt.

Keine Propaganda, sondern einfache Kandidatenvorstellungen

Das Tolle an dem Werk, das Martin Harbauer eingesprochen hat, ist, dass es informiert. Keinesfalls wird eine abschließende Positionierung zu einem Kandidaten vorgenommen, keine politisch bedeutsame Entscheidung vorgegeben. Die bloße Gegenüberstellung derjenigen, die uns durch die nächsten vier Jahre führen, wird hier angeführt. Autor Uwe-Karsten Heye vertritt dabei die Haltung der momentanen Opposition und erklärt stichhaltige Argumente, warum Peer Steinbrück Deutschlands beste Zukunft darstellt. Ebenfalls fundiert agiert Hugo Müller-Vogg, der konservativ für Frau Merkel argumentiert.

Themen, die bedeutend sind

Anhand von 50 Stichworten aus dem aktuellen politischen Geschehen erhält der Zuhörer so ein sehr umfassendes Bild der beiden Kandidaten. Themen wie die Lösung der Krise in Griechenland und ihre Folgen für den deutschen Steuerzahler werden hier nicht nur mit hohlen Phrasen gefüllt, sondern ernsthaft thematisiert. Auch die entscheidenden Bereiche Energiewende, Bankenpleite und Pflegereform werden problematisiert. Abgerundet wird das Werk durch informative Portraits einzelner anderer wichtiger Akteure wie Sigmar Gabriel, Horst Seehofer oder Ursula von der Leyen.

0

Michael Tsokos – Die Klaviatur des Todes

Benjamin Jendro

19.März
2013

Tsokos - Die Klaviatur des TodesWenn Gerichtsmediziner Michael Tsokos seine alltäglichen Gebrauchsgegenstände auf den Seziertisch packt, kann das durchaus auch einmal so aussehen wie es die Filme um den Kannibalen Hannibal Lecter vermitteln wollen. So wirklich viel gemeinsam hat das Werkeln eines Gerichtsmediziners mit demjenigen, das Hollywood sonst präsentieren möchte, aber nicht. Schon in seinem ersten Werk „Dem Tod auf der Spur“ hat Tsokos daran keine Zweifel aufkommen lassen. Die Ermittlungen des CSI sind durchaus unterhaltsam, der Realität entsprechen sie nicht. Häufig ist diese weder schwarz noch weiß, sondern eher grau. Ebenso trist ist der gewöhnliche Arbeitstag des Charité-Mediziners. Manche aber bringen dann doch ein wenig Spannung mit sich. Von den brisantesten erzählt uns der Autor durch die Stimme David Nathans in „Die Klaviatur des Todes“.

Authentisch, weil real passiert

Tsokos großes Plus war schon in den ersten beiden Sammelbänden ein besonders hoher Faktor an Authentizität. Beim letzten Projekt „Abgeschnitten“ tat er sich mit Thrillerautor Sebastian Fitzek zusammen und schuf einen durchaus lesenswerten Roman. Das lag auch daran, weil der Hauptakteur Paul Herzfeld ohne Frage den einen oder anderen Wesenszug des Autors übermittelt bekam. Im neuen Band nun kehrt der Autor zu seinen Wurzeln zurück und berichtet von neuen interessanten Fällen. Gepaart mit der Aufdeckung medizinischer Mysterien und einem guten Einblick in das Handwerk eines Rechtsmediziners sind es gerade die realen Verbrechen unserer Gesellschaft, die interessanten Literaturstoff in sich tragen.

Ein Teil des Ganzen

Während Jurist Ferdinand von Schirach, der in einer ähnlichen Art über seine Arbeit schreibt, eher ausschmückend und insofern literarisch hochwertiger agiert, versucht der Wahlberliner einzelne Fälle keinesfalls zu umschreiben. Seine größte Qualität ist die klare Analyse, wenngleich sich dabei während der Ermittlungen manch verborgenes Rätsel ergibt. Interessant ist das vor allem, weil wir von einigen seiner Fälle gehört, manche sogar in den Nachrichten verfolgt haben. Vor knapp zwei Jahren beispielsweise wurde in der Berliner Spree eine zerstückelte und mit Tätowierungen übersäte Leiche gefunden. Wochenlang suchte die Polizei nach einem Täter, Tsokos und seine Kollegen trugen ihren Teil zum Ermittlungserfolg bei. Auch darum macht er keinen Hehl. Des Rätsels Lösung wird nie allein von Rechtsmedizinern gefunden, kein Fall nur durch sie gelöst. Vielmehr liefern sie das eine oder andere Puzzlestück, das seinen Anteil am Gesamten trägt.

0

Umberto Eco – Das Foucaultsche Pendel

Benjamin Jendro

4.Dezember
2012

Eco - Das Foucaultsche PendelMit Thrillern ist das immer so eine Sache. Irgendwie gibt es kaum ein literarisches Konstrukt, das als Thriller deklariert wird und dann nicht zu fesseln weiß. Auch, wenn sie sich in ihrer Qualität, der Gestaltung der Szenerie und auch derjenigen der einzelnen Akteure, arg unterscheiden können, legt man einen Thriller nach dem Beginn nur selten zur Seite. Woran das genau liegt, kann man gar nicht so recht sagen. Sind wir wohl erst einmal Zeuge eines Vorfalls, wollen wir auch sehen oder hören, wie dieser ausgeht. Ganz egal, wie unrealistisch oder einfach das Ende auch sein mag. Einen der größten Thriller aller Zeiten möchte ich heute als Hörbuch ans Herz legen. Zwar kann es bei den gut dreieinhalb Stunden durch das Übermaß an Begriffen und Institutionen schon mal ein wenig unübersichtlich werden – „Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco muss man aber definitiv mal gehört haben.

Es beginnt mit den Templern

Ausgangspunkt für die folgende Geschichte ist eine Dissertation über die Templer, die der junge Casaubon in den siebziger Jahren in Italien abgeben möchte. Nach der dort zentralen Theorie kam es im 14. Jahrhundert keinesfalls zum Untergang des einst so mächtigen Ritterordens. Vielmehr habe er diesen selbst inszeniert und sich stattdessen in kleinere Gruppen aufgeteilt, um in der Moderne mittels unschätzbarem Wissen die Weltherrschaft zu übernehmen. Unter anderem integriert der stets intertextuell arbeitende Umberto Eco dort Thesen zum Mysterium des Heiligen Gral. Casaubon stößt auf die Lektoren Jacopo Belbo und Diotallevi, die sein Manuskript anfangs für komplett wertlos halten. In der Folge aber entwickeln sie ein großes Interesse. Gemeinsam spinnen die drei eine Verschwörungstheorie zusammen, die neben den Templern auch weitere Gesellschaften beinhaltet, zu denen es die verschiedensten Spekulationen gibt. Rosenkreuzer, Freimaurer, Kabbalisten, Illuminaten, Assassinen und Die Weisen von Zion werden so einfach alle in einen Topf geworfen.

Wenn eine Theorie gefährlich wird

Allein die Hirngespinste der Drei beinhalten schon einen gigantischen Unterhaltungswert. Noch spannender aber wird es, als jemand den Freunden an den Kragen will. Womöglich hängt das mit den aufgestellten Theoremen zusammen, vielleicht sind es die Templer selbst, die ihr Geheimnis wahren wollen. Eigentlich sollten diese bereits 1944 zurück an die Herrschaft gelangen, irgendetwas aber muss die Pläne verändert haben. So schlummern sie noch immer im Verborgenen, zumindest, wenn es nach Casaubon geht. Interessanterweise, und da unterscheidet sich Eco von Dan Brown und alles, was nach ihm kommt, bewahrheitet sich die Verschwörung nicht. Sie spielt mehr auf die fiktive Möglichkeit an und kann aus diesem Grund auch als Parodie auf alle Verschwörungstheorien der Neuzeit interpretiert werden. So oder so aber ist es eine Lektüre, die mit Blick auf Geheimbünde und Mystik zum absoluten Lehrwerk avanciert. Die einzelnen Details zu den Gegebenheiten zeigen einmal mehr, welche Hintergrundwissen der italienische Autor mit ins Spiel bringt.

0