...entführen dich in eine andere Welt

Impressum Kontakt

wohllebenMit seinen erfolgreichen Büchern „Das geheime Leben der Bäume“, „Das Seelenleben der Tiere“ und „Das geheime Netzwerk der Natur“ eroberte Peter Wohlleben in den letzten Jahren die deutschen Sachbuch-Bestsellerlisten und avancierte zum wohl berühmtesten Förster des Landes. Nun hat er sein erstes Buch für Kinder veröffentlicht: „Hörst du, wie die Bäume sprechen?“. Darin beantwortet er die interessantesten Kinderfragen, die er in seiner mehr als 20 Jahre dauernden Arbeit mit Schulklassen und Familien sammeln konnte.

Mit Wohlleben den Wald entdecken

Die autorisierte Hörfassung nimmt neugierige Hörer ab sechs Jahren mit auf eine kleine Entdeckungsreise durch den Wald. Unterlegt mit vielen Tiergeräuschen erläutert der Sprecher Hans Löw spannend und ausführlich die Antworten auf die Kinderfragen. Dass die Kleinen einen ganz anderen Blick auf die Pflanzen und Tiere des Waldes haben und ungewöhnliche, originelle und oft zum Schmunzeln anregende Fragen stellen, wird schnell klar: Wo gehen Wildschweine aufs Klo? Gehen Tierkinder zur Schule? Bekommen auch Bäume Pickel? Aber die Antworten zeigen, dass die kindlichen Fragen keineswegs dumm sind und versetzen auch so manchen Erwachsenen noch in Staunen. Peter Wohlleben ist ein begnadeter Erzähler und versteht es, seine Beobachtungen und Nachforschungen spannend und informativ, aber eben auch für Kinder verständlich in Worte zu fassen. Und der Sprecher Hans Löw, den ich bisher nur als Schauspieler kannte, macht seine Sache sehr gut und erzählt von den Eigenheiten und Überlebenstricks der Waldbewohner mit angenehmer, nie belehrend wirkender Stimme. „Hörst du, wie die Bäume sprechen?“ ist ein schöner akustischer Rundgang durch den Wald, der gleich zu einem realen Spaziergang auf der Suche nach dem Gelernten anregt.

0

allesistrelativDen Originaltitel von John Higgs geistreichem Streifzug durch das vergangene Jahrhundert finde ich viel passender: „Stranger than We Can Imagine: Making Sense of the Twentieth Century“. Das bringt es auf den Punkt: Das 20. Jahrhundert war voller einschneidender Veränderungen, großer Entdeckungen und radikal neuer Gedanken und Ideen, die John Higgs in 15 Kapiteln unterhaltsam und gekonnt vorstellt. Relativitätstheorie, Moderne, Krieg, Individualismus, Das Es, Unbestimmtheit, Science Fiction, Nihilismus, Weltraum, Sex, Teenager, Chaos, Wachstum, Postmoderne und Netzwerk heißen seine Kapitel. Anhand von gelungenen Anekdoten und anschaulichen Beispielen und mittels gründlich recherchierter Hintergrundinformationen führt Higgs in „Alles ist relativ und anything goes“ gekonnt durch diese komplexen Themen, deckt verblüffende Zusammenhänge auf und macht immer wieder Lust darauf, Neues zu entdecken – über eine Zeit, in der die meisten Hörer aufgewachsen sind und die wir in- und auswendig zu kennen glauben.

Eine Reise durch das unglaublich seltsame und ziemlich wahnsinnige 20. Jahrhundert

John Higgs gelingt es, auf seiner imaginären Reise Geschichte greifbar zu machen. Die Hörer begegnen neben Albert Einstein auch Keith Richards, Elvis Presley, Salvador Dalí, Wernher von Braun, dem Videospielhelden Mario, Schrödingers Katze und vielen anderen. Und jeder von Ihnen hat eine spannende Geschichte im Gepäck, die Higgs auf seine ganz eigene Weise erzählt: So erklärt er z.B. Einsteins Relativitätstheorie anhand eines fallenden Würstchens. Mit dem versierten Sprecher Frank Arnold wird dieses ungekürzte aber kurzweilige Sachbuch zu allerbestem „Infotainment“.

0

Deutsche Geschichte in 100 ObjektenGeschichte ist etwas Schönes. Es ist die Grundlage unseres heutigen Lebens und auch, wenn es immer heißt, man soll nicht in der Vergangenheit leben, ist es doch genau sie, die uns unser heutiges Leben so ermöglicht. Es ist sehr wichtig zu wissen, wo wir herkommen, um zu wissen, wo wir hinwollen und letztlich ist es auch die gemeinsame Historie, die Menschen zu einer Nation wachsen lassen. Insofern sollten wir auch nie vergessen, was einmal war. Um Fehler nicht zu wiederholen und um aus Fehlern zu lernen. Die deutsche Geschichte ist voll von diesen, aber auch von großen Ereignissen, an die wir uns gerne zurückerinnern. Hermann Schäfer hat sie gesammelt und sie in „Deutsche Geschichte in 100 Objekten“ zusammengetragen.

100 Objekte, die für die deutsche Geschichte stehen

Eine Ritterrüstung, ein kleines Tabakdöschen und die Fußball-Weltmeisterschaft 1954. Diese Sachen mögen überhaupt nicht zusammenpassen und sind dennoch Symbole, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind. Es sind nur drei Bruchstücke aus dem Schatz, den Hermann Schäfer zusammengesammelt hat, um unsere Geschichte aufzuarbeiten. Die einzelnen Zeugnisse wirken wie ein feines Mosaik, dass der Autor auf satten 1500 Hörminuten in „Deutsche Geschichte in 100 Objekten“ Stück für Stück aufbaut. Dabei kommt natürlich eine nostalgische Stimmung auf. Langweilig wird es beim Streifzug durch die Jahrhunderte aber zu keiner Zeit.

Geschichte im Schnelldurchlauf

Schäfer beschränkt sich keinesfalls darauf, die 100 Objekte nur pauschal vorzustellen. Nein, er verbindet sie zu einem roten Faden, anhand dem er sämtliche politische Strömungen und gesellschaftliche Umbrüche kennzeichnet und dem Zuhörer näherbringt. Die Sprecher Katja Bürkle und Stefan Wilkening mögen keine Historiker sein, doch ihnen gelingt es, uns mit auf die Reise zu nehmen. Das Tolle ist, dass man als Zuhörer dabei ganz individuelle Schwerpunkte setzen kann und ganz nebenbei historische Daten auffrischen darf. Das Ganze ist natürlich auch akustisch angepasst, so dass die einzelnen Epochen stets einen ganz eigenen Charme versprühen dürfen. Rundum, ein sehr gelungenes akustisches Panorama von den Anfängen unserer Geschichte bis zur Gegenwart.

0

Alexijewitsch - Gespräche mit Lebenden und TotenSelten war die Bekanntgabe des Nobelpreisträgers für Literatur so wenig überraschend wie in diesem Jahr. In der Vergangenheit schauten die vorab genannten Favoriten regelmäßig in die Röhre. So hatten einen Tranströmer, eine Munro oder einen Modiano nur die allerwenigsten auf dem Zettel. Bei der Weißrussin Swetlana Alexijewitsch ist das freilich eine ganz andere Geschichte, denn ihr Name fiel schon in den letzten Jahren immer mal wieder. 2015 galt sie als Topfavorit und seit letztem Donnerstag ist klar, dass sie dieser Rolle gerecht wurde. Die Schwedische Akademie prämierte sie  „für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt“. Ihr Stück „Gespräche mit Lebenden und Toten“ ist nur ein Beispiel, das diese Vergabe rechtfertigt.

Nicht mal 80 Minuten, und doch so viel Inhalt

Es gibt heutzutage wahnsinnig viele Autoren, die meinen eine Geschichte in aller epischen Breite konstruieren zu müssen, um den Leser oder Zuhörer zu berühren. Swetlana Alexijewitsch benötigt nicht einmal 80 Minuten, um das zu leisten. „Gespräche mit Lebenden und Toten“ ist ein typisches Werk aus ihrem Spektrum. Es vereint die Erfahrungen von vielen Menschen, auf deren Äußerungen allein sich Alexijewitsch stützt. Sie hat einige Jahre damit verbracht, Personen zuzuhören, deren Leben durch das verheerende Unglück von Tschernobyl im April 1986 beeinflusst  wurde. In aller Ausführlichkeit, trotz der gerade einmal 78 Minuten, schenkt sie ihren Erzählungen Gehör und lässt sie in ihrem ganz individuellen Schreibstil miteinander zusammenwachsen, um ein großes Ganzes daraus zu synthetisieren.

Eine akustische Komposition, die einen bestürzt zurücklässt

Natürlich umfasst das eigentliche Werk von Alexijewitsch längere Sprachpassagen und im Hörbuch zu „Gespräche mit Lebenden und Toten“ kommen auch nicht alle verwendeten Stimmen zu Wort. Eine Mischung aus Berichten verschiedener Überlebender – Zeitzeugen, Experten, Helfer und auch betroffene Opfer – bleibt trotzdem erhalten. Die selektive Auswahl von Frank Werner gibt einen hervorragenden Einblick in das Werk und lädt zur weiteren Beschäftigung mit diesem und der Autorin ein. Unter anderem sind die einzelnen Berichte von Ilse Strambowski, Peter Gavajda und Viola Morlinghaus eingesprochen worden. Auch die einzelnen Sprecher tragen spürbar dazu bei, dass dies eine akustische Komposition darstellt, die den Zuhörer mit einem hohen Grad bestürzter Grundstimmung zurücklässt.

0

Eckart von Hirschhausen – Wunderheiler

Benjamin Jendro

11.November
2014

Hirschhausen - WunderheilerWenn man als Comedian Erfolg haben möchte, muss man entweder besonders lustig aussehen oder aber ein Programm haben, das zeitlich relevante Themen behandelt und den Menschen lustige Aspekte aus ihrem alltäglichen Leben präsentiert. Über diese lachen wir nämlich am meisten. Aus diesem Grund ordnen erfolgreiche Komiker ihrem jeweiligen Programm, mit dem sie unterhalten wollen, einen Schwerpunkt zu. Marion Barth geht auf die Unterschiede zwischen Mann und Frau ein, Kaya Yanar auf die Facetten des interkulturellen Austauschs. Eckart von Hirschhausen, seinerseits promovierter Doktor, hat die Medizin für sich auserkoren und bringt diese mittels viel Humor seinem Publikum näher. Er erklärt die Eigenarten unseres Körpers und sorgt dabei für viele Lachen erregende Momente. Das gelingt ihm brandaktuell auch mit „Wunderheiler“.

Wunderheiler von China bis Mecklenburg-Vorpommern

Ob auf literarische Art und Weise wie in „Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?“ oder in Form der medial präsenten Unterhaltung bei „Hirschhausens Quiz des Menschen“, der Hobbyzauberer von Hirschhausen versteht es phänomenal, Interessantes aus der Medizin in hübsche Anekdoten zu verpacken. „Wunderheiler“ lautet der Titel seines aktuellen Bühnenprogramms. Das dazugehörige Hörbuch ist ein Livemitschnitt, der den Zuhörer über 70 Minuten hinweg entertainen wird. Mit einer gesunden Mixtur aus wissenschaftlichem Fachjargon und allgemeinverständlicher Darstellung widmet sich Eckart von Hirschhausen den Zauberkünstlern der Wundheilung, stellt Magier aus dem entfernten asiatischen Raum und auch jene aus den einzelnen deutschen Bundesländern vor.

Wer an etwas glaubt, wird gesund

Interessanterweise wird dabei einiges als Placebo-Effekt klassifiziert. Wer von Hirschhausen kennt, weiß, dass er generell die Meinung vertritt, der Körper könne die meisten Krankheiten von alleine heilen. Insofern ist vieles, das als sonderbar verkauft wird, reiner Hokuspokus, an den wohlgemerkt viele glauben. Eine Heilung resultiert dann weniger durch den „Wunderheiler“ als mehr durch den individuellen Glauben an dessen Fähigkeiten. Es ist immer wieder amüsant zu beobachten, wie von Hirschhausen das seinen Zuhörern vor Augen führt.

0

von Schirach - Die Würde ist antastbarUnser juristisches System ist eines der komplexesten Gebilde auf diesem Erdball. Es ist einer der modernsten dieser Kategorie und eigentlich auch eines der besten. Man zweifelt an dieser Tatsache eigentlich nur, wenn Dinge passieren, die der Otto-Normalverbraucher als ungerecht einstuft. Entscheiden Sie selbst, ob es gerechtfertigt ist, dass ein pädophiler Vergewaltiger ein junges Leben zerstört und dafür ein paar Jahre Haft bekommt, dann wieder auf freien Fuß wandeln darf und womöglich ein weiteres Leben aus den Angeln reißt. Der Vater des Opfers übt Rache, lässt den Straftäter dafür bluten und bekommt lebenslänglich. Für wen würden Sie Partei ergreifen? Ferdinand von Schirach spricht es zwar nie aus, doch der erfahrene Jurist hinterlässt sehr wohl einen Fingerzeig, was alles falsch läuft in unserem Rechtsstaat. In seiner Essaysammlung „Die Würde ist antastbar“ macht er das wieder mal deutlich.

Ferdinand von Schirach spielt mit dem Leser

Ferdinand von Schirach ist ein brillanter Literat. Vor allem, wenn es darum geht, nichts zu sagen und dennoch sehr viel zu sagen. Mit seinem letzten Werk, dem Roman „Tabu“, hat er eine Thematik vorgestellt, die fest in unserem System verankert ist und bei der dennoch deutliche Fehler unterlaufen. Ein Fotograf mit zugegeben schwierigem Charakter hat die Justiz bloßgestellt. Noch zentraler aber war die Frage nach den Methoden, die angewandt werden sollten, um ein Opfer vor dem Tod zu bewahren. Muss man die Würde eines Straftäters wirklich wahren, wenn man dadurch das Leben eines Menschen verliert? Zwischenzeitlich lautet das Fazit: nein. Abschließend jedoch hat von Schirach irgendwie alles wieder über den Haufen geworfen. Schließlich war der vermeintliche Straftäter ja gar kein Straftäter. Dass er die Frage der unantastbaren Würde auch in seinem Essayband wieder aufnimmt, zeigt, wie viel Diskussionsstoff dieses Thema bietet.

Ist die Würde antastbar oder nicht?

Was auch nach dem Hörbuch des neuen Bandes von Ferdinand von Schirach klar ist, bleibt der Umstand, dass man nicht so wirklich sagen kann, ob der Vertreter des Systems dieses gutheißt oder anprangert. Das war in den Kurzgeschichtensammlung „Schuld“ und „Verbrechen“ so, bei „Tohrbergs Weihnachten“ und dem „Fall Collini“ nicht anders, bei „Tabu“ ohnehin nicht. „Die Würde ist antastbar“ mag im Titel einen Hinweis auf die Intention des Autors geben, im Werk aber kommen da immer wieder Zweifel auf. Der Schriftsteller von Schirach spricht über gesellschaftlich relevante Themen wie das Rauchen oder den Umgang mit Literatur, vor allem aber natürlich über Strafverfahren, die er uns wie kein anderer so unterhaltsam vorlegt. Es ist Ehrensache, dass er das Hörbuch gleich selbst eingesprochen hat.

0

Kahn - IchEin Spiel ist es noch bis zum erneuten Auftritt im legendären Maracana. Einmal noch kurz den Gastgeber und Rekordweltmeister aus dem Turnier kicken und schon spielt die Deutsche Nationalmannschaft im WM-Finale 2014 gegen Argentinien oder die Niederlande und ringt um die Trophäe. Großes Potenzial hat unsere Mannschaft sicherlich. So scheint der Sieg am heutigen Abend im Bereich des Möglichen. Das sieht auch der ehemalige Weltklassetorwart und jetzige TV-Experte Oliver Kahn so. Konnte man sich am Titan während seiner aktiven Zeit reiben, steht seine hohe Kompetenz als Fußballexperte heute für mich außer Frage. Mit „Ich. Erfolg kommt von innen“ gibt er den Jungs zudem die Richtung zum Titel vor.

Ich. Erfolg kommt von innen und strahlt nach außen

Oliver Kahn hat sich selbst immer als einen Fußballer gesehen, der gar nicht einmal so hochtalentiert war. Trotzdem hat er es bis ganz nach oben geschafft, Meisterschaften und Pokalsiege gefeiert, fast sogar den WM-Pokal gewonnen. Da scheint es für ihn schon fast ein Muss, dass Jungs wie Schweinsteiger, Özil oder Götze, die mit solch großem Talent gesegnet sind, diesen letzten Schritt auch noch machen. Wie ganz Deutschland sehnt sich Kahn nach einem Titel. Wie ganz Deutschland sieht er das Team, das derzeit in Brasilien für Furore sorgt, in der Lage dazu. Natürlich muss man für den großen Coup die letzten Prozente aus sich herausholen. „Ich. Erfolg kommt von innen“ ist die perfekte Anleitung dafür. Nicht umsonst fürchteten sich früher alle Stürmer der Welt vorm herausstürmenden Titan.

Oliver Kahn stand für den Erfolg

Sprecher Dietmar Wunder fängt Kahns Aura, seine große Persönlichkeit optimal ein und verleiht dem Hörbuch so den richtigen Feinschliff. Er berichtet aus Kahns Leben auf und neben dem Platz, von allen Erfolgen und Rückschlägen. Man kann ihn als Menschen sehen wie man möchte, aber der Erfolg gibt ihm recht und um nichts anderes geht es bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft. Deutschland steht zum vierten Mal in Serie in einem WM-Semifinale. Wenn sich Philipp Lahm und Co. nur ein kleines bisschen an diesen pushenden Worten Olli Kahns orientieren und diese unnachahmliche Titelgier entwickeln, dann wird die Serie einen neuen Höhepunkt erleben.

0

John Dickie – Omerta

Benjamin Jendro

10.Juni
2014

Dickie - OmertaMan meint als geübter Kinogänger das Ausmaß der Mafia komplett überblicken zu können. Ohne Frage hat die Verfilmung von Mario Puzos „Il Padrino“ der Gesellschaft das Thema nähergebracht. In der Realität lässt sich das Phänomen Mafia aber nicht mehr auf das kleine sizilianische Dorf Corleone beschränken, das im Übrigen bei einem Besuch alles andere als mafiös erscheint. Nein, die Mafia oder das, was wir als Mafia bezeichnen, hat sich längst zu einem Geflecht entwickelt, in welchem es nicht nur um Gefallen und deren gegenseitige Erbringung geht, sondern um die brutale Wirklichkeit von Drogengeschäften, Menschenhandel, Mord, Korruption und Glücksspiel. Autoren wie John Dickie leisten einiges, um das gigantische Ausmaß zu verdeutlichen. Mit „Omerta“ haben wir einen guten Überblick dessen, was die Mafia heute alles beeinflusst.

Omerta – Fünf Stunden geballte Mafiageschichte

Mehr als dreihundert Minuten umfasst das Hörbuch, in dem Dickies Bestseller von Gordon Piedesack gesprochen wird. Sie informieren den Zuhörer über die Geschichte der drei großen Mafiaorganisationen, ihre Herkunft, den individuellen Werdegang und den heutigen Einfluss auf das globale Gefüge. Die Kreise der Cosa Nostra, Camorra und Ndrangheta haben sich längst über die Grenzen Italiens hinweg ausgedehnt. Heute, das macht Dickie schnell klar, leiten sie die Geschicke in ganz Europa, Nordamerika und selbst in Australien.

Omerta – Hier wird nichts verschwiegen

„Omerta“ bedeutet ins Deutsche übertragen das Schweigen. Über die Mafia und ihre Taten schweigt man, man verrät nichts und niemanden. Zahlreiche Akteure haben die „Omerta“ in der Vergangenheit gebrochen oder sie angetastet. Die Meisten von ihnen haben dafür mit dem Leben bezahlt und nebenbei auch mit dem ihrer Liebsten. Recherchefleißige Enthüllungsjournalisten wie Roberto Saviano („Zero Zero Zero“) oder eben John Dickie lassen sich davon nicht einschüchtern und geben uns so einen Überblick über die wahre Situation, die in dieser Form eben zumeist lieber verschwiegen wird. So bekommt der Unwissende mal ein paar Informationen über die Bereiche, die bereits fest in den Händen der Mafia sind, ihre Strukturen und ihre Strategien. So viel sei verraten – Wer dieses Hörbuch hört, wird seine Sicht auf unsere Welt verändern.

0

Jenke von Wilmsdorff – Wer wagt, gewinnt

Benjamin Jendro

15.April
2014

von Wilmsdorff - Wer wagt, gewinntJenke von Wilmsdorff ist für mich eine der prägendsten Personalien, die uns die Fernsehwelt momentan präsentiert. Mit seinen Reportagen hat sich der Journalist in der Vergangenheit in so manch brenzlige Situation gebracht. Seit ein paar Jahren nun hat er alltägliche Phänomene unserer Gesellschaft untersucht und an sich einige Selbstversuche unternommen. Dabei ging es ihm zumeist um Probleme, die Menschen betreffen. Dafür hat Jenke sich als Alkoholiker und Rentner im fortgeschrittenen Alter versucht, tagelang auf sein Augenlicht und das eigene Hörvermögen verzichtet. Was all seine unterhaltsamen Reportagen eint, ist die Tatsache, dass die Themen in all ihrem Umfang für uns Menschen, obwohl omnipräsent, häufig sehr unbekannt sind. Das lässt sich auch in seinem Werk „Wer wagt, gewinnt“ erkennen.

Wer wagt, gewinnt – Heraus aus dem Alltäglichen

Eines ist für alle Jenke-Reportagen klar – was er macht, ist wahrlich nicht alltäglich. Es wird zu viel Routine im Job des Journalisten gewesen sein, die ihn dazu animierte, stetige Abwechslung in seine Arbeit zu integrieren. Jenke von Wilmsdorff widersetzt sich jeglicher Routine. Ein Leben, das nur so dahinplätschert? Das ist nichts für ihn. Stattdessen möchte er Sachen ausprobieren, neue Facetten des Lebens kennenlernen und so den eigenen Horizont erweitern. Dazu rät er auch jedem mit „Wer wagt, gewinnt“ – einer Hommage an den Versuch, Abwechslung ins Leben zu bringen. Ob Jobwechsel, Angstüberwindung oder eine Diät. Wer wirklich etwas will, kann alles in seinem Leben erreichen.

Der erste Schritt ist entscheidend

In den 284 Minuten, die Jenke von Wilmsdorff gemäß seines Naturells gleich selbst eingesprochen hat, verschweigt der Autor auch nicht, wo das Problem liegt, wenn man etwas ändern möchte. Das Entscheidende bei allen Entscheidungen ist der erste Schritt. Wer diesen tätigt, öffnet sich alle Türen. Aus eigener Erfahrung und dank der vielen Experimente hat Jenke festgestellt, dass sich Hürden in den Weg stellen, die es zu überwinden gilt. Die größte ist zumeist die erste. Es obliegt uns, diese zu überspringen. Die Möglichkeit dazu steckt in jedem von uns. Wir müssen uns nur trauen, sie zur Entfaltung kommen zu lassen.

0

Robert M. Edsel – Monuments Men

Benjamin Jendro

18.März
2014

Edsel - Monuments MenWenn man sich ein wenig für Geschichte interessiert, kommt man an Kinostreifen wie „Monuments Men“ nicht vorbei. Allein die Besetzung mit George Clooney, Matt Damon, Bill Murray oder John Goodman kann sich mehr als sehen lassen. Es ist umso besser, wenn derartige Streifen, die versuchen, einzelne Elemente einer sehr dunklen Epoche der Menschheitsgeschichte darzustellen, sich an den wahren Begebenheiten orientieren. Die „Monuments Men“ gab es wirklich, ihr Auftrag war es in der Tat, zu Ende des Zweiten Weltkriegs kulturelle Schätze sicherzustellen. Robert M. Edsel hat sich lange mit ihrer Geschichte auseiandersgesetzt. Die literarische Vorlage zum Kinofilm ist das Ergebnis seiner langen Forschungen. Auch die Hörbuchvariante kann sich sehen bzw.- hören lassen.

Monuments Men – Akademiker in Uniform

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Adolf Hitler ein kulturell gesehen äußerst interessierter Sammler war. Überall da, wo SS und SA wüteten, horteten sie Schätze eines unvergleichbaren Wertes. Das Interesse der „Monuments Men“ lag aber nicht allein an der Wiederauffindung einzelner Kunstgegenstände, sondern auch am Erhalt architektonisch bedeutender Gebäude. In Edsels Werk wird deutlich, dass dieser Wunsch hinten angestellt werden musste. Niemand der Verantwortlichen wollte ein Soldatenleben für ein Steingebilde hergeben. In der Tat lag es nicht an der militärischen Unterstützung, dass die „Monuments Men“ – Kunstprofessoren, Kuratoren und andere Kunstexperten – am Ende des Zweiten Weltkriegs Millionen Artefakte sichern und vor der Zerstörung bewahren konnten.

Der Auftrag der „Monuments Men“ war gefährlich

Selbst, wenn es in der momentanen Verfilmung so aussieht, als ob ihr Auftrag keinesfalls gefährlich gewesen sei, da der Krieg bereits so gut wie zu Ende war, wird beim Verlust von zwei Protagonisten deutlich, dass ihre Aufgabe mit einem hohen Risiko in Verbindung stand. Bei den so genannten „Monuments Men“ handelte es sich nicht nur um US-amerikanische Mitglieder. Die Gruppe wuchs und verzeichnete am Ende zahlreiche Mitglieder aus vielen europäischen Staaten, die aus dem Untergrund heraus agierten. Ohne Schutz und häufig komplett auf sich allein gestellt, opferten viele ihr Leben für die Sache. Es ist ihrem Mut zu verdanken, dass der Nationalsozialismus nicht die gesamten Erzeugnisse unserer Menschheit in Rauch und Asche verwandelte. Edsels etwa 17-stündiges Hörbuch ist eine nachträgliche Auszeichnung für ihr Wirken.

0