Strafverteidiger Ferdinand von Schirach hat in seinem bisherigen Leben vermutlich mehr Übel in der Welt gesehen als es zehn andere Personen in zwei oder drei Menschenleben schaffen würden. Zu seinem alltäglichen Klientel gehören Mörder, Erpresser und Drogenhändler, Psychopathen und, wohl noch schlimmer, vollkommen normale Menschen aus unserer Nachbarschaft. Hatte uns der Autor Ferdinand von Schirach anfangs mit der Darstellung von kürzeren Episoden seiner Arbeit begeistert, stellte er dies mit „Der Fall Collini“ zuletzt ein wenig auf den Kopf, was aber keinerlei Einfluss auf seinen Unterhaltungswert als Schriftsteller für bewegende Verbrechen ausüben konnte. Ganz im Gegenteil, denn anhand der längeren Geschichte kommt sogar noch ein wenig mehr Spannung auf.
In der Tat wird man bei der Betrachtung des jungen Anwalts Caspar Leinen und seinem Versuch, den Fall aufzuklären, irgendwie selbst zum Teil der Szenerie. Ein scheinbar friedlicher Mann, Werkzeugmacher Collini, bringt aus heiterem Himmel einen Großindustriellen auf heimtückische und brutale Art und Weise um. Leinen kennt den Toten und führte zumindest in seiner Kindheit eine recht enge Beziehung zu diesem. Der anfängliche Gewissenskonflikt, ob es richtig sei, weiter an dem Fall zu arbeiten, stellt im Vergleich zum Rest des Werkes, das von Burghart Klaußner gelesen wird, aber noch ein eher geringes Spannungsmoment da. Viel größer sind die nachfolgenden, die eine Wendung nach der anderen mit sich bringen.








