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3.Mai
2012

Charles Bukowski – „Der Mann mit der Ledertasche“

Benjamin Jendro

Charles BukowskiCharles Bukowski gilt bis heute als Unikum der Literaturszene: Er lässt sich weder in eine Epoche noch einem bestimmten Stil zuordnen. Am ehesten nennt man ihn einen „modernen und ironischen Naturalisten“, der sich der „absoluten, literarisch unverstellten Wahrhaftigkeit von Empfinden und Darstellung“ voll und ganz verschrieb. Seine verwendete Sprache ist schroff, hart, zuweilen obszön. Er lebte ein überaus hedonistisches Leben und nutzte seinen leidenden Blick auf die Welt für seine überwiegend autobiografischen Veröffentlichungen. In ihnen berichtete er von Prostituierten, Trinkern, Obdachlosen und vielen weiteren Existenzen abseits des Amerikanischen Traums.

Der Mann mit der Ledertasche“ ist sein Erstlingswerk nach langen Jahren ohne Zuspruch von Verlegern. Sein Alter Ego Henry Chinasky ist ein pessimistischer Säufer, der sich nach einer Anstellung ohne Verantwortung und Anstrengung sehnt. Die Stelle des Aushilfsbriefträgers vereinigt anfangs alle gewünschten Ansprüche und darüber hinaus sogar die Aussicht, mit vereinsamten Hausfrauen ins Bett gehen zu können. Eine schnell folgende Versetzung durchbricht diesen bequemen Müßiggang durch wachsende Anforderungen. Er kündigt schließlich und überbrückt die Zeit ohne Einkünfte durch sporadische Wettgewinne auf der Pferde-und Hunderennbahnen. Zu dieser Zeit scheitert auch seine Beziehung zu Betty, die Liebe seines Lebens. Später wird er erfahren, dass sie an den Folgen des Alkoholkonsums gestorben ist. Er findet zwar immer wieder neue Jobs und Frauen, jedoch erstickt jede Verpflichtung im täglichen Rausch und der Angst vor Alltag. Nach weiteren elf Jahren in der Poststelle kündigt er, widmet sich dem Schreiben und verstärkt seine Abhängigkeit von Genussmitteln. Einziger Lichtblick seines Lebens und Grund genug, sich nicht umzubringen, wird seine Tochter.

Weite Teile des Romans lassen sich direkt auf das Leben Bukowskis übertragen. Ungeniert legt er die Schattenseiten seines Lebens offen, die andere gerne verstecken. Nach 40 Jahren erscheint erstmals ein Hörbuch des rauen Klassikers, dessen Stimmung punktgenau von seinem Sprecher Matthias Brandt erfasst wurde. Gerade in Deutschland feierte Bukowski mit seinem derben und direkten Stil große Erfolge und verkaufte mehr als 4 Millionen Bücher. Ein Hörbuch, das nicht auf Gefälligkeit abzielt, sondern brutal ein scheiterndes Leben dokumentiert.

 

 

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