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20.August
2013

Charlotte Roche – Feuchtgebiete

Benjamin Jendro

FeuchtgebieteMan kann Literatur definitiv subjektiv bewerten. Bei Sachen, die der Unterhaltung dienen, ist es ohnehin nicht möglich, sie objektiv zu bewerten. Hinsichtlich Charlotte Roches SkandalromanFeuchtgebiete“ ist die Positionierung des Für und Wider aber schon eine recht polarisierte. Das Werk, in dem es in beinahe jedem Moment um das Ausscheiden von Körperflüssigkeiten bzw. Füllen einzelner Hohlräume geht, ist definitiv nichts für zarte Seelen. Auch die Hartgesonnenen sollten da all ihre Nerven beisammen haben. Sonst erschaudert nämlich auch das Gemüt des härtesten Lesers. So stark der Tobak ist, den man vorgesetzt bekommt, so stark ist auch die gesellschaftliche Spaltung hinsichtlich der Einschätzung ihres Debütromans. Viele haben das Werk kritisiert, es als unnützes Schriftstück deklariert. Allein die Tatsache, dass es zum internationalen Bestseller des Jahres 2008 reifte, zeigt aber auch, wie viele einen Blick hineinwarfen.

Eine junge Dame, die gerne etwas ausprobiert

Zu beneiden ist die 18-jährige Helen Memel nicht. Ihre Eltern sind geschieden und von Beginn an wirkt die Protagonistin ein wenig orientierungslos. Genau jene fehlende Einordnung der eigenen Person aber ist auch der Grund für das Unterhaltsame, was folglich erzählt wird. Helen interessiert sich sehr für ihren Körper und wagt reihenweise sexuelle Experimente. Dass dies für den Otto-Normal-Verbraucher phasenweise pervers und obszön ist, war der Autorin, die im Hörbuch auch als Sprecherin fungiert, von Beginn an klar. Bewusst war ihr aber auch, dass sie mit ihren Gedanken keinesfalls unbeflecktes Terrain betreten hat. Helen probiert gerne und experimentiert mit Gemüse und anderen Gegenständen. Ihre eigene Körperhygiene bleibt da manchmal auf der Strecke.

Nicht alles auf die Waagschale legen

Ob Roche sich vorab klar war, welche Diskussionen um ihr Werk entstehen? Ich denke nicht. Natürlich sollte ihr klar gewesen sein, dass man Derartiges noch nicht in literarischer Form präsentiert bekommen hat. Sie vertritt aber eben auch die Überzeugung, dass einzelne Wagnisse Helens nicht untypisch für heranwachsende Frauen sind. Warum sollte man also nicht darüber sprechen? Dass der Erfolg ihr Recht gibt, scheint angesichts der gigantischen Verkaufszahlen nicht widerlegbar. Ab dieser Woche gibt es den Inhalt ja nun auch auf der Kinoleinwand zu sehen. Auch das ist nicht gerade ein Indiz dafür, dass Roche mit ihrem Werk etwas vollkommen Absurdes produziert hat.

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