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26.August
2011

Charlotte Roche – Schoßgebete

Benjamin Jendro

Nach ihrem Überraschungserfolg „Feuchtgebiete“ hat Charlotte Roche nun ihr zweites Buch, „Schoßgebete“, herausgebracht. Viel wurde darüber geredet, mindestens genauso viel wie über das erste Buch.

Feuchtgebiete schlug ein wie eine Bombe. Die explizit geschilderten Sexszenen, welche für viele unter der Gürtelline waren und dann noch aus der Sicht einer Frau beschrieben wurden, waren ein Novum. Dieser Umstand ist nun hinfällig, weshalb auch Schoßgebete nicht nahtlos daran anknüpfen kann. Zu vorhersehbar ist die Sprache und wirklich schockierend ist daran nichts mehr. Man könnte nun meinen, das wirklich Tragische daran ist die Abstumpfung des Lesers gegenüber solchen Inhalten. Aber das wäre eine andere Fragestellung.

Der neuartige Kniff in diesem Buch ist zweifelsohne die Selbstdarstellung, bzw. die Verarbeitung eigener Erfahrungen. So bewältigt Roche in diesem Buch den tragischen Unfall ihrer Familie. Das gelingt ihr zwar nicht mit Leichtigkeit, verleiht dem Buch jedoch eine gewisse Tiefe. Ansonsten ist es ein Buch über eine Patchworkfamilie und eine Frau, die versucht, mit dem Leben als solches „klarzukommen“. Es könnte das Buch Ihrer Nachbarin, einer Freundin oder der Frau gegenüber in der U-Bahn sein.

Wirklich gut ist der relativ schonungslose Stil. Die Offenheit. Ein Buch über Sex, Liebe, Vertrauen und das Zusammenspiel (oder eben nicht) all dieser Dinge.

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