...entführen dich in eine andere Welt

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17.September
2013

Daniel Kehlmann – F

Benjamin Jendro

Kehlmann - FDas war eine Entscheidung, die beim Literaturfan zumindest für ein kurzes Schlucken sorgte. Daniel Kehlmann befindet sich nicht auf der Shortlist, aus der am Ende ein Sieger bzw. eine Siegerin für den Deutschen Buchpreis herausselektiert wird. 2005 hatte er das mit „Die Vermessung der Welt“ noch geschafft. Zwar wurde am Ende Arno Geiger prämiert, Kehlmanns Roman war aber im Nachhinein der, welcher sich am meisten verkaufte und sogar den Weg auf die Leinwand fand. Das könnte beim aktuellen Roman „F“ auch passieren. Einen hohen Unterhaltungswert besitzt das Werk auf jeden Fall. Gelesen von Burghart Klaußner ist jede der 525 Minuten des Hörbuches das Zuhören wert.

F wie Fatum

Lange, bevor das Werk veröffentlicht wurde, spekulierten Literaturexperten über einen möglichen Inhalt. Was nun letztendlich herausgesprungen ist, hatte wahrscheinlich niemand in dieser Form auf dem Papier. Kehlmann erzählt eine Familiengeschichte aus der Sicht von drei Söhnen. Sie entstammen einem Clan, dessen Bezeichnung formgerecht mit einem F beginnt. Jeder der drei Ich-Erzähler erzählt aus seiner persönlichen Sicht die Ereignisse des 08. August 2008. So verschieden sich die Brüder Eric, Iwan und Martin auch charakterisieren und so verschieden ihr Lebensweg bis dahin war, sie kommen letztlich alle auf das Gleiche hinaus. Einleitend erzählt Kehlmann von einem gemeinsamen Ausflug der Friedland-Brüder mit Vater Arthur zu einer Hypnoseshow in den 1980ern. Danach lässt der Vater die Familie sitzen, um sich einer plötzlichen Eingebung zu widmen. Sein Schicksal hat ihn dazu auserkoren, ab sofort Bestsellerwerke zu schreiben.

In F finden sich drei große K

Diese verkaufen sich anfangs gar nicht. Eine Suizidentenwelle jedoch mehrt das Aufsehen. Die drei Jungs für sich erfahren davon aus den Medien. Selbst befinden sich die drei später in verschiedensten Lebensumfeldern. Martin sucht sein Heil im Glauben, wird Priester und rühmt in seinen Aussagen die Kirche. Er selbst jedoch glaubt nicht an das, was er allen anderen eintrichtern möchte. Iwan versucht sich als Galerist und Kunstkritiker. Persönlich hat er das Malen schon längst aufgegeben. Sein Leben scheint zwar in geordneten Bahnen zu laufen. Es ist aber ebenso von Fälschung durchzogen wie das von Martin oder auch das des dritten Bruders Eric. Für diesen hat Kehlmann den Finanzsektor auserkoren. Kapital lautet das dritte große K und genau dieses verliert Eric im Rahmen der globalen Finanzkrise. Dass es sich dabei natürlich nicht nur um sein Eigentum handelt und er diesen Umstand mit aller Macht verschleiern will, zeigt einmal mehr, wie gesellschaftlich relevant ein Roman von Daniel Kehlmann sich gestaltet.

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