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13.September
2010

Ferdinand von Schirach – Schuld

Benjamin Jendro

Mit seiner Erzählung in dem 2009 erschienenen Buch „Verbrechen“ hat Schirach in beeindruckender Weise auf sich aufmerksam gemacht. Der Berliner Strafverteidiger hat von Fällen erzählt, die den Leser sofort für sich eingenommen haben und das in einer klaren, knappen und kühlen Erzählweise, die man so wohl nur einem Anwalt abnimmt.

„Schuld“ ist nun die Fortsetzung und entgegen einem immer wieder zu beobachtenden Trend ist sie ganz hervorragend gelungen und knüpft nahtlos an die Kunst aus dem ersten Buch an. Wieder gelingt es Schirach schon in einigen Sätzen, den Zuhörer dazu zu bewegen, Partei zu ergreifen und sich auf die eine oder andere Seite zu stellen. Plötzlich ist man Richter ohne es genau zu bemerken, nur um dann im Lauf der Geschichte auf einmal überrumpelt zu werden. Der Autor versteht es meisterlich, vorgefertigte Meinungen zu brechen und die Frage von Schuld einzubringen. Schuld ist juristisch so gar nicht mehr das, was wir mit moralischer Schuld verbinden. So werden vermeintlich Unschuldige schuldig gesprochen und was zum Himmel nach Gerechtigkeit schreit, bleibt ungesühnt.

Und wer nun auch noch glaubt, Täter hätten immer eine Handlungsfreiheit, wird sich umso mehr in Bedrängnis fühlen, nachdem er dieses Hörbuch durch hat. Eine ganz faszinierende Fortsetzung, abseits der alltäglichen Lektüre, die bisweilen sogar richtig komisch sein kann, gewollt oder ungewollt.

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Kommentare

  1. Kessy sagt:

    Das hört sich wirklich sehr interessant an.Werde ich mir gleich mal auf meinen Merkzettel schreiben.