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22.Oktober
2013

Ferdinand von Schirach – Tabu

Benjamin Jendro

von Schirach - TabuDie Ethik ist ein Bereich der Philosophie, in der die Frage diskutiert wird, was der Mensch tun soll und was besser nicht. Sie ist eng mit der Moralphilosophie verknüpft und beschäftigte bereits die klugen Köpfe der Antike. So gut wir uns in den bisherigen Jahrtausenden Menschheitsgeschichte doch entwickelt haben, noch immer sind viele Fragen dieser Kategorie unbeantwortet. Rein rechtlich gesehen haben wir in unserem Land gewisse Vorgaben, was wir dürfen und was nicht. Gesellschaftlich-sozial aber verschiebt sich dieser allgemein gültige Tonus. „Tabu“ des brillanten Juristen und begnadeten Schriftstellers Ferdinand von Schirach beschäftigt sich damit und schafft so eine äußerst unterhaltsame Lektüre.

Ein farbenfrohes Werk

Das fast 4 Stunden lange Hörbuch, das von Matthias Brandt gelesen wird, behandelt das Schicksal des Fotografen Sebastian von Eschburg. Diesen lernt man am Anfang als einen recht sonderbaren Jungen kennen, der grundsätzlich in Farben denkt und wahrlich ungewöhnlich daherkommt. Seine Einführung erlebt mit dem Suizid des Vaters einen tragischen Höhepunkt. Danach geht es eigentlich nur noch darum, wie er das Geschehene verarbeitet und fortan in der Welt klarkommt. Das gelingt ihm bisweilen recht ordentlich. Er avanciert zu angesehenen Fotografen, wenngleich er dabei einige Eigenarten mit sich bringt und gerade in Sachen Sexualität schwer einzuordnen ist. Wie aus dem Nichts wird von Eschburg zum Angeklagten in einem Mordprozess, in dem mit Strafverteidiger Biegler auch ein für von Schirach typische Advokat ins Werk eingebunden wird.

Ein Geständnis und die Suche nach der Leiche

Ungefähr zu Mitte der Geschichte gesteht der Tatverdächtige den Mord an einer Frau, die vorher aus seinem Kofferraum die Polizei anrief und auf ihn als Täter hinwies. Wie die Tat abgelaufen ist, wird nicht erklärt. Zusätzlich fehlt auch eine Leiche. Nichtsdestotrotz aber wird Anklage erhoben, auch weil man aus dem schweigsamen von Eschburg auf mehr oder weniger legale Art und Weise ein Geständnis herausbekam. Mit Biegler, den der Angeklagte anforderte, möchte von Eschburg auch nicht wirklich reden. Stückchenweise wirft er ihm neue Hinweise vor die Füße, mit denen sich der Fall lösen lässt. Dass dabei die eine oder andere Überraschung auf ihn und den Zuhörer wartet, gehört zum festen Programm. Eine Frage bleibt dabei zu jedem Zeitpunkt zentral. Was ist Wahrheit und wann ist der Punkt erreicht, an dem wir etwas als wahr bezeichnen, was gar nicht da ist? Neben diesem Aspekt schwingt spätestens am Werkende auch das Problem der Folter mit. Was ist erlaubt und was nicht, unter welchen Umständen würde selbst der Rechtsschaffende das Gesetz übertreten?

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