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9.April
2013

Ferdinand von Schirach – Verbrechen

Benjamin Jendro

von Schirach - VerbrechenAm vergangenen Sonntag erregte eine neue Reihe im Abendprogramm des ZDF mein Augenmerk. Zwei kurze Episoden mit einer Länge von einer knappen Dreiviertelstunde versüßten da das Herz aller Krimibegeisterten. Dabei handelte es sich nur im erweiterten Sinne um fiktive Szenarien, ihnen liegt nämlich ein realer Kern zugrunde. Zurück gehen diese Geschichten, die nun auch in den kommenden zwei Wochen zu sehen sein werden, auf den Strafverteidiger Ferdinand von Schirach, der sich längst auch als angesehener Bestsellerautor einen guten Ruf verdienen konnte. Die kurzen Dramen um die Abgründe der Menschheit, die nun für eine sechsteilige Reihe verfilmt wurden, entstammen seinem Sammelwerk „Verbrechen“.

Eine mysteriöse Schale und ein Mörder, den man gut versteht

Im zweiten der gezeigten Fälle sahen die Fernsehzuschauer einen Raubzug von drei Ganoven, die von Beginn an tollpatschig wirkten. Einen ganz ähnlichen Eindruck hinterließ auch die Hörbuchfassung, die von Burkhart Klaußner gelesen wird. Auch den folgenden, recht blutig dargestellten Rachefeldzug der Asiaten, die weniger an dem geraubten Geld als vielmehr an „Tanatas Teeschale“ interessiert sind, lädt zum Mithören ein. Noch unterhaltsamer wirkte auf mich die Geschichte „Fähner“, die auch im Werk des Autors die erste Kurzgeschichte darstellt. Ein Mann, der nach Jahrzehnten Ehe seiner Frau einfach so den Schädel einschlägt, scheint skrupellos. Dennoch teilt wohl jeder das Mitgefühl mit dem Täter, wenn man die Jahre seiner Pein auf sich wirken lässt.

Weitere tolle Geschichten

Allein diese zwei Erzählungen bieten schon reichlich Krimistoff, einige andere jedoch sind die Verfilmung ebenso wert. Zu ihnen gehört beispielsweise „Der Igel“, wo ein Migrant entgegen der eigenen Familienhistorie in den Genuss von hochwertiger Bildung gelangt. Er ist klug, doch niemand ahnt es, so dass er entgegen der Wirklichkeit sogar innerhalb der Familie als Schwachkopf dargestellt wird. Der Clou besteht letztlich darin, dass von Schirach dafür sorgt, dass dieser scheinbare Nichtsnutz am Ende einen ganzen Gerichtssaal narrt. Auch „Notwehr“ erzählt eine scheinbar unglaubliche Geschichte. Nationalsozialisten attackieren einen Mann, der sich nur verteidigt und dadurch sein Leben rettet. Erst später soll sich herausstellen, dass es sich beim vermeintlichen Opfer um einen eisenharten Killer handelt.

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