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29.April
2014

Gabriel Garcia Marquez – Chronik eines angekündigten Todes

Benjamin Jendro

Marquez - Chronik eines angekündigten TodesGabriel Garcia Marquez war einer der ganzen großen Autoren. Vor allem war er einer der wenigen lateinamerikanischen Schriftsteller, die dem Rest der Welt die Szenerie jenes Fleckchens auf dem Erdball, der von uns weit entfernt liegt, näher brachte. Dafür nutzte Marquez sein großartiges Talent, einfühlsam, teilweise emotionslos und letztlich verdammt unterhaltsam zu schreiben. „Chronik eines angekündigten Todes“ ist eines der Zeugnisse seiner Wirkungskraft. Es ist eine Geschichte, die von Unsicherheit und einer rückständigen Dorfgemeinschaft berichtet und eine, die aufgrund ihres Titels nach dem Versterben des Künstlers eine eigenartige Note verliehen bekommt.

Eine Chronik von einem Tag

Beim Blick auf den Titel des dreistündigen Hörbuchs, das von Hanns Zischler gesprochen wird, erscheint es merkwürdig, dass Marquez lediglich das Geschehen eines einzigen Tages berichtet. Genau genommen geht es nur um eine Nacht und einen Morgen. Aus der Sicht eines 27-jährigen Erzählers erfährt man von einer bevorstehenden Hinrichtung. Die Brüder Vicario wollen den jungen Santiago Nasar dafür büßen lassen, dass er die Ehre ihrer Schwester Angela beschmutzt hat. Diese wurde von ihrem designierten Bräutigam Bayardo zurückgewiesen, da er sich der Jungfräulichkeit der Gattin nicht mehr gewiss war. Santiago soll dafür verantwortlich sein. Bis zum Ende von „Chronik eines angekündigten Todes“ lässt Marquez offen, ob er wirklich der Verursacher ist.

Keiner durchkreuzt die „Chronik eines angekündigten Todes“

Das hinterfragt auch kein einziger Dorfbewohner, der Erzähler mal ausgenommen, so richtig. Die Bevölkerung scheint wie in Trance, jeder weiß um die bevorstehende Tat, doch niemand möchte sie verhindern, jedenfalls nicht persönlich. Stattdessen aber scheinen alle zu hoffen, dass das bevorstehende Töten noch irgendwie gestoppt werden kann. Selbst die Brüder Vicario sind sich nicht sicher, ob sie Santiago wirklich töten sollen. Einzig ihr Pflichtbewusstsein ist Triebfeder für den Mord. Marquez lässt den Leser in das Dorf und die Köpfe seiner Bewohner schauen, legt ihm aber auch irgendwie eine Starre auf, die verhindert, dass wir eingreifen wollen. So plätschert die Zeit zwischen Ankündigung und abschließendem Vollzug so vor sich hin.

 

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Kommentare

  1. Beate sagt:

    Wo steht im Buch geschrieben, dass der Ich-Erzähler 27 Jahre alt ist? Der Mord ist 27 Jahre her und aus der Perspektive erzählt er, aber er ist doch nicht an dem Tag geboren, an dem Santiago Nasar getötet wurde?