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23.Dezember
2013

George Orwell – 1984

Benjamin Jendro

Orwell - 1984In der vergangenen Woche ging es hier um Jonas Jonasson. Der Schwede ist zurzeit einer der angesagten Literaten, weil er es schafft, mit interessanten Abenteuergeschichten den Literaturfan zu unterhalten. Sicher ist es nicht, aber zumindest im Bereich des Möglichen, dass man über Jonasson auch noch in sechs Jahrzehnten spricht. Dann hätte er eine Nachwirkung erzielt wie George Orwell, um dessen viel zitiertes Meisterwerk es heute gehen soll. Der Brite, der eigentlich Eric Arthur Blair heißt, hat genau genommen zwei große Stücke geschrieben – „Farm der Tiere“ und „1984“. Allein die Tatsache, dass der japanische Dauerkandidat auf den Literaturnobelpreis, Haruki Murakami, Letzteres in neuem Deckmantel veröffentlicht und in „1Q84“ darum auch kein Geheimnis macht, zeigt die große Wirkung, die noch heute von Orwell ausgeht.

Die Kontrolle ist alles

1948 hat George Orwell sein Werk fertiggestellt. Mittels cleverer Zahlendreherei ist als Titel schließlich „1984“ herausgesprungen. Wer die Geschichte nicht gelesen oder gehört hat, wird über den Inhalt nur spekulieren können und schließlich erschaudern, sobald er mitbekommt, worum es geht. In „1984“ wird durch Hörbuchstimme Sebastian Rudolph ein perfider Staatsapparat vorgestellt, dessen einzelne Zahnräder perfekt ineinandergreifen und in welchem einzelne Institutionen engmaschig angelegt sind. Sie dienen der kompletten Überwachung der einzelnen Bürger, die nicht einmal normal fernsehen können, weil die Teleschirme ebenso als Überwachung aus der anderen Richtung genutzt werden können. Der „Große Bruder“, der die Parteielite führt, gibt vor, was man sieht, wann man Spot treibt und was man denkt. Wer sich hinter dem Synonym versteckt, weiß niemand. Nur ist ein Hinterfragen nicht gerade ungefährlich.

Beängstigendes, zeitloses Szenario

„1984“ spielt mit uns, weil Orwell trotz aller Kritik nicht wirklich darlegt, wo Fiktion aufhört und Realität beginnt. Das Thema Überwachungsstatt ist nicht erst im Jahr 2013 in den Fokus geraten. Ebenso bedeutsam wie das Gesamtkonstrukt sind auch die im Staat unterdrückten Einzelschicksale. Ehen sind arrangiert, die Jugend wird bereits in jungen Jahren für die Interessen der Obermacht gewonnen und so mancher Jüngling verrät seine Eltern. Die Strafen sind drakonisch, teilweise schon für winzige Fehler, so genannte Gedankenexperimente, denen die Gedankenpolizei auf die Schliche kommt. Zum geordneten Ablauf tragen auch die einzelnen Ministerien bei. In einem davon sitzt Hauptfigur Winston Smith, aus dessen Sicht wir alles beobachten. Im „Ministerium für Wahrheit“ sorgt er dafür, dass sich historische Ereignisse und Aussagen mit der derzeitigen Richtung der Partei decken. Zwar liegt sein Posten im erweiterten Kreis und so ist er Teil des Konstruktes, konform mit ihm ist er aber nicht. Smith will die Verhältnisse ändern, geht eine verbotene Liebschaft ein und will Kontakt mit dem Untergrund aufnehmen. Es stellt sich nur die Frage, wie viel Potenzial darin zu finden ist.

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